Mark Padmore (Foto: Marco Borggreve)

Kammermusik

Mark Padmore singt Lieder englischer Komponisten

Erster kammermusikalischer Auftritt unseres Artist in Residence: Der englische Tenor Mark Padmore, den das Berliner Publikum vor allem durch seine kongenialen Interpretationen der Evangelisten-Partien in Bachs Passionen kennt, zeigt in diesem Konzert eine ganz neue Facette seines Könnens. Er stellt uns Lieder von Komponisten seiner Heimat vor. Sie besingen das Unglück der unerwiderten Liebe und die Schönheit der englischen Landschaft.

Mark Padmore Tenor

Ludwig Quandt Violoncello

Daniel Stabrawa Violine

Bettina Sartorius Violine

Naoko Shimizu Viola

Michael Hasel Flöte

Dominik Wollenweber Oboe

Hendrik Heilmann Klavier

Richard Rodney Bennett

Tom O’Bedlam’s Song für Tenor und Violoncello

Ludwig Quandt Violoncello

Peter Warlock

The Curlew, Liederzyklus für Tenor, Flöte, Englischhorn und Streichquartett auf Gedichte von William Butler Yeats

Daniel Stabrawa Violine, Bettina Sartorius Violine, Naoko Shimizu Viola, Ludwig Quandt Violoncello, Michael Hasel Flöte, Dominik Wollenweber Oboe

Ralph Vaughan Williams

Ten Blake Songs, Liederzyklus für Singstimme und Oboe zum Film The Vision of William Blake

Dominik Wollenweber Oboe

Ralph Vaughan Williams

On Wenlock Edge, Sechs Lieder für Tenor, Klavier und Streichquartett

Daniel Stabrawa Violine, Bettina Sartorius Violine, Naoko Shimizu Viola, Ludwig Quandt Violoncello, Hendrik Heilmann Klavier

Termine und Karten

So, 15. Okt 2017, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie O

Programm

Schlank, klar, flexibel – Mark Padmore verfügt über eine Tenorstimme, die ideal für die Evangelistenpartien der Passionen Johann Sebastian Bachs ist. Davon konnte sich das Publikum der Berliner Philharmoniker in den vergangenen Jahren mehrfach überzeugen. Man denke nur an die gefeierten Aufführungen der Johannes- und Matthäus-Passionen in der szenischen Realisation von Peter Sellars in den Jahren 2010, 2013 und 2014. »Mark Padmore ist ein charismatischer Evangelist«, heißt es in einer Kritik der Berliner Morgenpost. Darüber hinaus wirkte der Sänger in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker auch als Solist in Joseph Haydns Harmoniemesse, Beethovens Missa solemnis und Georg Friedrich Händels Messias sowie als Liederinterpret mit. Stets beeindruckte er durch seinen klugen, kultivierten und gleichzeitig emotionalen Gesang.

Als Artist in Residence zeigt er nun in dieser Saison weitere Facetten seines musikalischen Könnens. Im ersten Konzert seiner Residency führt er zusammen mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker Werke von Komponisten aus seiner englischen Heimat auf. In Peter Warlocks Liederzyklus The Curlew für Gesang, Flöte, Englischhorn und Streichquartett geht es um die Schmerzen und Enttäuschungen der nicht erwiderten Lieben. Der Zyklus beginnt mit einer klagenden Geste des Englischhorns und zieht den Hörer in eine poetisch-melancholische Gefühlswelt. Richard Rodney Bennett wurde als Schöpfer der Musik zu dem Filmklassiker Mord im Orient-Express weltberühmt. Das Komponieren von Filmmusik garantierte ihm finanzielle Unabhängigkeit und ermöglichte ihm die Freiheit, die Musik zu schreiben, die ihm am Herzen lag, beispielsweise den Tom O’Bedlam’s Song für Stimme und Violoncello.

