(Foto: Jan von Holleben)

Education

Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Gäste

Matthew Hunter Moderation und Konzeption

Familienkonzert – Saitenweise Musik!

Empfohlen für Kinder ab 6 Jahren

Termine und Karten

Sa, 23. Sep 2017, 15:00 Uhr

Kammermusiksaal

So, 24. Sep 2017, 11:00 Uhr

Kammermusiksaal

Veranstalter/Kartenverkauf

Stiftung Berliner Philharmoniker

Herbert-von-Karajan-Straße 1

Tel: +49 (30) 25488 - 0

Fax: +49 (30) 25488

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Programm

Sie kann kratzen, krachen, säuseln und singen: Die Geige ist klanglich eines der faszinierendsten Instrumente und – »ach!« – auch eines der schwierigsten. Überhaupt gehören die gestrichenen Saiteninstrumente mit zu den ältesten Instrumenten, die wir kennen, und zu finden sind sie überall: In China heißt das gebräuchlichste Geigeninstrument Erhu, in Indien Ravanahattha, in Japan Kokyū, in Irland Fiddle und in den arabischen Ländern Rabab. In diesem Konzert nimmt euch der Bratschist Matthew Hunter mit Unterstützung seiner Kollegen aus dem Orchester und einiger Gäste mit auf eine musikalische Reise um die Welt. Dabei begegnen wir der einen oder anderen Überraschung und versuchen, hinter das Geheimnis der Geigeninstrumente kommen.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Saitenweise Musik!

Eine musikalische Saitenreise voller Abenteuer

Ein großer Traum und eine geheimnisvolle Botschaft

»Fidelia, hier in der Zeitung ist ein Interview mit deiner Geigenlehrerin Frau Freymadl«, ruft Mama. »Hör zu, ich lese es dir vor.«

Seit wann gibt es eigentlich Geigen?

Esther Freymadl: Geigen in der Form, wie wir sie heute kennen, existieren seit dem 16. Jahrhundert. Geigenähnliche Instrumente gibt es allerdings schon viel länger, deren Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Die italienische Stadt Cremona gilt übrigens als die Hauptstadt der Geigenbauer. Einer der berühmtesten von ihnen, Antonio Stradivari, hatte dort seine Werkstatt.

Ist die Geige ein schwieriges Instrument?

E. F.: Die Geige ist bestimmt kein leichtes Instrument, und aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Wer Geige lernen will, sollte auf jeden Fall ein gutes Gehör haben und fleißig sein.

Welches ist denn das beste Alter, um mit dem Geigenspiel anzufangen?

E. F.: Es gibt inzwischen winzige Kindergeigen, auf denen schon Zwei- bis Dreijährige spielen können. Wenn ein Kind so früh mit dem Unterricht beginnt, brauchen vor allem die Eltern viel Geduld und Einfühlungsvermögen, um es zum regelmäßigen Üben zu ermuntern. Die Musikschulen nehmen meist erst Kinder ab sechs Jahren auf. Wenn man aber die großen Violinvirtuosen und -virtuosinnen fragt, die haben fast alle sehr früh, nämlich mit etwa drei bis fünf Jahren angefangen.

Sie sind Lehrerin nach der Suzuki-Methode – könnten Sie kurz erklären, was es damit auf sich hat?

E. F.: Bei dieser Methode, die in Japan entwickelt wurde, lernen die meist sehr jungen Schüler am Anfang – ähnlich wie beim Erwerb der Muttersprache – nur durch Nachahmung. Das heißt, sie spielen ohne Noten nur nach Gehör. Außerdem wird sowohl einzeln, als auch in Gruppen unterrichtet. Es gibt eine Sammlung von Musikstücken, die überall auf der Welt im Suzuki-Unterricht geübt werden, so dass jedes »Suzuki-Kind« sofort mit einem anderen zusammenspielen kann, ganz egal woher es kommt. Besonders bei dieser Methode ist auch, dass die Eltern Anweisungen bekommen, wie sie ihren Kindern helfen können, das Instrument zu lernen.

Wie oft sollten Kinder üben?

