(Foto: Dorothea Huber)

Education

Familienkonzert: »Der Kleine und Otello«

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen

Vokalhelden Kinderchöre Level 2

Aurélien Bello Komposition und Arrangement

Tiina Hartmann Libretto

Der Kleine und Otello − Ein inszeniertes Konzert mit Gesang nach Motiven von Giuseppe Verdi

Empfohlen für Kinder von 6 bis 10 Jahren

In Kooperation mit dem Festspielhaus und Theater Baden-Baden

Termine und Karten

Sa, 23. Mär 2019, 15:00 Uhr

Kammermusiksaal

So, 24. Mär 2019, 11:00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Was tun, wenn sich die Eltern streiten? Der kleine Otellino bekommt mit, wie sich seine Eltern – seine schöne Mutter Desdemona und sein Vater Otello, der heldenhafte Soldat, – durch Eifersucht und Missverständnisse immer weiter voneinander entfernen. Jago, ein Freund des Vaters, ist nicht ganz unschuldig an der Situation. Aber Otellino findet seine ganz eigene Lösung, um den Frieden wiederherzustellen.

Auf der Grundlage von Verdis Oper Otello haben Aurélien Bello und Tiina Hartmann im Auftrag des Education-Programms der Berliner Philharmoniker und des Festspielhauses Baden-Baden die Geschichte um Eifersucht und Verrat in einem inszenierten Konzert mit Gesang neu interpretiert und arrangiert.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Der Kleine und Otello

Eine Geschichte über böse Tricks und wichtige Gespräche

5. März 1868 im Hause der Verdis in Mailand

Giuseppe Verdi: Peppina, ich bin wieder da! Höre, ich komme soeben aus der Scala, wo ich eine sehr interessante Oper gesehen habe …

Giuseppina »Peppina« Verdi: Giuseppe, bitte denk doch daran, dir vor dem Eintreten die Schuhe abzuputzen. Ich habe es satt, deinetwegen immer und immer wieder alles sauber zu machen!

Giuseppe: … sie war wirklich bemerkenswert in ihrer düsteren Kraft! Mefistofele hieß sie, diese Oper, von einem gewissen Arrigo Boito. Er hat sowohl das Libretto als auch die Musik verfasst und obgleich sein Dirigieren eher mäßig war, denke ich doch, dass dieser Mann einiges Talent besitzt. Man sollte ihn im Auge behalten.

Peppina: Hörst du mir überhaupt zu, Giuseppe? Ich habe das Gefühl, du lebst mittlerweile in deiner eigenen Welt … Dort steht noch ein Rest vom Abendessen, ich werde jetzt ein wenig Tagebuch schreiben und dann zu Bett gehen.

Giuseppe: Ja, geh du – geh nur … Ich werde noch einmal nachlesen, was dieser Boito da geschrieben hat, sehr talentiert, dieser Mann …

19. November 1871 auf dem Bahnsteig des Mailänder Bahnhofs

Giuseppe: Na, das ist aber eine schöne Überraschung, Sie sind doch Signore Boito, nicht wahr? Ich bin hoch erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen! Mein Name ist Giuseppe Verdi, Sie könnten von mir gehört haben …

Arrigo Boito: Aber natürlich, Maestro Verdi, welche Ehre! Ich kenne alle Ihre Opern in- und auswendig – Nabucco, Macbeth, Rigoletto, La traviata und natürlich Simon Boccanegra, diese gefällt mir besonders gut!

Giuseppe: Nun, das freut mich, aber warten Sie erst, bis Sie meine grandiose Aida gehört haben. Sie wird allerdings zuerst in Kairo gegeben: Man hat mich beauftragt, eine Oper zur Einweihung des Suezkanals zu schreiben. Ich habe sie ganz im ägyptischen Stil verfasst … Aber sagen Sie, was machen Sie denn so spät in der Nacht hier am Bahnhof?

Boito: Nun, ich vermute, dasselbe wie Sie. Ich komme gerade aus Bologna …

Giuseppe: … wo Sie Richard Wagners Lohengrin gesehen haben? Ja, ich gestehe, dass ich auch von dort komme. Aber finden Sie nicht auch, dass dieser ganze Wagner-Wahnsinn vollkommen übertrieben ist? Mich ekeln diese aufgeblasenen Spektakel geradezu an. Ich werde mich auf gar keinen Fall »lohengrinisieren« lassen wie all diese jungen, naiven Kollegen.

