Al Ayre Español (Foto: Marco Borggreve)

Kammermusik

Weihnachtliche Musik mit Al Ayre Español

Eduardo López Banzo ist ein Schatzsucher der besonderen Art: Der aus Saragossa stammende Cembalist, Organist, Dirigent und Musikforscher hat schon viele musikalische Kleinodien aus verstaubten Archiven ans Tageslicht gefördert und zusammen mit dem von ihm gegründeten Vokal- und Instrumentalensemble Al Ayre Español (»auf spanische Art«) aufgeführt. In diesem Konzert lädt Eduardo López Banzo unter dem Motto ¡Vaya pastores de fiesta! zu einer barocken spanischen Weihnacht ein. Es erklingen u. a. Weihnachtskantaten von José de Torres und Juan Manuel de la Puente.

Al Ayre Español

Eduardo López Banzo Orgel und Leitung

Alison Lau Sopran

María Eugenia Boix Sopran

Gabriel Díaz Countertenor

Victor Sordo Tenor

José Antonio López Bariton

¡Vaya pastores de fiesta! − Eine barocke spanische Weihnacht

Anonymus

Pasacalles I und II

Juan Manuel de la Puente

Weihnachtskantate »Nunca con más sosiego«

Antonio Vivaldi

Sonate g-Moll für zwei Violinen und Basso continuo RV 72

José de Torres

Weihnachtskantate »Divino hijo de Adán«

José de San Juan

Una noche que los reyes

Jaime Facco

Sinfonia II für Violoncello solo

Sebastián Durón

El blando susurro, Quartett zur Geburt Jesu

Juan Bautista Cabanilles

Tiento de Falsas

Anonymus

Canción a dos tiples

José de Torres

Weihnachtskantate »Más no puede ser«

Anonymus

Gayta

Juan Francés de Iribarren

Viendo que Gil hizo raya

Termine und Karten

Mo, 10. Dez 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie R

Programm

Wenn sich Eduardo López Banzo auf die Suche nach vergessenen Meisterwerken des Barockzeitalters macht, scheut er keine weiten Wege. Denn vieles von dem, was der 1961 in Saragossa geborene Cembalist, Organist, Dirigent und Musikforscher ans Tageslicht fördert, findet er nicht in den Archiven seiner spanischen Heimat, sondern auf dem südamerikanischen Kontinent, in Guatemala oder in Mexiko.

Um das Gefundene in historisch adäquater Weise zum Klingen zu bringen, gründete der Gustav-Leonhardt-Schüler 1988 das Vokal- und Instrumentalensemble Al Ayre Español (»auf spanische Art«), dessen Name dem Titel einer Gitarrenfuge des aragonesischen Komponisten Gaspar Sanz entliehen ist. 2004 wurde den Musikerinnen und Musikern vom Kulturministerium ihres Heimatlandes der Premio Nacional de Música verliehen – in Anerkennung von über 20 Jahren musikwissenschaftlicher Präzision und maßstabsetzender Interpretation. »Hinreißend« fiel laut Tagesspiegel auch das gefeierte philharmonische Debüt von Al Ayre Español Ende Mai 2012 im Kammermusiksaal aus, bei dem Werke von Johann Sebastian Bach und José de Torres auf dem Programm standen.

Nun lädt Eduardo López Banzo unter dem Motto ¡Vaya pastores de fiesta! zu einer barocken spanischen Weihnacht ein – u. a. erneut mit Werken von José de Torres, dessen Schaffen seinerzeit auch in Portugal, Großbritannien und Italien Beachtung fand, sowie mit der Weihnachtskantate »Nunca con más sosiego« von Juan Manuel de la Puente, der schon mit 19 Jahren das Kapellmeisteramt an der Kathedrale im andalusischen Jaén übernahm.

