Bernard Haitink dirigiert Mahlers Neunte Symphonie

Dass Gustav Mahlers Werke im Musikleben lange ein Schattendasein führten, ist heute kaum mehr vorstellbar. Zu den Dirigenten, die in den 1960er-Jahren die Mahler-Renaissance beflügelten, gehört Bernard Haitink, der über ein außerordentlich feines Gespür für die Brüche dieser Musik verfügt. Mahler, so Haitink, habe ihn »immer aufgewühlt, denn er bestätigt einen nicht.« In diesem Konzert dirigiert er Mahlers Weltabschiedswerk, die Neunte Symphonie.

Berliner Philharmoniker

Bernard Haitink Dirigent

Gustav Mahler

Symphonie Nr. 9

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Programm

Als Bernard Haitink 1961 zum Chefdirigenten des Concertgebouw-Orchesters berufen wurde, war die von Willem Mengelberg begründete niederländische Mahler-Tradition infolge von Nazi-Diktatur und Zweitem Weltkrieg längst verblasst: »Er [Mahler] war ja bis 1945 verboten in meinem Land. [...] Es hat keine Mahler-Tradition mehr gegeben und die Musik war eigentlich neu. Ich erinnere mich, dass Erich Kleiber die Dritte aufgeführt hat. Aber das war schon viel später.« Ungeachtet dieser Situation hatte Bernard Haitink an der Mahler-Renaissance ab dem Beginn der 1960er-Jahre wesentlichen Anteil, was ihm den Ruf eines herausragenden Mahler-Dirigenten einbrachte: »Mahler«, sagt er, »hat mich immer aufgewühlt, denn er bestätigt einen nicht.«

Als langjähriger Partner der Berliner Philharmoniker widmet sich der niederländische Maestro nun mit Mahlers Neunter Symphonie einem Werk mit Ausnahmecharakter: Bereits Bruno Walter bezeichnete den Kopfsatz dieser letzten vollendeten Symphonie Mahlers als »eine tragisch erschütternde, edle Paraphrase des Abschiedsgefühls«. Im zweiten Satz klingen dann schemenhaft verschiedene Tanztypen an, die Dieter Schnebel »komponierte Ruinen« nannte. Die brüchige und bisweilen dämonisch-groteske Züge annehmende Musik kulminiert in einer wilden »Danse macabre«, bei der die Violinen – wie die Sologeige im Totentanz-Scherzo der Vierten – »wie Fiedeln« zu spielen haben. Es folgt eine Rondo-Burleske von ruheloser Geschäftigkeit, deren dahinstürmender Wirbel »die im Vergleich geradezu milde Ironie des Fischpredigt-Scherzos der Zweiten ins schier Unerträgliche« steigert (Jens Malte Fischer). Das Finale mit seinem charakteristischen Doppelschlagmotiv bietet keine Apotheose. Stattdessen erklingt ein breit gesungenes Adagio, in dem »ein ganzes Arsenal von Traurigkeitsvokabeln aus Mahlers Tonsprache« (Hans Heinrich Eggebrecht) aneinandergereiht werden. Der nur noch von Streichern »mit inniger Empfindung« gespielte Schlussteil endet in einem verlöschenden Ritardando.

Kein Wunder, dass die zentralen Rezeptionsmomente dieser Symphonie seit der postumen Uraufführung um Begriffe wie »Abschied« und »Tod« kreisen. Angesichts der vielen emotionalen Momente, so Haitink, biete das Werk große Herausforderungen: »Bei Mahler ist es wichtig, dass Sie die dynamischen Abstufungen deutlich hinbekommen, dass nicht alles ein Brei im Mezzoforte ist. [...] Karajan hat einmal gesagt, dass es in einem Stück nur eine Klimax gibt und wie wichtig es ist, dass man sein Pulver nicht verschießt. Man muss also abstufen [...].«

(Foto: Chris Christodoulou)