Kammermusik

Odyssee – Eine literarisch-musikalische Reise

Es gibt kollektive Mythen, die gehören zur kulturgeschichtlichen DNA der Menschheit. Zu diesen Mythen gehört auch Homers Odyssee, die von den Irrfahrten eines der Helden des Trojanischen Kriegs erzählt und Generationen von Dichtern inspiriert. Der Komponist und Cellist Thilo Thomas Krigar hat die homerischen Gesänge mit Texten von Ovid bis Nikos Kazantzakis verknüpft und dazu eine Musik komponiert – atmosphärisch dicht, archaisch und modern zugleich. Die Musik spielen Mitglieder der Berliner Philharmoniker, die Texte lesen Christian Brückner und Corinna Harfouch.

Christian Brückner Sprecher

Corinna Harfouch Sprecherin

Mitglieder der Berliner Philharmoniker:

Raphael Haeger Dirigent

Andreas Buschatz Violine

Ignacy Miecznikowski Viola

David Riniker Violoncello

Janne Saksala Kontrabass

Lukas Böhm Schlagzeug

Fredi Müller Celesta und Schlagzeug

David Müller Produktion

Thilo Thomas Krigar

Odyssee – Eine literarische Reise von Homer bis Kazantzakis in musikalischen Bildern

Termine und Karten

Programm

Es gibt kollektive Mythen, die gehören zur kulturgeschichtlichen DNA der Menschheit. In ihnen vereinen sich religiöse Überzeugungen, historische Ereignisse, gesellschaftliche Erscheinungen und persönliches Erleben Einzelner zu einer literarischen Form, die durch die Jahrtausende hindurch Künstler fasziniert, inspiriert und zur kreativen Auseinandersetzung angeregt hat. Zu diesen Mythen gehört auch Homers Odyssee, die von den Irrfahrten eines der Helden des Trojanischen Kriegs erzählt. Odysseus ist ein rationaler Protagonist, der durch Klugheit, Intelligenz und List die schwierigsten Situationen meistert, doch dabei gleichzeitig den Boden für künftige Verhängnisse bereitet. Im Kontext zu seiner in der Heimat ausharrenden Gattin Penelope wirken Odysseus Irrfahrten gleichsam wie eine Flucht vor dem gemeinsamen glücklichen Leben. Und somit verhandelt dieser Mythos auch eines der existenziellsten Themen der Menschen: die Gefährdungen der Beziehungen zwischen Mann und Frau.

Generationen von Dichtern setzten sich mit Homers Epos auseinander und legten ihre eigene Version der Odysseus-Sage vor. Sie gehören sozusagen zum genetischen Code der europäischen Kulturgeschichte. Der Komponist und Cellist Thilo Thomas Krigar hat mit dem Dramaturgen Peter Krumme 1997 die homerischen Gesänge, die zu ihrer Zeit als musikalische Rezitation vorgetragen wurden, mit Texten von Ovid und Friedrich Schiller bis hin zu Cesare Pavese und Nikos Kazantzakis verknüpft. Da der musikalische Vortrag der altgriechischen Verse nicht überliefert wurde, komponierte Krigar eine eigene Musik – atmosphärisch dicht, archaisch und modern zugleich. Diese Musik, vorgetragen von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, bildet die Folie für eine literarische Reise durch den Odysseus-Mythos von seinem Ursprung bis heute. Die Texte lesen Christian Brückner und Corinna Harfouch.

Über die Musik

Superheld Odysseus: Demontage oder Rückkehr?

Musikalische Bilder zur Odyssee

Welche Klagen erheben die Sterblichen wider die Götter!
Nur von uns, wie sie schrein, kommt alles Übel; und dennoch
Schaffen die Toren sich selbst, dem Schicksal entgegen, ihr Elend.
Homer, Odyssee, I. Gesang

