(Foto: Matthew Hunter)

Kammermusik

Quer durch die Musikgeschichte

Wenn die 12 Bratscher der Berliner Philharmoniker als Ensemble auftreten, dann kommen die Liebhaber des dunklen Streicherklangs auf ihre Kosten. Denn der Klangcharakter der Viola − so Hector Berlioz in seiner Instrumentationslehre – sei im Allgemeinen von tiefer Schwermut und unterscheide sich merklich von dem der anderen Streichinstrumente. Dass die Bratsche jedoch nicht nur für melancholische »Saiten« gut ist, beweist das Programm des Abends, das u. a. neben Bearbeitungen geistlicher Werke von Giuseppe Verdi oder Tangos von Astor Piazzolla auch Gioacchino Rossinis mitreißende Ouvertüre zum Barbier von Sevilla und Johann Strauß’ schwungvollen Kaiserwalzer enthält.

12 Bratschen der Berliner Philharmoniker

Michael Praetorius

Suite aus Tänzen (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Benjamin James Dale

Introduktion und Andante für sechs Bratschen op. 5

York Bowen

Fantasia für vier Bratschen e-Moll op. 41 Nr. 1

Giuseppe Verdi

Ave Maria (Scala enigmatica) aus den Quattro pezzi sacri (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Simonide Braconi

Back to the viola für zwölf Bratschen

Gioacchino Rossini

Ouvertüre zur Oper Der Barbier von Sevilla (Bearbeitung für acht Bratschen)

Giuseppe Verdi

Laudi alla vergine Maria aus den Quattro pezzi sacri (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Kenneth Harding

Rondo Capriccio für sechs Bratschen

Max von Weinzierl

Nachtstück für vier Bratschen op. 34

Astor Piazzolla

Primavera porteña aus Las cuatro estaciones porteñas (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Astor Piazzolla

Fuga y misterio aus María de Buenos Aires (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Johann Strauß (Sohn)

Kaiserwalzer op. 437 (Bearbeitung für Bratschenensemble)

Termine und Karten

So, 25. Feb 2018, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie Q

Programm

»Von allen Instrumenten im Orchester«, schrieb Hector Berlioz in seinem Grand traité d’instrumentation et d’orchestration modernes, »ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat. Sie ist ebenso behend wie die Violine, der Ton ihrer tiefen Saiten besitzt einen eigentümlichen, herben Klang, während ihre Töne in der Höhe einen traurig-leidenschaftlichen Ausdruck annehmen; ihr Klangcharakter im allgemeinen ist von tiefer Schwermut und unterscheidet sich merklich von dem der anderen Streichinstrumente.« Kein Wunder, dass bereits zu Berlioz’ Zeit immer mehr anspruchsvolle Originalkompositionen und Bearbeitungen für Bratsche(n) entstanden – ein reizvolles Repertoire, dem sich die 12 Bratscher der Berliner Philharmoniker verschrieben haben.

Ihr Abend beginnt mit dem Ave Maria aus Giuseppe Verdis Pezzi sacri, das auf der »enigmatischen Tonleiter« von Adolfo Crescentini beruht. Der italienische Musikprofessor ließ die chromatische Linie in der Gazzetta musicale di Milano abdrucken – mit der Aufforderung, man möge sich an einer Harmonisierung versuchen. Nach dem Ave Maria folgt das mit vier Violen ungewöhnlich besetzte Phantasy Quartet von York Bowen, den kein Geringerer als Camille Saint-Saëns als einen »der ungewöhnlichsten jungen britischen Komponisten« bezeichnete. Für einen klangvollen Leckerbissen sorgt dann das Arrangement für acht Violen von Rossinis Barbier-Ouvertüre, dem weitere Bratschen-Werke folgen: u. a. Kenneth Hardings Rondo Capriccio für sechs Violen sowie Benjamin James Dales Introduktion und Andante op. 5, dem Dales Lehrer Frederick Corder 1917 »bemerkenswerte Schönheit, Kraft und Originalität« bescheinigte.

