(Foto: Tim Deussen)

Karajan-Akademie

John Adams leitet die Orchester-Akademie

Im Rahmen seiner philharmonischen Residency erarbeitet der Komponist und Dirigent John Adams mit den Stipendiaten der Orchester-Akademie Werke zeitgenössischer amerikanischer Komponisten: Andrew Normans Orchesterstück Try, das den Prozess des Ausprobierens thematisiert, Timo Andres’ Klavierkonzert The Blind Banister, Osvaldo Golijovs Hommage an Astor Piazzolla Last Round und Adams’ hymnisch ausklingende Chamber Symphony, die sich in ihrer Besetzung an Schönbergs berühmte Kammersymphonie anlehnt.

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

John Adams Dirigent

Timo Andres Klavier

Akademie II – John Adams – Composer in Residence

Andrew Norman

Try

Timo Andres

The Blind Banister

Osvaldo Golijov

Last Round

John Adams

Chamber Symphony

Termine und Karten

Mi, 25. Jan 2017, 20:00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Als »trial-and-error composer« bezeichnete sich Andrew Norman, der nie auf Anhieb zur »richtigen« Lösung finde. Der Grund? Ein ausgeprägter Hang zur Selbstkritik, was bei dem jungen Komponisten aus Los Angeles (der sich als eines der aufregendsten Nachwuchstalente in der internationalen Musikszene etabliert hat) immer wieder zu nicht enden wollenden Revisionen führt. Kein Zufall also, dass sein Orchesterwerk Try denProzess des Ausprobierens thematisiert, wobei die Musik bei ihrer auskomponierten Suche nach dem »richtigen« Weg mit schier übersprudelnder Vitalität immer neue Varianten hervorbringt. John Adams, der das Stück im Mai 2011 in der Walt Disney Concert Hall uraufgeführt hat, präsentiert es nun in diesem zweiten Akademie-Konzert der Saison 2016/2017. Anschließend widmet er sich gemeinsam mit Timo Andres dessen Klavierkonzert Nr. 3 The Blind Banister das sich auf Beethovens Zweites Klavierkonzert bezieht – genauer: auf die stilistischen Verwerfungen, die dem Werk aufgrund der von Beethoven viele Jahre nach der Vollendung nachkomponierten Kadenz anhaftet, die »keine Zugeständnisse an seinen früheren Stil macht«. (Timo Andres) Mit Osvaldo GolijovsLast Round steht anschließend eine Hommage an Astor Piazzolla auf dem Programm: ein mitreißendes Werk, dessen Finale mit seiner Fantasie über den Refrain aus Carlos Gardels Tango Mi Buenos Aires querido Golijov auch alsklingende Liebeserklärung an die eigene Heimat anlegte. Abgerundet wird das Programm mit John Adams’ hymnisch ausklingender Chamber Symphony, die sich in ihrer Besetzung an Schönbergs Kammersymphonie op. 9 für 15 Solo-Instrumente anlehnt, wobei die von Schönberg vorgegebene Besetzung u. a. um Synthesizer und Percussion erweitert wird.

Über die Musik

Quellen der musikalischen Fantasie

Werke von Andrew Norman, Timo Andres, Osvaldo Golijov und John Adams

Wie kommt es zu einem Musikstück, was ist die Initialzündung? – Nicht wenige Komponisten lassen sich durch Werke älterer oder zeitgenössischer Kollegen anregen, es anders zu machen. Eine bestimmte Phrase daraus, eine kleine Melodie oder ein rhythmisches Modell bleibt hängen, regt die Fantasie an und entwickelt sich weiter. Komponierende Interpreten wie einst Franz Liszt, Gustav Mahler und Sergej Rachmaninow oder heute Brett Dean und Jörg Widmann werden auch durch die Stücke geprägt, die sie gerade aufführen. Schreibt man für eine konkrete Besetzung, etwa für ein Streichquartett, so erscheinen vor dem inneren Ohr fast automatisch Quartette von Haydn, Beethoven und Brahms, vielleicht auch von Nono und Rihm. Bei einem Auftragswerk für ein bestimmtes Ensemble denkt der Komponist oder die Komponistin an diese Interpreten und ihre Fähigkeiten. Was kennen sie bereits? Was ist ihnen zuzumuten? Aber auch ganz andere Faktoren können ein neues Musikstück auslösen.

