Education

Familienkonzert – Abenteuer Stimme

In diesem Konzert stehen zwei Kompositionen von György Ligeti, einem der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, im Fokus: Aventures und Nouvelles Aventures. Diese Miniaturdramen zeigen das ganze Kaleidoskop an stimmlichen Lauten: Es wird gestöhnt, gesummt, gezischt, geschrien, geseufzt – allein, zu zweit oder zu dritt, am liebsten aber durcheinander. Erstaunlich, welche Bandbreite an Emotionen durch solch eine ganz eigene Kunstsprache vermittelt werden kann – mit nichts als der menschlichen Stimme! Ganz nebenbei versuchen wir einem Ohrwurm auf die Spur zu kommen, der sich in der Musik versteckt haben muss. Wer hat ihn gehört?

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Simone Bernardini Künstlerische Leitung

Johanna Zimmer Sopran

Truike van der Poel Alt

Guillermo Anzorena Bariton

Regieteam mit Stipendiaten der »Akademie Musiktheater heute« der Deutsche Bank Stiftung

Emese Szabó Regie

Julia Schnittger Kostüme und Ausstattung

Katja Bury Dramaturgie

Clemens Giebel Schauspiel und Acting

Laszlo Tömöskozi Schauspiel und Acting

György Ligeti

Aventures und Nouvelles Aventures

In Kooperation mit der »Akademie Musiktheater heute« und dem Festspielhaus Baden-Baden

Empfohlen für Kinder ab 6 Jahren

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Sa, 29. Apr. 2017 15 Uhr

Kammermusiksaal

So, 30. Apr. 2017 11 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Wie wird ein Familienkonzert mit zeitgenössischer Musik zum spannenden Musikerlebnis für Kinder? Dieser Frage gehen junge Stipendiaten der Akademie Musiktheater heute nach. In Kooperation mit den Osterfestspielen Baden-Baden und der Akademie Musiktheater wird hier ein Experimentierfeld für Konzerte für und mit Kindern eröffnet, in dem Nachwuchsregisseure ausprobieren können, auf szenische Weise musikalische Werke zu öffnen, Inhalte, Themen und Motive kreativ zu vermitteln, ohne dabei belehrend zu wirken und das, was man hört, im Raum sichtbar zu machen.

In diesem Jahr stehen die Kompositionen Aventures und Nouvelles Aventures von György Ligeti aus den 1960er-Jahren im Fokus. Diese Miniaturdramen zeigen das ganze Kaleidoskop an stimmlichen Lauten: Es wird gestöhnt, gesummt, gezischt, geschrien, geseufzt – allein, zu zweit oder zu dritt, am liebsten aber durcheinander. Erstaunlich, welche Bandbreite an Emotionen durch solch eine ganz eigene Kunstsprache vermittelt werden kann – mit nichts als der menschlichen Stimme! Ganz nebenbei versuchen wir einem Ohrwurm auf die Spur zu kommen, der sich in der Musik versteckt haben muss. Wer hat ihn gehört?

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Abenteuer Stimmen

Aventures & Nouvelles Aventures von György Ligeti

Live auf RADIO ABENTEUER: Georg Ligetus erforscht die menschliche Stimme

»Herzlich willkommen zu einer weiteren Sendung in der Reihe Hineingehört. Mein Name ist Georg Ligetus und ihr hört RADIO ABENTEUER – schön, dass ihr eingeschaltet habt! Heute begeben wir uns auf eine aufregende Reise und lauschen einmal tief hinein in den menschlichen Körper, denn wir wollen wissen: Wie funktioniert eigentlich die Stimme? Ich bin fasziniert davon, wie viele verschiedene Laute und Klänge wir hervorbringen können: sprechen, schreien, krächzen, flüstern, summen und singen sind nur eine Handvoll der unglaublichen Möglichkeiten unseres Stimmapparats. Um herauszufinden, wo all diese Laute herkommen, werde ich nun wagemutig für euch in einen Körper hineinklettern und zwar durch den Mund – ein echter Klangforscher kennt keine Angst! Zuerst muss ich über die Unterlippe steigen und dann – autsch, sehr scharfkantig so ein Schneidezahn! – auf die Zunge. Ganz schön wackelig hier – kein Wunder, denn die Zunge besteht aus insgesamt neun Muskeln, ohne die sie sich nicht bewegen ließe. Jetzt muss ich vorbei am Zäpfchen – igitt, es hat mich erwischt, ist das glitschig! – und ab in die Luftröhre – huuuuiiiii! Das macht Spaß, wie Wasserrutschen!

