Education

Kinderoper halbszenisch – Ritter Parceval

In Henrik Albrechts Kinderoper Ritter Parceval geht es um die spannende Frage: Wie wird aus einem kleinen Jungen ein Ritter? Noch dazu, wenn niemand ihm zutraut, das Zeug zum Helden zu haben? Weder die eigene Mutter Herzeloyde, die ihren Sohn überbehütet, noch der böse Zauberer Klingsor oder der tugendhafte Gurnemanz. Nach den Motiven von Richard Wagner hat Albrecht den Entwicklungsprozess des jungen Parceval in Musik gesetzt – berührend, spannend, abenteuerlich.

Gesangssolisten baden-württembergischer Musikhochschulen

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker

Stanley Dodds Leitung

Alina Wunderlin Sopran (Parceval)

Flurina Stucki Sopran (Herzeloyde, Gralsritter, Knappe von Ither)

Elisabeth Birgmeier Sopran (Kundry, Knappe von Ither)

Marcel Brunner Bassbariton (Klingsor, Gralsritter, Knappe von Ither)

Johannes Mooser Bariton (Amfortas, Gurnemanz, Ritter Ither)

Kirsten Uttendorf Regie

Nora Lau Kostüme

Henrik Albrecht

Kinderoper Ritter Parceval − Musik nach Motiven von Richard Wagner halbszenische Aufführung

Empfohlen für Kinder ab 6 Jahren

Eine Kooperation der Stiftung Berliner Philharmoniker, des Festspielhauses Baden-Baden und des Theaters Baden-Baden

Termine und Karten

Sa, 17. Feb 2018, 15:00 Uhr

Philharmonie

So, 18. Feb 2018, 11:00 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hall zur Übertragung

Veranstalter/Kartenverkauf

Stiftung Berliner Philharmoniker

Herbert-von-Karajan-Straße 1

Tel: +49 (30) 25488 - 0

Fax: +49 (30) 25488

Website besuchen

Programm

Der mittelalterliche, mystische Parceval-Stoff, der Richard Wagner zu seiner letzten Oper inspirierte, ist nichts für Kinder? Von wegen! Auch Parceval war einmal ein kleiner Junge, wuchs unter der Obhut seiner Mutter auf und stieß mit seinem Berufswunsch, Ritter zu werden, zunächst auf massiven Widerstand. »Mich reizte der Gedanke, in die Kindheit eines Helden einzutauchen. Wie wird eine Figur wie Parceval zu dem Roten Ritter?«, erklärt Komponist Henrik Albrecht, der nach den musikalischen Motiven Richard Wagners die Kinderoper Ritter Parceval komponiert hat. Ihn interessierten vor allem jene Situationen, die in Wagners Oper nur in Erzählungen und Berichten auftauchen:

Dabei treffen wir auf die Helikopter-Mutter Herzeloyde, die ihren Sohn überbehütet und am liebsten für immer im tiefen Wald verstecken will. Wir erleben mit, wie Klingsor Amfortas den Speer raubt und versucht, Parceval zum Bösen zu verführen. Schließlich werden wir Zeuge, wie das ungestüme Kind zum verantwortungsvollen Erwachsenen heranreift. Ein menschlicher Entwicklungsprozess, der heute so aktuell ist, wie vor hunderten von Jahren. Mit den Wagnerschen Leitmotiven kreiert Hendrik Albrecht eine ganz eigene musikalische Welt: »Ich nutze Steine, die Wagner hergestellt hat. Und er hat da wirklich einen ganz fantastischen Baukasten zusammengestellt! Was ich dann aber mit dem Material aus dem Kasten baue, liegt ganz in meiner Hand, so dass das Ergebnis am Ende von mir ist.«

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Ritter Parceval

Eine Kammeroper für junge Leute nach Wolfram von Eschenbach und Richard Wagner

Parceval will Ritter werden

Parceval beobachtet, es streiten sich zwei Ritter
um jenen Speer, der einen trifft, die beiden ringen bitter.
»Flink fort«, denkt sich da Parceval, »viel Zeit ich nicht vergeude.
Mama wartet im wald’gen Wald, die gute Herzeloyde.«
»Mama, ich will ein Ritter sein!« Die Mutter ist schockiert.
»Bleibe, Bub«, beschwört sie ihn, doch er meint unbeirrt:
»Fort muss ich sofort«, und schon zum Gehen er sich dreht.
Die Mutter hat – sehr einfallsreich – ihm kurzerhand genäht
aus Flicken ein Kostüm, das Parceval zum Narren macht.
So hofft sie, kehrt er heim, sobald er erstmals ausgelacht.

