Brahms Ensemble Berlin (Foto: Alessandro Cappone)

Kammermusik

Vom Duo bis Quintett

Für dieses Konzert hat sich das Brahms Ensemble Berlin gleich zwei prominente Gäste eingeladen: Radek Baborák, ehemaliger Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker, und den Pianisten Martin Helmchen. Mit letzterem führt das Ensemble das berühmte Klavierquintett von Robert Schumann auf, von dem Schumanns Frau Clara begeistert schieb: »Ein Werk voll Kraft und Frische!« Radek Baborák spielt den Hornpart in jenem Trio, das Johannes Brahms unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter komponiert hat. Eröffnet wird der Abend mit der Hornsonate F-Dur von Joseph Haas.

Brahms Ensemble Berlin

Martin Helmchen Klavier

Radek Baborák Horn

Joseph Haas

Sonate für Horn und Klavier F-Dur op. 29

Johannes Brahms

Horntrio Es-Dur op. 40

Robert Schumann

Klavierquintett Es-Dur op. 44

Termine und Karten

Mo, 28. Mai 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

»Ich möchte mein Klavier zerschlagen«, schrieb Robert Schumann einmal in das zusammen mit seiner Frau Clara geführte Tagebuch – ein unmissverständliches Zeugnis der unterschwelligen Spannungen, von denen die ersten Ehejahre der Schumanns begleitet wurden. Nicht genug, dass der Komponist seiner Gattin den Erfolg als Pianistin neidete, weil es mit seinem Selbstverständnis unvereinbar war, dass eines von Claras Konzerten mehr Geld in die Haushaltskasse brachte, als ein halbes Jahr eigener publizistischer und kompositorischer Arbeit. Dem Tagebuch ist außerdem zu entnehmen: Die »leichten Wände« des gemeinsam bewohnten Hauses machten es unmöglich, dass beide Eheleute gleichzeitig ihrer Arbeit nachgingen.

Vorhang auf für folgende Szene: Robert sitzt im Arbeitszimmer und will komponieren. Weil Clara aber im Nebenzimmer übt, kann er vor lauter Tonleitern und Akkordketten keinen klaren musikalischen Gedanken fassen. Bleiben ihm zwei Möglichkeiten: Entweder die Feder beiseite legen, bis Clara ihre Etüden beendet hat und sich wieder Kindern und Küche (Robert zufolge der »Hauptberuf« seiner Frau) widmet – oder aus der Not eine Tugend machen und die Klangkaskaden aus dem Nebenzimmer in einer Komposition verarbeiten. Als er im Herbst 1842 an dem dritten Satz seines Klavierquintetts op. 44 arbeitete, entschied sich Schumann offensichtlich für die letztgenannte Möglichkeit: Denn klingt es nicht wie ein liebevoller Seitenhieb auf Claras Etüdenspiel, dass das Thema dieses Scherzos aus einer rhythmisierten Es-Dur-Tonleiter besteht, die in endlosen Sequenzen auf und ab durch diverse Tonarten geschickt wird?

Das Clara gewidmete Klavierquintett von Schumann bildet den zweiten Programmteil dieses Konzertes des 2010 von philharmonischen Streichern gegründeten Brahms Ensemble Berlin; am Klavier ist als Gast der 1982 in Berlin geborene Pianist Martin Helmchen zu hören. Vor der Pause interpretiert Helmchen mit dem ehemaligen philharmonischen Solohornisten Radek Baborák außerdem die Sonate op. 29 von Joseph Haas sowie – zusammen mit Baborák und Rachel Schmidt an der Violine – das 1865 entstandene Horntrio op. 40 von Schumann-Freund Johannes Brahms.

