Scharoun Ensemble Berlin (Foto: Felix Broede)

Kammermusik

35 Jahre Scharoun Ensemble Berlin

Das Scharoun Ensemble Berlin feiert mit diesem Jubiläumskonzert sein 35-jähriges Bestehen. Eingeleitet wird der Abend mit dem effektvollen Oktett, das der philharmonische Composer in Residence George Benjamin im Alter von 18 Jahren schrieb. Es folgen Arnold Schönbergs Zweites Streichquartett, in dessen viertem Satz noch eine Singstimme (Rinnat Moriah) hinzutritt, Sofia Gubaidulinas Hommage à T. S. Eliot, das auf Anregung von Gidon Kremer entstand, und die Uraufführung eines neuen Werks von Mark Andre.

Scharoun Ensemble Berlin

Wolfram Brandl Violine, Rachel Schmidt Violine, Christophe Horák Violine, Micha Afkham Viola, Claudio Bohórquez Violoncello, Peter Riegelbauer Kontrabass, Alexander Bader Klarinette, Markus Weidmann Fagott, Stefan de Leval Jezierski Horn

Christina Fassbender Flöte

Raphael Haeger Schlagzeug

Majella Stockhausen-Riegelbauer Klavier

Rinnat Moriah Sopran

Composer in Residence

George Benjamin

Oktett für Flöte, Klarinette, Celesta, Schlagzeug und vier Streicher

Arnold Schönberg

Streichquartett Nr. 2 fis-Moll mit Sopran-Solo op. 10

Rinnat Moriah Sopran

Mark Andre

Drei Stücke für Ensemble Uraufführung Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker gemeinsam mit der Elbphilharmonie Hamburg

Sofia Gubaidulina

Hommage à T. S. Eliot für Sopran und Oktett

Rinnat Moriah Sopran

Dieses Konzert ist Teil einer dem Komponisten und Dirigenten George Benjamin gewidmeten Residency der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin.

Termine und Karten

Sa, 16. Feb 2019, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

Das Scharoun Ensemble Berlin, das mit innovativer Programmgestaltung, ausgefeilter Klangkultur und lebendigen Interpretationen zu den profiliertesten Kammermusikformationen Deutschlands zählt, feiert mit diesem Jubiläumskonzert sein 35-jähriges Bestehen. Eingeleitet wird der Abend mit dem effektvollen Oktett für gemischtes Kammerensemble, das der philharmonische Composer in Residence George Benjamin im Alter von 18 Jahren schrieb: »Mit den Skizzen begann ich wenige Monate nach dem Abschluss meines Studiums bei Olivier Messiaen« (Benjamin).

Es folgt Arnold Schönbergs Zweites Streichquartett, in dessen viertem Satz eine Singstimme (übernommen von der israelischen Sopranistin Rinnat Moriah) Stefan Georges berühmte Zeile »Ich fühle Luft von anderem Planeten« zu Gehör zu bringt. Schönberg selbst empfand diese visionäre Musik als »Loslösung von der Erdanziehung – das Emporschweben durch Wolken in immer dünnere Luft, das Vergessen aller Mühsal des Erdenlebens«.

Nach der Uraufführung eines neuen Werks des Lachenmann- und Grisey-Schülers Mark Andre endet der Abend mit Sofia Gubaidulinas Hommage à T. S. Eliot, das auf Anregung von Gidon Kremer entstand – in der (vorgegebenen) Besetzung von Schuberts berühmtem Oktett, wenngleich um eine Sopranstimme erweitert. Für die meist winterlichen Bilder aus Eliots zugrundeliegendem Gedichtzyklus Four Quartets, der um Momente wie Schuld, Ewigkeit und Freiheit kreist, schuf Gubaidulina eine pastellartige, meditative Musik, in der ein bewusstes Verstummen immer wieder von irisierenden Klangballungen abgelöst wird.

