Bolero Berlin (Foto: Alessandro Cappone)

Kammermusik

10 Jahre Bolero Berlin

Das philharmonische Ensemble Bolero Berlin feiert seinen zehnten Geburtstag – mit einem Programm, das u. a. auch im Zeichen der Oper steht: Ohrwürmer aus Bühnenwerken von Richard Wagner und Giuseppe Verdi, treffen auf Evergreens aus der Feder von Duke Ellington und Astor Piazzolla. Sämtliche Arrangements sind auf den warmen, dunklen Ton und den mitreißenden lateinamerikanischen Sound abgestimmt, der kennzeichnend für Bolero Berlin ist und den die Musiker in ihrer zehnjährigen Zusammenarbeit perfektioniert haben.

Bolero Berlin:

Martin Stegner Viola

Manfred Preis Saxofon

Helmut Nieberle Gitarre

Raphael Haeger Klavier

Esko Laine Kontrabass

Daniel »Topo« Gioia Percussion

10 Jahre Bolero Berlin

Arrangements aus Werken von Giuseppe Verdi, Richard Wagner, Maurice Ravel, Astor Piazzolla, Django Reinhardt, Duke Ellington u. a.

Besamé mucho, O du mein holder Abendstern, La donna è mobile, Fuga y Misterio, Windmills of your Mind u. a.

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Mo, 03. Dez 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

Das Ensemble Bolero Berlin bereichert seit 2008 die Musiklandschaft um faszinierende, bislang ungehörte Klänge ganz eigener Prägung. Dunkel, geheimnisvoll, verführerisch und von glühender Leidenschaft erfüllt sind seine Interpretationen eines exquisiten, gängige stilistische Schubladen hinter sich lassenden Repertoires. Die in einer weltweit einzigartigen Besetzung musizierende Formation verbindet die kammermusikalische Präzision seines Zusammenspiels mit einer am Jazz orientierten Musizierfreude.

Anlässlich seines zehnten Geburtstags präsentiert das Ensemble Bolero Berlin ein Programm, das auch im Zeichen der Oper steht: Ohrwürmer aus Bühnenwerken von Richard Wagner und Giuseppe Verdi, treffen auf Evergreens aus der Feder von Duke Ellington und Astor Piazzolla – und das in eigenen Instrumentalbearbeitungen, die der energiestarken und virtuosen Spielleidenschaft der Ensemblemitglieder ebenso Raum verschaffen wie der unwiederholbaren, nur aus dem Augenblick des Zusammenspiels inspirierten Improvisation einzelner Solisten.

Vermeintlich Bekanntes erscheint so in einem neuen musikalischen Licht und lädt zu einer spannenden Zeitreise rund um den Globus ein. Wenn die Gitarre das »Lied an den Abendstern« aus Wagners Tannhäuser in einen nächtlichen Bolero kleidet und dazu leise das Saxofon singt, dann eröffnen sich geheimnisvoll schillernde Klangwelten jenseits der traditionellen Grenzziehungen zwischen E- und U-Musik.

Über die Musik

Nobel, verführerisch, rhythmisch expressiv und transatlantisch

Zehn Jahre Bolero Berlin

Wer als Orchestermitglied und klassisch geschulter Kontrabassist, Bratscher, Schlagzeuger oder Klarinettist jahraus, jahrein mit den weihrauchdampfenden Karawanen philharmonischer Schlachtrösser durch die Musikwelt zieht, erwacht hin und wieder mit dem rätselhaften Bedürfnis, sich Abwechslung vom Wahren, Guten, Schönen zu verschaffen. Insofern verwundert es, dass das einzige veritable Crossover-Ensemble der Berliner Philharmoniker erst zehn Jahre besteht, während der Wunsch nach weniger erhabenen Klängen, als der philharmonische Dienstplan größtenteils vorsieht, bei unseren feiernswerten Jubilaren – und nicht nur diesen – doch schon früher erwacht sein dürfte.