Mit dem Nachtstück op. 34 des Wahl-Wieners Max von Weinzierl aus dem Jahr 1883 folgt die wohl erste Komposition für Bratschenquartett. Angeregt wurde es vom damaligen Präsidenten des Salzburger »Mozarteums« Wenzel Sedlitzky, dem das Werk auch gewidmet ist. Abgerundet wird der Abend mit stimmungsvollen Adaptionen von Piazzolla-Tangos sowie mit einer Viola-Variante von Johann Strauß’ Kaiserwalzer.

Über die Musik

Der anschmiegsame Samttöner

Eine Liebeserklärung an die Bratsche und ihre Spieler

von Klaus Wallendorf

Jahrzehntelang durfte ich vom Platz des dritten Hornisten aus verfolgen und genießen, wie unsere philharmonische Bratschenruppe das Orchesterrepertoire mit ihrem versonnenen bis heldischen, durch und durch individualistisch abgetönten, doch stets gruppendienlichen Spiel veredelte. Heute darf ich die lang ersehnte Gelegenheit nutzen, ihnen mit einigen Textbeiträgen aus fünf Jahrzehnten genussvoller Violaphilie zur Seite zu stehen.

»Mein vor einiger Zeit in gesegnetem Alter verstorbener Freund Theo, der Dachschindelhändler in Piding bei Freilassing war, ist schuld daran, dass ich in den Siebzigerjahren zu der Überzeugung gelangte, die Bratsche sei ein leicht spielbares Instrument, das zu Recht mit Hilfe eines Darms zum Klingen gebracht wird.

Wenn Theo nach getaner Arbeit einen schindelfreien Abend vor sich hatte, umgab er sich gern mit konzertierwilligen Studenten des Salzburger Mozarteums, die als Ausgleich für seine großzügige Bewirtung sein autodidaktisch entstandenes Bratschenspiel in Kauf nahmen, das er bei der Bewältigung von Streichquartetten bis hin zur Wiener Vorklassik zu häuslicher Geltung brachte.

Diese Musizierabende zogen sich oft bis in die frühen Morgenstunden hin und erlaubten Theo, die Lagen zumindest bei seinen Weinsorten zu wechseln. Auch der Unterschied zwischen Halben, Vierteln und Achteln ist ihm wahrscheinlich in jenem kühlen Gewölbe bewusst geworden, in dem Sechzehntel keine Rolle spielen.

An ein Werk wie das nun folgende hätte sich Theo auch in solchen Zeiten nicht gewagt, in denen er beinahe täglich den Gebrauch der heiklen A-Saite in Erwägung zog.

In seinem Verhältnis zur Bratsche wie auch in der Ehe liebte Theo den Gegenstand seiner Anbetung, beherrschte ihn aber nicht, denn sonst hätte er sich sicher mit seinem Wunsch durchgesetzt, wenigstens eine der drei Töchter Viola zu nennen.

Widmen wir diese zusammenfassenden Worte jenen zahl- und namenlosen Bratschen-Amateuren, die spielerisches Unvermögen davor bewahrte, neben der Leidenschaft auch noch vom Beruf ergriffen zu werden.«

Ich sehe die Kolleginnen und Kollegen vor mir, wie sie sich Gedanken über ein denkbares Abendprogramm machen, und wie sie sich dann den Überlegungen eines jeden Kammermusikensembles hingeben, das nicht mit einem solchen Überangebot an Repertoire gesegnet ist, wie es etwa den Streichquartetten zu Gebote steht. Die heutige Programmauswahl beginnt mit einem veritablen Alten Meister, Michael Praetorius, der kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Kriegs starb und eine Unzahl von Tänzen hinterließ, auf die nahezu jede Instrumentalgruppe zurückgreifen kann. Die in diesem Konzert zu hörenden fünf Sätze (Passameze, Gaillarde und drei Volten) gehören zur 1612 unter dem Titel Terpsichore veröffentlichten »einzig erhaltenen Sammlung weltlicher Musik von Praetorius«, die man unter www.michael-praetorius.de zur garantierten Erbauung im Internet aufsuchen kann.