Über die Musik

Grenzgang und Aufbruch

Kammermusik von Mark Andre, George Benjamin, Arnold Schönberg und Sofia Gubaidulina

Schatten-Flageoletts und ekstatische Pausen: Drei Stücke für Ensemble von Mark Andre

Eine »Musik des Entschwindens, des Verschwindens« kündigt Mark Andre auch für sein neues Werk Drei Stücke für Ensemble an. Der Wahl-Berliner aus Paris, Schüler unter anderem von Gérard Grisey und Helmut Lachenmann, liebt die Klänge am Rande der Stille. Deren Kraft bemisst sich nicht an farblichen oder konstruktiven Muskelspielen, sondern richtet sich mit einer geradezu unheimlichen Intensität nach innen. Existenzielle Themen, die in seinem starken christlichen Glauben wurzeln, durchziehen sein Schaffen. Diese so fragile wie kontemplative Musik bleibt zumal in Deutschland nicht ungehört: Hier feiert der Musiker seit der Jahrtausendwende besondere Erfolge – nicht nur auf den einschlägigen Avantgarde-Festivals, sondern auch bei einem breiteren Publikum, etwa 2014 mit wunderzaichen an der Staatsoper Stuttgart. Das Entschwinden seiner Musik, sagt der Komponist, »betrifft alle Aktions/Klang/Zeit-Typologien einerseits und die formale Gestaltung anderseits«.

Das Auftragswerk zum Jubiläum des Scharoun Ensembles ist Peter Riegelbauer und seinen Kolleginnen und Kollegen in dieser Formation gewidmet. Außergewöhnlich für Andre erscheint der lapidare Titel, der nichts von den bisher bevorzugten fragmentarischen Fährten trägt: ... auf ..., ... zu ..., über, lauten etwa für ihn typische Werkbezeichnungen. Doch der Verzicht auf die Mysterien der Präposition bedeutet keinesfalls, dass er geistlichen Spuren entsagt hätte. Auch die Drei Stücke für Ensemble sind vom Neuen Testament inspiriert: »Die abwesende Präsenz und die anwesende Abwesenheit des Heiligen Geistes und des verschwundenen Auferstandenen werden u. a. im Johannes-Evangelium artikuliert«, so Andre. Aus ihm beziehe das Stück auch seinen konkreten Verweis: »Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.«(Joh. 3, 8). Ein Motto, das bereits in woher ... wohin für Orchester (2017) integriert war. Die transzendentale Botschaft geht in Andres Musik mit einer von der Darmstädter Schule beeinflussten Tendenz zur Reduktion und Verknappung einher, verbunden mit Mikrointervallen sowie einer äußersten Differenziertheit der Tonerzeugung und Spieltechnik. Doppelflageolett, Skordatur (das absichtliche »Verstimmen« der Saiten), Spielen am Steg in drei verschiedenen Abstufungen oder Präparierung des Flügels mit Objets trouvés wie einem Fahrradschlauch sind hier einige Beispiele.

Vom Klavier gehen die feinen Impulse im ersten Stück aus; die ausnotierte Stille ist dabei ebenso wichtig wie das leise Echo in den Perkussionsinstrumenten. »Sphärisch« sollen die Flageolett-Interaktionen der Streicher klingen, das Schlagwerk spaltet sich zwischen dem schneidenden, obertonreichen Klang des Waterphones und dem dumpfen Raunen tiefer Plattenglocken. Im folgenden Satz pulsieren schnelle Notenwerte in Cello und Kontrabass, die mit dem Ende des umgekehrten Bogens angetupft werden. Schatten-Flageoletts tilgen die Spuren. Der dritte Satz entwickelt sich aus ungewöhnlichen Spieltechniken, die den Hell-Dunkel-Gegensatz erkunden. Die Textur wird dichter, angereichert mit verwischenden Glissandi, die den Tonraum aufspreizen. Wie ein ruhiges Ausatmen dann der Schluss im fünffachen Pianissimo, in dem ein Instrument nach dem anderen verschwindet. Dass Andre über die letzte Pause die Vortragsanweisung »ekstatisch« notiert, scheint paradox. Doch dem Schweigen der Akteure schreibt er so eine innere Konzentration ein, die aus der Stille wächst.

Scherzando eines 18-Jährigen: George Benjamins Oktet

Dem englischen Komponisten und Dirigenten George Benjamin ist in dieser Saison ein Schwerpunkt der Stiftung Berliner Philharmoniker gewidmet, und Sir George trat mehrfach selbst ans Pult. Seit knapp 20 Jahren gehört der Brite zu den wichtigsten Stimmen der internationalen Musikszene – vor allem mit seinen drei Opern Into the Little Hill, Written on Skin und 2018 Lessons in Love and Violence landete er wahre, häufig nachgespielte Welterfolge. In großer Kollegialität nimmt er sich als Dirigent auch der Stücke anderer Koryphäen der Neuen Musik wie Wolfgang Rihm, Unsuk Chin oder György Ligeti an. Mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen dekoriert, lehrt er als Professor für Komposition am King’s College London.

