(Foto: Stefan Rabold)

Silvesterkonzert mit Simon Rattle und Joyce DiDonato

Mit ihrem flexiblen, schlanken und zugleich dunkel timbrierten Mezzosopran hat Joyce DiDonato schon mehrfach das Publikum der Philharmonie begeistert. Jetzt ist sie an der Seite von Sir Simon Rattle Stargast im Silvesterkonzert und widmet sich der verschwenderisch ausgegossenen Schönheit in Richard Strauss’ Orchesterliedern. Dazu gibt es Werke von Dvořák, Strawinsky, Bernstein und Schostakowitsch – voller Virtuosität, Grazie und Humor.

Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent

Joyce DiDonato Mezzosopran

Antonín Dvořák

Karneval, Konzertouvertüre op. 92

Igor Strawinsky

Pas de deux aus Apollon musagète

Richard Strauss

Zueignung op. 10 Nr. 1 (Orchestrierung von Robert Heger)

Joyce DiDonato Mezzosopran

Richard Strauss

Wiegenlied op. 41 Nr. 1 (Fassung für Singstimme und Orchester)

Joyce DiDonato Mezzosopran

Richard Strauss

Muttertändelei op. 43 Nr. 2 (Fassung für Singstimme und Orchester)

Joyce DiDonato Mezzosopran

Richard Strauss

Morgen op. 27 Nr. 4 (Fassung für Singstimme und Orchester)

Joyce DiDonato Mezzosopran

Richard Strauss

Die heiligen drei Könige aus Morgenland op. 56 Nr. 6 (Fassung für Singstimme und Orchester)

Joyce DiDonato Mezzosopran

Leonard Bernstein

3 Dance Episodes aus On the Town

Leonard Bernstein

»Take Care of this House« aus der White House Cantata

Joyce DiDonato Mezzosopran

Dmitri Schostakowitsch

Suite aus dem Ballett Das goldene Zeitalter op. 22a

Termine und Karten

Fr, 29. Dez 2017, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Sonderkonzert

Sa, 30. Dez 2017, 19:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 18:00 Uhr

Sonderkonzert

Programm

»Ich hoffe, die Berliner wissen, was Sie an diesem Saal haben. Er ist fantastisch«, schwärmte Joyce DiDonato in einem Interview, das sie anlässlich ihres Debüts in einem Orchesterkonzert der Berliner Philharmoniker im April 2015 für die Digital Concert Hall gab. Die amerikanische Sängerin bezauberte damals bei den Osterfestspielen in Baden-Baden und in Berlin mit ihrem flexiblen, schlanken, doch gleichzeitig dunkel timbrierten Mezzosopran als Marguerite in Hector Berlioz’ La Damnation de Faust. »Hinreißend nuanciert« und »engelsgleich« – so die Presse – sei ihre sängerische Darbietung. In der vergangenen Saison konnte man das »Girl aus Kansas«, wie sie sich selbst oft scherzhaft bezeichnet, als Solistin in einem weiteren Werk des französischen Komponisten erleben: der lyrischen Szene La Mort de Cléopâtre. Dass sie auch eine begnadete Liedinterpretin ist, bewies sie darüber hinaus in zwei Liederabenden der Stiftung Berliner Philharmoniker. Nun ist Joyce DiDonato der Stargast der philharmonischen Silvesterkonzerte und präsentiert mit Orchesterliedern von Richard Strauss eine weitere Facette ihrer künstlerischen Vielseitigkeit.

Den Auftakt des Programms zum Jahresausklang macht Antonín Dvořáks Konzertouvertüre Karneval, ein Werk, das zu einer Ouvertürentriologie mit philosophischen Anspruch gehört. Der tschechische Komponist fasst darin die wichtigsten Aspekte des menschlichen Seins in Töne: Natur, Leben und Liebe. In Karneval huldigt Dvořák in mitreißenden, überschäumenden Klängen die Lust am Leben. Mit dem Pas de deux aus dem Ballett Apollon musagète, der Assoziationen an den Wiener Walzer weckt, zeigt Igor Strawinsky, der Schöpfer so energetischer Werke wie L’Oiseau de feu oder Le Sacre du printemps, seine elegante, beschwingte und zärtliche Seite.