Boito: Selbstverständlich, Maestro Verdi, Sie haben schließlich Ihre ganz eigene Tonsprache für die Bühne gefunden. Jemand wie Sie hat es gar nicht nötig, einem Wagner nachzueifern. Und doch muss ich zugeben, dass mich diese Musik sehr beeindruckt hat.

Giuseppe: Ach … Also mich allenfalls ein ganz winziges bisschen – aber nein, Signore Boito, der Wagnerismus ist ein Gift in Europa, wir sollten tunlichst Abstand halten, um gesund zu bleiben!

18. November 1879 im Haus der Verdis

Peppina: Hier, Giuseppe, das hat ein Bote gerade gebracht. Es ist für dich von Herrn Boito.

Giuseppe: Sehr gut, darauf habe ich schon gewartet. Seine neue Textfassung von Simon Boccanegra war ein solcher Erfolg, dass ich mich nun endlich wieder an eine neue Komposition wagen will. Auch, wenn die kritischen Stimmen zu meiner wunderbaren Aida noch immer wie Stachel in meinem Herzen stecken.

Peppina: Ach, Giuseppe, nun hör doch endlich auf, dich mit Vergangenem zu plagen.

Giuseppe: Aber mir vorzuwerfen, ich könne nicht schreiben und sei ein Nachläufer Wagners! Ausgerechnet dieses Verrückten! Nach fast 40 Jahren Musikerlaufbahn soll ich als Nachahmer enden! Das steckt man nicht so einfach weg.

Peppina: Jetzt schickt dir aber Signore Boito ein neues Libretto. Das ist doch eine wunderbare Gelegenheit, einen Neuanfang zu wagen, meinst du nicht? Otello – worum geht es da?

Giuseppe: Oh, es ist eine wunderbare Tragödie, die ursprünglich ein Italiener Ende des 16. Jahrhunderts erdacht hat. Der große englische Dichter William Shakespeare war es dann, der kurz darauf der Geschichte von Otello zu echtem Ruhm verhalf. Und nun hat Boito für mich ein Libretto darauf verfasst, das ich gleich lesen muss.

Peppina:Aber worum geht es in der Geschichte, Giuseppe?

Giuseppe:Es geht um einen Soldaten namens Otello. Er ist verheiratet mit der bezaubernden Desdemona, die sehnsüchtig auf seine Rückkehr aus dem Krieg wartet. Doch während seiner Abwesenheit spinnt ein hinterlistiger Geselle namens Jago gemeine Intrigen, denn er ist ein durch und durch böswilliger Mensch. Als Otello nach einem schweren Seesturm vor Zypern endlich wieder in den Armen Desdemonas liegt, schmiedet der in Neid und Eifersucht entbrannte Jago den Plan, das Liebesglück zu zerstören. Er erfindet Lügen, die Otello glauben machen, Desdemona hätte ihre Liebe verraten und sich mit einem anderen Mann eingelassen.

Peppina: Wie furchtbar!

Giuseppe: Es kommt noch schlimmer! Außer sich vor Eifersucht stürmt Otello in das Schlafgemach seiner Frau und erdrosselt sie. Als er wenig später erfährt, dass alles nur ein boshaftes Spiel Jagos war, ist er zutiefst verzweifelt über seine Tat und tötet sich selbst.

Peppina: Ich kann es nicht fassen! Und das nur, weil Otello nicht einfach mit Desdemona geredet hat – sie hätten doch leicht bemerken können, dass Jago dahintersteckt. Wie wichtig es doch ist, dass man miteinander spricht, denkst du nicht auch, Giuseppe? Komm, lass uns jetzt nicht mehr an Otello und seine Frau denken. Schenken wir uns ein schönes Glas Wein ein und unterhalten wir uns ein wenig. Das haben wir bei all unseren Streitereien schon viel zu lange nicht mehr gemacht …

Giuseppe: Das machen wir. Und das erste, was ich dir sage, ist, dass meine Oper Otello das Publikum begeistern wird!

