Kammermusik

Die 14 Berliner Flötisten – The Best of 20 Years

Die 14 Berliner Flötisten feiern als Ensemble ihren 20. Geburtstag – mit einem Jubiläumskonzert, dessen Programm aus den erfolgreichsten Stücken ihres Repertoires besteht: Bearbeitungen bekannter Werke, die in dem speziellen, unverwechselbaren Sound der Formation erklingen, sowie Originalwerke, die im Laufe der Zeit für die 14 Flötisten entstanden sind. Das Konzert moderiert Klaus Wallendorf, ehemaliger Hornist der Berliner Philharmoniker.

Die 14 Berliner Flötisten

Andreas Blau Leitung

Klaus Wallendorf Moderation

Jubiläumskonzert: The Best of 20 Years

Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Georges Bizet, Flint Juventino Beppe, Siegfried Matthus, Werner Thärichen, Felix Mendelssohn Bartholdy, Antonín Dvořák, Nikolaj Rimsky-Korsakow, Richard Eilenberg und Joachim Schmeißer

Termine und Karten

Programm

1996 präsentierte sich ein ungewöhnliches Ensemble erstmals im Kammermusiksaal der Philharmonie: Die 14 Berliner Flötisten. Das Konzert stand unter dem Motto »Ein grenzenloses Flötenvergnügen« und sein Titel war absichtlich doppelsinnig gewählt worden: Er verwies nicht nur auf die uneingeschränkte Musizierfreude der Instrumentalisten, sondern auch auf die Tatsache, dass wenige Jahre nach der Wiedervereinigung Musiker aus Ost- und West-Berlin zusammenarbeiten konnten, ohne durch eine Grenze daran gehindert zu werden.

Die Idee dazu hatte Andreas Blau, damals Soloflötist der Berliner Philharmoniker. Um eine Formation zusammenstellen zu können, in der das gesamte Klangspektrum von der Piccoloflöte über die große Flöte und die Altflöte bis hin zu den Kontrabass- und Subkontrabassflöten vertreten sein würde, brauchte er außer sämtlichen philharmonischen Flötisten auch Kollegen aus den anderen Berliner Orchestern: der Staatskapelle, dem Deutschen Symphonie-Orchester, den Orchestern der Deutschen und der Komischen Oper sowie dem Rundfunk-Sinfonieorchester.

Schon bei der ersten Probe zeigte sich, dass die Musiker miteinander harmonierten und eine Menge Spaß hatten. Daran hat sich in den 20 Jahren, die die Flötisten nun schon zusammen auftreten, nichts geändert. Das Programm dieses Jubiläumskonzerts besteht aus den erfolgreichsten Stücken ihres Repertoires: Bearbeitungen bekannter Werke, die in dem speziellen, unverwechselbaren Sound des Ensembles erklingen, sowie Originalwerke, die im Laufe der Zeit für die 14 Flötisten entstanden sind. Das Konzert moderiert Klaus Wallendorf, ehemaliger Hornist der Berliner Philharmoniker.

Über die Musik

Die 14 Nothelfer gegen fantasielose Instrumentalbesetzungen

20 Jahre 14 Berliner Flötisten

Auf dem Weg zu einem Konzert in Bamberg kam ich im vergangenen Sommer an der barocken Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen vorbei, nahm mir Zeit für eine neuerliche Besichtigung und dachte beim Durchstreifen des erhabenen Bauwerks: Das wäre doch mal ein geeigneter Rahmen für die anstehende Jubiläumsfeier der 14 Berliner Flötisten; diese Würde, diese ehrfurchtgebietende Ausstrahlung und dieser angenehm zufällige numerische Bezug zwischen den 14 Nothelfern, denen die Kirche gewidmet ist, und unserem inzwischen von einer stetig anwachsenden Verehrergemeinde heiliggesprochenen Hauptstadt-Flötenensemble. Wir sollten zum 25-Jährigen darauf zurückkommen! – Für heute dürfen wir als Austragungsort der Feierlichkeiten mit dem Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie vorliebnehmen, dem Saal, in dem die Erfolgsgeschichte der 14 Berliner Flötisten ihren Anfang nahm.