Ganz andere Stimmungen beschreibt Leonard Bernstein in den Tanzepisoden seines 1944 uraufgeführten Musicals On the Town – schmissig, frech, jazzig. Das Stück handelt von den Liebesabenteuern dreier Matrosen, die für 24 Stunden in New York Landgang haben. Als »Rausschmeißer« erklingt die Suite aus dem Ballett Das goldene Zeitalter, in dem Dmitri Schostakowitsch witzig, ironisch und bissig das Lebensgefühl der sogenannten »Wilden Zwanzigerjahre« persifliert und gleichzeitig auf humorvolle Weise Gesellschaftskritik übt. Dem Ballett war kein Erfolg beschieden, wohl aber der Ballettsuite, die der Komponist aus vier Sätzen zusammenstellte. Besonders der dritte Satz, die Polka, erfreut sich großer Beliebtheit und macht Lust auf einen rauschenden Jahreswechsel.

Über die Musik

Von Party bis Persiflage

Ein musikalisches Kaleidoskop zum Jahreswechsel

Trubel und Besinnung: Antonín Dvořáks Ouvertüre Karneval op. 92

Mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr machte der Meister gleich am 2. Januar Ernst: Die Funkstille zwischen ihm und seinem Verleger aufgrund früherer Kränkungen hatte lang genug gedauert, und jetzt, da er bald nach Amerika reisen würde, fand er es an der Zeit, die alten Kontakte neu zu beleben. Also schickte Antonín Dvořák dem »lieben Herrn Simrock« beste Wünsche für 1892 und legte seinem Brief gleich eine Liste frisch vollendeter Werke bei, die auf Veröffentlichung warteten.

Zum Neuen, das der Komponist seinem Partner in Berlin anbot, gehörte die Ouvertüre für Orchester op. 92. Gedacht war sie als Mittelteil einer Trilogie von Symphonischen Dichtungen mit programmatischem Inhalt. Natur, Leben und Liebe sollten ihr Thema sein – oder, wie es Dvořák formulierte, »drei Seiten des menschlichen Daseins«: Am Anfang Harmonie mit der natürlichen Umwelt und die pastorale Atmosphäre von Sommernacht-Idylle und Waldeinsamkeit, am Ende die Wechselfälle der Liebe zwischen gefühlsseliger Hingabe, stürmischer Leidenschaft und rasender Eifersucht. Dazwischen unter der Überschrift Karneval – das Leben.

Das Leben als Karneval, die Menschheit als Spaßgesellschaft? So hat es Dvořák wohl kaum gemeint – auch wenn er zu Beginn mit furiosem Schlagwerk-Einsatz loslegt und alle Register närrischer Partystimmung zu ziehen scheint. Keine Ballnacht dauert ewig, und so kommt auch in dem Stück der Moment, in dem der Trubel plötzlich abbricht und die ungebremste Fröhlichkeit innehält. Die karnevalistische Prunksitzung macht Pause zugunsten nachdenklicher Besinnung.

Nicht von ungefähr lässt Dvořák an dieser Stelle eine lyrische Reminiszenz an die erste der drei Ouvertüren einfließen: Die Natur, so scheint er zu sagen, ist die wahre Quelle von Lebensfreude. Der Komponist war in dörflicher Umgebung aufgewachsen, liebte Wanderungen durch Feld und Flur und zog Waldspaziergänge dem Getriebe der Städte vor – ausgelassene Feste eingeschlossen. Aber als erfahrener Mann von Anfang 50 wusste er, dass junge Leute ihre Zeit brauchen, um sich auszutoben. So startet die Party bald neu, und die Karnevalslaune kommt im Schlussteil der Ouvertüre noch einmal auf volle Touren.

»Vielstimmiger Wohllaut der Saiten«: Igor Strawinskys Apollon Musagète

Nicht etwa dass der Mann aus Russland nichts übrig gehabt hätte für fröhliche Feten und genussreiche Stunden, und auch der eine oder andere Rausch von dionysischem Format kam in seinem langen Leben vor. Doch als er sich 1927 an ein Ballett nach antikem Stoff machte, hielt er es nicht mit dem Gott von Wein und Ausschweifung, sondern mit dessen olympischem Kollegen Apoll, bekannt für edles Maß und Ordnung, Strenge und Disziplin. Eine getanzte Huldigung an den Hüter der schönen Künste sollte es werden, an den »Führer der Musen«, wie ihn die Hellenen nannten: Apollon musagetes.