Otellinos Tagebuch

Liebes Tagebuch,

die letzten Tage waren unheimlich aufregend! Wie lange haben Otto und ich auf die Heimkehr von Papa aus Afrika gewartet. Jeden Tag standen wir im Hafen und hielten nach seinem Schiff Ausschau. Und nun ist er tatsächlich zurückgekommen! Dabei wäre fast noch ein großes Unglück passiert, denn als sein Schiff die Küste erreichte, geriet es in einen Sturm und sank. Doch Papa war ein echter Held und konnte sich retten.

Eigentlich sollten sich alle sehr freuen, denn wir sind endlich wieder zusammen, die ganze Familie: Papa, Mama, Otto und ich. Aber da war auch immer dieser Jago: Er drängte sich dauernd zwischen uns, dabei gehört er doch gar nicht zur Familie! Dann passierte etwas ganz Ungeheuerliches: Wir feierten Mamas Geburtstag und währenddessen muss Jago mir mein Fotoalbum gestohlen haben, das, in dem das tolle Foto von Papa und dem Löwen drin ist. Das Album zeigte er dann Papa, aber vorher hat er einfach ein Foto von sich, Mama und mir im Zoo hineingeklebt. Als Papa das gesehen hat, wurde er furchtbar traurig, denn er dachte, Mama und ich hätten Jago nun lieber als ihn. Schließlich ist er ja auch sehr lange weg gewesen. Zu allem Überfluss hat ihm der fiese Jago auch noch eingeredet, Mama würde ihn nicht mehr lieben. Dabei stimmt das gar nicht. Alles erstunken und erlogen! Dann habe ich gesehen, wie Papa anfing, seinen Koffer zu packen – er wollte uns einfach wieder verlassen! Doch Mama kam zu ihm ins Zimmer und sie fingen an zu streiten. Zum Glück habe ich herausgefunden, dass das nur passiert ist, weil Jago mir das Buch heimlich weggenommen hat und alles nur ein gemeiner Trick von ihm war, um Papa und Mama zu trennen! Aber auch ich kann Tricks anwenden und so habe ich mir das Buch von Jago zurückgeholt – er hatte so viel getrunken, dass er es gar nicht bemerkt hat. Damit bin ich dann zu Mama und Papa gelaufen. Die beiden saßen stumm nebeneinander, der gepackte Koffer stand vor ihnen. »Warum redet ihr nicht miteinander?«, fragte ich sie. Und dann meinte Mama, dass Papa ihr nichts mehr erzählt, und Papa sagte, dass Mama ihm nicht mehr zuhört. Ist das nicht verrückt? Otto und ich reden immer – na gut, ich rede und Otto hört mir immer zu. Aber wir verstehen uns – weil wir eben reden! Vielleicht sind Löwen da weniger kompliziert als wir Menschen. Ich bat Papa, mir doch endlich von den echten Löwen in Afrika zu erzählen und diesmal tat er es. Irgendwie hat die Geschichte von dem Löwen Wunder bewirkt, denn dann war plötzlich alles wieder gut.

Aurélien Bello verrät, was ihr in Der Kleine und Otello hören könnt

Wenn ihr euch Giuseppe Verdis Otello in der Oper anseht, erlebt ihr gut zwei Stunden Musik, dargeboten von einem großen Orchester, neun Sängern und einem Chor. In der Fassung, die ihr heute hören werdet, steht allerdings nicht Otello im Mittelpunkt, sondern sein Sohn Otellino. Und weil der, so wie ihr, noch ein Kind ist, wurde auch die Oper »verkleinert«. Wer macht denn sowas, fragt ihr euch? Aurélien Bello macht sowas! Er ist Franzose und liebt nicht nur das gute Essen seiner Heimat, sondern auch die Musik und vor allem Opern. Als Dirigent und Komponist ist er sehr geschickt darin, Werke von anderen Komponisten für bestimmte Anlässe und spezielle Ensembles zu bearbeiten.

Aurélien, wie macht man denn aus der großen Oper Otello ein kleineres Musiktheater über Otellin, den Sohn dieses Helden?

