Berliner Philharmoniker

Riccardo Muti Dirigent

Anne-Sophie Mutter Violine

Jubiläumskonzert – Anne-Sophie Mutter – Berliner Philharmoniker: 40 Jahre künstlerische Partnerschaft

Peter Tschaikowsky

Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35

Anne-Sophie Mutter Violine

Peter Tschaikowsky

Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Termine und Karten

Programm

Für Anne-Sophie Mutter ist die Berliner Philharmonie so etwas wie das zweite Wohnzimmer: »Es passierten dort so viele wunderbare Dinge, all die Aufnahmen, die Konzerte, das unvergleichliche Ensemble [...]. Es gibt ja viele Versuche, den Saal zu kopieren – die Disney Hall in Los Angeles wurde der Philharmonie nachempfunden –, aber in Berlin steht nun einmal das Original mit der einzigartigen Akustik. Der Saal ist untrennbar mit dem Orchester verbunden und wird immer mein Maßstab bleiben, wo immer ich auch spiele.« Natürlich ist der Geigerin aus Wehr im Schwarzwald ein philharmonischer Termin besonders im Gedächtnis geblieben: der 11. Dezember 1976, als Herbert von Karajan die damals 13-Jährige zum Vorspiel geladen hatte: »Herr von Karajan hatte vorher gesagt, ich solle mich nicht wundern, wenn er mich unterbräche und nicht die ganzen 20 Minuten hören wolle. Doch ich durfte das Stück zu Ende spielen – und das war ja nun schon einmal kein schlechtes Zeichen. [...] Ich war schon fertig zur Rückreise, als ich im Konzertsaal Herrn von Karajan buchstäblich in die Arme lief. Er sagte, als sei gar nichts dabei, dass er sich freuen würde, wenn wir im kommenden Jahr zu Pfingsten bei den Salzburger Festspielen gemeinsam konzertierten.«

Ein Paukenschlag, dem eine phänomenale Karriere folgte: »Dieser Tag wird immer ein absolut außergewöhnliches Ereignis in meinem Leben bleiben.« Bereits ein Jahr nach dem Auftritt bei den Salzburger Pfingstfestspielen debütierte Anne-Sophie Mutter unter Karajans Leitung mit Mozarts Violinkonzert G-Dur KV 216 in der Berliner Philharmonie. Spätestens seit der Einspielung des 3. und 5. Mozart-Konzerts mit den von Karajan dirigierten Berliner Philharmonikern etablierte sie sich als die führende Geigerin ihrer Generation, die das virtuose Konzert- und filigrane Kammerrepertoire für ihr Instrument in höchster Vollendung beherrscht und immer wieder vor begeistertem Publikum in allen bedeutenden Musikzentren Europas, der USA und Asiens zur Aufführung bringt. Nun jährt sich zum 40. Mal Anne-Sophie Mutters Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Was in dem von Riccardo Muti dirigierten Jubiläumskonzert auf dem Programm stehen wird, war bei Redaktionsschluss dieser Vorschau allerdings noch nicht entschieden. Nur dass die Geigerin diesem besonderen Ereignis, bei dem sie einmal mehr von ihrem »maßstabsetzenden« Orchester begleitet wird, mit allergrößter Vorfreude entgegenfiebert: »Diese Klangwucht wieder zu erleben, die einen so nach vorne trägt, gleichzeitig hat jedes Mitglied die Subtilität eines Solisten. Es ist einfach alles da, was man sich wünschen kann.«

Website von Anne-Sophie Mutter

Website von Riccardo Muti

Über die Musik

(Sentiment + Intellekt) x Pathos² = Tschaikowsky?

