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Kammermusik

Nachtmusiken mit dem Quatuor Ebène

Round Midnight lautet das Motto dieses Konzerts, in dem das Quatuor Ebène Kompositionen vorstellt, die von nächtlichen Stimmungen und Erlebnissen inspiriert wurden. Den Beginn macht Henri Dutilleux’ Streichquartett Ainsi la Nuit – ein Werk, das in sieben vergleichsweise kurzen Sätzen musikalische Nachtbilder von irisierender Schönheit entwirft. Im Jazz-Arrangement Night Bridge und Arnold Schönbergs Verklärte Nacht erhält das Ensemble Verstärkung durch den Bratscher Antoine Tamestit und den Cellisten Nicolas Altstaedt. Beide Musiker präsentieren sich außerdem mit je einem Solostück von Salvatore Sciarrino.

Antoine Tamestit Viola

Nicolas Altstaedt Violoncello

Quatuor Ébène

Round Midnight

Salvatore Sciarrino

Ai limiti della notte für Viola solo

Antoine Tamestit Viola

Henri Dutilleux

Trois Strophes sur le nom de Sacher für Violoncello

Nicolas Altstaedt Violoncello

Henri Dutilleux

Streichquartett Ainsi la Nuit

Quatuor Ébène

Night Bridge − nächtliches Gedicht für Streichsextett nach Jazz-Standards (Arrangements: Quatuor Ébène) Uraufführung

Quatuor Ébène , Antoine Tamestit Viola, Nicolas Altstaedt Violoncello

Arnold Schönberg

Verklärte Nacht für Streichsextett op. 4

Quatuor Ébène , Antoine Tamestit Viola, Nicolas Altstaedt Violoncello

Termine und Karten

Do, 16. Nov 2017, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie T

Programm

Das 1999 gegründete Quatuor Ebène vermöge es, sich »mühelos in eine Jazzband« zu verwandeln, schrieb die New York Times nach einem Konzert des Ensembles. Damals standen neben Streichquartetten von Joseph Haydn und Claude Debussy auch Improvisationen über Klassiker der Filmmusik auf dem Programm. Ganz ähnlich wird das Quatuor Ebène, das seit dem Gewinn des Ersten Preises beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD im Jahr 2004 zu den weltweit führenden Streichquartettformationen zählt, sein unter dem Motto Round Midnight stehendes Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie gestalten. Den Beginn macht Henri Dutilleux’ zwischen 1973 und 1976 entstandenes Streichquartett mit dem Titel Ainsi la Nuit – ein Werk das in sieben vergleichsweise kurzen Sätzen musikalische Nachtbilder von irisierender Schönheit entwirft und den Zuhörer zugleich Zeuge einer überaus individuellen, sich aus einem einzigen Sechsklang entwickelnden Satztechnik werden lässt.

Im weiteren Programmverlauf wird das Quatuor Ebène dann durch die Unterstützung von zwei Musikern, die ebenso Meister ihres Fachs sind, zum Streichsextett erweitert. Zusammen mit dem Bratschisten Antoine Tamestit und dem Cellisten Nikolas Altstaedt stellt das Ensemble zunächst eigene Bearbeitungen von Evergreens der Jazz- und Filmmusik rund um das Thema »Nacht« vor. In der zweiten Programmhälfte ist dann Arnold Schönbergs Streichsextett op. 4 Verklärte Nacht nach einem gleichnamigen Gedicht des Jugendstil-Lyrikers Richard Dehmel zu hören. 1899 entstanden, atmet dieses Werk noch ganz den Geist der musikalischen Spätromantik und besitzt dennoch experimentellen Charakter, da es die symphonische Idee der Programmmusik auf eine kammermusikalische Besetzung überträgt – das allerdings auf ureigene Art und Weise. Schönberg selbst erläuterte in späteren Jahren: »Meine Komposition unterschied sich vielleicht etwas von anderen illustrativen Kompositionen […] weil sie nicht irgendeine Handlung oder ein Drama schildert, sondern sich darauf beschränkt, die Natur zu zeichnen und menschliche Gefühle auszudrücken.«