Es handelte sich um ein Auftragswerk, das der längst weltberühmte Strawinsky gern übernahm, zumal er sich in akuter Geldnot befand. Bestellt hatte es die millionenschwere amerikanische Mäzenin Elizabeth Sprague Coolidge für das von ihr gegründete Festival in der Washingtoner Kongressbibliothek, wo für April 1928 die Uraufführung geplant war. Ihre Hoffnung, der Komponist würde persönlich erscheinen und sein Stück dirigieren, zerschlug sich allerdings. Strawinsky zog es vor, an seinem damaligen Wohnort Paris zu bleiben und knapp sieben Wochen später dort eine Aufführung zu leiten.

Vorgeschwebt hatte ihm ein sogenanntes Ballet blanc, ein Ballett, das in weißen Tutus getanzt wurde und das sowohl ohne große dramatische Handlung als auch ohne aufwendige Bühnendekoration auskam. Im Zentrum sollte einzig und allein die Kunst des Tanzes stehen, die Bewegung in ihrer klassischen Vollkommenheit und Schönheit. Ganz im Sinne dieser ungetrübten Klarheit legte Strawinsky seine Komposition an – formal streng, mit gezähmtem Rhythmus nach antiken Versmodellen und unter Annäherung an den Stil vergangener Epochen. Nur Streichinstrumente setzte er ein und begeisterte sich, wie er später sagte, an dem »vielstimmigen Wohllaut der Saiten«.

In den zwei Bildern des Balletts erscheinen die für den Tanz zuständigen Musen vor Apoll, um sich für höhere Aufgaben zu qualifizieren: Bei den Festivitäten auf dem Olymp wollen sie künftig für die obersten Götter tanzen. Apoll ist von ihren Talentproben begeistert und fordert Terpsichore prompt zu einem schwebend zarten Pas de deux auf. Bei den ätherisch wirkenden Streicherklängen, die Strawinsky dazu hören lässt, fühlt man sich fast zum Wiener Debütantinnenball versetzt, so elegant schmelzen die Melodien dahin.

»Das Öchslein brüllte …« – Orchesterlieder von Richard Strauss

Mit Buchstaben haperte es noch etwas bei dem Sechsjährigen, doch in Noten kannte er sich bereits erstaunlich gut aus. Und als Mutter Strauss aushalf und ihrem Sprössling den Text, den er vertonen wollte, aufschrieb, ging es gleich los – der kleine Richard komponierte sein erstes Lied: »Schlaf wohl, du Himmelsknabe«, nach einem Weihnachtsgedicht des schwäbischen Poeten Christian Friedrich Daniel Schubart. Zwar hatten auch schon andere vor ihm diese Verse in Musik gesetzt, doch der begabte Strauss-Filius wollte seine eigene Version.

Lieder blieben von diesem Erstling an lebenslang Wegbegleiter von Richard Strauss, was immer sonst im Mittelpunkt seines Schaffens stand, ob Kammermusik, Symphonische Dichtung oder Oper. Mehr als 200 hat er komponiert und sie rückblickend als das ihm »Liebste« in seinem gesamten Œuvre bezeichnet. Für die meisten sah er wie seine großen Vorgänger Schumann und Schubert lediglich Klavierbegleitung vor, doch etliche hat er nachträglich instrumentiert, weil ihm klangliche und harmonische Wirkungen vorschwebten, die der Klaviersatz allein nicht bieten konnte. Eine vergleichsweise kleine Gruppe konzipierte Strauss von vornherein als Orchesterlieder, also in jener Form, die auch von seinen wenig älteren Kollegen Gustav Mahler und Hugo Wolf praktiziert wurde. Geeignete Texte zu finden, war für ihn nie ein großes Problem. Ihn interessierte nicht die Prominenz eines Autors, sondern das, was sich musikalisch aus einem Gedicht machen ließ.

So wie aus Heinrich Heines Versen über »Die heiligen drei Könige aus Morgenland«. Gereizt haben dürfte Strauss das Nebeneinander von andächtiger Feierlichkeit und zarter Ironie, wie sie in Heines Schlusszeilen hörbar wird: »Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie, die heil’gen drei Könige sangen.« Strauss formte daraus ein im Grundton heiteres Gemälde, das die Szene im Stall von Bethlehem mit weihevoller Innigkeit und Würde, aber auch mit einem Lächeln wiedergibt, bevor sich dann im langen Nachspiel die ganze Majestät und Pracht des Augenblicks ausbreiten.

