(Foto: Dorothea Huber)

Education

Familienkonzert »Seite an Saite«

Seite an Saite sitzen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker normalerweise als Stimmgruppe im Orchester. Einmalig ist allerdings, dass sie schon seit über vierzig Jahren ein eigenes Ensemble bilden und als solches weltberühmt sind. Hier können sie zeigen, wie vielfältig das Cello klingen kann: mal tief und elegisch, mal ungewöhnlich hoch und spritzig, manchmal barock und dann wieder jazzig. Nicht selten vernimmt man auch die Laute einer Kuh oder erkennt Balu, den Bären, in den Klängen des »Instruments des Jahres« wieder, für welches die 12 Cellisten gerne die prominenten Botschafter sind.

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

Seite an Saite

Empfohlen für Kinder von 6 bis 10 Jahren

Termine und Karten

Sa, 13. Okt 2018, 15:00 Uhr

Kammermusiksaal

So, 14. Okt 2018, 11:00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

2018 ist das Cello Instrument des Jahres. Das Familienkonzert der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker – unter deren Schirmherrschaft das Cello-Jahr steht – bildet den Auftakt zu einer Veranstaltung, die vom Landesmusikrat Berlin in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker ausgerichtet wird: den Tag »Tag des Cellos«, der am 14. Oktober ab 12.30 h im Kammermusiksaal der Philharmonie stattfindet.

Rund um das Cello

Das Programm bietet bei freiem Eintritt Workshops, Vorträge, Ausstellungen und natürlich viel Musik. Neben den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker präsentieren sich u. a. Schülerinnen und Schüler des Musikgymnasiums Carl Philipp Emanuel Bach, junge Musiker des Julius-Stern-Instituts sowie Studierende der beiden Berliner Musikhochschulen. Die Besucher haben die Möglichkeit, sich bei Musikschulen zu informieren, und es bietet sich die nicht alltägliche Gelegenheit, Instrumenten- und Bogenbauern, die auch gerne Fragen beantworten, bei ihrer Arbeit zuzusehen. Beim Abschlusskonzert um 19 Uhr sind wieder Studierende der Universität der Künste sowie der Musikhochschule »Hanns Eisler« zu hören.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Seite an Saite

Mit den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker unterwegs in der Welt des Violoncellos

Ein ganz besonderes Instrument

Was ist groß, hat einen langen Hals und einen scharfen Stachel? Keine Sorge, die Rede ist nicht von einem feuerspeienden Drachen oder einem wilden Raubtier, sondern vom Violoncello, oder auch kurz: Cello! Der Name des Streichinstruments stammt aus dem Italienischen und bedeutet lustigerweise »kleine Großviola«, denn das Violoncello ist zwar deutlich größer als eine Geige, aber nicht so groß wie eine Bassgeige, die man damals auch Großviola nannte und die heute Kontrabass heißt. Trotzdem ist es so groß, dass man es nicht wie eine Geige oder eine Bratsche beim Spielen auf der Schulter liegend mit dem Arm halten kann. Das Cello wird zwischen den Beinen auf den Boden gestellt. Hier kommt der so bedrohlich klingende Stachel ins Spiel: Den bohrt man nämlich in den Boden, damit das Instrument beim Spielen sicher steht und nicht verrutscht. Wenn ihr einmal ganz nah an eine Bühne mit einem Holzboden herangeht, zum Beispiel in der Berliner Philharmonie, dann könnt ihr viele kleine Löcher entdecken – genau, sie stammen von den Cellostacheln!

Wer schon einmal ein Cello gehört hat, der weiß: Es kann himmlisch weich und singend, aber auch tief, robust und zupackend klingen. Manche finden sogar, dass es von allen Instrumenten der menschlichen Stimme am meisten ähnelt. In jedem Fall könnten viele dieser Violoncelli eine Menge zu erzählen, denn einige von ihnen sind mehrere 100 Jahre alt – die ersten Exemplare wurden nämlich bereits im 16. Jahrhundert von Geigenbauern geschaffen. Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum es dann nicht Cellobauer heißt, aber Geigenbauer ist bis heute der Sammelbegriff für diejenigen, die alle Arten von Streichinstrumenten bauen.