Schließlich stehen noch ein Jugend- und ein Spätwerk von Ralph Vaughan Williams auf dem Programm: Der unter dem Eindruck seines Studiums bei Maurice Ravel entstandene Zyklus On Wenlock Edge für Tenor, Klavier und Streichquartett beschwört Stimmungsbilder des ländlichen Englands. Die Blake Songs entstanden kurz vor dem Tod des Komponisten für den Film The Vision of William Blake.

Über die Musik

»Every child may joy to hear«

… wenn sie nicht so traurig wären, die Lieder von Vaughan Williams, Bennett und Warlock

On Wenlock Edge von Ralph Vaughan Williams

1903 stieß Ralph Vaughan Williams in Essex auf ein Volkslied, das seine bisherige Auffassung von englischer Musik revolutionierte. »Was auch immer getan werden muss, es hat schnell zu geschehen«, schrieb er umgehend an die konservative Londoner Morning Post. »Jeden Tag stirbt ein alter Dorfsänger, und mit ihm stirbt wahrscheinlich ein halbes Dutzend wundervoller Melodien, die der Welt für immer verlorengehen; wenn wir bewahren wollen, was noch vorhanden ist, müssen wir uns danach sofort auf die Suche machen.« Den englischen Komponisten und viele seiner Kollegen in halb Europa beflügelte nicht allein diese Idee der Rettung. Es ging auch darum, mithilfe des musikalischen Erbes einen neuen, nationalen Stil zu schaffen. Außerdem konnte man der verhassten Großstadt entkommen. Die Suche wurde zur Sucht.

Vaughan Williams sammelte in den Jahren zwischen 1903 und 1913 über 800 Lieder und Varianten; Wesensmerkmale der folkloristischen Tradition traten unvermeidlich auch in seinem eigenen Schaffen hervor. Im Liederzyklus On Wenlock Edge, vollendet 1909, ist dieser Einfluss manifest. Da er allerdings 1908 einige Unterrichtsstunden bei Maurice Ravel genommen hatte, sind auch koloristische Effekte zu vernehmen, sogar motivische Bruchstücke zeitgenössischer französischer Musik. Die merkwürdige Mixtur erfährt eine zusätzliche Verfremdung durch Alfred E. Housmans bittere, nostalgische Lyrik. Der Dichter, ohnehin kein besonders musischer Mensch und der Meinung, Engländer könnten sowieso nicht komponieren, mochte keine Vertonungen seiner Werke – und am allerwenigsten die von Vaughan Williams. Er fand es ärgerlich, dass der Komponist aus einem Gedicht acht Zeilen eliminiert hatte, in denen es unpoetischerweise um ein Fußballspiel geht. Vorrangig jedoch dürfte Housmans Missfallen damit zusammenhängen, dass die musikalische Syntax seiner Auffassung nach nicht den Textzeilen entsprach, ja dass es ihm anmaßend erschien, die Musikalität seiner Worte in Töne setzen zu wollen.

Obgleich einer der größten englischen Lyriker seiner Zeit, ist Alfred E. Housman im Ausland nie bekannt geworden. In England hingegen war sein Gedichtband A Shropshire Lad seit der Veröffentlichung 1896 Kult. Nicht von ungefähr haben zahlreiche britische Komponisten nach diesem Buch gegriffen, als erster Arthur Somervell, dann Vaughan Williams und George Butterworth, einige Jahre später John Ireland, Ernest Moeran und Ivor Gurney. Insgesamt existieren annähernd 400 Housman-Vertonungen. Der Titel bezieht sich auf das ärmliche, rückständige Ländchen Shropshire, »the land of lost content«, gelegen zwischen Wales im Westen und Staffordshire im Osten. Der anonyme Hauptdarsteller, ein Knabe, ist die Personifikation all jener jungen Männer, die, abgewiesen von ihrer Angebeteten, das Handgeld der Armee nehmen und in irgendeinem Krieg des Empire zugrunde gehen. Entsprechend trist und pessimistisch, erfüllt von Wehmut und Hoffnungslosigkeit, ist Housmans Tonfall: »This is the land of lost content, / I see it shining plain, / The happy highways were I went / And cannot come again.«