Architektur als Schaffensimpuls – Andrew Normans Try

Andrew Normans Try ging hervor aus einem Auftrag der Philharmonischen Orchester von Los Angeles und Liverpool. Der 1979 geborene Komponist lebt in Los Angeles, wo er auch Komposition und Klavier studierte. Da er an Baukunst sehr interessiert ist (er hatte zunächst Architekt werden wollen), verfolgte Norman neugierig die Entwicklung des dortigen neuen Konzertsaals, der dann 2003 eröffneten Walt Disney Concert Hall. Mit diesem ungewöhnlichen Bau, der von außen wie ein stählernes Segelschiff wirkt, hatte der Architekt Frank Gehry bewusst einen Gegensatz zum klobig-kastenförmigen Dorothy Chandler Pavilion, der bisherigen Heimat des Los Angeles Philharmonic Orchestra, schaffen wollen. Ihm schwebte ein ähnlich unkonventioneller Raum vor wie Hans Scharouns Berliner Philharmonie, die er deshalb zusammen mit dem Orchesterintendanten Ernest Fleischmann mehrmals besuchte.

Auch Andrew Norman kennt die Berliner Philharmonie gut, denn er hat 2009 als Stipendiat der American Academy in der deutschen Hauptstadt gelebt. Dass sein neues Stück in dem futuristischen Gehry-Bau uraufgeführt werden sollte, bedeutete für ihn eine enorme Herausforderung. »Die Disney Hall und das LA Philharmonic haben mir in den letzten Jahren so viel bedeutet, dass ich unbedingt ein perfektes Stück für sie schreiben wollte – was meine Kreativität völlig blockierte.« Erst nach Monaten erkannte der Komponist, dass Perfektion ein unerreichbares und nicht einmal erstrebenswertes Ziel war. »Es gab nur einen Weg, den experimentierfreudigen Geist der Philharmoniker und der Disney Hall zu würdigen: Ich musste so viel Neues wie möglich versuchen, um all das zu umfassen, was in dem Wort ›Try‹ liegt – das Risiko, das Scheitern und die freudige Entdeckung.«

Wilde Aktivität, unterbrochen durch Pausen, kennzeichnet die aus vielen Fragmenten bestehende Komposition. »Sie wiederholt die Dinge immer wieder, probiert sie auf möglichst verschiedene Weise aus. Auf der Suche nach einer bleibenden Idee, nach etwas Neuem kehrt sie ständig zu sich selbst zurück. Schließlich, nach zehn Minuten zunehmend hektischen Probierens, findet sie ein kleines, merkwürdiges Stück musikalischen Materials, das ihr so gefällt, dass sie es wiederholt, glättet und verfeinert und schließlich zum (hoffentlich) glücklichen Ende führt« (Norman). Tatsächlich mündet die Suche überraschend in eine Folge konsonanter Dreiklänge und zarter, lange nachklingender Klavier-Arpeggien. Im Mai 2011 wurde Andrew Normans Try unter Leitung von John Adams in der Walt Disney Concert Hall zur Uraufführung gebracht.

Auf Beethovens Spuren – The Blind Banister von Timo Andres

Zwei Jahre zuvor, im Mai 2009, hatte Adams am selben Ort das Kammermusikwerk eines noch jüngeren US-Amerikaners aus der Taufe gehoben: Nightjar (Nachtschwalbe) von Timo Andres. Der 1985 im kalifornischen Palo Alto geborene Komponist wuchs in Connecticut auf, bevor er an der Yale University studierte. Als der 24-Jährige den Kompositionsauftrag des Los Angeles Philharmonic Orchestra erhielt, empfand er dies als Erfüllung eines Traums. »Timo gehört zu einer Gruppe sehr junger Autoren«, erklärte John Adams damals, »die neues Leben in die Szene bringen: begabte Komponisten, die auch virtuose Interpreten sind.« Dem Nightjar-Erfolg in Los Angeles folgten bald Kompositionsaufträge für die Wigmore Hall London, die Carnegie Hall New York und das Royal Concertgebouw Orkestra Amsterdam sowie Einladungen zu Konzertauftritten als Pianist.