Anmerkungen zu Peter Tschaikowsky

»Noch vor kurzem war es bei uns üblich, Tschaikowsky einen sentimentalen Intellektuellen zu schimpfen, dessen Musik für unsere Generation keine Bedeutung habe.« Das schrieb im Jahre 1925 Anatoli Lunatscharsky, der erste »Volkskommissar für das Bildungswesen« der jungen Sowjetrepublik. »Sein ›hysterischer Pessimismus‹ und seine ›kleinbürgerliche Schwermut‹ wurden für völlig unvereinbar mit den Zielen der Revolution erklärt«, so der Musikforscher Alexander Poznansky. »Aber die ständige Verleumdung blieb ohne Wirkung. Ekstatische Zuhörermassen und enthusiastischer Applaus begrüßten weiterhin jede Aufführung seiner Musik«, sodass auch die Nomenklatura der UdSSR schließlich umdenken musste. Zur 100. Wiederkehr von Tschaikowskys Geburtstag (1940) wurde ein Regierungsdekret erlassen, das die »Unvergänglichkeit des Gedenkens an den großen russischen Komponisten« festschrieb und damit allen ideologischen Vorbehalten ein Ende machte.

Immerhin hatten diese Vorbehalte damals noch »nur« dem Musiker Tschaikowsky gegolten, nicht dem Menschen; im September 2013 meldete Spiegel Online, der russische Filmfonds wolle seine Förderung einer Film-Biografie Tschaikowskys »in Höhe von 30 Millionen Rubel (etwa 670.000 Euro) […] nur beisteuern, wenn das Privatleben des Künstlers ausgeklammert werde. Offiziell hieß es, es gebe kein Zuschauerpotenzial für den Film, deshalb würden die Gelder zurückgehalten. Kulturminister Wladimir Medinski machte aber deutlich: ›Der Film muss vom Genie Tschaikowsky handeln und nicht von irgendwelchen Gerüchten über seine Biografie‹.« Gemeint ist die Homosexualität des Komponisten.

Komponieren als ein Akt des Sublimierens?

Peter Tschaikowsky – geboren am 7. Mai 1840 in Wotkinsk, einer kleinen Industriestadt in der Provinz Udmurtien am Ural, etwa 1300 km östlich von Moskau – war erst relativ spät zur Musik gekommen: Als sein Opus 1 gedruckt wurde – ein Scherzo à la russe und ein Impromptu für Klavier –, war er bereits 27 Jahre alt. Die ersten Konzertaufführungen seiner Werke brachten ihm zwar lobende Kritiken ein, und auch um eine materielle Absicherung musste sich Tschaikowsky keine Sorgen machen. Doch schon 1868, während der Arbeit an der Ersten Symphonie, zeigten sich Anfangssymptome – »Herzkrämpfe«, Halluzinationen und Angstzustände – einer depressiven Veranlagung, die zeit seines Lebens immer schlimmer werden sollte. Dabei war die Homosexualität Tschaikowskys, die er aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen geheim halten musste, wesentlich für diese »seelischen Erschütterungen und nervösen Störungen« verantwortlich, wie schon 1943 sein Biograf Herbert Weinstock angemerkt hat. Aber nicht weniger bedeutsam dürften die ständigen Selbstzweifel gewesen sein, gegen die Tschaikowsky bei jedem neuen Werk ankämpfen musste. Hypochondrie und Misanthropie hielten einander die Waage: »Ruhm! Welch gegensätzliche Gefühle löst dieses Wort in mir aus. Einerseits wünsche und erstrebe ich ihn, andererseits ist er mir verhasst. […] Manchmal erfasst mich der unsinnige Wunsch, mich ein für alle Mal irgendwo zu verbergen, als tot zu gelten.« So lesen sich Tschaikowskys Biografie und die Entstehungsgeschichte seiner Werke wie das Parallel-Psychogramm eines ständigen Schwankens zwischen der Schaffenslust eines himmelhoch Jauchzenden und der Niedergeschlagenheit eines zu Tode Betrübten; das Pathos, das man seiner Musik (nicht nur wegen der Sechsten Symphonie) zuschreibt, war erlebt, und nicht erfunden.