Tatsächlich musste ich mir sehr gut überlegen, wie ich ein Stück, das für ein Orchester aus rund 80 Instrumentalisten geschrieben wurde, so schrumpfen lasse, dass nur 13 Personen es spielen können. Dabei soll man die Musik Verdis natürlich noch erkennen, darum ist es besonders wichtig, die Klangfarben so gut wie möglich zu erhalten. Das gelingt am besten, wenn wichtige Melodien, die immer wieder zu hören sind, auch von den gleichen Instrumenten gespielt werden. Ich musste besonders in der Begleitung dieser Melodien viel umschreiben, damit alle wichtigen musikalischen Elemente erhalten bleiben. Und es ist nicht zu vermeiden, dass ich ab und zu etwas streichen muss – auch wenn das immer sehr schade ist bei Verdis wunderschöner Oper!

Klingt denn Der Kleine und Otello mehr nach Verdi oder mehr nach Bello?

Otellos Sohn Otellino, der unsere Geschichte erzählt, kommt in Verdis Oper ja gar nicht vor. Daher habe ich – inspiriert von Verdis Ideen – neue Musik geschrieben, die mit Klängen aus Verdis Original-Oper abwechselt. Meine Kompositionen begleiten vor allem die Auftritte Otellinos, aber auch Szenen mit Jago, Desdemona und Otello, die so in Verdis Version nicht vorkommen – zum Bespiel die Situation, in der Otello von seinen Erlebnissen in Afrika berichtet. Es ist also eine Mischung, quasi »Verdello«.

Kann man die neu dazu komponierten Stücke heraushören?

Otello war ja Soldat in Afrika. Um die neue Musik von Verdis Original klar zu unterscheiden, sind die von mir stammenden Passagen von afrikanischen Klängen inspiriert – ich habe zum Beispiel dem Marimbafon eine wichtige Rolle gegeben. Das ist oft in Szenen mit Otellino zu hören.

Kann man auch den hinterlistigen Charakter von Jago erkennen?

Auf alle Fälle! Jagos Rachelust wird mit etwas schrägen, schroffen und ganz tiefen Tönen dargestellt. In der Originalkomposition von Verdi hat er aber auch eine eigene Musik. Er singt ein sogenanntes Credo. Das Wort »credo« ist lateinisch und heißt übersetzt »ich glaube«. Stücke mit diesem Titel findet man oft in religiösen Werken, denn in dem Text geht es darum, sich zu seinem Glauben an einen Gott zu bekennen. Jago bekennt sich allerdings in seinem ganz eigenen »Credo« zum Bösen, denn er ist in diesem Moment rasend vor Eifersucht und heckt einen gemeinen Plan aus.

Ist es schwer, eine Oper für Kinder zu arrangieren?

Einen Anfang zu finden, ist immer am schwierigsten. Letztes Jahr in den Herbstferien war ich auf einem Bauernhof und konnte eine ganze Nacht lang nicht schlafen. In meinem Kopf hörte ich ständig Verdis »Kuss-Motiv« aus dem Liebesduett von Otello und Desdemona – ein richtiger Ohrwurm! Allmählich aber, im halben Bewusstsein zwischen Wachen und Träumen, vermischte sich dieses Motiv mit Marimba-Rhythmen. Diesen Einfall habe ich am nächsten Morgen gleich aufgeschrieben und so ist der Beginn von Der Kleine und Otello entstanden.

Was gefällt dir an Verdis Oper besonders?

Verdi ist ein Meister der Psychologie und ich liebe es, wie er mit einfachen Mitteln viele unterschiedliche Gefühle ausdrücken kann. Außerdem ist seine Musik ständig in Bewegung und verändert sich andauernd, so wie menschliche Stimmungen auch sehr schnell umschlagen können. In dieser Oper ist das besonders wichtig, da Jago immer wieder versucht, die Gefühle von Otello zu beeinflussen, indem er seine bösartigen Spiele treibt.

Ist das dein erstes Stück für Kinder?

Nein, denn ich habe für die Berliner Philharmoniker schon den Rosenkavalier von Richard Strauss und La boîte à joujoux(Die Spielzeugschachtel) von Claude Debussy für ein junges Publikum umgeschrieben. Ich freue mich sehr, dass auf diese Weise große Opern auch Kinderohren erreichen! Gleichzeitig können sogar viele Erwachsene altbekannte Geschichten neu entdecken.

