Stradivari Solisten Berlin (Foto: Aya Yoshigoe)

Kammermusik

Wunderbare Stradivaris

Eindrucksvoll, eine Stradivari im Konzert zu hören. Noch eindrucksvoller ist es jedoch, ein ganzes Ensemble mit Instrumenten des berühmten Cremonenser Geigenbauers zu erleben. Dank der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin, die alle zwei Jahre von verschiedenen Leihgebern die kostbaren Geigen zur Verfügung gestellt bekommen, kann sich das Berliner Publikum regelmäßig am Klang eines aus elf Stradivaris bestehenden Streichensemble erfreuen. Das Programm ist ganz darauf abgestimmt, die Strahlkraft der einzigartigen Instrumente auf vielfältige Weise zur Geltung zu bringen.

Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin

Wolfram Brandl Violine

Zoltán Almási Violine

Rüdiger Liebermann Violine

Aleksandar Ivic Violine

Christophe Horák Violine

Christoph von der Nahmer Violine

Luiz Felipe Coelho Violine

Matthew Hunter Viola

Walter Küssner Viola

Knut Weber Violoncello

Stephan Koncz Violoncello

Janne Saksala Kontrabass

Shalev Ad-El Cembalo

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Stephan Koncz, Max Bruch und Antonio Vivaldi

Termine und Karten

Programm

Sie heißen »Lady Inchiquin«, »Joachim«, »Brancaccio«, »Conte de Fontana«, »Lord Newlands«, »Lord Dunn-Raven«, »Sleeping Beauty« und »Soil«, wurden bzw. werden von Virtuosen wie Fritz Kreisler, Joseph Joachim, Carl Flesch, Ferdinand David, David Oistrach, Isaac Stern, Anne-Sophie Mutter, Isabelle Faust und Itzhak Perlman gespielt. Sie kosten heute Millionen: Die Violinen von Antonio Stradivari, die vor allem für ihre atemberaubende Brillanz in der Höhenlage über die Maßen geschätzt werden: Die Meisterwerke des legendären Instrumentenbauers gelten noch immer als die besten (und teuersten) Streichinstrumente der Welt. Kein Wunder also, dass man bereits zu Stradivaris Lebzeiten die Idee hatte, ganze Ensembles mit Instrumenten aus seiner Werkstatt zu besetzen. So fertigte der italienische Meister für verschiedene Käufer ganze »Quartette« von Instrumenten an; zudem erhielt er vom spanischen Königshof einen Auftrag über die Herstellung von sechs Violinen, zwei Violen und einem Violoncello.

Ein besonderes Privileg genießen die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin: Alle zwei Jahre bekommen sie für einen gewissen Zeitraum von verschiedenen Leihgebern elf Stradivari-Instrumente zur Verfügung gestellt: zwei vollständige Streichquartette sowie drei weitere Violinen (Stradivari-Kontrabässe konnten bis heute nicht nachgewiesen werden). Sie bilden wahrscheinlich die weltweit größte Zusammenkunft von Stradivaris, die gemeinsam im Konzert erklingen. Das abwechslungsreiche Programm dieses Konzerts mit Werken und Arrangements von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Wolfgang Amadeus Mozart, Astor Piazzolla u. a. ist ganz darauf abgestimmt, die Strahlkraft der einzigartigen Instrumente auf vielfältige Weise zur Geltung zu bringen.

Über die Musik

Auf dem Gipfel der Geigenbaukunst

Ein musikalisches Panorama mit den Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin

Vom Experiment zum Ideal: die Geigenbaukunst von Antonio Stradivari

Als großer, hagerer Mann wurde Antonio Stradivari beschrieben. Im Winter soll er Arbeitskleidung aus Wolle und im Sommer Arbeitskleidung aus Baumwolle getragen haben. Niemals habe man ihn anders gesehen, schließlich war er ständig in seiner Werkstatt an der Piazza San Domenico beschäftigt. So überliefert es – nach Zeitzeugenberichten – Stradivaris erster Biograf, der belgische Komponist und Musikhistoriker François-Joseph Fétis, dessen Lebensbeschreibung des Cremoneser Meisters erstmals 1856 erschien. Es ist wohl die einzige glaubhafte Charakterisierung des berühmten Geigenbauers, über dessen Werdegang trotz intensiver Studien bis heute vieles im Dunkeln liegt. Sein Schaffen fiel in die Blütezeit der klassischen Geigenbaukunst, die schon damals in Cremona eine lange Tradition hatte und noch heute mit über 100 Geigenbaumeistern fortgesetzt wird. Mit Stradivaris Instrumenten – Violinen, Violen, Violoncelli, Gitarren, Lauten, Harfen und Gamben – erreichte sie einen einmaligen Höhepunkt. Denn der findige Instrumentenbauer, der möglicherweise von Nicola Amati, dem bedeutendsten Mitglied der Amati-Dynastie, ausgebildet worden war, begann in den 1690er-Jahren von den traditionellen Modellen der Cremoneser Schule abzurücken: Er verbreiterte den Geigenkorpus und fertigte neue Typen an, die über vollere und längere Wölbungen verfügten, wodurch sich entscheidende klangliche Verbesserungen ergaben. Dabei hielten Stradivari und seine Söhne Francesco und Omobono durchgehend ihre hohen Standards aufrecht und verbauten ausschließlich Materialien von bester Qualität. Schon optisch sind die meisten Stradivari-Geigen mit ihrer perfekten Form von Schnecke und F-Löchern, ihrer filigranen Holzmaserung und ihrem rötlich-braunen Farbton mit einem feinen Stich ins Gelbliche Kunstwerke von allerhöchstem Rang.

Lebenslang hatte Antonio Stradivari ein reges Interesse an akustischen Experimenten, was bisweilen auch zu Neuerungen führte, die er – wenn sie nicht zu dem gewünschten Ergebnis führten – nicht weiter verfolgte (wie etwa die Verlängerung des Resonanzkörpers zu später sogenannten long pattern-Instrumenten). In seiner letzten Schaffensphase rückte er von den filigranen Formen seiner früheren Modelle ab: Die Ecken der Korpusse wurden breiter, die Hohlkehlen weniger tief und die Ränder größer, was die Instrumente insgesamt etwas schwerfälliger wirken ließ. Zudem griff Stradivari in dieser Zeit für die Violinböden auf Ahornholz zurück, das aus der Region stammte. Dieses war weniger stark geflammt als die zuvor verwendeten Hölzer, verfügte aber über allerbeste klangliche Eigenschaften: Die Instrumente bekamen eine atemberaubende Brillanz nicht nur in der Höhenlage, aufgrund derer der Ton auch in den großen Konzertsälen unserer Zeit bis in die letzten Sitzreihen hinein tragfähig bleibt.

Heute ist Antonio Stradivari der bekannteste Geigenbauer aller Zeiten. Der Mythos um den großen Klang der von ihm geschaffenen Instrumente wurde nie ganz gelüftet. Weniger bekannt ist, dass sich seine Berühmtheit erst allmählich entwickelte, da man im gesamten 18. Jahrhundert Arbeiten von Nicola Amati und Jakob Stainer bevorzugte. Erst als die Musiker zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend klangstarke Streichinstrumente mit leichter Ansprache suchten, wurde Stradivaris Geigenbaukunst zum Maß aller Dinge. Die Gesamtzahl der erhaltenen Stradivaris wird heute auf 650 Stück geschätzt, darunter etwa 60 Violoncelli und sieben oder acht Violen. Die tatsächliche Produktion der Werkstatt ist allerdings deutlich höher anzusetzen (man geht etwa von 1100 Instrumenten aus), da von einigen Typen wie Lauten und Viole d’amore kein einziges Exemplar erhalten ist.

Bereits zu Stradivaris Lebzeiten besetzte man Quartette und ganze Ensembles mit Instrumenten aus seiner Werkstatt. Denn die dort gefertigten Geigen, Bratschen und Violoncelli verfügen über eine außergewöhnliche Trennschärfe, was bedeutet, dass die musikalischen Linien niemals verschwimmen, wenn mehrere Stradivaris gleichzeitig gespielt werden: Stets bleiben die Mittelstimmen transparent hörbar, eingebettet in einen silbrigen und kristallinen Gesamtklang von überwältigender Präsenz und Schönheit. Insofern greifen die Stradivari-Solisten Berlin auf eine lange Tradition zurück, wobei diesem philharmonischen Kammerensemble nicht weniger als elf Schöpfungen aus der Manufaktur des lombardischen Meisters zur Verfügung stehen: zwei vollständige Streichquartette sowie drei weitere Violinen. Dieses Instrumentarium bildet damit wahrscheinlich die weltweit größte Stradivari-Sammlung, die in gemeinsamen Konzerten Werke aus Barockzeitalter, Klassik und Romantik in bestem Licht erscheinen lässt.