Über die Musik

»Descienda ¡oh Señor!«

Musik zur Heiligen Nacht von spanischen Barockmeistern

Als Don José de Torres, königlicher Organist zu Madrid, 1702 seine Generalbass-Schule Reglas generales de acompañar … herausbrachte, bat er den Hofkapellmeister Sebastián Durón um eine Expertise. »Ich habe das Buch gesehen und sage: Um ihm die Approbation zu erteilen, genügt der Name des Autors, eines der ersten Organisten seiner Majestät.« So groß war die gegenseitige Wertschätzung der beiden Kollegen. In die Lobeshymnen auf Torres stimmte auch dessen »Amigo, y Compañero« Don Juan Manuel Ordoñez de la Puente ein, indem er ein Sonett auf den Freund verfasste. Es spielt mit dem Namen »Torres« (Türme): »Deine hohen Türme offenbaren den Ausblick auf die Sonne, und du vertreibst mit subtiler Wissenschaft die Unwissenheit […] Für die Nachwelt verewigen dich deine Hände wie deine Feder; denn auf deine Werke folgt der Ruhm.« Die beiden Barockmeister Torres und Durón sind im heutigen Programm mit Weihnachtskantaten vertreten, doch die Prophezeiung des gelehrten Klerikers Puente (nicht zu verwechseln mit dem Komponisten gleichen Namens) hat sich für sie nicht erfüllt: Die Hofmusik der spanischen Bourbonen im 18. Jahrhundert wurde nicht mit Nachruhm überschüttet. Gemessen an den italienischen Gaststars in Madrid wie Domenico Scarlatti oder Farinelli fristen Meister wie Durón und Torres bis heute ein Schattendasein. Umso schöner, dass das Ensemble Al Ayre Español seine Kunst an einem alle Zeiten und Epochen überdauernden Thema offenbart: an Weihnachten.

Villancicos und Cantadas al Nacimiento

In Deutschland, wo auf den Lärm der (Vor)-Weihnachtsmärkte die gesittete Familienfeier unter dem Christbaum folgt, kann man sich nur schwerlich vorstellen, was die Geburt des Erlösers für die zutiefst frommen spanischen Katholiken des Barock bedeutete: eine Explosion an Lebensfreude, ausgedrückt in volkstümlichem Singen und Tanzen, gerade in der Kirche. Wochenlang hatten sich die Menschen auf diesen Moment vorbereitet, im damals stillen Advent. Fieberhaft hatten die Kathedralchöre neue Weihnachtsstücke einstudiert, denn kein Heiligabend kam ohne die Aufführung mehrerer Villancicos aus. So nannte man die volkstümlichen Strophenlieder zum Weihnachtsfest, das klingende Pendant zu den Krippen der Neapolitaner. Auch im Villancico mischen sich volkstümliche Charaktere ins Weihnachtsgeschehen ein und erweisen dem Jesuskind ihre Reverenz. Sie singen gerne in spanischen Dialekten, die Bauern, Tagelöhner und Narren, aber auch »negros«, »gitanos« und »jácaras«, also Farbige, Zigeuner und Raufbolde.

Im frühen 18. Jahrhundert nahm die Geschichte des Villancico eine überraschende Wendung: Die Cantada al Nacimiento, die Weihnachtskantate, nistete sich bei ihm ein. Schon vor 1680 waren aus Italien die Formen der weltlichen Solokantate nach Spanien gekommen und sofort auf Werke in der Landessprache übertragen worden. Um 1700 war diese Abfolge von Rezitativen und Arien so fest verankert, dass sie nun auch auf die Weihnachtsstücke übergriff. Der einstmals so unbotmäßige Villancico wurde domestiziert und mit den vornehmen Musikformen aus Italien verbunden, freilich nicht durchweg. Der letzte Komponist im heutigen Programm, Juan Francés de Iribarren, hat für die Kathedrale von Málaga 253 Villancicos zu Weihnachten und Dreikönig geschrieben. Davon sind nur 43 in Kantatenform angelegt. Auch von seinen übrigen 241 Villancicos zu den anderen Hochfesten zeigt nur rund ein Viertel die Form der Cantada. Letztere blieb eine vornehme Facette im Kaleidoskop der spanischen Weihnachtsfreude.

Für das heutige Programm hat Al Ayre Español drei Weihnachtskantaten einstudiert, ferner einen Cuatro und zwei Jacáras. Der Bogen spannt sich vom italienischen Stil in den Cantadas bis zum volkstümlichen spanischen Tanzlied in der Art der ursprünglichen Villancicos. Dazwischen erklingen instrumentale Intermezzi.

