Christian Thielemann dirigiert Beethovens »Missa solemnis«

Ludwig van Beethoven betrachtete die Missa solemnis als »das gelungenste seiner Geistesprodukte«. In diesem vielschichtigen Werk hat das glanzvolle Gotteslob ebenso Raum hat wie die zarte humanistische Botschaft. Hinzu kommt eine vorwärtsdrängende Energie, wie wir sie von Beethovens Symphonien her kennen. Dirigent des Abends ist Christian Thielemann, der mit den Berliner Philharmonikern schon viele große Chorwerke eindrucksvoll interpretiert hat.

Berliner Philharmoniker

Christian Thielemann Dirigent

Genia Kühmeier Sopran

Elisabeth Kulman Mezzosopran

Daniel Behle Tenor

Franz-Josef Selig Bass

Rundfunkchor Berlin

Philipp Ahmann Chor-Einstudierung

Ludwig van Beethoven

Missa solemnis D-Dur op. 123

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Programm

Nach Bachs h-Moll-Messe führen die Berliner Philharmoniker eine weitere Messvertonung auf, die zu den Meilensteinen der Musikgeschichte gehört: die Missa solemnis von Ludwig van Beethoven. Anlass für die Entstehung des Werks war die bevorstehende Inthronisation des Erzherzogs Rudolph von Österreich als Erzbischof von Olmütz. Beethoven wollte seinem Schüler, Freund und Mentor eine musikalische Gabe »zur Verherrlichung des feierlichen Tages« schenken. Doch das festliche Ereignis fand ohne die neue Messe statt, der Komponist war nicht fertig geworden – weil er mit einem Werk rang, das den Rahmen der Gattung sprengen sollte. Beethoven vereint in seiner Missa, die vier Jahre nach Rudolphs Amtseinführung erstmals vollständig aufgeführt wurde, katholische Liturgie und dramatische Ausdruckskraft, kontemplative Andacht und hymnischen Gestus, archaische Elemente und symphonische Gestaltung zu einem monumentalen Kunstwerk, das der Komponist selbst als »das gelungenste seiner Geistesprodukte« bezeichnete. Kongenial ist die Durchdringung von Text und Musik, im Credo beispielsweise verleiht er dem »Et incarnatus est« durch die Verwendung kirchentonaler Wendungen mystische Intensität, bei der Bitte »Dona nobis pacem« im Agnus Dei erinnert er mit aufmarschierenden Militärfanfaren daran, wie bedroht der Frieden ist. Alte Satztechniken der Palestrina-Zeit und des Barock wie imitatorische und fugierte Stimmführung verknüpft er mit den modernen Prinzipien der Symphonie.

Beethoven selbst sah in dem Werk mehr als eine Messe, es könne – so in Briefen an Goethe und Friedrich Zelter – »auch als Oratorium gegeben werden«. Doch egal ob Messe, Oratorium oder Chorsymphonie, die Intention des Komponisten war es, »bei den Singenden als bei den Zuhörenden religiöse Gefühle zu erwecken und dauernd zu machen«. Die Berliner Philharmoniker haben die Missa solemnis seit der Jahrtausendwende drei Mal aufgeführt: 2002 unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt, 2007 unter Bernard Haitink und 2012 unter Herbert Blomstedt.

Nun steht mit Christian Thielemann ein Dirigent am Pult des Orchesters, der in den letzten Jahren bei den Philharmonikern immer öfter mit der Aufführung von Chorwerken hervorgetreten ist, u. a. mit Giuseppe Verdis Quattro pezzi sacri, dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms, Gabriel Faurés Requiem und Anton Bruckners Messe in f-Moll. Diese Kompositionen realisierten Christian Thielemann und die Berliner Philharmoniker mit einem der großartigsten Chöre unserer Zeit: dem Rundfunkchor Berlin, der auch bei der Aufführung der Missa solemnis mitwirkt. Mit Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman, Daniel Behle und Franz-Joseph Selig wird die Besetzung durch ein hochrangiges Solistenquartett abgerundet.

(Foto: Matthias Creutziger)