Von diesen Abgründen wollte die offizielle Musikgeschichtsschreibung freilich lange nichts wissen, und in Russland schreckt man offenbar auch heute wieder vor ihnen zurück. Um gegenüber einem (vornehmlich bürgerlichen) Publikum das Klischee vom schwärmerischen Romantiker aufrecht erhalten zu können, hat man die selbstquälerische Zerrissenheit Tschaikowskys ebenso hartnäckig verleugnet wie seine Homosexualität – bis in den Tod hinein. 1980 veröffentlichte eine russische Emigrantenzeitung Dokumente, nach denen der Komponist aufgrund einer Liebesaffäre mit einem jungen Adligen – dem Neffen des Grafen Alexander von Stenbok-Fermor – von einem Femegericht zum Selbstmord gezwungen worden sei! Erst 1998 konnte der bereits zitierte Alexander Poznansky (im dritten Band der Čajkovskij-Studien: Čajkovskijs Homosexualität und sein Tod – Legenden und Wirklichkeit) »nicht nur genügend Beweise für die Widerlegung der Selbstmordtheorie« vorlegen, »sondern auch das Durcheinander der zahlreichen Legenden und Mythen klären«.

Andererseits lässt sich Tschaikowskys Werk kaum von seiner Homosexualität trennen. Tiefenpsychologisch betrachtet haben wir es mit einem typischen Fall von Sublimierung zu tun, wie sie Sigmund Freud 1908 in seiner Arbeit über Die kulturelle Sexualmoral und die moderne Nervosität beschrieben hat. Versteht man das Œuvre des Russen als eine Art klingende Autobiografie, die mit schonungsloser Offenheit Seelenzustände bloßlegt, ergeben sich daraus ganz neue Deutungsperspektiven. Besteht womöglich das Erfolgsgeheimnis seiner Werke darin, dass Tschaikowsky es uns erlaubt, bei ihrem Hören unserer eigenen, verdrängten Lust nachzugehen? Ist das der Grund, warum (so Igor Strawinsky) »die Prüden von der ungehemmten, ungekünstelten Sprache seiner Musik schockiert sind«? – Wie etwa der Wiener Kritikerpapst Eduard Hanslick, der in seiner berühmt-berüchtigten Besprechung der Uraufführung des Violinkonzerts am 4. Dezember 1881 durch Adolf Brodsky und die Wiener Philharmoniker unter Hans Richter schrieb, dessen Finale bringe »uns auf die schauerliche Idee, ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört«. Wie untrennbar Leben und Werk Tschaikowskys miteinander verknüpft sind, belegen nicht zuletzt die Entstehungsgeschichten des Violinkonzerts und der Vierten Symphonie.

»Meinem besten Freunde«: Die Symphonie Nr. 4 f-Moll op. 36

Im Juli 1877 hatte Tschaikowsky versucht, aus seiner Homosexualität in eine »bürgerliche«, sprich: heterosexuelle Beziehung zu flüchten, doch die völlig unüberlegt und überstürzt geschlossene Ehe mit Antonina Iwanowna Miljukowa, einer Schülerin des Komponisten, erwies sich als Katastrophe; schon nach wenigen Wochen trennte sich Tschaikowsky wieder von seiner Frau und verfiel in eine Phase tiefster Depressionen. Wenig später begann er mit der Arbeit an der f-Moll-Symphonie, »in der meine Erinnerungen an die Leidenschaftlichkeit und Trübseligkeit meiner Empfindungen und Erfahrungen ihren Widerhall fanden« – ebenso wie in der Oper Eugen Onegin, deren Partitur er bereits knapp zwei Wochen nach derjenigen seiner Vierten vollendete. Deutlicher noch als diese Notiz erklärt ein Brief des Komponisten an seine Freundin und Mäzenin Nadeschda von Meck den »Inhalt« des Werks; Tschaikowsky hatte ihr – für Außenstehende verschlüsselt: àmon meilleur ami (»meinem besten Freunde«) – die Symphonie gewidmet, die er selbst mit dem (später zurückgenommenen) Beinamen Fatum (Schicksal) versehen hatte. Nach der Uraufführung in Moskau, die Nikolai Rubinstein am 10. Februar 1878 dirigierte, bat Frau von Meck den Komponisten inständig, wenigstens ihr das »Programm« zu verraten, über das er sich bisher nur in Andeutungen geäußert hatte. Obwohl er zögerte, »die unklaren Gefühle zu beschreiben, die einen beim Komponieren bewegen«, fasste Tschaikowsky am 1. März in einem langen Brief seine Ideen zusammen. Zwischen »der Schicksalsgewalt, die uns hindert, mit Erfolg um unser Glück zu kämpfen« – das Fanfarenthema in der Andante-sostenuto-Einleitung des ersten Satzes, das als zyklisches Formelement im Finale wieder erklingt – und der Erkenntnis, man müsse sich »unter die Menschen mischen und Glück aus den Freuden anderer schöpfen, wenn man nicht genügend Grund hat, das Glück bei sich selbst zu finden«, entwickelt Tschaikowsky ein detailliertes Psychogramm in fast taktgenauer Analogie zur Musik. Allerdings ging es ihm nicht darum, »eine Geschichte zu erzählen oder eine Szenerie zu beschreiben, sondern vielmehr den inneren psychisch-emotionalen Reflex auf konkrete Erlebnisse und Erfahrungen […] in Töne zu setzen« (Attila Csampai).

