Andreas Ottensamer (Foto: Monika Ritterhaus)

Kammermusik

Andreas Ottensamer und das Varian Fry Quartett

Kammermusikalischer Auftritt für die junge Generation der Berliner Philharmoniker: Das in der Spielzeit 2012/2013 von vier philharmonischen Streichern gegründete Varian Fry Quartett erhält in diesem Konzert Unterstützung von Andreas Ottensamer, seit 2011 Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker. Gemeinsam bringen sie Mozarts berühmtes Klarinettenquintett A-Dur und Danzis Variationen über »Là ci darem la mano« aus Mozarts Don Giovanni zu Gehör.

Varian Fry Quartett:

Philipp Bohnen Violine

Marlene Ito Violine

Martin von der Nahmer Viola

Rachel Helleur Violoncello

Andreas Ottensamer Klarinette

Ludwig van Beethoven

Streichquartett Es-Dur op. 74 »Harfenquartett«

Wolfgang Amadeus Mozart

Klarinettenquintett A-Dur KV 581

Franz Danzi

Variationen über »Là ci darem la mano« aus Mozarts Don Giovanni

Maurice Ravel

Streichquartett F-Dur

Termine und Karten

Programm

Kammermusikalischer Auftritt für die junge Generation der Berliner Philharmoniker: Das in der Spielzeit 2012/2013 von vier philharmonischen Streichern gegründete Varian Fry Quartett erhält in diesem Konzert Unterstützung von Andreas Ottensamer, der seit 2011 als Soloklarinettist zum Orchester gehört. Natürlich darf bei dieser Besetzung ein Werk nicht fehlen: Mozarts berühmtes Klarinettenquintett A-Dur KV 581, das der Komponist für seinen Freund Anton Stadler schrieb, einen der führenden Klarinettisten seiner Zeit. Ein Thema Mozarts, nämlich die einschmeichelnde Melodie »Là ci darem la mano«, mit der der Lebemann Don Giovanni in der gleichnamigen Oper das Bauernmädchen Zerlina verführt, diente Franz Danzi als Grundlage für eine Reihe von Variationen. Ursprünglich für Klarinette und Orchester geschrieben, erklingen diese nun in einer Bearbeitung für Klarinette und Streichquartett.

Mit einem heiteren Variationssatz schließt auch Beethovens Streichquartett Es-Dur op. 74, das der Komponist 1809 schrieb und seinem Gönner, dem Fürsten Lobkowitz widmete. Den nicht von Beethoven stammenden Beinamen »Harfenquartett« erhielt das Werk durch die im Pizzikato gespielten Akkordbrechungen im ersten Satz, die an Harfenarpeggien erinnern. Der Schluss des Programms führt musikalisch in eine ganz andere Welt: Maurice Ravel komponierte sein erstes und einziges Streichquartett 1902/1903 als Arbeit zum Studienabschluss. Das sich an Debussy orientierende Werk empfand der Franzose als wichtigen Meilenstein auf den Weg zu seinem eigenen Stil.

Über die Musik

»Im Namen der Götter der Musik«

Klassische Ideale und neue Wege

Beinahe hätte Ludwig van Beethoven die Musikmetropole Wien verlassen. Es mangelte ihm durchaus nicht an Anerkennung; sein Ruf als begnadeter Konzertpianist und Schöpfer der Eroica reichte weit über die Landesgrenzen hinaus, obgleich der Misserfolg des Fidelio einen gehörigen Wermutstropfen bedeutete. Doch Beethoven, der unter zunehmender Taubheit litt, konnte sich langfristig nicht auf seine Einkünfte aus Konzerteinnahmen und Verlagsverträgen verlassen. Eine Bewerbung bei der k.u.k. Hoftheaterdirektion – nach dem Fidelio-Debakel erscheint sie geradezu naiv – war vergeblich. Ende Oktober 1808 bot ihm der König von Westfalen eine Stellung als Hofkomponist an. Doch ehe Beethoven seine Zusage absenden konnte, überzeugten ihn seine adeligen Gönner Erzherzog Rudolph und die Fürsten Lobkowitz und Kinsky, in Wien zu bleiben, wo sie ihm fortan eine vertraglich zugesicherte Jahresrente von stattlichen 4000 Gulden zahlen wollten.