Das Ave Maria und die Laudi alla Vergine Maria aus Giuseppe VerdisQuattro pezzi sacri (Vier vier geistliche Stücke) kommen der besinnlichen Seite des Bratschenklangs in nahezu erschütternder Eindringlichkeit entgegen. Ein Kuriosum stellt dabei Verdis Beschäftigung mit einer etwas abwegigen Tonleiter dar, die sein italienischer Zeit- und Zunftgenosse Adolfo Crescentini ersonnen hatte, um dem Diktat der bestehenden Skalenordnung eine individuelle Variante entgegenzustellen. Für Verdi eine Gedankenspielerei, die man beim Zuhören kaum nachverfolgen kann, hat sie dem Professor Crescentini immerhin einen Eintrag in den Enzyklopädien der Nachwelt gesichert.

Mit dem Bratschisten Simonide Braconi erleben wir einen jüngeren Komponisten aus Italien, der das Instrumentalrepertoire schon um vielsaitige Abenteuer vermehrt und bereichert hat. Sein Back to the Viola beschreitet einen Weg »zurück zur Bratsche«, der sich vielleicht an reumütige Heimkehrer in seine Stimmgruppe wendet, die ausflugsweise zur Violine gewechselt hatten.

Die verbliebenen Komponisten des heutigen Abends lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: in die berühmten – wie Rossini, Strauß und Piazzolla – sowie diejenigen mit enger Bindung speziell an das Bratschistenrepertoire, aber bislang ohne nennenswerte Bedeutung für die Musikgeschichte. Naturgemäß erscheinen die Werke der großen Namen in ihrer Überlieferung durch Bearbeitungen, die übrigen erweitern den Abend um die noch immer vergleichsweise spärlichen Originalkompositionen.

York Bowen aus London lebte von 1884 bis 1961 und war der jüngste Sohn des Besitzers der Whiskydestillerie Bowen & McKechnie in Crouch Hill/London. Ob zwischen den gelegentlich leicht rauchig-verhangenen Klängen der Bratsche und den entsprechenden Gemütslagen insularer Whiskytrinker ein hörbarer Zusammenhang besteht, entnehmen Sie bitte Bowens Fantasie e-Moll op. 41 Nr. 1 für vier Bratschen.

»Nachtstücke« findet man in der Musik des Öfteren. E. T. A. Hoffmann schrieb einen Erzählzyklus gleichen Titels, die Robert Schumann zu seinen Nachstücken op. 23 für Klavier anregten – düstere Stimmungsbilder für regnerische Wochentage, die nicht nur die Bratschisten am liebsten mit unerlässlichen Tonstudien verbringen. Max von Weinzierl – nach dem die Weinzierlgasse in Wiens 14. Bezirk benannt ist – hinterließ ebenfalls ein Nachtstück genanntes, traumverlorenes Tongebilde, das als erste Originalkomposition für diese Besetzung in die Musikgeschichte Eingang gefunden hat. »Ueber den Lebens- und Bildungsgang dieses Compositeurs, von dem weit über ein halbes hundert Tonstücke im Druck erschienen sind, wissen wir nur wenig«, heisst es in Constant von Wurzbach-Tannenbergs Biographischem Lexikon des Kaiserthums Österreich. Ohne die pionierhafte Zuneigung einer global auftretenden Bratschergemeinde hätte sich Weinzierls Opus 34 kaum aus der Vergessenheit befreit, der z. B. Werke wie diese angehören: die Polka française Frei nach Linné (Devise aus der Pflanzenwelt) für Männerchor mit Pianoforte – oder die Quadrille für Männerchor mit Orchester oder Pianoforte unter dem rätselhaften Titel Das Sitzen.