Jenseits aller Psychologie spiegelt die Vierte noch ein weiteres Dilemma wider, in dem sich Tschaikowsky befand: Seine Rolle in der russischen Musik zwischen Westlertum und nationaler Eigenständigkeit. Schon allein aufgrund seiner Nähe zum Moskauer Kreis der Brüder Anton und Nikolai Rubinstein galt Tschaikowsky bei den Petersburger Kollegen des sogenannten Mächtigen Häufleins, das die nationale Schule der russischen Musik vertrat, als Sápadnik, als »Westler«, der in den Kerngattungen der Instrumentalmusik an die große Tradition der Vorbilder Haydns, Mozarts und Beethovens anknüpfte, während er in seinen Opern dem Wagnerismus huldigte. Wie aber passt es dann dazu, dass gerade die Vierte in den Streicher-Pizzicati des dritten Satzes unverkennbar den Klang der Balalaika imitiert und im Finale als Hauptthema das alte Volkslied »Vo pole berëza stojala« (Auf dem Feld stand eine Birke) zitiert? »Geh ins Volk!«, schreibt der Komponist dazu in seinem Programm für Nadeschda von Meck: »Schau, wie es sich dem Vergnügen, der ungehemmten Freude hingibt.« Der bürgerliche Künstler, der sich »ins Volk« begibt, erinnert fatal an Fausts Osterspaziergang: »Ich höre schon des Dorfs Getümmel, / Hier ist des Volkes wahrer Himmel, / Zufrieden jauchzet groß und klein: / Hier bin ich Mensch, hier darf ichʼs sein!« Kein Wunder, dass die frühe Sowjet-Rezeption Tschaikowsky als ein »dem proletarischen Bewusstsein völlig fremdes Klassenelement« (Alexander Poznansky) empfand.

Frucht einer »reinen Lust«: Das Violinkonzert D-Dur op. 35

Nach dem völligen psychischen Zusammenbruch, den Tschaikowsky nach dem Scheitern seiner Ehe erlebt hatte (und der in einem misslungenen Selbstmordversuch gipfelte), verließ der Komponist Russland im Oktober 1877 und floh zunächst in die Schweiz, dann nach Italien. In Clarens am Genfer See erhielt er im März 1878 den Besuch eines ehemaligen Studenten, des 22-jährigen Geigers Josef Kotek, zu dem er sich seit längerem leidenschaftlich hingezogen fühlte, wie wir aus einem Brief an seinen Bruder Modest vom 31. Januar 1877 erfahren: »Ich bin weit davon entfernt, mir körperliche Erfüllung zu wünschen. Wenn das passieren würde, würden meine Gefühle für ihn erkalten. Ich würde mich vor mir selbst ekeln, wenn dieser wunderbare junge Mann sich dazu herabließe, mit einem alten Fettwanst Sex zu haben. Das wäre schrecklich und ich würde mich vor mir selbst ekeln! Es soll nicht sein.« Kotek spielte kokett mit den Gefühlen des 15 Jahre älteren Komponisten: »Er machte sich in freundlicher Weise über meine Zärtlichkeiten lustig und sagte immer wieder, meine Liebe […] sei selbstsüchtig und unrein, seine dagegen uneigennützig und rein. Wir sprachen über das Stück, das er mir für sein Konzert in der Großen Fastenzeit zu schreiben befohlen hat. Er sagte immer wieder, wie böse er werden würde, wenn ich dieses Stück nicht schriebe« – die Valse-Scherzo op. 34 für Violine und Orchester, die Tschaikowsky tatsächlich für Kotek komponiert und ihm gewidmet hat. Kein Wunder also, dass er brennende Eifersucht verspürte, als er erfuhr, dass Kotek offenbar auch Beziehungen zu einer Frau unterhielt. »Meine Liebe zu der Dir bekannten Person entbrannte mit neuer und unerhörter Stärke! Der Grund dafür ist Eifersucht. Er hat sich mit der [Sängerin] Ėjboženka eingelassen, und sie *** [hier steht im Original ein von den Herausgebern des Briefs eliminierter und als »obszön« bezeichneter Ausdruck] fünf-, sechsmal am Tag.« (An Modest, 4. Mai 1877)