Von dieser Berühmtheit Benjamins war das zehn Minuten lange, einsätzige Oktet noch nicht berührt: Es ist ein Werk des 18-Jährigen, das allerdings bereits dessen erstaunliche Reife und Sicherheit im Metier verrät – immerhin hatte er bereits mit sieben Jahren zu komponieren begonnen, parallel zu seinem Klavierunterricht. Die Uraufführung im Februar 1979 mit dem Redcliffe Ensemble markierte Benjamins professionelles Debüt in seiner Geburtsstadt London. Gerade war er vom Studium in Paris bei Olivier Messiaen und dessen Frau Yvonne Loriod heimgekehrt: »Das Oktett war mein allererster Versuch, alles, was ich in Paris auf der instrumentalen Palette gelernt hatte, zu integrieren.« Erdacht für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Celesta und vier Streicher, setzt es die Vorzüge dieser Instrumente ins beste Licht. Nach energischem Pizzicato-Beginn entspinnt sich bald ein reger, durch häufige Taktwechsel im Fluss gehaltener Dialog, mit kantablen Passagen im Cello, verführerischem Glitzern in der Celesta und spielerischen Figuren in den Bläsern. Benjamin schreibt dem Oktet einen »generellen Scherzando-Charakter« zu, »der gelegentlich von lyrischen und eruptiv-dynamischen Momenten unterbrochen wird«. Der junge Komponist widmete diese Arbeit seinem Vater, doch auch der große Messiaen muss damals eine Art Vaterfigur für den talentierten Teenager gewesen sein. Der jedenfalls bezeichnete ihn als seinen Lieblingsschüler: »George Benjamin verfügt über eine ähnlich große Begabung, wie sie dem jungen Mozart nachgesagt wird.«

»ein funke vom heiligen feuer«: Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 op. 10

Mit der vielzitierten »luft von anderem planeten«, die Arnold Schönberg in seinem Zweites Streichquartett beschwört, witterten ganze Generationen Morgenluft: Derart visionär bannte er hier die kommende Entwicklung der Neuen Musik aufs Papier, dass ihm selbst vielleicht nicht bewusst war, welchen Stellenwert gerade dieses Werk einmal in der Geschichte einnehmen sollte. Selten konnte man einen Epochenwechsel so genau an einem bestimmten Moment festmachen. Das Quartett op. 10 steht nominell noch in fis-Moll, doch es verlässt als erstes von Schönbergs Stücken den Boden der Tonaliät, »löst« sich, um mit dem hier in Musik gesetzten Gedicht von Stefan George zu sprechen, »in tönen«. Die Wiener Uraufführung im Dezember 1908 verursachte denn auch einen riesigen Skandal, trotz der prominenten Besetzung mit dem Rosé-Quartett und der Hofopern-Primadonna Marie Gutheil-Schoder. Wurde der erste Satz noch ruhig aufgenommen, so gingen die Störungen bald los: »Nach den ersten Takten des zweiten Satzes«, berichtete Schönberg, »fing der größere Teil der Zuhörer an zu lachen und hörte nicht auf«. Zur zweiten Aufführung ließ er einen Vermerk auf die Eintrittskarten drucken, dass ihr Besitz nur zum stillen Zuhören, nicht aber zu Applaus oder Zischen berechtigte.

Die vier Sätze des Quartetts kennzeichnen diesen atonalen Aufbruch: Sind die ersten noch der spätromantischen Sphäre zuzurechnen, vereinigt der vierte in den Anfangstakten alle zwölf Töne zu einem Komplex auf knappstem Raum. Noch hat Schönberg die Zwölftonmusik nicht »erfunden«, und der letzte Satz schließt sogar überraschend mit einem Fis-Dur-Akkord. Doch die fremde und freie »luft von anderem planeten« verströmt sich bereits. Auch die Einbeziehung einer Sopranstimme in zwei Sätzen bricht mit den Konventionen der Streichquartett-Gattung. Der hohe Ton der Lyrik von Stefan George, der einen wahren Kultus um sich verbreitete, zog etliche »Jünger« in ihren Bann: Im zeitgleich entstandenen Liederzyklus Das Buch der hängenden Gärten wählte Schönberg ebenfalls Texte von George.