Ralph Vaughan Williams hat die berühmteste Strophe aus A Shropshire Lad nicht vertont. Er konnte die von Housman besungenen Hügel sehen, wenn er bei seinen Wanderungen durch das heimatliche Gloucestershire nach Norden blickte – wie ein trostloses Land erschien ihm Shropshire nicht. Vielleicht vermeidet sein Liederzyklus deswegen den originalen Titel und bemüht stattdessen das Gedicht On Wenlock Edge. An emotionalem Aufruhr freilich hat dieser an erster Stelle stehende Gesang genug zu bieten; mehr in den Streichern als in der Stimme bebt jener Sturm, von dem das Gedicht sagt, er gehe noch durchs Land wie zu jenen Zeiten, als die Römer bei Uricon lebten, heute ein verfallenes Kastell im Tal des Severn; und auch den Römer ergriff schon derselbe Orkan wie uns, die Gier – »The tree of man was never quiet« … From far, from eve and morning fällt durch seinen Volksliedton auf, ebenso das kurze Oh, when I was in love with you, während Is my team ploughing einer doppelbödigen Opernszene gleicht: In dem traurigen Zwiegespräch eines Toten mit seinem einstigen Freund erweist sich am Ende, dass er nicht nur das Leben verloren hat, sondern auch die Freundin, und zwar ausgerechnet an seinen Freund. Bredon Hill ist eines der am höchsten geschätzten Lieder des Komponisten; es verdankt diese Beliebtheit seinen lautmalerischen Qualitäten, der sonntäglichen Stille in den Streicherakkorden und den zunächst heiteren Kirchenglocken. Mit wenigen Kunstgriffen verwandelt Vaughan Williams das sommerliche Bild in eine Winterszene; die Liebenden von einst sind längst getrennt, die Glocken laden nicht mehr zur Hochzeit, sondern erklingen nunmehr – leere Oktaven auf dem Ton G – zu einem Trauergottesdienst. Hätte diese kongeniale Vertonung nicht auch Housman gefallen müssen? Sie tat es nicht. Es wird kolportiert, er habe sich entsetzt die Ohren zugehalten, als ihm jemand die erste Schallplattenaufnahme der Liederreihe vorspielte – möglicherweise war daran eher der Schlussgesang Schuld. Vaughan Williams suchte nach einem optimistischen Ausklang und tauchte die letzten Zeilen des recht deprimierenden Gedichtes Clung in Harmonien, die dem Dichter wohl zu versöhnlich erschienen.

Housmans Zeilen erlangten während des Ersten Weltkriegs grauenhafte Realität; man fand das Buch in den Uniformen vieler Soldaten, die auf Flanderns Feldern elend umgekommen waren. Nur bei George Butterworth konnte man es nicht finden: Der Mann, der A Shropshire Lad 1911 vertont und daraus sogar eine Orchester-Rhapsodie zusammengestellt hatte, fiel fünf Jahre später an der Somme. Sein Leichnam konnte nicht geborgen werden.

Ten Blake Songs

Vaughan Williams überlebte den Kriegsdienst in Flandern. Er kam schon bald in den Ruf, »England’s second composer« zu sein; niemand geringeres als Edward Elgar hatte den 15 Jahre jüngeren Kollegen dazu bestimmt: Er bot ihm das Du an und wollte »Teddy« genannt werden, was der dieser jedoch nicht übers Herz brachte. Nach Elgars Tod erreichten nur wenige Komponisten kurzzeitig eine vergleichbare Anerkennung. Vaughan Williams hingegen gelang es noch mit 85 Jahren, seine visionäre Neunte Symphonie zu vollenden. Aus derselben Zeit, exakt Weihnachten 1957, datieren auch die für einen Film geschriebenen Ten Blake Songs. Von Soundtrack keine Spur! Das mit einer Stimme und Oboe (alternativ Violine oder Klarinette) frugal besetzte, nach innen gekehrte Werk bekundet vielmehr Vaughan Williamsʼ Neigung zur christlichen Mystik, wie sie auch schon in seinem Blake-Ballett Job zum Ausdruck kam. Deutlicher noch sind Nachklänge des englischen Volkslieds vernehmbar, insbesondere in The Shepherd, das wie zwei andere Stücke der Sammlung rein vokal gesetzt ist. Dass die Blake Songs den Charakter von Miniaturen zeigen, sollte einen nicht dazu verleiten, ihre Harmonik für harmlos zu halten. The Piper wechselt permanent die Tonart; das anfängliche Es-Dur wird keine acht Takte durchgehalten, und am Ende verirrt sich die Stimme nach F-Dur, während die Oboe allein zum Es-Dur zurückkehrt. Das Wort des Maler-Dichters Blake »And I wrote my happy songs / Every child may joy to hear« gewinnt bei Vaughan Williams einen ambivalenten Unterton – kinderleicht jedenfalls ist dieses Stück nicht.