Weihnachten in Jaén

Das Programm beginnt gewissermaßen auf dem Weg zur Kathedrale von Jaén: mit zwei Pasacalles. Wie der Name schon sagt, wurden diese kurzen Variationen über einen Bass beim Gehen (»pasar«) durch die Straßen (»calles«) improvisiert. Als instrumentale Zwischenspiele waren sie auch in der Weihnachtsmusik der Kathedralen äußerst beliebt, etwa in der Kathedrale von Jaén, die noch heute die andalusische Stadt als wuchtiger Barockbau überragt. Dort wirkte Juan Manuel de la Puente von 1711 bis zu seinem Tod 1753 als Kapellmeister. 1692 im kastilischen Tomellosa geboren, wurde er an der Kathedrale von Toledo ausgebildet, und zwar so gut, dass er sich schon mit 19 Jahren gegen sieben Konkurrenten durchsetzen konnte, als die Stelle in Jaél neu zu besetzen war. Fortan passierte er täglich die 1688 vollendete Fassade, die nicht zufällig an den Petersdom in Rom erinnert. Denn hier wie dort wird im Innern ein Schweißtuch Jesu als Reliquie verehrt. Entsprechend bedeutend waren die Kapellmeister in Jaén, angefangen von Francisco Guerrero in der Spätrenaissance bis zu Puente im Spätbarock. Seine insgesamt 87 Kantaten dirigierte letzterer im mächtigen Chor inmitten der Kathedrale, der während seiner Amtszeit die gewaltigen Musikeremporen erhielt, die man noch heute sehen kann. Dort erklangen auch die 28 Kantaten, die er dem Weihnachtsfest widmete.

»Es waren schwere Zeiten, Folge des Spanischen Erbfolgekriegs und des harten Klimas.« So schrieb 1989 der spanische Forscher Pedro Iménez Cavallé in seinem grundlegenden Aufsatz zu Puentes Kantaten. Als der junge Kapellmeister 1711 nach Jaén kam, währte das Ringen um die spanische Krone schon zehn Jahre: Philipp V., der Enkel Ludwigs XIV., den der letzte spanische Habsburger Karl II. zu seinem Erben ernannt hatte, kämpfte gegen den Wiener Habsburger Erzherzog Karl, den Bruder Kaiser Josephs I. 1711 nahm der Krieg eine überraschende Wendung: In Wien starb der junge Kaiser, und sein Bruder musste, obwohl er die Bourbonen in Spanien schon fast niedergerungen hatte, das Land verlassen, um als Karl VI. selbst Kaiser zu werden. Noch dauerte es drei Jahre bis zum Frieden, doch schon am ersten Weihnachtsfest seiner Amtszeit konnte Puente den Menschen mit zuversichtlicher Musik Hoffnung einflößen. 1724, als er seine Kantate »Nunca con más sosiego« aufführte, herrschte Philipp V. schon seit zehn Jahren unangefochten über Spanien, und es ging wieder bergauf.

Die Winter aber blieben streng und mit dem besonders grausamen von 1708/1709 hielt auch in Spanien eine »kleine Eiszeit« Einzug, was man selbst im sonnigen Andalusien spürte. Davon kündet der Anfang der Weihnachtskantate von Puentes: Die Hirten wundern sich, warum sich mitten in der Nacht plötzlich so milde Ruhe über die Felder ausbreitet. Selbst die Lämmer freuen sich, als mit lautem Getöse das Eis bricht und »der Dezember seine Herrschaft an den April abtritt«. Dieses Wunder eines Frühlings mitten im Winter wird in der ersten Arie auf die »centella bella« zurückgeführt, den schönen Funken, der durch seinen Glanz das Kommen des Erlösers verkündet. Im zweiten Rezitativ werden die Hirten an das Prophetenwort vom Aufbrechen einer lüte in der Kälte des Winters erinnert (wie im Weihnachtslied »Es ist ein Ros entsprungen«). Diese Blume ist das Jesuskind, das in der zweiten Arie von den Hirten in den Schlaf gewiegt wird, wenn es zu weinen beginnt. Denn dem Heiland stehen harte Prüfungen bevor: die Passion, die in vielen spanischen Weihnachtsstücken mitschwingt. Ein weiteres Prophetenwort des Jesaja, das Erheben der Täler und Einebnen der Hügel, wird – Händels Messias vergleichbar – zitiert. Danach geht die Kantate mit dem üblichen Grave zu Ende, einer demütigen Anbetung des Jesuskindes, des »infante, paciente y amante en Belén« (das »geduldige, liebende Kind in Bethlehem«).