Über die Musik

Nacht – Schatten – Gewächse

Nachtmusiken Round Midnight

An den Grenzen der Nacht

»Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.
Und Gott sah, dass das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis und
nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.«
(Die Schöpfung, 1. Mose 1)

Über Jahrhunderte hinweg war die Polarität von Tag und Nacht für den Menschen eine natürliche Gegebenheit, der sich sein Körper durch den Wechsel aus Wachen und Schlafen fügte. Die Dunkelheit galt ihm instinktiv als feindseliger, gefährlicher Ort: Den Wanderer bedrohte die Kälte der Nacht, der undurchdringliche Wald erzeugte Angst und die ewige Finsternis der Verdammnis warf ihre langen Schatten mahnend in das Leben der Gläubigen. Heute, im Zeitalter des künstlichen Lichts, der Energy Drinks und des Schichtdienstes, hat diese Erfahrung an Bestimmtheit eingebüßt und die Nacht einen Teil ihrer Bedrohlichkeit verloren. Mehr noch, die Nachtstunden, die immer auch Raum der geheimen, oft sündhaften Sehnsüchte und Vergnügungen waren, sind positiv besetzt als Zeit des Feierns und des Abenteuers. Die einst finstere, stille Nacht ist hell und laut geworden.

»Die Stille war immer in unserer Kultur. Und wir müssen das wiederfinden«, sagte Salvatore Sciarrino, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, einmal in einem Interview. Der Sizilianer, der sich das Komponieren als Autodidakt aneignete, ist ein Mann der leisen Töne. Nach Aufenthalten in Neapel und Mailand ließ er sich in Città di Castello nieder, einer Stadt mit knapp 40.000 Einwohnern – »ich verließ die Metropole und suchte den Schatten«, erklärte er. Sciarrinos Musik verlangt vom Hörer, seine Sinne aufs Äußerste zu schärfen – aus dem nährenden Grund der (nächtlichen) Stille erwachsen organisch klingende Gebilde, in denen der Ton keine statische Einheit ist, sondern als energetische, bewegliche Substanz aufgefasst wird. In Ai limiti della notte für Viola solo lotet Sciarrino, in Analogie zur Dämmerung als Verbindungsglied zwischen Tag und Nacht, Grenzphänomene des Wahrnehmbaren aus. Die Musik bewegt sich oft an der Schwelle zum Hörbaren und am Übergang zwischen Geräusch und Ton. Tremolierende Flageoletttöne von fragiler, metallisch flirrender Textur prägen das Klangbild des Stücks. Nur selten bricht die Musik aus ihrem erregten Flüsterton aus, dann jedoch mit kraftvoller Bestimmtheit. Dabei erfahren die einzelnen Figuren keine zielgerichteten Entwicklungen, vielmehr liegt der Reiz dieser Komposition in der enormen Binnenspannung der zerbrechlichen Klänge selbst.

Und die Nacht …

»Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen. Manchmal fielen mir die Augen, wenn kaum die Kerze ausgelöscht war, so schnell zu, dass ich keine Zeit mehr hatte zu denken: ›Jetzt schlafe ich ein.‹ Und eine halbe Stunde später wachte ich über dem Gedanken auf, dass es nun Zeit sei, den Schlaf zu suchen; ich wollte das Buch fortlegen, das ich noch in den Händen zu haben glaubte, und mein Licht ausblasen; im Schlafe hatte ich unaufhörlich über das Gelesene weiter nachgedacht, aber meine Überlegungen waren seltsame Wege gegangen …«
(Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit)

