(Foto: Uwe Arens)

Kammermusik

Zweimal Bach mit der Akademie für Alte Musik Berlin

Nicht nur Johann Sebastian, sondern auch sein Cousin Johann Bernhard Bach beherrschte das Komponistenhandwerk vortrefflich. Die Akademie für Alte Musik Berlin – seit 1982 eine der ersten Adressen in Sachen historisch informierter Interpretation – stellt in diesem Konzert Werke beider barocker Meister gegenüber. Neben zwei Orchestersuiten von Johann Bernhard erklingen die Concerti für drei bzw. vier Cembali und Orchester, die Johann Sebastian in seinen Leipziger Jahren schrieb.

Akademie für Alte Musik Berlin

Georg Kallweit Violine und Leitung

Raphael Alpermann Cembalo

Michaela Hasselt Cembalo

Felice Venanzoni Cembalo

Petteri Pitko Cembalo

Johann Bernhard Bach

Orchestersuite Nr. 1 g-Moll

Johann Sebastian Bach

Konzert für drei Cembali, Streicher und Basso continuo C-Dur BWV 1064

Raphael Alpermann Cembalo, Michaela Hasselt Cembalo, Felice Venanzoni Cembalo, Petteri Pitko Cembalo

Johann Sebastian Bach

Konzert für drei Cembali, Streicher und Basso continuo d-Moll BWV 1063

Raphael Alpermann Cembalo, Michaela Hasselt Cembalo, Felice Venanzoni Cembalo, Petteri Pitko Cembalo

Johann Bernhard Bach

Orchestersuite Nr. 2 G-Dur

Johann Sebastian Bach

Konzert für vier Cembali, Streicher und Basso continuo a-Moll BWV 1065

Raphael Alpermann Cembalo, Michaela Hasselt Cembalo, Felice Venanzoni Cembalo, Petteri Pitko Cembalo

Termine und Karten

Mi, 10. Okt 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie R

Programm

Der 1676 in Erfurt geborene Johann Bernhard Bach, genannt »der Ältere«, war ein Cousin zweiten Grades von Johann Sebastian Bach und ist nicht zu verwechseln mit dessen im Jahre 1700 ebenfalls auf den Namen Johann Bernhard geborenem Neffen. Zu Studienzeiten kreuzten sich die Wege von Johann Bernhard und Johann Sebastian Bach in Weimar. Nach ersten Stationen als Organist in Erfurt und Magdeburg lebte er bis zu seinem Tod im Jahre 1749 dann in Eisenach, wo er als Nachfolger seines Onkels Johann Christoph Bach Organist an der Georgenkirche und Cembalist der Hofkapelle war.

Dass Johann Sebastian die Musik von Johann Bernhard geschätzt haben muss, geht daraus hervor, dass er in seiner Leipziger Zeit mit dem Collegium Musicum nachweislich Werke von diesem zur Aufführung brachte. Die meisten Kompositionen von Johann Bernhard gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren; überliefert sind heute neben einigen Orgelwerken lediglich vier Orchestersuiten, die den Einfluss von Georg Philipp Telemann, dem Johann Bernhard Bach in Eisenach begegnet war, erahnen lassen.

Die Akademie für Alte Musik Berlin – seit 1982 eine der ersten Adressen in Sachen historisch informierter Interpretation und weltweit bekannt für ihren Forschergeist – stellt unter der Leitung ihres Konzertmeisters Georg Kallweit in diesem Konzert zwei Orchestersuiten von Johann Bernhard Bach zur Diskussion. Außerdem sind Concerti für drei bzw. vier Cembali und Orchester zu hören, die in Johann Sebastian Bachs Leipziger Jahren entstanden.