Beim Aufbruch fühlt sich Parceval ganz voller Heldenmut.
Entgegen kommt ein Ritter ihm: »Die Flicken stehʼn dir gut«,
lacht er im Spott vom hohen Ross. Doch Parceval ruft laut:
»Rück du mir deine Rüstung raus!« – »Toll, was der Tor sich traut!«
Ein Kampf beginnt, der Ritter auf dem Ross mit spitzem Speer
zielt auf den Jungen, der jedoch ficht überhaupt nicht fair.
Von seinem Bogen schießt ein Pfeil den Ritter fies vom Pferd.
»Parceval«, sagt Gurnemanz, »das ist nichts, was dich ehrt.
Ein Ritter, der muss ehrlich sein, bescheiden und ganz rein,
mein Ritterschüler sollst du für die nächsten Jahre sein.«

»Schnöde Schule, ach wie öde, ich will Abenteuer!
Prinzessinnen befreie ich und töte Ungeheuer!«
»Törichter, als Ritter hast du nur die eine Wahl
und Pflicht, der du zu dienen hast: du suchst den heilʼgen Gral
»Was ist ein Gral?«, fragt Parceval, »Ach, mir egal, ich geh. –
Ist das etwa ein Wolkenschloss, das ich dort schweben seh?«

Klingsor lädt ihn zu sich ein aufʼs Schloss zu Trank und Speisʼ.
»Weißt du, Wicht, die Zauberei hat nicht den hohen Preis,
den Rittersein von dir verlangt. Magie, die ist der Hit!«
»Parceval«, raunt Kundry leisʼ »ich bittʼ dich, nimm mich mit!«
»Ich mag die Macht«, sagt Parceval, »doch böse scheinst du mir«,
zu Klingsor, den er ausgetrickst. »Bloß weg, wir fliehʼn von hier!«

Aus Wunderwolken fallen sie ins waldig Waldgewaber.
»Wir sind fürwahr kein schlechtes Team, ich bringe dich nun aber
zur Gralsburg, vor Amfortas Thron, der wartet auf den Tor,
den reinen, der ihm helfen kann. Der Tor bist du, Schlitzohr.«
Amfortas hofft, dass Parceval die rechte Frage stellt,
doch Parceval will rätseln nicht, wärʼ viel lieber ein Held.
»Du frecher Fratz, kennst keine Pflicht und keinen echten Ernst«,
schimpft Kundry, »rechter Ritter bist, wenn Tugenden du lernst.
Verantwortung statt stetem Spaß, das macht das Kind zum Mann,
nur der im Herzen reine ist, ein Ritter werden kann.«

Da geht der Tor zum Tor hinaus, doch hat er was erkannt:
Von nun an will er ernsthaft sein, benutzen den Verstand.
»Was funkelt da am Wegesrand, ist das ein Kettenhemd?«
Ein güldenes mit Gralssymbol, wie Parceval erkennt.
Und Stück um Stück die Rüstung wächst, wie er sie einst begehrt.
Zum Schluss erhält der hehre Held ein richtʼges Ritterschwert.
Und Kundry, die so wütend war und Parceval verbannt,
sie ist in Liebe nun entbrannt und reicht ihm ihre Hand.

Nun fragt ihr euch zurecht: Wie wird das alles weitergehʼn?
Hört ihr des Wagners Parsifal, dann werdet ihr es seh’n!

