Kammermusik

Venice Baroque Orchestra: Viva Vivaldi!

Heute gilt Antonio Vivaldi als bedeutendster Vertreter des barocken Solokonzerts. Zu Lebzeiten des Komponisten steckte die Gattung allerdings noch in den Kinderschuhen. Vivaldi konnte auf keine Tradition zurückblicken; seine Konzerte besitzen ausnahmslos experimentellen Charakter. Das für ihre Vivaldi-CD 2015 mit dem »Echo Klassik« ausgezeichnete Venice Baroque Orchestra und der charismatische Geiger Giuliano Carmignola präsentieren neben Werken von Zeitgenossen vier von Vivaldis schönsten Violinkonzerten.

Venice Baroque Orchestra

Giuliano Carmignola Violine

Francesco Geminiani

Concerto grosso Nr. 12 d-Moll für Streicher und Basso continuo »La Follia«

Benedetto Marcello

Sinfonia G-Dur für Streicher und Basso continuo

Antonio Vivaldi

Concerto e-Moll für Violine, Streicher und Basso continuo RV 281

Antonio Vivaldi

Concerto a-Moll für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo RV 523

Antonio Vivaldi

Concerto C-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 187

Antonio Vivaldi

Concerto F-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 283

Antonio Vivaldi

Concerto D-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 232

Termine und Karten

Programm

Antonio Vivaldi habe »500 mal dasselbe Konzert geschrieben«, lästerte Igor Strawinsky einmal. Sollte es dem venezianischen Barockkomponisten tatsächlich an musikalischem Einfallsreichtum gefehlt haben? Keineswegs! Dass Vivaldi in der Tat rund 500 Instrumentalkonzerte schuf, ist an sich schon eine erstaunliche Leistung – zumal wenn man bedenkt, dass der Komponist selbstverständlich auch Musik für andere Besetzungen schrieb, darunter Sonaten, geistliche Chorwerke und etwa 50 (!) Opern. Doch nicht allein quantitativ gebietet Vivaldis kompositorisches Œuvre Vorsicht vor einer vorschnellen Bewertung. Auch die Tatsache, dass der Komponist in einer Zeit lebte, in welcher die Musik mannigfaltigen ästhetischen und kompositionstechnischen Veränderungen unterzogen wurde, muss in Betracht gezogen werden. Die Gattung des Solokonzertes etwa, für die er sich so nachhaltig einsetzte, steckte seinerzeit noch in den Kinderschuhen.

Im Grunde war es Vivaldi, der sich zusammen mit anderen italienischen Komponisten seiner Generation um die »Erfindung« sowie die erste formale und satztechnische Konsolidierung des Solokonzertes verdient machte. Vivaldis Beiträge zu dieser Gattung können daher auf keine Tradition zurückblicken; sie besitzen ausnahmslos experimentellen Charakter. Das für ihre Vivaldi-CD 2015 mit dem »Echo Klassik« ausgezeichnete Venice Baroque Orchestra und der charismatische Geiger Giuliano Carmignola stellen neben Werken von Zeitgenossen Vivaldis vier seiner schönsten Violinkonzerte zu Diskussion. Dass ein jedes von ihnen auf seine Art »perfekt« ist, hatte schon Strawinsky neidlos zugeben müssen ...

Über die Musik

»Ordnung, Zusammenhang und Verhältniß«

Venezianische Concerti

Ach ja, Vivaldi. Wie schön. Die Vier Jahreszeiten – heute nicht? Schade … Obwohl die anderen Concerti des Venezianers ja auch sehr schön sind – eines so schön wie das andere. Und so viele! »Vivaldi wird sehr überschätzt«, lästerte Igor Strawinsky, »ein langweiliger Mensch, der ein und dasselbe Konzert sechshundertmal hintereinander komponieren konnte.«

Tatsächlich sind es »nur« knapp 400: rund 250 für Violine und 28 für zwei Violinen, 18 für Traversflöte, drei für Blockflöte, drei für Flautino und eines für zwei Traversflöten; acht Concerti mit konzertierender Orgel; 20 für Oboe und drei für zwei Oboen; 39 für Fagott; 26 für Violoncello und eines für zwei Celli; sieben für Viola d’amore; eines für Mandoline und eines für zwei Mandolinen. Hinzu kommen rund vier Dutzend Concerti grossi oder Concerti a molti stromentiin unterschiedlichsten Besetzungen und zwei Dutzend Concerti da camera. (Zwischenfrage: Wie viele davon wird Strawinsky gekannt haben – sechs oder acht? Ein oder – großzügig geschätzt – zwei Dutzend vielleicht …?)

