Les Arts Florissants (Foto: Guy Vivien)

Kammermusik

Zum 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi gilt als der erste große Opernkomponist der Musikgeschichte – und dabei wird gerne übersehen, dass er auch ein großartiger Schöpfer geistlicher Werke war. 30 Jahre wirkte er als Kapellmeister am Markusdom in Venedig, eines der wichtigen Zentren der damaligen Kirchenmusik. William Christie und Les Arts Florissants stellen in diesem Konzert eine Auswahl aus dem reichen Schaffen von Monteverdis geistlichen Kompositionen vor.

Les Arts Florissants

William Christie Dirigent

Emmanuelle De Negri Sopran

Lucía Martín-Cartón Sopran

Carlo Vistoli Countertenor

Cyril Auvity Tenor

Reinoud Van Mechelen Tenor

Cyril Costanzo Bass

John Taylor Ward Bass

Marc Mauillon Bass

Claudio Monteverdi

Selva morale e spirituale (Auswahl)

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Mi, 13. Dez 2017, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie R

Programm

Seit seiner Gründung im Jahr 1979 zählt das von dem franko-amerikanischen Cembalisten und Dirigenten William Christie geleitete Ensemble Les Arts Florissants zu den weltweit führenden Interpreten im Bereich der Alten Musik. Das Repertoire der auf historischen Instrumenten musizierenden Formation, das auch über ein Vokalensemble verfügt, umfasst Opern und Ballette, sowie weltliche und geistliche Instrumental- und Vokalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Neben eigenen Konzerten werden William Christie und Les Arts Florissants seit Ende der 1980er-Jahre immer wieder auch an Opernhäuser engagiert, um in eigenen Produktionen Juwelen der Theatermusik vergangener Jahrhunderte neu ins Leben zu rufen. Rund 100 Bild- und Tonträger dokumentieren die breit gefächerte künstlerische Arbeit des Ensembles.

Bei ihrem Konzert in der Berliner Philharmonie erweisen William Christie und Les Arts Florissants der Musik eines Komponisten Reverenz, dessen 450. Geburtstag es im Jahr 2017 zu feiern gilt: Claudio Monteverdi. Dass er die zu seinen Lebzeiten noch in den Kinderschuhen steckende Gattung der Oper zu einer ersten Hochblüte geführt hat, verstellt mitunter den Blick auf die nicht minder epochalen Leistungen, die Monteverdi in anderen Bereichen, insbesondere dem der geistlichen Musik, vollbracht hat. Seit 1613 Kapellmeister am Markusdom in Venedig hat Monteverdi gegen Ende seines Lebens unter dem Titel Selva morale e spirituale eine in mehreren Bänden erschienene Sammlung von geistlichen Kompositionen herausgebracht, die im Rahmen seiner Tätigkeit am Markusdom entstanden waren. Die Spannbreite dieser Anthologie reicht von Psalmvertonungen und Hymnen über Motetten bis hin zu einer ganzen Messvertonung und beschäftigt unterschiedlichste vokal-instrumentale Besetzungen. William Christie hat für das Konzert von Les Arts Florissantseine Auswahl aus diesem reichen Fundus von Monteverdis geistlichen Kompositionen getroffen.

Über die Musik

Der Wald und die Bäume

Anmerkungen zu Claudio Monteverdis Selva morale e spirituale

Der venezianische Notendrucker und Verleger Bartolomeo Magni wird wohl nicht schlecht gestaunt und dreimal geschluckt haben, als ihm der (nach den Maßstäben der Zeit) greise, über 70-jährige Markusdom-Kapellmeister Claudio Monteverdi 1639 oder 1640 ein ganzes Konvolut an Kirchenwerken unterschiedlichster Manier und Besetzung präsentierte. Eine vierstimmige Messe und ein siebenstimmiges Gloria, Psalmvertonungen, Vesper-Hymnen und -Motetten sowie eine Reihe geistlicher Madrigale – alles in allem (je nach Zählung) 37 bis 40 Werke, deren Druck in zehn Stimmbüchern so aufwendig war, dass die Datierungen auf den Titelseiten zum Teil »MDCXXXX« (1640) und zum Teil »MDCXXXXI« (1641) angeben; die Widmung trägt das Datum 1. Mai 1641.