Überwältigte und überwältigende Empfindungen weckt Strauss in der Zueignung, einem seiner frühesten und zugleich populärsten Lieder. Mit Anfang 20 hat er es auf ein Gedicht des heute längst vergessenen Poeten Hermann von Gilm geschrieben und viele Jahre später instrumentiert. Als der Komponist 1894 die Sängerin Pauline de Ahna heiratete, die für ihn die beste Interpretin seiner Lieder war, wählte er ein Gedicht des deutsch-britischen Schriftstellers John Mackay, um seine Glücksgefühle zu offenbaren: Morgenheißt das später ebenfalls für Orchesterbegleitung umgearbeitete Lied – ein sehr persönliches, romantisch schwelgendes Liebesbekenntnis, geprägt von dem Wunsch, die Zeit möge nicht mehr vergehen, sondern stehen bleiben.

Vom privaten häuslichen Glück des erfolgreichen Dirigenten und Komponisten Strauss zeugen auch die Lieder, die nach der Geburt seines Sohnes Franz entstanden. 1899 schrieb er auf ein Gedicht von Richard Dehmel ein anrührend zartes Wiegenlied und nach Versen Gottfried August Bürgers die munter verspielte Muttertändelei, die wie eine Momentaufnahme der stolzen Eltern im Kinderzimmer wirkt.

American History: Leonard Bernsteins On the Town und 1600 Pennsylvania Avenue

Für Comedy, Show und Silvester-Jux war eigentlich nicht die Zeit. Die USA befanden sich im Krieg, und niemand wusste, ob das Sterben im bald beginnenden neuen Jahr immer noch weitergehen würde. Aber wenigstens für ein paar Stunden sollten die New Yorker an diesem 28. Dezember 1944 abschalten können und ihren Spaß haben. Das Adelphi Theater am Broadway lud ein zum Musical-Debüt von Leonard Bernstein, dem erst 26-jährigen Tausendsassa, der ein Jahr zuvor als Einspringer am Dirigentenpult der New Yorker Philharmoniker Furore gemacht hatte.

Zu sehen gab es On the Town, die abendfüllendeBühnenversion des halbstündigen Bernstein-Balletts Fancy Free, das wenige Monate zuvor mit großem Erfolg in der Metropolitan Opera gelaufen war. Mit der Stadt im Titel konnte natürlich nur New York gemeint sein, die Metropole am East River, die alles zu bieten hat, was man sich nur wünschen kann, speziell wenn drei liebeshungrige Matrosen für 24 Stunden auf Landurlaub gehen. Sie wollen, was alle Seeleute wollen – möglichst viel erleben und ganz schnell schöne Mädchen kennenlernen. Die Musical-Story tut ihnen den Gefallen und erfüllt ihre Wünsche, wenn auch erst nach mancherlei Komplikationen und Abenteuern.

Leonard Bernstein hat dazu Musik komponiert, die exakt den Nerv des Publikums traf: Schmissig, fetzig und jazzig begleitet sie den Streifzug der drei Seeleute durch Manhattan, lässt in ihren Songs und Tanzepisoden aber auch zarte und sehnsuchtsvolle Töne anklingen. Denn bei aller fröhlichen Turbulenz und Situationskomik auf der Bühne war ja die Realität draußen vor den Theatertüren nicht vergessen. Und so träumen Matrosen und Mädchen bei ihrem Abschied denn auch wehmütig von einem Wiedersehen – in einer anderen Zeit, ohne Krieg.

On the Town wurde ein Riesenerfolg, blieb bis Februar 1946 auf dem Spielplan und erlebte 462 Vorstellungen. Weit weniger Glück hatte Bernstein 1976 mit 1600 Pennsylvania Avenue, einem zeitkritischen Stück, das – wie die im Titel genannte Adresse verrät – im Weißen Haus in Washington spielt und von den ersten 100 Jahren amerikanischer Geschichte erzählt. Mit weißen Hausherren und schwarzen Dienern, mit Rassendiskriminierung und bigottem Patriotismus.

Lediglich ein Song aus dem Musical und der späteren Konzertfassung A White House Cantata hat es zum Hit gebracht: »Take Care of This House«. »Kümmert euch um dieses Haus, denn es ist die Hoffnung von uns allen«, heißt es im Text – und auch wenn der schon vor fast einem halben Jahrhundert geschrieben wurde, klingt er gerade heute aktueller denn je.

Fußball und Foxtrott: Dmitri Schostakowitschs Das Goldene Zeitalter

Angeblich hat er fast kein Heimspiel seines Lieblingsvereins Zenit versäumt und jahrelang über Tabellenstände und Torschützen säuberlich Buch geführt: Dmitri Schostakowitsch war ein Fußballfan, wie er im Buche steht, und entsprechend gern griff er zu, als ihn das Leningrader Akademische Theater 1929 um die Musik zu einem Tanz-Libretto bat, in dem Fußball eine zentrale Rolle spielte. Begeistert war er zwar nicht von dem Stoff, aber er sah mit seinen gerade 23 Jahren die Chance, sich nach drei Symphonien und einer Oper sowie einer Vielzahl von Klavier- und Kammermusikstücken nun auch als Ballettkomponist zu beweisen.

