(Foto: Damir Yusupov)

Kammermusik

Weihnachtliches mit dem Chor des Bolschoi-Theaters Moskau

In Russland ticken die Uhren anders. Nach dem dortigen julianischen Kalender findet das kirchliche Weihnachtsfest erst am 7. Januar statt. Passend dazu gastieren der Chor des Bolschoi-Theaters Moskau und sein langjähriger Künstlerischer Leiter Valery Borisov im Kammermusiksaal und präsentieren weihnachtliche Chormusik aus ihrem Heimatland: Volkslieder und Gesänge aus der Liturgie der russisch-orthodoxen Kirche u. a. mit Werken von Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow.

Chor des Bolschoi-Theaters Moskau

Valery Borisov Leitung

Weihnachtliche Chormusik aus der Liturgie der russisch-orthodoxen Kirche mit Werken von Sergej Rachmaninow, Peter Tschaikowsky, Alexander Archangelsky, Alexander Gretschaninow, Pawel Tschesnokow u. a. sowie weihnachtliche Volks- und Tanzlieder.

Termine und Karten

Programm

In Russland ticken die Uhren anders. Das kirchliche Weihnachtsfest findet hier nämlich, bedingt durch den späten Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender, erst am 7. Januar statt. Am Heiligen Abend stimmt man sich mit langen Gottesdiensten in reich geschmückten Kirchen, mit orthodoxen Gesängen und Lichterprozessionen auf die festlichen Tage ein. Wer sich von den mystischen Klängen russischer Chöre verzaubern lassen will, muss allerdings nicht gleich bis nach Moskau oder St. Petersburg fahren, da der Chor des Bolschoi-Theaters Moskau unter dem Dirigat seines langjährigen Künstlerischen Leiters Valery Borisov im Kammermusiksaal erwartet wird.

Auf dem Programm steht weihnachtliche Chormusik aus der Liturgie der russisch-orthodoxen Kirche, u. a. der Hymnus »Gott mit uns«, in dem Vassily Sinowjew in strahlenden Klängen die Geburt Christi feierte. Mit Pawel Tschesnokow begegnet man dann einem Komponisten, der mit seinen über 400 geistlichen Chorwerken zu den wichtigsten Schöpfern auf dem Gebiet der russisch-orthodoxen Kirchenmusik gilt. Er war mit Sergej Rachmaninow bekannt, vom dem Teile seiner spätromantischen Nachtvesper zu hören sind.

Weiterhin erwartet das Publikum eine Reihe kunstvoller Messgesänge aus Tschaikowskys Liturgie, mit der der Komponist das im 19. Jahrhundert leicht angestaubte Erbe der russisch-orthodoxen Kirchenmusik zu neuem Leben erweckte. Doch auch jüngere Arbeiten sind zu hören, u. a. weihnachtliche Chöre aus der Schauspielmusik zu Aleksej Tolstois Drama Zar Fjodor Johannowitsch, das der Schostakowitsch-Schüler Georgy Swiridow 1973 komponierte.

Über die Musik

Zwischen Innovation und Tradition

Geistliche und weltliche Gesänge Russlands zur Weihnachtszeit

Erster Teil: Kirchenmusik am Ende der Zarenzeit

Die geistliche Musik Russlands hat aus heutiger Sicht eine stolze, etwa 1000 Jahre währende Geschichte. Ihre Wurzeln liegen also weit vor dem Aufkommen einer russischen Kunstmusik nach westeuropäischem Vorbild, wie sie hierzulande gerne in Gestalt von Werken Glinkas oder Tschaikowskys identifiziert wird, aber in ungefährer Nachbarschaft zur Ausbreitung des gregorianischen Chorals in der römisch-katholischen Kirche. Wie auch dort vollzog sich die Entwicklung der russisch-orthodoxen Sakralmusik, also des unbegleiteten Chorgesangs, in ständigem Widerstreit von Innovation und Tradition: zum Beispiel in der Frage nach einer angemessenen Mehrstimmigkeit, in Debatten über Eigenes und Fremdes, insbesondere der Übernahme von Stilen anderer Kulturen. Diese Auseinandersetzungen zogen sich bis in die jüngere Vergangenheit.