E. F.: So oft wie möglich natürlich! Übung macht den Meister. Genau wie beim Sport ist die Regelmäßigkeit entscheidend. Manchmal ist Üben so ein bisschen wie Zähneputzen: echt lästig, aber es muss halt sein. Aber, wenn man sich erst daran gewöhnt hat, ist es völlig normal – das eine wie das andere. Wobei Geige spielen natürlich tausendmal mehr Spaß macht als Zähneputzen.

»Siehst du, Fidelia, du träumst doch davon, eines Tages mit den Berliner Philharmonikern zusammen zu spielen, dafür gibt es nur ein Rezept: Üben, üben und nochmal üben. Am besten fängst du gleich damit an, bis zum Abendessen ist noch eine gute Stunde Zeit. Hm?« »Na gut …« Müde schlurft Fidelia in ihr Zimmer und zieht die Tür hinter sich zu. Die Tasche mit ihren Sachen für den Geigenunterricht steht seit fast einer Woche unausgepackt in der Ecke. Sie greift nach dem dicken Heft mit dem Titel Suzuki Violinschule Band 1 und blättert darin herum. Doch was ist das? Ein Zettel ist aus den Seiten gerutscht. Neugierig hebt Fidelia ihn auf uns liest, was in schöner Handschrift darauf steht:

Ein unerwarteter Besuch und der Beginn einer Reise

»Üben, üben, üben … Eigentlich bin ich viel zu müde«, denkt Fidelia. »Wie es sich wohl anfühlen würde, auf dieser geheimnisvollen Lady Tantimani zu spielen? Vielleicht ist das eine Art Zaubergeige, auf der ich ohne zu üben sofort ein großes Violinkonzert spielen könnte, so wie dieses berühmte von Mendelssohn, das Frau Freymadl einmal gespielt hat. Der letzte Satz klang, als würden lauter kleine Elfen und Kobolde fröhlich über die Saiten hüpfen. Ich würde auch gern so viele schnelle Noten spielen können. Am liebsten in der Philharmonie und vor ganz großem Publikum. Uuuaah, ich bin so müde, vielleicht lege ich mich nur ganz kurz hin … nur ein paar Minuten, und dann fange ich gleich an zu üben …«

»Pssst, du, wach auf!« Was war das? Fidelia reibt sich die Augen und sieht sich um. »Hier unten!« Sie schaut zum Boden. Da hockt ein kleines Männchen mit einem Käppi und schaut sie an. »Wer bist du denn? Und was machst du hier in meinem Zimmer?« Das Männchen antwortet mit stolzgeschwellter Brust: »Ich bin ein Brückenschläger, ein Saitenreisender, ein Meister unter den Zauberkobolden – gestatten«, er lüftet sein Käppi, »der einmalige, einzig wahre und unvergleichliche Ponticello!« »Ponticello, was für ein seltsamer Name, er kommt mir irgendwie bekannt vor … Du bist also ein Zauberkobold?« »Genau.« »Das ist ja super, dann kannst du mir sicher helfen. Ich muss nämlich eine ganz bestimmte Geige finden, Lady T heißt sie.« Ponticello kratzt sich nachdenklich den Kopf. »Das klingt nach einem Abenteuer, ich bin dabei! Würdest du mir einen Tanz auf deiner Geige vorspielen? Ich habe eine Idee, wo wir nach dieser Lady T suchen könnten …« »Hm, ich habe nicht viel geübt in letzter Zeit. Aber einen Ländler von Schubert, den könnte ich dir schon spielen.« Fidelia nimmt ihre Geige aus dem Koffer, befestigt die Stütze, die sie auf ihrer linken Schulter auflegt. Sie spannt die Haare des Bogens und stimmt die vier Saiten – G, D, A und E (die merkt sie sich so: ›Geh, du alter Esel). »Aber mach die Augen zu«, sagt Ponticello. Fidelia beginnt mit geschlossenen Augen zu spielen. »Noch ein bisschen schneller«, hört sie den Kobold rufen. Seine kleinen Koboldfüße tanzen wild über den Boden. Plötzlich hat sie das Gefühl, als würde sie schweben, aber sie traut sich nicht, die Augen zu öffnen. Gerade, als sie wieder festen Boden unter den Füßen spürt, sagt Ponticello: »Wir sind da!« Als sie die Augen öffnet, kann sie kaum glauben, was sie sieht: Die beiden stehen mitten auf einem wuseligen Marktplatz. Es riecht nach Essen, aber ganz anders als zu Hause. »Wo sind wir?« »Ist das nicht sonnenklar? In China natürlich! Los, komm, wir suchen Lady T!«