Ausblick und Rückgriff – Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Sebastian Bach

Zu diesen Kompositionen zählt Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento D-Dur KV 136, das 1772 in Salzburg entstanden ist – als musikalische Visitenkarte eines damals erst 16-jährigen Komponisten, der schon Jahre zuvor als musikalisches »Wunderkind« von sich reden gemacht hatte. Es ist das erste von drei Quartett-Divertimenti, die möglicherweise für Streichorchester konzipiert waren: Bereits Alfred Einstein bezeichnete das Werk »eher als italienische Ouvertüre ohne Bläser«, da die Komposition mit der Satzfolge schnell – langsam – schnell eben diesem Vorbild folge. Allerdings lässt die Bezeichnung »Divertimento« auch an Haydns frühe gleichnamige Streichquartett-Opera 9 und 17 denken, weshalb die Frage nach der Besetzungsgröße – solistisch oder chorisch – in der Mozart-Literatur bis heute kontrovers diskutiert wird. Allerdings hebt sich Mozarts D-Dur-Komposition aufgrund seiner orchestralen Klangstrukturen deutlich von den Werken Haydns ab, weshalb es 1952 zusammen Divertimenti KV 137 und KV 138 unter dem Titel Drei Salzburger Sinfonien ohne Bläser veröffentlicht wurde.

Stand das Klavier im Zentrum von Mozarts Virtuosenlaufbahn, so verfügte Johann Sebastian Bach über außergewöhnliche Fähigkeiten an den unterschiedlichsten Tasteninstrumenten. Kein Wunder, dass er als einer der ersten Komponisten konzertante Werke für das Cembalo schuf, welches bis dahin ausschließlich als Continuo- oder unbegleitetes Soloinstrument zum Einsatz kam. Bachs Experimente, die zur Begründung der Gattung des Cembalokonzerts führten, nahmen eine Entwicklung vorweg, die im späten 18. und im 19. Jahrhundert zur Entstehung des Klavierkonzerts führte; zwei seiner Söhne, Carl Philipp Emanuel und Johann Christian Bach, sollten hierbei eine bedeutende Rolle spielen, weshalb das Vorbild gebende Genre bis etwa 1750 ausschließlich mit der Bach-Dynastie in Verbindung gebracht wurde.

Den Anfang zu dieser Entwicklung machten bei Johann Sebastian Transkriptionen eigener Kompositionen, wie etwa für das Cembalokonzert f-Moll BWV 1056, bei dessen Aufführung die Stradivari-Solisten Berlin den israelischen Cembalisten Shalev Ad-El begleiten. Dieses Werk geht auf ein früheres Violinkonzert Bachs zurück, zumindest der Kopfsatz, während die Forschung für die Sätze 2 und 3 Musik mit konzertierender Oboe aus seinem Kantatenschaffen als Vorbilder ausgemacht hat: Einem schwungvollen Allegro, in dem sich die reichhaltig verzierten Spielfiguren des Solisten von der ruhigen Orchestermusik abheben – das Cembalo übernimmt bereits im Eingangsritornell die Führung –, folgt ein »singendes« Largo, in dem das wiegende Siciliano des Solisten nur von den Pizzicati der Streicher gestützt wird. Das abschließende Presto lockern die im Barockzeitalter beliebten Echoklänge fantasievoll auf.