Hätte Beethoven Wien tatsächlich den Rücken gekehrt, wäre es mehr als fraglich, ob sein Streichquartettschaffen sich in der bekannten Weise hätte entwickeln können, denn eine maßgebliche Voraussetzung hierfür bot ihm das professionelle Ensemble des Geigers Ignaz Schuppanzigh, das bereits die Entstehung der frühen Quartette op. 18 begleitet hatte und ebenso die dem Grafen Rasumowksy gewidmeten Quartette op. 59. Beethoven war, so erinnert sich Ignaz von Seyfried, »so zu sagen Hahn im Korbe; Alles was er componirte, wurde dort brühwarm aus der Pfanne durchprobirt«.

Ein neuer Weg – Beethovens Streichquartett Es-Dur op. 74

Während die um 1800 entstandenen Quartette op. 18 noch stark den Vorbildern Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts verpflichtet sind, stehen die höchst anspruchsvollen Quartette op. 59 und op. 74 für einen »neuen Weg«. In der Saison 1804/1805 hatte Schuppanzigh begonnen, Abonnementskonzerte mit Kammermusik zu veranstalten – ein absolutes Novum, denn bislang hatten Streichquartette und Ähnliches ihren festen Platz in der privaten Sphäre der Hausmusik. Von dieser Zeit an schrieb Beethoven seine Quartette für den öffentlichen Vortrag.

Das seiner charakteristischen Pizzicatostellen im Kopfsatz wegen als Harfenquartett bezeichnete Opus 74 lässt schon zu Beginn aufhorchen. Die langsame Einleitung erweckt den Eindruck eines tastenden Suchens, fast mag man in den letzten dissonanten Takten vor dem Themeneinsatz an das Chaos aus der haydnschen Schöpfung denken. Strahlend erhebt sich anschließend das gesangliche Hauptthema. Verglichen mit den Rasumowsky-Quartetten liegt der Fokus im Harfenquartett weniger auf motivischer Verdichtung denn auf der Gegenüberstellung verschiedener Klangqualitäten. Kantabilität in höchster Vollendung offenbart das Adagio, während stete Motorik das Presto prägt. Auffällig ist der mit geradezu trotziger Gelehrsamkeit traktierte Kontrapunkt im C-Dur-Maggiore – das verwendete Motiv stammt aus einem Quartett von Ignaz Pleyel, das Beethoven im Hause Lobkowitz gehört hatte. Es wäre denkbar, dass er diese Episode als parodistischen Seitenhieb auf das Schulmeisterlich-Unpoetische verstanden wissen wollte. Nach einer kurzen Überleitung schließt sich der finale Variationssatz an, dessen Thema zunächst durch verschobene Taktschwerpunkte Verwirrung stiftet. Die Variationsfolge ist nicht als kontinuierliche Steigerung, sondern als Wechselspiel aus lauten, meist rhythmisch geprägten, und leisen, kantablen Episoden angelegt; sie mündet in eine kurze, effektvolle Stretta.

Ein Ton, so weich – Mozarts Quintett A-Dur KV 581 für Klarinette und Streichquartett

Er muss ihr schon in München begegnet sein, aber gänzlich verfallen ist Wolfgang Amadeus Mozart der Klarinette wohl in Wien, als er Bekanntschaft mit dem Virtuosen Anton Stadler machte, dessen Kunstfertigkeit auf dem Instrument allseits gerühmt wurde: »Hätt’s nicht gedacht, daß ein Klarinet die menschliche Stimme so täuschend nachahmen könnte, als du sie nachahmst. Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, daß ihm niemand widerstehn kann, der ein Herz hat.« Mozart und Stadler wurden Freunde, beide schätzten einen geselligen, bisweilen ausschweifenden Lebenswandel und gerieten dabei gelegentlich in Geldnöte. Wie Mozart schloss sich Stadler der Freimaurerloge an und begleitete den Komponisten oft auf seinen Reisen. So auch 1787 nach Prag, wo man nach dem überragenden Erfolg des Figaro bereits auf eine neue Oper des Salzburgers wartete. Am 29. Oktober erntete die Premiere des Don Giovanni »lautesten beyfall«.