In seinem Monteverdi-Roman A Mantuai Herceg Muzsikusa (deutscher Titel : Monteverdi – Der Roman eines großen Musikers) hat der ungarische Schriftsteller László Passuth 1957 die Szenerie überaus lebendig imaginiert: »Der Drucker beriet sich tagelang mit dem Meister: Wie und in welcher Reihenfolge man die neueren oder in früheren Sammlungen nicht enthaltenen Kompositionen erscheinen lassen solle. […] Selva Morale e Spirituale – Wald der Seelen – schrieb er mit seinen kraftvollen, langen Buchstaben auf das Titelblatt. […] Der Drucker überlegt, er prüft die einzelnen Werke. Sie kennen einander seit vielen Jahren. Jeder weiß um die eingefleischten Gewohnheiten des anderen. ›Wenn ich diese Drucklegung noch erlebe …‹

›Claudio Monteverdi lebt ewig …‹ […] ›Meine aus Blei gegossenen Noten dürsten nach Farbe. Es kann nie genug Monteverdi-Kompositionen geben. Sie werden schnell verkauft, verzeihen Sie, dass ein Krämer mit diesem Maße misst: sie sind gesucht … In ganz Italien warten die Buchhändler auf sie. Ich schätze, dass ich die ersten Abzüge schon in zehn Tagen vorlegen kann…‹« (Übersetzung von Alexander Sacher-Masoch)

Nach einem offenbar glänzenden Probekonzert war der damals 46-jährige Claudio Monteverdi am 19. August 1613 zum Kapellmeister des Markusdoms ernannt worden – zum »Maestro Di Capella della Serenissima Republica Di Venetia«, als der er im Druck der Selva morale e spirituale genannt wird –, mit einem Jahresgehalt von 300 Dukaten. Nach dem Tod von Giulio Cesare Martinengo war die Kirchenmusik an San Marco (30 Sänger und mehr als 20 Instrumentalisten) in ziemlich desolatem Zustand; nun sollte Monteverdi, der bis dahin als Kapellmeister im Dienst der Herzöge von Gonzaga in Mantua gestanden hatte, der Kirche und der Stadt neuen musikalischen Glanz verleihen. Dass er diesem Anspruch vollauf gerecht wurde, belegt nicht zuletzt die Anhebung seines Gehalts auf 400 Dukaten im Jahr 1616. Auch wenn sich kaum eines von ihnen genau datieren lässt, dürften sämtliche Werke der Selva im Laufe der 25 Jahre zwischen 1613 und 1638 für den Markusdom entstanden sein.

Kirche und Oper gleichermaßen verpflichtet: »il divino Claudio«

Bis etwa 1630 erfüllte Monteverdi nicht nur geflissentlich seine Pflichten als Kapellmeister des Markusdoms, sondern kam zudem immer wieder den Bitten um neue Bühnenwerke nach, die ihn unter anderem aus Mantua und Parma erreichten. Schließlich war »il divino Claudio« vor allem aufgrund seiner weltlichen Werke wie der Madrigale – sieben Libri erschienen zwischen 1587 und 1619 – oder der Favola in musica L’Orfeo (1607) einer der höchst angesehenen Komponisten seiner Zeit. »Obwohl mich meine kirchlichen Dienste der Theatermusik ein wenig entfremdet haben«, wie er am 9. Januar 1620 in einem Brief an den Orfeo-Librettisten Alessandro Striggio schreibt, entstanden zwischen 1616 und 1630 wenigstens zehn Opern und Ballette, von denen freilich kaum etwas erhalten geblieben ist – einer der wohl größten Verluste der Musikgeschichte!