Zur Auflockerung folgt hier eine leicht verschrobene Hymne an die Viola, die dem Kapitel Violonzoologisches aus meinem Büchlein Immer Ärger mit dem Cello entnommen ist:

»Die Bratsche bildet innerhalb der Gruppe freischwingender Pultgrantler die anspruchsvollste Spezies und weicht durch nonkonformistische Paarungsmuster ein wenig vom überlieferten Bild dieses immer ein wenig abwesend wirkenden Herdensäugers ab. Fehlt einmal ein Exemplar bei der morgendlichen Äsung, so kann man sicher sein, es an einer ruhigen Lichtung irgendwo im Streicherwald vor sich hin sinnierend aufzufinden, versonnen den Eindrücken längst vergangener Tage der Alten Musik nachhängend. In solchen Momenten darf man die Bratsche ebenso wenig aufschrecken wie den Schlafwandler, der nächtlich seine gewohnten Dächer überquert. Im Hügelgebiet unserer Mittelgebirge fühlt sich die Bratsche am wohlsten, denn sie ist nicht schwindelfrei und daher für Einsätze in höheren Lagen ungeeignet. Der Meeresspiegel mit seinen unendlichen Gelegenheiten zu entspannten Wattwanderungen über die Sandbänke unserer Hörgewohnheiten liegen der Bratsche mehr als die exhibitionistische Extremkletterei ihrer Artgenossen.

Die Bratsche ist sowohl im Rudel als auch einzeln von umgänglicher, bisweilen etwas selbstverliebter Natur, kaum bissig, ein bisschen spröde im Dialog, jedoch im Bestand nicht gefährdet. Als notorischer Mitteltöner um steten Ausgleich zwischen den Arten bemüht, wird sie daher von vielen Seiten als konsensförderndes Element gern in Anspruch genommen.

Ergebnissen jüngster Recherchen zufolge ist die Bratsche das Produkt eines Kreuzungsversuches aus Violine und Gambe. In der Universität von Cremona sperrte man zu Semesterbeginn des Jahres 1679 einige Gambenmännchen monatelang unter Paarungsbedingungen mit der entsprechenden Anzahl Geigenweibchen zusammen und fütterte sie mit Proben von Kreuztonarten. Intensive Nachforschungen der Stiftung Tonartenschutz bestätigen diese These. Auf den laufenden Musikbetrieb wird diese Faktenlage keinen Einfluss haben – die Bratsche und ihr Spielmaterial sind längst bestens im Konzertalltag eingebunden –, aber es mag ja für den einen oder anderen Bratscher von Bedeutung sein, wenn er sich über seine Wurzeln im Klaren ist.«

Kenneth Harding (1903 – 1992), ein gebürtiger Waliser (aus Wales, nicht dem Wallis), der seine Lebensabenteuer als »the quiet man from the town of Abertillery« überwiegend auf dem Notenpapier durch Werke wie Moonlit Apples (mondbeschienene Äpfel) auslebte, schrieb eine stattliche Anzahl Bratschenwerke zu einer Zeit, als die englische Violalegende Lionel Tertis Maßstäbe setzte. Das heute erklingende Rondo Capriccio gehört zu den Musikstücken, bei denen die Virtuosität der Ausführung kompositorische Unzulänglichkeiten aufzufangen hat.

Benjamin James Dale (1885 – 1943) aus London wurde von Lionel Tertis – der seinerzeit so etwas wie der Paganini der Bratschisten gewesen zu sein scheint – mit der Komposition von Introduktion und Andante beauftragt, das dieser im Jahre 1911 gemeinsam mit fünf Studenten als Originalwerk für Bratschensextett aus der Taufe hob, um der erstaunten Musikwelt vorzuführen, zu welchen virtuosen musikalischen Wunderdingen die Bratsche inzwischen in der Lage war. Ob Dales kurzes Opus 5 tatsächlich »Effekte von fast beethovenscher Majestät und Größe mit melodischem Schwung« verbindet, wird die heutige Aufführung zeigen.

Der argentinische Bandoneon-Virtuose und Komponist Astor Piazzolla machte den Tango philharmonie-tauglich und hinterließ ein Lebenswerk, aus dem sich schon Generationen von Instrumentalisten zur Belebung ihrer Werkauswahlen bedienten. Seine Primavera Porteña (Frühling in Buenos Aires) sowie Fuga y Misterio aus der Tango-Operita María de Buenos Aires leiten den tänzerischen Ausklang des heutigen Konzertabends ein.