Denkbar kontrastreich zu Georges esoterischer Lyrik ist ein (textloses) Volkslied-Zitat im zweiten Satz: »O du lieber Augustin, alles ist hin«. Die lapidare Erkenntnis mochte sich auf Schönbergs Ehekrise beziehen – seine Frau Mathilde hatte im Sommer 1908, zur Entstehungszeit des Quartetts, eine Affäre mit dem jungen Maler Richard Gerstl begonnen. Das Verhältnis blieb dem Ehemann nicht verborgen und endete nach wenigen Monaten tragisch mit Gerstls Selbstmord. »Hin« war aber auch das Vertrauen in die Grundfesten der Dur-Moll-Harmonik, die jahrhundertelang Orientierung gegeben hatten. Ihrer Liquidierung im Finale des Zweiten Streichquartetts setzte sein Schöpfer bald ein neues System entgegen. Noch waren dessen Gesetze nicht aufgestellt, aber Schönberg erprobte mit Georges Versen bereits die Rolle des prophetischen Künders: »Ich bin ein funke nur vom heiligen feuer / Ich bin ein dröhnen nur der heiligen stimme.«

Die Rede der Flammenzungen: Hommage à T.S. Eliot von Sofia Gubaidulina

Diesen »funken vom heiligen feuer« könnte auch das letzte Stück des heutigen Konzertprogramms für sich reklamieren. Wenn eine spirituelle Sinnsucherin wie Sofia Gubaidulina auf die dunkle Mystik der Gedichte von T. S. Eliot trifft, dann muss sich wohl eine Seelenverwandtschaft einstellen. So hatte es die Russin wie der Blitz getroffen, als sie im Sommer 1986 Eliots Vier Quartette zur Hand nahm: »Das ist ein sehr erschütterndes Werk, und ich bin bei der Lektüre geradezu wahnsinnig geworden«, erklärte sie in einem Gespräch mit dem Komponisten und Verleger Viktor Suslin. In dieser Zeit wurde Gubaidulina von dem Geiger Gidon Kremer angeregt, für die Besetzung des Schubert-Oktetts zu schreiben: Klarinette, Horn, Fagott, Streichquartett und Kontrabass. So fügten sich beide Inspirationen zusammen zur Hommage à T. S. Eliot, die im März 1987 in der Kölner Philharmonie von Kremer sowie nicht minder namhaften Kolleginnen und Kollegen uraufgeführt wurde. Ursprünglich wollte sie das angereicherte Material auch in Streichquartetten ausformen, doch dieser Plan hat sich nie verwirklicht.

T. S. Eliots Lyrik – allen voran sein epochales Langgedicht The Waste Land (Das wüste Land) – erkundet die Möglichkeiten geistigen Überlebens in der Ödnis einer materialistischen Moderne. Die Four Quartets entstanden in den Jahren 1936 bis 1942 und spiegeln die Orientierungslosigkeit einer aus den Fugen geratenen Welt. Mehr noch: Sie zeichnen apokalyptische Schreckensbilder kommenden Grauens. Jedes der Quartette ist mit einem Ort aus Eliots Biografie verbunden, und diese radikale Subjektivität dürfte Gubaidulina nicht weniger angezogen haben als das Bekenntnis des Dichters zum Christentum. Sie selbst ist russisch-orthodoxe Christin: »Ich bin überzeugt davon, dass die Kunst ihre Hauptwurzeln in der Religion hat.« Die aus einer tatarisch-russischen Familie stammende Komponistin durchlebte in der Sowjetunion lange Jahre der Repression. Erst die Übersiedlung nach Deutschland ermöglichte ihr 1992 den internationalen Durchbruch. Aus Eliots verrätselter Dichtung stellte sie Verse zusammen, die über das Spannungsverhältnis von Zeit und Zeitentrücktheit sinnieren: eine Collage über Vergänglichkeit und Zukunft – oder, wie es in einem berühmten Eliot-Zitat heißt: »In meinem Ende ist mein Anfang.« Gubaidulina lotet diese Zwischenstadien aus in einer kontrastreichen Klangstudie, deren sieben Sätze jeweils einen ganz eigenen Charakter tragen. Die Singstimme wird sparsam eingesetzt: im motivisch-spielerischen Dialog mit einzelnen Instrumenten oder auch ganz solistisch. Elementares trifft auf Komplexes: etwa leere Saiten der Streicher auf diffizile Spieltechniken – oder eine »konventionelle« Hornfanfare auf Vierteltöne und Spaltklänge der Bläser. Zarte Gewebe aus Obertönen und Flageoletts, schwebende Linien und Choräle horchen der Unendlichkeit nach. Doch auch prophetisches, »heiliges feuer« wird ausgegossen, hohes C der Sopranistin inklusive: Die »Tongues of flame« bringen im letzten Satz die Luft zum Zittern und Brennen.