Ein Spanier in Venedig

Nicht wenige spanische Granden des Barock verbrachten die Weihnachtszeit in Venedig, um die Opern des Karnevals zu genießen, deren Aufführungen am 26. Dezember begannen. Zu ihnen gehörte Don Filippo Antonio Spinola Colonna, Marchese de los Balbasses, wie ihn die Venezianer nannten. Mehrere Opernlibretti wurden ihm gewidmet, und zwar in jenen Jahren, als der junge Antonio Vivaldi durch seine Sonaten auch die Fremden in Venedig auf sich aufmerksam machte. Insofern ist es durchaus stilecht, wenn Al Ayre Español im heutigen Konzert auch eine Kammersonate aus Vivaldis Opus 5 präsentiert. Auf einer seiner Exkursionen entdeckte der Marchese das Talent eines anderen venezianischen Geigers: Giacomo Facco. Ganz im Stile Vivaldis hat dieser seinem Gönner 1720 einen Zyklus von Violinkonzerten gewidmet, die Pensieri Adriarmonici, die »Adria-harmonischen Gedanken«. Zwei sogenannte Sinfonien für Violoncello und Basso continuo, die unter Faccos Namen in der Biblioteca Marciana in Venedig überliefert sind, können ihm allerdings nicht mit Sicherheit zugeschrieben werden.

Weihnachten beim König

Wenn sich Philipp V., der Enkel Ludwigs XIV. und Großneffe des letzten spanischen Habsburgers, in die Schlosskapelle zu Madrid begab, um den Heiligen Abend zu feiern, mag er sich sehnsüchtig an die zwanglosen Weihnachtstage in Versailles erinnert haben, die für ihn 1701 zu Ende gingen. Damals brach er nach Madrid auf, ins große Abenteuer der Spanischen Erbfolge, die vor allem eine große Last bedeutete, erdrückt vom spanischen Hofzeremoniell und den Regierungsgeschäften eines Weltreichs. Umso willkommener mag dem König die Heilige Nacht gewesen sein mit ihrem Übermaß an schöner Musik: Der führende Organist der Hofkapelle, José de Torres, präsentierte seinem Dienstherrn jedes Jahr eine neue Cantada al Nacimiento, um 1715 das Stück »Divino hijo de Adán«. Durch seine Geburt wird Jesus zum Nachfahren Adams, doch er befreit die Menschheit von der Erbsünde, die der Stammvater einst über sie brachte. Dies wird in kunstvollen Rezitativen und Arien besungen. Die übrigen Hoforganisten spielten die Tientos (Tastenstücke) des unvergessenen Juan Cabanilles. In dessen Tiento de falsas de primer tonowirdein Thema im ersten Kirchenton, dem Dorischen, auf kunstvoll kontrapunktische Weise durchgeführt. Danach blieb es dem Hofkapellmeister Sebastián Durón vorbehalten, auch am Königshof die volkstümlichen Strophenlieder zum Klingen zu bringen, seine Cuatros al Nacimiento del Señor. Eins von ihnen mit dem Titel »El blando susurro« besingt in rührenden Tönen das schlafende Jesuskind in der Krippe.