Die Dienstpläne von 14 Flötisten aus sechs Orchestern mit dem Probenbedarf eines neu gegründeten Ensembles abzustimmen, stellte von Anfang an eine organisatorische Herausforderung dar, deren Bewältigung den Aufbau eines hauptamtlichen Planungsstabs gerechtfertigt hätte. Die Herkunft der Mitgliederzahl 14 wiederum erklärt sich dadurch, dass 11 Mitspieler den Gründern zu wenig schienen, die 12 von den Cellisten besetzt und die 13 als Unglückszahl in Verruf war. Die Zahl 14 hingegen hat im Märchen- und Ziffernwesen den fabelhaften Namen, der schon aus der märchenhaften Anrufung in Humperdincks Hänsel und Gretel hervorgeht: Den Abendsegen – »Abends, will ich schlafen gehʼn, vierzehn Engel um mich stehʼn.« – gibt es auch in Christiane Hupkas Fassung für die 14 Berliner Flötisten.

Die 14 Nothelfer heißen übrigens Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus. Ihnen stehen – bei abweichender Aufgabenverteilung – im realen Musikleben die Virtuosen Andreas, Christiane, Egor, Frauke, Hiko, Jochen, Klaus, Kornelia, Magdalena, Robert, Rudolf, Thomas, Ulf-Dieter und Wolfgang gegenüber – soweit im Halbkreis möglich. Sie alle gelten in Musikerkreisen mittlerweile als die 14 Nothelfer gegen fantasielose Instrumentalbesetzungen.

An dieser Stelle möchte das Ensemble aus Dankbarkeit und Zuneigung jene Mitwirkenden genannt wissen, die das Ensemble seit seiner Entstehung mitgeprägt, aber inzwischen verlassen haben, nämlich, Wolfgang Dünschede, Hans Krug, Peter Seifert, Beate-Gabriela Schmitt und Werner Tast, der auch für eine stattliche Anzahl meisterhafter Übertragungen von Werken auf die ungewöhnliche Besetzung verantwortlich ist. Ein weiterer Dank gilt den getreuen Bearbeitern und Komponisten, die zum Repertoire der Jubilare kostbare Hörvorräte für zahllose Konzerte und CDs beigesteuert haben. Es sind dies Christiane Hupka, Wolfgang Köhler, Andreas Mazur, Joachim Schmeißer, Peter Seifert, Werner Tast als Arrangeure, Flint Juventino Beppe, Sergio Cárdenas, Andrea Csollány, Siegfried Matthus, Isao Matsushita, Julio Medaglia, Gotthard Odermatt und Werner Thärichen, als Komponisten.

Und ebenso möchten wir Andreas Blau, den Initiator, Leiter, Impulsgeber und Primus inter Pares der Glorreichen Vierzehn, mit der gebührenden Leuchtkraft am Firmament des kosmischen Flötenwesens hervorscheinen lassen, denn für ihn fällt das diesjährige Jubiläum mit dem Ende seiner glanzvollen Laufbahn als Soloflötist der Berliner Philharmoniker zusammen und eröffnet gleichzeitig tröstliche Ausblicke auf noch möglichst viele Jahre gemeinsamer konzertanter Öffentlichkeitsarbeit im Kreise der Vierzehn Heiligen.

Deren oft geübter Blick ins Publikum führte zu der Erkenntnis, dass das visuelle Interesse eher auf die raumgreifenden Bassinstrumente gerichtet ist als auf die optisch schon vertrauteren, handelsüblichen Flöten. Tatsächlich wirken die Bass-, besonders aber die Kontrabass- und Subkontrabassflöte wie ungefüge Verbindungsröhren, die von einer Raumstation abgebrochen sind. Das Anblasen dieser Ungetüme gleicht dem Versuch, einem Warmwasserboiler Leben einzuhauchen. Im Erfolgsfalle entweichen den raffinerieartigen Windungen Töne knapp diesseits des Wahrnehmungsspektrums. Aufs die Klavier übertragen, liegen die Töne am äußersten linken Ende der Tastatur, dort, wo die Reinigungskraft meist schon nicht mehr wischt. Die berühmten »Gesänge der Buckelwale« weisen ähnliche Frequenzen des Tiefgangs auf. Am oberen Ende der Skala quinquillieren hingegen die Piccoloflöten, die man bequem in der Innentasche des Tourneefracks verstauen kann. Ihre Spitzentöne erreichen die Frequenzen zu stark aufgedrehter Hörgeräte und können auch zur Dressur von Fledermäusen herangezogen werden, die bekanntlich in Hörbereichen jenseits der 100 Kilohertz operieren.