Über die Musik

»Hörst du nicht das Waldhorn blasen …«

Kammermusik von [Joseph] Haas, [Johannes] Brahms und [Robert] Schumann

Die Sonate für Horn und Klavier op. 29 von Joseph Haas

Joseph Haas gehört zu jenen fast Vergessenen, deren Kompositionen – wenn sie denn aufgeführt werden – eine erstaunliche Leuchtkraft entwickeln. Eine Leuchtkraft, die des Komponisten Credo entspricht: »Die Musik soll erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren.« Diesem Leitsatz hat er eine klingende »Gestalt« gegeben: in seinen vokalen, namentlich den zahlreichen geistlichen Schöpfungen, in seinen Opern, den Orchester-, Klavier- und Orgelwerken und nicht zuletzt in seiner Kammermusik, darunter die Sonate für Horn und Klavier op. 29, die im heutigen Konzert erklingt.

Die deutsche Geschichte hat auch dem Leben von Joseph Haas nachdrücklich ihren Stempel aufgedrückt, zunächst allerdings nur sehr sanft: Geboren 1879 in Maihingen bei Nördlingen im damaligen Königreich Bayern, wächst der Sohn eines Lehrers in einer musizierfreudigen Familie mit der Haus- und Kirchenmusik seiner Zeit auf. Nach der Ausbildung zum Volksschullehrer und der Tätigkeit in diesem Beruf wird er 1904 Privatschüler von Max Reger in München. Hier beschäftigt Haas sich intensiv mit dessen differenzierter Ästhetik, »die die Relativität und Zeitgebundenheit der Begriffe Schönheit und Hässlichkeit, Natur und Unnatur, Fortschritt und Reaktion herausstellt«. (Susanne Popp) Eine Auseinandersetzung, die sich später in seinen eigenen Grundprinzipien widerspiegeln sollte. Als Reger 1907 als Professor einer Kompositionsklasse ans traditionsreiche Leipziger Konservatorium berufen wird, geht auch Haas nach Leipzig. Neben Reger werden Karl Straube, der Organist der Leipziger Thomaskirche, sowie der Pianist und Komponist Adolf Ruthardt prägende Lehrer für ihn – so erfolgreich, dass er 1909 für seine Violinsonate op. 21 auf dem Stuttgarter Tonkünstlerfest mit dem Arthur-Nikisch-Stipendium ausgezeichnet wird. 1911 erhält er einen Ruf als Theorielehrer an das Stuttgarter Konservatorium, zehn Jahre später wechselt er an die Akademie der Tonkunst in München. Dort leitet er bis zu seinem Ruhestand 1950 als Ordentlicher Professor eine Kompositionsklasse (zu seinen Schülern gehören u. a. Karl Amadeus Hartmann und Karl Höller sowie die späteren Dirigenten Eugen Jochum und Wolfgang Sawallisch). Von 1925 an steht Haas zudem der Katholischen Kirchenmusik-Abteilung an der Akademie vor. Bereits während seines langen Lebens wird Haas mit zahlreichen Ehrungen, Preisen und Auszeichnungen bedacht, 1960 stirbt er in München. Nicht zuletzt die 1949 anlässlich seines 70. Geburtstags gegründete Joseph-Haas-Gesellschaft setzt sich für das Œuvre ihres Namensgebers ein und fördert junge Komponisten, »deren Schöpfungen mit Joseph Haas verbunden sind«.

1921 werden die Donaueschinger Kammermusik-Aufführungen zur Förderung zeitgenössischer Tonkunst ins Leben gerufen – ein Musikfest, dessen Veranstalter sich ausschließlich für Werke noch unbekannter oder umstrittener Komponisten einsetzen wollen und dessen »Arbeitsausschuss« Haas leitet. Folglich gehört er 1924 auch zu den Gründungsmitgliedern der Donaueschinger Kammermusik-Feste für Neue Musik. 1930 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin, doch bald nehmen ihn die Nationalsozialisten ins Visier: als »Fortschrittsapostel« wegen seines Engagements in Donaueschingen, als »Romhöriger« wegen seines praktizierten katholischen Glaubens. Nach 1945 wird er eine prägende Figur im Münchner Musikleben und überführt die dortige Akademie der Tonkunst als deren Präsident in eine Hochschule für Musik.

