Yuja Wang (Foto: Kirk Edwards)

Kammermusik

Kammermusik mit Yuja Wang, Andreas Ottensamer und Daishin Kashimoto

Der philharmonische Konzertmeister Daishin Kashimoto und Solo-Klarinettist Andreas Ottensamer bilden zusammen mit der Pianistin Yuja Wang ein »Trio infernal«: Gemeinsam interpretieren sie die Konzertsuite von Igor Strawinskys Kammeroper Die Geschichte vom Soldaten, in der ein Soldat seine Geige und somit auch seine Seele an den Teufel verkauft. Außerdem spielen die drei Béla Bartóks Trio Kontraste, das auf ungarischen und rumänischen Volkstänzen basiert. Schließlich ist Yuja Wang noch solistisch mit Klavierwerken von Johannes Brahms und György Ligeti zu erleben.

Yuja Wang Klavier

Andreas Ottensamer Klarinette

Daishin Kashimoto Violine

Frédéric Chopin

Andante spianato et grande polonaise brillante Es-Dur op. 22

Claude Debussy

Rhapsodie Nr. 1 für Klarinette und Klavier

Igor Strawinsky

Die Geschichte vom Soldaten, Konzertsuite für Violine, Klarinette und Klavier

Claude Debussy

Sonate für Violine und Klavier g-Moll

Béla Bartók

Kontraste für Violine, Klarinette und Klavier Sz 111

Termine und Karten

Di, 10. Apr 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

In dieser Saison ist die chinesische Starpianistin Yuja Wang gleich drei Mal in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker zu erleben: als Interpretin von Sergej Prokofjews Drittem Klavierkonzert unter der Leitung von Kirill Petrenko, als Solistin eines Klavierrecitals und als Kammermusikpartnerin von Daishin Kashimoto und Andreas Ottensamer. Der 1. Konzertmeister und der Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker bilden zusammen mit Yuja Wang ein »Trio infernal« der besonderen Art: Zu Dritt spielen sie die Konzertsuite, die Igor Strawinsky aus fünf Sätzen seiner Kammeroper Die Geschichte vom Soldaten für Violine, Klarinette und Klavier zusammengestellt hat. Die Oper basiert auf einem russischen Märchen, in dem ein Soldat dem Teufel für die Aussicht auf unermesslichen Reichtum seine Geige und damit auch seine Seele verkauft. Die Härte und Unerbittlichkeit dieses teuflischen Handels charakterisiert Strawinsky durch eine karge, asketische Musiksprache, durch Jazzanklänge und die Verfremdung von Marschmusik und damaligen Modetänze wie Tango, Walzer und Ragtime.

Ebenfalls auf Tanzmelodien, nämlich auf ungarischen und rumänischen Volkstänzen, basiert Béla Bartóks Trio Kontraste. Der Komponist schrieb dieses Werk 1938 für den Geiger Joseph Szigeti und den Klarinettisten Benny Goodman. Es ist hochvirtuos und rhythmisch vertrackt. Bartók, der 1940 bei der New Yorker Uraufführung des vollständigen Stücks selbst am Klavier saß, studierte Goodmans Schallplattenaufnahmen, um dessen Spielweise kennenzulernen und sich dadurch für den Klarinettenpart inspirieren zu lassen.

Mit zwei Programmpunkten ist Yuja Wang auch solistisch zu erleben: So eröffnet sie den Abend mit einigen Intermezzi, die mit zu den letzten Klavierwerken von Johannes Brahms gehören. Die Stücke sind gekennzeichnet durch Innerlichkeit, Melancholie und Resignation und bringen das Gefühl von Einsamkeit zum Ausdruck, unter dem Brahms im Alter litt. Eine ganz andere Haltung hingegen transportieren die Études pour piano von György Ligeti. Der ungarische Komponist, der sein eigenes Klavierspiel »ungenügend« fand, wollte mit seinen Etüden eigentlich nur eine längst überholte Gattung wiederbeleben – und schuf die wohl schwierigsten Stücke der gesamten Klavierliteratur, die sich durch große Virtuosität und Expressivität auszeichnen.