Der Kaiserwalzer op. 437 von Johann Strauß Sohn ist längst kein kommentierbedürftiges Stück mehr, aber wenn man einen Blick auf die originalen Violastimmen geworfen hat, kann man ermessen, wie wichtig es unseren Bratschisten war, das Werk einmal aus der gestaltenden Perspektive eines Melodieinhabers aufzuführen.

In der Instrumentenbezeichnung »Viola da Braccio« steckt übrigens das italienische Wort für den Arm (il braccio), auf den neidische Konkurrenten in ihren oft dürftigen Witzen die Bratsche nehmen, um die natürliche Würde dieses anschmiegsamen Samttöners dem freudlosen Gelächter einer immer leichter erheiterbaren Öffentlichkeit auszusetzen. Die Bratscher quittieren solche Anwürfe mit der gleichen Gelassenheit, mit der die Ostfriesen, die Appenzeller, die Belgier oder vergleichbare Minoritäten eines Landes fremden Spott erdulden.

Die Viola – vulgo: Bratsche – durchtönt das Reich der ewigen Mitte und fühlt sich in der Nachbarschaft der nachdenklichen Celli hörbar wohler als neben den sprunghaft-demütigen Zweiten oder gar den vorwitzig-überheblichen Ersten Geigen. Tritt wieder einmal ein unangefochtener Meistergeiger zum Bratschertum über, so resultiert diese Entscheidung nicht aus spielerischer Überforderung, sondern aus der Erkenntnis des im Dienst geläuterten Musikers, wonach die vordergründige und oft spektakuläre Melodieführung einer Geigenstimme letztlich doch verblasst neben den tieferen, wenn auch selteneren Einsichten, die im sanft gemaserten, edelhölzernen Brutkasten eines Bratschenkörpers heranreifen.

Die Bratscher sind im Gros der Streicher
um das gewisse Quentchen gleicher,
das mancher braucht, um sich von Plätzen,
die weiter vorn sind, abzusetzen.

Sie liegen klanglich in der Mitte
und sind im Partiturbild dritte,
wo sie sich weich, doch hörbar zwischen
die Geiger und Cellisten mischen.

Sie führen gern ihr Dienerleben,
um nicht mit Trümpfen anzugeben,
die sie zwar hätten, doch erst zeigen,
wenn andʼre Tonangeber schweigen.

Ist die Gelegenheit gekommen,
wird sie beherzt beim Schopf genommen,
um die gewohnten Auftrittsnormen
zu ungewohnten umzuformen.

Die Gunst der Abendstunde nutzend,
könnt ihr das unerreichte Dutzend
bewerten oder still genießen
und dann in eure Herzen schließen.

Der letzte Vers darf als Aufforderung verstanden werden und passt abschließend zu dem berühmten, hier leicht abgewandelten Ausspruch Friedrich Nietzsches: »Ohne Bratsche wäre die Musik ein Irrtum.«

Biografie

Naoko Shimizu wurde in Osaka geboren. In Tokio studierte sie zunächst Violine, bevor sie sich 1992 für den Wechsel zur Bratsche entschied, an der sie von Nobuo Okada (Toho-Gakuen Musikhochschule) ausgebildet wurde. 1994 kam sie nach Deutschland und setzte ihre Studien bei Nobuko Imai an der Musikhochschule Detmold fort. Sie wurde u. a. beim Internationalen Wettbewerb in Genf (1996), beim ARD-Wettbewerb in München (1997) und bei den Young Concert Artist International Auditions in den USA (1998) ausgezeichnet. Seit 2001 ist Naoko Shimizu Solo-Bratscherin der Berliner Philharmoniker. Überdies gastierte sie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, beim Orchestre de la Suisse Romande, bei den Budapest Strings sowie bei zahlreichen japanischen Orchestern als Solistin. Die leidenschaftliche Kammermusikerin, die sich in der Philharmonischen Camerata engagiert, gastierte bei bedeutenden Festivals (Kammermusikfest Lockenhaus, Marlboro Music Festival u. a.). Neben ihrer Konzerttätigkeit gibt Naoko Shimizu Meisterkurse im In- und Ausland.