Stadler blies das noch junge Instrument nicht nur meisterhaft – wenn auch offenbar nicht ohne Anstrengung, denn Mozart verpasste ihm den auf die Gesichtsfarbe anspielenden Spitznamen »Ribieslgesicht« (Johannisbeergesicht) –, sondern beteiligte sich auch an der Entwicklung verschiedener Bauweisen der Klarinette. Für eine dieser Abwandlungen, nämlich die um vier Halbtöne in die Tiefe erweiterte Bassettklarinette, komponierte Mozart das Konzert KV 622 und – man kann dies nur vermuten, da das Autograf verschollen ist – 1789 sein Stadler-Quintett. Mit der Verbindung von Klarinette und Streichquartett betrat Mozart kompositorisches Neuland und setzte zugleich Maßstäbe, an denen sich nachfolgende Komponisten wie Carl Maria von Weber, Johannes Brahms und Max Reger messen sollten.

Mozarts Quintett besticht durch das Gleichgewicht von kammermusikalischer Kantabilität und konzertanter Virtuosität. Mal verschmilzt besonders das mittlere Register der Klarinette wie eine zweite Viola mit dem Streichersatz, so wie es Mozart in seinen Streichquintetten erprobt hatte, mal wird die Klangfarbe des Blasinstruments solistisch exponiert. Dieses Prinzip wird gleich am Anfang deutlich: Ähnlich einer orchestralen Einleitung im Solokonzert beginnen die Streicher mit dem Thema, bevor die Klarinette mit einer neuen Figur zunächst als kommentierendes Element hinzutritt, um sich anschließend mit dem Quartett zu verbinden. Im Larghetto trägt hingegen die Klarinette das romanzenhafte Thema vor, bevor sich ein reizvoller Dialog zwischen ihr und der ersten Geige entspinnt. Der Innigkeit des langsamen Satzes lässt Mozart ein heiter-unbekümmertes Menuett mit zwei Trios folgen, von denen das erste den Streichern vorbehalten ist und das zweite den Charakter eines Ländlers trägt. Auch im abschließenden Variationssatz offenbart sich die dichte Textur aus Streichern und Klarinette, vielerorts setzt Letztere erst am Phrasenende ein, ähnlich einem Rundgesang. Virtuos präsentiert sich die Klarinette mal in großen Tonsprüngen, mal in Akkordbrechungen, und nach einer letzten ruhigen Variation wirkt der hüpfende Kehraus umso heiterer.

Reich mir die Hand – das Potpourri Nr. 2 B-Dur für Klarinette und Orchester von Franz Danzi

Franz Danzi, dem Mozart zeit seines Lebens Vorbild war, teilte dessen Liebe zur Klarinette. In Schwetzingen als Sohn eines Cellisten geboren, führte Danzis Lebensweg zunächst über Mannheim nach München, wo er als Nachfolger seines Vaters die Position des Solocellisten der Hofkapelle übernahm. 1790 heiratete er die Sopranistin Margarethe Marchant und unternahm mit ihr erfolgreiche Gastspielreisen. Von 1798 an wirkte er als Vize-Kapellmeister, bis ihn der jähe Tod seiner Frau am 11. Juni 1800 schwer erschütterte und dazu bewog, sich aus seinem Amt zurückzuziehen. In den folgenden Jahren, so kann man den Briefen Danzis entnehmen, hat sich der Witwer nirgends mehr wirklich wohlgefühlt. Zwischen 1807 und 1812 war er als Hofkapellmeister am Königlichen Hoftheater und Kompositionslehrer sowie als Inspektor der Bläserabteilung am Kunstinstitut des Waisenhauses in Stuttgart beschäftigt, allerdings bereitete ihm seine Gesundheit zunehmend Sorge: »Dann habe ich auch einen sehr starken Katharr mit einem tüchtigen Fieber gehabt; der ist nun zwar vorüber; aber ich fürchte wieder stark an Obstruktionen zu leiden, denn ich bekomme meine leidigen Brustkrämpfe wieder, und stärker, als ich sie je gehabt habe. Ich verzweifle oft, wieder je ganz gesund zu werden, da ich dabei alle Tage älter und schwächer werde«, schrieb er 1810 seinem Münchner Freund Joseph von Morigotti. Danzis Leiden war ein mehrfaches, denn in Stuttgart und auch in Karlsruhe, wo er von 1812 an bis zu seinem Tod als Hofkapellmeister tätig war, fühlte er sich nicht ausreichend in seinem künstlerischen Schaffen gewürdigt. Er sehnte sich häufig nach München, dem »gelobten Lande«, zurück, anstatt im Badischen, »diesem musikalischen Sibirien[,] ein trauriges Pflanzenleben zu führen«.