Am Anfang hatte das Cello übrigens keinen Stachel, deshalb musste es beim Spielen zwischen den Knien eingeklemmt werden. Die Geigenbauer experimentierten mit verschiedenen Größen, mal hatte es fünf Saiten oder auch Bünde auf dem Griffbrett. Erst nach und nach entwickelte sich die Bauform, wie wir sie heute in einem modernen Orchester sehen. Der wohl berühmteste Geigenbauer überhaupt, war der Italiener Antonio Stradivari. Einige seiner Instrumente, die vor über 400 Jahren entstanden, sind bis heute erhalten und so wertvoll, dass nur Millionäre sie kaufen können.

Die Geigenbauer wissen natürlichen ganz genau, wie die einzelnen Teile, aus denen ein Cello besteht, heißen. Wisst ihr es auch? Findet es einfach heraus, indem ihr den Linien zwischen den Bezeichnungen und den jeweiligen Teilen folgt:

Während das Cello anfangs vor allem zur Verstärkung der begleitenden Bassinstrumente eingesetzt wurde (der sogenannten Generalbassgruppe, die meist aus Cembalo, Laute und oft auch Fagott bestand), entdeckte Antonio Vivaldi als einer der ersten großen Komponisten das Violoncello als Soloinstrument. Er schrieb über 20 Cellokonzerte, die bis heute gern und oft gespielt werden. Auch Johann Sebastian Bach liebte das Streichinstrument und komponierte sechs Suiten für Violoncello solo – also ganz ohne Begleitung. Heute ist das Cello sowohl solistisch als auch im Orchester oder in Kammermusikformationen im Einsatz und einfach nicht mehr aus der Musikwelt wegzudenken. Ihr seht, es ist ein sehr vielseitiges Instrument – kein Wunder, dass die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker praktisch jede Art von Musik auf ihren Celli spielen können!

Seite an Saite: Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

Ähnlich wie die 7 im Märchen ist auch die 12 eine Art magische Zahl: 12 Monate hat ein Jahr, zweimal 12 Stunden ergeben einen Tag, 12 Tierkreiszeichen gibt es, die Bibel spricht von den 12 Aposteln Jesu, die alten Griechen von 12 Göttern im Olymp und die Berliner Philharmoniker haben – genau – die 12 Cellisten! Das Besondere ist allerdings nicht, dass die 12 Musiker als Gruppe in einem Orchester spielen, sondern dass sie sich vor mittlerweile 46 Jahren entschlossen haben, ab und zu auch allein, ohne ihre Kollegen aufzutreten: Seite an Saite! Auf diese außergewöhnliche Idee kamen sie eigentlich durch einen Zufall …

1920, also vor fast 100 Jahren, schrieb der Cellovirtuose und Komponist Julius Klengel ein Stück für zwölf Violoncelli, das er selbst zusammen mit elf Cellostudenten als Geburtstagsgeschenk für den berühmten Dirigenten Arthur Nikisch spielte. Dieser war damals Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und freute sich sicher sehr über das besondere Ständchen. Leider starb er schon zwei Jahre später und so erklang das Cellostück ein weiteres Mal bei seiner Begräbnisfeier. Danach verschwanden die Noten für ganze 50 Jahre in vergessenen Archiven bis zu dem Tag, an dem neugierige Wissenschaftler aus Österreich es wie Detektive dort aufspürten. Sofort fragten sie bei den Berliner Philharmonikern an, ob die damaligen 12 Cellisten des Orchesters bereit wären, das Stück zu spielen und für eine Schallplatte aufzunehmen. Warum nicht?, dachten sie sich. Die Aufführung wurde ein großer Erfolg – so groß, dass die zwölf Lust auf weitere Stücke für diese spezielle Besetzung bekamen. Doch die gab es leider noch gar nicht! Ein weiterer glücklicher Zufall sollte das ändern …

