Kammermusik

Les Talens Lyriques Ensemble

Christophe Rousset Dirigent

Georg Philipp Telemann

Orchestersuite G-Dur TWV 55:G1 »La Putain«

Jean-Marie Leclair

Orchestersuite aus der Tragédie en musique Scylla et Glaucus

Jean-Philippe Rameau

Orchestersuite aus der Opéra-Ballet Les Fêtes de l’Hymen et de l’Amour

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Programm

Telemann hatte Humor. Literarische »Helden«, Naturgeräusche und historische Ereignisse: alles wurde von ihm ebenso bildhaft wie charakteristisch in Musik gesetzt – sei es in der Wassermusik Le Tintamarre, in den Don-Quichotte- und Gulliver-Suiten oder in seiner Ouverture burlesque zum Pariser Börsencrash von 1720. Das malerischste all dieser Stücke ist zweifellos die Ouvertürensuite La Putain, die ihren Titel einem Bauernmädchen verdankt, das dem anderen Geschlecht freizügiger begegnet, als dies im Allgemeinen üblich ist: Die einleitende Ouvertüre zitiert das Volkslied »Ich bin so lang nicht bei dir g’west«, der allegorische Auftritt der Strebsamkeit erfolgt im Schneckentempo und misslingt, weshalb sich die bäuerliche Gesellschaft unbeschwert zur Kirmes aufmachen kann. Anschließend gerät das Menuett »Der Hexen-Tantz« zur Karikatur der guten Manieren, da die tanzenden Frauen wie vom Teufel besessen die Hüften schwingen, bevor der Hörer in eine buchstäblich lausige Herberge entführt wird, in der fröhlich gezecht wird. Les Talens Lyriques werden sich in diesem Konzert der Reihe Originalklang Telemanns viel zu selten zu hörender Suite La Putain widmen, einer vor Fantasie und Witz schier übersprudelnden Musik, die eine ländlich pittoreske Atmosphäre verbreitet.

Außerdem hat das französische Barockensemble die Orchestersuite aus Jean-Philippe Rameaus »Ballet heroïque« Les Fêtes de l’Hymen et de l’Amour aufs Programm gesetzt, das mit seiner zwischen dem italianisierenden Stil und der französischen Expressivität changierenden Musik dem Premierenpublikum ein Bühnenspektakel auf allen Ebenen bot: Mit schwungvollen Tanzeinlagen voller neuartiger Orchesterklänge, expressiven Sinfonien und einem Chor, der wesentlich am Ablauf der Handlung beteiligt war. Die Bühnenhandlung ist in der Welt der ägyptischen Mythologie angesiedelt, wobei Rameaus Partitur auch die klangliche Umsetzung einer Nil-Überschwemmung enthält.

Zwischen diesen beiden Werken widmen sich Les Talens Lyriques der Orchestersuite aus der Tragédie en musique Scylla et Glaucus von Jean-Marie Leclair, dessen Ruf als einem der bedeutendsten Violinvirtuosen der Zeit seine Reputation als Komponist sogar noch überstrahlte. Die musikalische Leitung des Abends liegt in den Händen von Christophe Rousset, der zu den führenden Barockinterpreten zählt.

(Foto: Eric Larrayadieu)