Während die durchwachte Nacht die Sinne derart schärft, dass selbst kleinste Geräusche wie durch ein Mikroskop vergrößert riesenhaft erscheinen, führt der Tiefschlaf in die Welt des Unbewussten. Losgelöst von Chronologie und kausaler Logik formieren sich im Traum verloren geglaubte Erinnerungen, fragmentarische Déjà-vus, verborgene und verdrängte Sehnsüchte. In ähnlicher Weise wie Marcel Proust in seinem Roman Auf derSuche nach der verlorenen Zeit in labyrinthischen Strukturen eigene geträumte Erinnerungen rekapituliert, gestaltet Henri Dutilleux das zwischen 1973 und 1976 entstandene Streichquartett Ainsi la nuit als »nächtliche Vision« und als Prozess traumartigen Erinnerns. Diesem Vorgang entspricht in der Musik ein kontinuierliches Variieren (»croissance progressive«) des Materials. »In mir reifte die fast intuitive Tendenz, ein Thema nicht von Anfang an in seiner gültigen Gestalt herauszustellen. Es ist eben keine zyklische Form – denn in der zyklischen Form ist das Thema von Beginn an so gegeben, wie beispielsweise in Debussys Quartett. In meiner Musik ist es anders: Ich benutze kleine Zellen, die allmählich entwickelt werden«, erklärte der Komponist und fügte hinzu, »als ich diese Methode, wenn Sie es so nennen wollen, zu nutzen begann, war ich mir dessen nicht vollständig bewusst. Ich bemerkte das erst später.«

Die bis auf eine kurze Atempause ununterbrochene Folge von sieben mit mystisch-assoziativen Titeln überschriebenen Sätzen ist von klanglichen und strukturellen Kontrasten gekennzeichnet, die unter anderem durch eine Vielzahl verschiedener Spieltechniken hervorgebracht werden. Das einleitende Nocturne beginnt ätherisch, trotz oder gerade wegen der kontinuierlichen Variation des Materials erscheint es beinahe statisch. Der Titel Miroirsd’espace verweist auf eine Art gespiegelten Kanon, der sich zwischen Violine und Violoncello entspinnt. Das Litaneien-Paar ist komplementär gestaltet; Anklänge an Béla Bartóks Nachtmusiken und den Gregorianischen Gesang sind traumartig entfernt hörbar. Das Erinnern in permanenten Metamorphosen ist zugleich auch eine Auseinandersetzung mit der musikalischen Zeit, die im Schlusssatz Temps suspendu aufgehoben wird, indem sich das klingende Material nach und nach bis zum Stillstand zersetzt.

Auch die Trois Strophes sur le nom de Sacher stehen ganz im Zeichen des Erinnerns. Neben elf illustren Kollegen, darunter Luciano Berio, Pierre Boulez und Benjamin Britten, erhielt Dutilleux 1976 von Mstislaw Rostropowitsch den Auftrag, ein Werk für Violoncello solo zu schreiben, um den 70. Geburtstag des bedeutenden Schweizer Mäzens Paul Sacher zu feiern. Als Hommage an den Jubilar sollten dem Stück die Buchstaben seines Namens in der Form eS-A-C-H-E-Re – einer Mischung aus deutschem und italienischem Tonalphabet – zugrunde liegen. Das zunächst einsätzige Werk, das beim Festakt am 2. Mai 1976 in der Zürcher Tonhalle erklang, ergänzte Dutilleux nachträglich um zwei weitere »Strophen«. Sein Konzept sich fortschreibender Erinnerungen geht über die innerwerkliche, rein motivische Dimension hinaus. Die geforderte Technik der Skordatur, bei der die beiden tiefsten Saiten des Cellos umgestimmt werden, weist auf das Barockzeitalter zurück, und im Mittelteil des ersten Satzes findet sich, »lontanissimo« und durch tremolierende Klänge »sul ponticello« verfremdet, als Doppel-Hommage ein Zitat der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta von Bartók, die dieser wiederum 1936 für Sacher komponiert hatte.