Peter Tschaikowsky

Einen entscheidenden Anstoß für Neuerungen gab 1879 einer der wichtigsten Protagonisten des russischen Musiklebens, Peter Tschaikowsky, mit der Drucklegung seiner Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos op. 41. Auch wenn die Innovationskraft des Komponisten und sein progressiver Einfluss auf das russische Musikleben kaum zu überschätzen sind – von der Geschichte der heimatlichen Kirchenmusik hatte er eigentlich kaum Kenntnis. Bei der Arbeit an einigen Weisen war er zuvor, wie er seinem Bruder schrieb, an Grenzen gestoßen: »Ich habe schon vieles getan, aber ich kenne den Gottesdienst nicht und weiß nicht, wohin dieser und jener Gesang im Obichod [Gesangbuch der russisch-orthodoxen Kirche] gehört. Hier herrscht für mich Chaos.« Die Anforderungen einer Messe waren zwar übersichtlicher, dennoch erwies sich Tschaikowskys Arbeit im Ergebnis als eine subjektive Angelegenheit, die wenig Rücksicht auf die Anforderungen einer Messfeier nahm. Er und sein Verleger Peter Jurgenson holten sich mit einem Nihil obstat den Segen der kirchlichen Zensur in Moskau, für Vertonungen von geistlichen Texten fühlte sich allerdings auch das Direktorium der Hofkapelle in St. Petersburg zuständig, das einer innovativen Umsetzung ablehnend gegenüberstand. Es kam zu einem Rechtsstreit, in dem letztlich Tschaikowsky und Jurgenson zugestanden wurde, liturgische Vertonungen auch ohne Erlaubnis der Hofkapelle zu publizieren, sofern sie nicht für die Aufführung im Gottesdienst gedacht waren. Ein Urteil, das auf viele Komponisten ermutigend wirkte und einen Dammbruch auslöste. Die freie Beschäftigung mit Texten der russischen Orthodoxie erlebte in der Folge eine Blüte.

Dieser juristisch ausgetragene Konflikt ließ auch den Wettstreit der beiden größten Städte Russlands um ihre Bedeutung auf dem Gebiet der geistlichen Chormusik aufscheinen. In vorherigen Jahrhunderten galt Moskau unbestritten als kirchenmusikalisches Zentrum, was sich mit der Gründung St. Petersburgs durch Zar Peter I. im Jahr 1703 entscheidend ändern sollte. Bald wurde der höfische Chor aus Moskau abgezogen, und so stellte für einige Jahrzehnte die St. Petersburger sogenannte Hofkapelle aus das Maß aller Dinge dar. 1767 wurde schließlich in Moskau ein eigenes Vokalensemble gegründet, der Synodale Chor der Hochschule für Kirchengesang. Beide Chöre bildeten jeweils eigene Stile aus und orientierten sich an unterschiedlichen Einflüssen. Eine gewaltige Erweiterung erfuhr die russische Chorlandschaft dann im 19. Jahrhundert, als nach einer langen Phase der Säkularisierung die russisch-orthodoxe Kirche als Stifter nationaler Identität wieder vermehrt an Einfluss gewann. Um 1900 gehörten etwa 90 Millionen Russen der orthodoxen Glaubensrichtung an, was auch zu einem Anstieg von praktizierenden Kirchenchören führte, deren Leiter meist in Lehrgängen an der Hofkapelle in St. Petersburg ausgebildet wurden. Zu ihnen zählte auch Alexander Archangelsky, der 1880 einen eigenen, bald sehr populären Chor gründete und sich erstmals für die Beteiligung von Frauenstimmen einsetzte, was die aufwändige Arbeit mit hohen Knabenstimmen obsolet machte. Das Ensemble wuchs schnell von 20 Stimmen auf bis zu 90 Sängern und Sängerinnen an und machte mit zwei Tourneen in den Jahren 1907 und 1912 auch Westeuropa mit dem Chorklang Russlands bekannt.