Die Sonate für Horn und Klavier op. 29 aus dem Jahr 1910 markiert eine Wegscheide in Haas’ kompositorischer Entwicklung. Er löst sich vom Vorbild Max Reger und findet seinen eigenen, sich stets in tonalem Rahmen bewegenden Stil: sangliche, frei schwingend-melodische Erfindungen, volksliedhafte Themen, für die das Horn – jenes »himmlische Instrument« (Christian Friedrich Daniel Schubart) – der ideale Partner ist. Genauso wie für das »süßmelancholische Gefühl« (ebd.), dass das Larghetto verströmt. Doch auch der »spitzweghafte« Humor, den die Zeitgenossen an Haas’ Werken so schätzten, ist hier bereits zu finden, wenn sich im Finale zwischen den beiden Partnern eine gewitzte Konversation entwickelt – ein Zwiegespräch, bei dem jeder der beiden Protagonisten seine spezielle Eigenart bewahrt. Die Sonate ist »Herrn Prof. Schmid-Lindner in dankbarer Erinnerung an seine Verdienste um die Pflege der Kammermusik für Blasinstrumente zugeeignet«. August Schmid-Lindner war damals als Pianist und Komponist an der Münchner Akademie der Tonkunst tätig. Erschienen ist die Sonate in der allerersten Ausgabe der Horn-Serie im Rahmen der Edition Schott als COR 1.

Das Trio Es-Dur für Klavier, Violine und Horn op.40 von Johannes Brahms

Das Leben von Johannes Brahms wird von der Kammermusik gleichsam »eingerahmt«: 1853/1854 entsteht mit dem Klaviertrio H-Dur op. 8 sein erstes zum Druck freigegebenes Kammermusikwerk, von dem er 35 Jahre später, 1889/1890 eine zweite Fassung erarbeitet. Mit dem Klarinettentrio a-Moll op. 114 komponiert er 1891 einen seiner letzten kammermusikalischen Beiträge. Doch auch zwischen diesen beiden Eckpfeilern beschäftigt er sich immer wieder ausführlich und nachdrücklich mit dem intimen Genre. Im Musikleben seiner Zeit war er damit ein Außenseiter. Denn eben gerade nicht die kleiner besetzten instrumentalen Gattungen, sondern die Symphonik und ganz besonders die Symphonische Dichtung lisztscher Prägung sowie das Musikdrama Richard Wagners schienen den Weg in die Zukunft zu weisen. Kammermusik dagegen, die vorhandene genauso wie die neu geschaffene, schien nur noch etwas für das selber musizierende Bildungsbürgertum zu sein. Für Wagner war sie sogar ein abgeschlossenes Kapitel der Musikgeschichte. Und doch ist es gerade die brahmssche Kammermusik, die Wege in die kompositorische und künstlerisch-ästhetische Zukunft des 20. Jahrhunderts gewiesen hat. Arnold Schönberg bringt 1933 diese Tatsache in seinem Aufsatz mit dem aussagekräftigen Titel Brahms, der Fortschrittliche auf den Punkt. Er weist nach, »dass Brahms, der Klassizist, der Akademische, ein großer Neuerer, ja, tatsächlich ein großer Fortschrittler im Bereich der musikalischen Sprache war«. Das betrifft auch das 1865 entstandene Trio Es-Dur op. 40 für die außergewöhnliche Besetzung Violine, Horn (Naturhorn) bzw. Violoncello und Klavier.

