Daishin Kashimoto (Foto: Sebastian Hänel)

Kammermusik

Kammermusik mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker

Der philharmonische Cellist Stephan Koncz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Orchester- und Kammermusiker, sondern auch ein gewandter Arrangeur. Für seine Kollegen, den Soloflötisten Emmanuel Pahud und den Soloklarinettisten Andreas Ottensamer, hat er eine Paraphrase über Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto geschrieben, außerdem Antonín Dvořáks Amerikanisches Quartett für Flöte und Streicher eingerichtet. Zum weiteren Programm dieses ungewöhnlichen Kammermusikabends gehören u. a. Mozarts Flötenquartett D-Dur und das Klarinettenquintett von Carl Maria von Weber.

Daishin Kashimoto Violine

Maja Avramović Violine

Joaquín Riquelme García Viola

Stephan Koncz Violoncello

Emmanuel Pahud Flöte

Andreas Ottensamer Klarinette

Wolfgang Amadeus Mozart

Flötenquartett D-Dur KV 285

Antonín Dvořák

Streichquartett F-Dur op. 96 »Amerikanisches Quartett« (Bearbeitung für Flöte, Violine, Viola und Violoncello von Stephan Koncz)

Stephan Koncz

Paraphrase über Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto KV 87 für Flöte, Klarinette und Streicher

Heitor Villa-Lobos

Chôros Nr. 2 für Flöte und Klarinette

Carl Maria von Weber

Klarinettenquintett B-Dur op. 34

Termine und Karten

Mi, 13. Jun 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Sonderkonzert Kammermusik

Programm

Das »Amerikanische« Streichquartett gehört zu den bekanntesten Kammermusikwerken Antonín Dvořáks. Es ist ein heiteres und gelöstes Werk in der Pastoraltonart F-Dur, mit dem der Komponist erklärtermaßen die Traditionslinie des klassischen Streichquartetts fortsetzen wollte: »Als ich dieses Quartett […] schrieb«, so Dvořák, »wollte ich einmal etwas ganz Melodisches und Einfaches niederschreiben, und immerfort hatte ich Väterchen Haydn vor Augen, und deshalb ist es im Geist so einheitlich ausgefallen.« Cellist Stephan Koncz hat Dvořáks Geniestreich für Flöte, Violine, Viola und Violoncello arrangiert, sodass sein philharmonischer Kollege Emmanuel Pahud in diesem Konzert in die Rolle eines Streichquartett-Primarius schlüpfen kann.

Zuvor steht Wolfgang Amadeus Mozarts Flötenquartett D-Dur KV 285 auf dem Programm – ein inniges und melodisches Werk, dessen Mittelsatz zu keinem wirklichen Abschluss findet, sondern direkt zum finalen Rondo überleitet, in dem ein wahres melodisches Feuerwerk gezündet wird. Weiter an diesem Abend vertreten: eine Opernparaphrase aus Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto für Flöte, Klarinette und Streicher, erneut aus der Feder von Stephan Koncz. Das Bühnenwerk, Mozarts erste Opera seria voller ergreifender Verzweiflungsszenen, pathetischen Abschieden und furiosen Zornesausbrüchen, hatte am 26. Dezember 1770 in Mailand Premiere und wurde etwa 20 Mal vor vollem Haus wiederholt: »Die Opera unseres Sohnes«, schrieb Leopold Mozart nicht ohne Stolz am 5. Januar 1771 nach Salzburg, »gehet mit allgemeinen Beyfall forth […].«

Mehr als 150 Jahre später entstand Heitor Villa-Lobos’ Chôros Nr. 2 für Flöte und Klarinette, das mit seinen unablässig wechselnden Taktarten und verschiedenen Rhythmen, die gleichzeitig erklingen, wie eine spontane Improvisation wirkt. Abgerundet wird der abwechslungsreiche Abend mit Carl Maria von Webers vor Vitalität nur so strotzendem Klarinettenquintett op. 34, in dem die von Andreas Ottensamer gespielte Klarinettenstimme mit brillanten, koloraturartigen und weit gespannten Läufen klar im Mittelpunkt steht.