Er ist kampferprobt, gewandt, mutig, schlau und listenreich, zudem jeder schwierigen Situation gewachsen – ein Superheld par excellence: Odysseus, König von Ithaka, dessen Abenteuer und Irrfahrten der griechische Dichter Homer vor fast 3000 Jahren in 24 Gesängen aufgezeichnet hat. Ob Homer tatsächlich der Schöpfer dieser Figur ist oder ob er nur vorhandenes Geschichts- und Sagenmaterial zu einem Epos zusammengeführt hat, darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. Tatsache ist, dass die Odyssee zusammen mit der ebenfalls Homer zugeschriebenen Ilias zu den ältesten und wichtigsten Dichtungen Europas gehören. Der Trojanische Krieg, den die Ilias beschreibt und der schon für den Dichter selbst in grauer Vorzeit stattgefunden hat, sowie die sich durch abenteuerliche Zwischenfälle und Irrwege verzögernde Heimkehr eines dieser Kriegsteilnehmer, eben jenes Odysseus, wurden gleichsam zur kulturellen DNA des Abendlandes: Dank einer List des Odysseus gingen die Griechen als Sieger aus dem Trojanischen Krieg hervor. Diejenigen Götter, die auf der Seite Trojas standen, wollen sich an dem gewitzten Helden rächen und verhindern seine zügige Heimfahrt, indem sie seine Schiffe in die Irre leiten. Odysseus muss zahlreiche Prüfungen meistern – den einäugigen Zyklopen Polyphem besiegen, sich dem Einfluss der zauberischen Kirke und der liebenden Nymphe Kalypso entziehen, in das Totenreich Hades hinabsteigen, die verführerischen Sirenen sowie die Seeungeheuer Skylla und Charybdis austricksen – ehe es ihm die Götter erlauben, nach zehnjähriger Reise die Heimat Ithaka zu erreichen. Dort bleibt er zunächst unerkannt, weil er noch die Freier beseitigen muss, die sich in seinem Palast eingenistet haben, in der Hoffnung, seine verlassene Ehefrau Penelope zu erobern. Doch Penelope blieb treu. Nachdem Odysseus sämtliche Nebenbuhler bei einem Festmahl mit einem Bogen, den nur er spannen kann, getötet hat, gibt es ein Wiedererkennen und eine Wiederbegegnung der Eheleute. Aus dieser Geschichte haben Generationen von Dichtern, Komponisten und Maler ihre Inspirationen geschöpft. Der antike Mythos diente sozusagen als Prisma, das im Laufe der Jahrtausende die unterschiedlichsten Facetten des trojanischen Helden und seiner Abenteuer reflektierte – je nachdem, mit welchem zeitgeschichtlich eingefärbten Blick die jeweiligen Künstler auf diese Figur sahen.

Logos versus Nomos

Im homerischen Epos mit seiner plastischen und detailreichen Sprache erscheint uns Odysseus als Mann, der ständig in Konflikt gerät: »Er erlebt die Diskrepanz zwischen dem ›Logos‹, der rationalen Vernunft, und dem ›Nomos‹, also dem Brauchtum, der Sitte, der Götterwelt«, erläutert Thomas Thilo Krigar. Der Cellist und Komponist begeistert sich seit seiner Schulzeit für den antiken Helden, dessen Abenteuer er im Griechischunterricht kennen- und lieben gelernt hat. Damals gab es auch eine vierteilige Fernsehserie, in der wichtige Szenen der Odyssee nachgespielt wurden. »Diese Geschichten haben mich in ihrer Archaik sehr angesprochen. Ihre traumhafte, archetypische Welt erschütterten mich sehr.« Vor allem imponierten dem Heranwachsenden, der sich seiner eigenen Begrenzungen nur zu bewusst war, die Schläue und scheinbare Überlegenheit des griechischen Helden – selbst für die auswegloseste Situation fand er immer noch eine Lösung. Auf Krigar wirkte Odysseus zunächst wie ein moderner Macher, der selbstbestimmt jede Situation kontrollierte. »Später kehrte sich das Bild jedoch um. Ich sah in diesen Fertigkeiten auch bald die Begrenzung der Figur, und erkannte, dass Odysseus sich beispielsweise dank der List, mit der er den Zyklopen täuschte, die Feindschaft von dessen Vater Poseidon einhandelte. Die Demontage meines Superhelden zu einem einfallsreichen Mann, der durch seine Findigkeit die Problematik der Situation verlagerte und langfristig verschlimmerte – diesen Zwiespalt fand ich immer spannender, je mehr ich in die Materie eindrang.«

Odysseus’ scharfer Verstand entpuppt sich als Segen und Fluch zugleich. Mit ihm rettet er sich oft aus Bedrängnis und schlittert gleich darauf in ein neues Verhängnis. Doch Krigar entdeckte in dem antiken Mythos noch weitere Aspekte: So kann Odysseus auch als Erlebnisjunkie verstanden werden, der die Gefahren in der Ferne sucht, um sich den Verantwortungen und Anforderungen eines »normalen« Familienlebens zu entziehen. Die verschiedenen Frauen, denen der Held auf seiner Irrfahrt begegnet, angefangen von der Göttin Athene bis hin zu den Sirenen, spiegeln die inneren Dimensionen von Penelope wider, die bei Homer als Prototyp der treuen, gegen die Avancen anderer Männer gefeiten Mustergattin dargestellt wird. Unter diesem Blickwinkel entfalten sich plötzlich sämtliche Fährnisse, die unser modernes Beziehungsleben ausmachen.