Stellenausschreibung

Zur Unterstützung unserer Tafelrunde suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n

Gralsritter / -ritterin in Vollzeit

Ihr Profil:

Da wir ein Traditionsbetrieb sind, legen wir größten Wert darauf, dass Sie die aus dem Mittelalter stammenden 13 Rittertugenden ausnahmslos mitbringen:

    diemüete: Demut

    êre: ritterliches Ansehen, Würde

    güete: Freundlichkeit

    hôher muot: seelische Hochstimmung

    höveschkeit: Höfischkeit, Höflichkeit

    manheit: Tapferkeit

    mâze: maßvolles Leben, Zurückhaltung

    milte: Freigiebigkeit, Großzügigkeit

    minne: dienende, hingebungsvolle Liebe

    staete: Beständigkeit, Festigkeit

    triuwe: Treue

    werdekeit: Würde

    zuh: Erziehung nach festen Regeln, Anstand, Wohlerzogenheit

Wenn Sie bereits Erfahrungen im Reiten und Schwertkampf haben, ist das von Vorteil. Körperliche und geistige Fitness sowie ausgeprägte Teamfähigkeit werden vorausgesetzt.

Wir bieten Ihnen:

    Eine lebenslange Anstellung in einer legendären, seit dem Mittelalter bestehenden Institution, die Ihnen immer wieder spannende Herausforderungen bieten wird.

    Ihre verantwortungsvolle Hauptaufgabe besteht darin, die Gralsburg sowie den Gralskönig und damit den Heiligen Gral selbst mit Ihrem Leben zu schützen.

    Eine Unterkunft in der Gralsburg sowie einen festen Sitzplatz an der Tafelrunde inklusive Vollpension.

    Arbeiten in einem kleinen Team, in dem Achtsamkeit und gegenseitiger Respekt herrschen.

    Für gelegentliche kämpferische Auseinandersetzungen werden Ihnen eine vollständige Rüstung, ein Schwert, ein Schild und ein Pferd zur Verfügung gestellt.

    Sie müssen keinerlei administrative Aufgaben (Papierkram) erledigen, da unser burgeigener Chronist Wolfram von Eschenbach alle Ereignisse fortlaufend dokumentieren wird.

Ihre aussagekräftige Bewerbung senden Sie bitte bis zum 20. Februar 2017 an:

Joseph von Arimathia Group – Die Ritter vom heiligen Gral AG

Seine Majestät König Amfortas

Gralsburg 1, 13131 Monsalvat

Wagners wunderbare Welten

Richard Wagner: Schatz, hilf mir doch bitte mal, ich stecke hier fest, mir fehlt ein Reim.

Cosima Wagner: Ich komme, Richard, woran arbeitest du denn gerade?

Richard: Am Text für meine neue Oper Parsifal natürlich! Schau, diese Stelle ist besonders wichtig:

Durch Mitleid wissend,
der reine Tor:
harre sein,
den ich…

… gekoren?! Das reimt sich aber nicht. Und »kiesen« ist doch genau das Wort, dessen dieser weihevolle Ausspruch bedarf. Immerhin ist mein Held Parsifal nicht irgendwer, sondern der Auserwählte, der Erlöser!

Cosima: Ach Richard, du siehst vor lauter Bäumen den Wald nicht. Und apropos Wald, ich bin erfreut, dass du offensichtlich wieder davon abgerückt bist, in exzessiver Weise den Stabreimen zu frönen wie noch im Ring des Nibelungen. »Winterstürme wichen dem Wonnemond«, das war vielleicht ein bisschen viel »w«, meinst du nicht?

Richard: Ja, ja, mag sein, aber was reimt sich denn nun? Ich muss vorankommen, Parsifal soll doch den Amerikanern genug Geld entlocken, dass wir uns dort drüben ein schönes Leben aufbauen können.

Cosima: Ach Richard, du weißt doch, dass ich viel lieber hier in Bayreuth bleiben und in Haus Wahnfried wohnen möchte. Denk nur, dein schönes Festspielhaus würde keine Aufführungen deiner großartigen Bühnenwerke mehr erleben, keiner mehr dich feiern! Wo sonst finden deine Werke ein Haus, das eigens für sie errichtet wurde, in dem das Orchester im Graben vollständig versteckt ist und das Zusammenspiel von Handlung und Musik absolut perfekt gelingt – ein wahres Gesamtkunstwerk! Wir können nicht auswandern, du und deine Musik und ich wir gehören nach Bayreuth.

Richard: Cosima, du weißt, dass der Ring uns zu viele Schulden beschert hat. Aber zurück zu meinem Reim, welches Wort soll ich nur kiesen für den wichtigsten Vers in meinem Bühnenweihfestspiel?

Cosima: Bühnenweihfestspiel? Ist das der neue Titel?