Über die Musik

Die Geburt einer Gattung

Thüringen, die Wiege der Bach-Familie

Es gibt Gegenden, in denen sich die Musen besonders heimisch zu fühlen scheinen. Thüringen, jene inmitten von Europa gelegene Kulturlandschaft, gehört dazu. Hier haben Kelten und Slawen, Thüringer und Franken, Ottonen, Sachsen, Bayern und andere mehr ihre kulturellen Fußspuren hinterlassen. Seit dem frühen Mittelalter führte die Hohe Straße, jene bedeutende große europäische West-Ost-Verbindung, quer durch das Thüringer Land. In Erfurt traf sie auf eine der wichtigsten mittelalterlichen Nord-Süd-Verbindungen, die von der Ostseeküste bis nach Italien führte. Erfurt, unter karolingischer Herrschaft seit dem Jahr 742 Bischofssitz, war 1379 Universitätsstadt geworden: Hier sollte sich Martin Luther 1501 in die Matrikel der theologischen Fakultät einschreiben. Aber auch Eisenach verfügte mit der nahe gelegenen Wartburg im Mittelalter über ein weithin ausstrahlendes Zentrum vor allem höfischer Kultur. Hier fand zu Beginn des 13. Jahrhunderts am Hofe des thüringischen Landgrafen Hermann I. der berühmte Sängerwettstreit statt, in dem Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und andere ihre Künste bewiesen. Und für Luther war während der Reformationszeit die Wartburg in den Jahren 1521/1522 ein sicherer Zufluchtsort. Im 16. und 17. Jahrhundert wandelte sich das Land der Burgen und Klöster zum nun territorial unglaublich zersplitterten Gebiet mit unzähligen Schlössern und Herrensitzen. Doch auch von ihnen gingen wertvolle und mannigfaltige kulturelle Impulse aus.

Das ist die Zeit, in der die einzigartige und weit verzweigte thüringisch-sächsische Bach-Familie in dieser Region zum ersten Mal nachgewiesen werden kann. Eine schier unübersehbare Anzahl von Musikern unterschiedlichster Art mit dem Namen Bach hat hier vom 16. bis zum 19. Jahrhundert das kulturelle Leben wesentlich mitbestimmt, ob Spielleute, Stadtpfeifer oder Ratsmusiker, Organisten, Kantoren, Hofmusiker oder Kapellmeister. Johann Sebastian Bach, 1685 in Eisenach geboren und 1750 in Leipzig gestorben, ist innerhalb dieser Familie die überrragende und weithin leuchtende Gestalt. Doch auch neben ihm gibt es eine ganze Reihe namhafter und sehr interessanter Musikerpersönlichkeiten. Zu ihnen gehört Bachs 1676 in Erfurt geborener und 1749 in Eisenach gestorbener Vetter Johann Bernhard Bach.

Johann Bernhard Bach »hat viel schöne … Ouvertüren gesetzet.«

Wie üblich in der Bachfamilie, erlernt auch Johann Bernhard das musikalische Handwerk bei seinem Vater Johann Aegidius. Bereits in jungen Jahren ist er Organist an der Erfurter Kaufmannskirche; 1696 nimmt er ein Studium an der Universität seiner Heimatstadt auf. Doch 1699 wird er zum Organisten der Magdeburger St. Katharinen-Kirche berufen. Nach vier Jahren finden wir ihn jedoch bereits in Eisenach, wo er als Nachfolger seines Onkels Johann Christoph Bach den ehrenvollen Posten des Stadtorganisten an der Georgenkirche erhält, jenem gotischen Gotteshaus, das innerhalb der Stadt einen besonderen Rang besaß. Dort hatte Martin Luther 1521, auf der Rückkehr von Worms und schon unter der Reichsacht stehend, gepredigt, und Johann Sebastian Bach war am 23. März 1685 in eben dieser Georgenkirche getauft worden. Johann Bernhard Bach ist in Eisenach allerdings nicht nur an der Orgel tätig, sondern sitzt als Kammermusiker auch in der Hofkapelle. Ende 1708 wird Georg Philipp Telemann Kapellmeister dieses Ensembles (ein Amt, das er bis zu seinem Weggang nach Frankfurt am Main 1712 ausüben sollte) und Johann Bernhard Bach gehört zu seinen Musikern. Nachdem Telemann Eisenach verlassen hatte, folgt ihm Bach als Leiter der Hofkapelle. Diese Position wird er bis zu seinem Tod 1749 bekleiden. Außerdem übernimmt er die Verpflichtung, für die Eisenacher Hofkapelle Kompositionen zu liefern. Wahrscheinlich verdanken wir diesem Umstand auch die zwei Ouvertüren-Suiten, die im heutigen Konzert erklingen.