So, nun müssen wir aber wieder ernst werden und unserer eigentlichen Frage nachgehen. Ich befinde mich hier am unteren Ende der Luftröhre und kann in die beiden Lungenflügel hinabschauen. Hier ist es sehr windig, denn die Lungen benutzen wir zum Atmen. Um herauszufinden, wie die Stimme funktioniert, muss ich dem Luftstrom nach oben folgen, denn dieser wird nachher hörbar. Ohne Atmung keine Stimme. Ich klettere also die Luftröhre wieder aufwärts – puh, das ist viel anstrengender als runter … So, geschafft. Vor mir liegt jetzt der Kehlkopf, den könnt ihr auch bei euch selbst vorn am Hals ertasten; er fühlt sich an wie eine Kugel. Der Kehlkopf bildet für die Luft das Tor zum Mund. Seine Öffnung (die Stimmritze) sieht tatsächlich ein wenig aus wie ein Tor, aber eines, dessen Flügel (die Stimmlippen) sich in rasanter Geschwindigkeit öffnen und schließen können – mehrere 100 Mal in der Sekunde! Die Stimmlippen sind sehr beweglich und bei Frauen etwas kürzer als bei Männern, deshalb klingen weibliche Stimmen auch meist höher.

Oh, jetzt gerade verengt sich die Stimmritze und – Achtung, alles vibriert und ich muss ins Mikrofon schreien, denn – es wird laut! Wenn die Atemluft auf die verengte Stimmritze trifft, fangen die Stimmlippen an zu schwingen und dabei entsteht ein Ton. Er ist tief, wenn die Stimmlippen entspannt sind und langsam schwingen, und höher, wenn sie straffer gespannt sind und sich schneller hin und her bewegen. Beim Singen steuern zahlreiche Muskeln die Spannung der Stimmlippen, um den richtigen Ton zu treffen. Wenn wir flüstern, sind die Stimmlippen übrigens fast komplett verschlossen – diese Art des Sprechens nennt man auch stimmlos. Schauen wir einmal, was weiter oben passiert. Also blitzschnell durch die Stimmritze springen und – geschafft, jetzt bin ich wieder im Mund. Hier wird der Ton verstärkt und geformt und zwar mithilfe der Zunge und der Lippen – das nennt man Artikulation, also das Aussprechen eines Klangs. Und jetzt seid ihr dran, probiert doch mal aus, welche verrückten Klänge und Geräusche ihr erzeugen könnt! Ich verabschiede mich, bevor ich hier versehentlich noch zwischen die Zähne gerate, und sage: Tschüss und bis zur nächsten Folge von Hineingehört! Euer Georg Ligetus.«

DRINGEND GESUCHT: Der Ohrwurm

Kennzeichen: Er klingt. Wie? Das weiß niemand genau, aber ihr werdet es wissen, wenn ihr ihn hört.

Suchgebiet: Zwei abenteuerliche Konzertstücke (Aventures & Nouvelles Aventures) im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.

Hinweise: Uhren (Rhythmen), Vögel (Melodien) und Noten (Töne) können wichtige Hinweise auf den Aufenthaltsort des Ohrwurms liefern. Hütet euch jedoch vor Affen, sie lenken bloß von der Suche ab!

Belohnung: Pfiffige Klangsammler, die den Ohrwurm finden, dürfen ihn behalten!