Der Geige größere Geschwister – bedacht von Stephan Koncz und Max Bruch

Um eine Bearbeitung ganz anderer Art handelt es sich bei der Französischen Suite für zwei Solovioloncelli, Streicher und Cembalo des philharmonischen Cellisten Stephan Koncz, der nicht nur ein leidenschaftlicher Orchester- und Kammermusiker ist, sondern auch ein versierter Arrangeur. Die Suite, in der das Cembalo in barocker Manier als Continuo-Instrument vertreten ist, vereint Musik von Jean-Baptiste Barrière und Antoine Forqueray. Barrière war einer der bekanntesten Cellovirtuosen seiner Zeit, dessen Spiel von »großartiger Präzision« (Mercure de France,1738) dem Instrument in Frankreich zum Durchbruch verhalf (gegenüber der bis dahin vorherrschenden Viola da Gamba). Antoine Forqueray wiederum, der schon als Zehnjähriger Ludwig XIV. vorspielte, beherrschte die Gambe »wie der Teufel«. So jedenfalls ist es in Hubert Le Blancs 1740 erschienener Défense de la basse de viole contre les entréprises du violon et les prétentions du violoncel (Verteidigung der Viola da Gamba gegen die Angriffe der Violine und die Anmaßung des Violoncells) überliefert. Forqueray schrieb mehr als 300 Werke, ohne auch nur eins davon zu veröffentlichen; erst sein Sohn Jean-Baptiste gab viele Stücke in den Druck. Da die Viola da Gamba seinerzeit allerdings bereits zu den aussterbenden Instrumenten gehörte, veröffentlichte Jean-Baptiste die Kompositionen seines Vaters in zwei unterschiedlichen Fassungen: in einer ersten Version für Gambe mit einem von ihm selbst hinzugefügten Generalbass und in einer zweiten für Cembalo solo, die eine erfolgreichere Vermarktung garantierte.

Max Bruchs Romanze für Viola und Orchester F-Dur op. 85 hat sich als eines der wenigen solistischen Bratschenstücke der Romantik seit vielen Jahren einen festen Platz im Repertoire erobert. Bruch skizzierte das Werk für seinen Freund, den bekannten Geigenvirtuosen Willy Hess, der nach dem Tod Joseph Joachims im Jahr 1907 den Komponisten beim Schreiben von Stücken mit Streichinstrumenten in spieltechnischen Fragen beriet. Wie viele Geiger wechselte Hess problemlos zwischen Violine und Viola und brachte daher am 25. April 1911 als Solist gemeinsam mit Bruchs Dirigierschüler Leo Schrattenholz und dessen Orchestergesellschaft die Romanze op. 85 im Rahmen einer Privataufführung in Berlin zur Uraufführung. Noch im selben Jahr erschien die technisch anspruchsvolle Romanze im Druck, wobei Bruch selbst eine Fassung für Klavier und Viola anfertigte sowie eine weitere Bearbeitung für Klavier und Violine. Das Stück, das im heutigen Konzert in einer Version für Streichorchester von Wolfgang Renz erklingt, macht hinsichtlich seines Charakters dem Titel alle Ehre. Mit anfangs dem Soloinstrument anvertrauten weitgeschwungenen Kantilenen ist es einem durch und durch spätromantischen Tonfall verpflichtet. Im zentralen mittleren Abschnitt übernimmt auch das Orchester das Hauptthema der Komposition, welches nun vom Soloinstrument mit spielerischen Arabesken umrankt wird.

Natur und Mensch – Antonio Vivaldis Quattro stagioni

In Antonio Vivaldis Konzertzyklus Le quattro stagioni op. 8 schließlich tritt neben die Präsentation virtuosen Könnens die kompositorische Kunst der musikalische Illustration in den Vordergrund: Jedem der vier Konzerte für Violine, Streicher und Basso continuo steht ein erläuterndes Gedicht in Sonettform voran, welches die außermusikalischen Bezüge bis ins kleinste Detail erläutert. Auch innerhalb der Partitur finden sich konkrete Anmerkungen zu dem, was in dem jeweilige Satz dargestellt werden soll: vom schlafenden Schäfer bis zum eisigen Nordwind. Das erste Konzert der Werkserie (La primavera) kündigt im Charakter festlicher Trompetenmusik mit Motivwiederholungen und Echowirkungen den Einzug des Frühlings an, bevor drei Violinen mit Trillern und Tonrepetitionen den Gesang der Vögel imitieren. Es folgt mit engräumigen Sechzehntelketten die klingende Evokation eines »murmelnden« Bächleins, bevor schnelle Oktavläufe und Fortissimo-Tremoli ein sich nahendes Gewitter ankündigen: »Den Himmel mit schwarzem Mantel bedeckend kommen Blitze und Donner, [...] Als diese dann schweigen, beginnen die Vöglein von neuem ihren tonreichen Zaubergesang«, heißt es im Sonett.

