Sakari Oramo (Foto: Benjamin Ealovega)

Sakari Oramo und Alban Gerhardt

Zwei märchenhaft-mythische Reiseerzählungen aus Skandinavien stehen in diesem Konzert auf dem Programm: Edvard Griegs Peer Gynt-Suite Nr. 1 und Jean Sibelius’ Lemminkäinen-Suite. Dazwischen gibt es als europäische Erstaufführung das Cellokonzert von Brett Dean, einem der gefragtesten Komponisten unserer Zeit und einst Bratscher der Berliner Philharmoniker. Am Pult steht Sakari Oramo, Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra, der Solist ist Alban Gerhardt.

Berliner Philharmoniker

Sakari Oramo Dirigent

Alban Gerhardt Violoncello

Edvard Grieg

Peer Gynt-Suite Nr. 1 op. 46

Brett Dean

Konzert für Violoncello und Orchester – Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Sydney Symphony Orchestra, Swedish Radio Symphony Orchestra, Minnesota Orchestra und Cello Biënnale Amsterdam Europäische Erstaufführung

Alban Gerhardt Violoncello

Jean Sibelius

Lemminkäinen-Suite op. 22

Termine und Karten

Do, 04. Okt 2018, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie I

Fr, 05. Okt 2018, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie K

Programm

Sein Klang ist unverwechselbar, und seine Interpretationen zeichnen sich durch Spontaneität und Originalität aus: Nach frühen Wettbewerbserfolgen debütierte der Cellist Alban Gerhardt als 21-Jähriger bei den Berliner Philharmonikern. Seine internationale Karriere hat ihn inzwischen zu fast 250 Orchestern in der ganzen Welt geführt. »Beim Spielen«, sagt er, »gehe ich immer ein Risiko ein. [...] Ich habe zwar ein Konzept von dem, was ich spiele, und trotzdem bin ich am Ende manchmal selbst überrascht, was dabei rauskommt.« Der gebürtige Berliner arbeitet mit vielen zeitgenössischen Komponisten wie Jörg Widmann, Matthias Pintscher oder Osvaldo Golijov zusammen. Im Mai 2014 übernahm er in den philharmonischen Konzerten den Solopart von Unsuk Chins Cellokonzert, das die koreanische Komponistin ihm widmete. Nun präsentiert Alban Gerhardt in europäischer Erstaufführung das neue Konzert für Violoncello und Orchester von Brett Dean, das die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit vier anderen Partnern in Auftrag gegeben haben.

Dirigent ist Sakari Oramo, der seine musikalische Karriere als Violinist und Konzertmeister des Finnischen Radio-Sinfonieorchesters begann, bevor er sich von Jorma Panula an der Sibelius-Akademie zum Orchesterleiter ausbilden ließ. Der australische Musiker Brett Dean wiederum, der bereits im Alter von acht Jahren im Queensland Youth Orchestra Violine spielte, bevor er zur Viola wechselte, war von 1985 bis 2000 Mitglied der Berliner Philharmoniker. In dieser Zeit entdeckte er die Improvisation für sich, welche ihm einen Weg zum Komponieren ebnete. Heute ist Brett Dean weltweit als Solist, Kammermusiker und Dirigent tätig. Er erhielt Kompositionsaufträge vom Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic, den BBC Proms, dem Lucerne Festival und anderen.

Nach der Pause hat Sakari Oramo die Lemminkäinen-Suite von Jean Sibelius aufs Programm gesetzt, die nach dem gleichnamigen Helden aus dem finnischen Nationalepos Kalevala benannt ist. Die Musik zeichnet die Erlebnisse dieses »Achill der finnischen Mythologie« (Sibelius) nach, wobei die zweite der insgesamt vier Episoden nach Tuonela, in das düstere Totenreich der finnischen Mythologie, führt: Um die Toten an der Rückkehr in das Reich der Lebenden zu hindern, wurde das Land von reißenden Gewässern umschlossen, auf denen ein singender Schwan seine Bahnen zieht. Der düsteren und fahlen Atmosphäre des Totenreichs entsprechend, verzichtete Sibelius bei seiner »Vertonung« weitgehend auf helle Klanganteile, wobei ein elegisches Englischhornthema den Gesang des Schwans wiedergibt.