Ligetis Abenteuer

Der Komponist György (sprich: Dschördsch) Ligeti war ein sehr neugieriger Mensch. Geboren wurde er 1923 in Rumänien, dann aber verbrachte er lange Zeit in Ungarn. Mit 13 Jahren erhielt Ligeti Klavierunterricht und schon ein Jahr später tüftelte er an ersten eigenen Kompositionen – er war schon damals ein echter Klangforscher. Eigentlich wollte er nach der Schule Mathematik und Physik studieren, aber da ihm das nicht erlaubt wurde, wählte er Musik als Studienfach und wurde Komponist. Dabei interessierten ihn von Anfang an die vielen verschiedenen Formen von Musik, egal ob europäisch oder afrikanisch, alt oder neu, Konzert- oder Volksmusik. Von 1957 bis 1958 arbeitete Ligeti in einem Studio für elektronische Musik in Köln, wo er zwei seiner Leidenschaften miteinander verbinden konnten: Musik und Physik. Außerdem lernte er hier die allerneuesten, teilweise ziemlich verrückten Kompositionen von Kollegen kennen, die seine eigene Fantasie anregten. Auf seiner unermüdlichen Suche nach neuen Klängen entstanden zahlreiche ganz unterschiedliche Stücke. Ligeti schrieb Werke für ein einzelnes Cello, aber auch eine ganze Oper und neben »normalen« Streichquartetten auch ganz Ungewöhnliches, zum Beispiel sein Ein-Mann-Theater für einen Schauspieler und Tonband.

Seine Aventures (Abenteuer) & Nouvelles aventures (Neue Abenteuer) komponierte Ligeti in den 1960er-Jahren. Sie sind – wie die Titel schon vermuten lassen – sehr abenteuerliche Stücke, in denen der Klangforscher eine Art Experiment unternahm: Er erfand eine Fantasiesprache, die in Verbindung mit ganz verschiedenen Lauten und Klängen bestimmte Gefühle und Stimmungen ausdrücken soll. Anstatt zum Beispiel eine Melodie zu den Worten »Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll« zu komponieren, lässt Ligeti seine Sänger tatsächlich stammeln, indem sie viele schnelle und abgehackte Töne auf die Fantasiesilben »e« und »ä« intonieren. So verrät nicht etwa der Text die Situation, sondern die Musik selbst, und auch die Mimik der Sänger hilft beim Verstehen. In seiner Partitur, die wirklich sehr kompliziert aussieht, beschreibt Ligeti ganz genau, was die Sänger und Instrumentalisten machen sollen, denn mit normalen Noten lässt sich ein Röcheln, Zischen, Schnaufen oder ein Atemgeräusch gar nicht aufschreiben. Aus unzähligen verschiedenen Klängen entsteht in den Abenteuern eine kleine und etwas verrückte Klang-Oper, in der gestritten und gelacht, geschrien und geflüstert, gezögert und gerast wird. Dabei hat Ligeti vieles bewusst übertrieben, sodass manche Stellen sogar richtig witzig wirken.

In der Abenteuer-Musik von Ligeti könnt ihr einiges entdecken, was ihr so vermutlich noch nie gehört habt. Manchmal weiß man gar nicht zu unterscheiden, ob die Sänger sprechen oder singen, oder ob sie vielleicht gerade einen Schluckauf haben! Und nicht nur den Sängern werden die verrücktesten Techniken abverlangt, auch die Instrumentalisten forschen ganz neuen Geräuschen und Klängen nach, wenn sie etwa eine Blechdose mit dem Hammer schlagen, einen Teppich klopfen, Papiere zerknüllen und zerreißen, und sogar ein Tablett voller Geschirr mit Schmackes fallen lassen!

Instrumentenlexikon

Sopran, Alt und Bariton

Sopran kommt von dem italienischen Wort »sopra«, das bedeutet »über«. So erkennt man gleich, dass der Sopran die höchste Stimmlage hat, also die Stimme ist, die im Chor über allen anderen singt. In der Oper beeindrucken Sopranistinnen oft mit schwindelerregenden Koloraturen, das sind schnelle und sehr schwierige Verzierungen im Gesang. Die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte treibt das im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze!