Die genaueren Umstände, die zur Gründung von Bolero Berlin führten, waren trotz eingehender Recherche nicht mehr zu ermitteln. Vielleicht hatte ja auch ein gediegener Zufall seine Hände im Spiel. Fest steht, dass die von außerhalb der philharmonischen Beschäftigungslandschaft hinzu getretenen Instrumentalisten – der Gitarrist Helmut Nieberle und der Perkussionist Topo Gioia – das Spektrum des angestrebten Repertoires auf staunens- und bewundernswerte Weise bereicherten.

Um dem Geheimnis des Bolero Berlin auf die Spur zu kommen, habe ich mich einige ersprießliche Stunden lang mit den Originalen hinter den fürs heutige Programm auserwählten Musiktiteln beschäftigt und kann nun nachvollziehen, warum sich derart geschmackssichere Musiker – vermöge ihrer immer noch anwachsenden kreativen Neugier auf stilübergreifende Entfaltungsgebiete – die Gelegenheit nicht entgehen ließen, die heute Abend angebotenen Kostbarkeiten auf geweihtem Bühnenboden vorzustellen.

Becirct von Consuelo Velázquez: »Besame mucho«

In der Absicht, Ihnen den Übergang zum ersten Titel, dem legendären »Besame mucho«, atmosphärisch zu erleichtern, möchte ich mit dem folgenden Ansagetext beginnen:

Als ich das erste Mal an ihrem windschiefen Pueblo vorbeiritt, schaute sie mich an, als mache sie mich für das Abschmelzen der Polkappen verantwortlich. Aber irgendetwas in ihrem Blick ermunterte mich, sie anzusprechen. Noch Monate später machte sie sich über diesen auf Spanisch vorgebrachten Annäherungsversuch lustig. »Willst du mein Nebenarm werden, süße Zimtbaracke?«, muss ich gesagt haben – dabei war ich mir meiner Aussprache so sicher gewesen. Ihre Antwort war ein Gelächter, dem keine Zahnspange standgehalten hätte. Aber ich hatte das Eis auf der Oberfläche ihrer gefrorenen Seele angetaut ...

Consuelo Velázquez war eine Dichterin von höchstem Rang, obwohl sie bis zu ihrem 20. Lebensjahr außer Texten auf Erdnussdosen kaum etwas zu lesen bekommen hatte. Gleich ihr erstes Liebeslied an mich endete denn auch mit den Zeilen:

Ich bin für dich, mein Freund,
ziehst du mich in Erwägung,
mindestens haltbar bis:
(siehe Deckelprägung).

Ihr zweites Lied war ein weltentiefer Schrei nach Zärtlichkeit und Liebe, und mit den darin besungenen Küssen bedeckte sie alles, was damals noch von mir übrig war: »Besame mucho!«

Eine solche, völlig informationslose Prosaszene soll dafür sorgen, dass sich das Publikum während der Lektüre auf das nächste Musikstück freut und umgekehrt. Ähnlich verhält es sich auch mit allen folgenden Texten, von denen allerdings mangels geeigneter oder verfügbarer Informationsquellen nicht nur sachdienliche Erkenntnisse zu erwarten sind.

Es muss nicht immer Bizet sein – Lionel Belascos Carmencita

Diese charmante Mischung aus Walzer und Calypso zeichnet in Notenschrift das abenteuerliche Künstlerleben Lionel Belascos nach, der als Spross einer afro-karibischen Mutter und eines sephardisch-jüdischen Vaters zwischen seiner westindischen Heimat Trinidad und der Tonabnehmer-Metropole New York fluchtartig hin und her pendelte, weil er eine seiner Klavierschülerinnen, Tochter des britischen Gouverneurs, auch in andere Geheimnisse als die des Klavierspiels einweihte. Mit dem afro-disiakischen Feuer der Karibik durchglühte er die kühle Eleganz europäischer Liebeslieder und widmete das Ergebnis noch anderen unbescholtenen Damen wie der hier vertonten Carmencita, die er dadurch – an seiner Seite – in die Unsterblichkeit entließ.