Ein Missverständnis und ein Rätsel

Der Kobold springt direkt auf eine Frau zu, die gerade Teig zu langen dünnen Nudeln zwirbelt. Mit ihren silbrigen Haaren und den unzähligen Fältchen in ihrem freundlichen Gesicht sieht sie aus, als könnte sie die älteste und weiseste Frau der Welt sein. »Hallo,« spricht Ponticello sie an. »Kannst du etwa Chinesisch?«, fragt Fidelia überrascht. »Ja, ein wenig, aber die Chinesen sprechen viele verschiedene Dialekte.« Er wendet sich wieder der alten Dame zu: »Verzeihung, dass ich störe, aber wir suchen Lady T, eine sehr besondere Geige. Verstehen Sie? Lady T, Kunst, Musik?« Ein Lächeln huscht über ihre Lippen und mit ausgestrecktem Zeigefinger deutet sie auf ein Haus mit einem geschwungenen grünen Dach. »Vielen Dank«, sagt Ponticello und springt davon. Fidelia beeilt sich, um ihn in der Menge nicht zu verlieren. Als sie an der Haustür ankommen, bricht Ponticello in schallendes Gelächter aus. »Was ist denn so lustig?« »Da steht: Teekunst – das besondere Teehaus in Peking«. »Und warum ist das so lustig?« »Na, TEE-KUNST, die alte Dame hat nur ›T‹ und ›Kunst‹ verstanden und uns deshalb hierher geschickt. Gut, einen Tee sollte man in China schon trinken, das ist eine tolle Zeremonie. Komm!« Als sie die schwere Tür mit vereinten Kräften öffnen, dringt aus dem Inneren des Hauses eine fremd klingende Musik. »Ist das nicht eine Geige?«, fragt Fidelia aufgeregt. »Vielleicht, schauen wir nach!«

Als sie eine mit Pergament bespannte Schiebetür öffnen, sitzt da ein Mann, der ein seltsames Instrument auf seinem Knie hält. Unten sieht es aus wie eine Dose, aber es ist aus Holz und mit einer Art Haut bespannt wie eine kleine Trommel. Daran befestigt ist ein langer Hals, über den zwei Saiten gespannt sind, die oben an Wirbeln befestigt sind. Der Bogen, mit dem der Mann erstaunlicherweise zwischen den beiden Saiten streicht, sieht eigentlich aus wie der von Fidelia, aber diese chinesische Geige klingt ganz anders. Als der Mann die Besucher bemerkt, hört er auf zu spielen: »Was sucht ihr hier?« Ponticello antwortet: »Entschuldigen Sie bitte, wir suchen eine Geige, sie heißt Lady T. Was ist das für ein Instrument, das Sie da spielen?« »Das ist das Lieblingsinstrument der Chinesen. Erhu heißt es. Sie wird sowohl in der Oper als auch in der Popmusik und im Jazz gespielt – sie ist wirklich vielseitig.« »Das klang sehr schön«, sagt Fidelia, »aber das ist sicher nicht Lady T, denn die sieht so aus wie meine Geige hier, glaube ich. Haben Sie eine Idee, wo wir sie finden können?« Der Mann denkt nach und sagt dann in geheimnisvollem Ton: »Im Wappen seht ihr viele Saiten, Musik soll nur die Füße leiten, wenn zum Tanz die Geige singt, die so wie dein Name klingt.«