Richard Rodney Bennetts Tom O’Bedlam’s Song

Geradezu sophisticated wirkt die gesamte Ästhetik von Richard Rodney Bennett. Er brachte es fertig, sowohl Stücke im Stil eines Boulez zu produzieren als auch die Filmmusik zu Murder on the Orient Express. Der englische Komponist war eine Zeit lang das Haupt der – dünn besiedelten – insularen Avantgarde und zugleich der einflussreichste Promoter des Jazz. Neben seinen Soundtracks ernteten auch einige der 17 Solokonzerte und drei Symphonien erstaunlich viel Applaus. Tom O’Bedlam’s Song entstand 1961, also in Bennetts radikaler Frühphase, verzichtet aber auf jeglichen seriellen Manierismus zugunsten einer an Britten gemahnenden sängerischen Emphase. Der anonyme Text stammt vermutlich aus dem frühen 17. Jahrhundert und bezieht sich auf das älteste Irrenhaus der Welt, das Bethlem Royal Hospital, kurz Bedlam. Viele seiner Insassen waren gezwungen, ihr Leben als Bettler zu fristen, und so entstand die Figur des Tom O’Bedlam, der auch in Shakespeares King Lear erwähnt wird.

The Curlew von Peter Warlock

Bennett war eine Zeitlang das Hätschelkind des britischen Musikmarkts. Solches Glück blieb Philip Heseltine verwehrt. 1894 als Sohn schwerreicher Eltern im Londoner Savoy Hotel geboren, verschmähte er die Karriere eines Börsenmaklers, verschleuderte das ererbte Vermögen, verdiente eigenes Geld als Kritiker, Autor und Herausgeber, beschäftigte sich besonders intensiv mit Englands mittelalterlicher Musik und dem Volkslied. Da dem Namen seiner Vorfahren wenig Sympathien entgegenschlugen, nannte er sich bereits in seinem ersten Musikartikel Peter Warlock. Der Krieg, in dem Butterworth gefallen war und den Vaughan Williams als Artillerieoffizier überlebte, trieb Warlock 1917 nach Irland, das sich gewaltsam vom United Kingdom zu lösen suchte. Er zog auf eine abgelegene Insel, wo nur Gälisch gesprochen wurde, und betrieb Schwarze Magie. Er traf auch mit Irlands größtem Dichter zusammen, William Butler Yeats, der ebenfalls dem Okkultismus ergeben war. Die Begegnung führte dazu, dass Warlock 1922 vier Gedichte aus Yeats frühen Bänden The Wind Among the Reeds und In the Seven Woods vertonte.