Nun also war Kotek nach Clarens gekommen, und man muss wohl davon ausgehen, dass Tschaikowskys Leidenschaft wieder aufflammte – und sich in der Komposition des Violinkonzerts widerspiegelte, das er in nicht einmal vier Wochen, zwischen dem 13. März und dem 11. April 1878, zu Papier brachte. Er ließ dafür sogar die gerade begonnene Klaviersonate G-Dur op. 37 liegen – gegen alle Gewohnheit, ein Werk zu beenden, bevor er ein neues in Angriff nahm. »In einer solchen Phase des geistigen Lebens verliert das Komponieren den Charakter der Arbeit – es ist reine Lust«, schrieb er am 22. März an Nadeschda von Meck. Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt: Als Kotek zögerte, für eine geplante Uraufführung in Sankt Petersburg den Solopart zu übernehmen, kühlte das Verhältnis der beiden schnell ab. Ein letztes Mal sahen sich Tschaikowsky und Kotek im November 1884 in Davos, wo der Geiger in einem Sanatorium Heilung für sein Lungenleiden suchte – vergebens: Josef Kotek starb am 4. Januar 1885, erst 29 Jahre alt.

In seinen Briefen sprach Tschaikowsky immer wieder von seiner Menschenscheu, seinem Misstrauen, seiner »bis zur Manie gesteigerten Schüchternheit« und der Verzweiflung darüber, »mich nicht so zu zeigen, wie ich bin«. Dass er »aus einem inneren, unüberwindlichen Drang« heraus seiner Musik all das anvertraute, was er dem Leben versagen musste, ist eine Tragödie, der die musikalische Romantik einige ihrer großartigsten Werke verdankt.

Michael Stegemann

Biografie

Riccardo Muti studierte zunächst Klavier in seiner Heimatstadt Neapel, später Komposition und Dirigieren am Mailänder Konservatorium bei Bruno Bettinelli und Antonino Votto. 1967 gewann er den Internationalen Dirigierwettbewerb »Guido Cantelli«. Im folgenden Jahr wurde er an die Spitze des Maggio Musicale Fiorentino berufen, den er bis 1980 leitete. Weitere Positionen führten ihn als Chefdirigenten zum Philharmonia Orchestra London und zum Philadelphia Orchestra (1980 – 1992). Von 1986 an war Riccardo Muti für knapp zwei Jahrzehnte Musikalischer Leiter des Teatro alla Scala in Mailand; seit Herbst 2010 ist er Musikdirektor des Chicago Symphony Orchestra. An der Scala brachte Muti ein breites Repertoire von Gluck über Mozarts Da-Ponte-Opern bis zu Wagners Ring zur Aufführung; zudem gilt er als besonderer Spezialist für die Bühnenwerke Verdis. Neben Produktionen an den renommiertesten Opernhäusern dirigiert er Spitzenorchester in aller Welt; besonders eng ist er – seit gut viereinhalb Jahrzehnten – den Wiener Philharmonikern verbunden. Ebenfalls seit über 40 Jahren gastiert Riccardo Muti regelmäßig bei den Salzburger Festspielen, zu denen ihn 1971 Herbert von Karajan erstmals einlud. Auch am Pult der Berliner Philharmoniker stand er seit 1972 wiederholt am Pult, zuletzt im April 2015 bei drei Konzerten mit Werken von Mozart, Schubert und Strauss. 2004 gründete der Künstler das Luigi-Cherubini-Jugendorchester, dessen Musikalischer Leiter er bis heute ist. Seit 2015 widmet er sich mit der Italienischen Opernakademie in Ravenna der Förderung des Opernnachwuchses. Darüber hinaus engagiert sich Riccardi Muti für das vom Ravenna-Festival initiierte Projekt Le vie dellʼAmicizia (Wege der Freundschaft) mit Friedenskonzerten, die bislang u. a. in Sarajewo, Beirut, Damaskus und zuletzt in Redipuglia stattfanden.