Die 12 Cellisten, die ihr heute erlebt, sind nicht dieselben Interpreten, die vor 46 Jahren erstmals zusammen auftraten. Immer, wenn ältere Mitglieder aufhören im Orchester zu arbeiten, rücken die neuen, jüngeren Kolleginnen oder Kollegen nach. So ist sichergestellt, dass sie stets zu Zwölft auftreten können. Unter denjenigen Musikern, die 1972 das wiederentdeckte Stück von Klengel spielten, befand sich auch Rudolf Weinsheimer. Er ist heute bereits über 80 Jahre alt und im Ruhestand. Damals aber war er derjenige, der auf die Anfrage der Wissenschaftler hin alle seine elf Kollegen anrief, um sie von der Idee eines gemeinsamen Auftritts zu überzeugen. Am schwierigsten war es für ihn, einen passenden Termin zu finden, an dem alle zwölf Zeit für eine Probe hatten! Zum Glück ist es ihm gelungen, sonst würden wir heute nicht dieses Konzert erleben. Eines Tages war Rudolf Weinsheimer mit seinem Auto im strömenden Regen unterwegs, als er am Straßenrand ein Mädchen sah, das mitgenommen werden wollte. Natürlich hielt er an und fragte die Anhalterin, wie sie hieße und wo sie denn hinwolle. Das Mädchen nannte seinen Nachnamen: Blacher. Da schmunzelte der Fahrer, denn er wusste genau, wo die Familie wohnte. Warum? Der Vater des Mädchens, Boris Blacher, war ein berühmter Komponist. Als das Mädchen später ihrem Vater erzählte, dass Herr Weinsheimer von den Berliner Philharmonikern sie durch den Regen bis vor die Haustür gefahren hatte, war dieser so dankbar, dass er den 12 Cellisten ein dreiteiliges Tanzstück schrieb: Das war die erste Komposition, die speziell für das frischgebackene Ensemble entstand. Ihr folgten im Laufe der Jahre über 50 weitere neue Werke, denn um ihr Repertoire zu vergrößern, beauftragen die 12 Cellisten viele Komponisten aus den verschiedensten Ländern. So konnte die Gruppe schließlich abendfüllende Konzerte geben. Um ihre Programme noch interessanter zu machen, ergänzten sie sie durch Bearbeitungenvon Stücken, zum Beispiel von der Filmmusik zu The Pink Panther.

Bald schon reisten die 12 Cellisten durch die ganze Welt und begeisterten ihr Publikum. Sie wurden so berühmt, dass Präsidenten und Könige sie einluden, um für sie zu spielen: In Japan traten sie sogar im Palast des Kaisers auf und wurden dabei – Seite an Saite – von Ihrer Majestät der Kaiserin persönlich am Klavier begleitet.

Passauer Neue Presse

Aus dem Cellokästchen geplaudert – Glück im Unglück beim Konzert der 12 Cellisten

Das zahlreich erschienene Publikum der Passauer Studienkirche St. Michael zuckt gemeinschaftlich zusammen, als Rudolf Weinsheimer, Gründungsmitglied der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, zu Beginn des Konzerts mit ernster Miene verkündet: »Es ist etwas Furchtbares passiert.« Angespanntes Schweigen herrscht in der Kirche, man vermutet das Schlimmste: Ist ein Musiker schwer erkrankt, hat es einen Unfall gegeben? Glücklicherweise kann Weinsheimer das Publikum beruhigen: Keiner Person sei etwas zugestoßen, wohl aber einem Violoncello. Einer der Kollegen ist auf dem Weg zur Bühne ins Straucheln geraten und vornüber in sein wertvolles Instrument gestürzt. Dieses wurde dabei so schwer beschädigt, dass es nicht mehr spielbar ist. Raunen im Saal – muss das Konzert abgesagt werden? Zaghaft und etwas verlegen wendet sich Weinsheimer noch einmal an die Zuhörer: »Hat einer der verehrten Anwesenden vielleicht ein Cello, das sich in einem einigermaßen guten Zustand befindet?« Einen Moment lang herrscht Schweigen. Dann meldet sich Oberstudienrat Toni Glas: »Ja, ich habe ein Cello, sogar ein recht gutes. Ich wohne ganz in der Nähe, warten Sie fünf Minuten, dann bin ich zurück.« Große Begeisterung bei allen Konzertbesuchern. Kurze Zeit später erscheint der Retter in der Not mit seinem Instrument, das er dem unglücklichen Cellisten auf die Bühne reicht. Dankbar und erleichtert probiert er schnell ein paar Striche und verschiedene Griffe aus, bevor das Konzert endlich starten kann. Dank dieser segensreichen Rettung hatten Musiker und Publikum Glück im Unglück, denn dieses himmlische Konzert ausfallen zu lassen, wäre eine wahre Sünde gewesen!

Tango im Bücherdschungel

Lieber Herr Quandt, das heutige Programm hält, so wurde uns verraten, sowohl Bekanntes als auch gänzlich Unbekanntes bereit – was werden wir kennen und was wird uns völlig neu sein?