Der Zyklus ist durchkomponiert, also ohne auffällige Pausen zwischen den einzelnen Nummern. Nach einer längeren instrumentalen Einleitung wird der Brachvogel, »The Curlew«, erstmals genannt: Er möge seine Schreie über der See im Westen anstimmen, wo sie nicht mehr zu vernehmen sind, denn sie erinnern den Dichter an eine vergangene Liebe. Die Instrumente, vor allem Englischhorn und Bratsche, malen eine Szenerie milder Schwermut. The lover mourns for the loss of love will beinahe liedmäßig beginnen, doch erstarrt der Gesang, begleitet von monotonen Schritten der Streicher, schon in der zweiten Zeile, um nur noch moritatenhaft mit der Wiederholung meist gleicher Töne fortgesetzt zu werden. Die Hoffnung auf eine neue Liebe erfüllt sich nicht, denn die in Aussicht genommene Dame entdeckt im Herzen des Dichters das Bildnis ihrer Vorgängerin. Die Vortragsbezeichnung »slow and very still« könnte über weite Strecken des gesamten Zyklus stehen. Nur das dritte Lied The withering of the boughs schlägt dramatischere Töne an. Dies ist in den einleitenden, virtuosen Auftritten von Englischhorn und Flöte bereits zu ahnen. Der Text führt, wie so oft bei Yeats, in eine halb romantisch, halb mystisch verzauberte Region, deren Seelenverwandtschaft mit dem Betrachter ein Geheimnis bleibt. Das Bild einer verschlafenen Grafschaft wird evoziert: Schwäne ziehen singend darüber hin, aneinander gefesselt durch goldene Ketten, erste Violine und Viola intonieren dazu eine wandernde, schwebende Melodie voller Wohllaut. Im dreimal vorgetragenen Refrain konstatiert der Dichter, dass seine Träume die Zweige erzittern lassen, nicht aber der winterliche Wind. Unruhige Akzente und völliger Stillstand des musikalischen Geschehens wechseln sich ab, am Ende wird zu ersterbenden Liegetönen der Streicher die Refrainzeile nur noch tonlos geflüstert. Das finale He hears the cry of the sedge überlässt das Geschehen größtenteils den Instrumenten; erst in den letzten 20 Takten meldet sich der Dichter vom Rande eines unwirtlichen Sees aus; nicht einmal die Instrumente wollen dem Einsamen Gesellschaft leisten; resigniert erkennt er endgültig, was schon die anderen drei Lieder als sinistre Botschaft durchzog: Nie mehr wirst du im Schlaf an der Brust deiner Geliebten ruhen.

Peter Warlock schrieb keine Symphonien, Oratorien und Opern wie Vaughan Williams. Sein Schaffen umfasst nur eine Streicherserenade, die Capriol-Suite, sowie zahlreiche Lieder und Chöre. Trotz gelegentlicher Erfolge war er mit seiner künstlerischen Arbeit nicht zufrieden und fühlte zudem die Inspiration schwinden. Als sich die finanziellen Krisen verschärften, geriet Warlock in schwere depressive Phasen. Man fand den 36-jährigen Komponisten tot in seiner Londoner Wohnung, Diagnose Gasvergiftung. Die Ursache konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Volker Tarnow

Biografie

Mark Padmore wurde zunächst als Klarinettist ausgebildet, bevor er 1979 am King’s College in Cambridge ein Gesangsstudium aufnahm. 1991 begann seine enge Zusammenarbeit mit William Christie und Les Arts Florissants, 1992 diejenige mit Philippe Herreweghe und dem Collegium Vocale Gent. Insbesondere als Evangelist und Tenorsolist in den bachschen Chorwerken gelangte Mark Padmore bald zu Weltruhm. Doch auch als Operninterpret machte er von den 1990er-Jahren an zunehmend von sich Reden: Er war in Peter Brooks Inszenierung des Don Giovanni in Aix-en-Provence zu erleben, gastierte als Tom Rakewell in Strawinskys The Rake’s Progress am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und wirkte in Aufführungen von Händels Jephtha an der English National Opera mit. Zudem übernahm er die Hauptpartien in Harrison Birtwistles Opern The Corridor und The Cure beim Aldeburgh Festival bzw. im Linbury Theatre, Covent Garden. Mark Padmore ist u. a. bei den Philharmonikern in Wien und New York, beim London und beim BBC Symphony Orchestra sowie beim Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam aufgetreten; er konzertiert regelmäßig mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment und der Britten Sinfonia. Als Liedsänger arbeitet er u. a. mit den Pianisten Paul Lewis, Till Fellner, Kristian Bezuidenhout, Julius Drake und Roger Vignoles zusammen. In der Saison 2016/2017 prägte Mark Padmore als Artist in Residence das Programm des BR-Symphonieorchesters München. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker, bei denen der Sänger in dieser Spielzeit nun die gleiche Position einnimmt, war er zuletzt beim Saisoneröffnungskonzert im August 2017 als Uriel in Haydns Schöpfung zu hören. Mark Padmore ist künstlerischer Leiter des St Endellion Summer Music Festival in Cornwall.