Alexander Archangelsky, Alexander Gretschaninow und Pawel Tschesnokow

Chorleiter wie Archangelsky schufen selbstverständlich auch eigene Kompositionen. So zählt sein Konzert für Solotenor und Chor »Selig ist, wer des Schwachen und Armen gedenkt« zu einer vielfältigen Sammlung von Hymnen. Diese sogenannten Konzerte bildeten in zweierlei Hinsicht einen Sonderfall innerhalb der Hymnenkompositionen. Sie waren in dieser Form erst im 18. Jahrhundert von italienischen Kapellmeistern am Hof in St. Petersburg entwickelt worden und in ihnen wurden – im Gegensatz zu den üblicherweise freien Nachdichtungen der traditionellen Hymnentexte – verschiedene Psalmen aus der Bibel zu verhältnismäßig virtuosen Gesängen mit drei oder vier abwechslungsreichen Abschnitten verwoben. Übrigens vermuteten nicht nur russische Nationalisten, dass der Rückgriff auf die geistlichen Lieder das mangelnde Textverständnis der Italiener am Hof in St. Petersburg kaschieren sollte. Ging es um abendfüllende Werke, waren im 19. Jahrhundert zwei Gattungen besonders populär: Die Nachtwache, der höchste Gottesdienst der Woche und vor großen Festen, basierte in seiner musikalischen Ausgestaltung (als Vesper oder Nachtvigil) vor allem auf Choralvorlagen. Liturgien, das orthodoxe Äquivalent zur westlichen Messe, wurden dagegen zum Ende des 19. Jahrhunderts hin freier vertont. Gerade Tschaikowskys Vorbild gebendes Opus 41 ermöglichte hier auch russischen Komponisten ohne religiösen Hintergrund eine Auseinandersetzung mit der Kirchenmusik ihrer Heimat. Alexander Gretschaninow, ausgebildet bei den westlich orientierten Meistern Sergej Tanejew und Nikolaj Rimsky-Korsakow, verfasste 18 Jahre nach Tschaikowsky eine eigene Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomos op. 13, der 1902 als Opus 29 schließlich eine zweite folgte, aus der sein Beitrag zum heutigen Konzert stammt. Sein etwas jüngerer Kollege Pawel Tschesnokowwar zwar an der Synodalschule in Moskau zum Chorleiter ausgebildet worden, aber sein Konzert »Ein Engel hat verkündet« aus den Hymnen für die Feste des Herrn und Mariä op. 22 von 1909 ist ob seines Klangsinns im Konzertsaal ebenso gut aufgehoben wie in der Kirche.

Sergej Rachmaninow

Denn so schön die Kirchenmusik in den Ausdeutungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts auch erschallte, es fehlte oft der Eindruck von archaischem, im Mittelalter wurzelndem Gesang. Die ursprüngliche Einstimmigkeit war zugunsten einer nach Gutdünken angefertigten Harmonisierung aufgegeben worden, der freie Fluss der Worte in standardisierte Rhythmen gekleidet. Gerade in Moskau wurde man sich der fehlenden Rückversicherung des eigenen Tuns durch Kontakt zur Vergangenheit bald bewusst und 1867 am Konservatorium eine Professur für Geschichte des russischen Kirchengesangs eingerichtet. Nebenan, in der synodalen Schule mit ihrem dazugehörigen Gesangsensemble, war es von 1887 an der Musikwissenschaftler, Pianist und Chorleiter Alexander Kastalsky, der den erwachten Forschergeist in die musikalische Praxis übertrug, 1910 übernahm er die Leitung der Institution. Der Synodale Chor war bald ein spezialisiertes Ensemble, das sein Wissen in den Gottesdiensten der Uspenski-Kathedrale des Kremls musikalisch umsetzen konnte. Von Kastalsky ließ sich auch Sergej Rachmaninow beraten, als er 1910 eine eigene Liturgie op. 31 und schließlich 1915 die Ganznächtliche Vigil op. 37 komponierte. Es ist sicher kein Zufall, dass zur gleichen Zeit Kastalsky einen Kirchengesangs-Obichod des Synodalen Chors für ein gemischtes Vokalensemble veröffentlichte. Die Uraufführung von Rachmaninows Opus 37 durch den Synodalen Chor fiel also zusammen mit der Einführung eines neuen Standardwerks der vokalen Kirchenmusik. Der Personalstil des Komponisten zeigt sich in der Ganznächtlichen Vigil op. 37 zwar deutlich, doch ist – wie bei Tschaikowsky – das Bemühen um einen kirchlichen Tonfall nicht von der Hand zu weisen: Die Harmonik erscheint im Vergleich zu Rachmaninows weltlichen Werken reduziert, die Melodik kaum chromatisch, die Rhythmik frei atmend. Mit Rachmaninows Ganznächtlicher Vigil schließt sich das 1879 von Tschaikowsky aufgestoßene Zeitfenster, in dem eine rein artistische Beschäftigung mit der Tradition russischer Kirchenmusik möglich war.

