Naoko Shimizu (Foto: Sebastian Hänel)

Kammermusik

Quer durch die Musikgeschichte

Wenn die 12 Bratscher der Berliner Philharmoniker als Ensemble auftreten, dann kommen die Liebhaber des dunklen Streicherklangs auf ihre Kosten. Denn der Klangcharakter der Viola − so Hector Berlioz in seiner Instrumentationslehre – sei im Allgemeinen von tiefer Schwermut und unterscheide sich merklich von dem der anderen Streichinstrumente. Dass die Bratsche jedoch nicht nur für melancholische »Saiten« gut ist, beweist das Programm des Abends, das u. a. neben Bearbeitungen geistlicher Werke von Giuseppe Verdi oder Tangos von Astor Piazzolla auch Gioacchino Rossinis mitreißende Ouvertüre zum Barbier von Sevilla und Johann Strauß’ schwungvollen Kaiserwalzer enthält.

12 Bratschen der Berliner Philharmoniker

Michael Praetorius

Suite aus Tänzen (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Benjamin James Dale

Introduction und Andante für sechs Bratschen op. 5

York Bowen

Fantasia für vier Bratschen e-Moll op. 41 Nr. 1

Giuseppe Verdi

Ave Maria (Scala enigmatica) aus den Quattro pezzi sacri (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Simonide Braconi

Back to the viola für zwölf Bratschen

Gioacchino Rossini

Ouvertüre zur Oper Der Barbier von Sevilla (Bearbeitung für acht Bratschen)

Giuseppe Verdi

Laudi alla vergine Maria aus den Quattro pezzi sacri (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Kenneth Harding

Rondo Capriccio für sechs Bratschen

Max von Weinzierl

Nachtstück für vier Bratschen op. 34

Astor Piazzolla

Primavera porteña aus Las cuatro estaciones porteñas (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Astor Piazzolla

Fuga y misterio aus María de Buenos Aires (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Johann Strauß (Sohn)

Kaiserwalzer op. 437 (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Termine und Karten

Verkaufshinweise

So, 25. Feb 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

»Von allen Instrumenten im Orchester«, schrieb Hector Berlioz in seinem Grand traité d’instrumentation et d’orchestration modernes, »ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat. Sie ist ebenso behend wie die Violine, der Ton ihrer tiefen Saiten besitzt einen eigentümlichen, herben Klang, während ihre Töne in der Höhe einen traurig-leidenschaftlichen Ausdruck annehmen; ihr Klangcharakter im allgemeinen ist von tiefer Schwermut und unterscheidet sich merklich von dem der anderen Streichinstrumente.« Kein Wunder, dass bereits zu Berlioz’ Zeit immer mehr anspruchsvolle Originalkompositionen und Bearbeitungen für Bratsche(n) entstanden – ein reizvolles Repertoire, dem sich die 12 Bratscher der Berliner Philharmoniker verschrieben haben.

Ihr Abend beginnt mit dem Ave Maria aus Giuseppe Verdis Pezzi sacri, das auf der »enigmatischen Tonleiter« von Adolfo Crescentini beruht. Der italienische Musikprofessor ließ die chromatische Linie in der Gazzetta musicale di Milano abdrucken – mit der Aufforderung, man möge sich an einer Harmonisierung versuchen. Nach dem Ave Maria folgt das mit vier Violen ungewöhnlich besetzte Phantasy Quartet von York Bowen, den kein Geringerer als Camille Saint-Saëns als einen »der ungewöhnlichsten jungen britischen Komponisten« bezeichnete. Für einen klangvollen Leckerbissen sorgt dann das Arrangement für acht Violen von Rossinis Barbier-Ouvertüre, dem weitere Bratschen-Werke folgen: u. a. Kenneth Hardings Rondo Capriccio für sechs Violen sowie Benjamin James Dales Introduktion und Andante op. 5, dem Dales Lehrer Frederick Corder 1917 »bemerkenswerte Schönheit, Kraft und Originalität« bescheinigte.

Mit dem Nachtstück op. 34 des Wahl-Wieners Max von Weinzierl aus dem Jahr 1883 folgt die wohl erste Komposition für Bratschenquartett. Angeregt wurde es vom damaligen Präsidenten des Salzburger »Mozarteums« Wenzel Sedlitzky, dem das Werk auch gewidmet ist. Abgerundet wird der Abend mit stimmungsvollen Adaptionen von Piazzolla-Tangos sowie mit einer Viola-Variante von Johann Strauß’ Kaiserwalzer.

Naoko Shimizu (Foto: Sebastian Hänel)