Über die Musik

Eins, zwei, drei

Musik für Solo, Duo und Trio

Mit dem Klavier allein: Frédéric Chopin

Wenn von Frédéric Chopin die Rede ist, denkt wohl jeder ans Klavier, dem sich der polnische Komponist so ausschließlich widmete wie kaum ein zweiter. Natürlich habe das, so lautet die landläufige Argumentation, vor allem damit zu tun, dass Chopin ein begnadeter Virtuose gewesen sei, bestaunt von Rivalen wie Franz Liszt oder Sigismund Thalberg, gepriesen von Geistesgrößen wie Heinrich Heine. Nur er selbst sah das offenbar etwas anders: »Ich eigne mich nicht dazu, Konzerte zu geben; das Publikum schüchtert mich ein, sein Atem erstickt, seine neugierigen Blicke lähmen mich, ich verstumme vor den fremden Gesichtern«, gestand er Liszt gegenüber. Tatsächlich trat Chopin im Lauf seines Lebens nur etwa 50 Mal öffentlich auf, und fast die Hälfte dieser Konzerte entfällt auch noch auf die Anfangszeit seiner Karriere, bevor er 1831 im Pariser Exil eintraf. Dort gab er seine Kunst dann viel lieber im privaten Rahmen zum Besten, in den noblen Salons der Seine-Metropole oder in vertrauter Runde.

Grande Polonaise brillante précédée d’un Andante spianato G-Dur op. 22

Dass Chopins Werke für Klavier und Orchester, die für die größere Öffentlichkeit bestimmt waren, allesamt aus der Frühphase seiner Laufbahn stammen, kann unter diesen Vorzeichen nicht verwundern. Auch sein Opus 22 zählt dazu: die Grande Polonaise brillante, der ein Andante spianato vorangeht. Doch hat man selbst hier schon den Eindruck, dass der Komponist lieber mit sich und dem Klavier allein ist, denn die Orchesterbegleitung ist eigentlich entbehrlich. Sobald das Soloinstrument einsetzt, hat sie nur noch harmonisch stützende Funktion, und die kurzen Sequenzen, die dem Orchester allein anvertraut sind, können genauso gut aufs Klavier übertragen werden. Weshalb das Werk längst in das Solorepertoire der Pianisten eingegangen und mittlerweile viel häufiger in Rezitals als in Orchesterkonzerten zu hören ist.

Ursprünglich hatte Chopin die Komposition gar nicht so geplant, wie wir sie heute kennen: Beide Teile trennt eine entstehungsgeschichtliche Lücke von fast vier Jahren. Die Polonaise, eine mit allen technischen Schwierigkeiten gespickte Virtuosenpièce im stile brillante, die den charakteristischen punktierten Rhythmus des polnischen Nationaltanzes im Dreivierteltakt aufgreift, skizzierte er im September 1830, wenige Wochen, bevor er seine Heimat verließ. Die Vollendung erfolgte dann 1831 in Wien, wo sich der 21-Jährige einen Namen in der Musikwelt machen wollte. Doch legte Chopin das Werk danach zur Seite und nahm es sich erst 1834 in Paris wieder vor, um ihm mit dem Andante spianato ein völlig anders geartetes »Vorspiel« voranzustellen: eine zarte, introvertierte Träumerei, auch im Original schon nur für Klavier. Das Adjektiv »spianato«, zu Deutsch: ebenmäßig, markiert dabei sinnfällig den Gegensatz zu den kapriziösen Ausbrüchen der Polonaise. Es war Chopins endgültiger Abschied von seinem Frühstil – und vom Orchester.

Musicien français: Claude Debussy

Doch gerade dieser Verzicht rief die besondere Bewunderung eines späteren Kollegen hervor: »Chopin ist der größte von uns allen«, befand neidlos der 52 Jahre jüngere Claude Debussy. »Denn mit dem Klavier allein wusste er jedes Geheimnis zu entdecken.« Auch »genealogisch« fühlte er sich dem Idol verbunden, über seine frühe Klavierlehrerin Marie Mauté de Fleurville, die nach eigenen Angaben selbst noch bei dem polnischen Emigranten studiert hatte. Und in seinem Klavierschaffen nahm Debussy ebenfalls – vor allem mit den Préludes und den Études – Bezug auf das Vorbild. Freilich war seine kompositorische Arbeit wesentlich vielfältiger angelegt und erstreckte sich bis zum Musiktheater oder zur großbesetzten Orchesterpartitur. Dabei zeigte er gerade für die Klangfarben der Bläser ein besonderes Faible – man denke nur an das frühe Prélude à l’après-midi d’un faune, in dem er nicht nur der Soloflöte, sondern dem gesamten Bläsersatz eine führende Rolle gegenüber den Streichern einräumt.