Kerstin Schüssler-Bach

Biografie

Das Scharoun Ensemble Berlin wurde 1983 gegründet und gehört mit innovativer Programmgestaltung, ausgefeilter Klangkultur und lebendigen Interpretationen zu den profiliertesten Kammermusikformationen Deutschlands. Das Ensemble besteht aus neun ständigen Mitgliedern: Wolfram Brandl (Violine,), Rachel Schmidt (Violine), Christophe Horak (Violine), Micha Afkham (Viola), Claudio Bohórquez (Violoncello), Peter Riegelbauer (Kontrabass), Alexander Bader (Klarinette), Markus Weidmann (Fagott) und Stefan de Leval Jezierski (Horn). Außer Wolfram Brandl (seit 2011 erster Konzertmeister der Staatskapelle Berlin) und Claudio Bohórquez (international tätiger Solist, Kammermusiker und Pädagoge), sind alle anderen Mitglieder der Berliner Philharmoniker. Die klassische Oktettbesetzung wird immer wieder auch um weitere Instrumentalisten erweitert. Das Ensemble hat dabei auch mit namhaften Dirigenten wie Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim oder Pierre Boulez zusammengearbeitet und musizierte mit Sängerinnen und Sängern wie Stella Doufexis, Barbara Hannigan, Simon Keenlyside und Thomas Quasthoff. Mit ihrer Orientierung am Vermächtnis Hans Scharouns, des visionären Architekten der Berliner Philharmonie, bringen die Musiker ein künstlerisches Selbstverständnis zum Ausdruck, das sich dem Erbe der Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart gleichermaßen verpflichtet fühlt. Die Vermittlung zwischen Tradition und Moderne bildet daher auch den künstlerischen Schwerpunkt des Scharoun Ensembles, das Werke von György Ligeti, Hans Werner Henze, Pierre Boulez, György Kurtág, Wolfgang Rihm, Jörg Widmann und Matthias Pintscher initiiert und uraufgeführt hat. In Ergänzung zu einer regen internationalen Konzerttätigkeit engagiert sich die Formation bei dem 2005 gegründeten und künstlerisch von ihm gestalteten Zermatt Festival. Hier finden neben hochkarätig besetzten Konzerten jeden Sommer auch musikalische Workshops statt, die jungen Musikerinnen und Musikern die Chance bieten, mit den Mitgliedern des Scharoun Ensembles zusammenzuarbeiten.

Christina Fassbender studierte von 1993 bis 2001 bei Jean-Claude Gérard an der Musikhochschule Stuttgart, wo sie ihr Konzertexamen ablegte. Zudem absolvierte sie ab 1998 ein Aufbaustudium an der Universität »Mozarteum« in Salzburg und besuchte Meisterkurse bei Renate Greiss, Paul Meisen und Aurèle Nicolet. Neben Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Stiftung Villa musica Rheinland-Pfalz gewann die Musikerin mehrfach Preise, u. a. den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs 2001. Von 1999 bis 2012 war Christina Fassbender Erste Solo-Flötistin im Orchester der Komischen Oper Berlin. Als Solistin konzertierte sie mit dem Radiosinfonieorchester Berlin, den Lucerne Festival Strings, dem Orchester der Beethovenhalle Bonn und dem Orchester der Komischen Oper Berlin. 2012 folgte sie einem Ruf als Professorin an die Westfälische Wilhelms-Universität, Münster, wechselte im März 2015 an die Musikhochschule Würzburg und trat im Oktober 2017 die Flötenprofessur an der Universität der Künste Berlin an. Vielfach folgt sie Einladungen zu Festivals und Meisterkursen sowie zu Jurymitwirkung bei nationalen und internationalen Wettbewerben. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war Christina Fassbender zuletzt im Mai 2018 in zwei Wilhelm Furtwängler gewidmeten Philharmonischen Salons zu erleben.