Über die Musik

»Vor allem wünsch ich ihm ’ne höllische Lunge«

Kammermusik für Flöte, Klarinette und Streicher

Wolfgang Amadeus Mozarts Flötenquartett D-Dur KV 285 …

Von Oktober des Jahres 1777 bis März 1778 hielt sich Wolfgang Amadeus Mozart in Mannheim auf. Obwohl seine Hoffnung auf eine feste Anstellung unerfüllt bleiben sollte, erwies sich diese Zeit sowohl in musikalischer als auch in biografischer Hinsicht als folgenreich. Der Hof des Kurfürsten Karl Theodor verfügte über eins der besten Orchester der Epoche, Komponisten der sogenannten Mannheimer Schule wie Johann, Carl und Anton Stamitz oder Christian Cannabich beeinflussten die Entwicklung des klassischen Stils entscheidend durch die Etablierung des Crescendos und die Einführung neuer klangsprachlicher Elemente.

Mozarts Aufenthalt ist durch die Korrespondenz mit seinem Vater Leopold gut dokumentiert. So berichtete der Komponist in einem Brief vom Dezember 1777 in der kuriosen Rechtschreibung der Zeit von einem Auftrag, »3 kleine, leichte, und kurze Concertln und ein Paar quattro auf die flötte« zu schreiben. Als Gegenleistung stand das fürstliche Honorar von 200 Gulden in Aussicht. Wie viele Flötenwerke Mozart in Mannheim tatsächlich komponiert hat, ist in der Forschung bis heute umstritten. Jedenfalls waren es weniger als verabredet, und die Entlohnung betrug am Ende nicht einmal die Hälfte der erwarteten Summe, was den Vater sehr erzürnte. Die Säumigkeit des jungen Musikers verdankte sich wesentlich dem Umstand, dass er viel Zeit mit Aloysia Weber verbrachte, in die er sich verliebt hatte. Aloysia war schon mit 16 Jahren eine vielversprechende Sopranistin und die Schwester von Mozarts späterer Ehefrau Constanze (außerdem eine Cousine von Carl Maria von Weber). Im selben Zusammenhang reagierte der Komponist auf die Vorhaltungen seines Vaters mit der Äußerung, er habe es satt, »immer für ein Instrument das ich nicht leiden kann« schreiben zu sollen. Die Behauptung wirkt angesichts der wunderschönen Konzerte und Quartette, die Mozart für die Flöte komponierte, wenig nachvollziehbar. Sie sollte wohl auch als Ausrede für den Einkommensverlust herhalten. Allerdings traf es das professionelle Ohr tatsächlich empfindlich, dass das damals noch intonatorisch heikle Instrument von so vielen Laienmusikern der Zeit gespielt wurde.

Das D-Dur-Flötenquartett KV 285 ist der längste und bekannteste Gattungsbeitrag Mozarts. Der Beginn des ersten Satzes klingt wie ein Vorecho seines viel später entstandenen Klarinettenkonzerts des Komponisten. Gewicht erhält der heitere Satz durch eine nach Moll gewendete Durchführung. Das folgende Adagio ist ein sehnsuchtsvoll-lichter Sologesang der Flöte über einer serenadenhaft-gezupften Begleitung der Streichinstrumente. Die zahlreichen Seufzermotive verraten den stilistischen Einfluss der »Mannheimer Schule«, der harmonisch offene Schluss legt nahe, dass die Flöte hier mit einer Kadenz zum Finale überleiten soll. Wie schon das erste Thema des Kopfsatzes ist auch das Rondothema des letzten durch die Gegenüberstellung von punktiertem Rhythmus und Sechzehntelfiguren geprägt.

… und das Duett »Se viver non deggʼio« aus Mozarts Oper Mitridate

Die erste Begegnung von Querflöte und Klarinette in diesem Programm ist in der Paraphrase eines Duetts aus Mozarts in der Antike angesiedelten, 1770 entstandenen Oper Mitridate zu erleben. Sifare, der Sohn Mitridates, hat sich in dessen Verlobte Aspasia verliebt. Erst nach vielen Intrigen kommen die Liebenden am Ende der Oper zusammen, als der sterbende König dem Paar seinen Segen erteilt. Im Duett »Se viver non deggʼio« (»Wenn ich nicht leben darf«), das am Ende des zweiten Akts steht, versichern Sifare und Aspasia einander, gemeinsam in den Tod zu gehen. Das Stück ist von Melodienreichtum ebenso charakterisiert wie von effektvollen Koloraturen und bezeugt die hohe Kunst des im Entstehungsjahr gerade 14 Jahre alten Komponisten.