Odysseus im Spiegel der Zeit

Was den Musiker und Komponisten Krigar auch noch interessierte: Wie Autoren und Poeten durch all die Jahrhunderte hindurch die Figur des Odysseus gesehen und interpretiert haben, etwa Ovid, Friedrich Schiller, William Shakespeare oder Nikos Kazantzakis. Schließlich entstand die Idee, Szenen des homerischen Epos mit Werken anderer Dichter zu kombinieren. Mit Hilfe des Dramaturgen Peter Krumme stellte Thomas Thilo Krigar eine Auswahl an Texten zusammen, die die Schauspieler Otto Sander und Angelika Winkler erstmals 1997 in einer Aufführung in Thessaloniki, der damaligen Europäischen Kulturhauptstadt, präsentierten. Die Textfolge verdeutlicht die Metamorphosen des Odysseus-Stoffes im Lauf der Zeiten: Die 1941 in Bologna geborene italienische Dichterin Bianca Tarozzi, deren Variazoni sul tema di Penelope die literarische Reise eröffnen, nimmt ebenso wie der römische KlassikerOvid in dem Brief der Penelope an Odysseus die Perspektive der verlassenen Ehefrau ein, die klagt, dass sie durch die Abwesenheit des Gatten ihre Liebe und ihr Frausein nicht leben könne. William Shakespeare, der die griechische Sagenwelt wohl nicht durch Homer, sondern durch einen den Trojanischen Krieg behandelnden mittelalterlichen Ritterroman kennenlernte, stellt in seinem Drama Troilus and Cressida Odysseus als klugen und weisen Staatsmann dar, der über die Vergänglichkeit des Ruhms sinniert. Friedrich Schiller hingegen beschreibt ihn als Suchenden, der am Schluss der Reise das gesuchte Ziel, sein Vaterland, nicht erkennt. Der spätantike griechische Epigrammatiker Palladas und der italienische Schriftsteller Cesare Pavese (1908 – 1950) fokussieren sich auf das Verhältnis zu den Frauen: Palladas beschreibt Kirke als Dirne, vor deren Machenschaften sich Odysseus durch Klugheit zu schützen weiß, und auch bei Pavese bleibt der griechische Held unempfänglich gegenüber weiblicher Verführungskunst. Trotz Kalypsos Versprechen, er würde unsterblich, falls er bei ihr bliebe, zieht Odysseus weiter. Nikos Kazantzakis, Autor des berühmten Romans Alexis Sorbas, spinnt das homerische Epos in der Neuzeit fort: Der in die Heimat Zurückgekehrte macht sich nochmals auf die Reise, auf der Suche nach der absoluten Freiheit, die er schließlich in totaler Einsamkeit am Südpol findet.

Zusammen mit Ausschnitten aus Homers Epos – dem Kampf mit dem Zyklopen Polyphem, den Winden des Aiolos, dem Aufenthalt bei Kirke, dem Abenteuer mit den Sirenen, Teiresias’ Weissagung, der Heimkehr nach Ithaka, der Ermordung der Freier und dem Wiedererkennen der Penelope – ergibt sich ein facettenreiches Bild des Odysseus-Mythos. Der griechische Held sei – so Krigars Fazit – kein moralischer Mensch. »Er lebt in einer Gesellschaft, die noch keine Empathie, kein Mitgefühl kennt. Aber durch seinen Logos ist er gleichzeitig auch ein sehr moderner Mensch.« Die ausgewählten Texte sollen dies verdeutlichen. Sie bilden gleichsam von Musik umspülte literarische Inseln, die auf dieser Reise sprechend und rezitierend angesteuert werden.