Ludwig Quandt: Hm … Also, wer bereits in einem unserer Konzerte war oder in unsere CDs hineingehört hat, kennt sicherlich das eine oder andere Stück. Und wer schon einmal mit »Gemütlichkeit« seinen »Bücherdschungel« (Vorsicht: Wortspielzaunpfahl!) durchforstet hat, dem wird ganz bestimmt auch etwas vertraut vorkommen. Wir spielen ja einige Werke, die dem Publikum in anderer Form bekannt sind und die extra für uns bearbeitet wurden, zum Beispiel von unserem Ensemblemitglied David Riniker. Außerdem gibt es in diesem Familienkonzert – und das kommt wirklich nicht oft vor – sogar eine echte Uraufführung, Musik also, die noch nie und nirgends sonst gespielt wurde. Da darf das Publikum also wirklich gespannt sein!

Oh, ich entdecke da auf Ihrem Notenstapel den Namen Astor Piazzolla – ein berühmter argentinischer Bandoneonspieler und Tangokomponist! Stücke von ihm tauchen ziemlich oft in den Programmen der 12 Cellisten auf, oder? Hören wir also auch im Familienkonzert einen Tango? Was gefällt dem Ensemble an seiner Musik so gut?

LQ: Jetzt haben Sie ja doch etwas verraten! Na gut: Ja, das Publikum darf sich auf Tangoklänge im Cellogewand freuen. Piazzolla ist so etwas wie ein Hausgott für uns. Er ist immer da und wir können eigentlich gar nicht mehr ohne ihn auskommen. Seine Musik ist wie gemacht für das Cello und steckt gleichzeitig voller scheinbarer Widersprüche: Sie kann traurig und witzig zugleich sein, kraftvoll und zart, rasant schnell dahinjagen oder geradezu auf der Stelle treten. Und ich verrate Ihnen noch etwas: Das Cello kann sogar ganz ähnlich wie ein Bandoneon klingen – hören Sie mal genau hin im Konzert!

Herr Quandt, ich merke schon, sie wollen wirklich nicht zu viel verraten. Aber eins können Sie mir sicher sagen: Welches Stück aus Ihrem Programm spielen Sie persönlich denn am allerliebsten und warum?

LQ: Auweia, das ist eine sehr schwierig zu beantwortende Frage. Ich muss mehrere Antworten geben:
1. Alle.
2. Immer das nächste.
3. Das, welches wir am besten können, also gar keins ...

Biografie

Michel Abdollahi ist Conférencier, Performance-Künstler, Poetry-Slam-Pate und Literat. Vor allem aber ist er ein höflicher, humoristisch, engagierter und politischer Mensch. Als Michel 1986 aus seiner Heimatstadt Teheran im Iran nach Deutschland kam, war er fünf Jahre alt. Er wuchs in Hamburg auf, wo er auch heute noch lebt. Nach der Schule studierte er Rechtswissenschaft, Islamwissenschaften und Iranistik und war außerdem mit großem Erfolg in der deutschsprachigen und europäischen Poetry-Slam-Szene aktiv. Heute kann man ihn im Fernsehen als Reporter oder als Moderator erleben, der für seine Arbeit (z. B. den Dokumentarfilm »Im Nazi-Dorf« oder als Moderator von »Panorama – Die Show«) schon mehrere wichtige Preise erhalten hat. Als Gastgeber von großen Poetry-Slams (Poesie-Wettstreiten) konnte er im vergangenen August auf der Trabrennbahn Hamburg einen Zuschauerrekord aufstellen, der sogar im Guinnessbuch verzeichnet ist. Auf der Bühne moderiert er große Events der Unterhaltungsbranche sowie der Wirtschaft und tritt auch auf politischen Kongressen auf. Seine Beiträge erreichen immer wieder große Beachtung in sozialen Medien und in der Presse.

Neben dieser Arbeit engagiert sich Michel für benachteiligte Jugendliche: Er unterstützt die Jugendbewegungen der Hamburger Poetry-Slam-Szene, veranstaltet Workshops und bringt dadurch Sprache, Poetry Slam und Theater als Mittel der Integration an die Schulen. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender von Zweikampfverhalten e.V., einem vielfach ausgezeichnetem Anti-Aggressionsprogramm für Jugendliche.

Michel schreibt auch Kurzgeschichten und Gedichte und widmet sich der Übersetzung und Erläuterung klassischer persischer Dichtung. Seiner alten Heimat ist Michel bis heute tief verbunden und reist in regelmäßigen Abständen dorthin.

(Foto: Dorothea Huber)

(Foto: Stephan Roehl)

Tag des Cellos

Weiterführende Informationen zum Programm finden Sie hier.

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