Nach 1630 jedoch scheint Monteverdi plötzlich zu verstummen, und zwar weniger aus Gründen des Alters oder einer nachlassenden Gesundheit, sondern infolge einer Reihe dramatischer Ereignisse, die seine Biografie überschatteten. Nach der Besetzung Mantuas durch habsburgische Truppen (Mitte Juli 1630, im Erbfolgekrieg nach dem Tod Herzog Vincenzo II. Gonzaga), die in der von der Pest heimgesuchten Stadt alles höfische und musikalische Leben zum Erliegen brachte, erreichte die Seuche auch Venedig und wütete dort 16 Monate lang. Unter den mehr als 45.000 Toten, die sie forderte – rund ein Drittel der Bevölkerung Venedigs – waren nicht nur Monteverdis Freund und Librettist Striggio und sein ehemaliger Vizekapellmeister Alessandro Grandi, sondern auch sein jüngerer Bruder Giulio Cesare Monteverdi. Bei einer großen Erntedankmesse am Markusdom (am 21. November 1631), in der auch das Ende der Pest gefeiert wurde, erklang erstmals das reich besetzte siebenstimmige »Gloria«, das später in die Selva morale e spirituale übernommen wurde. Etwa um diese Zeit entschloss sich Monteverdi zum Eintritt in den geistlichen Stand: Am 9. März 1631 erhielt er die Tonsur, am 16. April 1632 wurde er zum Priester geweiht. Zugleich zog er sich offenbar mehr und mehr von den Kapellmeister-Pflichten zurück, die nun von seinem Vizekapellmeister Giovanni Rovetta übernommen wurden.

Von 1632 an arbeitete Monteverdi intensiv an einer musiktheoretischen Schrift Melodia, overo la seconda pratica, mit der er einen alten, um die Jahrhundertwende zwischen ihm und dem bereits 1613 gestorbenen Giovanni Maria Artusi entbrannten Streit abschließen wollte. Der Bologneser Musiktheoretiker hatte den Komponisten heftig angegriffen, weil er die alte Prima pratica der Vokalpolyfonie verraten habe, um in seinen affektgeladenen Madrigalen eine moderne, monodische und ganz vom Text her gedachte Seconda pratica zu pflegen. Wenn sie überhaupt fertiggestellt wurde, ist diese Schrift Monteverdis leider ebenso verschollen wie so viele andere seiner Arbeiten. Und auch das Komponieren nahm er nach längerer Unterbrechung wieder auf: Spätestens seit 1637 in Venedig das erste öffentliche Opernhaus Europas eröffnet worden war – das Teatro San Cassiano – kehrte Monteverdis Leidenschaft für das Theater zurück. In dichter Folge entstanden vier Opern für Venedig und ein Ballett für Piacenza: eine Neufassung der (1608 für Mantua komponierten) Arianna (1640), Il ritorno d’Ulisse in patria (1640), das Ballett Vittoria d’amore, Le nozze di Enea con Lavinia (beide 1641) und Lʼincoronazione di Poppea (1643); erhalten geblieben sind davon lediglich der Ulisse und die Poppea.

Monteverdis Selva morale e spirituale: ein Opus summum et ultimum

Zugleich stellte Monteverdi zwei monumentale Werksammlungen zusammen: Ein achtes und letztes Madrigalbuch, das 1638 erschien und einige seiner berühmtesten Werke enthält wie den Combattimento di Tancredi e Clorinda, das Lamento della ninfa oder den Ballo delle ingrate – und eben die Selva morale e spirituale. In ihr »wollte Monteverdi seine unbegrenzten kompositorischen Möglichkeiten demonstrieren, aber nicht mehr im Sinne einer Empfehlung für die Zukunft [wie in der Marienvesper von 1610], sondern, am Ende seines Lebens, als Dokumentation dessen, was er während seiner Laufbahn geschaffen hatte.« (Silke Leopold) Dass gerade diese Sammlung als kirchenmusikalisches Opus summum et ultimum eine Art Resümee seines Lebens war, verdeutlicht auch die Widmung »Alla Sacra Cesarea Maesta della Imperatrice Eleonora Gonzaga«, die jüngste Tochter von Monteverdis altem Mantuaner Dienstherrn Herzog Vincenzo I. Gonzaga und (seit 1637) Witwe des Habsburger Kaisers Ferdinand II.