Viele Werke von Timo Andres sind durch sein Klavierspiel inspiriert. The Blind Banister, ein Auftrag des St. Paul Chamber Orchestra, entstand im Sommer 2015 aus seiner Auseinandersetzung mit Beethovens Zweitem Klavierkonzert. Dass der berühmte Kollege viele Jahre nach der Vollendung dieses Werks eine neue Kadenz geschrieben hatte, faszinierte Andres. Dadurch fühlte sich der junge Amerikaner zuerst zu einer eigenen Kadenz und schließlich zu einem ganzen Klavierkonzert herausgefordert. Wie Beethoven begann er ebenfalls mit ganz einfachen Elementen und mit »B« als tonalem Zentrum.

Hauptthema ist eine langsam herabsinkende Tonleiter, eine »gleitende Skala«, der im kurzen Abstand eine zweite als Begleitung folgt. Das Nachhinken von Melodie und Begleitung führt zu Sekundspannungen, die in aufsteigenden Skalen und weiteren Variationen wiederkehren. Im Orchester türmen sich die Sekundschritte zu dissonanten Clustern auf. Eine letzte Abwärtsskala leitet schließlich den scherzoartigen zweiten Satz Ringing Weights (Tönende Gewichte) ein. »Hier verwandelt sich die Abwärtsskala in einen vorwärtstreibenden Motor von Solostreichern, welche helle Kaskaden chromatischer Akkorde in den Solopart treiben. Dieser Satz besteht auch aus variierten Modulen, jedes mehr und mehr ausgefeilt – obwohl diesmal jedes nachfolgende Modul eine Stufe herabsteigt, wobei das Tonleiterthema die Struktur des Stücks untergräbt und versucht, es unerbittlich abwärts zu drängen« (Andres). Die Klavierpartie will in einem Trioteil diesen Prozess umkehren, bis das Orchester plötzlich verstummt und der Pianist in seiner Kadenz die beiden Grundelemente des Stücks – Aufsteigen und Fallen – gegeneinanderstellt. Ihnen folgen im freien Metrum hoch aufsteigende Arpeggien. »Wenn die Arpeggien allmählich reguläre Muster übernehmen, driftet das Orchester mit noch einer langen Skala zurück, Schritt für Schritt absteigend und dabei eine reich harmonisierte Coda eröffnend, in Wahrheit eine stark komprimierte Reprise des ersten Satzes, bis das Klavier schließlich einer ungewissen Zukunft entgegenstürmt« (Andres).

Den rätselhaften Titel entnahm der Komponist dem Gedicht Schubertiana des schwedischen Literatur-Nobelpreisträgers Tomas Tranströmer. Dort ist die Rede von der Hand, die im dunklen Treppenhaus vertrauensvoll dem »blinden Geländer« (blind banister) folgt und so ihren Weg findet.

Hommage auf Astor Piazzolla – Last Round von Osvaldo Golijov

Der argentinische Tango ließ den 1960 in La Plata bei Buenos Aires geborenen Osvaldo Golijov nicht mehr los, obwohl er 1983 seine Heimat verließ. Zunächst studierte er Klavier und Komposition an der Rubin-Akademie in Jerusalem;1986 wechselte er an die University of Pennsylvania in Philadelphia. Hier hörte er von dem Schlaganfall, den Astor Piazzolla, Idol seiner Jugend, im August 1990 in Paris erlitten hatte. Der letzte große Tango-Komponist war ebenso ein Virtuose auf dem Bandoneon, einem nach dem Krefelder Instrumentenbauer Heinrich Band benannten Knopfakkordeon. Es wurde zum wichtigsten Instrument des Tangos, dieser für die argentinische Hauptstadt so typischen Schöpfung europäischer Einwanderer.

Anfang der 1990er-Jahre hatte Osvaldo Golijov begonnen, mit zwei Streichquartettformationen zusammenzuarbeiten, dem St. Lawrence String Quartet und dem Kronos Quartet. So kam er 1991 auf die Idee, für diese Besetzung eine Hommage auf Piazzolla zu schreiben. Zunächst entstand nur ein einziger Satz, den er 1996 um einen zweiten ergänzte. »Das Stück ist als ein idealisiertes Bandoneon konzipiert«, so der Komponist. »Der erste Satz verkörpert das ungestüme Zusammendrücken des Instruments und der zweite einen letzten, scheinbar endlosen Öffnungsseufzer.« Obwohl Astor Piazzolla nach seinem Schlaganfall nicht mehr auftrat und 1992 in Buenos Aires starb, ging Golijov vom Weiterleben dieses großen Künstlers aus. Den Titel Last Round, den er einer kurzen Boxer-Geschichte von Julio Cortázar entnahm, verstand er als »eine Metapher für die imaginäre Chance für Piazzollas Geist, noch einmal zu kämpfen (er geriet in seinem Leben immer wieder in Faustkämpfe)«.