Richard: Keiner könnte besser passen für meinen Parsifal – er ist ja so viel mehr als eine Oper! Das Mitleid und die Reinheit des Toren Parsifal, der den leidenden König Amfortas erlöst, das sind ja christliche Tugenden. Die ganze Stimmung auf der Bühne wird sehr weihevoll sein – das Festspielhaus wird sich beinahe in eine Kirche verwandeln, du wirst schon sehen! Hör mal, das wird das Erinnerungsmotiv für den heiligen Gral, ist es nicht wahrhaft weihevoll?

Cosima: Fürwahr, das klingt sehr feierlich, gut ersonnen, mein lieber Richard! Jeder wird es erkennen und wissen, da erscheint der heilige Gral! Aber sag, ich wollte dich noch fragen, warum hast du denn den schönen mittelalterlichen Namen »Parzival« in »Parsifal« umgeschrieben?

Richard: Ha! Das ist nicht weniger als genial, meine Liebe! Erst dachte ich darüber nach, ihn »Parceval« zu schreiben, denn der Held muss ja »durch das Tal« – französisch »par ce val« – der Herausforderungen, um zum reinen Tor zu werden. Dann fand ich jedoch heraus, dass »fal« das persische Wort für »rein« und »parsi« für Tor ist – so steckt der reine Tor schon im Namen selbst! Womit wir wieder bei der eigentlichen Frage wären: Was reimt sich denn nun auf »Tor«?

Cosima: Ach, mein guter, genialer Göttergatte, es ist doch so offensichtlich:
Durch Mitleid wissend,
der reine Tor:
harre sein,
den ich erkor!

Henrik Albrecht spricht über seinen Parceval und was man in der Musik hören kann

Sie haben ja bereits viel Musik geschrieben, nicht nur für Orchester, sondern zum Beispiel auch für Theater, Film und Hörspiel. Was macht das Komponieren für Kinder besonders?

Grundsätzlich muss man natürlich immer sein Bestes geben und bei Kompositionen für Kinder ganz besonders. Während ein Erwachsener schon mal ein wenig gepflegte Langeweile in einem Stück in Kauf nimmt, merken Kinder sofort, wenn der Musik die Spannung fehlt. Das ist aber auch der einzige große Unterschied, den ich beim Schreiben mache. Denn schließlich muss mir als Künstler das Werk ja genauso gefallen, wie meinen jungen Hörern.

Warum haben Sie die Parceval-Geschichte ausgewählt?

Mich reizte der Gedanke, in die Kindheit eines Helden einzutauchen. Wie wird eine Figur wie Parceval zu dem »Roten Ritter«? Das hat Wolfram von Eschenbach in seinem Epos ja schon wunderbar beschrieben. Dabei treffen wir auf die Helikopter-Mutter Herzeloyde, die ihren Sohn überbehütet und am liebsten für immer im waldigen Wald verstecken will – ein sehr aktuelles Thema. Dann wollte ich endlich einmal selbst erleben, wie Klingsor Amfortas den Speer raubt. In Wagners Oper tauchen diese Teile aus Eschenbachs Erzählung nur in »indirekter Theatersprache«auf, sie passieren nicht, sondern werden von Gurnemanz und Kundry berichtet. Ich dachte mir, es wäre doch schön, diese Szenen in einer Art Vorspann zu Wagners Oper als echte Handlung auf die Bühne zu bringen.

Wie viel Richard Wagner und wie viel Henrik Albrecht steckt denn in der Komposition?

Die Komposition ist, anders als im Fall eines Arrangements, ganz von mir – das Publikum hört eine Oper von Henrik Albrecht. Aber an vielen Stellen, zum Beispiel ganz zu Anfang, verwende ich Wagners Leitmotive. Es ist dann ein wenig so wie mit einem Baukasten: Ich nutze Steine, die Wagner hergestellt hat. Und er hat da wirklich einen ganz fantastischen Baukasten zusammengestellt! Was ich dann aber mit dem Material aus dem Kasten baue, liegt ganz in meiner Hand, so dass das Ergebnis am Ende von mir ist.

In Wagners Welt haben seine Leitmotiv-Bausteine ganz bestimmte Bedeutungen, die ich bei der Erzählung von Parcevals Kindheit beibehalten habe. Für den (erwachsenen) Kenner von Wagners Parsifal ist das Spiel mit diesen Elementen sicherlich amüsant, aber auch für alle (jungen) Ohren, die Wagners Musik erst entdecken, ist der Parceval eine (hoffentlich) sehr unterhaltsame Oper.