Die »Bäume«, die sich in diesem »moralischen und spirituellen Wald« finden – das wäre etwa die wortgenaue Übersetzung des Titels Selva morale e spirituale –, sind so verschiedenartig, dass man sie kaum als geschlossenes Ganzes wahrnehmen kann. Auch wenn sich viele Sätze als Teile einer Vesperliturgie zusammenfügen ließen (wie es zum Beispiel das Ensemble La Venexiana 2008 getan hat), dürfte Monteverdi vermutlich keine solche übergeordnete Form im Sinn gehabt haben. Dass die Sammlung mit fünf Madrigali und Canzon[ett]e morali(nach Texten Petrarcas und des Benediktinermönchs Angelo Grillo) beginnt, schlägt eine Brücke zurück in Monteverdis früheste Schaffenszeit: Schon 1583 – vier Jahre vor seinem ersten Madrigalbuch – hatte der damals 16-Jährige als erstes gedrucktes Werk eine Sammlung vierstimmiger Madrigali spirituali veröffentlicht. Und auch das Schlussstück, der Pianto della Madonna,ist eine Reminiszenz, nämlich die lateinisch-geistliche Kontrafaktur des (schon damals weithin berühmten) Lamento d’Arianna von 1608.

Strenge Polyfonie und affektgeladene Monodie

Zu diesen beinahe konzertanten, virtuosen Eckstücken steht die strenge Polyfonie der vierstimmigen A-cappella-Messe ebenso in Kontrast wie zu den großen Psalmvertonungen mit und ohne Instrumentalbegleitung. Und gerade hierin beweist Monteverdi, dass er möglichst viele Seiten seiner Kunst zeigen wollte. Mehrere Texte finden sich doppelt oder sogar dreifach vertont: Ein fünfstimmiges »Laudate pueri« (113. Psalm) etwa primo »con due violini« und secondo als A-cappella-Satz, und auch ein »Beatus vir«(112. Psalm) gibt es primo sechsstimmig mit zwei Violinen und secondo fünfstimmig a cappella. Andere Vertonungen bietet die Sammlung sogar drei bzw. vier Mal an: etwa die marianische »Salve Regina«-Antifon oder das »Laudate Dominum« (117. Psalm), je einmal »a voce sola« – nicht zu verwechseln mit der heute aufgeführten Motette auf denselben Text, aber aus einer anderen Sammlung! – und zu fünf Stimmen sowie zweimal achtstimmig gesetzt, einmal mit und einmal ohne Instrumentalbegleitung; schließlich ein »Confitebor tibi Domine«(111. Psalm) primo »a 3 voci con 5 voci altre neʼ ripieni«, secondo »a 3 voci concertato con due violini« und schließlich terzo alla francese« zu fünf Stimmen, wobei Monteverdi ausdrücklich darauf hinweist, dass sich dieser Satz auch von einem Solosopran mit der Begleitung von vier Streichen ausführen lässt.

Anders als 1610 in der Marienvesper haben die Psalmvertonungen der Selva morale e spirituale keine gregorianischen Cantūs firmi mehr, sondern sind durchweg in dem modernen, freien Stile concertato gesetzt, der gerade in seinen wortgenauen Text-Ausdeutungen der madrigalesken Seconda pratica verpflichtet ist. So gesehen ist diese Sammlung auch der Beleg für Monteverdis anhaltende Fortschrittlichkeit. Der Weg von dieser Art der Vertonung zu Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und anderen großen Meistern des Spätbarock ist bereits absehbar.

1643 kehrte Monteverdi ein letztes Mal in seine Geburtsstadt Cremona und nach Mantua zurück – eine anstrengende Reise, von der der 76-Jährige schwerkrank nach Venedig zurückkehrte. Dort starb er am 29. November 1643 und wurde in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari beigesetzt. Bald darauf schon erschien als Nachruf eine biografische Würdigung des Dichters Matteo Camberlotti, in der es heißt: »Er erreichte, was noch niemand vor ihm erreicht hatte – er vereinte die Künste.«