Hendrik Heilmann, 1979 in Berlin geboren, war zunächst Schüler von Dieter Zechlin (Klavier) und Paul-Heinz Dittrich (Komposition); später studierte er bei Alexander Vitlin und Susanne Grützmann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin sowie Liedgestaltung bei Wolfram Rieger. Meisterkurse bei Christa Ludwig, Dietrich Fischer-Dieskau, Irwin Gage und Thomas Quasthoff rundeten seine Ausbildung ab. Bereits im Alter von 16 Jahren wurde er beim Steinway-Wettbewerb ausgezeichnet. 2005 gewann er den Sonderpreis für Liedbegleitung beim La Voce-Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks. Der Pianist gastierte u. a. bei den Salzburger Festspielen, den Münchner Opernfestspielen, im Wiener Musikverein, in der Laeiszhalle Hamburg und in der Londoner Wigmore Hall. Als Liedbegleiter arbeitet Hendrik Heilmann mit zahlreichen renommierten Sängerinnen und Sängern zusammen, so etwa mit Julie Kaufmann und Magdalena Kožená, mit Hanno Müller-Brachmann und Brenden Gunnell; außerdem ist er Kammermusikpartner von Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin und der Berliner Philharmoniker. Seit 2005 ist Hendrik Heilmann in Berlin Dozent für Liedgestaltung an der Universität der Künste sowie Dozent für Solokorrepetition an der Musikhochschule »Hanns Eisler«.

Daniel Stabrawa wurde in Krakau geboren. Er studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt bei Zbigniew Szlezer, war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und erhielt 1979 die Konzertmeisterstelle beim Rundfunk-Orchester Krakau. Seit 1983 ist er Mitglied der Berliner Philharmoniker, drei Jahre später wurde er einer ihrer drei Ersten Konzertmeister. Mit drei Kollegen aus dem Orchester gründete Daniel Stabrawa 1985 das Philharmonia Quartett, dessen Primarius er seitdem ist. Von 1986 bis 2000 unterrichtete er an der philharmonischen Karajan-Akademie. Darüber hinaus widmet sich Daniel Stabrawa auch dem Dirigieren: Von 1995 bis 2001 war er künstlerischer Leiter der Capella Bydgostiensis in Bydgoszcz (Bromberg). Mehrfach war er zudem Konzertsolist der Berliner Philharmoniker, zuletzt im Februar 2016 mit zweiten Violinkonzert von Karol Szymanowski unter der Leitung von Sir Simon Rattle.

Bettina Sartorius wurde in Yverdon (Schweiz) geboren. Als kleines Kind wollte sie eigentlich Klavier lernen. Doch nachdem ihre Eltern sie in ein Konzert mitgenommen hatten, in dem Yehudi Menuhin Beethovens Violinkonzert spielte, entschied sie sich für die Geige. Bettina Sartorius absolvierte ihr Studium am Konservatorium Winterthur bei Aida Stucki. 1992 machte sie dort das Konzertreifediplom, 1994 das Solistendiplom, das sie mit Auszeichnung ablegte. Die mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnete Geigerin (Dritter Preis beim Internationalen Bodenseewettbewerb 1994, Auszeichnung beim Internationalen Menuhin-Wettbewerb Paris 1995) tritt als Solistin europaweit auf und war drei Jahre lang Mitglied der Camerata Bern. Seit 2001 gehört sie zu den Berliner Philharmonikern und musiziert hier auch im Ensemble »Die Schweizer der Berliner Philharmoniker«.