Zweiter Teil: Chorgesang im nationalen Interesse

Die beiden Revolutionen von 1917 bedeuteten nicht nur das Ende der Zarenherrschaft und damit einen gewaltigen gesellschaftlichen Umsturz, sondern auch – wie es in einem Erlass der Bolschewisten vom Januar 1918 hieß – die »Trennung von Kirche und Staat«, die bald zu einer aggressiven Verdrängung der Religion aus dem Alltag mutieren sollte. Damit war auch die aufkeimende Begeisterung für die lange Tradition des orthodoxen Kirchengesangs erstickt, der synodale Chor und die dazugehörige Schule in Moskau wurden aufgelöst. In diesem Klima war eine Pflege der Kirchenmusik schwierig, eine Weiterentwicklung von Lehre und Praxis unmöglich.

Statt des geistlichen Gesangs rückten nun andere Arten von Chormusik in den Fokus. Weltliche Kantaten und Oratorien priesen mithilfe von Chor, Orchester und Solisten die Stärke und Schönheit des sowjetischen Kulturkreises. Komponisten wie Anatoli Nowikow (1896 – 1984) machten sich außerdem einen Namen mit einfacher gehaltenen Massenliedern oder Romanzen, also für Chöre eingerichteten Kunstliedern. Grundlage der Werke waren nun nicht mehr die uralten Texte der Gottesdienste, sondern russische Gedichte des vorbildhaften 19. Jahrhunderts oder neu erdachte, teils erstaunlich simple Lobpreisungen der eigenen Größe und Schmähungen der Gegner. Der Eintritt in den »großen vaterländischen Krieg«, wie der Zweite Weltkrieg in Russland heißt, lenkte 1941 den Blick von den Gräueln Stalins im Inland auf gemeinsame Feinde im Ausland. Denkbar frei von weihnachtlichen Empfindungen waren es die Kriegslieder, die in dieser Zeit eine Blüte erlebten. Auch hier erwies sich Nowikow als produktiver Kopf. Der Kalte Krieg sollte wenig später den Bedarf an propagandistischen Chorwerken stabil halten.

Unter der Maxime des »Sozialistischen Realismus« wurde Folklore zum künstlerischen Maßstab, wobei weniger die Authentizität der Volksweisen als ihre unmittelbare Verständlichkeit bedeutsam war. Auch neues Liedgut fand also Eingang in die Chorprogramme, solange es die Anmutung von traditionellen Melodien hatte. Der Mitte der 1940er-Jahre gegründete Staatschor für Russisches Volkslied pflegte ebendieses Repertoire. Seine Leitung hatte über Jahrzehnte der Chordirigent und -komponist Alexander Sweschnikow (1890 – 1980) inne, der 1965 mit seinem Ensemble die erste russische Schallplattenaufnahme von Rachmaninows Ganznächtlicher Vigil op. 37 ins Werk setzte.