Première Rhapsodie für Klarinette und Klavier

Bis Debussy aber auch Kammermusik für ein Blasinstrument veröffentlichte, sollten etliche Jahre ins Land gehen. Mit der Première Rhapsodie pour clarinette, die im Dezember 1909 und im Januar 1910 entstand, war der Bann gebrochen: Debussy komponierte sie in seiner Funktion als Mitglied des »Conseil supérieur« am Conservatoire in Paris für die künstlerische Reifeprüfung der Klarinettenklasse. Und mit deren Absolventen erlebte das Werk am 14. Juli 1910 dann seine gleich vielfache Feuertaufe – was der Komponist mit gemischten Gefühlen erwartete: »Bedauern Sie mich«, lamentierte er gegenüber seinem Verleger Jacques Durand, »am Sonntag muss ich mir die Rhapsodie elf Mal anhören. Ich werde berichten, falls ich überlebe.« Aber so schlimm war es dann doch nicht, wie Debussy wenige Tage später einräumte: »Der Klarinettenwettbewerb war hervorragend, und, der Reaktion der Kollegen zufolge, war die Rhapsodie gut gelungen.« Weshalb Debussy das Werk zusätzlich noch für Orchester einrichtete.

Als Wettbewerbsstück, das auch die technischen Qualitäten der Kandidaten unter die Lupe nehmen sollte, wartet die Rhapsodie mit hohen Anforderungen an ihre Interpreten auf, verlangt von den Klarinettisten weit geschwungene Kantilenen und den großen Atem, dazu verwegene Sprünge, schnelle Skalen oder hakelige Figurationen und ein breites dynamisches Spektrum, vom mystischen Pianissimo des Beginns bis zu den akzentuierten Spitzentönen im Fortissimo, die am Ende stehen. Die Klangsprache erinnert etwas an den ersten Band der Klavier-Préludes, an dem Debussy zur selben Zeit arbeitete. Wobei er der Rhapsodie allerdings gegensätzliche Charaktere koppelt, mal magisch verträumt, mal burlesk und übermütig – eine frei schweifende Reihe von Stimmungsbildern, genau wie es der Titel suggeriert.

Sonate g-Moll für Violine und Klavier

Der Erste Weltkrieg ließ Claude Debussy, seit jeher allem Germanischen, namentlich aber dem »Untier« Gluck und dem »unerträglichen« Wagner gegenüber kritisch eingestellt, vollends zum französischen Patrioten werden. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits krank und auch zu alt war, um selbst noch als Soldat zur Waffe zu greifen, schlug er seine Schlachten auf dem Feld der Kunst: 1915 nahm er einen Zyklus von Sonaten in Angriff, »composées par Claude Debussy, musicien français«, wie er auf dem Titel ostentativ vermerkte, mit denen er die große französische Musiktradition wieder aufleben lassen und an die Goldene Ära von Rameau, Couperin, Leclair & Co. anknüpfen wollte. Denn seit Rameaus Tod, so war Debussy überzeugt, »haben wir aufgehört, unseren Garten zu bestellen. Wir haben den Handlungsreisenden aus aller Welt die Hände geschüttelt, haben respektvoll ihren Anpreisungen geglaubt und ihre Klamotten gekauft.« Statt Beethoven oder Brahms zu folgen, propagierte er lieber »urfranzösische« Ideale. Die für ihn hießen: »Klarheit, Eleganz, einfache und natürliche Deklamation«.

Die Violinsonate, die er zwischen Oktober 1916 und April 1917 schuf, setzt sich von der deutschen Tradition schon dadurch ab, dass sie nicht in vier Sätzen angelegt ist und auch auf die Sonatenhauptsatzform verzichtet, die seit Beethoven als Standard galt. Stattdessen reiht er die häufig kleinteiligen Motive in freier Form und Verarbeitung aneinander. Im einleitenden Allegro vivo entsteht dabei ein abwechslungsreicher Dialog zwischen Violine und Klavier, die sich wechselseitig die Gedanken zuspielen. Es folgt ein Intermezzo – »fantastisch und leicht« soll es musiziert werden – von tänzerischem Gestus, der allerdings von einem etwas melancholischen Seitengedanken durchbrochen wird. Für das Finale entwarf Debussy eine Vielzahl von Varianten und quälte sich mit der Entscheidung, welcher davon der Vorzug zu geben sei, ehe er doch die ursprüngliche Version wählte, deren »Zwiegesichtigkeit« ihm »lebendig, ja fast fröhlich« vorkam. Resigniert jedenfalls fiel es nicht aus, sein kompositorisches Schlusswort: Am 5. Mai 1917 bestritt Debussy gemeinsam mit dem Geiger Gaston Poulet die Uraufführung. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Der zerbrochene Spiegel: Igor Strawinsky