Über die Musik

Nordische Dramen und ozeanische Sonne

Musik von Edvard Grieg, Jean Sibelius und Brett Dean

Emanation der norwegischen Volksseele – Edvard Griegs Peer Gynt-SuiteNr. 1 op. 46

Pastoral, idyllisch, schlicht: Hätte Edvard Grieg nur diese ersten vier Melodie-Takte zu Papier gebracht, reichten sie vermutlich, um allein seinen Nachruhm zu zementieren. Dabei verstellt der populärklassische Mega-Erfolg der Morgenstimmung aus der Bühnenmusik zu Peer Gynt mitunter den Blick auf die zentrale Bedeutung des Komponisten unter den nordischen Tonschöpfern als einen eminent wichtigen Neuerer und Wegbereiter. Denn Edvard Grieg war es, der in seiner skandinavischen Heimat die Hegemonialmacht der Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum brach und erstmals zu einer spezifisch nordischen Tonsprache fand. Als Adept noch in der deutsch-romantischen Schule unterwiesen, entwickelte er auf dieser Grundlage einen ganz eigenen Personalstil, getragen vom Kolorit der Folklore seiner norwegischen Heimat. »Ich habe die Volksmusik meines Landes aufgezeichnet«, benannte er selbst seine Stellung. »In Stil und Formgebung bin ich ein deutscher Romantiker der schumannschen Schule geblieben; aber zugleich habe ich den reichen Schatz der Volkslieder meines Landes ausgeschöpft und aus dieser bisher noch unerforschten Emanation der norwegischen Volksseele eine nationale Kunst zu schaffen versucht.«

Gerade das wurde ihm aber auch zum Vorwurf gemacht: Seine Musik sei regellos, es fehle ihr an klarer Form und straffer Durchführung, die Sublimierung der Volkslieder sei lediglich eine Beschränkung auf Kunsthandwerkliches. Doch derartige Kritik verkennt das Einzigartige darin, ihren Reiz und die kompositorischen Kniffe, mit denen Grieg sie gestaltet. Und auch seine Meisterschaft im Umgang mit differenziertesten Klangfärbungen – die sich zahllos auch in der Peer-Gynt-Suite finden. Das zugrundeliegende Werk des norwegischen Dramatikers und Lyrikers Henrik Ibsen war ursprünglich ein Versdrama, doch Anfang 1874 schrieb der Dichter an seinen Landsmann – beide hatten sich einige Jahre zuvor in Rom kennengelernt –, dass er die Peer-Gynt-Dichtung für die Bühne zu bearbeiten gedenke. Und ob er, Grieg, nicht Lust hätte, die Musik dazu zu schreiben. Die Begeisterung des Komponisten hielt sich zunächst in Grenzen, er fand, die literarische Vorlage habe »ein fürchterlich widerspenstiges Thema«. Doch derlei Vorbehalte ließ er schnell fallen, begann mit der Arbeit und schrieb im Verlauf von zwei Jahren 26 Nummern, darunter Melodramen, Stimmungsbilder, Tanzstücke und Programmmusiken. 1888 stelle er dann vier der Stücke zu einer Orchestersuite zusammen und befeuert vom enormen Erfolg dieser ersten Suite folgte in den Jahren 1890/1892 eine zweite.

Die Reihenfolge der Stücke folgt dabei nicht stringent der Handlung des Dramas. Grieg ging es auch gar nicht um eine Nacherzählung mit musikdramatischen Mitteln, er wollte vor allem Grundstimmungen zum Ausdruck bringen. Das gilt im Besonderen etwa für das Andante doloroso des zweiten Satzes Ǻses Tod, das aus dem dritten Akt des Dramas stammt. Grieg greift hier nicht die dramatische Schilderung des von Peer in dieser Szene fiktiv entworfenen Himmelsrittes auf, sondern komponiert eine ergreifende Totenklage für die Mutter des Helden: Ein ausdrucksvoller Satz in h-Moll, dessen trauermarschartige Melodie sich in den gedämpften Streichern zweimal kadenzartig steigert, bevor auf dem Höhepunkt ein beständiger Morendo-Abstieg beginnt, der das bisher aufwärtsstrebende Geschehen chromatisch in die Tiefe führt, bis es im dunklen Pianissimo verklingt. Zugleich ist es ein deutlicher Kontrast zum wiegenden E-Dur-Rhythmus der die Suite eröffnenden Morgenstimmung, dem Vorspiel zum vierten Akt des Dramas. Flöte und Oboe intonieren die pastorale Weise, die dann von den Geigen übernommen wird, um später im wogenden Rausch des vollen Orchesters zu kulminieren. Bis das Bild – nun spielt das Horn die Melodie, figurativ von den Holzbläsern umrankt – poesievoll verschwimmt.