Auf Websites wie www.flutekids.de, www.flutepage.de, www.fluteshop.de (die Website von Hiko Iizuka) oder www.floete.net kann sich der interessierte Musikfreund über die Entwicklungsgeschichte eines Instruments informieren, mit dessen pfiffigen Obertönen sich schon unsere Urahnen die Steinzeit vertrieben. Dank der heutigen technischen Ausstattung und seiner Beweglichkeit in allen Registern ist das Ensemble für jede Art von Repertoire und damit auch für unser heutiges Abendprogramm gerüstet, das als »Promenadenmischung« im besten Sinne des Wortes die gesamte Spannbreite eines in 20 Jahren erarbeiteten Spektrums umfasst.

Wir wünschen uns und den 14 Berliner Flötisten den verdienten Ansturm weiterer Komponisten, Arrangeure, Konzertveranstalter und Festspielintendanten, die sich an den chronisch feiernswerten Flötentönen nicht satthören können.

Klaus Wallendorf

Biografie

Sie sind eines der ausgefallensten Ensembles der Klassikwelt: das 1996 von Andreas Blau, dem damaligen Soloflötisten der Berliner Philharmoniker, gegründete Ensemble der 14 Berliner Flötisten! Eine Formation, die seit ihrem Konzert-Debüt vor 20 Jahren im Kammermusiksaal der Philharmonie nach wie vor einzigartig ist. Dabei widmen sich die Musikerinnen und Musiker der großen Berliner Symphonie- und Opernorchester jenem Instrument, dem Mozart gemeinsam mit seinem Librettisten Schikaneder das wohl größte Kompliment machte: »Wie stark ist nicht dein Zauberton, weil, holde Flöte, durch dein Spielen selbst wilde Tiere Freude fühlen« (Die Zauberflöte). Tatsächlich fasziniert die Flöte durch einen ebenso sanften wie nuancenreichen und brillanten Ton, wobei alle Mitglieder der Instrumentenfamilie zum Ensemble vereint über eine reiche Palette von Klangfarben verfügen – innerhalb eines Spektrums von nicht weniger als sieben Oktaven! Neben der winzigen Piccoloflöte gibt es nämlich auch große Flöte und Altflöte sowie Kontrabass- und Subkontrabassflöte, letztere ein vierfach gebogenes Ungetüm, das von einem Menschen allein kaum zu transportieren ist.

Wie abwechslungsreich ein aus den unterschiedlichsten Flöten bestehendes Ensemble sein kann, haben die 14 Berliner Flötisten bereits bei zahlreichen Auftritten bewiesen. Die Musiker gastierten u. a. bei den Ludwigsburger Festspielen, beim Kissinger Sommer, im Rheingau und beim Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg -Vorpommern und den Brandenburgischen Sommerkonzerten sowie in der Kölner Philharmonie. Mangels Originalliteratur für diese Besetzung erklingen in ihren Konzerten hauptsächlich Bearbeitungen von Werken aus allen Epochen. Dabei betätigen sich auch Mitglieder des Ensembles – aktive und ehemalige – als Arrangeure. Inzwischen liegen aber auch zeitgenössische Kompositionen vor, die speziell für das Ensemble entstanden. Mehrere CDs – die sechste erscheint dieser Tage – belegen die breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten und die Virtuosität des in dieser Art weltweit einmaligen Flötenensembles. Sein 20-jähriges Bestehen feiert das Ensemble in diesem Konzert mit einem kurzweiligen Programm, das sich den erfolgreichsten Stücken seines Repertoires zusammensetzt.

Klaus Wallendorf war von 1980 bis zu seiner Verabschiedung 2016 Hornist der Berliner Philharmoniker. Zuvor spielte er u. a. im Orchester der Deutschen Oper, war Solohornist des Orchestre de la Suisse Romande und des Bayerischen Staatsorchesters. Außerdem musizierte Klaus Wallendorf mehrere Jahrzehnte im Consortium Classicum. Seit 1985 Ensemblemitglied des diesjährigen Echo-Klassik-Preisträgers German Brass, bestimmt er dessen Konzertauftritte als Hornist und Conférencier wesentlich mit. Außerdem betreut er die Berliner Philharmoniker und einige ihrer Kammermusikensembles als »Poeta laureatus und halboffizieller Entertainer«. In dieser Funktion kann man ihn auch als Kabarettist im Ensemble »Lachmusik« erleben. Er ist Autor des Buches Immer Ärger mit dem Cello (2012).

(c) Sebastian Rosenberg