»Sinnbetörend«: Django Reinhardts Troublant Boléro

Wenn man sich – die Übersetzung von »troublant« mit »verwirrend, beunruhigend« im Kopf – dem Hörgenuss dieses ungewöhnlicherweise im Viervierteltakt voranschreitenden Bolero hingibt und sich ausmalt, es handele sich um die musikalische Unterlegung einer verfilmten Liebesszene, dann ahnt man schon, dass diese Geschichte einer partnerschaftlichen Zuwendung nicht ohne seelische Verwerfungen ausgehen dürfte. Als »ensorcelant« – also »verführerisch« oder »sinnbetörend« – bezeichnet auf YouTube der französische Radiosprecher dieses Stück des unerreichten Jazzgitarristen Django Reinhardt. Lehnen wir uns behaglich zurück – soweit im Kammermusiksaal möglich – und genießen die wehmutsvoll pulsierende Begleitmusik zu einem Seelendramolett, an dem man allenfalls im Traum gern selber beteiligt wäre.

Klagen und tanzen: zwei brasilianische Impressionen von Helmut Nieberle

»Klageliedchen nach Art des Hauses« könnte man das übersetzen, was Helmut Nieberle im vorliegenden Titel aus diesem brasilianischen Lamento gemacht hat. Belascos Carmencita vergleichbar, verbindet auch der Choro europäische Tänze wie Polka oder Walzer mit afroamerikanischen Fortbewegungsrhythmen und setzt sie der Fantasie hochmotivierter Improvisatoren aus, meist mit beglückenden Ergebnissen. Als Endverbraucher widmet man sich dem Choro am besten bei einer Karaffe Caipirinha im Kreise lieber Freunde, die man an Stränden wie der Praiade Jericoacoara um sich versammelt, damit jemand in der Nähe ist, der uns wieder auf die Beine hilft, wenn wir nach dem vierten Cocktail merken, dass in Schnaps getränkte Limonen nicht so gesund sind, wie sie sich beim ersten Schluck anhören. Der Choro lässt die grundlose Fröhlichkeit der Brasilianer am Beispiel ihrer Musik erahnen – vielleicht sollte man den Bundestag einfach öfter an der Copacabana tagen lassen!

Dem Äquator näher als der Donau dürfte auch Helmut Nieberles Choro Waltz sein, der sich zumindest dem Titel nach am Valsa Chôro des Brasilianers Heitor Villa-Lobos orientiert. Angetrieben werden beide Kompositionen vom rhythmisch befeuerten Bewegungsdrang ihrer Zielgruppe: Tanzen ist in Lateinamerika von lebensbestimmender Bedeutung, und in der Vereinigung von Choro und Walzer finden wir hörenswerte Beispiele dafür, dass Wehmut und Muskelkater den Tanzenden auf dem Fuß folgen.

Piazzolla polyfon: Fuga y Misterio

Wer schrieb die flottesten der Fugen,
die je den Tango bachwärts trugen?
Natürlich Meister Piazzolla,
der eine Sammlung wundervoller,
fein rhythmisierter Stücke schuf
und damit seinen guten Ruf
(Geniestreiche gibtʼs nie genug!)
im Tangoschritt durchs Leben trug.
Die Fuge als Mysterium:
genieße sie, o Publikum!

Gedankenkarussell – Michel Legrands Windmills of Your Mind

Round
Like a circle in a spiral
Like a wheel within a wheel
Never ending or beginning
On an ever spinning reel
Like a snowball down a mountain
Or a carnival balloon
Like a carousel thatʼs turning
Running rings around the moon
Like a clock whose hands are sweeping
Past the minutes of its face
And the world is like an apple
Whirling silently in space
Like the circles that you find
In the windmills of your mind

Das seit seiner Erstpräsentation im Jahre 1968 rotierende »Gedankenkarussell«, wie man den Originaltitel The Windmills of Your Mind übersetzen könnte, bringt unsere musikalischen Wunschträume in eine wohlig schlingernde Umlaufbahn und bestätigt überdies die Behauptung, dass es durchaus Schlager und Schlagertexte von hohem intellektuellen Niveau gibt. Melodiöse Windmühlen, die unsere geistigen Tätigkeiten anfachen, erzeugen angenehmere Geräusche als der Luftzug der Ventilatoren, die als »Flügel der Verblödung« in Ödön von Horvaths Roman Jugend ohne Gott kursieren und deren allgegenwärtiges Schwirrgeräusch so manchen Schlagerkonsumenten ein Leben lang umfächeln. Schlagerstar Vicky Leandros hat bei der Eindeutschung dieses Welterfolgs unverhofft eine Übersetzung benutzt, die dem Anspruch des Originals ebenso gerecht wird wie unserer Vermutung, dass in einem Kammermusiksaal tiefer empfunden werde als in einem Sportstadion.