Und was machst du, wenn du gerade keine Kinderoper arrangierst?

Im Moment dirigiere ich fast jeden Tag ein Konzert. Manchmal, wenn ich dann nachts noch wach liege und nicht einschlafen kann, sammle ich schon Ideen für die nächste Oper!

Die Vokalhelden

Ich hab kein Schwert mit scharfer Klinge,
bin nicht bärenstark und ringe,
nein, was ich als Held vollbringe,
ist viel besser, denn ich singe!

Singen ist die tollste Sache,
das, was ich am liebsten mache!

Früher sang ich ganz allein,

fühlte mich dabei ganz klein.

Jetzt kann ich Vokalheld sein

im großen Heldenchorverein!

Mit den Philharmonikern,

singe ich besonders gern!

Zum Konzert dann aufgestellt,

ist klar, dass man zusammenhält,

die Bühne wird zu unsrer Welt

und jeder fühlt sich ganz als Held!

Singst du auch so gern wie ich?

Komm zu uns, wir suchen dich!

Auf jede Probe freu ich mich,

denn hier kennen alle sich.

Auch dir gefielʼ das sicherlich –

Freunde warten schon auf dich!

Stimmig in allen Lagen

Der Mensch hat nicht nur eine Sprechstimme, sondern auch eine Singstimme. Höhe bzw. Tiefe der beiden Stimmen sind bei Männern und Frauen und auch von Mensch zu Mensch verschieden. Wenn es um die Singstimme geht, unterscheidet man die sogenannten Stimmlagen. Wer schon einmal in einem Chor gesungen hat, kennt sie sicher: Die wichtigsten sind – von hoch nach tief – Sopran, Mezzosopran, Alt, Tenor und Bass. Daneben gibt es zusätzliche Einteilungen wie zum Beispiel Mezzosopran und Bariton.

Sopran

Sopra kommt von dem italienischen Wort »sopra«, das bedeutet »über«. So erkennt man gleich, dass der Sopran die höchste Stimmlage ist, also die Stimme, die im Chor über allen anderen singt. In der Oper beeindrucken Sopranistinnen oft mit schwindelerregenden Koloraturen, das sind schnelle und sehr schwierige Verzierungen im Gesang. Die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte treibt das im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze! Andere Sopranistinnen zeichnen sich durch eine besonders mädchenhaft-leichte Stimme aus. Sie verkörpern dann gern lustige Rollen in Opern, die man Soubretten-Partien nennt.

Heute meint man fast immer eine Frau, wenn man von einem Sopran spricht, aber es gibt auch Knabensoprane. Vor allem in der Kirche, wo Frauen früher nicht singen durften, ist es noch üblich, dass Jungen zwischen 6 und 15 Jahren die hohen Partien übernehmen.

Mezzosopran

Mezzosoprane singen nicht ganz so hoch wie Soprane. Mezzo bedeutet im Italienischen so viel wie »in der Mitte« und da ist der Mezzosopran auch zu finden, nämlich zwischen Sopran und Alt. Diese Stimmlage kann ebenfalls von Knaben gesungen werden. Heute übernehmen Mezzosoprane oft die sogenannten Hosenrollen in der Oper.

Alt

Nein, man muss nicht besonders alt sein, um Alt zu singen! Die Bezeichnung kommt vom lateinischen »altus«, was schlicht »hoch« bedeutet. Das wirkt jetzt etwas verwirrend, denn die

höchste Stimmlage ist ja der Sopran. Aber im Vergleich zu den tiefen Männerstimmen ist der Alt immer noch hoch und der Sopran eben »über« allen anderen. Wenn du eine Altistin

hörst, wirst du vielleicht feststellen, dass ihre Stimme im Vergleich zu den hellen Sopranstimmen etwas dunkler gefärbt ist.

Tenor

In der Chormusik der Renaissance, also vor etwa 500 Jahren, war der Tenor die wichtigste Stimme, denn sie beinhaltete die Hauptmelodie. Die hieß damals cantus firmus. Die anderen Stimmen um den Tenor waren wie eine Art Verzierung dieser Melodie. Da die Töne des cantus firmus sehr lang gedehnt waren, sodass sie praktisch nie unterbrochen wurden, nannte man die Stimme Tenor (damals betonte man die erste Silbe), denn das bedeutet im Lateinischen »ununterbrochener Verlauf«.