Nachtbrücke

»Moon river, wider than a mile,
Iʼm crossing you in style some day.
Oh, dream maker, you heart breaker,
wherever youʼre going, Iʼm going your way.«
(John Mercer: Moon River)

Die Idee vom Traum als einer Brücke in das Reich der Erinnerung greift das Quatuor Ébène im Sextett Night Bridge auf, in dem es Jazzstandards in einer Einleitung und vier Parenthèses Revue passieren lässt. Hier wird die Nacht vor allem zum Ort der Sehnsüchte und Wunschträume, aber auch der enthemmten Leidenschaft im Schutz der Dunkelheit. Henry Mancinis Moon River lässt die Szene aus dem 1961 gedrehten Film Breakfast at Tiffany’s aufleben, in der Audrey Hepburn als Holly Golightly mit der Gitarre am Fenster sitzt und verträumt in die Stille der Nacht hinaus singt. Als Song für das Musical Gay Divorce schrieb Cole Porter 1932 Night and Day. Schon der rhythmische Beginn zu den Worten »Like the beat, beat, beat of the tom-tom« führt in die Sphäre des lasziv Erotischen, das sich im Text zunächst hinter einer vermeintlich harmlosen Liebesbekundung versteckt, am Ende jedoch explizit hervorbricht: »… till you let me spend my life making love to you / day and night, night and day.« Züchtiger hingegen gibt sich Victor Youngs 1944 als Titelmelodie für den Film The Univited entstandener Song Stella by Starlight. Der nachträglich hinzugefügte Text beschwört eine leibhaftige Traumfrau – »sheʼs everything that youʼd adore«. Eine letzte lyrisch-schwelgende Erinnerung in diesem nächtlichen Brückenschlag ist Thelonious Monks 1944 veröffentlichter Standard des Modern Jazz Round Midnight.

Verklärte Nacht

»Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
der Mond läuft mit, sie schaun hinein.«
(Richard Dehmel: Verklärte Nacht)

Schon der erste Vers des Gedichts Verklärte Nacht, das Richard Dehmel 1896 in der Sammlung Weib und Welt veröffentlichte, lässt ahnen, dass hier kein romantischer Nachtspaziergang zweier Liebender im Glitzern des Mondscheins beschrieben wird. »Kahl und kalt« ist der Hain, durch den »zwei Menschen« schreiten und dabei verfolgt werden vom stummen Inquisitor, dessen »Himmelslicht« das schützende Dunkel der Nacht erhellt. Mit der entlarvenden Klarheit des Mondlichts artikulieren die vor dem Hintergrund der damals geltenden Moral durchaus anstößigen Verse Dehmels die Sünde der Frau, die verzweifelt das Mutterglück suchte und nun das Kind eines »fremden Mannes« unter ihrem Herzen trägt, selbst aber wiederum in Liebe zu ihrem Begleiter entbrannt ist. Dem Geständnis folgt weder Disput noch Verurteilung. Großmütig spricht der Mann die werdende Mutter von der Sünde frei, nimmt das Kind als sein eigenes an und opfert gleichsam seine Männlichkeit, indem er feststellt: »du hast mich selbst zum Kind gemacht«. Dem nächtlichen »kalten Meer«, auf dem die beiden Geheimnisträger isoliert von der Gesellschaft »treiben«, stellt Dehmel die Wärme und den Glanz der selbstlosen Liebe entgegen, die das »fremde Kind« und mit ihm die mondhelle Nacht verklärt.

Der junge Arnold Schönberg komponierte das Streichsextett op. 4 nach Dehmels Gedicht 1899 während eines Ferienaufenthalts mit seinem Lehrer Alexander von Zemlinsky und dessen Schwester Mathilde, die er zwei Jahre später (bereits in anderen Umständen) heiraten sollte. Den programmatischen Bezug des einsätzigen Werks, das sich an der unregelmäßigen Strophenstruktur der Vorlage und der harmonisch opulenten spätromantischen Tonsprache Richard Wagners und Richard Straussʼ orientiert, erklärte der Komponist in einem 1950 zu einer Schallplattenaufnahme verfassten Kommentar als ein Symptom des Zeitgeistes. Trotz des radikalen Stilwandels hin zum Prinzip der Komposition mit zwölf gleichberechtigten Tönen, den Schönberg rund 20 Jahre später vollzog, hat er dieses dem expressionistischen Pathos der Jahrhundertwende verpflichtete Jugendwerk nie verurteilt; er fertigte sogar zwei Bearbeitungen für Streichorchester an.