Und ich fühle, wie ein Augenblick
zur Ewigkeit gerinnt,
wenn das Spinnrad meiner Träume
längst zerissʼne Fäden spinnt
und sich leisʼ zu drehʼn beginnt,
wie sich Mühlen drehʼn im Wind.

Aber noch viel schöner klingt natürlich die Instrumentalfassung, die uns heute Abend die Sprache verschlagen wird.

Noble Damen und noble Walzer – Alfa Romeo und Maurice Ravel

Neugierig macht schon der wortspielerische Titel dieses Stückes, der uns nahelegen will, der Komponist des Rigoletto habe Alfa Romeo geheißen und die berühmte Klage des Herzogs von Mantua »Ach wie so adelig« beim Ölwechsel aufgeschrieben. Unsere Korrespondenten in Bad Kissingen lassen in einer Symbiose aus Gerücht und Andeutung auf Anfrage verlauten, dass es sich bei diesem Stück um die Umwandlung der herzoglichen Kanzone in einen Calypso aus dem australischen Regenwald handelt. Auszüge aus den Fiat-Werken oder dem kompositorischen Nachlass von Harley Davidson werden vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.

Auf die noble Dame folgt ein nobler Walzer aus der Feder Maurice Ravels, der – das heimatliche Baskenland im Rücken – die Liebe zum Wiener Walzer gleich mehrfach in anbetungspflichtige Kompositionen verwandelte. Mit »Assez lent« (ziemlich langsam) ist der zweite von acht in der Klavierkomposition Valses nobles et sentimentales versammelten Walzern überschrieben, die Ravel später eigenhändig orchestrierte. »Avec une expression intense« (mit intensivem Ausdruck) fügte der Meister hinzu sowie »doux et expressif« (süß und ausdrucksvoll), »très expressif« oder »mystérieux« – wir sind gespannt, wie der Bolero-Experte Raphael Haeger diesen beschwörenden Forderungen in seiner Bearbeitung nachkommt.

Dem Wohlklang nicht abhold – Hermeto Pasqoal und Richard Wagner

Hermeto Pasqoal – der Erneuerer des Choro – ist ein mittlerweile 82-jähriger Brasilianer, der als Kind zum häuslichen Musizieren auf Papas Akkordeon gezwungen war, weil er als lichtempfindlicher Albino nicht wie alle übrigen Familienmitglieder Feldarbeit verrichten konnte. Welche traumatischen Erlebnisse den heute hochberühmten Welt(klasse)musiker mit dem Baby verbinden, das es beim Überqueren der Notenlinien bis zum Titelhelden [einer] der Jazzkomposition Bebê brachte, bleibt bis zum Ende des Stücks unklar.

Nicht erst seit Carl Merzʼ und Helmut Qualtingers Wagner-Parodie Siggy and Bess oder Der Swing des Nibelungen aus den 1960er-Jahren arbeiten sich Kabarettisten an den Werken Wagners ab, ohne mehr als ein paar Kratzer am ehernen Denkmal dieses weihevoll waltenden wonneschöpfenden Weltenwanderers zu hinterlassen.

Nehmt hin des Wolframs weisen Gruß:
O du mein holder Abend-Blues!