Sie gehören neben zwei weiteren Suiten für Streicher und Basso continuo zu den einzigen überlieferten Orchesterwerken dieses Mitglieds der Bach-Familie. Und sie sind zudem lediglich in Abschriften vorhanden, die allerdings Johann Sebastian Bach und sein zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel sowie weitere Schreiber verfasst haben. In Leipzig, im Notenschrank Johann Sebastians, haben sie die Zeiten überdauert. Denn der Thomaskantor schätzte, wie der von Carl Philipp Emanuel und dem Bach-Schüler Johann Friedrich Agricola nach dem Tod Johann Sebastians verfasste Nekrolog von 1754 dokumentiert, die Orchestermusik seines Vetters sehr: »Johann Bernhard hat viel schöne, nach dem Telemannischen Geschmacke eingerichtete Ouvertüren gesetzet.« Um 1730, als Johann Sebastian Bach das Leipziger studentische Collegium musicum leitete, standen die Suiten des Cousins häufig auf dem Programm.

Der Hinweis auf Telemann im Nekrolog ist berechtigt und auch naheliegend. Hatte Johann Bernhard Bach doch unter Telemanns Leitung in der Eisenacher Hofkapelle dessen Suiten gründlich studieren können – mit außerordentlichem Erfolg! Auch Bachs Suiten sind in den damals favorisierten goûts réunis geschrieben, einer Kompositionsästhetik, die den französische und den italienischen Geschmack »unter einem Dach« vereint. Der dreiteilige Eröffnungssatz, die Ouvertüre, ist jeweils in der Form ganz dem französischen Modell eines Lully verpflichtet. Doch auch der italienische Stil pocht auf sein Recht. Denn auf eine majestätische Einleitung mit punktiertem Rhythmus, harmonisch ausgewogen und fast homofon, folgt als Mittelteil eine imponierende fugue de concert, eine kontrapunktische Passage, die – ganz im italienischen Virtuosenstil – mit einem nicht fugierten, sanglichen und konzertanten Teil kombiniert wird. Um diese verblüffende Wirkung zu erzielen, hat Johann Bernhard Bach für seine g-Moll-Ouvertüre das Streichorchester um einen »Violino concertato« erweitert. Als dritter Abschnitt der Ouvertüre wird der langsame, scharf punktierte und majestätische erste Teil wiederholt. Nach der Air, einer zarten, einfach begleiteten Kantilene für die Solovioline, glänzt diese in den Rondeaux erneut mit virtuosen Passagen über dem Fundament des ganzen Orchesters. Die Loure, von der es in Bachs Suite gleich zwei Beispiele gibt, habe ein »stoltzes, aufgeblasenes Wesen« – so jedenfalls beschreibt der berühmte zeitgenössische Komponist und Musikschriftsteller Johann Mattheson diesen Tanz. Tatsächlich kommt er majestätisch daher. Aber auch hier gibt es eine Vereinigung zwischen dem französischen und dem italienischen Geschmack, denn erneut verblüfft die Violine mit kecken virtuosen Passagen. Die ebenfalls im italienischen Stil gehaltene Fantaisie ist genau das, was der Titel verspricht: fantasievoll, virtuos, sehr lebhaft. Mit dem beschwingten Passepied, dessen Wesen »der Leichtsinnigkeit ziemlich nah kömmt« (Mattheson), setzt Bach einen energischen Schlusspunkt hinter seine g-Moll-Suite. Einen ganz anderen Charakter besitzt das Schwesterwerk in G-Dur. Diese Suite ist sehr sanglich, folgt aber in allen Sätzen ebenfalls den goûts réunis und besitzt in der abschließenden Gigue nicht unbedingt den »hitzigen und flüchtigen Eifer«, den Mattheson ihr bescheinigt, sondern eine freundliche Heiterkeit.

Johnn Sebastian und Johann Bernhard Bach waren einander freundschaftlich verbunden. So übernahm zum Beispiel der – wie es im Taufregister heißt – »Eisenachische Cammer-Musicus, wie auch Hoff- und Stadt-Organiste« Johann Bernhard am 12. Mai 1715 in Weimar die Patenschaft für Johann Gottfried Bernhard Bach, einen Sohn seines Vetters. Als Johann Sebastian, seit 1723 Kantor der Thomasschule und Director musices der Stadt Leipzig, 1729 auch die Leitung des Collegium musicum übernahm, ging für ihn ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Sein Debüt in dieser Position gab er am 22. April 1729, dem Freitag nach Ostern. Das Collegium trat stets freitags in Leipzigs größtem, berühmtesten und an der vornehmsten Straße gelegenen Kaffeehaus von Gottfried Zimmermann auf: im Winter zwischen 20 und 22 Uhr in einem Saal, der bis zu 150 Zuhörern Platz bot, und im Sommer zwischen 16 und 18 oder 19 Uhr in dessen Café-Garten vor dem Grimmaischen Tor. Während der drei Leipziger Messen – zu Neujahr, zu Jubilate (Ostern) und zu Michaelis (Herbst) – wurden sogar wöchentlich zwei Veranstaltungen angeboten. Vor diesem Hintergrund ist es nur zu verständlich, dass Bach für ein groß angelegtes Repertoire sorgen musste.