Welche Leitmotive gibt es denn im Parceval?

Wie bei Wagner treten auch bei mir die Leitmotive immer in Verbindung mit einem bestimmten Moment der Handlung auf. Wenn zum Beispiel Klingsor zum ersten Mal die Bühne betritt, erklingt sein Zaubermotiv. Bei Parcevals Auftritt ist es eine Fanfare. Der Gral hat seinen weihevollen Klang. Im Verlauf der Oper können diese Motive entsprechend dem Handlungsverlauf miteinander in Beziehung treten.

Gibt es eine Stelle in Ihrer Komposition, die Ihnen besonders gut gefällt?

Am besten finde ich die Stellen der Oper, an denen ich merke: Hier erwacht eine Figur wirklich zum Leben, ihr Charakter entwickelt sich in der Musik. Bei seinem Versuch, Parceval zum Bösen zu verführen, zieht Klingsor alle Register – das hört man auch. Parcevals langsames Heranreifen vom Kind zum verantwortungsbewussten Ritter spiegelt sich auch in seiner Musik wider, während Herzeloyde in ihrer übergroßen Mutterliebe am liebsten die Zeit anhalten und ihren kleinen Jungen immer im Wald behalten würde. Wenn sie singt, kann man ihren Trennungsschmerz gut nachfühlen. Gurnemanz wiederum hat diesen lehrerhaften Ton, und Kundry ist so seltsam zwischen Klingsor und Amfortas hin und hergerissen. Wenn es mir in der Oper gelungen ist, die Figuren, ihre Emotionen und Wünsche, durch meine Musik zum Leben zu erwecken, dann gefallen mir diese Stellen ganz besonders.

An einer anderen Stelle der Oper passiert übrigens das genaue Gegenteil: Ein menschliches Wesen, Kundry, wird in eine (fast leblose) Puppe verzaubert. Ich glaube, das könnte im Moment sogar meine Lieblingsstelle sein. Aber natürlich kann ich diese Frage erst dann endgültig beantworten, wenn ich die Premiere meiner Oper erlebt habe – im Augenblick existiert sie ja nur auf dem Papier …

Kurz erklärt

Heiliger Gral

Wie der sagenumwobene heilige Gral genau aussieht, weiß heute niemand genau. Man vermutet, dass er wie ein Kelch oder eine Schale geformt ist, doch alles, was bis heute über dieses Gefäß berichtet, stammt aus verschiedenen, teilweise sehr unterschiedlichen Erzählungen, sogenannten Legenden. Die ersten Geschichten, die über den heiligen Gral geschrieben wurden, entstanden bereits im 12. Jahrhundert, also vor rund 900 Jahren. Manche beschreiben die Abenteuer der Ritter auf der Suche nach dem Gral, andere erzählen, dass es sich dabei um den Kelch handelt, aus dem Jesus Christus beim letzten Abendmahl trank. Einig sind sich die Autoren, dass dieses geheimnisvolle Gefäß einst in einer Burg von einem König und seinen Gralsrittern bewacht wurde. Der heilige Gral soll seinem Besitzer Glück, ewige Jugend, Essen und Trinken in unendlicher Fülle bescheren – kein Wunder, dass bis heute Tausende nach diesem verschollenen Zauberkelch suchen!

Stabreim

Stabreime, oder auch Alliterationen, sind ein Stilmittel der Dichtung, das es schon seit dem Mittelalter gibt. Dabei werden die wichtigsten Wörter eines Verses dadurch hervorgehoben, dass sie mit dem gleichen Anfangslaut beginnen, also zum Beispiel so wie Richard Wagner in seinem Musikdrama Die Walküre dichtete:
Winterstürme wichen dem Wonnemond,
in mildem Lichte leuchtet der Lenz;
auf linden Lüften leicht und lieblich,
Wunder webend er sich wiegt.