Der Krieg ließ auch Igor Strawinsky, der seit 1910 am Genfer See lebte und nach Ausbruch der Kämpfe die Schweiz nicht mehr verlassen durfte, zu besonderen Maßnahmen greifen. Da sich die Lebensverhältnisse signifikant verschlechtert und viele Theater den Spielbetrieb eingeschränkt hatten, beschloss er 1917, ein kleinbesetztes und leicht aufführbares Musiktheaterstück für eine Wanderbühne zu schreiben, um sich auf diese Weise seinen Lebensunterhalt zu sichern. Als Stoff wählte er zwei russische Volksmärchen aus der Sammlung von Alexander Afanassjew, die der befreundete Schweizer Dichter Charles-Ferdinand Ramuz unter dem Titel L’Histoire du Soldat zu einem Libretto in französischer Sprache ausarbeitete. Es ist die Geschichte eines Teufelspakts, wie er in so vielen Legenden und Volksstücken zu finden ist: Ein Soldat verkauft seine Geige – und damit auch seine Seele – an den Leibhaftigen, der ihm dafür unermesslichen Reichtum verspricht. Doch das Geld allein macht nicht glücklich, der Soldat verliert, was ihm am teuersten ist: die Braut, die Heimat. Und erlebt die Hölle so schon auf Erden.

LʼHistoire du Soldat

Strawinsky richtete diese Fabel für einen Vorleser, zwei Schauspieler, eine Tänzerin und sieben Instrumentalisten ein und schloss die Partitur im September 1918 ab. Es ging ihm nicht darum, eine Oper en miniature zu schaffen, nein, er suchte ganz bewusst die Nähe zur Kleinkunst, zum Jahrmarkt, zum fahrenden Volk. Dazu passt auch der Charakter seiner Musik mit ihren anschaulichen Gesten und ihrer überdrehten Motorik, ihren Tanzrhythmen und militärischen Signalen oder ihren parodistischen Elementen. Russische Volkslieder und protestantischer Choral, amerikanischer Ragtime und französischer Walzer, spanischer Paso doble und argentinischer Tango – all diese musikalischen Welten beschwört Strawinsky herauf, um sie sogleich wieder auseinanderzunehmen und sie neu und schräg zusammenzusetzen. Mit dem Ergebnis, dass man nun die Welt wie in einem zerbrochenen Spiegel zu erblicken scheint.

Sein ursprünglicher Wunsch, mit der Geschichte vom Soldaten von Ort zu Ort auf Wanderschaft zu gehen, sollte sich für Strawinsky allerdings nicht erfüllen. »Wir hatten nicht mit der spanischen Grippe gerechnet, die sich damals über ganz Europa verbreitete«, berichtete er. »Einen nach dem andern ergriff sie, uns selbst, unsere Familien und schließlich auch die Agenten, die unsere Tournee vorbereiten sollten. So zerrannen unsere schönen Pläne in nichts.« Vielleicht kompilierte Strawinsky auch deshalb im Herbst 1919 noch eine fünfteilige Suite für Violine, Klarinette und Klavier, mit der das Werk dann Eingang ins Kammermusikrepertoire fand – eine Zweitverwertung, wie sie der geschäftstüchtige Komponist auch mit etlichen anderen Partituren praktizierte.