Nein, man muss nicht besonders alt sein, um Alt zu singen! Die Bezeichnung kommt vom lateinischen »altus«, was schlicht »hoch« bedeutet. Das wirkt jetzt etwas verwirrend, denn die höchste Stimmlage ist ja der Sopran. Aber im Vergleich zu den tiefen Männerstimmen ist der Alt immer noch hoch und der Sopran eben »über« allen anderen.

Bei den Männerstimmen unterscheidet man zwischen Tenor (hoch), Bariton (mittel) und Bass (tief). Das Wort Bariton ist vom griechischen »barys« (schwer) und »tonos« (klingend) abgeleitet und bezieht sich darauf, dass diese Stimmlage gewichtiger, also tiefer klingt als die des Tenors, aber noch nicht so tief wie die einer Bassstimme. Bei den Frauen gibt es auch so eine Mittelstimmlage, nämlich den Mezzosopran – »mezzo« ist Italienisch und heißt »Mitte«.

Flöte

Schon in der Steinzeit haben sich die Menschen Flöten aus Knochen und Holz gebaut. Überall auf der Welt gibt es die verschiedensten Arten von Flöten. Wenn wir hier und heute von einer Flöte sprechen, meinen wir vor allem die Querflöte oder die Blockflöte. Der Ton einer Flöte entsteht, wenn die Luft im Flötenrohr durch Hineinblasen in Schwingung versetzt wird. Die Tonhöhe hängt von der Länge der Luftsäule im Rohr ab, die mit den Tonlöchern oder Klappen verändert werden kann. Zusammen mit Klarinette, Oboe und Fagott gehört die Flöte, auch dann wenn sie aus Metall ist, zur Familie der Holzblasinstrumente. Bei all diesen Instrumenten wird die Luft beim Anblasen am Mundstück in Schwingung versetzt: Bei der Flöte bläst man über eine Kante, wodurch die Luft in Bewegung gerät. Bei Blechblasinstrumenten hingegen geht das Schwingen von den Lippen aus.

Das Horn

Wenn man ein Horn auseinanderrollen würde, wäre es ein über vier Meter langes Rohr. Die ältesten Hörner hatten tatsächlich eine gerade Form, doch im Laufe der Jahrhunderte wurde es wie ein Schneckenhaus immer mehr zusammengerollt. Sonst wäre es im Orchester auch viel zu eng geworden! Vor etwa 250 Jahren fand dann jemand heraus, dass man beim Hornspielen die Töne nach oben und unten verändern kann, indem man seine Hand unterschiedlich tief in den Schalltrichter steckt. Allerdings waren diese Töne noch sehr wackelig, und so baute man vor ungefähr 200 Jahren erstmals Ventile an das Horn. Mit dieser mechanischen Hilfe ließen sich alle gewünschten Töne viel leichter spielen. Allerdings ist Hornspielen trotzdem gar nicht so einfach.

Klavier, Cembalo, Celesta

Von außen betrachtet sehen diese drei Tasteninstrumente gar nicht so verschieden aus, aber sie klingen ganz unterschiedlich. Warum, das versteht man, wenn man sich ihr Inneres ansieht. Spielt man ein Klavier – egal, ob es sich um einen Konzertflügel oder ein platzsparendes aufrecht stehendes Klavier handelt –, so schlagen kleine mit Filz überzogene Hämmerchen gegen die Saiten. Der unmittelbare Vorgänger des modernen Klaviers ist das Hammerklavier, erfunden um 1700. Es ermöglichte den Instrumentalisten erstmals, leise (piano) und laut (forte) zu spielen. Daher kennt man es auch unter dem Namen Pianoforte.

Das Cembalo ist rund 200 Jahre älter als das Klavier. Bei ihm werden die Saiten nicht von Hämmerchen angeschlagen, sondern mit einer Art Häkchen, dem Kiel, angerissen. Der leicht gitarrenartige Cembaloklang war vor allem bei Komponisten des Barock (vom 16. bis ins 18. Jahrhundert) sehr beliebt und die Instrumente wurden nach der damaligen Mode oft mit aufwendigen Malereien verziert. Erst durch die Entwicklung des Klaviers verlor das Cembalo mit der Zeit an Bedeutung.