Archaisch, atmosphärisch, dicht

»Die Erzählung der Texte bekommt durch meine Musik eine Erlebnisdimension, die die seelische Tragweite des Mythos fühlbar macht«, meint Thilo Thomas Krigar. Diese ursprünglich für Streichtrio komponierte Musik erklingt nun erstmals in einer Neufassung, bei der die Besetzung um Kontrabass und Schlagzeug ergänzt, die einzelnen Sätze klanglich entscheidend erweitert und verändert sowie die musikalischen Bilder Nr. VI und Nr. IX hinzugefügt wurden. Sie wirkt beim ersten Höreindruck schwebend und atmosphärisch, steht allerdings nicht für sich sondern ist eng mit dem Text verwoben – in mehrfacher Hinsicht: Zum einen ließ sich Krigar vom sprachmusikalischen Vortrag der antiken Sänger inspirieren, entwickelte den musikalischen Rhythmus aus dem Vermaß sowie dem Duktus der Sprache. Dem Altgriechisch Homers sei, so Krigar, eine Partitur immanent. »Ich halte das homerische Griechisch in poetisch-musikalischer Hinsicht den heutigen Sprachen für überlegen, weil es eine Unabhängigkeit von Betonung, Hebung und Länge der Silben aufweist.« Nicht nur der Rhythmus, auch viele melodische Strukturen des Stücks ergeben sich aus dem Text; beispielsweise ist jedes Wort von Shakespeares Versen als Melodieton in der Musik präsent. Schließlich gibt es auch Momente, die durchaus als die Handlung illustrierend interpretiert werden können, wie etwa im musikalischen Bild Freiermord. Emporschnellende Quartenfolgen versinnbildlichen die Pfeile, die Odysseus von seinem Bogen abschießt und mit denen er nacheinander die buhlenden Männer hinstreckt, während die Schreie der Getroffenen vom Schlagzeug wiedergegeben werden. Allerdings ist die klangliche Illustration ein Nebeneffekt, nicht der eigentliche Zweck. »Ich möchte in erster Linie mit meiner Musik den Zuhörer einladen, in die archetypische Welt des Mythos einzutauchen und mit ihr vertraut zu werden.«

Beim Komponieren hat sich Krigar durch die antiken Vorstellungen von Musik inspirieren lassen, vom Konzept der Sphärenharmonie, bei dem die Intervalle in bestimmten Zahlenverhältnissen zueinander stehen. »In meinem kompositorischen Ansatz steht die Relation der Töne zueinander im Vordergrund, und weniger die klangliche Substanz der Töne, die ich lieber den Interpreten anvertraue. Was zwischen den Tönen passiert, die Räume, die sich zwischen den Intervallen öffnen, das interessiert mich.« Krigars Musik basiert auf einer Harmonik, deren Klänge hauptsächlich aus Akkorden mit gleichen Intervallen bestehen: große Terzen, Quarten, Tritoni, Quinten. Hinzu kommen Klangfolgen, die aus Ganztonleitern sowie chromatischen Fortschreitungen abgeleitet sind bzw. antike Zahlenproportionen widerspiegeln. »Autopoesis« nennt der Komponist sein Prinzip. »Ich suche nach einer Idee, die einen starken Kern hat, aus dem heraus sich die Musik entfaltet – sozusagen wie eine Blume, die aus einem Samen wächst.« Den Satz Odysseus beiPolyphemos entwickelte er aus einem chromatischen Viertonmotiv, dessen einzelne Töne durch Oktavierung einen weiten Klangraum aufspannen und so den klanglichen Rahmen für die flirrenden Sechszehntelfiguren von Bratsche und Cello liefern. Die Szene, in der Kirke Odysseus vor den Sirenen warnt, gründet auf einer Ganztonleiter, aus der sich die Motive des Satzes ableiten. Als Odysseus sich dann dem Gesang der Sirenen aussetzt, entsteht durch Einbettung von Vierteltonrückungen in konventionelle Akkorde eine verführerische, entrückte Atmosphäre. Aus musikalischen Strukturen, denen ausgeklügelte Intervallproportionen zugrunde liegen, ergebt sich ein irrational anmutendes Klangphänomen, das die Grenzen von Ratio und Emotionalität verschwimmen lassen. Seinen Held Odysseus stattet Krigar mit einem Quartmotiv aus, es bleibt das einzige »Leitmotiv« dieser musikalischen Reise. Die Gattin Penelope charakterisiert er mit bestimmten Klangfeldern und einer wiederkehrenden Reminiszenz an Claudio Monteverdis Il ritorno dʼUlisse in patria. Krigar sieht seine Komposition als eine musikalische Entsprechung zu der Vielschichtigkeit des Odysseus-Mythos: »Letztendlich ist es ein schwebender, nicht an einen Ort gebundener Zustand, dessen Reise nicht in einer konkreten Heimat ankommt, sondern günstigenfalls in den Tiefen der eigenen Seele.«