Georgj Swiridow

Erst nach Stalins Tod und der Absetzung Chruschtschows wurde es am Ende der 1960er-Jahre unter dem Motto der »geistigen Wiedergeburt« wieder möglich, Anleihen bei Kirchenmusik zu nehmen. Georgj Swiridow war einerseits ein linientreuer Komponist der Sowjetunion, stammte andererseits aus einem religiösen Elternhaus. Über Umwege war ihm schon zuvor gelungen, Chormusik mit geistlichem Inhalt zu schreiben, sei es in Anlehnung an proletarische Chöre der vorrevolutionären Zeit, oder unter Verweis auf geduldete Volksweisen, die geistlicher Musik nahestanden. So fügen sich seine Drei Chöre aus der Bühnenmusik zu Graf Alexei Tolstois Drama Zar Fjodor Iwanowitsch von1973 recht nahtlos in die spätromantische Tradition der Zeit vor 1917 ein. Zeitlich stehen Swiridows Gesänge außerdem am Beginn einer erneut anbrechenden, langanhaltenden Beschäftigung mit der religiösen Vergangenheit. Seine über einen Zeitraum von zehn Jahren entstandenen, 1997 abgeschlossenen Gesänge und Gebete greifen nun endgültig auf geistliche Textvorlagen zurück und gelten heute als wichtigster Beitrag zur russisch-orthodoxen Musik seit Rachmaninows Ganznächtlichem Vigil op. 37. Die Perestroika bot also auch in der Tonkunst neue Freiheiten, die besonders in Regionen wie dem Baltikum mit seiner ganz eigenen Gesangstradition, aber auch innerhalb Russlands genutzt wurden. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs starteten Komponistinnen und Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Alfred Schnittke und Galina Ustwolskaja – nun unter ganz anderen Voraussetzungen – einen neuen Anlauf, die älteste musikalische Tradition des Landes zu bewahren und künstlerisch zu reflektieren.

Daniel Frosch

Biografie

Der Chor des Bolschoi-Theaters ist Teil des berühmten Moskauer Opern- und Balletttheaters. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erlangte der Chor unter der musikalischen Leitung von Ulrich Avranek Bekanntheit in ganz Russland. Anfang des 20. Jahrhunderts trat das Ensemble mit Sergej Diaghilews Ballets russes in Paris auf. Mit seinen heute 120 Mitgliedern ist der Chor an allen Opernproduktionen des Bolschoi-Theaters beteiligt und übernimmt auch den Chorgesang in Balletten wie Le Corsaire, Der Nussknacker oder Spartakus. Darüber hinaus pflegt der Chor ein umfangreiches Konzertrepertoire mit Werken etwa von Tanejew, Tschaikowsky, Rachmaninow, Prokofjew sowie geistlicher Musik. Die musikalische Leitung hat seit 2003 Valery Borisov inne. In Konzerten trat der Chor auch unter der Leitung von Dirigenten wie Gennadi Roschdestwensky, Alberto Zedda, Jiří Bělohlávek und Vassily Sinaisky auf. Auf Tournee waren die Sängerinnen und Sänger z. B. 2003 in Spanien und Portugal sowie 2017 in Aix-en-Provence zu erleben. 2005 wurde der Chor für seinen Beitrag in den Inszenierungen von Macbeth und Der fliegende Holländer mit einem Sonderpreis des russischen Theaterpreises Goldene Maske ausgezeichnet. Auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker ist der Chor des Bolschoi-Theaters heute erstmals zu Gast.

Valery Borisov wurde in Leningrad geboren und besuchte die Chorschule des Akademischen Glinka-Chors. Anschließend studierte er Chor- und Orchesterdirigieren am Leningrader Konservatorium. Von 1976 bis 1986 kehrte er als Leiter zum Akademischen Glinka-Chor zurück, bevor er 1988 Chorleiter und Dirigent am Mariinsky-Theater wurde. Mit dem dortigen Opernchor war er bis 2000 an über 70 Produktionen von Opern, Orchesterwerken und Oratorien beteiligt. Auf Tourneen gastierte der Opernchor des Mariinsky-Theaters unter seiner Leitung u. a. in New York, Amsterdam, Baden-Baden und Lissabon. Seit 1996 ist Valery Borisov Professor am Konservatorium in Sankt Petersburg sowie künstlerischer Leiter und Dirigent des Sankt Petersburger Mozarteums, einer Kombination aus Kammerorchester und Kammerchor. 2003 übernahm er die musikalische Leitung des Bolschoi-Chors, mit dem er eine Vielzahl von Opernproduktionen – von Boris Godunow und La Bohème über Carmen und Falstaff bis Lady Macbeth von Mzensk und Wozzeck – einstudiert hat. 2004 gab er mit Eugen Onegin sein Debüt als Dirigent am Bolschoi-Theater.

(Foto: Damir Yusupov)