Antonio Vivaldi: Violinkonzerte für das beste Orchester Venedigs

Die meisten von ihnen entstanden für das Pio Ospedale della Pietà – ein Mädchen-Waisenhaus und Konservatorium, an dem Vivaldi seit September 1703 tätig war und das bis 1740 Haupt-Wirkungsstätte des Prete rossobleiben sollte. Zu seinen Aufgaben gehörte es, »die Mädchen in der Komposition zu unterrichten und für die Aufführung der [in der Regel einmal pro Woche stattfindenden] Concerti Sorge zu tragen«, wie es 1705 im Vertrag für seine Anstellung als maestro de concerti heißt. Das Orchester der Pietà galt damals als das beste Venedigs; die ospe[d]aliere, so berichtet der französische Diplomat Charles de Brosses, »spielen Violine, Flöte, Orgel, Oboe, Violoncello, Fagott – kurz: kein Instrument ist so groß, dass es ihnen Angst machen würde«. Und mit schneller und leichter Hand komponierte Vivaldi für seine Schülerinnen ein Concerto nach dem anderen. Er rühmte sich, ein solches »mit sämtlichen Stimmen schneller zu komponieren, als ein Kopist es abschreiben könne«, so noch einmal de Brosses, der dem phänomenalen Künstler 1739 in Venedig begegnete. Und die Partitur seiner Oper Tito Manlio RV 738 signierte er 1719 Musica Del Vivaldi fatta in 5 giorni: fünf Tage für rund 370 Partiturseiten! Dabei verstand er es meisterhaft, innerhalb der fest gefügten Form sein Publikum immer wieder zu überraschen.

Er selbst war es gewesen, der diese fest gefügte Form in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts maßgeblich geprägt, wenn nicht sogar »erfunden« hatte: Das Solokonzert (Concerto) mit einer Begleitung von Streichern und Basso continuo, drei Sätzen in der Abfolge schnell – langsam – schnell und einem Wechsel zwischen Solo- und Tutti- oder Ripieno-Abschnitten. Als er diese Form erstmals außerhalb Venedigs der Musikwelt vorstellte, war Vivaldi 33 Jahre alt: 1711 veröffentlichte der Amsterdamer Verleger Estienne Roger sein Opus III L’Estro Armonico (Die harmonische Eingebung).

Francesco Geminiani: das Concerto grosso La Follia

Diesen Druck dürfte Vivaldi von langer Hand und sorgfältig geplant haben. Seine ersten beiden gedruckten Opera – zwölf Triosonaten für zwei Violinen und Basso continuo Opus I und zwölf Sonaten für Violine und Basso continuo Opus II – waren 1705 bzw. 1709 noch bei zwei venezianischen Verlegern erschienen, Giuseppe Sala und Giovanni Antonio Bortoli. Die beiden Sammlungen hatten Vivaldis Rang als Geiger und Komponist zunächst einmal lokal etabliert und standen noch spürbar im Schatten des großen Vorbilds Arcangelo Corelli. Wie dessen zwölf Violinsonaten Opus V (1700) schließt auch Vivaldis Opus I mit einer Variationsfolge über La fol[l]ia – jenes mutmaßlich aus Portugal stammende Thema, das seit dem 16. Jahrhundert zu den meistbearbeiteten und -variierten Modellen der europäischen Musik gehörte und das vor allem in der Version Corellis ungemein populär war. Auch der aus Lucca stammende, seit 1714 in London und zuletzt in Dublin tätige Geiger und Komponist Francesco Geminiani trug dieser Popularität Rechnung, als er 1726/1727 alle zwölf Sonaten aus Corellis Opus V zu Concerti grossi umarbeitete.