Der vielfach ausgezeichnete Musiker ist beispielsweise Cavaliere di Gran Croce della Repubblica Italiana, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Mitglied der Légion d’Honneur der Republik Frankreich und Knight Commander of the British Empire sowie Ehrenmitglied der Wiener Hofmusikkapelle, der Johann-Strauß-Gesellschaft und der Wiener Philharmoniker. Das Salzburger Mozarteum verlieh Riccardo Muti für seine Verdienste um das Werk Mozarts die Silbermedaille. 2012 wurde er von Papst Benedikt XVI. mit dem Gregoriusorden geehrt.

Website von Riccardo Muti

Anne-Sophie Mutter gehört seit vier Jahrzehnten zu den großen Geigen-Virtuosen unserer Zeit. Das Jahr 2017 markiert das Jubiläum ihres Debüts im Alter von 13 Jahren als Solistin bei den Salzburger Pfingstkonzerten unter der Leitung Herbert von Karajans am 28. Mai 1977. Seither wirkt sie als Gast in Konzerten internationaler Spitzenorchester ebenso wie als Kammermusikerin in aller Welt. Im badischen Rheinfelden geboren, erhielt sie mit fünf Jahren den ersten Geigenunterricht; später studierte sie bei Aida Stucki am Konservatorium in Winterthur. Ein besonderes Anliegen ist Anne-Sophie Mutter die zeitgenössische Violinliteratur: 24 Werke hat sie bislang uraufgeführt – von Komponisten wie Sebastian Currier, Henri Dutilleux, Sofia Gubaidulina, Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki, Sir André Previn und Wolfgang Rihm. In Berlin gastierte Anne-Sophie Mutter bei den Philharmonikern zum ersten Mal 1978 unter Karajans Leitung mit dem Violinkonzert G-Dur KV 216 von Wolfgang Amadeus Mozart; als Solistin in Vivaldis Vier Jahreszeiten war sie mit Karajan und Musikern des Orchesters am Eröffnungskonzert des Kammermusiksaals am 28. Oktober 1987 beteiligt. Zuletzt brachte sie in den von Sir Simon Rattle dirigierten philharmonischen Konzerten zum Jahresende 2015 Werke von Camille Saint-Saëns und Maurice Ravel zur Aufführung.

Anne-Sophie Mutter unterstützt regelmäßig medizinische und soziale Projekte durch Benefizkonzerte. 2008 gründete die Künstlerin die »Anne-Sophie Mutter Stiftung«, deren Ziel eine weltweite Förderung junger, hochbegabter Streichersolisten ist. Mit einem Ensemble aus Stipendiaten dieser Stiftung, »Mutters Virtuosi«, tritt die Geigerin auch gemeinsam auf. In Würdigung ihres künstlerischen Wirkens und ihres großen Engagements für kulturelle und soziale Belange wurde Anne-Sophie Mutter mit vielen Preisen geehrt, so mit dem Ernst von Siemens Musikpreis und dem Leipziger Mendelssohn-Preis. 2015 wurde sie zum Honorary Fellow des Keble College der Universität Oxford ernannt. Die Geigerin ist Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes, des französischen Ordens der Ehrenlegion, des Bayerischen Verdienstordens, des Großen Österreichischen Ehrenzeichens sowie zahlreicher weiterer Auszeichnungen.

Website von Anne-Sophie Mutter

(c) Stefan Hoederath

Anne-Sophie Mutter und die Berliner Philharmoniker

... feiern ihre 40-jährige künstlerische Partnerschaft

mehr lesen