Erzählt wird von sowjetrussischen Kickern, die zu Beginn der Stalin-Ära ins kapitalistische Ausland reisen, um im sportlichen Beiprogramm einer Industrieausstellung mit dem schönen Titel Das Goldene Zeitalter aufzutreten. Ganz im Sinne der Parteidoktrin sind sie drei Akte lang den bürgerlich-dekadenten Versuchungen und Machenschaften des Klassenfeindes ausgesetzt, widerstehen aber nicht nur heroisch, sondern vereinen sich am Ende sogar zu einem Reigen der Solidarität mit den ideologischen Gegnern.

Bei seiner Musik zu dem leicht aberwitzigen Wettkampf der Systeme ließ Schostakowitsch seiner Lust an Parodie und Persiflage freien Lauf: Von Walzer und Cancan bis Shimmy und Foxtrott, eingeschlossen seine berühmte »Tea for Two«-Version, zündete er ein wahres Feuerwerk der damals aktuellen Klänge und huldigte immer wieder seiner Passion für den amerikanischen Jazz. Er wusste nur zu genau, dass diese Musik auch in der jungen russischen Generation viele Anhänger hatte, mochten die linientreuen Kulturfunktionäre noch so sehr die Stirn runzeln. Schon vor der Premiere des kompletten Bühnenwerks im Herbst 1930 stellte Schostakowitsch Teile seiner Komposition mit einer Orchestersuite vor, die auf Anhieb Einzug ins internationale Konzert-Repertoire hielt: Sie präsentiert neben dem zauberhaften Adagio, zu dem eine glamouröse Diva tanzt, auch das wahrscheinlich bekannteste Stück des Balletts, eine fröhlich-furiose Polka.

Wolfgang Knauer

Biografie

Joyce DiDonato, geboren in Kansas (USA), studierte an der Academy of Vocal Arts in Philadelphia. Anschließend setzte sie im Rahmen der Förderprogramme für junge Künstler an den Opernhäusern in San Francisco, Houston und Santa Fe ihre Ausbildung fort, die sie mit dem Outstanding Apprentice Artist Award beendete. Eine steile Karriere hat sie seitdem u. a. an die Metropolitan Opera in New York, das Londoner Royal Opera House, Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, die Staatsopern in München und Wien, die Deutsche Oper Berlin und das Liceu Barcelona geführt, aber auch zu den Salzburger Festspielen, zum Edinburgh Festival und zu den BBC Proms. Zum Kernrepertoire Joyce DiDonatos gehören Rollen in Opern von Händel und Mozart sowie die Belcanto-Partien Rossinis. Darüber hinaus war sie z. B. als Octavian (Der Rosenkavalier), Komponist (Ariadne auf Naxos) und in der Titelpartie von Das schlaue Füchslein sowie in zeitgenössischen Bühnenwerken zu erleben, etwa in Mark Adamos Little Women, Tod Machovers Resurrection oder Jake Heggies Dead Man Walking. Im Konzertfach gleichermaßen erfolgreich, gastierte die Mezzosopranistin beim London Symphony Orchestra, New York Philharmonic, Orchestra of the Age of Enlightenment, Cleveland Orchestra und Orchestre National de Paris, wobei sie mit Dirigenten wie Valery Gergiev, Alan Gilbert, James Levine und Sir Roger Norrington zusammengearbeitet hat. Joyce DiDonato, die 2014 zum Mitglied der Londoner Royal Academy of Music ernannt wurde und 2016 ihren zweiten Grammy Award erhielt, war mit Liederabenden in der Londoner Wigmore Hall und in der New Yorker Carnegie Hall zu hören. Bei den Berliner Philharmonikern debütierte die Künstlerin Mitte April 2015 als Margueritein der dramatischen Legende La Damnation de Faust von Hector Berlioz (Dirigent: Sir Simon Rattle). Zuletzt interpretierte sie als Solistin des Orchesters Mitte Juni dieses Jahres unter der Leitung von Ludovic Morlot die Lyrische Szene La Mort de Cléopâtre von Hector Berlioz.

(Foto: Stefan Rabold)