Michael Stegemann

Biografie

William Christie, in Buffalo (New York) geboren, studierte Klavier, Orgel und Cembalo in Harvard und Yale, bevor er sich 1971 in Frankreich niederließ. Im Jahr 1979 startete er seine internationale Karriere mit der Gründung von Les Arts Florissants. Dieses Instrumental- und Vokalensemble ist vor allem der Pflege und Wiederentdeckung des französischen, englischen und italienischen Repertoires des 17. und 18. Jahrhunderts verpflichtet. Mit ihm erarbeitete William Christie in rascher Folge zahlreiche Opernproduktionen, die in Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Jean-Marie Villégier, Robert Carsen, Alfredo Arias, Jorge Lavelli, Graham Vick, Adrian Noble, Andrei Serban, Luc Bondy und Deborah Warner große Aufmerksamkeit erregten. Der Cembalist und Dirigent gastierte bei führenden Symphonieorchestern sowie bei Opernfestivals wie dem von Glyndebourne und war zudem an diversen Opernhäusern zu erleben (Metropolitan Opera New York, Opernhaus Zürich, Opéra Comique Paris, Opéra National de Lyon). Nach seinem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im Oktober 2002 dirigierte er sie zuletzt Mitte Dezember 2007 in drei Konzerten mit Händels Messiah. Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld sieht William Christie in seiner Arbeit als Pädagoge: Von 1982 bis 1995 war er als Professor am Pariser Konservatorium tätig. Seit 2007 ist er Artist in Residence an der Juilliard School in New York, wo er zweimal jährlich gemeinsam mit Musikern von Les Arts Florissants Meisterkurse gibt. Zudem leitet er das 2002 von ihm gegründete Fortbildungsprojekt für junge Sänger »Le Jardin des Voix«. William Christie erhielt 1995 die französische Staatsbürgerschaft. Er ist Kommandeur im »Ordre de la Légion d’Honneur« sowie Offizier im »Ordre des Arts et des Lettres« und im »Ordre National de Mérite«. Die New York State University in Buffalo, die Julliard School in New York und die Universität Leiden verliehen ihm das Ehrendoktorat. Im November 2008 wurde William Christie in die Académie des Beaux-Arts gewählt; außerdem ist er Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London.

Les Arts Florissants wurde 1979 von dem Cembalisten und Dirigenten William Christie als Gesangs- und Instrumentalensemble gegründet, das auf Barockmusik in historischer Aufführungspraxis spezialisiert ist. Seitdem nimmt die Formation, die ihren Namen einer Kurzoper von Marc-Antoine Charpentier verdankt, bei der Wiederentdeckung und Pflege der französischen, englischen und italienischen Musik des 17. und 18. Jahrhunderts eine Vorreiterrolle ein. Im Vordergrund steht dabei die französische Tragédie lyrique mit Kompositionen von Rameau und Charpentier, was eine Hinwendung zu anderen Operngenres, geistlichen und weltlichen Vokalwerken ebenso wenig ausschließt wie Abstecher in den musikalischen Frühbarock und die Wiener Klassik. In jeder Saison sind Les Arts Florissants in Frankreich mit rund 100 Konzerten und Opernaufführungen zu erleben, etwa in der Pariser Philharmonie, im Théâtre de Caen, an der Opéra Comique und im Théâtre des Champs-Élysées in Paris, im Schloss von Versailles und bei zahlreichen Festivals. Das Ensemble, das von William Christie und seit 2007 auch regelmäßig von Paul Agnew geleitet wird, wirkt als französischer Kulturbotschafter im Ausland und erhält regelmäßig Einladungen nach New York, London, Edinburgh, Brüssel, Wien, Salzburg, Madrid, Barcelona, Moskau und in weitere Metropolen. In den vergangenen Jahren haben Les Arts Florissants mehrere Bildungsprogramme für junge Musiker gestartet. Am prägendsten ist die Akademie »Le Jardin des Voix«, die 2002 gegründet wurde, alle zwei Jahre stattfindet und eine beträchtliche Zahl junger Sängerinnen und Sänger gefördert hat. Das 2007 gestartete »Arts Flo Juniors«-Programm ermöglicht es Studierenden, das Orchester und den Chor bei einer gesamten Inszenierung von den ersten Proben bis hin zur letzten Aufführung zu begleiten. Darüber hinaus gibt es ebenfalls seit 2007 eine pädagogische Partnerschaft zwischen William Christie, Les Arts Florissants und der New Yorker Juilliard School of Music. In Konzerten der Berliner Philharmoniker war das Orchester von Les Arts Florissants zuletzt Anfang März 2009 unter der Leitung von William Christie in der Reihe Originalklang zu Gast.

Les Arts Florissants (Foto: Guy Vivien)