Erinnerungsmotiv / Leitmotiv

In einer großen Oper kann man als Zuschauer schon mal ganz schön durcheinander kommen. Da treten vielleicht zehn oder gar 20 verschiedene Personen auf, außerdem wechseln die Orte der Handlung ständig und die Geschichte wird immer komplizierter. Wer soll denn da noch den Durchblick behalten? Das dachten sich auch Komponisten im 19. Jahrhundert und entwickelten eine Idee: Was, wenn man die Personen oder einen Gegenstand jeweils mit einer bestimmten Musik verbindet, die dann immer wieder auftaucht, wenn diese in Erscheinung treten oder wenn von ihnen gesungen wird? Das Leitmotiv war geboren. Es ist so etwas wie eine klingende Visitenkarte, denn es charakterisiert eine Person oder Sache musikalisch mit einem wiedererkennbaren Motiv, also einer bestimmten Melodie und/oder einem bestimmten Rhythmus. Wenn ein Leitmotiv erklingt, wissen die Hörer gleich Bescheid, dass diese Person oder das Ding jetzt wichtig wird. Deshalb nennt man es manchmal auch Erinnerungsmotiv. Der Komponist Richard Wagner war ein Meister der Leitmotive. In seinen Werken sind nicht nur Personen oder Drachen, sondern auch Gegenstände wie Ringe oder Schwerter mit eigenen Leitmotiven versehen.

Mit Leitmotiven kann man sogar allein durch die Musik Dinge verraten, die auf der Bühne noch gar nicht passieren. Wenn zum Beispiel Rotkäppchen in einer Oper vertont würde, könnte man das Leitmotiv des Wolfs erklingen lassen, noch bevor der Wolf überhaupt zu sehen ist.

Susanne Ziese

Biografie

Alina Wunderlin

Singen ist meine Leidenschaft. Als Sängerin kann ich mich auf eine Art und Weise ausdrücken, die mit Worten nicht möglich ist (das gilt natürlich auch ganz allgemein für die Musik). Es ist sehr spannend, sich in eine Opernrolle hinein zu versetzen und zu überlegen, wie man sie am besten gestalten könnte. Auch die Arbeit mit den Kollegen ist sehr interessant, man muss ganz darauf einlassen können, damit die Musik am Ende zu einem tollen Erlebnis wird. Natürlich hat man als Sängerin auch viel Arbeit und muss seine Stimme gut pflegen. Deshalb achte ich vor Auftritten darauf, nichts zu essen, was die Stimme schleimig oder trocken macht (zum Beispiel Schokolade oder Pfefferminztee).

Ich mag Parceval, weil er ein aufgeweckter Junge ist, der sich traut, alleine los zu ziehen, um seinen Traum zu verwirklichen. Obwohl er noch sehr jung ist, schafft er es dank seiner Zielstrebigkeit, viele Hindernisse zu überwinden und wird schließlich in die Ritterschule aufgenommen. Außerdem gelingt es Klingsor es nicht, Parceval mit Macht und Zauberkunst zu verführen. Diese Standhaftigkeit finde ich bewundernswert. Es wird sehr spannend für mich sein, einen Jungen darzustellen, der nicht nur um einiges jünger ist, sondern natürlich auch eine ganz andere Körpersprache als ich hat.

Natürlich gibt es zwischen Parceval und mir viele Gegensätze. Ritter sein wollte ich zum Beispiel nie. Ich hoffe aber, dass ich Ehrgeiz und Fleiß mit ihm gemein habe. Diese beiden Eigenschaften können – zusammen mit etwas Glück – helfen, sein Ziel zu erreichen. Parceval verfolgt seinen Traum und wird Ritter – ich bin Sängerin geworden!

Flurina Stucki

Für mich heißt Sängerin zu sein, das tun, was ich am besten kann und am liebsten mache: Anderen Menschen mit meinem Gesang Geschichten zu erzählen, sie zum Lachen oder zum Weinen zu bewegen – was sie vielleicht im Alltag manchmal vergessen oder verlernt haben – ist ein großes Geschenk. Um Sängerin zu werden, braucht es auch viel Arbeit und vor allem Geduld und Training. Aber meistens macht das Spaß.

Die Musik und die Texte, die ich als Herzeloyde (Mama von Parceval) singen darf, berühren mich sehr. Ich bin zwar selbst keine Mutter, aber ich glaube, beim Singen nachempfinden zu können, wie sich Herzeloyde gefühlt haben mag. Außerdem ist es spannend, in zwei Rollen (Herzeloyde und Knappe) auf der Bühne zu stehen. Sich in beide Figuren hineinzuversetzen ist eine Herausforderung: zum Beispiel muss ich höllisch aufpassen mich als Knappe nicht versehentlich genauso zu bewegen wie als Parcevals Mutter.