»Dergleichen ist allhier noch nicht gehöret worden.«

So sind auch die Cembalokonzerte Bachs in seine bis etwa 1741 dauernde Collegium-musicum-Periode zu datieren. Spannend ist, dass er alle drei heute Abend erklingenden Werke nicht extra für diese neue Tätigkeit komponiert hat. Wahrscheinlich reichte ihm dafür die Zeit nicht. Darum griff er auf jenen Schatz konzertanter Stücke zurück, der während seiner Verpflichtung als Kapellmeister in Köthen (1717 – 1723) entstanden war. Allerdings musste er dieses Material für ein neues Soloinstrument einrichten: das Cembalo! Damit schlug die Geburtsstunde des Klavierkonzerts. Bis um die Mitte der 1730er-Jahre bevorzugte Bach dann sogar die Besetzung mit mehreren, d. h. zwei bis vier Cembali. »Das mag«, schreibt der Musikwissenschaftler Werner Breig, »damit zusammenhängen, dass es gerade in diesen Jahren unter Bachs Schülern eine Anzahl besonders befähigter Cembalisten gab.« Zudem lebten damals auch die beiden ältesten Bach-Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel noch zu Hause, die ebenfalls glänzende Leistungen auf dem Tasteninstrument vorweisen konnten.

Möglicherweise haben sie zusammen mit dem Vater und einem seiner Schüler das Konzert für vier Cembali a-Moll BWV 1065 uraufgeführt. Die Originalstimmen sind fragmentarisch überliefert und beweisen, dass es vor 1731 zum ersten Mal erklungen sein muss. Diesem Konzert hat Bach ausnahmsweise keine eigene Vorlage zugrunde gelegt, sondern das Konzert für vier Violinen und Orchester h-Moll op. 3 Nr. 10 (RV 580) aus der Feder des von ihm hoch verehrten Antonio Vivaldi. Bewundernswert gelingt es Bach, die Komposition transparent und fasslich in seine Version zu übertragen. Jedes Detail ist sorgfältig ausgearbeitet, wobei das große Ganze nie aus dem Blickfeld gerät. »Von besonderem Effekt«, schreibt der Musikwissenschaftler Peter Wollny, »ist in der Übertragung der zweite Satz, obwohl – oder vielleicht gerade weil – Bach hier am allerwenigsten eingegriffen hat.« Grandios sind die rauschenden Arpeggien der vier Cembali und die umfassende Entfaltung ihrer Virtuosität. »Bachs Ideal der ›vollkommenen Harmonie‹ wird hier einmal nicht durch polyphone Komplexität sondern durch statische, aber in raffinierten Figurationen aufgebrochene und belebte Akkordfolgen erreicht.« (Wollny)

Einzigartig ist das Konzert für drei Cembali d-Moll BWV 1063. Vermutlich adaptierte Bach das Werk, dessen Vorlage man nicht kennt, für sich und seine beiden ältesten Söhne um 1731. Sie sollten sich so in allen nur möglichen Vortragsarten ausbilden können. Bemerkenswert ist, dass die drei Soloinstrumente in jedem der drei Sätze anders behandelt werden. Möglicherweise haben die beiden Söhne hier bei der Transkription sogar mitgewirkt. Im motivisch dichten Kopfsatz lösen sich die Grenzen zwischen den Solopartien und dem Ritornell zuweilen fast auf, um am Satzende kunstvoll miteinander verschränkt zu werden. Das an zweiter Stelle stehende Alla Siciliana, ein einfacher zweiteiliger Tanz mit unterschiedlichen Wiederholungen, ist singulär innerhalb des bachschen Konzertschaffens. Für den Schlusssatz jedoch hat er eine häufig in seinem Werk anzutreffende Konzertfuge gewählt.