Eine Namensverwandte und ein vielversprechender Hinweis

Was für ein Rätsel, welches Land könnte er gemeint haben? Saiten im Wappen, tanzen nur mit den Füßen und eine Geige, deren Name wie deiner klingt … »Ich hab’s!«, ruft Fidelia triumphierend. »Ich habe in meinem Erdkundebuch gesehen, dass es ein Wappen gibt mit einer Harfe drin. Die hat viele Saiten. Aber welches Land war das noch?« »Ah, ich weiß, welches Wappen du meinst. Das passt, denn dort wird der Riverdance getanzt, bei dem sich nur die Füße schnell zur Musik bewegen, der Oberkörper aber starr bleibt. Spiel nochmal den Ländler!« Fidelia beginnt wieder mit geschlossenen Augen zu spielen und auch diesmal hebt sie ab. Als sie die Augen öffnet, befinden sie sich in einer sattgrünen Landschaft mit sanften Hügeln. »Wo sind wir denn gelandet?«, fragt sie. »In Irland, dem Land der Kelten! Ich denke, ich weiß, wo wir am ehesten eine Geige finden. Komm mit!« Ponticello führt sie in ein Dorf. Schon von Weitem dringt fröhliche Musik aus dem Haus, über dessen Eingang PUB geschrieben steht. »Da müssen wir rein.« Der Pub ist eine traditionelle irische Kneipe, ein geselliger Treffpunkt für die musikliebenden Iren. Gerade spielt eine Geigerin ein sehr schnelles, heiteres Stück. »Könnte das Lady T sein, Ponticello? Die Geige sieht aus wie meine, nur das Stück klingt irgendwie nicht nach Mendelssohn oder Schubert. Dafür wollen meine Füße unbedingt tanzen!« »Das ist irische Volksmusik, glaube ich. Komm, wir sprechen mit der Geigerin.« Zum Glück ist das Stück gerade zuende. »Guten Tag, das ist aber eine schöne Geige, die Sie da spielen. Wie heißt sie denn?« »Oh«, antwortet die Geigerin, »das ist eine Irish Fiddle, wir spielen auf ihr unsere Volksmusik.« Ponticello dreht sich zu Fidelia: »Eine Fidel ist das, wie dein Name, ohne das ›ia‹ am Ende!« »Ist ja toll«, freut sich Fidelia, »kann man darauf auch Mendelssohn spielen?« »Nun, man könnte schon,« sagt die Fidelspielerin, »aber in der Volksmusik spielen wir anders, fast ohne Vibrato, dafür aber mit ganz vielen Verzierungen in den Melodien.« »Kennen Sie denn vielleicht Lady T?«, fragt Fidelia. »Ja, ich kannte mal eine Lady T, ich denke, sie ist jetzt in den USA, in der Woodstreet 5 in Chicago.«– Nur ein »Danke« und einen Ländler später stehen Fidelia und Ponticello an einer lärmenden Straße in Chicago.

Eine »schräge Nummer« und eine heiße Spur

»Nummer 5, hier muss es sein!« Sie klingeln bei »South« und eine Frau öffnet die Tür. »Hallo, wohnt hier ein Geiger?«, fragt Ponticello. »Oh, sie suchen vermutlich meinen Vater, Eddie, der ist aber leider schon vor einigen Jahren gestorben. Kann ich Ihnen irgendwie helfen?« »Wir suchen Lady T, wissen Sie …« »Das ist ja witzig, so nannte mein Vater seine Geige. Kommen Sie herein, ich spiele Ihnen eine Schallplatte vor, auf der er zu hören ist.« Die Reisenden setzen sich auf ein Sofa, während Frau South eine Platte auflegt. »Sind Sie Fans von Jazzmusik? Mein Vater war ein richtiger Star unter den Jazzgeigern. Er konnte fabelhaft improvisieren.« »Das klingt alles so …«, Fidelia zögert, sie will nichts Unhöfliches sagen, »… schräg. Meine Lehrerin würde schimpfen, wenn ich so spielen würde.« Frau South kichert: »Du hörst offenbar zum ersten Mal Jazzmusik. Diese ›schrägen‹ Töne, das sind die blue notes, die typischen Zwischentöne. Durch sie klingt diese Musik etwas ›schmutzig‹ – genau das macht ihren Reiz aus. Und merkst du, wie dein Fuß zu diesen coolen Rhythmen mitwippt?« Tatsächlich, Fidelias Fuß tippte im Rhythmus der Musik auf den Teppich. »Und Sie sagten, er nannte seine Geige Lady T?«, kam Ponticello auf den eigentlichen Grund ihres Besuchs zurück. »Ja, genau. Aber sie ist nicht mehr hier. Ein Freund von Eddie hat sie vor Jahren gekauft, Ben heißt er. Er lebt in Jerusalem.« Ein weiteres Mal setzt Fidelia zum Ländler an und Ponticellos Tanz bringt sie nach Israel.