Micha Afkham, 1979 in Freiburg im Breisgau geboren,erhielt mit fünf Jahren seinen ersten Violinunterricht. Später wechselte er zur Bratsche, studierte zunächst bei Hatto Beyerle an der Musikhochschule Hannover und von 1999 an bei Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Zahlreiche Meisterkurse bei Künstlern wie Yuri Bashmet, Gidon Kremer, Wolfram Christ und Herman Krebbers ergänzten seine künstlerische Ausbildung. Zudem war Micha Afkham Stipendiat der Villa Musica Mainz, des Richard Wagner Verbands Hannover und der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg. 2003 wurde er in die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und im Folgejahr in die Bratschengruppe des Orchesters aufgenommen. Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe konzertiert regelmäßig als Solist und Kammermusiker im In- und Ausland; er ist Mitglied im Scharoun Ensemble Berlin sowie im Berlin Piano Quartet. Zu Micha Afkhams Kammermusikpartnern zählen Isabelle Faust, Tabea Zimmermann, Emmanuel Pahud, András Schiff, Gidon Kremer und das Beaux Arts Trio.

Julia Gartemann studierte Viola an der Hochschule für Musik in Detmold bei Nobuko Imai und wechselte nach der Künstlerischen Reifeprüfung ans Curtis Institute of Music in Philadelphia zu Michael Tree. Der Unterricht bei Wilfried Strehle an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie Meisterkurse bei Kim Kashkashian, Wolfram Christ, beim Tokyo und beim Vermeer String Quartet vervollständigten ihre Ausbildung. Von 1986 an bei verschiedenen Wettbewerben erfolgreich, wurde Julia Gartemann mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet (Deutsche Stiftung Musikleben, Jürgen Ponto-Stiftung, Studienstiftung des deutschen Volkes u. a.). 2000 wurde die Musikerin in die Bratschengruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen; seit 2005 gehört sie dem Personalrat des Orchesters an. Julia Gartemann gastiert solistisch und als Kammermusikerin im In- und Ausland, wobei sie sich auch in philharmonischen Kammermusikgruppen (Violentango, Venus Ensemble Berlin, Brahms Ensemble Berlin) engagiert. Zudem unterrichtet sie seit einigen Jahren u. a. als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

Matthew Hunter, geboren in Ohio und in Massachusetts aufgewachsen, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Violinspiel. Roman Totenberg (früher Assistent von Carl Flesch in Berlin), Michael Tree und Jaime Laredo waren prägende Lehrer des Musikers, der erst mit 27 Jahren zur Bratsche wechselte und bereits ein Jahr darauf den Internationalen »Gee«-Violawettbewerb gewann. Außerdem erwarb er am Dartmouth College einen akademischen Grad in Philosophie sowie den Master of Music und auch das Graduate Artist Diplom. Von 1991 an Stellvertretender Solo-Bratscher des National Arts Centre Orchestra in Ottawa, kam Matthew Hunter 1996 zu den Berliner Philharmonikern; von 1999 bis 2005 war er Mitglied des Fünferrats. Mit großem Engagement nimmt er an den Education-Projekten des Orchesters teil. Matthew Hunter ist ein vielseitiger Musiker, der auch Gitarre spielt, Bearbeitungen schreibt und in philharmonischen Kammermusikensembles (Berliner Philharmonisches Klavierquartett, Philharmonischen Streichsextett Berlin, Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin, Brahms Ensemble Berlin) tätig ist. Seit 2003 lehrt er an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