Weihnachten in Madrid und Málaga

Im zweiten Teil des Konzerts kann man den Kontrast zwischen dem hohen Stil der Cantadaund den volkstümlichen Gesängen der Heiligen Nacht besonders deutlich erleben, denn das Programm schließt mit einer Jácara, einem volkstümlichen Tanzlied in aufreizenden Melodien, die ganz vom Tonfall des einfachen Volkes geprägt sind. José de Torres dagegen schuf seine Weihnachtskantate »Mas non puede ser« um 1715 für die Hofmusik König Philipps V. in Madrid. Der erste Satz erfüllt die gleiche Funktion wie der Eingangschor einer Bachkantate: Oboe und Streicher geben Ton und Thema der Kantate vor, in diesem Fall den feierlichen Duktus einer spanischen Sarabande. Chor und Solosopran greifen ihn auf: »[Nein], mehr kann er [in seiner ewigen Güte] nicht sein«, was der Chor durch seine ekstatischen Ausrufe »No … no!« bekräftigt. Aus den schweren Mollharmonien über dem unverrückbaren Bass tritt später auch die Frage emphatisch hervor: »¿Quién entenderá bajar que es subir?« (Wer kann begreifen, dass herabsteigen [zugleich] emporsteigen bedeutet?) Dieses Paradox bestimmt die ganze Kantate. In ihrer ersten Arie ruft die Sopranistin dem Herrn zu: »Descienda ¡oh Señor!« (Steig herab, Herr!). Denn im Abstieg des Jesuskindes auf die Erde wird schon sein Aufstieg vorweggenommen: am Tage seiner Himmelfahrt nach Passion und Tod. Virtuose Läufe der Solovioline und absteigende Koloraturen des Soprans schildern das Kommen des Erlösers ganz im Stil des großen Alessandro Scarlatti, der die spanische Hofmusik von Neapel aus entscheidend beeinflusste. Danach stimmt die Oboe ein melancholisches Minué an, ein Menuett im französischen Stil. In drei Strophen erinnert der Sopran die Gläubigen daran, dass sie zwar Sünder sind, aber durch die Menschwerdung Jesu Gnade erlangen werden. Ein weiterer Chorsatz beendet die Kantate im schwingenden Rhythmus einer Loure, einer langsamen Gigue. Der zarte Schluss leitet demütig zur Verehrung der Krippe über.

Von Demut kann in denJácaras des Juan Francés de Iribarren keine Rede sein. Stolz und vollmundig singen hier die Hirten an der Krippe, in unwiderstehlichen Tanzrhythmen, die an die konvulsiven Bewegungen des Fandango erinnern. Zu Weihnachten 1745 stimmten die Sänger und Streicher der Kathedrale von Málaga eine besonders originelle Jácara an: »Viendo que Gil hizo raya«. Der Hirte Gil hatte im Vorjahr so schön zum Weihnachtsfest gesungen, dass ihn sein Freund Bato nun übertreffen möchte. Dazu benutzt er – wie es im Titel heißt – »violines e violon punteados« (gezupfte Geigen und Cello). Über ihrem prickelnden Pizzicato sind alle voller Vorfreude, was ihnen denn Bato zu erzählen hat. Es ist die alte Weise vom Aufstieg und Fall des Luzifer. Und nachdem der Teufel mit einem mächtigen Krach zur Hölle gefahren ist, können sich alle rückhaltlos in die Weihnachtsfreude stürzen …

Karl Böhmer

Biografie

Al Ayre Español wurde 1988 von Eduardo López Banzo mit dem Ziel gegründet, der Barockmusik Spaniens gegen alle Vorurteile und mit musikwissenschaftlichem Tiefgang zu neuer Beliebtheit zu verhelfen. Allerdings lässt sich das Ensemble, dessen Name von dem Titel einer Gitarrenfuge des aragonesischen Komponisten Gaspar Sanz inspiriert wurde, nicht auf die Rolle eines reinen Alte-Musik-Ensembles festlegen. Denn die Musikerinnen und Musiker haben sich einer künstlerischen Philosophie verschrieben, die es ihnen erlaubt, sich flexibel an unterschiedliche Formate anzupassen: als Barockorchester – international gefeiert für seine Händel- und Bach-Aufführungen – und als klassisches Orchester mit Opern- und Konzertdarbietungen von Haydn und Mozart. Inzwischen zählt Al Ayre Español zu einer der prominentesten spanischen Formationen und ist in den renommiertesten Konzertsälen aufgetreten: im Concertgebouw Amsterdam, im Musikverein und Konzerthaus Wien, im Théâtre des Champs-Elysées und in der Cité de la Musique in Paris, im Teatro Real in Madrid, im Gran Teatre del Liceu in Barcelona, in der Library of Congress in Washington, im Palais des Beaux-Arts in Brüssel, im Palacio Euskalduna in Bilbao und im Teatro Olimpico in Rom. Überdies erhielt Al Ayre Español Einladungen zu bedeutenden Musikfestivals (Osterfestspiele Baden-Baden, Bachfest Leipzig, Oude Muziek Utrecht, Internationale Festtage Alter Musik Stuttgart, Schleswig-Holstein Musik Festival, Festival d’Ambronay, Händel Festspiele Halle, Monteverdi Festival Cremona, Quincena Musical de San Sebastián, Hong Kong Arts Festival u. a.). Das Ensemble wird vom spanischen Kultusministerium und von Industrias Químicas del Ebro gefördert, ist seit 14 Jahren Residenzorchester des Auditorio de Zaragoza und seit 2011 Botschafter von Saragossa. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker debütierte es Ende Mai 2012 im Kammermusiksaal mit Werken von Johann Sebastian Bach und José de Torres.