Astor Piazzolla spielte das Bandoneon nicht sitzend wie seine Kollegen, sondern stehend, wobei er das rechte Bein auf einen Stuhl stellte. Für Golijov entsprach diese Position der Macho-Haltung vieler Tango-Tänzer. Seine Piazzolla-Hommage konzipierte er als einen sublimierten Tango-Tanz. »Zwei Quartette einander gegenüber positioniert, getrennt durch den zentralen Kontrabass, wobei die Geigen und Bratschen wie in den traditionellen Tango-Orchestern aufstehen. Die Bögen fliegen in die Luft wie umgekehrte Beine in gekreuzter Choreografie, sich immer gegenseitig anziehend und abstoßend, immer nahe dem Zusammenstoß und immer dies vermeidend mit einer Unbeweglichkeit, die man nur erreicht, indem man heiße Leidenschaft in reine Strukturen verwandelt.«

Der erste Satz, den der Komponist mit dem Zusammendrücken des Bandoneonbalgs verglich, konfrontiert zwei verschiedene Tempi sowie rhythmische Signale und Glissandi. Das »Ausatmen« des zweiten Satzes beginnt mit einer langsam herabsinkenden Tonfolge. Sie entstammt dem Lied Mi Buenos Aires querido (Mein geliebtes Buenos Aires) des legendären Carlos Gardel, das dieser in den 1930er-Jahren gesungen hatte. Die Musik steigert sich zu melodischer Emphase, bevor sie mit einem offenen Schluss verhaucht.

Antwort auf Arnold Schönberg – die Chamber Symphony von John Adams

John Adams ist der bekannteste und älteste Komponist dieses Programms – demnächst feiert er seinen 70. Geburtstag. 1947 wurde er an der US-amerikanischen Ostküste geboren, zog aber schon 1971 nach San Francisco, wo er bis heute lebt. Adams schreibt »Musik über Musik« und überschreitet dabei – wie schon Ives, Gershwin und Bernstein – mühelos die Grenzen zwischen Ernst und Unterhaltung. Seine Kammersymphonie bezieht sich auf das gleichnamige Opus 9 von Arnold Schönberg. Während Adams an seinem Schreibtisch die komplexe Schönberg-Partitur studierte, hörte er aus dem Nebenzimmer die hektische Begleitmusik zu Zeichentrickfilmen wie Tom und Jerry und Roadrunner, die sein sieben Jahre alter Sohn dort anschaute. Obwohl ästhetisch betrachtet zwischen beiden Klangebenen Welten klafften, entdeckte der Komponist plötzlich Gemeinsamkeiten: »Die hyperaktiven, ständig aggressiven und akrobatischen Musikbegleitungen zu den Trickfilmen vermischten sich in meinem Kopf mit der Schönberg-Musik, die ebenfalls enorm lebendig, akrobatisch und recht aggressiv ist, und ich erkannte plötzlich, wie viel diese beiden Traditionen gemeinsam haben.«

Seine Chamber Symphony geht diesen Gemeinsamkeiten nach. Wie Schönbergs Meisterwerk ist sie mit 15 Soloinstrumenten besetzt, zu denen hier auch Synthesizer, Schlagzeug, Trompete und Posaune gehören. Jeder Interpret spielt solistisch, was zu enormer Vielstimmigkeit und einem ständigen Wettbewerb um die dynamische Vorherrschaft führt. So wird im ersten Satz der rhythmische Puls einer Kuhglocke durch eine gezupfte Basslinie ergänzt, durch einen Kanon der Klarinetten, durch folkloristisch wirkende Geigen und langsame Hornmelodien. Der Komponist orientierte sich dabei nicht nur an Schönberg, sondern auch an Strawinskys Geschichte vom Soldaten und dessen Oktett sowie an Hindemiths Kleiner Kammermusik. Angesichts der sehr unterschiedlichen Traditionen, die sich hier überlagern, nannte Adams diesen Satz Mongrel Airs – Bastard-Melodien.