Nicole Restle

Biografie

Corinna Harfouch, geboren in Suhl (Thüringen), machte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester, dann begann sie ein Studium als Textildesignerin in Dresden, bevor sie in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« studierte. 1983 spielte sie die Lady Macbeth in Heiner Müllers Inszenierung an der Berliner Volksbühne; ein Engagement ans Berliner Ensemble folgte. Seit den 1990er-Jahren ist sie auf allen wichtigen Berliner Bühnen zu sehen, etwa am Berliner Ensemble in Eva, Hitlers Geliebte und im Deutschen Theater in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? und Ein Sommernachtstraum in der Regie von Jürgen Gosch. Für ihre Theaterarbeit wurde Corinna Harfouch mehrfach ausgezeichnet: Sie erhielt u. a. 1997 den Gertrud-Eysoldt-Ring für herausragende schauspielerische Leistungen und wurde im selben Jahr für ihre Darstellung des Generals Harras in Des Teufels General (Regie Frank Castorf) von der Zeitschrift Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gekürt. Neben der Arbeit auf der Bühne steht Corinna Harfouch auch häufig für Kino und Fernsehen vor der Kamera. Beispielhaft genannt für die Vielfalt ihrer Rollten seien Der Tangospieler (1990), Sexy Sadie (1997), die Märchenhexe in Bibi Blocksberg (2002) oder Magda Goebbels in Der Untergang (2004). 2014 erhielt sie den Grimme-Preis für ihre Darstellung in dem Fernsehfilm Der Fall Bruckner. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Corinna Harfouch heute erstmals zu Gast.

Christian Brückner wurde 1943 in Schlesien geboren und wuchs in Köln auf. In Berlin studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaften, belegte Schauspielkurse, nahm Sprechunterricht und bekam schon bald Engagements im Hörfunk und in den Synchronstudios der Stadt. Einer großen Zahl von Schauspielern gab er eine deutsche Stimme, seit vielen Jahren vor allem Robert de Niro, aber auch Alain Delon, Warren Beatty und Harvey Keitel. Theater spielte er u. a. in Freiburg, Berlin und New York. Christian Brückner hat als Sprecher in ungezählten Hörspielen, Literatursendungen und Features sowie bei Hörbüchern und Fernsehdokumentationen mitgewirkt, wofür er 1990 den Grimme-Preis Spezial in Gold erhielt. 2012 wurde ihm der erstmals verliehene Sonderpreis des Deutschen Hörbuchpreises für sein Lebenswerk zugesprochen. Wichtig sind Christian Brückner seine öffentlichen Literaturlesungen, die oft in einen musikalischen Zusammenhang eingebunden sind und heute einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er bereits mehrfach als Sprecher und Erzähler zu Gast, u. a. in den Philharmonischen Salons sowie in der Reihe Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen; zuletzt wirkte Christian Brückner im Februar 2015 bei einem IPPNW-Benefizkonzert für Flüchtlinge mit.

Andreas Buschatz erhielt im Alter von sechs Jahren ersten Violinunterricht und wurde 1992 als Jungstudent in die Klasse von Wolfgang Rausch an der Hochschule für Musik Detmold aufgenommen; zwei Jahre später wurde er beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. 1999 trat der Musiker in die Klasse von Thomas Brandis an der Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) in Berlin ein, wo er 2003 sein Konzertexamen ablegte. Es folgte ein Engagement als stellvertretender Konzertmeister des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. 2005 wurde Andreas Buschatz bei den Berliner Philharmonikern in die Gruppe der Ersten Violinen aufgenommen und im Herbst 2010 zu einem der Konzertmeister des Orchesters gewählt. Kammermusikalisch engagiert sich Andreas Buschatz als Mitglied des Philharmonischen Klavierquartetts Berlin.

Ignacy Miecznikowski wurde in Krakau geboren. Er studierte Geige und Bratsche am Conservatoire National Supérieur de Lyon, wurde dort 1998 in die Solistenklasse von Tasso Adamopoulos aufgenommen und erhielt zwei Jahre später sein Solistendiplom. Seit 1996 sammelte er erste Orchestererfahrungen in verschiedenen französischen Klangkörpern, u. a. im Orchester der Opéra National de Marseille. 1998 wurde er Solobratscher im Orchestre National de Lyon; wo er bis zu seinem Wechsel zu den Berliner Philharmonikern im Dezember 2009 spielte.