Eine singende Geige und eine Doppelgängerin

»Ponticello, was ist denn hier los, ist das eine Party?« »Ja, das ist eine jüdische Hochzeit. Da hinten ist die Band, komm, wir sprechen mit dem Geiger, vielleicht ist das Ben!« Sie zwängen sich zwischen unzähligen tanzenden Hochzeitsgästen hindurch zu einer kleinen Bühne, auf der ein Geiger, ein Kontrabassist und eine Klarinettistin eine in Fidelias Ohren ganz fremde, tänzerisch-beschwingt und zugleich seltsam traurig klingende Musik spielen. »Ponticello, klingt diese Musik nicht, als würde jemand singen und dabei schluchzen?« »Du hast recht, das ist jüdische Volksmusik, Klezmer wird sie genannt. Meistens hört man sie auf Festen wie diesem hier.« »Sie gefällt mir sehr, so würde ich auch gern spielen können«, murmelt Fidelia, »die Geige sieht ja genau aus wie meine.« Am Ende des Lieds spricht Ponticello den Geiger in gebrochenem Hebräisch an: »Sind Sie Ben und ist das Lady T?« Einen Moment lang scheint der Gefragte irritiert, dann antwortet er auf Deutsch mit leichtem Akzent: »Ja, beides.« »Das ist ja fantastisch«, jubelt Fidelia, »wir haben Lady T gefunden!« »Wie sind Sie denn auf mich gekommen?«, wundert sich der Geiger. »Frau South sagte, dass Sie Eddies Lady T jetzt spielen.« »Stimmt, aber warum sucht ihr sie?« »Na«, antwortet Fidelia, »ich würde sie gern wieder mit nach Berlin nehmen, wo sie herkommt. Und dann möchte ich auf ihr so gut spielen, dass ich mit den Philharmonikern auftreten kann.« Ben lacht: »Es tut mir leid, aber das muss eine Verwechslung sein. Diese Lady T wurde in den USA gebaut, nicht in Berlin.« Fidelia schaut enttäuscht. »Dann ist das nicht Lady Tantimani, die Stradivari-Kopie?« »Leider nein, diese Lady T hat mein Freund Eddie nach seiner Lieblingshündin Tiffany benannt.« Fidelia schluchzt. »Jetzt waren wir schon in China, Irland, Amerika und Israel – wo sollen wir denn bloß noch suchen?« Auch der Kobold scheint ratlos. »Wartet mal«, unterbricht Ben sie, »ich glaube, mein Bekannter Noah hat mir mal von einer Geige erzählt, die von vielen Händen – also auf Italienisch tanti mani – gebaut wurde. Vielleicht hättet ihr gar nicht in die Ferne schweifen müssen, um zu finden, was ihr sucht. Er ist nämlich Konzertmeister der Berliner Philharmoniker!«

Das Ende einer Reise und ein frohes Erwachen

»Fidelia, kommst du? Das Abendessen ist fertig!« »Was? Wo bin ich, wo … wo ist Ponticello?« Fidelia reibt sich die Augen. »Mist, ich wollte doch nur ein paar Minuten schlafen.« Ihr fällt wieder der Zettel ins Auge. »Hab ich etwa alles nur geträumt?« Aus der Küche hört sie ihre Mutter erneut rufen. »Ich komm ja schon, Mama!«

Instrumentenlexikon:

Die Violine

Die Violine, auch Geige genannt, ist das kleinste und am höchsten klingende der Streichinstrumente. Ihr gewölbter Holzkörper (Korpus) erinnert an die Umrisse einer Acht. In der Decke, also dem oberen, meist aus Fichtenholz gefertigten Teil des Korpus, gibt es zwei f-Löcher, die man auch Schalllöcher nennt. Der untere Teil des Korpus heißt Boden und besteht normalerweise aus einem anderen Holz, oft Ahorn. Die Verbindungstücke zwischen Decke und Boden werden Zargen genannt. Am etwas schmaleren Ende des Korpus ist der schlanke Hals der Geige angebracht, auf dessen Oberseite das oft meist aus dem schwarzen, sehr kostbaren Ebenholz bestehende Griffbrett befestigt ist. An seinem oberen Ende geht der Hals in die Schnecke über – die heißt nicht nur so, sondern sieht auch wirklich fast so aus wie ein Schneckenhaus. Im unteren Teil der Schnecke befindet sich der Wirbelkasten, an dessen beiden Seiten jeweils zwei Wirbel angebracht sind. Mit den Wirbeln werden die vier Saiten befestigt, die aus Metall, Kunststoff und in besonderen Fällen auch aus Naturdarm bestehen können. Von dort aus verlaufen die Saiten über dem Griffbrett und über den Steg, einem schmalen kunstvoll geschnitzten Holzstück, das aufrecht auf der Decke des Korpus steht. Der leicht gewölbte Steg hebt die Saiten etwas an, sodass sie leichter mit dem Bogen gestrichen werden können. Seine wichtigste Aufgabe ist es aber, die Schwingungen, die beim Streichen oder Zupfen der Saiten entstehen, auf den Korpus zu übertragen, um so die Geige zum Klingen zu bringen. Die Saiten werden am unteren Rand des Korpus am Saitenhalter befestigt und dann mit den Wirbeln im Wirbelkasten in Spannung gebracht, damit sie nicht lose herunterhängen. Wiederum unten am Saitenhalter findet ihr auch die kleinen runden Feinstimmer, die helfen, die Geige zu stimmen.

Die Saiten der Geige werden normalerweise auf die Töne G, D, A und E gestimmt. Damit eine Saite höher klingt, muss sie stärker gespannt werden (umgekehrt gilt: weniger Spannung lässt die Saite tiefer klingen) und das schafft man, indem man entweder an einem der Wirbel dreht (es ist es gar nicht so einfach, dabei die genaue Tonhöhe zu treffen, deshalb nutzen meist nur die Profis diese Methode) oder am entsprechenden Feinstimmer der Saite, mit dem man ganz geringe Tonhöhenunterschiede erreicht.

Das Halten der Geige zwischen Kinn und Schulter wird durch den Kinnhalter erleichtert, der an der Zarge befestigt ist und über der Decke liegt. Außerdem benutzen die meisten Geiger und Geigerinnen eine Schulterstütze, die an den Rand des Bodens geklemmt und dann an die Schulter gelegt wird. Sie macht die Spielhaltung angenehmer, da sonst der Kopf sehr weit in Richtung der Schulter gedreht werden müsste, was auf Dauer recht unbequem sein kann. Der Bogen besteht aus einer Holzstange, über die Pferdehaare gespannt sind. Am unteren Ende des Bogens werden sie am sogenannten Frosch befestigt. Bevor man zu streichen beginnt, sollte man noch Kolophonium, das ist ein Baumharz, auf die Bogenhaare streichen, damit diese eine bessere Verbindung zu den Saiten der Geige haben und der Ton kräftiger klingt.

Glossar:

Ponticello

Das Wort Ponticello ist italienisch, heißt übersetzt Steg und bezeichnet das stehende Holzstück, über dem die Saiten von Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass verlaufen, um sie mit dem Korpus zu verbinden. Auf diesen überträgt der Steg die Schwingungen der Saiten, sodass der Ton lauter und voller klingt. Die Spieltechnik, bei der man mit dem Bogen ganz nah am Steg streicht, was einen leicht flirrenden Klang erzeugt, nennt man sul ponticello.

Vibrato

Als Vibrato bezeichnet man das leichte, gleichmäßige Schwingen eines Tons, der so lebendiger und ausdrucksvoller wirkt. Bei Streichinstrumenten wird das Vibrato durch das sachte oder auch starke Hin- und Herbewegen eines Fingers auf dem Griffbrett erzeugt. Es sieht fast als, als würde die Hand der Spieler zittern. Bei Blasinstrumenten und beim Singen entsteht das Vibrato durch das Schwingen des Zwerchfells, das wiederum die Luft zum Vibrieren bringt.