Bei dem Konzert C-Dur BWV 1064 nimmt man an, dass Bach hierfür ein nicht erhaltenes D-Dur-Konzert für drei Violinen bearbeitet hat. Das Werk ist von enorm dichter Faktur und besitzt »fast symphonische Ausmaße« (Peter Wollny). Die Gruppe der Solisten ist äußerst dominant und bestimmt sogar ein wenig die Ritornelle. Einen wirkungsvollen Gegensatz bildet dazu das tiefsinnige Adagio durch die innige Melodik der drei Cembali über einem ostinaten Basso, während die fugierten Ritornelle und die harmonisch weit ausgreifenden Passagen im finalen Allegro wieder den Gestus des Kopfsatzes aufnehmen. Mit seinen Cembalokonzerten bewegte sich Johann Sebastian Bach am Puls der Zeit. Zu Recht heißt es daher 1733 bewundernd in der Leipziger Presse, dass »dergleichen allhier noch nicht gehöret worden«.

Ingeborg Allihn

Biografie

Die Akademie für Alte Musik Berlin, 1982 im Ostteil Berlins gegründet, gehört heute zur Weltspitze der Kammerorchester und gastiert in allen musikalischen Zentren Europas, Asiens sowie Nord- und Südamerikas. Seit 1984, dem Jahr der Wiedereröffnung des Konzerthauses (des ehemaligen Schauspielhauses) am Gendarmenmarkt, gestaltet die Akademie für Alte Musik dort eine eigene Konzertreihe. Seit 1994 ist das Ensemble regelmäßig an der Berliner Staatsoper Unter den Linden zu Gast; seit 2012 ist es überdies mit einer eigenen Konzertreihe am Prinzregententheater in München vertreten. Die Akademie für Alte Musik Berlinpräsentiert sich mit rund 100 Auftritten pro Jahr in Besetzungsgrößen vom Kammerensemble bis zum symphonischen Orchester. Dabei musiziert sie unter der wechselnden Leitung ihrer Konzertmeister Bernhard Forck, Georg Kallweit und Stephan Mai sowie mit ausgewählten Dirigenten. Besonders mit René Jacobs verbindet das Ensemble seit rund 25 Jahren eine enge künstlerische Partnerschaft, aus der zahlreiche gefeierte Opern- und Oratorienproduktionen hervorgegangen sind. Weitere intensive Zusammenarbeiten bestehen mit den Dirigenten Marcus Creed, Daniel Reuss und Hans-Christoph Rademann, mit dem RIAS Kammerchor sowie mit Solisten wie Isabelle Faust, Anna Prohaska, Werner Güra und Bejun Mehta. Gemeinsam mit der Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests entstanden erfolgreiche Produktionen, etwa Dido & Aeneas (Musik: Henry Purcell) und Medea (Musik: Pascal Dusapin). Die Formation wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, so in jüngerer Zeit mit der Bach-Medaille der Stadt Leipzig (2014). In den Kammerkonzertender Stiftung Berliner Philharmoniker präsentierte die Akademie für Alte Musik Berlin zuletzt im Juni 2017 Werke von Marais, de Lalande, Telemann und Händel.

Georg Kallweit wuchs in Greifswald auf, studierte an der Berliner Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und wurde anschließend in die Violingruppe des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin aufgenommen. Bereits während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit Stilfragen zu vor- und frühklassischer Musik. Als alternierender Konzertmeister und Solist der Akademie für Alte Musik Berlin ist der Geiger heute ein begehrter Spezialist seines Fachs. Als Gast-Konzertmeister arbeitet er auch regelmäßig mit anderen renommierten Orchestern zusammen, u. a. mit dem Ensemble Resonanz, dem Philharmonischen Staatsorchester Nürnberg und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Gemeinsam mit dem Lautenisten Björn Colell rief Georg Kallweit das Duo Ombra e Luce ins Leben, das sich vor allem dem italienischen Barockrepertoire widmet. Im Berliner Radialsystem war der Musiker wiederholt an der Entwicklung und Produktion von außergewöhnlichen szenischen Konzertprojekten beteiligt. Seine rege internationale künstlerische Tätigkeit führte ihn in nahezu alle europäischen Länder, nach Nord- und Südamerika sowie nach Asien. Georg Kallweit unterrichtete an den Musikhochschulen in Leipzig, Weimar, Berlin und Helsinki; beim Jugendbarockorchester Bachs Erben in Michaelstein ist er als Dozent tätig. Georg Kallweit spielt eine Barockvioline von Camillus Camilli (Mantua 1740).