Seinen Klagen zum Trotz geriet Danzis Karlsruher Zeit zu einer äußerst fruchtbaren, in der insbesondere zahlreiche Kammermusikwerke entstanden, darunter neun Bläserquintette, die, wie der Komponist nicht ohne Stolz seinem Verleger Johann André gegenüber feststellte, vom Publikum denen Anton Reichas vorgezogen würden. André antwortete, dies sei »begreiflich, indem Reicha zu viel künstelt, und von Haus aus zu wenig Melodien besitzt, dagegen ihre Compositionen, und namentlich Gesangscompositionen, immer sehr schöne Melodie haben, und da Blaßinstrumente, mehr wie alle übrigen, wenn sie von Wirkung seyn sollten, die menschliche Stimme hinsichtlich der gesangvollen Melodie, nachahmen müssen.« Der souveräne Umgang mit dem Blasinstrument offenbart sich auch in diversen als Potpourri bezeichneten Kompositionen für Klarinette und Begleitensemble, in denen Danzi seinerzeit bekannte Opernmelodien zu effektvollen Konzertstücken verarbeitete. Das Potpourri Nr. 2 beginnt mit einer freien Einleitung, bevor eine der berühmtesten Arien aus Mozarts Don Giovanni zitiert wird: »Là ci darem la mano«. In verführerischem Tonfall fordert der Titelheld in dieser Szene die Bäuerin Zerlina unmittelbar vor deren Hochzeit mit Masetto auf, ihm die Hand zu reichen und ihn auf sein Schloss zu begleiten. Danzi verarbeitet die eingängige Melodie nach dem damaligen Publikumsgeschmack in einer Reihe von Variationen, die alle Vorzüge des Instruments vom innig schwelgenden cantabile bis hin zur hochvirtuosen Figuration ausreizen.

Erfolg braucht keinen Preis – Ravels Streichquartett F-Dur

Fünf Mal nahm Maurice Ravel am Wettbewerb um den renommierten Prix de Rome teil, fünf Mal scheiterte er an der konservativen Jury. Stets gab diese einem anderen Kandidaten den Vorzug, ungeachtet der Tatsache, dass Ravel bereits mit Werken wie den Jeux d’eau und dem in den Jahren 1902/1903 entstandenen Streichquartett Zeugnis seiner stilistischen Reife abgelegt und sich einen Namen in Paris gemacht hatte. Folgerichtig geriet seine letzte Wettbewerbsteilnahme 1905 zum Eklat, der den Jurychef und Konservatoriumsdirektor Théodore Dubois den Posten kostete und Ravel eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit einbrachte – allerdings nicht den Preis.

Ravels einziges, seinem Lehrer Gabriel Fauré gewidmetes Streichquartett ist eine individuelle Auseinandersetzung mit der klassischen Tradition. Formal erscheint der Kopfsatz in Sonatenform, jedoch ist der traditionelle Themendualismus aufgehoben zugunsten der sukzessiven Entwicklung eines thematischen Netzwerks aus einem motivischen Substrat heraus. Verschiedene Klangfarben und rhythmischen Finessen lassen das Material in immer wieder neuem Licht erscheinen. Besonders das Scherzo mit seinem zwischen 6/8- und 3/4-Metrum schwankenden Pizzicato-Thema offenbart eindrucksvoll den hoch entwickelten Sinn des Franzosen für klangliche Nuancierung. Der langsame dritte Satz moduliert von a-Moll ins entlegene Ges-Dur, dazwischen wird ein tonartliches Zentrum verschleiert. Häufige Takt- und Tempowechsel tragen dazu bei, dass die Musik einen rhapsodischen Charakter gewinnt. Einen effektvollen Kontrast bildet der Finalsatz im wilden 5/8-Metrum, der dem Zortzico, einem aus Ravels baskischer Heimat stammenden Tanz, nachempfunden sein könnte.