Eduardo López Banzo, 1961 in Saragossa geboren, zählt zu den Vertretern der historischen Aufführungspraxis und ist bemüht, seinen Musikern die musikalischen Quellen der Kompositionen möglichst nahe zu bringen, sodass auch nach Jahrhunderten noch der frische und innovative Geist der Werke in den erarbeiteten Interpretationen herauszuhören ist. Er studierte Orgel und Cembalo bei José Luis González Uriol in Saragossa sowie in Amsterdam bei Jacques van Oortmerssen und Gustav Leonhardt, der ihn dazu ermutigte, sich auf spanische Barockmusik zu spezialisieren. 2002 erhielt Banzo die Ehrenmedaille des Conservatorio Superior de Música de las Islas Baleares für seine Verdienste um das Werk des Komponisten Antonio de Literes. 2004 wurde dem von ihm 1988 gegründeten Ensemble Al Ayre Español der Premio Nacional de Música des spanischen Kultusministeriums verliehen. Neben seiner Tätigkeit mit Al Ayre Español steht Eduardo López Banzo häufig am Pult spanischer Symphonieorchester, etwa derjenigen von Teneriffa, Gran Canaria, Galicia, Madrid, Granada und Valencia. Er dirigiert auch zahlreiche Alte-Musik-Ensembles, u. a. das New York Collegium, das San Francisco Philharmonia Baroque Orchestra, das belgische Barockorchester B’Rock, das Orquesta Barroca de Sevilla sowie Arte dei Suonatori aus Polen. Im Bereich der Oper hat sich Eduardo López Banzo auf die Werke von Georg Friedrich Händel spezialisiert und wirkte bereits an Produktionen in den Opernhäusern von Bilbao, Valencia und Kiel mit. Darüber hinaus lehrt er an den Universitäten von Salamanca, Alcalá de Henares und Saragossa sowie am Konservatorium Amsterdam und an der Fondazione Giorgio Cini in Venedig. Zudem gibt er alljährlich Kurse am Centro Nacional de Difusión Musical in León, das dem spanischen Kultusministerium angegliedert ist. Im Oktober 2010 wurde Eduardo López Banzo zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt ernannt. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er erstmals Ende Mai 2012 mit Werken von Johann Sebastian Bach und José de Torres zu erleben.