Mit einem auf dem Fagott gespielten durchgehenden Bass beginnt der zweite Satz. Trompete und dann Posaune ergänzen eine choralartige Melodie, bis die Musik immer vielstimmiger und rasanter wird. Noch mehr Virtuosität erfordert der Schlusssatz. Nicht zuletzt wird der Klarinettist wird zu atemloser Hektik angetrieben. Die Überschrift Roadrunner bezieht sich auf den langbeinigen kalifornischen Rennkuckuck, der zur beliebten Trickfilmfigur wurde. Nach einer Violinkadenz endet die unerbittliche Jagd mit einem Zitat der letzten Takte von Schönbergs Kammersymphonie. Sie hatte 1907 bei ihrer Wiener Uraufführung einen Skandal ausgelöst. Viel freundlicher reagierte dagegen das Publikum, als das niederländische Schönberg Ensemble 1993 in Den Haag die spieltechnisch ebenso anspruchsvolle, jedoch ästhetisch weniger verbissene Chamber Symphony von John Adams aus der Taufe hob.

Albrecht Dümling

Biografie

John Adams, 1947 in Worcester (Massachusetts) geboren, begann als Zehnjähriger mit dem Komponieren und erlebte erste Aufführungen seiner Orchesterstücke noch als Teenager. Nach seinem Studium an der Harvard University, wo der angehende Komponist unter anderem von dem Schönberg-Schüler Leon Kirchner unterrichtet wurde, zog Adams 1971 nach Kalifornien, wo er seitdem lebt. Adams unterrichtete zehn Jahre lang am San Francisco Conservatory of Music, bevor er 1982 eine Residency beim San Francisco Symphony Orchestra antrat und dort die erfolgreiche Serie New and Unusual Music aus der Taufe hob. Heute zählt er zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Musikszene; viele seiner Werke, beispielsweise Harmonielehre, Shaker Loops, Doctor Atomic Symphony und Short Ride in a Fast Machine, gehören zu den meistaufgeführten zeitgenössischen Orchesterwerken überhaupt. 1985 begann Adams’ Zusammenarbeit mit Alice Goodman und Peter Sellars, aus der die ebenfalls sehr erfolgreichen Opern Nixon in China und The Death of Klinghoffer hervorgingen. Fünf weitere Bühnenwerke mit Sellars folgten, darunter Doctor Atomic (2005) und das Passions-Oratorium The Gospel According to the Other Mary (2012), das in den kommenden Tagen erstmals von den Berliner Philharmonikern aufgeführt wird.
Als Dirigent arbeitet John Adams mit renommierten Orchestern wie dem New York Philharmonic Orchestra, dem San Francisco Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Royal Concertgebouw Amsterdam und dem BBC Symphony Orchestra zusammen. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt er die Ehrendoktorwürden der Universitäten Yale, Harvard, der Juilliard School in New York und der University of Cambridge in England; sein Chorwerk On the Transmigration of Souls, das vom New York Philharmonic Orchestra anlässlich des ersten Gedenktags für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in Auftrag gegeben worden war, wurde 2003 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Den Berliner Philharmonikern ist John Adams in der Saison 2016/2017 als Composer in Residence verbunden; Mitte September 2016 gab er mit eigenen Werken sein Debüt am Pult des Orchesters.

Timo Andres wurde 1985 in Palo Alto, Kalifornien, geboren und wuchs im ländlichen Connecticut auf. Der Komponist und Pianist studierte an der Yale University und lebt heute in Brooklyn, New York. Noch während seines Studiums gab John Adams ein Stück bei ihm in Auftrag, das 2009 vom Los Angeles Philharmonic uraufgeführt wurde. Seither haben auch die Wigmore Hall, das Concertgebouw Amsterdam und andere Werke bei Andres in Auftrag gegeben, der neben Brahms und Schumann auch Brian Eno und Radiohead als Vorbilder und wichtige Einflüsse nennt. 2015 schrieb Andres das Klavierkonzert The Blind Banister für Jonathan Biss und das Saint Paul Chamber Orhestra sowie – im Auftrag der Carnegie Hall – das Streichquartett Strong Language für das Takács Quartett. Als Pianist gab Andres Recitals u. a. im Lincoln Center und in der Wigmore Hall London; in der Saison 2014/2015 bestritt er mehrere Konzerte gemeinsam mit Philip Glass, 2015 spielte er Gershwins Rhapsody in Blue mit der North Carolina Symphony. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt er nun sein Debüt.

(Foto: Tim Deussen)

John Adams

Composer in Residence 2016/2017

mehr lesen