Raphael Alpermann absolvierte nach seiner Ausbildung bei Hellmuth Nagel an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin ein Meisterstudium an der dortigen Akademie der Künste. Darüber hinaus nahm er Cembalo-Unterricht bei Ton Koopman und Gustav Leonhardt. Seit der Gründung der Akademie für Alte Musik Berlin im Jahr 1982 ist Raphael Alpermann Mitglied und Solist dieser Formation; außerdem gehört er den Berliner Barock Solisten an. Als Kammermusiker und Konzertsolist ist er weltweit tätig; beispielsweise mit den Berliner Philharmonikern, bei denen er 1995 unter der Leitung von Claudio Abbado in Bachs Fünftem Brandenburgischem Konzert debütierte und später auch mit Nikolaus Harnoncourt und Sir Simon Rattle zusammenarbeitete – so z. B. im Oktober 2013 in der von Peter Sellars inszenierten Matthäus-Passion unter Sir Simons Leitung. Neben seiner umfangreichen Konzerttätigkeit unterrichtet Raphael Alpermann an der Hanns-Eisler-Hochschule; zudem gibt er Kurse in den Fächern Cembalo und Kammermusik.

Michaela Hasselt wurde an der Musikhochschule München ausgebildet; zudem absolvierte sie ein Aufbaustudium für Cembalo und Hammerflügel bei Mitzi Meyerson an der Universität der Künste Berlin sowie in Leipzig bei Christine Schornsheim. 1995 war sie als Mitglied des Trios LʼArabesque Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbs. Beim internationalen Bach-Abel-Wettbewerb für Viola da Gamba erhielt sie im Jahr 2000 den Preis für die beste Cembalobegleitung. Sie wirkt in verschiedenen Kammermusikensembles und Orchestern als Solistin und Continuospielerin mit, u. a. beim Freiburger Barockorchester, dem Dresdner Barockorchester, dem Gewandhausorchester Leipzig, bei den Berliner Barock Solisten und der Gaechinger Cantorey, überdies war sie an zahlreichen CD und Rundfunkproduktionen beteiligt. Seit 1999 unterrichtet sie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig die Fächer Cembalo, Generalbassspiel und Korrepetition.

Petteri Pitko wurde 1980 in Finnland geboren. Er studierte Cembalo und Continuospiel an der Sibelius-Akademie in Helsinki sowie bei Huguette Dreyfus in Paris; sein Konzertexamen legte er bei Mitzi Meyerson an der Universität der Künste Berlin ab. Als Solist und Kammermusiker gibt er regelmäßig Konzerte in Deutschland, Finnland und anderen Ländern. Petteri Pitko gastierte bei renommierten internationalen Festivals, z. B. beim Musica-Festival in Straßburg, beim Ultraschall-Festival in Berlin und beim Kammermusikfestival in Kuhmo (Finnland). Außerdem gehört er dem Finnischen Barockorchester an, dessen künstlerischer Leiter er seit 2018 ist. Sein besonderes Interesse gilt zeitgenössischen Kompositionen für Cembalo: So hat Petteri Pitko Solo- und Kammermusikwerke von Misato Mochizuki, Sarah Nemtsov, Jukka Tiensuu, Perttu Haapanen und Sebastian Fagerlund uraufgeführt. 2012 übernahm er eine Professur für Cembalo und Kammermusik an der Universität der angewandten Wissenschaften NOVIA in Finnland.

Der gebürtige Italiener Felice Venanzoni studierte Klavier am Konservatorium in Pesaro. 1994 wurde er zunächst Korrepetitor beim Opernfestival Sferisterio in Macerata und wirkte anschließend bei Opernproduktionen in Como, Bergamo, Pavia und Salerno mit. Seit 1999 ist Felice Venanzoni an der Oper Frankfurt beschäftigt, zuerst als Korrepetitor, seit 2002 als Studienleiter. Darüber hinaus war er dort auch als Dirigent erfolgreich, etwa mit Orfeo von Claudio Monteverdi (2005), Agrippina von Händel (2006) oderOrlando furioso von Vivaldi (2010). Mehrfach wurde er auch für Aufführungen barocker Opern an die Semperoper in Dresden verpflichtet. Als Cembalist und Assistent von Bertrand de Billy und Yannick Nézet-Séguin wirkte er seit 2008 mehrfach bei den Salzburger Festspielen mit. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit Jean-Christophe Spinosi und dessen Ensemble Matheus. Felice Venanzoni hat darüber hinaus seit 2009 einen Lehrauftrag in Rezitativgestaltung an der Musikhochschule Frankfurt und betreut seit 2017 die künstlerische Ausbildung des Frankfurter Opernstudios.

(Foto: Uwe Arens)

»Originalklang« – Barocke Klangwelten

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