Transatlantische Rhapsodie: Béla Bartók

Im Ragtime der Histoire du soldat spielt Strawinsky mit Anklängen an den Jazz, obwohl er Jazzmusik damals wohl noch nie gehört hatte und nur von Notenblättern her kannte. Nicht viel anders erging es Béla Bartók, als sich 1938 der Geiger Joseph Szigeti mit der Frage an ihn wandte, ob er nicht ein Werk für Violine, Klarinette und Klavier komponieren könne, für ihn selbst und den Jazzklarinettisten Benny Goodman. Nun war Goodman, der als offizieller Auftraggeber fungieren sollte, zwar keineswegs auf Jazz und Swing allein fixiert, sondern spielte durchaus auch Mozart – allerdings mit eigenem Idiom. Doch für Bartók, der die uralte Bauernmusik des Balkans zur Grundlage seines Schaffens erhoben hatte, war Goodmans Stil etwas völlig Neues. Also hörte er sich Schallplattenaufnahmen des Klarinettisten an und versuchte, dessen Spielweise zu berücksichtigen.

Kontraste Sz 111

Szigeti, der 1929 schon Bartóks Violinrhapsodie Nr. 1 uraufgeführt hatte, wünschte sich ein Stück von volkstümlichem Charakter, in zwei Teilen, die so kurz sein sollten, dass sie jeweils auf eine Schallplattenseite passten – und das waren damals maximal vier Minuten. Bartók schrieb das Werk im August und September 1938, verfehlte die Zielvorgabe allerdings klar: Zum einen waren es nicht zwei, sondern drei Sätze, die er vorlegte; zum anderen aber übertrafen auch die beiden rahmenden Tänze, die Szigetis »Bestellung« Rechnung trugen, schon die vorgegebene Spieldauer um je zwei bis drei Minuten. Den Anfang markiert ein Verbunkos, ein Werbetanz, wie er einst bei der Rekrutierung von Soldaten als »Lockmittel« eingesetzt wurde: mit marschartigen Rhythmen, aber auch Anspielungen auf den Blues und einer großen Klarinettenkadenz am Ende. Als Finale sah Bartók einen Sebes vor, einen feurigen und virtuosen Schnelltanz, in dem die Violine brillieren kann. Mit dem Mittelsatz Pihenő (dt. Ruhe oder Rast) fügte er jedoch eines seiner charakteristischen Nachtstücke ein, in dem die Klarinette und die Violine in mystischer Atmosphäre fast zu einer Stimme verschmelzen.

Die beiden Tänze gelangten schon am 9. Januar 1939 in New York zur Uraufführung, damals noch unter dem Titel Rhapsodie, mit Szigeti, Goodman und dem Pianisten Endre Petri; als dreisätziges Gesamtwerk erklang die Komposition dort am 21. April 1940, diesmal mit Bartók am Klavier, der inzwischen seine ungarische Heimat verlassen hatte und ins amerikanische Exil geflüchtet war. Bei dieser Gelegenheit entstand auch die berühmte Platteneinspielung mit den beiden Widmungsträgern und dem Komponisten. Blieb nur noch die Frage, wie das »Kind« nun endgültig heißen sollte. Gemeinschaftlich einigte man sich auf den Namen Kontraste – und der ist höchst sinnfällig. Denn die Welt der ungarischen Bauernmusik trifft hier auf den Jazz, die Geige mit ihren Doppelgriffen, Flageoletts, Arpeggien und Pizzicati auf die Kantabilität der Klarinette, und auch die signifikanten Tempowechsel stehen für das titelgebende Prinzip des Gegensatzes.

Susanne Stähr

Biografie

Yuja Wang hat sich mit ihrer stupenden Virtuosität und Ausdrucksstärke in wenigen Jahren zu einer weltweit begehrten Pianistin entwickelt. 1987 in Beijing geboren, begann ihre Klavierausbildung im Alter von sechs Jahren. Sie studierte am Zentralen Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt, ging dann als 14-Jährige nach Kanada an das Mount Royal College in Calgary und ein Jahr später zu Gary Graffman an das Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo sie 2008 ihr Konzertdiplom erhielt. Bereits 2007 gelang ihr der internationale Durchbruch, als sie für die erkrankte Martha Argerich einsprang und in Boston Tschaikowskys Erstes Klavierkonzert interpretierte. Seither war die Künstlerin weltweit bei vielen renommierten Orchester zu Gast; in Europa ist Yuja Wang u. a. mit der Staatskapelle Berlin, der Filarmonica della Scala, dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestre de Paris, den St. Petersburger Philharmonikern sowie mit dem Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam aufgetreten. Hierbei arbeitete sie mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Valery Gergiev, Zubin Mehta, Antonio Pappano, und Michael Tilson-Thomas zusammen. Yuja Wang gibt Solorecitals in den Musikmetropolen Asiens, Europas und Nordamerikas und ist regelmäßig bei den Sommerfestivals in Aspen und Verbier zu hören. Im Berliner Kammermusiksaal war Yuja Wang erstmals im Mai 2013 mit einem Recital zu erleben; im Mai 2015 folgte ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern mit dem Zweiten Klavierkonzert von Prokofjew (Dirigent: Paavo Järvi). Auf der Asientournee des Orchesters im November 2017 spielte sie Bartóks Zweites Klavierkonzert in vier Konzerten in China und Japan. In dieser Spielzeit ist Yuja Wang außerdem in drei Orchesterkonzerten unter der Leitung von Kirill Petrenko sowie mit einem Solorecital zu Gast.