Naoko Shimizu wurde in Osaka geboren. In Tokio studierte sie zunächst Violine, bevor sie sich 1992 für den Wechsel zur Bratsche entschied. 1994 kam sie nach Deutschland und setzte ihre Ausbildung bei Nobuko Imai an der Musikhochschule Detmold fort. Sie wurde u. a. beim Internationalen Wettbewerb in Genf (1996), beim ARD-Wettbewerb in München (1997) und bei den Young Concert Artist International Auditions in den USA (1998) ausgezeichnet. Seit 2001 ist Naoko Shimizu Solobratscherin der Berliner Philharmoniker. Als Solistin ist sie mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Orchestre de la Suisse Romande, den Budapest Strings sowie mit zahlreichen japanischen Orchestern aufgetreten. Die leidenschaftliche Kammermusikerin, die sich in der Philharmonischen Camerata engagiert, gastierte auch bei bedeutenden Festivals (Kammermusikfest Lockenhaus/Österreich, Marlboro Music Festival/USA u. a.).

Ludwig Quandt studierte bei Arthur Troester an der Musikhochschule Lübeck und legte dort 1985 die Diplomprüfung sowie 1987 das Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Meisterkurse bei Boris Pergamenschikow, Zara Nelsova, Maurice Gendron, Wolfgang Boettcher und Siegfried Palm vervollständigten seine Ausbildung. Zweimal gehörte er bei den »Konzerten Junger Künstler« zur Bundesauswahl. Der Preisträger des Brahms-Wettbewerbs Hamburg und des Premio Stradivari Cremona wurde 1991 Mitglied der Berliner Philharmoniker, seit 1993 ist er bei ihnen 1. Solocellist. Neben seiner Arbeit im Orchester konzertiert er weltweit als Solist und als Kammermusiker, beispielsweise bei den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, den Philharmonischen Stradivari-Solisten und im Philharmonischen Capriccio Berlin. Er spielt ein Instrument von Francesco Ruggieri, Cremona, aus dem Jahre 1675, das ihm die Deutsche Bank seit 1993 als Leihgabe zur Verfügung stellt.

Michael Hasel begann seine musikalische Laufbahn mit Klavier- und Orgelspiel sowie einer Ausbildung zum Kirchenmusiker. Ersten Flötenunterricht erhielt er von Herbert Grimm und Willi Schmidt. Nach dem Abitur studierte er Flöte in der Meisterklasse von Aurèle Nicolet sowie Klavier und Dirigieren bei Francis Travis an der Musikhochschule Freiburg. Weitere dirigentische Ausbildung erhielt er bei Michael Gielen. Nach zwei Jahren als Piccoloflötist beim Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt wurde er 1984 Flötist bei den Berliner Philharmonikern. Michael Hasel war viele Jahre lang Soloflötist des Festspielorchesters Bayreuth und ist Gründungsmitglied des Philharmonischen Bläserquintetts Berlin. Als Dirigent und Solist hat Michael Hasel mit renommierten Ensembles und Orchestern in Europa, Südamerika und Japan gearbeitet, beispielsweise mit dem Ensemble Modern, der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Orquesta Simón Bolívar.

Dominik Wollenweber spielte zunächst Flöte, bevor er mit 14 Jahren zur Oboe wechselte. Er studierte bei Hagen Wangenheim an der Münchner Musikhochschule sowie bei Simon Dent am dortigen Richard-Strauss-Konservatorium. Von 1991 bis 1993 war er als Stipendiat der philharmonischen Orchester-Akademie Schüler von Hansjörg Schellenberger; in dieser Zeit spielte er auch als Solooboist im Jugendsymphonieorchester der Europäischen Union unter der Leitung von Claudio Abbado. 1993 kam Dominik Wollenweber als Englischhornist zu den Berliner Philharmonikern; 1996 war er Preisträger beim ARD-Musikwettbewerb in München. Neben seiner Tätigkeit im Orchester und zahlreichen kammermusikalischen Aktivitäten betreute Dominik Wollenweber viele Jahre die Holzbläser des Gustav-Mahler-Jugendorchesters; seit dem Jahr 2000 lehrt er als Gastprofessor für Oboe an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin.

Mark Padmore (Foto: Marco Borggreve)

Mark Padmore

Artist in Residence 2017/2018

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