María Eugenia Boix, in Monzón (Provinz Huesca) geboren, beendete ihr Gesangsstudium am Conservatorio Superior de Música de Salamanca mit Auszeichnung. 2007 gewann sie den Ersten Preis beim Stipendiumswettbewerb »Montserrat Caballé – Bernabé Martí«; im Juni 2012 war sie Halbfinalistin bei dem von Plácido Domingo organisierten »Operalia«-Wettbewerb, der in jenem Jahr in Peking stattfand. Die Sopranistin hat mit Dirigentinnen und Dirigenten wie Eduardo López Banzo, Paul Goodwin, Monica Huggett, Sir Neville Marriner, Carlos Mena, Aisslinn Nosky, Kazushi Ōno, Albert Recasens, Gennadi Roschdestwenski und Federico Maria Sardelli zusammengearbeitet. Zu den Opernpartien, in denen María Eugenia Boix auf den Bühnen von Sevilla, La Coruña, Madrid und Oviedo zu erleben war, zählen Belinda in Purcells Dido and Aeneas, Corrina in Rossinis Il viaggio a Reims, Frasquita in Bizets Carmen, Pamina in Mozarts Zauberflöte sowie Woglinde in Wagners Rheingold. Die Sängerin ist auch im Oratorienbereich erfolgreich, widmet sich dem Liedgenre und gastiert in Begleitung renommierter Originalklangensembles in Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Russland, Polen und in den USA. María Eugenia Boix, deren Schaffen auf diversen Rundfunk- und CD-Aufnahmen dokumentiert ist, gibt in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker nun ihr Debüt.

Gabriel Díaz, in Sevilla geboren, begann seine musikalischen Ausbildung im Coro Barroco de Andalucía, wo er von Carlos Mena, Lambert Climent und Lluis Vilamajó unterrichtet wurde. Anschließend setzte er seine Studien am Trinity College of Music in London als Schüler von Timothy Travers-Brown, Philip Thorby und Stephen Preston fort. Der Countertenor tritt regelmäßig mit renommierten Orchestern und Vokalensembles auf (La Capella Reial de Catalunya, Chœur de Chambre de Namur, La Grande Chapelle, Vox Luminis, Les Ambassadeurs, Musica Saeculorum) und arbeitet dabei mit Künstlern wie Jordi Savall, Leonardo García Alarcón, Lionel Meunier, Marco Vitale, Philipp von Steinaecker und Alexis Kossenko zusammen. Gabriel Díaz war bei renommierten Festivals in ganz Europa sowie in Marokko, Mexiko, Kolumbien, Peru und in den USA zu erleben; 2015 wurde er unter zahlreichen Bewerbern zur Vocal-Residency des Festival d’Aix-en-Provence ausgewählt, die von Emmanuelle Haïm geleitet wurde. Er übernahm die Partie des Andronico in Händels Tamerlano am Teatr Wielki in Poznań und sang bei den Donaufestwochen in Strudengau (Österreich) den Medoro in Giovanni Battista Marianis Oper La Lisarda. Erst kürzlich gab er sein Debüt an der Warschauer Kammeroper unter der Leitung von Marco Vitale in der Rolle des Ircano in Leonardo Vincis Dramma per musica Semiramide riconosciuta. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Gabriel Díaz nun erstmals zu hören.

Alison Lau, in Hongkong geboren und aufgewachsen, absolvierte ihr Gesangsstudium an der Hong Kong Academy for Performing Arts (Bachelor) sowie am New England Conservatory of Music in Boston (Master). Von 2015 bis 2017 nahm die Sopranistin am Jockey Club Opera Hong Kong Young Artists Development Programme teil. Beim 22. Concorso Internazionale per Cantanti Lirici »Spazio Musica« in Orvieto 2017 wurde sie mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Außerdem gewann die Sängerin Preise beim internationalen Musikwettbewerb in Yokohama und bei der Metropolitan International Music Festival Vocal Competition in New York. Alison Lau gastiert regelmäßig an der Oper Hongkong, wo sie 2017 als Lauretta in Puccinis Gianni Schicchi zu erleben war, und arbeitet überdies mit dem Bach-Chor und dem Philharmonischen Orchester ihrer Heimatstadt zusammen. Zu den Höhepunkten ihrer küntlerischen Tätigkeit in der jüngsten Vergangenheit zählen ihr Deutschland-Debüt bei einer Aufführung des Deutschem Requiems von Johannes Brahmsam Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, Auftritte mit Al Ayre Español beim Hong Kong Arts Festival, ihre Zusammenarbeit mit dem Kammerchor Die Konzertisten aus Hongkong im Rahmen des »Historically Informed Performance Project« sowie Konzerte in der Serie »Bach Pilgrimage« in der St. John’s Cathedral in Hongkong. Alison Lau präsentierte im Zeitraum von drei Jahren am Music Lab Hongkong thematische Liederabende, die zu ihren Debüts in London und Taipeh führten. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt sie nun ihren Einstand.