Die Celesta ist das jüngste dieser drei Instrumente und erst rund 150 Jahre alt. Beim Anschlagen der Tasten entpuppt sich die Celesta als echtes Überraschungsinstrument, denn sie klingt gar nicht wie ein Klavier, sondern wie ein Glockenspiel! Tatsächlich schlagen die Hämmerchen im Inneren der Celesta nicht gegen Saiten, sondern gegen Stahlplatten, was den glockenartigen Klang erzeugt. Und weil dieser so süß und schön ist, nannte man das Instrument Celesta, abgeleitet von dem französischen Wort »céleste« und das bedeutet »himmlisch«.

Violoncello und Kontrabass

Vier Mitglieder zählt die Familie der Streichinstrumente: Die Violine (auch Geige genannt) ist die kleinste Vertreterin, gefolgt von der etwas größeren Viola, die ihr vielleicht auch als Bratsche kennt. Das Violoncello wiederum ist wesentlich größer als die Viola und wird nicht zwischen Kinn und Schulter gehalten, sondern steht auf einem Stachel zwischen den Beinen der Musikerin oder des Musikers. Das Cello, wie es auch kurz genannt wird, ist eine Oktave tiefer gestimmt als die Viola und sein Klang warm und voll. Während Violine, Viola und Violoncello jeweils vier Saiten haben, hat der noch deutlich größere Kontrabass vor allem im Orchester oft sogar fünf Saiten. Der Kontrabass ist so groß, dass man ihn im Stehen oder auf einem Basshocker sitzend spielt. Gemeinsam ist den vier Streichinstrumenten, dass ihre Saiten mit einem Bogen gestrichen und manchmal auch mit den Fingern gezupft werden (das nennt man dann Pizzicato).

Schlagzeug

Musikinstrumente, die durch unmittelbares Schlagen in Schwingung versetzt werden, wobei Geräusche, Töne oder Klänge entstehen, nennt man Schlaginstrumente. Im Symphonieorchester werden unter dem Begriff Schlagwerk oder auch Schlagzeug all diejenigen Instrumente zusammengefasst, die nicht einer der anderen großen Gruppen wie den Holzbläsern, Blechbläsern oder Streichern zugeordnet werden können, beziehungsweise ein Single sind, wie die Harfe oder das Klavier. Schlagzeuger müssen eine Vielzahl von Instrumenten beherrschen: Neben den Pauken und den Stabspielen, zu denen Glockenspiel, Xylofon, Vibrafon und Marimbafon zählen, spielen sie auch alle Arten von Trommeln (z. B. Snaredrum, Toms, Bongos oder Kongas), Becken, Gong, Tamtam und auch Röhrenglocken, sowie die verschiedensten Effektinstrumente (Ratsche, Hupe, Donnerblech, Kolbenflöte, Regenholz, Windmaschine …). Heutzutage sehen manche Komponisten – wie übrigens auch György Ligeti – in ihren Stücken auch besonders ausgefallene Schlagwerkklänge vor. So kann es vorkommen, dass einfaches Papier, Teppichklopfer oder ein Tablett mit Geschirr kurzerhand zum Instrument umfunktioniert werden. Und auch das übernehmen als wahre Allroundtalente dann die Schlagzeuger.

Glossar

Mimik

Das Wort »Mimik« geht auf »ars mimica« zurück, den lateinischen Begriff für die Schauspielkunst. Vielleicht habt ihr schon einmal das altmodische Wort »Mime« gehört, mit dem Schauspieler manchmal auch bezeichnet werden. Schauspieler sprechen auf der Theaterbühne nicht nur ihren Text, sondern sie geben die Stimmungen und Gefühle ihrer jeweiligen Rolle auch durch Arm-, Hand- und Kopfbewegungen und verschiedene Gesichtsausdrücke wieder. Die Bewegungen nennt man Gestik, die Gesichtsausdrücke Mimik. Zur Mimik oder dem Mienenspiel gehören zum Beispiel ein Lächeln, ein faltenverzerrtes Gesicht als Ausdruck von Zorn, fragend hochgezogene Augenbrauen, ein sorgenvoller Blick oder auch eine herausgestreckte Zunge. All diese Gesichtsausdrücke können ganz einfach ohne Worte verstanden werden – darauf basiert die Kunst der Pantomime, des wortlosen Theaters.