Ulrich Knörzer wurde in Mannheim geboren und erlernte zunächst das Geigenspiel; mit zwölf Jahren wechselte er ins Bratschenfach. Von 1980 bis 1987 studierte der dreifache Erste Preisträger beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« bei Rainer Moog an der Kölner Musikhochschule, 1988/1989 setzte er seine Ausbildung bei Karen Tuttle an der Juilliard School of Music in New York fort. Meisterkurse bei Max Rostal, Sándor Végh, Yuri Bashmet und anderen rundeten seine Ausbildung ab. 1990 wurde Ulrich Knörzer in die Bratschen-Gruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen. Von 1996 bis Februar 2010 gehörte er dem Personalrat an und war in dieser Funktion auch stellvertretendes Mitglied im Stiftungsrat; von 2009 bis 2011 Mitglied des Fünferrats, ist er seit 2012 Orchestervorstand. Der leidenschaftliche Kammermusiker spielte beispielsweise in den Jahren 1992 bis 2006 im Scharoun Ensemble Berlin, derzeit engagiert er sich im Concerto Melante sowie im Philharmonischen Capriccio Berlin. Als Solist konzertiert Ulrich Knörzer europaweit sowie in China.

Martin von der Nahmer, geboren in Wuppertal, spielte bereits fünf Jahre Geige, bevor er im Alter von elf Jahren zur Bratsche wechselte. Er wurde zunächst Schüler von Konrad Grahe an der Essener Folkwang-Hochschule, von 1999 bis 2004 folgte ein Studium bei Hartmut Rohde an der Universität der Künste in Berlin. Bereits während seiner Ausbildung trat Martin von der Nahmer als Solist mit der Philharmonia Hungarica und dem Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen auf. Zudem absolvierte er bereits vor Studienabschluss das Probespiel bei den Berliner Philharmonikern, bei denen er seit Mai 2004 Mitglied der Bratschengruppe ist. Mit Passion widmet sich Martin von der Nahmer auch der Kammermusik, u. a. im Ensemble Violentango. Gemeinsam mit philharmonischen Kollegen gründete er zudem in der Saison 2012/2013 das Varian Fry Quartett.

Allan Nilles erhielt bereits mit drei Jahren Bratschenunterricht. Er studierte bei Heidi Castleman und Misha Amory an der New Yorker Juilliard School of Music, wo er 2011 seinen Bachelor of Music erhielt. Bereits während seiner Ausbildung trat der aus Illinois stammende Musiker mehrfach als Mitglied des Perlman Music Programs mit dem Geiger Itzhak Perlman in Kammerkonzerten auf. Erste Orchestererfahrung sammelte Allan Nilles im Tanglewood sowie im New World Symphony Orchestra. 2012 wurde er Mitglied der Bratschengruppe des San Diego Symphony Orchestra. Um sich künstlerisch weiterzuentwickeln, nahm Allan Nilles 2013 an der Lucerne Festival Academy teil und wurde im Januar 2015 Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Nur einen Monat später gewann er das Probespiel für die Bratschenstelle des Orchesters, die er im Mai 2015 antrat.

Neithard Resabegann 1969 in seiner Heimatstadt Berlin zunächst ein Violinstudium bei Michel Schwalbé, zwei Jahre später setzte er die Ausbildung bei Marie-Luise von Kleist-König fort. 1972 wurde Max Rostal sein Lehrer an der Musikhochschule Köln, wo er auf dessen Anregung ins Bratschenfach wechselte. 1977 vervollkommnete Neithard Resa seine Studien bei Michael Tree (Guarneri Quartett) am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Im Folgejahr war er Preisträger beim Wettbewerb des Deutschen Musikrates und wurde als 1. Solo-Bratscher Mitglied der Berliner Philharmoniker – eine Position, die er bis zum Jahr 2010 inne hatte. Von 1980 bis 1987 spielte Neithard Resa im Philharmonischen Oktett; seit 1985 ist er Bratscher im Philharmonia Quartett, das weltweit mit großem Erfolg konzertiert. Bis zum Ende der Saison 2016/2017 Mitglied der Berliner Philharmoniker, tritt Neithard Resa weiterhin als Solist sowie mit verschiedenen Ensembles als Kammermusiker auf. Von 1985 bis 1997 unterrichtete er auch an der Karajan-Akademie seines Orchesters.