Die Reaktionen der Öffentlichkeit auf das Werk, das am 5. März 1904 im Rahmen eines Konzerts der Société Nationale in Paris uraufgeführt wurde, waren geteilt. Schnell wurde der – seinerzeit geradezu obligatorische – Vorwurf des Debussy-Plagiats laut. Dessen Streichquartett aus dem Jahr 1893 galt als Muster, an dem die Presse das ravelsche Quartett maß – in meist pauschaler Betrachtungsweise. Die Pariser Musikszene spaltete sich in zwei Lager; den beiden Komponisten deshalb eine feindselige Beziehung zu unterstellen wäre indessen verfehlt. Ravel machte nie einen Hehl daraus, dass er seinen Kollegen bewunderte, und als er ihm sein Streichquartett zur kritischen Begutachtung vorlegte mit dem Hinweis, Fauré hätte ihm zu einer Überarbeitung geraten, soll Debussy vehement ausgerufen haben: »Im Namen der Götter der Musik und meinem eigenen: Ändern Sie nichts an dem, was Sie von Ihrem Quartett niedergeschrieben haben!«

Susanne Ziese

Biografie

Das Varian Fry Quartett ist nach dem amerikanischen Journalisten und Freiheitskämpfer Varian Fry benannt, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich vielen Menschen die Flucht vor den Nationalsozialisten ermöglichte. Es wurde in der Spielzeit 2012/2013 von Philipp Bohnen und Marlene Ito (Violine), Martin von der Nahmer (Viola) sowie Rachel Helleur (Violoncello) gegründet. Der Grundstein für diese junge Formation wurde allerdings bereits fünf Jahre zuvor gelegt: Damals fanden drei der vier Musiker noch als Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker zum Quartettspiel zusammen. Die Freude am gemeinsamen Musizieren in der Königsdisziplin der Kammermusik sowie die damaligen Unterrichtsstunden bei Jan Diesselhorst, dem leider so früh verstorbenen Cellisten der Berliner Philharmoniker und des Philharmonia Quartetts, hinterließen einen bleibenden Eindruck und den leidenschaftlichen Wunsch, selbst in einem festen Streichquartett zu musizieren. Im April 2013 war es soweit: Das Varian Fry Quartett gab sein erstes öffentliches Konzert bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, wo es zuletzt Ende März 2016 zu erleben war. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gastierte das Ensemble zuletzt im Februar dieses Jahres im Rahmen zweier Philharmonischer Salons, die der Musik in London um 1800 gewidmet waren.

Philipp Bohnen wurde mit neun Jahren Schüler von Vesselin Paraschkevov, der ihn drei Jahre später als Jungstudenten an der Folkwang Hochschule in Essen annahm. 1999 wechselte er an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, wo Stephan Picard und Antje Weithaas seine Lehrer waren. Nach dem Diplom (2006) begann er ein Aufbaustudium zum Konzertexamen und wurde Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Im Januar 2008 nahm ihn das Orchester in die Gruppe der Zweiten Violinen auf. Seit 1995 konzertiert er auch regelmäßig als Solist und Kammermusiker. Philipp Bohnen, der lange Zeit auf einer Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1756 musizierte, spielt heute eine Violine von Stephan von Baehr (Paris 2009).

Marlene Ito studierte bei Goetz Richter am Konservatorium in Sydney, siedelte 2003 nach Deutschland über und setzte ihre Ausbildung an der Musikhochschule Lübeck sowie der UdK Berlin bei Nora Chastain fort. Noch während des Studiums wurde Marlene Ito Stipendiatin der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Außerdem besuchte sie Meisterkurse bei Pinchas Zukerman, Zakhar Bron, Walter Levin und beim Artemis Quartett. Erste Orchestererfahrung sammelte die Geigerin als Praktikantin bzw. als Aushilfe im Sydney Symphony Orchestra und in führenden deutschen Symphonieorchestern. 2009 wurde Marlene Ito Zweite Konzertmeisterin im Orchester der Komischen Oper Berlin, Ende August 2011 wechselte sie in die Gruppe der Zweiten Violinen bei den Berliner Philharmonikern.