Damals hatte Brahms in Wien, wo er seit 1862 tätig war, bereits Fuß gefasst – von 1864 an sogar als freischaffender Komponist. Während er am Deutschen Requiem arbeitet, stirbt im Februar 1865 in Hamburg seine Mutter. Möglicherweise ist das Horntrio auch ein Nachruf auf sie. Seit seiner Jugend galt dem Horn Brahmsʼ besondere Zuneigung. Und so ist es denn auch naheliegend, dass dieses Blasinstrument, dessen Partie er sich – entgegen dem Zeitgeschmack – im Trio mit dem »alten« Naturhorn gespielt wünscht, sowohl die kompositorische Struktur als auch den Klangcharakter dominiert. (Heutzutage wird jedoch in der Regel das moderne Ventilhorn verwendet.) Bereits im ersten Satz verzichtet der Komponist auf die übliche kontrastreiche Sonatenform und entwickelt stattdessen zwei sanfte klangintensive thematische Komplexe. Später einmal, während eines Spaziergangs mit dem Freund Albert Dietrich, hat Brahms auf den Ort verwiesen, an dem ihm das Hauptthema aus diesem Andante »zugeflogen« sei: »Eines Morgens ging ich spazieren und wie ich an diese Stelle kam, brach die Sonne hervor und sofort fiel mir das Thema ein, auf ›waldigen Höhen zwischen Tannen‹.« Aber auch Anklänge an den Choral »Wer nur den lieben Gott lässt walten« und an das Volkslied »Dort in den Weiden steht ein Haus …« sind herauszuhören. Am 28. November 1865 kam das Horntrio in Zürich zur Uraufführung: mit Brahms selbst am Klavier und mit einem Freund, dem Schweizer Geiger, Komponisten und Dirigenten Friedrich Hegar sowie dem Hornisten Anton Gläss. Clara Schumann, die sich im Publikum befand, berichtete: »Die Leute verstanden dieses wahrhaft kühne und äußerst interessante Werk nicht, und dies obwohl der Kopfsatz zum Beispiel sehr reich an einnehmenden Melodien ist, und der Schluss-Satz vor Leben strotzt. Auch das Adagio ist wunderschön, doch ist es in der Tat schwer verständlich, wenn man es zum ersten Mal hört.«

Das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann

Es ist ein langer und keineswegs geradliniger Weg, den Robert Schumann bis zu seinen kammermusikalischen Werken zurücklegt. Kaum hat er sich entschieden, nicht Jurist, sondern Musiker zu werden, muss er sich von dem Ziel verabschieden, einer »der größten jetzt lebenden Klavierspieler« (Friedrich Wieck) zu werden, denn durch abenteuerliche Selbstversuche hat er sich die rechte Hand irreparabel verletzt. Fortan führt er ein Leben auf zwei Ebenen: Auf der einen ist er in der 1834 zusammen mit Freunden gegründeten Neuen Leipziger Zeitschrift für Musik ein nimmermüder Musikpublizist; ein Jahr später führt er diese Zeitschrift in alleiniger Verantwortung als NeueZeitschrift für Musik weiter. Auf der anderen komponiert er – fast ausschließlich Klaviermusik. Und noch eine dritte Ebene spielt in Schumanns Leben von 1835 an eine bedeutende Rolle: seine Beziehung zu der Klaviervirtuosin Clara Wieck. Dieser Verbindung steht ihr Vater zunehmend ablehnend, ja sogar feindlich gegenüber, und erst nach einer richterlichen Entscheidung können die beiden Liebenden am 12. September 1840 heiraten.

Mit der ersehnten Eheschließung beendet Schumann sein bis dahin ausschließlich dem Soloklavier gewidmetes Schaffen. Es folgt ein Liederjahr. Danach erobert er sich 1841 zielstrebig die Gattung Symphonie. »Endlich«, befindet Clara, habe er sich »auf das Feld begeben, wo er mit seiner großen Fantasie hingehört.« Der Erfolg bleibt nicht aus. Doch auch Sorgen stellen sich ein. Der Haushalt hat sich durch das erste Kind vergrößert und Clara erwägt, mit der Wiederaufnahme ihrer Konzerttätigkeit den finanziellen Engpass zu beheben. Für Robert allerdings bedeutet es, sich von den eigenen Arbeiten zu entfernen. »Soll ich denn mein Talent vernachlässigen, um Dir als Begleiter auf der Reise zu dienen?«, klagt er im Ehetagebuch. Schließlich brechen sie doch gemeinsam zu einer Konzertreise auf. Robert allerdings beendet sie schon bald und kehrt alleine nach Leipzig zurück. Hier betreibt er intensive kontrapunktische Studien. Außerdem analysiert er Streichquartette von Haydn, Mozart und Beethoven.