Herzeloyde ist weder exakt wie ich, noch ist sie das genaue Gegenteil. Eine Gemeinsamkeit wäre vielleicht, dass ich auch manchmal sorgenvoll daran denke, was passieren könnte, wenn... Ich bin dann diejenige, die vor Dummheiten warnt, deswegen werde ich oft als mütterlich wahrgenommen. Ich würde aber niemals jemanden lächerlich machen wollen, nur damit er oder sie schnell wieder zu mir zurückkommt. Ein weiterer Unterschied ist, dass Herzeloyde in einem schönen Wald lebt und ich im Moment in der Stadt. Das ist natürlich praktisch, aber nicht immer sehr schön, deshalb würde ich vor allem von Frühling bis Herbst gerne mit ihr tauschen.

Elisabeth Birkmeier

Als Sängerin kann ich genau das tun, was mir schon seit Kindertagen vorschwebt. Dabei muss ich mich dem Gesang körperlich und seelisch voll und ganz hingeben, denn das macht die Qualität meiner Leistung und Darbietung auf der Bühne aus. Der Sängerberuf verlangt viel und gibt viel. Er macht mich glücklich und erfüllt mich in jedem Moment, zehrt aber auch allen Kräften, die ich aufbringen kann. Aber ich werde dadurch auch Teil von etwas Großartigem, Neuem, Aufregendem und Wunderbarem.

An meiner Rolle gefällt mir besonders das Magische und Verrückte: Kundry ist gleichzeitig eine und doch viele Personen. Im Stück macht ihre Persönlichkeit eine Entwicklung durch, dadurch kann ich als Darstellerin in verschiedene Rollen schlüpfen und viele Facetten meines Könnens zeigen. Dies bringt auf der Bühne zusätzliche Freude und Motivation an der Rolle!

Ich empfinde Kundry im Ritter Parceval als sehr passend zu meiner Person. Ihre aufgeweckte und überdrehte Art beschreibt auch einen Teil meines Charakters. Sie ist zwar erst als Puppe zu sehen, aber am Ende auch als treue, tapfere Gefährtin von Parceval. Ich selbst bin zwar definitiv mädchenhaft, jedoch habe ich auch eine Seite an mir die, sehr abenteuerlustig ist. Schon als kleines Mädchen zog ich gerne mit Jungs durch die Natur – vermutlich, weil ich zwei große Brüder habe. Ich denke es wird mir viel Spaß machen, diese Rolle zu verkörpern.

Marcel Brunner

Für mich ist Sänger der wohl schönste Beruf der Welt, und ich habe mich deshalb dafür entschieden ihn ergreifen, weil mir das gemeinsame Musizieren mit anderen schon immer Spaß gemacht hat. Als Darsteller auf der Opernbühne kann ich außerdem auch noch Schauspieler sein. Diese Verbindung von Gesang und Schauspiel ist für mich unglaublich spannend und abwechslungsreich.

Mein Rolle als Klingsor gefällt mir sehr: In einer Ritterrüstung auf der Bühne zu stehen ist wirklich toll, und ehrlich gesagt auch ein kleiner Kindheitstraum von mir. Welcher Junge träumt denn nicht davon, einmal eine Ritterrüstung zu tragen? Außerdem macht es ganz schön Spaß, den Bösewicht zu spielen.

Klingsor ist eigentlich das absolute Gegenteil von mir. Er ist in dieser Oper der Böse, der versucht, Parceval auf die Seite der schwarzen Magie zu ziehen. Das ist gemein und auch ein wenig unheimlich. Ich selbst bin in Wahrheit natürlich ein sehr netter Mensch, der niemanden auf diese Weise manipulieren würde.