Daishin Kashimoto, in London geboren und in Japan, Deutschland sowie in den USA aufgewachsen, erhielt seinen ersten Violinunterricht bei Kumiko Etoh in Tokio. Bereits mit sieben Jahren kam er an das Pre-College der Juilliard School of Music in New York und 1990 zunächst als Jung-, später als Vollstudent an die Musikhochschule Lübeck zu Zakhar Bron. Von 1999 bis 2004 wurde er zudem von Rainer Kussmaul an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau unterrichtet. Daishin Kashimoto ist Erster Preisträger des Internationalen Violinwettbewerbs Köln (1993), des Fritz-Kreisler-Wettbewerbs Wien und des Concours International Long-Thibaud Paris (beide 1996) und hat solistisch weltweit mit vielen Orchestern zusammengearbeitet, u. a. mit dem Boston Symphony Orchestra, dem Orchestre National de France, den Symphonieorchestern des Bayerischen und des Hessischen Rundfunks, der Staatskapelle Dresden und den St. Petersburger Philharmonikern. Kammermusikalisch tritt er u. a. mit Martha Argerich, Yuri Bashmet, Myung-Whun Chung, Itamar Golan, Konstantin Lifschitz und Tabea Zimmermann auf. Seit September 2009 ist Daishin Kashimoto Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. In deren Symphoniekonzerten war er wiederholt auch als Solist zu erleben, etwa Anfang September 2015 im Rahmen einer Konzerttournee beim Grafenegg und beim Lucerne Festival in Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur KV 364; in kleinerer Besetzung war er zuletzt im Juni 2017 mit Kirill Gerstein und weiteren Mitgliedern der Berliner Philharmoniker mit Werken von Johannes Brahms im Kammermusiksaal zu hören. Seit 2007 ist Daishin Kashimoto künstlerischer Leiter des Le Pont-Musikfestivals, das in Ako und Himeji (Japan) stattfindet.

Andreas Ottensamer, in Wien geboren, begann 1999 ein Cellostudium an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst, 2003 wechselte er ins Klarinettenfach zu Johann Hindler. 2006 spielte Andreas Ottensamer als Substitut im Orchester der Wiener Staatsoper. Er war Mitglied im Gustav Mahler Jugendorchester und im Verbier Festival Orchestra. Im Oktober 2009 unterbrach er ein »Liberal Arts«-Studium an der Harvard University, um der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker beizutreten. Von Juli 2010 an war Andreas Ottensamer zunächst Soloklarinettist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, bevor er Anfang März des folgenden Jahres die gleiche Position bei den Berliner Philharmonikern übernahm. Der Preisträger zahlreicher Wettbewerbe gastiert bei Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest, der Kammerphilharmonie Bremen und der Kammerakademie Potsdam. Mit seinem Vater Ernst, der 2017 unerwartet verstorben ist, und Bruder Daniel bildete er ab 2005 das Klarinettentrio The Clarinotts. Hinzu kommen künstlerische Partnerschaften mit Leonidas Kavakos, Janine Jansen, Murray Perahia, Leif Ove Andsnes, Sol Gabetta und Yo-Yo Ma. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gestaltete Andreas Ottensamer zuletzt im März 2017 ein Kammerkonzert gemeinsam mit dem Varian Fry Quartett. Als Solist des Orchesters war er außerdem Ende April 2017 sowie beim Europakonzert der Berliner Philharmoniker am 1. Mai 2017 in Pafos mit Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 zu erleben. Seit 2013 ist Andreas Ottensamer gemeinsam mit dem Pianisten José Gallardo künstlerischer Leiter des Schweizer Bürgenstock Festivals.

Yuja Wang (Foto: Kirk Edwards)