Dann kehrt Clara zurück und Roberts kreative Schleusen öffnen sich. In nur sieben (!) Wochen entstehen drei Streichquartette. Danach, vom 23. September bis zum 12. Oktober 1842, ein Werk in einer bisher kaum erprobten Besetzung: das Klavierquintett in Es-Dur op. 44. Tatsächlich gehört Schumann mit zu den Ersten, die in einer Komposition das Tasteninstrument mit dem Streichquartett in einer Komposition kombinieren. »Ein herrliches Werk […] dabei äußerst brillant und effectvoll«, notiert Clara nach dem ersten Durchspielen in ihr Tagebuch. Und Allegro brillante ist dann auch der erste Satz des Opus 44 überschrieben. Wie im Theater betreten die fünf Akteure äußerst »effectvoll« nacheinander die Bühne. Doch keinem ist eine Hauptrolle zugewiesen; alle agieren gleichberechtigt neben- und miteinander. Die Musk ist motivisch sehr dicht durchgestaltet. Da gibt es heroische, dann wieder lyrische und ganz besonders viele dunkle Moll-Momente. Sie bereiten den zweiten Satz vor, den berühmten Trauermarsch. Dieser bildet einen bewussten Kontrast sowohl zum jubelnden Kopfsatz als auch zum triumphalen Finale. Großartig dann, wie Schumann im Scherzo mit den beiden Trios aus denkbar einfachen Themen ein kompliziertes Gewebe entstehen lässt. Glänzend auch der Schlusssatz: Erst wird ein marschähnliches Thema kontrapunktisch verarbeitet und dann mit dem Hauptthema des ersten Satzes kombiniert. Am 8. Januar 1843 brachte die Widmungsträgerin Clara Schumann das Quintett zusammen mit der Streichquartettformation von Ferdinand David, dem Konzertmeister des Gewandhausorchesters, in Leipzig auf die Bühne. Selbst Richard Wagner war damals von dem Werk angetan: »Ihr Quintett, bester Schumann, hat mir sehr gefallen!«

Ingeborg Allihn

Biografie

Radek Baborák, 1976 in der Nähe von Prag geboren, begann als Achtjähriger Horn zu spielen. 1988 gewann er den tschechischen Wettbewerb »Interpretation zeitgenössischer Musik«, im Jahr darauf den Internationalen Rundfunk-Wettbewerb »Concertino Praga«. 1994 schloss er sein Studium bei Bedřich Tylšar an der Musikakademie Prag mit Auszeichnung ab. Erste Preise bei internationalen Musikwettbewerben legten den Grundstein für eine Karriere, die Radek Baborák nach ersten Engagements in seiner Heimat Tschechien als Solo-Hornisten zu den Münchner Philharmonikern führte. Von Mai 2003 an gehörte er in gleicher Position den Berliner Philharmonikern an. In mehreren philharmonischen Konzerten trat er in Werken von Britten, Mozart, Schumann und Glière als Solist auf, u. a. unter der Leitung von Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim und Dmitri Kitajenko. Ende 2009 verließ Radek Baborák das Orchester, um sich seiner erfolgreichen Solokarriere zu widmen. Heute wird der weltweit gefragte Hornist und Dirigent zu renommierten Festivals wie den Salzburger Osterfestspielen, dem Maggio Musicale Fiorentino, dem White Nights Festival St. Petersburg, dem Jerusalem Chamber Music Festival und dem Prager Frühling eingeladen. Als Solist gastiert er weltweit bei renommierten Orchestern, wobei ihn seit vielen Jahren eine regelmäßige Zusammenarbeit mit japanischen Klangkörpern verbindet, mit denen er in der Suntory Hall, der Osaka Symphony Hall und der Sapporo Concert Hall zu erleben ist. Der leidenschaftliche Kammermusiker gründete mehrere Ensembles, deren Künstlerischer Leiter er ist, und unterrichtet an der Musikakademie in Prag sowie als Gastprofessor an der Toho Universität in Tokio und an der Escuela Superior de Música Reina Sofia in Madrid. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war Radek Baborák zuletzt Mitte März 2011 gemeinsam mit den Berliner Barock Solisten zu erleben.