Drei Affektebenen trennt Schönberg voneinander, die Stille der nächtlichen Natur, das Geständnis der Frau und die großmütige Reaktion des Mannes. Leitmotivisch tauchen Elemente wie das anfängliche schwer atmende Schreiten oder die wiegenliedartige »Mutterglück«-Figur mehrfach auf, woraus, unter Verwendung der auf Johannes Brahms zurückgehenden Technik der »entwickelnden Variation«, ein dichtes Geflecht an Bedeutungszusammenhängen erwächst. Das Geständnis der Schwangeren, das bei Dehmel eher als knappe Selbstanklage erscheint (»da ließ ich schaudernd mein Geschlecht / von einem fremden Mann umfangen«), formt Schönberg zu einem großen »dramatischen Ausbruch«. Umso effektvoller wirkt anschließend der vom verklärenden »Glanz des Weltalls« eingeleitete Monolog des Mannes: Gedämpfte Flageoletts und aufstrebende Skalenläufe entrücken die Szene ins entlegene Fis-Dur, wo sich »innig, sehr zart und weich« ein kanonischer Dialog zwischen Violine und Cello entspinnt; der darunterliegende Orgelpunkt versinnbildlicht die Gefasstheit des Mannes, dessen Liebe fähig ist, die Konfliktsituation im folgenden Des-Dur-Teil (»Sehr innig und warm«) aufzulösen. Der Schlussabschnitt kehrt zum ruhigen Gestus des Anfangs zurück, doch immer wieder klingen, mal offen, mal unterschwellig Motive der vorangegangenen Teile an – die Liebenden schreiten weiter, nunmehr durch »hohe, helle Nacht«, doch die Gedanken hängen ihnen nach. Erst im D-Dur der letzten zwölf Takten, die, wie schon der Beginn, frei von harmoniefremden Tönen sind, vermag die Ruhe der Außenwelt das gemeinsame Geheimnis des Paares vollends zu umhüllen und in sich aufzulösen; so wird, wie Schönberg schloss, »diese Nacht der Tragödie in eine verklärte Nacht verwandelt«.

Susanne Ziese

Biografie

Das Quatuor Ébène hat sich in kurzer Zeit von einem herausragenden Nachwuchsensemble zur international renommierten Spitzenformation gewandelt. Die vier Franzosen konzertieren heute in den berühmten Konzertsälen der Welt, wie der Wigmore Hall London, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Palais des Beaux-Arts in Brüssel, dem Wiener Konzerthaus oder der New Yorker Carnegie Hall. Nach Studien beim Ysaÿe Quartett in Paris sowie bei Gábor Takács, Eberhard Feltz und György Kurtág, sorgte das 1999 gegründete Ensemble 2004 beim ARD Musikwettbewerb für Furore, als es gleich mehrere Preise erhielt – der Auftakt zu einer Reihe weiterer Auszeichnungen von renommierten Stiftungen und Festivals. 2005 wurde das Quartett mit dem Belmont-Preis der Forberg-Schneider-Stiftung ausgezeichnet, die es seither ermöglicht, dass den Musikern aus Privatbesitz alte italienische Instrumente zur Verfügung gestellt werden konnten. Beim Repertoire wechselt das Ensemble souverän zwischen den Stilen: neben klassischen Quartetten von Mozart und Haydn über Bartók und die französischen Gattungsbeiträge von Ravel, Debussy und Fauré bis zu Arrangements von Jazzstandards, Popsongs oder Filmmusik. Die CD-Einspielungen des Ensembles fanden ebenfalls sehr positive Resonanz und wurden mit zahlreichen Preisen (Gramophone Award, »ECHO Klassik«-Preis u. a.) ausgezeichnet. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab das Quatuor Ébène im April 2014 mit Werken von Mozart, Bartók und Schumann sein Debüt.