Geräusch, Ton und Klang

Um diese drei akustischen, das heißt hörbaren, Phänomene ganz genau zu erklären, müsste man einen Physiker fragen. Das liegt daran, dass der Schall aus Wellen besteht, die sich auf bestimmte Weise durch die Luft bewegen. Eine solche Schallwelle könnte ihr euch ganz einfach als Faden vorstellen. Bei einem Ton, etwa dem einer Stimmgabel, ist dieser Faden in einer ganz regelmäßigen Welle geformt, bei der alle »Hügel« gleich aussehen. Klänge entstehen dann, wenn mehrere solcher wellenförmigen Fäden übereinander gelegt und zu einer komplizierteren Welle miteinander verbunden werden. Streng genommen ist jeder Ton eines Musikinstruments eigentlich ein Klang, denn in ihm verstecken sich neben dem Ton, den man am lautesten hört, noch sogenannte Obertöne, die unterschiedlich leise mitschwingen. In der Musik spricht man vor allem dann von einem Klang, wenn mehrere Töne gleichzeitig erklingen, also zum Beispiel ein Akkord auf einem Klavier angeschlagen wird. Geräusche wiederum sind für Physiker besonders spannend, denn in diesem Fall sind die Schallwellen überhaupt nicht regelmäßig, sondern ziemlich chaotisch. Das merkt ihr vor allem daran, dass ihr ein Geräusch wie beispielsweise das Knarren einer alten Kommode, das Rascheln von Papier oder das Surren eines Türöffners nicht nachsingen könnt.

Susanne Ziese

Biografie

Johanna Zimmer begann 2001 ein Kirchenmusikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, das sie 2008 mit dem A-Diplom beendete. Parallel dazu absolvierte sie im Sommer 2005 ein Gesangsstudium bei Ulrike Sonntag, das sie später bei Renée Morloc (Gesang) und Marie Helle (szenische Darstellung) fortsetzte und 2012 mit dem Konzertexamen abschloss. Weitere künstlerische Impulse erhielt die Sopranistin im Rahmen von Meisterkursen bei Edith Wiens und Dunja Vejzovic. Johanna Zimmer, in der zeitgenössischen Musik wie auch im Lied- und Oratorienfach eine gefragte Interpretin, war von 2011 bis 2014 festes Mitglied im SWR Vokalensemble. Seit 2015 ist sie Mitglied der Neuen Vocalsolisten. Mit Partien zeitgenössischer Opern gastierte sie an der Deutschen Oper Berlin und den Opernhäusern von Oslo und Antwerpen. Konzertengagements führten die Sängerin, die mit Klangkörpern wie dem Klangforum Wien und dem ensemble recherche regelmäßig zusammenarbeitet, nach Wien, Kopenhagen, Budapest sowie nach China und Kanada. 2016 war Johanna Zimmer Dozentin bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt sie nun ihren Einstand.

Truike van der Poel studierte zunächst Altphilologie in Leiden, später Gesang in Den Haag und parallel dazu Chorleitung in Rotterdam. Nach dem Dirigierexamen war sie bis 2001 Lehrbeauftragte für Chorleitung an der Musikhochschule Hannover. Seitdem widmet sich die niederländische Mezzosopranistin ausschließlich dem Gesang. Neben dem barocken und klassischen Oratoriumfach profilierte sich Truike van der Poel besonders auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik und gastierte u. a. beim Warschauer Herbst, beim Davos Festival, bei der Musica Viva in München, in der Alten Oper Frankfurt sowie im IRCAM Paris. Die Sängerin arbeitete als Gastsolistin mit dem Ensemble L’Itinéraire und dem Ensemble Resonanz zusammen und wirkte in Uraufführungen vokaler Kammermusik von Salvatore Sciarrino, Carola Bauckholt, René Leibowitz, Dora Cojocaru, Thomas Stiegler, Erik Oña und Caspar Johannes Walter mit. Truike van der Poel ist Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart und des Kölner Thürmchen Ensembles. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab sie im Dezember 2011 im Rahmen eines Late-Night-Konzerts in Ligetis Aventures & Nouvelles Aventures ihr Debüt. Sir Simon Rattle dirigierte Mitglieder der Berliner Philharmoniker.

