Gustavo Dudamel dirigiert Dvořáks Symphonie »Aus der Neuen Welt«

Farbig, sehnsuchtsvoll, mit einem leicht exotischen Touch präsentiert sich Antonín Dvořáks in New York entstandene Neunte Symphonie – eine geniale Verschmelzung von amerikanischen Impressionen und symphonischer Musik. In einer spannenden Gegenüberstellung dirigiert Gustavo Dudamel außerdem John Adams’ City Noir. Auch hier gibt es eine faszinierende Stilmischung, diesmal zwischen klassischer Musik und dem Jazz der 1940er- und 50er-Jahre.

Berliner Philharmoniker

Gustavo Dudamel Dirigent

Timothy McAllister Saxofon

John Adams

City Noir für Orchester

Timothy McAllister Saxofon

Antonín Dvořák

Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95 »Aus der Neuen Welt«

Termine und Karten

Verkaufshinweise

Do, 08. Jun. 2017 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie G

Sa, 10. Jun. 2017 19 Uhr

Philharmonie | Einführung: 18:00 Uhr

Aboserie K

Programm

Darauf, dass John Adams’ dreisätziges Orchesterwerk City Noir vom Film noir inspiriert ist, verweist bereits der Titel: Die Idee zu dem Stück kam dem Komponisten, »während der Lektüre von Kevin Starrs mehrbändiger Sozial- und Kulturgeschichte von Kalifornien. Im Kapitel ›Black Dahlia‹ seines Buchs Embattled Dreams: California in War and Peace, 1940 – 1950 beschreibt Starr die Stimmung und das Milieu der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren, wie sie im Sensationsjournalismus jener Zeit und in den düsteren, unheimlichen Schwarz-Weiß-Filmen Hollywoods Ausdruck fanden. Dies inspirierte mich zu einem Orchesterwerk, das, obwohl nicht zwangsläufig auf den Soundtrack jener Filme Bezug nehmend, eine ähnliche Stimmung und den Grundton der Ära heraufbeschwört.«

Dabei lässt City Noir, das nicht mehr viel mit Adams’ minimalistischen Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren gemein hat, zu Beginn eine Vielzahl von musikalischen Assoziationen entstehen, die von Strawinsky über Gershwin, Bernstein und Milhaud bis zu John Coltrane reichen, bevor nervöse Jazz-Rhythmen und sich wiederholende Patterns den Hörer tatsächlich ins Amerika jener Zeit versetzen – spätestens im zentralen Mittelsatz mit seiner typisch amerikanischen Stilmischung aus Klassik und Jazz, in dem sich die Musik, so Adams, »nach der archetypischen ›Blue Note‹ sehnt und zugleich davor zurückschreckt. Wenig später findet das Lied seine Entfaltung im Klang einer Soloposaune, ein ›sprechendes Solo‹ schließt sich an, in der Art der großen Duke-Ellington-Soloposaunisten Lawrence Brown oder Britt Woodman, die übrigens beide aus Los Angeles stammten.«

Gustavo Dudamel, der Adams’ Hommage an die große Zeit des Bebop im Rahmen seines Antrittskonzerts als Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic Orchestra mit großem Erfolg uraufgeführt hat, widmet sich dem Werk nun mit den Berliner Philharmonikern, bei denen er 2008 laut Tagesspiegel das »fetzigste« Debüt aller Zeiten ablegte. Anschließend steht Antonín Dvořáks Symphonie Aus der neuen Welt auf dem Programm – ein Werk, in dem der Komponist als Direktor des New Yorker National Conservatory of Music mit Hilfe stilisierter musikalischer Folklore erklärtermaßen versucht hat, »Charakteristika zu porträtieren, die deutlich amerikanisch sind«. Offenbar mit Erfolg, denn nach der triumphalen Premiere waren sich die Kritiker aller New Yorker Zeitungen einig: Sie hatten »eine Studie nationaler Musik« gehört. (New York Times) Heute dürfte allerdings niemand daran zweifeln, dass Dvořáks Meisterwerk fest in der böhmischen Musiktradition verwurzelt ist.

Über die Musik

Klangwelten von Los Angeles und New York

John Adams und Antonín Dvořák widmen sich Großstadt-Themen

In der Morgendämmerung zieht eine Dampflokomotive einen Schnellzug durch Felder und Vororte. In rasendem Tempo eilt sie vorbei an Häusern, Wohnblöcken und Fabriken, überquert Brücken und verlangsamt schließlich die Fahrt, um in den Anhalter Bahnhof einzulaufen. So beginnt Walter Ruttmanns Film Berlin – Die Sinfonie der Großstadt, der im September 1927 zum ersten Mal gezeigt wurde. Begleitet von der rhythmisch hämmernden Musik Edmund Meisels ist in dokumentarischen Aufnahmen ein Tag im Berlin der Weimarer Republik zu sehen. Der Rhythmus von Bildschnitt und Musik entspricht dem Pulsschlag der Stadt und ihrer arbeitenden Bevölkerung, die am Feierabend kurz zur Ruhe kommt, bevor das Nachtleben beginnt.