David Riniker studierte in seiner Heimatstadt Basel bei Jean-Paul Guéneux und Antonio Meneses. Meisterkurse bei Arto Noras, Boris Pergamenschikow, Wolfgang Boettcher und David Geringas rundeten seine Ausbildung ab. Er ist Preisträger verschiedener Wettbewerbe und Stiftungen. 1995 wurde er Mitglied der Berliner Philharmoniker. Neben seiner Tätigkeit im Orchester konzertiert David Riniker als Solist und Kammermusiker in vielen Ländern Europas sowie in den USA und Japan. Er ist Mitglied der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, des Philharmonischen Streichtrios und des Breuninger Quartetts. Außerdem arrangiert und bearbeitet er Werke für verschiedene Besetzungen, die auch in Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker aufgeführt wurden.

Der Finne Janne Saksala begann 1981 an der Musikschule in Helsinki ein Kontrabass-Studium, das er ab 1986 bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) in Berlin fortsetzte. 1991 war er Preisträger beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München. Seit 1994 gehört Janne Saksala den Berliner Philharmonikern an, deren 1. Solo-Bassist er mit Beginn der Saison 2008/2009 wurde. Neben seiner Orchestertätigkeit ist er auch ist ein gefragter Solist und Kammermusiker, u. a. als Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin. Janne Saksala engagiert er sich überdies im Bereich der zeitgenössischen Musik und hat zahlreiche neue Werke uraufgeführt. Hinzu kommt eine intensive Dozententätigkeit, mit einer Gastprofessur an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin sowie Meisterkursen im In- und Ausland.

Raphael Haeger erhielt seit der frühen Kindheit Schlagzeug- und Klavierunterricht. Als Jugendlicher spielte er Klavier in mehreren Jazzbands, für die er auch Arrangements schrieb. Anschließend studierte Raphael Haeger Schlagzeug bei Franz Lang in Trossingen. Es folgte eine rege Konzerttätigkeit auf dem Gebiet der Neuen Musik u. a. mit Heinz Holliger, Michael Gielen, Hans-Werner Henze, Helmut Lachenmann und dem Ensemble Modern. Bevor Raphael Haeger 2004 zu den Berliner Philharmonikern kam, war er elf Jahre lang Schlagzeuger am Nationaltheater Mannheim, wo er auch die Konzertreihe Jazz in der Oper als künstlerischer Leiter betreute. Er ist Pianist des philharmonischen Ensembles Bolero Berlin. 2012 schloss er ein Masterstudium im Fach Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin ab; von Herbst 2011 bis Sommer 2015 war er Dirigent des Leipziger Universitätsorchesters.

Fredi Müller wurde 1942 in Kassel geboren und absolvierte sein Studium an der dortigen Musikakademie bei Arthur Weber. Nach einem ersten Engagement in Regensburg ging er 1962 als Pauker und Schlagzeuger nach Gelsenkirchen, 1969 wurde er Solo-Pauker in Duisburg. 1971 nahmen ihn die Berliner Philharmoniker in ihre Schlagzeuggruppe auf, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 spielte. Neben dem Orchesterdienst war Fredi Müller immer wieder auch im Rahmen von Kammerkonzerten tätig. Seit 2008 spielte er als Aushilfe u. a. beim NDR-Symphonieorchester, gelegentlich auch die sogenannten Berlioz-Glocken in der Philharmonie, die auf seine Anregung 2001 angeschafft wurden und auf von ihm eigens dafür konstruierten Ständern stehen.

David Müllerist Schauspieler, Theaterproduzent und Wirtschaftsjurist. 1975 in Berlin geboren, nahm er als Jugendlicher Schlagzeugunterricht bei Gernot Schulz und Franz Schindlbeck, bevor er ab 1997 eine private Schauspielausbildung bei Raimund Tabor absolvierte. Seine erste Kinorolle hatte er im Film Sonnenallee von Leander Haußmann (1998); es foltgen zahlreiche Fernsehfilme, bei denen er u. a. mit Helmut Berger, Ottfried Fischer und Ulrich Mühe zusammenarbeitet. 2003/2004 macht er in New York eine Ausbildung zum Blue Man Performer und spielt von 2004 bis 2006 als Mitglied der Blue Man Group in New York, Chicago und Berlin. Inzwischen hat der die Seiten gewechselt und ist international als freier Produzent im Musiktheaterbereich tätig. Parallel dazu studiert er Wirtschaftsrecht (Schwerpunkt chinesisches Recht) in Berlin und Chengdu (China); er lebt und arbeitet in China und Deutschland. David Müller war der Initiator der heutigen Aufführung von Thilo Krigars Odyssee-Projekt im Kammermusiksaal.

(c) Uwe Tolle