Der (gleichfalls von Corelli etablierten) Form des Concerto grosso – ein Concertino mehrerer Soloinstrumente steht dem Ripieno der vollen Streicherbesetzung gegenüber – folgen auch acht der zwölf Werke von Vivaldis Estro armonico mit zwei, drei, vier oder sogar fünf Solostreichern als Concertino. Jedes dritte aber – die Nummern 3, 6, 9 und 12 der Sammlung – ist ein Concerto für Solovioline. Wobei die Musikforschung für mehrere der Concerti eine Entstehungszeit um 1705 annimmt – eine deutlich frühere mithin als für die sechs (1709 edierten) Concerti Opus VIII des gebürtigen Veronesen Giuseppe Torelli, der neben Vivaldi immer wieder als »Erfinder« der Gattung genannt wird.

Mit dem Wechsel zu Estienne Roger – einem der renommiertesten Musikverleger seiner Zeit – hatte Vivaldi einen Vorstoß auf die europäische Ebene nördlich der Alpen unternommen. Und die Tatsache, dass Roger etwa zeitgleich mit dem brandaktuellen Opus III auch die Sonaten Opus II in einer neuen Edition herausbrachte, zeigt, dass es beiden – dem Komponisten und dem Verleger – darum zu tun war, sich hier unübersehbar und nachhaltig zu präsentieren. Dennoch dürften sie kaum geahnt haben, welch großes Echo die Sammlung finden würde. Tatsächlich wurde L’Estro Armonico in ganz Europa so begeistert und begierig aufgenommen, dass bis 1723 allein in Amsterdam vier Nachdrucke aufgelegt wurden. Der Londoner Verleger John Walsh brachte Vivaldi’s most Celebrated Concertos in zwei Teilen 1715 und 1717 als Raubdruck auf den Markt, der in den nächsten 20 Jahren sieben Neuauflagen erlebte, und ein Pariser Raubdruck von Charles Nicolas Le Clerc wurde bis 1751 immerhin fünf Mal reediert.

Zahllose Komponisten nahmen sich den Estro armonico zum Vorbild – nicht zuletzt Johann Sebastian Bach, wie 1802 sein Biograf Nikolaus Forkel schreibt: »Er [Bach] fing bald an zu fühlen, daß es mit dem ewigen Laufen und Springen nicht ausgerichtet sey, daß Ordnung, Zusammenhang und Verhältniß in die Gedanken gebracht werden müsse, und daß man zur Erreichung solcher Zwecke irgend eine Art von Anleitung bedürfe. Als eine solche Anleitung dienten ihm die damahls neu herausgekommenen Violinconcerte von Vivaldi. Er hörte sie so häufig als vortreffliche Musikstücke rühmen, daß er dadurch auf den glücklichen Einfall kam, sie sämmtlich für sein Clavier einzurichten.« Nun, »sämtlich« zwar nicht; aber immerhin hat Bach doch zehn Concerti Vivaldis bearbeitet, darunter sechs aus L’Estro Armonico. Und noch 1776 beschreibt John Hawkins in seiner General History of the Science and Practice of Music die faszinierende Wirkung, die von den Concerti des Venezianers ausging: »Das Besondere an der Musik Vivaldis […] ist ihre Wildheit und Ungezwungenheit; und manchmal scheint es fast, als habe er genau das erreichen wollen; einige seiner Kompositionen sind ausdrücklich als ›Extravaganzen‹ bezeichnet, und sie sind es auch tatsächlich in ihrer Melodik und Modulation.«