Martin Helmchen erhielt im Alter von sechs Jahren den ersten Klavierunterricht; später zählten Galina Iwanzowa an der Musikhochschule »Hanns Eisler« in seiner Geburtsstadt Berlin, Arie Vardi an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover sowie William Grant Naboré an der Klavierakademie Comer See zu seinen Lehrern. 2001 gewann der Pianist den Clara-Haskil-Wettbewerb in Vevey (Schweiz); 2006 ermöglichte ihm der »Credit Suisse Young Artist Award« sein Debüt als Solist der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Valery Gergiev beim Lucerne Festival. Seither hat der Pianist mit den meisten deutschen Rundfunkorchestern, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Orchestre de Paris, dem London Philharmonic Orchestra, der Academy of St Martin in the Fields, dem Boston Symphony Orchestra, dem Cleveland Orchestra sowie mit dem NHK Symphony Orchestra Tokyo zusammengearbeitet, unter der Leitung von Dirigenten wie David Afkham, Herbert Blomstedt, Philippe Herreweghe, Manfred Honeck, Vladimir Jurowski, Andris Nelsons, Andrés Orozco-Estrada und David Zinman. Martin Helmchen gastiert regelmäßig bei den großen europäischen Sommerfestivals. Zu seinen engen Kammermusikpartnern gehören Juliane Banse, Matthias Goerne, Veronika Eberle, Marie-Elisabeth Hecker, Christian Tetzlaff, Antje Weithaas, Carolin Widmann und Frank Peter Zimmermann. Auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Martin Helmchen Mitte Mai 2010 einen Soloabend mit Werken von Mozart, Messiaen und Schubert; Anfang Juni desselben Jahres folgte sein Debüt als Solist des Orchesters mit dem Klavierpart in Beethovens Tripelkonzert C-Dur op. 56 (Dirigent: Herbert Blomstedt). Zuletzt konnte man ihn Mitte Januar 2015 gemeinsam mit dem Brahms Ensemble Berlin in einem Kammerkonzert der Stiftung erleben. Auf dem Programm standen Brahms’ Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 und Klavierquintett f-Moll op. 34. Seit 2010 ist Martin Helmchen Associate Professor für Kammermusik an der Kronberg Academy.

Das Brahms Ensemble Berlin, das sich im Jahr 2010 erstmals seinem Publikum vorstellte, besteht ausschließlich aus Streichern der Berliner Philharmoniker: Rachel Schmidt und Raimar Orlovsky (Violine), Matthew Hunter und Julia Gartemann (Viola) sowie Christoph Igelbrink und Stephan Koncz (Violoncello). »Die Berliner Philharmoniker verbindet eine weltweit einzigartige Nähe zur Musik von Johannes Brahms«, befand einmal ein Kritiker der New York Times nach einem Auftritt des Orchesters in der Carnegie Hall. Dieser Klangtradition fühlt sich das Brahms Ensemble eng verbunden und so stellt es das großartige Kammermusikrepertoire des Namensgebers in den Mittelpunkt seiner Programmkonzeption. Eine herausgehobene Rolle kommt dabei aber nicht nur den brahmsschen Sextetten, Quintetten und Quartetten für Streicher zu, sondern auch dessen Werken mit Klavier (Trios, Quartette und Quintett) sowie dem Klarinettenquintett. Wenngleich Johannes Brahms sicherlich der Komponist ist, dessen Schaffen im besonderen Maße die künstlerische Arbeit des Ensembles prägt, wird diese immer wieder auch bereichert durch die Auseinandersetzung mit Werken anderer Meister wie Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Robert Schumann. Das Brahms Ensemble Berlin, das bereits in mehreren Orten Deutschlands sowie in Japan und Korea Erfolge feierte, gab mit im April 2012 sein Debüt in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker, in denen es zuletzt im Januar 2015 zu erleben war.

Brahms Ensemble Berlin (Foto: Alessandro Cappone)