Auch unabhängig von bewegten Bildern haben viele Komponisten versucht, die Klangkulisse der modernen Großstadt einzufangen und wiederzugeben. Das Zentrum New Yorks mit seinen Wolkenkratzern, den Menschenmassen und dem Verkehrslärm hat Edgard Varèse zu seinem Orchesterwerk Ameriques inspiriert. Besonders interessierten ihn die Geräusche vom Hudson-River, »die einsamen Nebelhörner, die ganze wundervolle Fluss-Sinfonie, die mich mehr bewegte als irgendetwas jemals zuvor«. Diese für ihn ungewohnte Erfahrung übersetzte der Komponist in einen ganz neuartigen Orchesterklang, in dem umfangreiches Schlagzeug eine prominente Rolle spielt. Varèse hat dieses wegweisende Stück 1918 gleich nach seiner Ankunft in den USA begonnen. Ebenfalls auf New York bezog sich Leonard Bernstein 1957 in der West Side Story und sieben Jahre später Aaron Copland in seiner Music for a Great City, einer symphonischen Suite, die aus einer Filmpartitur hervorging. Während hier nervöse Jazzrhythmen und Blechbläserklänge dominierten, verwendete Steve Reich 1995 in City Life, seinem Klangporträt von New York, originales Tonmaterial wie Stimmen und Geräusche, die er mit Instrumentalklängen mischte.

Los Angeles bei Nacht – John Adams: City Noir

Den Sound von New York kennen wir mittlerweile. Wie aber klingt Los Angeles, diese in allen Richtungen von Highways durchzogene Metropole an der amerikanischen Westküste, die meist als ein Ort der Palmen, der Wärme und des Lichts geschildert wird? Als John Adams 2009 seine Komposition City Noir schuf, widmete er sich stattdessen den dunklen Seiten dieser Stadt, ihren leeren nächtlichen Straßen und den oft gewaltsamen Machenschaften, die dort geschehen. Er assoziierte Los Angeles mit den amerikanischen Kriminalfilmen der 1940er- und 1950er-Jahre, Thrillern wie Die Spur des Falken, Frau ohne Gewissen oder Tote schlafen fest mit Humphrey Bogart als Privatdetektiv Philipe Marlow. In den scharfen Hell-Dunkel-Gegensätzen und der Kameraführung wirkte hier der deutsche expressionistische Stummfilm nach, dessen Stilelemente deutsch-jüdische Emigranten wie Fritz Lang, Robert Siodmak oder Billy Wilder nach Hollywood transferiert hatten. Der französische Kritiker Nino Frank prägte für diese Produktionen, die in Deutschland als Schwarze Serie bekannt wurden, den Terminus Film noir.

Mit City Noir bezog sich John Adams auf diese Hollywood-Tradition sowie auf die Reihe der spezifisch amerikanischen jazzorientierten Orchesterwerke, die mit Gershwins Rhapsody in Blue begann. Seine eigene Komposition beschrieb er als eine dreiteilige Symphonie, aber auch als Partitur zu einem imaginären Film der Schwarzen Serie. Der erste Satz, The City and its Double, beginnt mit einem ruhelosen Brodeln über Kontrabass-Pizzicati, durchzuckt von harten Tutti-Schlägen. Wie bei einem Filmschnitt kehrt plötzlich über dem Ticken eines Jazzschlagzeugs gespannte Stille ein – Adams dachte dabei an eine leere Straße zu später Stunde. Herumirrende Figuren gesellen sich hinzu und Läufe, die den ganzen Tonraum durchqueren. Darüber erheben sich allmählich große melodische Linien. Partien, in denen aggressives Blech dominiert, weichen zarten Streicherklängen, bevor im vollen Orchester die nervös pulsierende Motorik des Anfangs wiederkehrt. Eine Melodie der Hörner und Celli wird von Schlägen der Blechbläser zerhackt und steigert sich zu einem wild-chaotischen Tutti, das schließlich in einen einzigen Ton einmündet. Es herrscht Ruhe, als verabschiede sich die große Stadt von ihren Angstträumen, um sich endlich Schlaf zu gönnen.

Im unmittelbar folgenden zweiten Satz, The Song is for You, hört man zunächst leise Klangflächen, bevor ein Altsaxofon eine melancholische Melodie anstimmt. Zu den Bluesanklängen hier und im streicherbegleiteten Posaunensolo ließ sich der Komponist von Stan Kenton und Duke Ellington inspirieren. Die Musik steigert sich zu lebhafter Bewegung und wird schließlich, angefeuert von harten Paukenschlägen, für kurze Zeit sogar brutal. Auch sie bündelt sich dann zu einem einzigen Ton und mündet in geheimnisvollen Streicherklang.