Martin von der Nahmer stammt aus Wuppertal, wechselte mit elf Jahren von der Violine zur Bratsche und war zunächst Schüler von Konrad Grahe an der Essener Folkwang Hochschule. 1995 gewann er den Ersten Preis beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« in der Wertung »Viola solo«.1998 gastierte der Bratscher als Solist bei der Philharmonia Hungarica, 1999 begleitete er mit Bartóks Violakonzert das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen auf eine Tournee. Im Jahr 2000 wurde er in Köln mit dem Förderstipendium für Nachwuchssolisten ausgezeichnet. Zwischen 1999 und 2004 absolvierte Martin von der Nahmer ein Studium bei Hartmut Rohde an der Universität der Künste in Berlin; seit Mai 2004 ist er Mitglied der Bratschengruppe bei den Berliner Philharmonikern.

Rachel Helleur erhielt im Alter von sechs Jahren den ersten Violoncellounterricht. Später besuchte sie in London die Purcell School of Music und die Royal Academy of Music, bevor sie 2001 ein Austauschsemester an die amerikanische Eastman School of Music führte. 2004 kam die Cellistin nach Berlin, wo sie zunächst an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« bei Troels Svane und dann an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker bei Olaf Maninger studierte. Als Aushilfe spielte Rachel Helleur in Orchestern wie dem Philharmonia, dem London Philharmonic und dem London Symphony Orchestra sowie in den Symphonieorchestern des Bayerischen und des Norddeutschen Rundfunks; solistisch trat sie mit verschiedenen Orchestern und Ensembles auf. 2007 bekam Rachel Helleur ihre erste Fest-anstellung als Solocellistin im Orchester der Deutschen Oper Berlin, zwei Jahre später wechselte sie zu den Berliner Philharmonikern.

Andreas Ottensamer, in Wien geboren, begann 1999 ein Cellostudium an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst, 2003 wechselte er ins Klarinettenfach zu Johann Hindler. 2006 spielte Andreas Ottensamer als Substitut im Orchester der Wiener Staatsoper. Er war Mitglied im Gustav Mahler Jugendorchester und im Verbier Festival Orchestra. Im Oktober 2009 unterbrach er ein »Liberal Arts«-Studium an der Harvard University, um der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker beizutreten. Von Juli 2010 an war Andreas Ottensamer zunächst Soloklarinettist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, bevor er Anfang März des folgenden Jahres die gleiche Position bei den Berliner Philharmonikern übernahm. Der Preisträger zahlreicher Wettbewerbe gastiert bei Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Rotterdams Philharmonisch Orkest, der Kammerphilharmonie Bremen und der Kammerakademie Potsdam. 2005 gründete Andreas Ottensamer mit seinem Vater Ernst und dem Bruder Daniel (beide sind Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker) das Klarinettentrio The Clarinotts, dem auch bereits einige zeitgenössische Komponisten Werke gewidmet haben. Hinzu kommen künstlerische Partnerschaften mit Leonidas Kavakos, Janine Jansen, Murray Perahia, Leif Ove Andsnes, Sol Gabetta und Yo-Yo Ma. Seit Februar 2013 ist Andreas Ottensamer Exklusiv-Künstler bei der Deutschen Grammophon. Für sein zweites Album Brahms: The Hungarian Connection erhielt er 2015 den »Echo Klassik«-Preis und wurde als Instrumentalist des Jahres ausgezeichnet. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war Andreas Ottensamer solistisch zuletzt im Rahmen einer Orgelmatinee mit Nathan Laube Ende Januar 2015 zu erleben. Einen Höhepunkt dieser Saison bildet das Europakonzert der Berliner Philharmoniker Ende April 2017, in dem der Musiker den Solopart von Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 übernehmen wird. Andreas Ottensamer ist gemeinsam mit dem Pianisten José Gallardo künstlerischer Leiter des Schweizer Bürgenstock Festivals.

Andreas Ottensamer (Foto: Monika Ritterhaus)

Varian Fry Quartett (Foto: promo)