(Foto: MarcoBorggreve)

Alain Altinoglu debütiert bei den Berliner Philharmonikern

Der Aufbruch in die Moderne ist eine der spannendsten Phasen der Musikgeschichte. Das zeigen an diesem Abend Werke von Ravel, Bartók, Debussy und Roussel, in denen die Klangsinnlichkeit der Spätromantik mit Originalität und Pioniergeist verschmilzt. Als Dirigent debütiert der »sensible Klangfarbenmagier« (Süddeutsche Zeitung) Alain Altinoglu am Pult der Berliner Philharmoniker, als Solist in Bartóks Bratschenkonzert hören Sie Máté Szűcs.

Berliner Philharmoniker

Alain Altinoglu Dirigent

Máté Szűcs Viola

Maurice Ravel

Rapsodie espagnole

Béla Bartók

Konzert für Viola und Orchester Sz 120 (Fassung und Orchestrierung von Csaba Erdélyi, 2016 Europäische Erstaufführung)

Máté Szűcs Viola

Claude Debussy

Suite aus der Oper Pelléas et Mélisande arrangiert von Alain Altinoglu Uraufführung

Albert Roussel

Bacchus et Ariane, Orchestersuite Nr. 2 op. 43

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Do, 21. Sep 2017, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie E

Fr, 22. Sep 2017, 20:00 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie F

Programm

An diesen drei Abenden steht erstmals Alain Altinoglu am Pult der Berliner Philharmoniker. Der 1975 in Paris geborene Dirigent, den die Süddeutsche Zeitung einen »sensiblen Klangfarbenmagier« nennt, ist seit der Spielzeit 2016/2017 amtierender Directeur Musical des Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie. Neben den führenden Orchestern seiner Geburtsstadt gastierte er auch bei namhaften Orchestern und Opernhäusern in Europa und den USA. Zu seinen dirigentischen Aktivitäten kommt sein Interesse für den Liedgesang. Regelmäßig begleitet er die Mezzosopranistin Nora Gubisch am Klavier. Im Zentrum seines Debüts bei den Philharmonikern steht mit Béla Bartóks Bratschenkonzert dessen letzte Komposition, die in Entwurfsform auf dem Sterbebett des Komponisten gefunden wurde. Sie erklingt als europäische Erstaufführung in der 2016 überarbeiteten Neufassung und Orchestrierung von Csaba Erdélyi.

»Es tut mir leid, dass ich mit vollem Gepäck scheiden muss«, soll Bartók kurz vor seinem Tod zu einem Arzt gesagt haben. Wie viel Musik der Komponist in den letzten Tagen seines Lebens noch in sich trug, beweist sein Opus postumum. Entstanden ist es auf Wunsch des schottischen Bratschisten William Primrose. Anfang des Jahres 1945 war dieser mit der Bitte an den Komponisten herangetreten, für ihn ein konzertantes Werk zu schreiben, wobei er sich bemühte, etwaige Vorbehalte gegen die Bratsche als Soloinstrument gleich aus dem Weg zu räumen: »Ich bitte Sie«, schrieb Primrose am 22. Januar 1945 an Bartók, »lassen Sie sich von den scheinbaren technischen Grenzen des Instrumentes nicht beeinflussen. Ich kann Ihnen versichern, dass diese lediglich mit der Epoche zusammenhängen, in der die Bratsche ein ›pensioniertes Instrument‹ war, und die heute nicht mehr existieren.« Bartóks gesundheitliche Probleme sowie die Arbeit an seinem Dritten Klavierkonzert ließen das Projekt erst im August des Jahres Gestalt annehmen. Zwei Wochen vor seinem Ableben schrieb der Komponist dann voller Tatendrang an Primrose: »Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihr Violakonzert im Entwurf fertig ist und dass bloß noch die Partitur geschrieben werden braucht, was gewissermaßen nur eine mechanische Arbeit ist. Wenn nichts dazwischenkommt, kann ich es in fünf oder sechs Wochen geschafft haben.«

Die Partitur auszuarbeiten, war Bartók indes nicht mehr vergönnt: Bei seinem Tod am 26. September 1945 hinterließ der Komponist lediglich 13 Seiten mit Skizzen, die der seit 1942 mit ihm befreundete Bratscher, Komponist und Dirigent Tibor Serly im Auftrag von Bartóks Londoner Verleger Boosey & Hawkes später in eine aufführbare Form brachte. Solist in diesen drei philharmonischen Konzerten mit Bartóks Schwanengesang ist ein Landsmann des Komponisten, der 1. Solo-Bratscher des Orchesters Máté Szűcs. Als kontrastreichen Rahmen hat Alain Altinoglu Musik französischer Komponisten auf das Programm gesetzt: Zum Auftakt dirigiert er Maurice Ravels Rapsodie espagnole, nach der Pause zwei Orchestersuiten aus Bühnenwerken von Claude Debussy und Albert Roussel.

(Foto: MarcoBorggreve)