Die Wüste liebt: Caravan von Juan Tizol und Duke Ellington

Komponiert vom Posaunisten Juan Tizol (1900 – 1984) und verfeinert von Duke Ellington (1899 – 1974), wurde der legendäre Jazz-Standard Caravan aus dem Jahre 1936 von Irving Mills mit einem Text unterlegt, der es mit der Beliebtheit des instrumentalen Originals letztendlich nicht aufnehmen konnte. Immerhin erfahren wir aus diesen Versen, dass es hier um ein im Sande verlaufendes Paarungsidyll geht: Allmählich verblassende Sterne umfunkeln ein Liebespaar, das im Schutze der rastlosen Karawane Schulter an Schulter vom gemeinsamen Leben im Rampenlicht der Dünenaufbauten träumt. Ein großer Abend für das Sandmännchen also. Helmut Nieberle hat den swingenden orientalischen Ohrwurm in einem anspruchsvollen Trittmuster auf die Strecke geschickt. Um mitzukommen, müssen Sie, verehrte Hörerinnen und Hörer, ein paar Minuten lang rasend schnell bis Sieben zählen... – und schon sind wir bei den Zugaben.

Klaus Wallendorf

Biografie

Im Ensemble Bolero Berlin widmen sich vier Berliner Philharmoniker seit zehn Jahren mit Leidenschaft der südamerikanischen Musik: Martin Stegner, Manfred Preis, Esko Laine und Raphael Haeger, der hier nicht – wie bei den Philharmonikern – am Schlagzeug sitzt, sondern am Klavier. Der spezielle »Sound« der Gruppe wird durch den renommierten Jazzgitarristen Helmut Nieberle und den argentinischen Schlagzeuger Daniel »Topo« Gioia komplettiert.Die 2008 von Martin Stegner gegründete Formation spielt mexikanische und kubanische Boleros, Danzóns sowie Tangos in ungewöhnlicher Instrumentierung. Ihre sechs Mitglieder interpretieren die Musik ihres Herzens konzertant, elegant und ausdrucksstark, ohne dabei auf die typischen Elemente des Jazz und der Improvisation zu verzichten. So entsteht ein Feuerwerk an Farben und Rhythmen – Tango und Bossa Nova erklingen mit kraftvollem Enthusiasmus und erstaunlicher Zartheit.

Martin Stegner erhielt mit acht Jahren von seinem Vater den ersten Geigenunterricht. Nach dem Studium an der Musikhochschule Mannheim bei Roman Nodel wechselte er zur Bratsche und wurde 1992/1993 an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker von Neithard Resa und Wilfried Strehle weiter ausgebildet. Nach dreijähriger Tätigkeit als 1. Solo-Bratscher im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wechselte er 1996 zu den Berliner Philharmonikern. Martin Stegner konzertiert international als Solist und Kammermusiker, u. a. bei der Formation Violentango. Als Liebhaber des Jazz spielte er in diversen Ensembles und auf vielen Festivals; so trat er etwa mit Herbie Mann, Nils Landgren und Diane Reeves auf; außerdem arbeitet er eng mit der Band Cyminology zusammen. Er war als Dozent beim Gustav Mahler Jugendorchester sowie beim Orquesta Juvenil Centroamericana tätig und gab Kurse an der Yale University.

Manfred Preis studierte bei Gerd Starke an der Münchner Musikhochschule und bei Ulf Rodenhäuser an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. 1978 wurde er Soloklarinettist im Radio-Symphonie-Orchester Berlin (heute: DSO), seit 1982 gehört er zu den Berliner Philharmonikern, in deren Reihen er Bassklarinette spielt. Manfred Preis engagiert sich jedoch nicht nur im Orchester, sondern auch kammermusikalisch, beispielsweise als Klarinettist im Trio Berlin, bei den Bläsern der Berliner Philharmoniker sowie in diversen Kammermusikgruppen. Außerdem ist er – nicht nur im Ensemble Bolero Berlin – seit Jahren ein gefragter Saxofonist. Als Pädagoge arbeitet er u. a. an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg und mit internationalen Jugendorchestern.