Guillermo Anzorena startete seine Ausbildung an der argentinischen Hochschule für Musik der Universität National von Cuyo. 1991 war er Preisträger beim Gesangswettbewerb »Junge Stimmen« in Buenos Aires, zwei Jahre später wurde er von der Richard-Wagner-Gesellschaft als »Junges Talent des Jahres« ausgezeichnet. Verschiedene Stipendien ermöglichten es dem Sänger, sich intensiv mit dem deutschen Kunstlied zu beschäftigen. Er absolvierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe ein Aufbaustudium sowie eine Ausbildung an der dortigen Opernschule. Engagements im Opernbereich führten Guillermo Anzorena u. a. zum Konstanzer Opernsommer sowie zur Jungen Oper Stuttgart. Seit März 2000 ist er Mitglied der Neuen Vocalsolisten Stuttgart, mit denen er zahlreiche Konzerttourneen durch das In- und Ausland unternahm. Im selben Jahr begann der Künstler seine Dozententätigkeit an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker debütierte Guillermo Anzorena im Dezember 2011 im Rahmen eines Late-Night-Konzerts mit Ligetis Aventures & Nouvelles Aventures; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Clemens Giebel studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Nach ersten Gastverträgen in Frankfurt, Stuttgart und Halle führte ihn sein erstes Festengagement 1998 ans Theater Heidelberg. Von dort aus wechselte er 2002 ans Staatstheater Braunschweig, wo er bis 2010 als Ensemblemitglied tätig war. Seit 2010 ist Clemens Giebel als freier Schauspieler in diversen Film- und Fernsehproduktionen sowie an zahlreichen Theatern aufgetreten (Schauspiel Essen, Theater Bremerhaven, Theater Erlangen, Theater Regensburg), wobei er mit Regisseuren wie Marcus Lobbes, Thomas Krupa, Mario Portmann, Andreas von Studnitz, und Thomas Goritzki zusammenarbeitete. Zu seinen wichtigsten Rollen zählen Mephisto in Goethes Faust, Romeo in Shakespeares Romeo und Julia, Franz Moor in Schillers Die Räuber, Leonce in Büchners Leonce und Lena, Michael Kohlhaas in Kleists Kohlhaas und Marquis Posa in Schillers Don Karlos. Nach zahlreichen musikalischen Projekten gründete Clemens Giebel 2013 mit der Musikerin Rebekka Maier das Elektro-Pop-Duo Cato Janko. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.

Simon Bernardini studierte Violine und Dirigieren u. a. an den Konservatorien in Paris und Brüssel. Außerdem besuchte er Meisterkurse der Luzerner Musikhochschule bei Bernard Haitink. Er war Konzertmeister des Orchestre National de Lyon, des Orchesters der Mailänder Scala und des Juilliard Orchestra, bevor er im Jahr 2000 als Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker und zwei Jahre später bei ihnen fest in die Gruppe der Ersten Geigen aufgenommen wurde. Als Solist und Kammermusiker gastierte Simon Bernardini weltweit bei renommierten Festivals und in großen Konzerthäusern, z. B. in der Carnegie Hall und im Lincoln Center in New York sowie im Concertgebouw Amsterdam. Seit seinem Debüt 1999 beim Festival Musical d’Automne de Jeunes Interprètes ist der Musiker auch ein gefragter Dirigent, der auch Auftritte von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker geleitet hat: 2008 bei einem Familienkonzert und 2009 beim Usedomer Musikfestival. Darüber hinaus widmet sich Simon Bernardini, der seit 2005 Tutor bei der Jungen Deutschen Philharmonie ist, bei mehreren Festivals sowie im Rahmen von Meisterkursen dem Unterrichten.