Improvisation

Von Improvisation spricht man im Bezug auf Musik dann, wenn die Musiker nicht nach vorgegebenen Noten spielen, sondern das, was ihnen spontan einfällt. Allein geht das, wenn man sein Instrument problemlos beherrscht, noch recht unkompliziert, aber wenn zum Beispiel in einer Jazzband improvisiert wird, müssen alle sehr genau aufeinander hören und reagieren, damit das Improvisierte nicht zu einem Chaos gerät. Dabei helfen meist harmonische Gerüste, also eine vorgegebene Folge von Akkorden, die dem Improvisierenden und den Mitspielern eine Orientierung bieten.

Biografie

Matthew Hunter wuchs inMassachusetts aus. Das ist ein Bundesstaat in den USA (sprich: Messe-tschu-sitts), der im Westen an den Staat New York grenzt und dessen Hauptstadt Boston ist. Hier erhielt Matthew seinen ersten Musikunterricht – als Siebenjähriger begann er Geige zu spielen –, wobei sich bereits zu dieser Zeit seine besondere Beziehung zu Berlin entwickelte: »Mein Lehrer Julian Olevsky war geborener Berliner, der 1934 mit seiner Familie emigrieren musste. Seit meinem siebten Lebensjahr habe ich seinen Berliner Klang in meinen Massachusetts-Ohren.« Zur Bratsche mit ihrem »Dunkel-schoko«-Ton griff Matthew allerdings erst nach seinem Musikstudium und gewann gleich einen wichtigen Wettbewerb für dieses Instrument. 1991 übernahm er im kanadischen Ottawa das Amt des Stellvertretenden Solobratschers im National Arts Centre Orchestra. Fünf Jahre später wurde der vielseitige Musiker, der auch Gitarre spielt, Bearbeitungen schreibt und in mehreren philharmonischen Kammermusikensembles musiziert, Mitglied der Berliner Philharmoniker. Mit großem Engagement beteiligt er sich seitdem an den Education-Projekten der Berliner Philharmoniker im In- und Ausland.

Als Dreijährige erhielt Leia Zhu eine Spielzeugvioline und hatte seitdem nur einen Wunsch: Geigerin zu werden. Gesagt, getan. Schon ein Jahr später spielte sie auf einem echten Instrument vor großem Publikum in der Newcastle City Hall. Dies ist ein großer Konzertsaal in der Stadt Newcastle upon Tyne im Nordosten von England, wo Leila 2006 geboren wurde. Natürlich ist eine so große Begabung etwas Besonderes, weshalb Leila mit ihren zehn Jahren bereits die Londoner Guildhall School of Music and Drama (Junior Guildhall) besucht und außerdem von einem berühmten Violin-Professor namens Itzhak Rashkovsky unterrichtet wird. Ihr Können präsentiert Leila als Gast berühmter Orchester bereits auf den großen Bühnen in ganz Europa. Wenn sie nicht musiziert, liebt sie es Bilder zu malen, zu tanzen, mit ihrem Fahrrad zu fahren, Schwimmen zu gehen und mit ihrem jüngeren Bruder Leo zu spielen.

Als Sinead Hayes sieben Jahre alt war, brachte ihr Vater eine Dreiviertel-Anfänger-Geige mit nach Hause. An diesem Tag begann ihre lebenslange Besessenheit auf alles, was mit diesem Instrument und mit Musik im Allgemeinen zusammenhing. Im Alter von 13 Jahren gewann die irische Geigerin das Irish Local Center Stipendium, das ihr ermöglichte, die Junior-Abteilung der Royal Irish Academy of Music in Dublin zu besuchen. 2008 beendete Sinead ihr reguläres Violin- und Kompositionsstudium an der Londoner City University sowie an der Guildhall School of Music and Drama. Anschließend absolvierte sie einen Dirigier-Masterstudium am Royal Northern College of Music in Manchester – und wurde gleich mit einem Preis als Dirigentin ausgezeichnet. Parallel zu ihrer Arbeit als Orchesterleiterin hat die Musikerin immer keltische Geige gespielt und ist mehrfache Preisträgerin bei irischen Musikwettbewerben. Sie leitet das Hard Rain Soloist Ensemble in Belfast und ist Musikdirektorin des irischen Jugendorchester Sym-Phonic Waves. Außerdem ist Sinead Gründerin des Huas Celtic Music Collective und in Irland und Berlin als Lehrerin tätig