José Antonio López ist ein Sänger mit einer Repertoire-Bandbreite von der barocken bis zur zeitgenössischen Musik. Seine letzten erfolgreichen Konzertauftritte in Bachs Matthäus-Passion im Wiener Musikverein, in Beethovens Neunter Symphonie in der Wiener Hofburg und in Brahms’ Deutschem Requiem im Brüsseler Palais des Beaux-Arts zeugen ebenso von seiner Vielseitigkeit wie sein Rollendebüt als Enrique in Mauricio Sotelos Oper El Público am Teatro Real in Madrid oder seine Gastspiele beim Cincinnati Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra und BBC Philharmonic Orchestra. Der Bariton ist ein gern gesehener Gast im Wiener Konzerthaus, im Münchner Prinzregententheater, in der Berwaldhalle Stockholm, der Philharmonie Warschau, der Halle aux Grains Toulouse und dem Theater an der Wien, wo Maurizio Pollini sein Klavierbegleiter bei einem Rezital war. Außerdem singt er regelmäßig in den großen spanischen Häsuern wie dem Teatro Real, dem Auditorio Nacional de Música und dem Teatro de la Zarzuela in Madrid sowie dem Auditori in Barcelona. Im Konzertfach war er bislang in Werken von Bach bis Brahms zu erleben, aber auch in Mahlers Liedern eines fahrenden Gesellen und den Kindertotenliedern sowie in Zemlinskys Lyrischer Symphonie and Schönbergs Gurreliedern. Zu seinen Operndebüts in jüngster Zeit zählen die Partie des Germont (La traviata) in Córdoba, Oviedo und Pamplona, die Rollen Amonasro (Aida) und Jago (Otello) in Jerez, sowie die des Jochanaan (Salome) beim Festival de Teatro Clásico de Mérida. José Antonio López arbeitete mit Dirigenten wie David Afkham, Andrey Boreyko, Ivor Bolton, Iván Fischer, Pablo Heras-Casado, Christopher Hoogwood, Lorin Maazel, Andrea Marcon, Juanjo Mena, Gianandrea Noseda, Christophe Rouset und Masaaki Suzuki zusammen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt er nun seinen Einstand.

Victor Sordo wurde in Badajoz (Extremadura ) geboren, wo er bei Jésus Muela und Guadalupe Alonso Gómez Rey in den Fächern Klavier und Chormusik ausgebildet wurde. Anschließend studierte er in Sevilla bei Ricardo Rodriguez Chorleitung, bevor er Schüler von Peter Philips, Owen Rees, Fernando Eldoro, Graham O’Reilly, Marcel Peres, Tamara Brooks, Marco Berrini, Julio Dominguez und Javier Busto wurde. Seine Gesangsdozenten waren Isabel Alvarez, Miguel Bernal, Bart Vandewege, Lambert Climent, María Coronada, Jan Van Elsacker, Lluis Vilamajó, Ana Luisa Chova und Kevin Smith. Als Spezialist der historischen Aufführungspraxis tritt Victor Sardo weltweit mit den renommiertesten Vokalensembles und Barockorchestern auf (z. B. Collegium Vocale Gent, Arsys Bourgogne, Coro e Orchestra Ghislieri, Akademie für Alte Musik Berlin, La fenice, Le Concert des Nations, La Ritirata, The Harp Consort, Acadèmia 1750). Hierbei arbeitete er mit Künstlern wie Jordi Savall, Eduardo López Banzo, Phillipe Herreweghe, Enrico Onofri, Andrew Lawrence King, Xavier Díaz Latorre, Fahmi Alqhai, Kenneth Weiss, Hiro Kurosaki, Daniel Espasa, Massimo Spadano und Jean Tubèry zusammen. Victor Sordo, der auch bei diversen spanischen Symphonieorchestern gastierte und dessen künstlerische Tätigkeit auf mehr als 40 CDs dokumentiert ist, gibt in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker nun sein Debüt.

Al Ayre Español (Foto: Marco Borggreve)

Eduardo Lopez Banzo (Foto: Marco Borggreve)