Aus dem vierten Akt der Vorlage stammt dann Anitras Tanz an dritter Position:Ein Walzer in a-Moll, den die Violinen zur Pizzicato-Begleitung der tiefen Streicher tanzen, gewürzt mit einer charmanten Wendung nach Dur, frei eintretenden Orgelpunkten und hellen Triangelklängen. Den Abschluss der Ersten Peer-Gynt-Suite bildet dann die Halle des Bergkönigs, die in ihrem gespenstisch-dumpfen Perpetuum mobile der Popularität der Morgenstimmung in nichts nachsteht: Ein maschinenhaftes h-Moll-Ostinato der tiefen Streicher samt Fagott zu Pizzicato-Tönen der Bässe evoziert Bergwerksgeräusche und versinnbildlicht das Schürfen der Trolle nach dem Schatz – bis der Satz, nach permanenter Steigerung von Tempo und Dynamik, die Suite in wilder Turbulenz beschließt.

»Eine wundervoll verflochtene Erzählung« – Brett Deans Konzert für Violoncello und Orchester

Der Anteil an (erfolgreichen) Cellokonzerten in der Neuen Musik ist nicht besonders hoch. In den letzten 50 Jahren haben es gerade einmal die Gattungsbeiträge von Lutosławski und Dutilleux zu einer halbwegs reichen Aufführungsgeschichte gebracht. Für Alban Gerhardt liegt das vor allem daran, »dass die Komponisten in den letzten Jahrzehnten gerne ins Volle gegriffen haben. Sie hatten einen gewaltigen Orchesterapparat zur Verfügung – und den wollten sie auch nutzen. Das klappt beim Cello aber nicht, denn es hat nicht den Obertonreichtum einer Geige oder die Power eines Klaviers. Es fehlt ihm also an Durchsetzungsfähigkeit gegenüber dem Orchester. Außerdem ist es ein eher melodisches Instrument, man kann darauf kein so virtuoses Feuerwerk veranstalten wie mit der Geige oder dem Klavier.« Nun hat Brett Dean eigens für Alban Gerhardt ein neues Cellokonzert geschrieben, in Auftrag gegeben unter anderem vom Sydney Symphony Orchestra und den Berliner Philharmonikern.

Von 1985 bis 1999 war der Australier Bratscher der Berliner Philharmoniker – und in eben dieser Zeit begann er auch zu komponieren. Zunächst waren es Radio- und Filmmusiken, doch bald schon machte er sich mit Werken wie dem Klarinettenkonzert Ariel’s Music oder dem Klavierquintett Voices of Angels einen Namen – und gehört heute zu dem meistgespielten zeitgenössischen Komponisten. Allein seine Schöpfung Carlo für Streicher, Sampler und Tonband wurde bisher bereits über 120 Mal aufgeführt. »Mein eigener Platz«, sagte Dean einmal, »ist irgendwo zwischen dem etwas dunklen und schwermütigen Avantgarde-Stil in Westeuropa und dem sonnigen, offenen, vielleicht auch unkomplizierten Stil der australischen Musik.« Charakteristisch für seine Satztechnik sind dynamisch gestaltete Klangflächen, die meist aus einem dichten Gewebe vieler unterschiedlich rhythmisierter Einzelstimmen entstehen. Seine Musik ist atmosphärisch, bisweilen sogar poetisch, liebt aber auch das Extrem, vom paroxystischen Ausbruch bis hin zur Fast-Unhörbarkeit. Geräuschhafte Tonproduktion geht mit einem meist klassischen Instrumentarium einher, angereichert mit einem kreativ besetzten Schlagwerk.

So verlangt die Partitur des Cellokonzerts unter anderem Sandpapier und Luftpolsterfolie; zusätzlich gewürzt ist der Orchesterklang neben drei- bis vierfach besetzten Bläsern und großem Streicherapparat mit Klavier und einer Hammondorgel, mit ihrem ganz eigenen Sound-Effekt. Hinzukommen Spielanweisungen wie »Brush«- oder »Angel stroke«-Tremolo, bei dem der Bogen in einem 45°-Winkel zur Cellosaite geführt wird, um einem stark geräuschhaften Ton zu erzeugen. Extrem leise, im dreifachen Piano wird das Werk vom Solocello in hoher Lage eröffnet und bald von drei Piccoloflöten, vier Klarinetten und Harfe mit einer nicht minder leisen Klangfläche grundiert. Gleich in den ersten Takten zeigt sich so der typische Personalstil Brett Deans. »Das Konzert ist wie eine wundervoll verflochtene Erzählung: voller Farben, mal fragmentarisch, dann wieder sehr lyrisch – und es gibt auch ein paar explosive, virtuose Sachen«, fasst Alban Gerhardt das Werk in Worte und hat gleichzeitig großen Respekt vor den spieltechnischen Anforderungen: »Ich habe ein bisschen Angst vor einigen Stellen, die sehr schnell sind und viele Taktwechsel haben. Das ist sehr schwer und gefährlich fürs Gedächtnis.«

