Kammermusik

Der philharmonische Salon

Burghart Klaußner Sprecher

Scharoun Ensemble Berlin

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Wilhelm Furtwängler in den Fängen der Nazis

Musik von Wilhelm Furtwängler, Paul Hindemith, Hans Pfitzner, Arnold Schönberg u. a.

Texte von Wilhelm Furtwängler, Berta Geissmar, Klaus Lang, Dietrich Fischer-Dieskau u. a.

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Programm

Am 15. März 1933 verhängte die NS-Führung über Bruno Walter in Leipzig ein Auftrittsverbot. Auch ein fünf Tage später in Berlin anstehendes Konzert wurde ihm entzogen. Der Dirigent, der so viele Jahre mit den Berliner Philharmonikern verbunden war und heute zu den bedeutendsten Orchesterleitern des 20. Jahrhunderts zählt, verließ Deutschland daraufhin umgehend. Wilhelm Furtwängler stand als Einspringer nicht zur Verfügung, woraufhin die Konzertdirektion Wolff & Sachs Richard Strauss anfragte, der gerade an der Staatsoper eine Aufführungsserie seiner Elektra leitete und zunächst kategorisch ablehnte. Erst als er erfuhr, dass die Reichsregierung sein Dirigat erbat, sagte Strauss zu und wurde nach dem Konzert in der nationalsozialistischen Presse frenetisch gefeiert. Furtwängler wusste, was die Stunde am 30. Januar 1933 geschlagen hatte, weshalb er sich nachdrücklich aber letztlich erfolglos für die jüdischen Musiker, die damals im Orchester spielten (der Konzertmeister Szymon Goldberg, der Geiger Gilbert Back, sowie die beiden Solo-Cellisten Nicolai Graudan und Joseph Schuster) bei den Machthabern einsetzte – »im Interesse des Kulturlebens«. Damit begann für Furtwängler eine Gratwanderung, da er gleichzeitig mit Goebbels über eine Übernahme des Orchesters durch das Reich verhandelte, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Nach seiner öffentlichen Stellungnahme im »Fall Hindemith« wurde er zeitweilig zu einem Symbol des Widerstands. Dennoch ließ er sich und das Orchester vom Propagandaapparat missbrauchen. Diesen Philharmonischen Salon hat Götz Teutsch Furtwänglers schwieriger Zeit während des Nationalsozialismus gewidmet. Das Scharoun Ensemble Berlin und Cordelia Höfer (Klavier) spielen unter anderem Werke von Paul Hindemith, Hans Pfitzner, Arnold Schönberg und Furtwängler. Burghart Klaußner liest Texte von Furtwänglers persönlicher Sekretärin Berta Geißmar, vom langjährigen Musikredakteur beim ehemaligen SFB Klaus Lang (der 2012 ein Buch über Furtwänglers Entnazifizierung vorgelegte), von Dietrich Fischer-Dieskau (Jupiter und ich: Begegnungen mit Furtwängler) und anderen.

(Foto: Monika Rittershaus)