Helmut Nieberle gehört zu den versiertesten Mainstream-Jazzgitarristen Deutschlands und ist einer der seltenen Seven-String-Gitarristen. Seine Ausbildung absolvierte er zunächst an der Jazz-School in München, dann am Berklee College Boston. Hervorzuheben sind aber vor allem die Workshops mit der alten und neuen Garde weltbekannter Jazzgitarristen: Barney Kessel, Eddie Marron, Herb Ellis, Joe Pass Jim Hall, Attila Zoller, Peter Leitch und Karl Ratzer. Die Bandbreite des musikalischen Wirkens von Helmut Nieberle spiegelt sich zum einen im eigenen Spiel als Solist oder als Begleitmusiker, zum anderen aber auch in den Bands und Formationen, für die er als musikalischer Leiter immer wieder neue Programme erarbeitet und neben Eigenkompositionen auch alle Arrangements schreibt.

Raphael Haeger erhielt vom fünften Lebensjahr an Schlagzeug- und Klavierunterricht. Als Jugendlicher spielte er Klavier in mehreren Jazzbands, für die er auch Arrangements schrieb. Anschließend studierte Raphael Haeger Schlagzeug bei Franz Lang in Trossingen. Es folgte eine rege Konzerttätigkeit auf dem Gebiet der Neuen Musik, etwa mit Heinz Holliger, Michael Gielen, Hans Werner Henze, Helmut Lachenmann und mit dem Ensemble Modern. Bevor Raphael Haeger im September 2004 Mitglied der Berliner Philharmoniker wurde, war er elf Jahre lang Schlagzeuger am Nationaltheater Mannheim, hatte zwei Jazzkonzertreihen als künstlerischer Leiter betreut und 2002 als Pianist eine CD mit eigenen Jazzkompositionen veröffentlicht. 2012 schloss er ein Masterstudium im Fach Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin ab; von 2011 bis 2014 war er Dirigent des Leipziger Universitätsorchesters. Bei den Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden übernahm Raphael Haeger seither die Leitung von Kinderopern oder groß besetzten Kammermusikprogrammen.

Esko Laine, in Helsinki geboren, studierte am Konservatorium von Hyvinkää, wurde bereits mit 18 Jahren Mitglied im Finnischen Nationalopernorchester und trat als Solist mit dem Rundfunk-Symphonieorchester seines Heimatlandes auf. Es folgten weitere Studien bei Günter Klaus an der Musikhochschule Frankfurt am Main sowie bei Franco Petracchi am Conservatoire de Genève und an der Menuhin Academie in Gstaad, bevor der Kontrabassist 1986 zu den Berliner Philharmonikern kam. Von 1999 bis 2001 Solobassist des Orchesters, ist er in dieser Funktion seit 2008 erneut tätig. Esko Laine hat mehrere auf seine Anregung hin komponierte Orchesterkonzerte und Kammermusikwerke für Kontrabass uraufgeführt. Er spielt zudem im Philharmonischen Oktett seines Orchesters und im Ensemble Tango Finlandés. Der begehrte Dozent für Meisterkurse unterrichtet auch an der Karajan-Akademie sowie an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin.

Daniel »Topo« Gioia, in Rosario (Argentinien) geboren, begann mit 15 Jahren autodidaktisch Perkussionsinstrumente zu spielen. 1973 siedelte er nach Spanien über, wo er zwei Jahre in Madrid und Barcelona mit verschiedenen südamerikanischen Ensembles auftrat. Seit 1977 lebt der Künstler in Berlin. Elf Jahre lang arbeitete er mit dem Bassisten Hans Hartmann zusammen, mit dem er in ganz Europa auftrat; parallel dazu spielte er mit Lydie Auvray. 1988 wurde er bester Congaspieler beim Latin-Percussions-Wettbewerb in Deutschland. Mehrere Jahre trat er mit dem afro-brasilianischen Tänzer Ismael Ivo auf, gehörte zur Band von Jocelyn B. Smith und spielte u. a. mit Giora Feidman, Lalo Schifrin, Mikis Theodorakis und Ray Anderson. Konzertreisen führten den Musiker nach Japan, in die USA sowie in fast alle europäischen Länder, wobei die Jazz-Festivals von Pori (Finnland), Prag, Berlin, Rimini und Donaueschingen besondere Höhepunkte darstellen. 1999 wurde Daniel »Topo« Gioia Dozent für Perkussion an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin.

Bolero Berlin (Foto: Alessandro Cappone)