Emese Szabó studierte an der Gheorghe Dima Musikakademie im rumänischen Cluj-Napoca Regie u. a. bei Anca Mihuț. Sie besuchte Meisterkurse bei Balázs Kovalik, Ascher Tamás und Novák Eszter und war Stipendiatin beim Festival junger Künstler Bayreuth. Seit September 2014 absolviert sie ihr Masterstudium an der Zürcher Hochschule der Künste bei Stephan Müller (Abschluss: Juni 2017). Die in Essen lebende Regisseurin arbeitet seit 2005 am Ungarischen Opernhaus Cluj-Napoca und hatte zudem Assistenzen und Hospitanzen am Opernhaus Zürich, an der Staatsoper Hannover, an der Opéra municipal de Marseille sowie an der Staatsoper Budapest. Emese Szabó wurde mit dem Sándor-Végh-Preis der Rumänischen Mozart-Gesellschaft ausgezeichnet und erhielt zudem den Kunstpreis der Communitas Gesellschaft (Siebenbürgen). Zu ihren letzten Inszenierungen zählen Produktionen von Zoltán Kodálys Singspiel Háry János, Gioachino Rossinis komische Oper Le Comte Ory und Emmerich Kálmáns Operette Die Zirkusprinzessin am Opernhaus Cluj-Napoca. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Emese Szabó nun erstmals beteiligt.

Julia Schnittger studierte Bühnen- und Kostümbild sowie Film- und Ausstellungsarchitektur am Salzburger »Mozarteum« und an Danmarks Designskole Kopenhagen. Nach ihrem 2006 mit Auszeichnung bestandenen Diplom war sie am Schauspielhaus Bochum tätig sowie als freie Assistentin an Opernhäusern in Berlin, Oslo, Kopenhagen, Riga, Dresden sowie bei den Osterfestspielen in Salzburg. Eigene Arbeiten realisierte sie mit Regisseuren wie Andrea Raabe, Nelly Danker, Alexander Fahima, Holger Liebig, Nina Kupzcyk, Maximilian von Mayenburg und Annette Weber am Staatstheater Karlsruhe, im Studio der Staatsoper Hamburg, am Staatstheater Oldenburg, am Nationaltheater Weimar, bei den Osterfestspielen Baden-Baden, an der Philhamonie Luxembourg und am Theater Pforzheim. Julia Schnittger war Stipendiatin der »Akademie Musiktheater heute« der Deutschen Bank Stiftung und wurde mit dem Gudrun-Wassermann-Buschan-Preis der Stadt Mannheim ausgezeichnet. Mit einem Stipendium am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung reiste sie zur Recherche für ein Kunstprojekt zum Thema »Klimagedächtnis« auf die deutsche Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker wirkt Julia Schnittger nun zum ersten Mal mit.

Katja Bury studierte Germanistik an der Universität Stuttgart sowie Schulmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen (Schwerpunkte: Klavier und Musikwissenschaft). Es folgten Hospitanzen und Assistenzen an der Staatsoper Stuttgart bei Sergio Morabito, Jossi Wieler, Calixto Bieito und Stefan Herheim. In der Spielzeit 2011/2012 war Katja Bury als Dramaturgieassistentin für Oper und Konzert am Staatstheater Braunschweig engagiert. Seit 2012 ist sie als Dramaturgin für Musiktheater am Konzert Theater Bern für zahlreiche Neuproduktionen verantwortlich und arbeitete teilweise mehrfach mit Regisseuren wie Lydia Steier, Nigel Lowery, Markus Bothe, Adriana Altaras, Ludger Engels oder Florentine Klepper zusammen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist sie nun erstmals zu erleben.

(c) Jan von Holleben

Familienkonzerte der Berliner Philharmoniker

mehr lesen