Das Amerikanische Quartett von Antonín Dvořák

Als Antonín Dvořák 1892 seine Arbeit als Direktor am National Conservatory of Music in New York aufnahm, war er damit der erste berühmte europäische Komponist, der für einige Jahre hauptberuflich in Amerika arbeitete. (15 Jahre später wurde Gustav Mahler als Dirigent an die Metropolitan Opera verpflichtet.) Nicht zuletzt finanzielle Erwägungen hatten dazu beigetragen, dass der tschechische Komponist das Angebot des Ostküsten-Konservatoriums nach reiflicher Überlegung annahm: Jeannette Thurber, Gründerin und Präsidentin der jungen Institution, war bereit, die Anstellung bei überschaubaren Lehrverpflichtungen mit jährlich 15.000 Dollar zu vergüten; das entsprach etwa dem 25-fachen dessen, was er als Kompositionslehrer am Prager Konservatorium verdient hatte. Die Verpflichtung des neuen Direktors stellte aber nicht nur eine ideale Kooperation von amerikanischem Privatvermögen und europäischem Kultur-Prestige dar: Thurbers Wahl war nicht zuletzt deswegen auf Dvořák gefallen, weil er die europäische Szene von der östlichen Peripherie aus erobert hatte. Da er der tschechischen Musiknation zu internationalem Ansehen verholfen hatte, erschien er als idealer Geburtshelfer einer genuin amerikanischen Tonsprache.

Das amerikanische Abenteuer endete nach drei Jahren in gedämpfter Stimmung, zu Beginn aber war Dvořák von der neuen Welt, von dem warmherzigen Empfang sowie dem Jubel nach der Uraufführung seiner Neunten Symphonie begeistert. Eine Linderung des stets empfundenen Heimwehs boten zudem die Sommermonate des Jahres 1893 in Spillville. Der Ort liegt zwar im tiefsten Iowa, der Komponist war hier aber nicht nur von seiner Familie, sondern auch von zahlreichen dorthin ausgewanderten Landsleuten umgeben. Jeden Morgen spielte er auf der Orgel der Dorfkirche, unternahm ausgedehnte Spaziergänge und komponierte in kurzer Zeit sein Amerikanisches Quartett. »Stellen Sie sich vor, ich ging dort im Wald den Bach entlang und habe nach acht Monaten die Vögel wieder singen gehört!«, äußerte er gegenüber seiner Vermieterin. Der Gegensatz zum Großstadtleben in New York hat sich dem Werk tief eingeprägt. Von kunstvoller Schlichtheit sind Themenbildung und Dramaturgie des mit einer Spieldauer von etwa 25 Minuten eher kurzen Quartetts: Das emotionale Zentrum liegt im ausgedehnten langsamen Satz; Scherzo und Finale sind bewusst knapp gefasst. Zudem ist das gesamte Stück durch eine Tendenz zur Pentatonik gekennzeichnet: Von den sieben Tönen der Dur- oder Moll-Skala werden in der Themenbildung nur fünf in Anspruch genommen. Ebenso auffällig ist der weitgehende Verzicht auf die Verwendung des Leittons – dem Halbtonschritt, der von der siebten Stufe zur Oktave drängt. Beide Aspekte tragen entscheidend zum sowohl folkloristischen als auch pastoralen Charakter der Komposition bei, wie Hartmut Schick in seinen Studien zu Dvořáks Streichquartetten ausgeführt hat.

Naturstimmung evoziert gleich am Anfang der im Piano beginnende erste Satz: Ein Orgelpunkt auf der Quinte der Grundtonart im Cello und eine Sechzehntelfigur in den Geigen setzen den F-Dur-Akkord zusammen, der auf diese Weise inszeniert den Eindruck von Ruhe und sanfter Bewegung zugleich vermittelt. Das von der Bratsche vorgestellte erste Thema hat in dieser Umgebung die Anmutung eines Ausflugs in der Morgenfrische. Der Seitensatz markiert in idyllisch-lyrischem Ton den Moment des Einhaltens. Einem kurzen Fugato in der Durchführung folgt eine schwärmerisch auskomponierte Überleitung zur Reprise.

Im langsamen Satz legen Begleitfiguren und Pizzicati einen Klangteppich aus für das von unerschöpflichem Atem getragene Hauptthema, das von der ersten Geige vorgestellt und vom Cello wiederholt wird, bevor sich im Mittelteil ein intensiver Dialog der Instrumente entspinnt: Cello und zweite Geige versehen den Gesang der ersten mit Einwürfen, um ihr in anderen Passagen schließlich als Duettpartner zu sekundieren. Ein letztes Mal spielt das Cello das Thema, dann klingt Satz im dreifachen Piano aus. Das kurze Scherzo beginnt mit einem synkopischen Motiv im Unisono, das Trio weicht nach Moll aus und enthält eine Variante des Satzbeginns. Eine in der hohen Lage der ersten Geige notierte Floskel hat Dvořák auf einem seiner Spaziergänge einem Vogel abgelauscht. Das Finale beschließt mit tänzerischem Schwung und ostinaten Rhythmen das unwiderstehliche Werk.