»Achill der finnischen Mythologie« – Jean Sibelius’ Lemminkäinen-Suite op. 22

Ähnlich wie bei Grieg liegt der Fall auch bei Sibelius, der seinem norwegischen Kollegen vergleichbar, als Komponist eine zentrale Stellung in seinem Heimatland einnimmt. Nicht nur ist er dessen überragender Repräsentant, sondern hat ihm in seinem musikalischen Schaffen überhaupt erst eine typisch nationale Sprache verliehen. Seit dem 13. Jahrhundert war Finnland ein ständiger Spielball zwischen Schweden und Russland und zudem für lange Zeit von der deutschsprachigen Kultur beeinflusst. Erst im 19. Jahrhundert begann das Land zu einer eigenen Identität zu finden – eine Entwicklung, die sich auch in den Künsten widerspiegelte und von ihnen maßgeblich mit angestoßen und geprägt wurde. Ein Quantensprung in dieser kulturellen Selbstfindungsphase war die Veröffentlichung des Nationalepos Kalevala 1835 durch den Arzt Elias Lönnrot, der unzählige Nationaldichtungen gesammelt und zu einem Kunstwerk verdichtet hatte. Dieses diente Sibelius, und nicht nur ihm, in vielen seiner Werke als Inspirationsquell, obwohl sich nirgends genuin folkloristische Elemente in seinem Œuvre finden. Darüber hinaus ist auch der Einfluss der finnischen Landschaft auf Sibelius nicht zu leugnen: Ihre Monotonie und unendliche Weite spiegeln sich im schwermütigen Melos seiner Kompositionen – melancholisch, dunkel, ja: düster ist diese Musik bisweilen.

Beides, Nationalepos und schwerblütiger Tonfall, sind geradezu mustergültig vertreten in der Lemminkäinen-Suiteop. 22, in deren vier Sätzen die Abenteuer Lemminkäinens geschildert werden, einer Art Siegfried oder »Achill der finnischen Mythologie«, wie Sibelius selbst ihn einmal bezeichnete. Große Popularität erlangte der zweite Satz daraus, Der Schwan von Tuonela, während die komplette Suite außerhalb Finnlands eher selten auf den Konzertprogrammen zu finden ist. Hier beschwört ihr Schöpfer ein Land des Todes herauf: »Tuonela, die Hölle der finnischen Mythologie, wird vom schwarzen Wasser und den schnellen Strömungen eines großen Flusses umgeben, auf welchem der Schwan majestätisch schwimmt und singt«, beschreibt der Komponist die Szene. Lemminkäinen hat im Kalevala-Mythosallerhand Abenteuer zu bestehen: So führt den Protagonisten während der Brautwerbung eine Probe zu den Ufern des dunklen Flusses an der Grenze zum unterirdischen Land der Toten. Dort muss er, um die Braut zu freien, den majestätischen Schwan auf dem Wasser mit seinem ersten Pfeil töten. Doch die Probe misslingt, der Schwan zieht weiter seine Kreise und lockt mit seinem traurigen Gesang die Seelen der Verstorbenen ins Totenreich. Nach einem sphärischen, in 17 Stimmen geteilten a-Moll-Akkord erklingt bereits im fünften Takt der Schwanengesang, eine elegische Weise im Englischhorn. Wenig später spielen Violoncello und Bratsche als eine Art Gegenmotiv eine sehnsuchtsvolle aufsteigende Melodie. Beide Themen werden im weiteren Verlauf zu einem dynamisch-melodischen Höhepunkt gesteigert, bis sich die Musik am Ende in einem scheinbar unendlichen Ton auflöst.