Antoine Tamestit, 1979 in Paris geboren, erhielt seine künstlerische Ausbildung bei Jean Sulem, Jesse Levine und Tabea Zimmermann. Der Bratscher erregte internationale Aufmerksamkeit, als er in kurzer Folge eine Reihe bedeutender Wettbewerbe gewann, darunter der Primrose International Viola Competition sowie der Internationale Musikwettbewerb der ARD in München. Er war BBC New Generation Artist und wurde mit dem Förderpreis des Deutschlandfunks sowie dem Crédit Suisse Young Artist Award ausgezeichnet. Antoine Tamestit gastiert bei den führenden Orchestern in aller Welt und arbeitet mit den renommiertesten Dirigenten, darunter Sir John Eliot Gardiner, Valery Gergiev oder Paavo Järvi. Er ist regelmäßiger Gast bedeutender Festivals und gibt Rezitale im den bedeutendsten Konzerthäusern Europas. Gemeinsam mit Frank Peter Zimmermann und Christian Poltéra gründete er das Trio Zimmermann. Zu seinen weiteren Kammermusikpartnern gehören Leif Ove Andsnes, Pierre-Laurent Aimard, Gautier und Renaud Capuçon, Leonidas Kavakos, Gidon Kremer und Emmanuel Pahud sowie das Quatuor Ébène und das Belcea Quartet. Darüber hinaus verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit mit Sängerinnen wie Anne Sofie von Otter, Sandrine Piau und Christianne Stotijn. Antoine Tamestit lehrte von 2007 bis 2016 an der Kölner Musikhochschule und am Pariser Conservatoire und gibt sein Wissen nun weltweit im Rahmen von Meisterkursen weiter. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt Anfang Dezember 2015 im Rahmen eines Kammermusikabends zu erleben; auf dem Programm standen Werke von Beethoven, Debussy, Ravel und Brahms.

Nicolas Altstaedt, der 1982 als Sohn deutsch-französischer Eltern in Heidelberg geboren wurde, gehört zu den letzten Schülern des verstorbenen russischen Cellisten Boris Pergamenschikows. Er erhielt 2009 das Borletti Buitoni Trust Fellowship«, wurde im folgenden Jahr mit dem Credit Suisse Young Artist Award ausgezeichnet und war von 2010 bis 2012 BCC New Generation Artist. Seitdem konzertierte Nicolas Altstaedt weltweit mit führenden Orchestern und arbeitet mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Sir Neville Marriner, Sir Roger Norrington, Sir Andrew Davis, Andrey Boreyko, Vladimir Fedosseyev und Thomas Dausgaard. Der Cellist gastierte u. a. bei den Wiener Symphonikern beim Orchestre Philharmonique de Radio France, bei den philharmonischen Orchestern von Helsinki und Rotterdam, beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, beim NDR Elbphilharmonie Orchester sowie beim Gürzenich-Orchester Köln. 2012 übernahm Nicolas Altstaedt auf Vorschlag von Gidon Kremer die künstlerische Leitung des Kammermusikfestes Lockenhaus. 2014 folgte er bei der Österreichisch-Ungarischen Haydn-Philharmonie Adam Fischer in gleicher Position nach. Als Kammermusiker spielt Nicolas Altstaedt regelmäßig mit Janine Jansen, Vilde Frang, Pekka Kuusisto, Jonathan Cohen, Antoine Tamestit, Lawrence Power und dem Quatuor Ébène bei den Festivals in Salzburg, Luzern und Verbier sowie bei den BBC Proms, dem Musikfest Bremen und dem Schleswig-Holstein Musik Festival. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt er nun sein Debüt.

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Der Film zum Quartett

Am 21. und 22. November 2017 zeigt Urania Berlin Daniel Kutschinskis Dokumentarfilm »4«, ein Porträt des Quatour Ebène.

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