Jedenfalls hatte L’Estro Armonico Vivaldi in ganz Europa berühmt gemacht, und man riss sich förmlich um seine Musik. Dabei war er klug und geschäftstüchtig genug, sich mit der nächsten gedruckten Sammlung einige Jahre Zeit zu lassen. Es war für ihn sehr viel lukrativer, wenn er seine »expresse componirten« Werke einzeln verkaufte; für jedes neue Concerto erhielt Vivaldi in der Regel eine Guinee, was etwa der Hälfte seines Monatsgehalts am »Ospedale della Pietà« entsprach. So veröffentlichte Estienne Roger als Opus IV erst 1715 eine Sammlung mit 12 Concerti für Violine, deren (von Hawkins angesprochene) Titel La Stravaganza – »die Extravaganz« – das Selbstbewusstsein des Komponisten widerspiegeln mag, etwas Unerhörtes, noch nie Dagewesenes geschaffen zu haben. Und auch der Titel der zehn Jahre später erschienenen Sammlung Opus VIII, die mit den vier Jahreszeiten-Concerti beginnt, reflektiert sowohl die Neuartigkeit als auch die Kühnheit dieser Musik: Il Cimento dell’Armonia e dell’Inventione, »Das Wagnis der Harmonie und der Erfindung«. (Dabei machen die Opuszahl-Sammlungen Vivaldis nur einen Bruchteil seines Schaffens aus: Von den gut 250 Concerti für Violine solo, die der Däne Peter Ryom in seinem Werkverzeichnis Vivaldis auflistet, sind zu Lebzeiten gerade einmal 65 gedruckt worden.)

Benedetto Marcello: zwischen Neid und Anerkennung

Der Ruhm Vivaldis rief natürlich gerade in Venedig auch Neider auf den Plan – den acht Jahre jüngeren Benedetto Marcello zum Beispiel: Aristokrat, Dichter, Jurist und Komponist, der als nobile Veneto dilettante di contrappunto stolz darauf war, die Musik nur als »Liebhaber« (dilettante) betreiben zu können und mit ihr nicht seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Marcellos Familie gehörte auch das Teatro Sant‘Angelo, das Vivaldi – neben seiner Tätigkeit am »Ospedale della Pietà« – jahrelang als Impresario leitete, und immer wieder kam es zwischen ihm und den Eignern zu Streit. Benedetto reagierte darauf im Dezember 1720 mit einer (anonym veröffentlichten) Satire Il teatro alla moda, in der er über den berühmten Konkurrenten herzog. Dabei bezog sich sein Spott notabene auf den Opern-Komponisten und Impresario Vivaldi – dessen Sonaten und Concerti hätte Marcello kaum kritisieren können, ohne sich dabei selbst zu treffen: Seine eigenen Beiträge zu diesen Gattungen sind getreu den Vorbildern Vivaldis nachempfunden und –gestaltet.

Der heutige Ruhm Vivaldis stützt sich vor allem auf die Concerti des Estro armonico und die vier Jahreszeiten-Concerti – Werke also, die etwa zwischen 1705 und 1720 entstanden sein dürften. Darüber könnte man leicht vergessen, dass Vivaldi sich stetig weiter entwickelt hat, als Geiger wie als Komponist. Die relativ unbekannten Concerti des heutigen Abends stammen allesamt aus späteren Jahren (zwischen etwa und zeigen Besonderheiten, die sich deutlich vom Stil seiner früheren Arbeiten unterscheiden: Der ungewöhnliche triolische ¾-Takt im Kopfsatz von RV 283 zum Beispiel. Das gleichzeitige pianissimo der hohen Violinen und eines forte molto der Bässe im Kopfsatz von RV 281. Die Asymmetrien in RV 187 oder die Spiccato- und Staccato-Effekte in RV 283 und 232. Die Themen sind durchweg weiter ausgeführt, zugleich aber oft fast amorph, hoch dramatisch zugespitzt und unvorhersehbar in ihren Fortspinnungen und Entwicklungen. Auch die schroffen dynamischen Kontraste, die plötzlichen Pausen, die überraschenden Harmoniewechsel (etwa im Kopfsatz von RV 187) und die satztechnische Raffinesse von Kanon- und Echo-Effekten zeigen, wie wenig Strawinskys süffisantes Bonmot zutrifft. Je länger Vivaldi am »Ospedale della Pietà« wirkte, desto größer dürfte der Druck geworden sein, Woche um Woche etwas Neues zu liefern – sowohl für sein Publikum als auch für seine ospe[d]aliere, deren prominenteste zumindest ihrem Vornamen nach bekannt sind. Auf der Viola-Stimme des Concertos für zwei Violinen RV 523 zum Beispiel findet sich der Hinweis »Alto Violetta«, und die Solokadenz zu RV 283 stammt aus einer Sammlung jener »Anna Maria [del violino]«, die wohl – gemessen an der Vielzahl von Concerti, die ihren Namen tragen – eine Lieblings-Schülerin Vivaldis war.