Wegen des pastoralen Charakters und der Vogelmotive scheint das von Stephan Koncz unternommene Experiment reizvoll, das Amerikanische Quartett für Querflöte und Streichtrio zu bearbeiten. Dafür spricht auch die in ungewöhnlich hoher Lage notierte Stimme der ersten Violine. Über diese soll sich Dvořák selbst bei seinem Komponisten-Ich beschwert haben, als er versuchsweise einmal den Part des Primarius übernahm.

Chôros Nr. 2 für Flöte und Klarinette von Heitor Villa-Lobos

Die Querflöte verfügt in Barock und Frühklassik über ein reiches Repertoire und wird dann in der Moderne noch einmal neu entdeckt. Naturhafter Klang, Leuchtkraft in der Höhe und herb-körperliches Timbre im tiefen Register fesselten Komponisten wie Claude Debussy und Maurice Ravel; auch die surreale Stimmung in Arnold Schönbergs Pierrot lunaire ist wesentlich von der Beteiligung dieses Instruments geprägt.

Im Duett mit der Klarinette inszeniert Heitor Villa-Lobos die Flöte in einem nur knapp drei Minuten langen, Stück, das in den 1920er-Jahren entstanden ist. In dieser Zeit hatte der brasilianische Komponist seinen Wohnsitz nach Paris verlegt. Das Werk ist die zweite Nummer eines vielteiligen Zyklus für verschiedene Besetzungen, dessen Titel Chôros auf eine spezifische Form brasilianischer Straßenmusik verweist. Improvisatorisch wirkende Leichthändigkeit und kunstvolle Konstruktion verschränken sich hier denn auch auf faszinierende Weise. In fliegendem Wechsel tauschen beide Instrumente die Rollen von Solist und Begleiter, gegen die Taktschwerpunkte verschobene Akzente, Dissonanzen, harmonische Ambivalenz und rhythmisch pointierte Figuren entfalten auf engem Raum einen beeindruckenden Gestaltenreichtum.

Das Klarinettenquintett B-Dur op. 34 von Carl Maria von Weber

Die Besetzung der bedeutenden Kammermusikliteratur des 19. Jahrhunderts ähnelt einem exklusiven Club, der Gästen nur unter besonderen Bedingungen Zutritt gewährt: Neben dem Klavier (dem Instrument fast aller großen Komponisten der Epoche) sind in ihr nur Mitglieder der Streicherfamilie ständig vertreten. Ein Holzblasinstrument konnte sich allerdings in diesem Umfeld eindrucksvoll behaupten und regelmäßig die Tür zur verschworenen Gemeinschaft passieren: die Klarinette. Schon Mozart hatte sie mit beglückendem Ergebnis unter anderem in seinem großen A-Dur-Quintett zum Einsatz gebracht; später begegnet sie uns dann in Kammermusikwerken des mittleren Beethoven, des frühen Mendelssohn und späten Brahms, bei Carl Maria von Weber und Robert Schumann.

Wie Mozart vor und Brahms nach ihm ließ sich auch Carl Maria von Weber von einem großen Virtuosen der Zeit zu seinen Werken für dieses Instrument inspirieren: von Heinrich Joseph Baermann, dem langjährigen ersten Klarinettisten der Münchner Hofkapelle. Für ihn schrieb Weber unter anderem ein Concertino, zwei Konzerte und das Quintett in B-Dur. Was den Komponisten an dem Musiker und seinem Instrument faszinierte, hat John Warrack in seiner Weber-Biografie von 1968 erläutert: »In Baermanns Klarinette fand Weber ein Instrument, das […] sowohl die dunkle romantische Melancholie als auch die äußerliche Brillanz seines eigenen Wesens auszudrücken verstand.« Die Entstehungszeit des Quintetts reicht in das Jahr 1811 zurück, als Weber und Baermann eine ausgedehnte gemeinsame Konzertreise mit Stationen unter anderem in Prag und Berlin unternahmen. Vollendet wurde die Komposition aber erst vier Jahre später in München.