Heute kennt man Tenöre besonders als strahlende Stars der Oper. Vielleicht habt ihr schon von Rolando Villazón gehört, der ist nämlich so ein Star. Man spricht auch von Heldentenören, da der Held einer Oper oft mit einem Tenor besetzt wird. Die Tenorstimmlage ist so tief, dass sie eigentlich nur von Männern gesungen werden kann, aber noch deutlich höher als die Bassstimme.

Bariton

Der Bariton (vom griechischen »barys«, das heißt schwer, und »tonos«, klingend) liegt zwischen diesen beiden Stimmlagen. In der Oper werden viele berühmte Rollen von Baritonen gesungen, zum Beispiel der lustige Vogelfänger Papageno in Mozarts Zauberflöte. Ein echter Kavalierbariton ist Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper – er verführt die Damen nicht nur mit seinem Lächeln und seinem Charme, sondern auch mit seinem ohrenschmeichelnden Gesang!

Bass

Wer schon einmal einen richtig tiefen Bass hören konnte, hat vielleicht eine Gänsehaut dabei bekommen, denn die Bassrollen in der Oper sind nicht umsonst oft düstere Gesellen und Bösewichte – etwa wie Osmin in Mozarts Entführung aus dem Serail. Aber auch besonders majestätische Charaktere wie Könige oder Priester werden oft von Bässen verkörpert – das Wort »Bass« kommt vom italienischen »basso« und bedeutet »tief«.

Kurz erklärt

Libretto

Als Libretto (italienisch für »kleines Buch«) bezeichnet man das Textbuch einer Oper. Der Librettist, also der Verfasser des Textbuchs, war bei der Oper Otello von Guiseppe Verdi dessen Landsmann Arrigo Boito. Mit einem anderen berühmten Librettisten namens Lorenzo Da Ponte hat Wolfgang Amadeus Mozart gern zusammengearbeitet. Früher wurde das Libretto bei den Opernvorstellungen an das Publikum verteilt, damit man mitlesen und so die Handlung besser verstehen konnte. Heute gibt es moderne Technik, die es ermöglicht, sogenannte Übertitel auf Monitoren über der Bühne anzuzeigen. Da wird dann auch die Originalsprache eines Librettos gleich in die der Zuhörer übersetzt, damit wir in Deutschland zum Beispiel auch italienische, russische und französische Operntexte verstehen.

Marimbafon

Das Marimbafon (kurz: die Marimba) gehört zu den Schlaginstrumenten. Ursprünglich stammt es aus Afrika, wo es in einer vereinfachten Bauweise schon vor 600 Jahren gespielt wurde. Heute liegen bei einer Marimba, wie bei einem Xylofon, verschieden lange Holzklangstäbe in zwei Reihen auf einem Gestell. Ihre Anordnung entspricht den schwarzen und weißen Tasten auf der Klaviatur. Meist werden sie mit vier Schlägeln angeschlagen – der Spieler hält in jeder Hand zwei –, deren Köpfe mit Wolle umwickelt sind, um eine besonders weiche Klangfarbe zu erzeugen. Damit die Marimba auch in einem großen Orchester laut genug und neben den anderen Instrumenten zu hören ist, sind unter den Holzstäben Röhren aus Aluminium befestigt, die wie Resonatoren funktionieren. Im Vergleich zum Xylofon sind die Stäbe der Marimba etwas dünner und weicher, sodass insgesamt ein wärmerer, samtiger Klang entsteht.