Duoni Liu wurde 1989 in Shanghai geboren, einer der größten Städte der Erde, die im Mündungsgebiet des Jangtsekiang in das Ostchinesische Meer liegt. Hier begann sie im Alter von sieben Jahren die chinesische Geige Erhu zu spielen, die nur zwei Saiten hat und ganz anders aussieht, als die Violinen der Berliner Philharmoniker. Duoni war Mitglied des Shanghai Little Star Orchesters, eines Jugendorchesters für traditionelle chinesische Musik, das in ganz China Konzerte gibt. 2009 begann sie ihr Studium der Musik-Produktion an der pädagogischen Universität Shanghai. Das Erasmus-Förderprogramms der Europäischen Union führte Duoni dann 2011 nach Essen an die dortige Folkwang Universität der Künste. Seit 2012 studiert sie elektronische Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.

1882, also vor 135 Jahren, haben sich die Berliner Philharmoniker gegründet – heute ist es eins der besten Orchester auf der ganzen Welt. Die Musikerinnen und Musiker kommen aus 25 Nationen und sind allesamt herausragende Instrumentalisten. Sie spielen nicht nur in den zahlreichen Orchesterkonzerten in der Berliner Philharmonie, sondern gehen auch regelmäßig auf Reisen, um in den berühmtesten Konzertsälen der Welt zu gastieren. Außerdem treten die meisten Mitglieder der Berliner Philharmoniker wie im heutigen Konzert immer wieder in kleinen Besetzungen auf – im Berliner Kammermusiksaal sowie an anderen Orten der Welt. Einer der drei Ersten Konzertmeister der Berliner Philharmoniker ist Noah Bendix-Balgley, der als gebürtiger US-Amerikaner natürlich ein Baseball- und Basketball-Fan ist! Martin Stegner sitzt in der Bratschengruppe des Orchesters, es sei denn er widmet sich seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Jazz und der südamerikanischen Musik. Esko Laine spielt als Solobassist das größte und tiefste Streichinstrument im Orchester. Unterstützt werden die Musiker von der englischen Pianistin Helen Collyer, die seit 2007 als freiberufliche Liedbegleiterin, Solorepetitorin und Vocal Coach in Berlin lebt und regelmäßig bei den philharmonischen Education-Projekten zu erleben ist.

Esther Freymadl arbeitet seit 1996 als Geigenlehrerin, seit 2002 an der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin Zehlendorf. Sie unterrichtet nach der Suzuki-Methode, die Kindern ab ca. drei Jahren den direkten Einstieg in den Instrumentalunterricht ermöglicht und nach der so bedeutende Geigerinnen wie Leila Josefowicz, Hilary Hahn und Julia Fischer ihre erste Ausbildung erhalten haben.

Tiernan Fahy ist Weltmeister im Tanzen! 2015 gewann er seinen ersten Weltmeistertitel im irischen Tanz im kanadischen Montreal und verteidigte ihn ein Jahr später in Schottland. Die Tänzerin Fiona Guinan gewann ihren ersten Junior-Solo-Regionaltitel im Alter von sechs Jahren, auf den zahlreiche Gold-, Silber- und Bronze-Team-Titel folgten.

Janet Kirsten studierte Kulturarbeit an der Fachhochschule in Potsdam, wo sie anschließend auch als Dozentin unterrichtet hat. Außerdem war sie viele Jahre Ausstatterin am Theater »Poetenpack« Potsdam. Seit 2006 ist sie freiberuflich als gefragte Kulturarbeiterin tätig. Sie entwirft sowohl Kostüme als auch Bühnenbilder und ist im Management sowie als Autorin und Regisseurin für Theater, Film und die Berliner Philharmonie tätig.

(Foto: Jan von Holleben)