Simon Rattle dirigiert Widmann, Lutosławski und Brahms

Dieses Konzert gleicht einem komprimierten Rückblick auf die Rattle-Ära. So offenbart sich Sir Simons Begeisterung für aktuelle Musik in der Uraufführung eines kurzen Werks von Jörg Widmann. Mit Lutosławskis Dritter Symphonie hingegen zeigt er wieder einmal, welch einfallsreiche Musik das 20. Jahrhundert hinterlassen hat. Brahms’ Erste Symphonie schließlich repräsentiert Rattles kontinuierliche Arbeit an den großen Klassikern des Repertoires.

Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent

Jörg Widmann

Neues Werk im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker Uraufführung

Witold Lutosławski

Symphonie Nr. 3

Johannes Brahms

Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Termine und Karten

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Programm

Sir Simon Rattle erinnert sich noch gut daran, wie er als junger Mann die erste Rundfunkübertragung von Witold Lutosławskis Dritter Symphonie hörte. »Mir war sofort klar: Das ist ein Meisterwerk! Eine Art Konzert für Orchester, das mit der Freiheit der Zeit spielt. Musik prallt nach dem Zufallsprinzip aufeinander, um dann auf einer anderen Ebene neu zu funktionieren.« Die Symphonie, ein Auftragswerk des Chicago Symphony Orchestra, das 1983 nach über zehnjähriger Entstehungszeit unter der Leitung von Sir Georg Solti seine Uraufführung erlebte, bescherte ihrem Schöpfer von Anfang an einen großen Erfolg. Lutosławskis Kompositionsstil wurde entscheidend von den Ideen der musikalischen Avantgarde geprägt, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte und deren Musik er über das von ihm gegründete Festival »Warschauer Herbst« kennenlernte. Unter dem Eindruck von seriellen Kompositionstechniken entwickelte er für sich das Prinzip der »begrenzten Aleatorik«, die auch seine Dritte Symphonie prägt. Phrasen, in denen die Musiker ihre eigenen zeitlichen Vorstellungen verwirklichen dürfen, wechseln mit streng durchkomponierten Teilen. Die Berliner Philharmoniker spielten die Symphonie erstmals 1985 unter der Leitung Lutosławskis, der zwischen 1978 und 1985 mehrfach am Pult des Orchesters stand, um eigene Werke zu dirigieren.

Auch Johannes Brahms gehört zu den Komponisten, die die Philharmoniker dirigiert haben. Im Januar 1884, knapp zwei Jahre nach Gründung des Orchesters, präsentierte er sich erstmals als Solist seines Ersten Klavierkonzerts sowie als Dirigent seiner Dritten Symphonie. Das brahmssche Œuvre gehört somit zur musikalischen DNA des Orchesters. Als Brahms mit seiner Symphonie Nr. 1 an die Öffentlichkeit trat, hatte er sich auf dem Gebiet der Chor-, Kammer- und Klaviermusik längst einen Namen gemacht. Doch um die Form seiner Ersten Symphonie musste er 15 Jahre ringen, zu schwer lastete das Erbe Beethovens auf ihm. Auch wenn das Vorbild des Wiener Klassikers unüberhörbar ist, das sich vor allem in dem heroischen, monumentalen Gestus des Werks manifestiert, offenbart Brahms in ihm seinen ureigenen Kompositionsstil: die Themen und Motive des Werks aus einer motivischen Urzelle zu entwickeln, zu variieren und zu transformieren.

Den Konzertabend eröffnet ein weiteres Stück der sogenannten und von Sir Simon initiierten »Tapas«-Serie, diesmal offeriert von Jörg Widmann. Von dem aus München stammenden Komponisten und Klarinettisten haben die Philharmoniker eine Reihe von Werken aufgeführt, zuletzt seinen symphonischen Hymnos Teufel Amor.

(Foto: Monika Rittershaus)