Johannes Mooser

Glückliche äußere Umstände haben mir die Chance eröffnet, den Sängerberuf ins Auge zu fassen: Durch meine Familie wurde ich schon früh an die Musik herangeführt. Bereits in der Grundschule sang ich im Chor und lernte Klavierspielen, am Gymnasium konnte ich an Musiktheateraufführungen teilnehmen und hatte zudem die Möglichkeit, einen Leistungskurs Musik mit Hauptfach Gesang zu besuchen. Ich bin dankbar dafür, dass ich meine sängerische Begabung entwickeln durfte und habe im Laufe meiner beruflichen Karriere immer mehr festgestellt, dass Sänger zu sein, meine Berufung ist.

Die Welt der Ritter fasziniert mich seit meinen Kindertagen. Zwei Ritterburgen standen in meinem Kinderzimmer, ausgestattet mit allen wichtigen Ritterutensilien. Als ich klein war, besuchte ich mit meinen Eltern das Schloss Neuschwanstein, das unweit meiner Heimat in Bayerisch-Schwaben liegt, und bestaunte die Wandgemälde im sogenannten Sängersaal, auf denen die Suche nach dem Gral nacherzählt wird. Ein Ritter, der einen wertvollen Schatz findet oder hütet, ist wohl der Traum eines jeden Jungen. Und als Erwachsener seine Kindheitsträume wahr werden zu lassen – was gibt es Schöneres?

Den ritterlichen Tugenden wie zum Beispiel Selbstdisziplin, Fleiß und Treue kann ich viel abgewinnen. Sie sollten auch in der heutigen Zeit eine wichtige Rolle spielen. Nichts desto trotz bin ich sehr froh, in einer freien Gesellschaft aufgewachsen zu sein, in der sich Kinder und Erwachsene individuell entfalten können.

Stanley Dodds

Das Schönste am Musikerberuf ist für mich, ein Leben voller Musik zu führen! Beide Aufgaben – Dirigieren und Geige spielen – machen mir großen Spaß, aber die Art der Arbeit und die Herausforderungen dabei sind sehr unterschiedlich. Als Dirigent macht es mir Freude, die Musik zuerst nur mit der Partitur zu studieren und mir dabei ein innerliches Bild zu machen, meine eigene Erzählung dazu zu erfinden. Das Orchester vom Dirigentenpodest aus zu hören, ist ein gewaltiges Erlebnis! Aber eines darf ich dabei nicht, nämlich selber einen Klang produzieren. Der Dirigent bleibt stumm! Deshalb macht mir das Geigenspiel trotz der vielen Jahre, die ich Mitglied der Berliner Philharmoniker bin, immer noch unheimlichen Spaß. Hier kann ich auf der Violine den Klang selbst erzeugen, formen und leben lassen. Das ist sehr sinnlich!

Die Oper Ritter Parceval ist ein ganz neues Stück. Das ist besonders aufregend, weil es bisher noch niemand kennt. Weder kann man eine Aufnahme davon hören, noch läuft es schon in irgendeinem Theater. Deshalb ist die Arbeit daran eine richtige Entdeckungsreise – für mich, für die Sänger und auch für das Orchester. Es gibt so viel Schönes darin zu entdecken! Das macht uns allen Freude. Ich hoffe, Euch auch. Viel Spaß!

Kirsten Uttendorf

Als Musiktheater-Regisseurin finde ich es immer wieder spannend, mich mit Geschichten und Musik zu beschäftigen und sie für unsere Zeit zu erzählen. Das Eintauchen in diese Welt – in der Vorbereitung erst für mich allein zuhause und dann in der Probenarbeit mit dem gesamten Team – ist immer wieder faszinierend. Alle gehen mit großer Neugierde und Fantasie an die Arbeit. Es ist immer wieder überraschend und schön zu sehen, was daraus entsteht.

An der Oper Ritter Parcavel mag ich besonders, dass Parceval seinen Weg mit Neugierde, Mut und auch Respekt geht. Er sucht die Herausforderungen, stellt sich neuen Gegebenheiten, lernt viele Dinge und »erkämpft« sich seine Sicht auf die Welt. Begleitet wird er dabei von Kundry, die ihn bei den verschiedenen Aufgaben unterstützt und ihn auf seinen von der Weissagung vorherbestimmten Weg führt.

Die größte Herausforderung ist sicherlich, dass wir es mit einer Uraufführung zu tun haben und alle gemeinsam nach und nach immer mehr die Musik entdecken und neue Aspekte aufspüren. Das ist eine große Freude.

(Foto: Berliner Philharmoniker)