Biografie

Natalie Beck – Mezzosopran

Zum Singen bin ich durch meine Geschwister und meine Familie gekommen. Als ich klein war, haben sie mir einen Einblick in die Musik verschafft und meine Begeisterung geweckt. Das schönste am Sängerberuf ist für mich, dass man nur mit seinem Körper, seiner Stimme und seiner Persönlichkeit arbeiten darf. Besonders interessant finde ich, diese drei Faktoren auch in anderen Charakteren zum Ausdruck zu bringen, je nachdem was für eine Rolle ich verkörpere. So ist es toll, sich mit dem Verhalten eines Kindes zu beschäftigen und seine eigenen kindlichen Eigenschaften wieder zu entdecken. Gemeinsamkeiten oder Gegensätze mit Otellino zu finden, fällt mir nicht so leicht, da ich nicht mehr genau weiß, wie ich mit neun Jahren war. Jedoch gefallen mir die Emotionalität und die Liebe Otellinos zu seiner Familie. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Snæbjörg Gunnarsdottir – Sopran

Schon als Kind habe ich immer viel und gerne gesungen – zuhause und auch in der Schule. Mit 19 Jahren bekam ich dann professionellen Gesangsunterricht und nun ist das Singen zu meinem Beruf geworden. Es macht mir große Freude, mich sehr tief in meine Rollen »hineinzuwühlen« und dabei meine eigenen Erfahrungen und Gefühle einzubringen. Weil ich aus Island komme – dem Land aus Feuer und Eis oder auch der Elfen und Trolle –, versuche ich auch, die besondere Energie meiner Heimat in meine Interpretationen einfließen zu lassen. Ich bin immer auf der Suche nach dem ganz speziellen Ausnahmemoment, der dann entsteht, wenn zwischen allen Mitwirkenden und dem Publikum ein gemeinsames Erleben stattfindet. Das ist ein tolles Gefühl.

Meine Rolle in Der Kleine und Otello ist Desdemona, die Mutter von Otellino und Otellos Frau. Sie ist eine selbstbewusste und stolze Frau. Viele Jahre lang war sie allein mit Otellino und nun freut sie sich sehr, dass Otello nach Hause gekommen und die Familie wieder vereint ist. Leider läuft nicht alles glatt, und obwohl sie erwachsen und klug ist, weiß nicht weiter. Am Ende ist dann ihr Sohn Otellino der Retter in der Geschichte.

Ferdinand Keller – Tenor

Angefangen hat alles mit dem Cello – das erste Instrument, das ich als Kind gelernt habe. Mit neun Jahren bin ich dem Thomanerchor in Leipzig beigetreten. Das ist ein berühmter Knabenchor, in dem man eine sehr gründliche Gesangsausbildung erhält. Seitdem hat das Singen eine zentrale Rolle in meinem Leben eingenommen, und ich beschloss, nach meinem Schulabschluss professioneller Sänger zu werden. Nun darf ich jeden Tag mit meiner Stimme arbeiten. Als Sänger bin ich viel unterwegs, reise von Projekt zu Projekt und lerne bei der Arbeit sehr viele interessante Menschen kennen. Jeder Tag birgt für mich und meine Stimme neue spannende Herausforderungen. Das gefällt mir sehr gut.

Otello ist eine Figur mit sehr menschlichen Zügen, das macht ihn für mich sympathisch. Er liebt seine Familie über alles und gelangt durch sie, nach langen Jahren im Krieg, zu neuem Glück. Die äußeren Gegebenheiten dieser Figur haben wenig mit meinen persönlichen Lebensumständen gemeinsam, daher ist es ist besonders spannend, mich ganz tief in ihn hineinzuversetzen.

Axel Wolloscheck

Zu Beginn meiner musikalischen Ausbildung war der Gesang eher das Nebenfach. Erst während des Studiums habe ich bemerkt, dass eigentlich die Stimme das »Instrument« ist, was mir am meisten Freude macht. Als Sänger kann ich alle erdenklichen Emotionen stimmlich und körperlich ausdrücken. Daher ist nicht nur das Singen, sondern – wie in der Oper – auch das Spielen als Gesamtes eine wunderbare Sache.

Als Bariton singe ich oft Rollen, die den Bösewicht in einer Geschichte darstellen. Da ist es schon eine Herausforderung, sich in einen solchen Menschen hineinzuversetzen zum Beispiel, indem man nach Gemeinsamkeiten oder Bekanntem sucht. Und wer kennt das Gefühl der Eifersucht und des Neides nicht? Aber ich bin kein intriganter Mensch, daher gibt es zwischen mir und Jago durchaus große Unterschiede. Auf der anderen Seite will er eigentlich alles tun, um Desdemona und Otelino glücklich zu machen, weil er so verliebt ist. Auch wenn es nicht so toll ist, wie er das anstellen will, finde ich das eigentlich recht sympathisch an