Das Quintett beginnt in ernster Stimmung mit Akkorden der Streicher und einem sich anschließenden knappen Achtelmotiv, das den ersten Auftritt der Klarinette vorbereitet: Diese setzt im Pianissimo ein und präsentiert damit gleich zu Anfang die besondere Qualität des Instruments, Töne wie magisch aus dem Nichts hervortreten lassen zu können. Das beschwingt-humoristische Hauptthema lässt im Kontrast zum verhaltenen Beginn ein wenig an Rossini denken, wie überhaupt der Gegensatz zwischen unbeschwerter Spielfreude und nächtlicher Lyrik die bezaubernde Eigenart des Werks bestimmt. Das Adagio ist ein betörender Gesang, der auf den Komponisten der Agathe-Arien im Freischütz vorausweist. Einen großartig experimentellen Eindruck ruft eine chromatische Skala aus der tiefsten Tiefe zur höchsten Höhe der Klarinette hervor, die zunächst im Forte und anschließend im leisest möglichen Pianissimo vorgetragen werden soll. Der Scherzo-Satz zeigt rhythmische Raffinesse und lässt ein sprudelndes Achtelmotiv zwischen Klarinette und Cello hin- und herspringen. Wie die zuvor gehörten Werke von Mozart und Dvořák endet auch Webers Quintett mit einem Rondo, in dem die durchgehend geforderte Virtuosität bis zum effektvollen Schluss noch einmal beträchtlich gesteigert wird.

Das Gedicht, das Weber zum Namenstag seines »Clarinettengenies« Baermann 1811 verfasste, ist vielleicht keine Lyrik der obersten Kategorie, vermittelt aber immerhin einen Eindruck von den spieltechnischen Schwierigkeiten, die der Komponist dem Virtuosen in solchen Passagen zu bereiten gedachte: »Vor allem wünsch ich ihm ’ne höllische Lunge / womit sich verbind’ unermüdliche Zunge / die Lippen so dauernd wie Elends Leder / die Finger so springend wie eine UhrFeder«.

Benedikt von Bernstorff

Biografie

Emmanuel Pahud wurde in Genf geboren und erhielt als Sechsjähriger den ersten Flötenunterricht. Später studierte er in Brüssel und am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique bei Michel Debost; sein Können vervollkommnete er bei Aurèle Nicolet in Basel. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen gewann Emmanuel Pahud erste Preise bei den Internationalen Musikwettbewerben in Genf (1992), Kobe (1989) und Duino (1988). Orchestererfahrung sammelte er als Soloflötist im Radio-Sinfonieorchester Basel und bei den Münchner Philharmonikern, bevor er 1993 als Soloflötist zu den Berliner Philharmonikern kam. Zwischenzeitlich Professor am Genfer Konservatorium, kehrte Emmanuel Pahud im April 2002 zum Orchester zurück. Als Solist konzertiert er weltweit mit den großen Orchestern sowie als Kammermusiker in verschiedenen Ensemblebesetzungen. Für seine zahlreichen Einspielungen hat Emmanuel Pahud bedeutende Preise erhalten. Im Juni 2009 wurde er zum »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres« ernannt und im April 2011 zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music.

Andreas Ottensamer, in Wien geboren, begann zunächst ein Cellostudium an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst, 2003 wechselte er ins Klarinettenfach zu Johann Hindler. Bereits 2006 spielte Andreas Ottensamer als Substitut im Orchester der Wiener Staatsoper. Er war Mitglied im Gustav Mahler Jugendorchester und im Verbier Festival Orchestra. Im Oktober 2009 unterbrach er ein »Liberal Arts«-Studium an der Harvard University, um der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker beizutreten. Von Juli 2010 an war Andreas Ottensamer Soloklarinettist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, bevor er im März 2011 die gleiche Position bei den Berliner Philharmonikern übernahm. Der Preisträger zahlreicher Wettbewerbe gastiert bei Orchestern wie den Wiener Philharmonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest und der Kammerphilharmonie Bremen. Hinzu kommen künstlerische Partnerschaften mit Janine Jansen, Leonidas Kavakos, Murray Perahia, Leif Ove Andsnes, Sol Gabetta und Yo-Yo Ma. Seit 2013 ist Andreas Ottensamer gemeinsam mit dem Pianisten José Gallardo künstlerischer Leiter des Schweizer Bürgenstock Festivals.