Davor, im Kopfsatz Lemminkäinen und die Mädchen auf der Insel, versucht der Held die schöne Kylliki zu erobern – die Mädchen auf Saari machen sich zunächst lustig über ihn, um dann aber doch seinem Charme zu erliegen. Einzig Kylliki widersteht und wird von Lemminkäinen schließlich gewaltsam entführt. Musikalisch wird diese Episode mit zwei Themen erzählt: Gleich zu Beginn spielen die Holzbläser das Lemminkäinen-Thema in getragenen Notenwerten, die neckenden Mädchen werden dagegen durch hüpfende Achtel charakterisiert. Auf dem Kulminationspunkt des Satzes steigt das Lemminkäinen-Thema in den Geigen strahlend aufwärts. Stimmungsvoll beginnt die Episode Lemminkäinen in Tuonela: Ein Tremolo in den Bässen, ein sich steigerndes Tempo und anschwellende Dynamik evozieren eine Atmosphäre von Gefahr und Kampf, die am Ende in einem fast sakralen Dur-Jubel gipfelt. Mehr als in den beiden vorangegangenen Teilen zeichnet Sibelius hier eher ein Stimmungsbild, als programmatisch die Geschichte zu erzählen. Das gilt noch ausgeprägter für den letzten Satz Lemminkäinen zieht heimwärts. Er offenbart zudem die für den Komponisten so typische Technik der Themenverwandlung und -abspaltung. Effektvoll, mit einer Presto-Stretta, endet die Suite.

Bjørn Woll

Biografie

Sakari Oramo ist Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra (seit 2013) und des Königlichen Philharmonischen Orchesters Stockholm sowie außerdem Erster Dirigent der Oper im finnischen Kokkola. Zuvor leitete er von 2003 bis 2012 das Finnische Radio-Symphonieorchester, bei dem er 1993 sein sensationelles Dirigierdebüt gab, als er aus dem Stand für einen erkrankten Kollegen einsprang. Der als Geiger und Dirigent ausgebildete Finne hatte dem Orchester zuvor als Konzertmeister angehört; seit 2012 ist er dem Orchester als Ehrendirigent verbunden. Von 1998 bis 2008 war Sakari Oramo Musikdirektor des City of Birmingham Symphony Orchestra. Über seine festen Verpflichtungen hinaus arbeitet er als Gast mit den großen Orchestern in Skandinavien, aber auch bei der Tschechischen Philharmonie, dem Boston Symphony Orchestra, New York Philharmonic und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Schwerpunkte im Repertoire des Dirigenten gelten der finnischen und englischen Musik: 2008 wurde er mit der Medaille der Elgar Society geehrt. 2004 erhielt er die Ehrendoktorwürde der University of Central England in Birmingham für seine Verdienste um das Musikleben der Stadt. 2015 wurde er von der Royal Philharmonic Society zum Dirigenten des Jahres gewählt. Die Berliner Philharmoniker hat Sakari Oramo seit seinem Debüt im Mai 2001 mehrfach dirigiert, zuletzt im Januar 2009 in Konzerten mit Werken von Robert Schumann und Bernd Alois Zimmermann.

Alban Gerhardt, 1969 in Berlin geboren, war Schüler von Boris Pergamenschikow, Markus Nyikos und Frans Helmerson. Nach frühen Wettbewerbserfolgen und ersten Auftritten bei den Berliner Philharmonikern (1991 unter der Leitung von Semyon Bychkov) begann eine internationale Solo-Karriere, die ihn zu einer Vielzahl renommierter Orchester in der ganzen Welt geführt hat. Partner am Dirigentenpult waren dabei u. a. Christoph Eschenbach, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Esa-Pekka Salonen und Christian Thielemann. Im Rahmen seiner regen Konzerttätigkeit pflegt Alban Gerhardt ein umfangreiches Repertoire, zu dem über 70 Cellokonzerte zählen, nicht selten auch Raritäten. Die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten wie Jörg Widmann, Osvaldo Golijov, Matthias Pintscher, Thomas Larcher und Unsuk Chin dokumentiert sein Interesse an der Erweiterung der Violoncello-Literatur. Eine wichtige Rolle für Alban Gerhardts künstlerische Tätigkeit spielt auch die Kammermusik, die ihn zu internationalen Festivals, etwa den Londoner »Proms« oder dem Edinburgh Festival, und in bedeutende Konzertsäle wie die Suntory Hall (Tokio) und die Londoner Wigmore Hall führt. Zu seinen regelmäßigen Partnern zählen Steven Osborne, Cecile Licad, Baiba Skride und Brett Dean. Über Auftritte in traditionellen Konzertsälen hinaus, engagiert sich Alban Gerhardt in Outreach-Projekten z. B. in Schulen und Krankenhäusern; in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn spielt er live auf Hauptverkehrsstrecken in Deutschland, um traditionelle Hörgewohnheiten und Erwartungen an klassische Musik aufzubrechen. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte er zuletzt im Mai 2014 als Solist in Unsuk Chins Cellokonzert, Dirigent war Myung-Whun Chung. Alban Gerhardt spielt ein Cello von Matteo Gofriller aus dem Jahr 1710.

Sakari Oramo (Foto: Benjamin Ealovega)

Alban Gerhardt (Foto: Kaupo Kikkas)