Raphael Haeger – Dirigent

Normalerweise bin ich bei den Berliner Philharmonikern ja einer von vier Schlagzeugern. Das ist toll, denn ich habe mir schon als Vierjähriger ein Schlagzeug gewünscht. Außerdem fing ich auch früh an, Klavier zu spielen und als ich mit der Schule fertig war, fiel mir die Entscheidung, welches Instrument ich denn nun studieren möchte, ganz schön schwer. Es wurde dann das Schlagzeug, aber das Klavierspiel habe ich natürlich nie aufgegeben. Inzwischen habe ich auch noch eine Ausbildung zum Dirigenten absolviert. Denn als Schlagzeuger, Geiger, Flötistin oder Sänger spielt (oder singt) man ja immer nur einen Teil des Ganzen. Der Dirigent eines Werks ist der einzige, der die Stimmen von allen Spielern in seinen Noten stehen hat und kennen muss. Stell Dir vor, du gehst mit einer Gruppe anderer Kinder durch eine unbekannte Stadt und nur du hast den Stadtplan in der Hand. Dann bist du der Dirigent! Mein »Stadtplan« heißt übrigens Partitur. Dirigent bin ich geworden, weil ich total heiß drauf war, diesen Stadtplan, die Partitur, zu haben und mich darin zurecht zu finden. So kann ich die anderen durch die Stadt führen...

Der Kleine und Otello ist ein schnelles Stück, finde ich. Wir Musiker müssen sehr aufpassen, dass ihr, die Zuschauer, nicht die Hälfte verpasst. Das macht Spaß! Ich muss darauf achten, alle Sängerinnen und Sänger, das Orchester und den Chor zusammenzuhalten – wie ein Schäferhund seine Schafe. Und wenn die Oper vorbei ist, und ihr wieder nachhause geht, dann bin ich bestimmt genauso müde, wie dieser Hund, wenn er den ganzen Tag um seine Schafe herumgerannt ist!

Mareike Zimmermann – Regisseurin

Mein Beruf macht mir sehr viel Spaß. Als Regisseurin bin ich oft unterwegs. Es ist natürlich immer auch ein wenig traurig, wenn ich nicht zu Hause sein kann – aber dafür lerne ich viele verschiedene Menschen kennen und darf in immer neuen Städten arbeiten. Das finde ich aufregend und genieße es. Außerdem ist es mit jeder Inszenierung aufs Neue schön, dass so viel Musik in meinem Leben ist – schließlich bin ich selber keine Musikerin. Für mich ist es eine Ehre und ein großes Geschenk, wenn die Sängerinnen und Sänger Tag für Tag für mich singen oder wenn ich einem Orchester nicht nur einen Abend lang in der Vorstellung zuhören darf, sondern mich gemeinsam mit den Musikern und dem Dirigenten auch in die Erarbeitung einer Oper vertiefen kann.

Ich bin ein großer Fan von Otellino. Er ist einfach ein großartiger Junge: Obwohl sein Papa so lange weg ist, bleibt er tapfer immer weiter voller Hoffnung. Außerdem ist er empfindsam, denn er spürt genau, dass mit Otello etwas nicht stimmt – aber was kann es nur sein? Und im entscheidenden Moment ist er mutig und zupackend, so dass am Ende seine Eltern es ihm verdanken, dass ihre Familiengeschichte nicht schlecht ausgeht. Und ich bin genauso ein großer Fan meines jungen Sängerensembles; die vier arbeiten ganz konzentriert, probieren unerschrocken und mit Spaß neue Dinge aus und haben viel Fantasie.

Mit Der Kleine und Otello inszeniere ich zum ersten Mal für einen Konzertsaal; hier wird es keine Kulissen geben, dafür sitzt das Publikum ringsherum um die Spielfläche – das müssen wir beim Proben beachten, damit bei der Vorstellung auch alle etwas davon haben. Außerdem gibt es noch eine besondere Herausforderung: Mit Kinderchören habe ich zwar schon öfter gearbeitet, aber 90 junge Sängerinnen und Sänger – das ist mein neuer Rekord! Ich freue mich auf die Vokalhelden!

(Foto: Dorothea Huber)