»Harmonische Eingebung«, »Extravaganz«, »Das Wagnis der Erfindung«: Vivaldi musste seine stravaganza immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen, wollte er nicht von Jüngeren verdrängt werden. Dass es ihm tatsächlich über fast vier Jahrzehnte gelang, mehr oder weniger unangefochten seine Stellung als »Maestrissimo« Venedigs zu behaupten, grenzt an ein Wunder in einer Zeit und in einer Stadt, in der alles alla moda ging.

Michael Stegemann

Biografie

Der in Treviso geborene Geiger Giuliano Carmignola studierte zunächst bei seinem Vater, später bei Luigi Ferro in Venedig, Nathan Milstein und Franco Gulli an der Accademia Chigiana in Siena sowie bei Henryk Szeryng am Genfer Konservatorium. Von 1978 bis 1985 war Giuliano Carmignola Konzertmeister im Orchester des Teatro La Fenice. Als Solist trat der Geiger in den wichtigsten, internationalen Konzertsälen auf und arbeitete u. a. mit Claudio Abbado, Giovanni Antonini, Ivor Bolton, Frans Brüggen, Daniele Gatti und Christopher Hogwood zusammen. Er konzertierte mit Ensembles wie der Academy of Ancient Music, Accademia Bizantina, Concerto Köln, dem Orchestra Mozart oder dem Kammerorchester Basel. Seine Zusammenarbeit mit dem Venice Baroque Orchestra hat Carmignola zu einem führenden Vertreter auf der Barockgeige, insbesondere der italienischen Musik des 18. Jahrhunderts gemacht. Seine Einspielung der Violinkonzerte Johann Sebastian Bachs mit Concerto Köln wurde 2015 mit dem Diapason d’Or ausgezeichnet. Giuliano Carmignola engagiert sich außerdem seit Langem in der Lehre: So war er mehr als zehn Jahre am Konservatorium in Venedig tätig, außerdem unterrichtete er an der Accademia Musicale Chigiana; seit 1999 lehrt er an der Hochschule Luzern. Bei der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Giuliano Carmignola heute erstmals zu Gast.

Das 1997 von Andrea Marcon gegründete Venice Baroque Orchestra zählt zu einem der international führenden Ensembles, die sich auf die historisch informierte Aufführungspraxis spezialisiert haben. Das Orchester, das bei seinen Konzerten und Operaufführungen in den USA, Europa, Südamerika, Japan und Korea immer wieder für Begeisterung sorgt, hat sich der Wiederentdeckung von Meisterwerken des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben und beispielsweise Francesco Cavallis Oper L’Orione, Vivaldis Serenata Andromeda liberata, Benedetto Marcellos Oratorium Il trionfo della poesia e della musica und Boccherinis Zarzuela La Clementina erstmals wieder aufgeführt. Mit dem Teatro La Fenice in Venedig produzierte das Ensemble u. a. die Olimpiade-Vertonungen von Domenico Cimarosa und Baldassare Galuppi, mit der Brooklyn Academy of Music präsentierte es Händels Siroe zum ersten Mal in den USA. Das Venice Baroque Orchestra arbeitet mit renommierten Solisten wie Avi Avital, Gautier Capuçon, Magdalena Kožená, Patricia Petibon, Simone Kermes, Veronica Cangemi, Sara Mingardo und Andreas Scholl zusammen Für seine Aufnahmen wurde das Orchester beispielsweise mit dem Diaspason d’Or, dem Choc du Monde de la Musique, und dem Edison Award ausgezeichnet. Auf Einladung der Stiftung Berliner Philharmoniker gastierte das Venice Baroque Orchestra erstmals im Oktober 2013 – zusammen mit Philippe Jaroussky – mit Werken von Nicola Porpora u. a.

(Foto: Harald Hoffmann/DG)