Kammermusik

Der Philharmonische Salon

Czernowitz – »an alte, jidische Schtot«

Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina, war eine multikulturelle Metropole, in der neben Rumänen, Deutschen, Ukrainern und Polen vor allem Juden lebten. Das änderte sich, als im Herbst 1941 ein Großteil der Chernowitzer Juden deportiert wurde. In diesem Philharmonischen Salon mit dem Titel »Czernowitz is gewen an alte, jidische Schtot« zeichnet Götz Teutsch Lebenswege überlebender Chernowitzer nach, die am Ende eines zerstörerischen Jahrhunderts in Jerusalem, Tel Aviv oder Haifa eine neue Heimat fanden.

Udo Samel Sprecher

Noah Bendix-Balgley Violine

Marlene Ito Violine

Naoko Shimizu Viola

Stephan Koncz Violoncello

Wenzel Fuchs Klarinette

Alan Bern Akkordeon und Klavier

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Czernowitz is gewen an alte, jidische Schtot...

Klezmer sowie Musik von Max Bruch, Sergej Prokofjew, Dmitri Schostakowitsch, Ciprian Porumbescu, Joseph Achron, Alexander Krein u. a.

Texte von Paul Celan, Rose Ausländer, Nora Gray, Georg Drozdowski, Karl Emil Franzos, Leopold von Sacher-Masoch, Josef Burg, Zvi Yavetz u. a.

Termine und Karten

Verkaufshinweise

So, 29. Okt 2017, 16:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 15:00 Uhr

Aboserie S

So, 05. Nov 2017, 16:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 15:00 Uhr

Aboserie S

Programm

Die Bukowina mit ihrer Hauptstadt Czernowitz gehörte bis 1918 als Kronland zum Habsburger Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Gebiet an Rumänien. Infolge des Hitler-Stalin-Pakts besetzte 1940 die Rote Armee die Nordbukowina, 1945 wurde die Region zwischen der ukrainischen Sowjetrepublik und Rumänien (das als Verbündeter des Deutschen Reichs bis 1944 gegen die Sowjetunion gekämpft hatte) aufgeteilt. In Czernowitz lebten neben Rumänen, Deutschen, Ukrainern und Polen vor allem Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Die kulturelle Vielfalt begründete den Mythos des friedlichen Miteinanders, obwohl dieses bereits 1918 durch eine aggressive Rumänisierungspolitik auf eine harte Probe gestellt wurde.

Zu einem radikalen Einschnitt kam es schließlich im Herbst 1941, als der Großteil der Chernowitzer Juden in Lager jenseits des Grenzflusses Dnestr deportiert wurden. In diesem von Rumänien verwalteten und als »Transnistrien« bezeichneten Gebiet starb ein Drittel von ihnen unter qualvollen Bedingungen. Nur rund 20.000 Juden durften mit einer sogenannten Autorisation in Czernowitz bleiben. Ihr Leben wurde aber durch rigide Ausgangsbeschränkungen, die Verpflichtung zum Tragen des Davidssterns sowie durch weitere Zwangsmaßnahmen massiv beeinträchtigt. Nach der Befreiung durch die Rote Armee im März 1944 konnten die Juden, die die Deportation überlebt hatten, in das nun sowjetisch besetzte Czernowin zurückkehren. Die meisten von ihnen reisten in den folgenden Jahren nach Rumänien aus, um von dort aus nach Israel auszuwandern.

In diesem Philharmonischen Salon mit dem Titel »Czernowitz is gewen an alte, jidische Schtot« zeichnet Götz Teutsch Lebenswege überlebender Chernowitzer nach, die am Ende eines zerstörerischen Jahrhunderts in Jerusalem, Tel Aviv oder Haifa eine neue Heimat fanden. Die Pianistin Cordelia Höfer sowie Mitglieder der Berliner Philharmoniker spielen neben Klezmermusik Werke von Eusebius Mandyczewski, Joseph Achron, George Enescu u. a., Udo Samel liest Texte von Paul Celan, Rose Ausländer, Mihail Eminescu, Edith Silbermann und Gregor von Rezzori.

(Foto: Monika Rittershaus)