Dorothee Oberlinger (Foto: promo)

Kammermusik

»Barbarische Schönheit« mit Dorothee Oberlinger und Il Suonar Parlante

Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger beherrscht ihr Instrument wie kaum eine andere – temperamentvoll, virtuos, klangschön. Gemeinsam mit dem Ensemble Il Suonar Parlante und weiteren Spezialisten für Alte Musik präsentiert sie ein spannendes Konzertprogramm, das deutlich macht, wie sehr sich Komponisten des Barock von der »Barbarische Schönheit« westslawischer Musik inspirieren ließen und diese in den eigenen Stil integrierten.

Il Suonar Parlante

Vittorio Ghielmi Leitung

Dorothee Oberlinger Blockflöte

Alessandro Tampieri Violine

Marcel Comendant Cimbalom

Stano Paluch Violine

Barbarische Schönheit

Georg Philipp Telemann

Konzert a-Moll für Blockflöte, Gambe, Streicher und Generalbass TWV 52:a1

František Jiránek

Konzert d-Moll für Violine, Streicher und Basso continuo

Johann Gottlieb Graun

Konzert a-Moll für Gambe, Streicher und Basso continuo

»Barbarische Schönheit«: Suite aus Instrumentalstücken und Tänzen mit osteuropäischen Einschlag von Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Franz Benda u. a.

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Di, 17. Apr 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie R

Programm

Während seiner mehrjährigen Amtstätigkeit als Kapellmeister am Hof von Sorau in der Niederlausitz reiste Georg Philipp Telemann im Gefolge seines Dienstherrn, des Reichgrafen Erdmann II. von Promnitz, ein Mal auch nach Krakau und lernte dort nach eigener Aussage die »polnische […] Musik in ihrer wahren barbarischen Schönheit kennen«. Der in Magdeburg geborene Pastorensohn Telemann traute seinen Ohren kaum, was polnische »Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben, wenn sie, so oft die Tanzenden ruhen, fantasieren«. Eine Woche lang solchen Musikern aufmerksam zuzuhören – so Telemanns Resümee – müsste einen Komponisten mit musikalischen Einfällen für ein ganzes Leben versorgen. Und so blieb der Krakauer Aufenthalt für Telemann über Jahre hinweg eine Quelle der Inspiration, wenngleich er auch die in Polen aufgeschnappten Melodien und Rhythmen im damals tonangebenden Stil der italienischen Musik verarbeitete.

Diesem sogenannten »vermischten Stil«, der zu Telemanns Lebzeiten in ganz Europa für Aufsehen sorgte, hat das von dem 1968 in Mailand geborenen Gambisten Vittorio Ghielmi gegründete Ensemble Il Suonar Parlante ein spannendes Konzertprogramm gewidmet, das den Einflüssen westslawischer Musik auf Komponisten anderer Länder besonders Rechnung trägt. Zusammen mit der Blockflötistin Dorothee Oberlinger, den Geigern Alessandro Tampieri und Stano Palùch sowie dem Zymbalisten Marcel Comendant bringen Ghielmi und sein Ensemble Musik von Telemann und einiger seiner Zeitgenossen zu Gehör, darunter auch anonyme Meister des frühen 18. Jahrhunderts, deren Werke in einer 1730 erschienenen Anthologie erschienen sind.

Doch das Konzert von Il Suonar Parlante überschreitet nicht nur historische Landesgrenzen, sondern setzt sich – Telemanns Vorbild aufgreifend – auch über Stilgrenzen hinweg, insbesondere jene zwischen der sogenannten E- und U-Musik: Denn neben den vielfältigen volksmusikalischen Traditionen, die Telemann vor über 300 Jahren in ihren Bann zogen, reflektiert das Programm von Il Suonar Parlante auch noch heute lebendige, vom Jazz bis zum Gipsy-Swing reichende Formen populärer Musikausübung.

Dorothee Oberlinger (Foto: promo)