Am Anfang des zweiten Konzerts (L’estate) versinnbildlichen Generalpausen und eine vorwiegend abwärtsgerichtete Melodieführung im Pianissimo die lastende Hitze des Sommers: »In der harten Jahreszeit der glühenden Sonne schmachten Mensch und Herde, es brennt die Pinie.« Dann erklingt, etwas verdeckt durch die schnelle Sechzehntelbewegung, der Ruf des Kuckucks, die Taube gurrt in kleinen Sekunden und großen Septimen und die Nachtigall schlägt in Quarten, schnellen Läufen und Trillern. Das sich im Adagio bereits in den Unisono-Tremoli ankündigende Gewitter entlädt sich im abschließenden Presto mit schnellen Läufen und den aus dem Kopfsatz des ersten Konzerts bekannten Unwettermotiven: »Es donnert und blitzt der Himmel, und Hagel bricht die Köpfe der Ähren und der stolzen Halme.« Im Herbst (L’Autunno) symbolisieren nach einem ländlichen Tanzlied schnelle Abwärtsläufe mit anschließenden Oktavsprüngen die nach dem Erntefest erschöpft niedersinkenden Bauern.

Im letzten Konzert (L’inverno) vermitteln pochende Achtel sowie eine Serie von Pralltrillern und Dissonanzketten den Eindruck der bei großer Kälte bebenden Natur: »Erstarrt zitternd bei eisigem Schnee, laufen wir im erbarmungslosen Heulen des grauenhaften Windes, unentwegt mit den Füßen stampfend [Tremolofiguren im Bass] und vor übermäßigem Frost mit den Zähnen klappernd.« Nach dem langsamen Mittelsatz, ein Tongemälde des Wohlbehagens am warmen Kaminfeuer, während draußen der Regen fällt (Pizzicato), schildert das Finale des Konzerts einen Ausflug in glitzernde Eislandschaft. Am Ende steht eine von Zweiunddreißigstelnoten beherrschten Coda: »Herauskommen hören [wir] aus den eisenbeschlagenen Toren Schirokko, Boreas und alle Winde im Kampfe. Das ist der Winter, und doch, auch Freude bringt er.«

Harald Hodeige

Biografie

Die Idee, den besonderen Klang der Streichinstrumente Antonio Stradivaris in einem Ensemble zu vereinen, gab es schon zu Lebzeiten des berühmten Geigenbauers, wie Aufträge zu Quartettsätzen seiner Instrumente belegen. Vom spanischen Königshof wurde der Cremoneser Meister sogar gebeten, gleich sechs Violinen, zwei Violen und ein Violoncello anzufertigen. Die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin vereinen in einem Ensemble elf seiner Instrumente – neben zwei vollständigen Quartetten drei weitere Violinen – und haben damit womöglich die weltweit größte Stradivari-Sammlung zur Verfügung, die gemeinsam im Konzert erklingt. Dieses außergewöhnliche Unterfangen wäre nicht möglich ohne die großzügige Unterstützung der Stradivari-Stiftung Habisreutinger, aus deren Beständen sechs der hier vertretenen Instrumente stammen (zwei Violinen, beide Bratschen und beide Violoncelli). Die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin fanden sich 1993 auf eine Initiative aus Japan hin zusammen, traten zunächst unter dem Namen Stradivari Summit auf und sind seitdem dort alle zwei Jahre in stets ausverkauften Häusern zu erleben. Das ständig wachsende Repertoire speist sich aus der Literatur für Streichorchester, wobei die ausgewählten Werke die einzigartigen Instrumente besonders gut zur Geltung bringen. Hierbei treten die Ensemblemitglieder immer wieder auch solistisch in den Vordergrund: So übernehmen Wolfram Brandl, Luiz Filipe Coelho, Aleksandar Ivić und Christoph von der Nahmer (Violine), Walter Küssner (Viola), Stephan Koncz und Knut Weber (Violoncello) sowie Shalev Ad-El (Cembalo) die Soli im heutigen Konzert. Seit 1999 werden die Philharmonischen Stradivari-Solisten von Matthew Hunter geleitet. In der Berliner Philharmonie debütierte das Ensemble im Oktober 2005; in einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker war es zuletzt Ende Mai 2015 im Kammermusiksaal mit Werken von Tallis, Mozart, Grieg, Strauss und Tschaikowsky zu hören.

Stradivari Solisten Berlin (Foto: Aya Yoshigoe)