Raphael Haeger wurde im baden-württembergischen Spaichingen geboren. Schon als Kind erhielt er Schlagzeug- und Klavierunterricht, als Jugendlicher war er Pianist mehrerer Jazzbands, für die er auch zahlreiche Arrangements schrieb. Anschließend studierte Raphael Haeger Schlagzeug bei Franz Lang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Es folgte eine rege Konzerttätigkeit auf dem Gebiet der Neuen Musik u. a. mit Heinz Holliger, Michael Gielen, Hans-Werner Henze, Helmut Lachenmann und dem Ensemble Modern. Bevor Raphael Haeger 2004 Mitglied der Berliner Philharmonikern wurde, war er elf Jahre lang Schlagzeuger am Nationaltheater Mannheim, wo er auch die Konzertreihe Jazz in der Oper als Künstlerischer Leiter betreute. Er ist Pianist des philharmonischen Ensembles Bolero Berlin. 2012 schloss er ein Masterstudium im Fach Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin ab; von Herbst 2011 bis Sommer 2015 war er Dirigent des Leipziger Universitätsorchesters.

Die Pianistin Majella Stockhausen wurde zunächst in ihrer Geburtsstadt Köln ausgebildet, später studierte sie an den Musikhochschulen in Hannover und Berlin. Mitte der 1970er-Jahre begann sie eine vielseitige solistische und kammermusikalische Konzerttätigkeit, die sie durch ganz Deutschland und ins europäische Ausland führte. So ist sie beispielsweise wiederholt bei den Salzburger Festspielen aufgetreten, bei den Berliner und Wiener Festwochen, beim Montpellier Festival sowie bei Ultraschall Berlin. Eine ständige Zusammenarbeit verbindet die Musikerin, die u. a. Werke von Hans Werner Henze, György Ligeti, Aribert Reimann, György Kurtág und Matthias Pintscher in engem Kontakt mit den Komponisten zur Uraufführung gebracht hat, so etwa mit dem Scharoun Ensemble Berlin und mit dem Kammerensemble für Neue Musik Berlin. Seit vielen Jahren ist Majella Stockhausen, die auch als Musikpädagogin tätig ist, Ensemblepianistin der Berliner Philharmoniker. Zuletzt war sie in den philharmonischen Konzerten im Mai 2018 in zwei Philharmonischen Salons zu erleben, die Wilhelm Furtwängler gewidmet waren.

Rinnat Moriah studierte am Curtis Institute of Music in Philadelphia und war von 2009 bis 2011 Stipendiatin der Liz-Mohn-Stiftung am Internationalen Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Von 2013 bis 2017 gehörte die junge israelische Sopranistin dem Heidelberger Opernensemble an. Ihr Repertoire umfasst sowohl lyrische Partien als auch Koloratursopran-Rollen, darunter Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Adina (Lʼelisir d’amore), die Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Susanna (Le nozze di Figaro) und Violetta Valéry aus La traviata. An der Staatsoper im Schiller-Theater sang sie den Waldvogel in Wagners Siegfried und debütierte im Herbst 2012 mit dieser Rolle am Teatro alla Scala in Mailand unter der Leitung von Daniel Barenboim. Weiterhin gastierte sie an der Deutschen Oper Berlin, im Theater an der Wien und bei Festivals wie dem Rossini Opera Festival, den BBC Proms, den Händel-Festspielen Halle und in Aix-en-Provence. Rinnat Moriah fühlt sich im barocken Repertoire ebenso wohl wie als Interpretin moderner und zeitgenössischer Musik. Auf der Konzertbühne ist sie mit Werken von Monteverdi und Pergolesi bis Berio und Gubaidulina u. a. mit dem SWR Symphonieorchester, der Staatskapelle Berlin, den Festival Strings Lucerne, dem Ensemble Modern und dem Scharoun Ensemble Berlin aufgetreten. Im Konzerthaus Berlin hat sie Georg Katzers Liederkreis Das kleine Latinum uraufgeführt, der für sie und das Scharoun Ensemble Berlin komponiert wurde. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Rinnat Moriah im November 2017 im Rahmen einer Akademie der Karajan-Stipendiaten ihr Debüt; Dirigent war Stanley Dodds.

Scharoun Ensemble Berlin (Foto: Felix Broede)

Rinnat Moriah (Foto: privat)