Joaquín Riquelme García erhielt als Achtjähriger den ersten Bratschenunterricht. Seine Ausbildung bei Emilio Mateu und Alan Kovacs am Real Conservatorio Superior de Música de Madrid schloss er später mit Auszeichnung ab. Von 2005 und 2008 folgte ein Aufbaustudium zum Konzertexamen bei Hartmut Rohde an der Universität der Künste Berlin. Darüber hinaus besuchte Joaquín Riquelme García Meisterkurse u. a. bei Jesse Levine und Jean Sulem. Seine Orchesterlaufbahn begann er als stellvertretender Stimmführer im Orquestra Simfònica de Barcelona. Von dieser Position wechselte er im Februar 2010 zu den Berliner Philharmonikern. Zudem ist der Bratscher immer wieder solistisch zu erleben, etwa mit der Philharmonie Baden-Baden sowie dem Orquesta Sinfónica del Principado de Asturias. Kammermusikalisch arbeitete er mit verschiedenen Ensembles und Musikern zusammen, beispielsweise mit Christian Zacharias, Natalie Chee und Mikhail Kopelman.

Martin Stegner erhielt mit acht Jahren von seinem Vater den ersten Geigenunterricht. Nach dem Studium an der Musikhochschule Mannheim bei Roman Nodel wechselte er zur Bratsche; 1992/1993 setzte er die Ausbldung an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker bei Neithard Resa und Wilfried Strehle fort. Meisterkurse bei Wolfram Christ, Rainer Kussmaul u. a. vervollkommneten sein Können. Nach einer Tätigkeit als 1. Solo-Bratscher im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wechselte er 1993 zu den Berliner Philharmonikern, deren Fünferrat er von 2006 bis 2014 angehörte. Martin Stegner konzertiert international als Solist und Kammermusiker. Der leidenschaftliche Jazzmusiker spielte z. B. mit Herbie Mann, Diane Reeves und Nils Landgren, war Mitbegründer der Berlin Philharmonic Jazz Group und rief 2008 das Ensemble Bolero Berlin ins Leben. Weitere Projekte verbinden ihn mit Simon Stockhausen und dem chinesischen Sheng-Virtuosen WuWei. Martin Stegner unterrichtete beim Gustav Mahler Jugendorchester und beim Orquesta Juvenil Centroamericana; außerdem gab er Kurse an der Yale University in New Haven (Connecticut) sowie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

Wilfried Strehle, in Schorndorf (Baden-Württemberg) geboren, wechselte nach anfänglichem Geigenspiel zur Bratsche. Der Schüler von Emil Kessinger, Ulrich Koch und Tibor Varga wurde 1971 direkt nach dem Studium bei den Berliner Philharmonikern aufgenommen; 1984 qualifizierte er sich für die Position des Solo-Bratschers, die er bis 2013 inne hatte. Der leidenschaftliche Kammermusiker gehörte 1976 zu den Mitbegründern des Brandis Quartetts, das bis 2002 weltweit konzertierte. Zudem musizierte er im Philharmonischen Oktett Berlin, bei den Philharmonischen Virtuosen, bei den Philharmonischen Freunden Wien-Berlin, in der Philharmonischen Camerata Berlin sowie im Trio Berlin. Wilfried Strehle lehrte an der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und ist Gastprofessor der Universität der Künste Berlin; im In- und Ausland gibt er überdies regelmäßig Meisterkurse.

Wolfgang Talirz, in Passau geboren, spielte zunächst Geige und wechselte als 15-Jähriger zur Bratsche. 1976 nahm er am Bruckner-Konservatorium in Linz sein Studium auf, welches er 1977 an der Münchner Musikhochschule bei Georg Schmid fortsetzte. 1980 wurde der Erste Preisträger des Bundeswettbewerbs »Jugend musiziert« Mitglied der Münchner Philharmoniker; drei Jahre später wechselte er zu den Berliner Philharmonikern. Wolfgang Talirz ist ein begeisterter Kammermusiker: So gehört er der Philharmonischen Camerata, dem Philharmonischen Streichquintett und dem Philharmonischen Streichtrio Berlin an. Ein besonderes Anliegen ist Wolfgang Talirz die langfristige Arbeit an Benefizprojekten – Schwerpunkte bilden hier die Hilfe für mexikanische Straßenkinder sowie für krebskranke Kinder.

(Foto: Matthew Hunter)