Daishin Kashimoto, in Japan, Deutschland sowie in den USA aufgewachsen, erhielt seinen ersten Geigenunterricht in Tokio. Bereits mit sieben Jahren kam er an das Pre-College der Juilliard School of Music in New York und 1990 zunächst als Jung-, später als Vollstudent an die Musikhochschule Lübeck zu Zakhar Bron. Von 1999 bis 2004 wurde er zudem von Rainer Kussmaul an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau unterrichtet. Daishin Kashimoto war Erster Preisträger u. a. des Fritz-Kreisler-Wettbewerbs Wien und des Concours International Long-Thibaud Paris. Er hat solistisch weltweit mit vielen Orchestern zusammengearbeitet, darunter mit dem Boston Symphony Orchestra, dem Orchestre National de France, den Symphonieorchestern des Bayerischen und des Hessischen Rundfunks und der Staatskapelle Dresden. Kammermusikalisch tritt er u. a. mit Martha Argerich, Yuri Bashmet, Itamar Golan, Konstantin Lifschitz und Tabea Zimmermann auf. Seit September 2009 ist Daishin Kashimoto Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. In deren Symphoniekonzerten war er wiederholt auch als Solist zu erleben. Seit 2007 ist Daishin Kashimoto künstlerischer Leiter des Le Pont-Musikfestivals, das in Ako und Himeji (Japan) stattfindet.

Maja Avramović wurde in Niš (Serbien) geboren und begann ihre musikalische Ausbildung im Alter von sechs Jahren in einem Internat für Musiktalente, an dem sie 1981 ein Violin-Diplom erwarb; während dieser Zeit war sie mehrfach Erste Preisträgerin bei nationalen Wettbewerben. Nach ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland studierte die Musikerin bis zur Künstlerischen Reifeprüfung in der Meisterklasse von Igor Ozim und war die erste Stipendiatin der Ivo-Pogorelich-Stiftung. Ihr Können vervollkommnete sie anschließend bei Hermann Krebbers in Amsterdam. Maja Avramović musizierte mit diversen Orchestern, bevor sie 1994 zu den Berliner Philharmonikern kam. Die Geigerin ist auch kammermusikalisch tätig, u. a. mit dem Divertimento Berlin, den Brüdern Renaud und Gautier Capuçon, dem Klarinettisten Paul Meyer und ihrem ehemaligen Kollegen Guy Braunstein.

Joaquín Riquelme García erhielt als Achtjähriger den ersten Bratschenunterricht. Seine Ausbildung bei Emilio Mateu und Alan Kovacs am Real Conservatorio Superior de Música de Madrid schloss er später mit Auszeichnung ab. Von 2005 bis 2008 folgte ein Aufbaustudium zum Konzertexamen bei Hartmut Rohde an der Universität der Künste Berlin. Darüber hinaus besuchte Joaquín Riquelme García Meisterkurse u. a. bei Jesse Levine und Jean Sulem. Seine Orchesterlaufbahn begann er als stellvertretender Stimmführer im Orquestra Simfònica de Barcelona. Von dieser Position wechselte er im Februar 2010 zu den Berliner Philharmonikern. Zudem ist der Bratschist immer wieder solistisch zu erleben, etwa mit der Philharmonie Baden-Baden sowie dem Orquesta Sinfónica del Principado de Asturias. Kammermusikalisch arbeitete er mit verschiedenen Ensembles und Musikern zusammen, beispielsweise mit Christian Zacharias, Natalie Chee und Mikhail Kopelman.

Stephan Koncz stammt aus einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie und begann als Achtjähriger ein Violoncello-Studium an der Musikhochschule in seiner Heimatstadt Wien. Im Jahr 2000 wechselte er zu Róbert Nagy ans dortige Konservatorium und belegte von 2002 an auch die Fächer Komposition und Dirigieren an der Wiener Universität. Meisterkurse bei Daniel Barenboim, Steven Isserlis, Heinrich Schiff und Tamás Varga setzten weitere wichtige Impulse. 2006 wurde Stephan Koncz Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Der Preisträger mehrerer renommierter Wettbewerbe ist als Solist und Kammermusiker beispielsweise in Wien im Musikverein und im Konzerthaus sowie in der Berliner Philharmonie aufgetreten; künstlerische Partnerschaften verbinden ihn u. a. mit Julian Rachlin, Dmitri Sitkovetsky und Maxim Vengerov. Im September 2010 wurde Stephan Koncz, der zuvor zwei Jahre Mitglied im Wiener Staatsopernorchesters war, in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen, in deren Kammermusik-Ensembles er sich ebenfalls engagiert (Berliner Barock Solisten, Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, Brahms Ensemble Berlin).

Daishin Kashimoto (Foto: Sebastian Hänel)

Stefan Koncz (Foto: Sebastian Hänel)