Im Finale (Boulevard Night) dachte John Adams an zwei jüngere Vertreter des Film noir: an Roman Polanski und David Lynch. Polanski hatte 1974 in Chinatown den Autoren Raymond Chandler und Dashiell Hammett folgend ein düsteres Bild der Unterwelt von Los Angeles gezeichnet. Die Handlung spielt 1937 im Chinesenviertel dieser kalifornischen Stadt, weshalb Jerry Goldsmith in seiner Filmmusik Stilelemente dieser Zeit aufgriff. Adams zitiert dessen Musik in dem ausdrucksvollen Trompetensolo, das aus den schimmernden Klangflächen des Anfangs hervorwächst. Die trügerische Ruhe verschwindet nach harten Paukenschlägen hinter einer maschinenhaften Bewegung à la Sacre du printemps. Ein Saxofonthema kehrt dabei mehrfach in veränderter Instrumentation wieder. Dem Komponisten zufolge sollte diese Musik »die etwas irritierende Wirkung eines sehr belebten Boulevards mit seltsamen Menschen haben, wie in einem David Lynch Film – mit Typen, wie sie nur sehr spät in sehr heißen Nächten diese Straße betreten«. Den Schluss beherrschen in einem dichten polyfonen Gewebe gehetzte Rhythmen, die an eine wilde Verfolgungsjagd denken lassen.

City Noir ist der letzte Teil einer orchestralen Trilogie, die John Adams der Landschaft und Kultur Kaliforniens widmete. Die Uraufführung fand am 8. Oktober 2009 in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles statt. Es war das festliche Antrittskonzert von Gustavo Dudamel, der damit 28-jährig als Nachfolger Esa-Pekka Salonens die Leitung des Los Angeles Philharmonic übernahm.

Auf der Suche nach einer Nationalmusik der USA – Antonín Dvořáks Symphonie Aus der Neuen Welt

Das Musikleben New Yorks war gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch stark von deutschen und italienischen Traditionen geprägt. Erst allmählich entstand der Wunsch nach einer spezifisch amerikanischen Tonkunst. Entscheidende Impulse dazu gab Jeannette Thurber, die musikbegeisterte Tochter eines aus Dänemark eingewanderten Geigers, die einen wohlhabenden Kaufmann geheiratet hatte. Nach ihrem Klavierstudium am Pariser Conservatoire erträumte sie auch für die USA ein staatlich finanziertes Institut zur Musikausbildung. 1885 gründete sie in New York das National Conservatory of Music of America, das auch Frauen, Menschen anderer Hautfarbe sowie Behinderten gleiche Chancen bieten sollte. Für diese kühne Idee hatte sie ihren Mann und Mäzene wie Andrew Carnegie begeistern können.

Jeannette Thurber hatte erfahren, dass der in deutschen Musiktraditionen aufgewachsene Antonín Dvořák seit 1871 in Prag eine tschechische Nationalmusik entwickelte. Ihn lud sie telegrafisch ein, Direktor des neuen US-amerikanischen Nationalkonservatoriums zu werden. Dvořák lehnte ab, doch sie blieb hartnäckig und wiederholte ihr Angebot. Erst die Ehefrau des Komponisten konnte ihn zur Annahme überreden, da sie von den traumhaften Konditionen erfahren hatte. Für nur acht Monate Unterricht und sechs Konzerte pro Jahr sollte ihr Mann 15.000 Dollar erhalten – das 25-fache seines Prager Einkommens. Schließlich unterschrieb Antonín Dvořák den Zweijahresvertrag. Im September 1892 traf er mit seiner Familie im New Yorker Hafen ein, wo ihn die Freiheitsstatue begrüßte.

Zwei Monate später berichtete der Komponist nach Prag: »Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir. Vor allem soll ich ihnen den Weg ins gelobte Land und in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen!« Dvořák sympathisierte mit dem Wunsch seiner Gastgeberin, die schwarze Bevölkerung besonders zu fördern. Eines Tages traf er im Konservatorium den afroamerikanischen Gesangsstudenten Harry T. Burleigh, der sich sein Unterrichtsgeld damit verdiente, dass er die Flure kehrte. Die Negro Spirituals, die er dabei sang, faszinierten den neuen Hochschuldirektor. Im Mai 1893 erklärte er in einem Zeitungsinterview: »Ich bin jetzt überzeugt, dass die zukünftige Musik dieses Landes auf der Grundlage der sogenannten Negermelodien aufgebaut werden muss. Diese können Fundament für eine ernstzunehmende und eigenständige amerikanische Kompositionsschule sein.« Dvořák engagierte Burleigh als seinen Assistenten. Dieser Student half dem Meister beim Notenschreiben, musste ihm aber auch oft vorsingen, um ihn zum Schaffen zu inspirieren.

Einige von Dvořáks afroamerikanischen Studenten waren keine Anfänger mehr. So hatte sein Lieblingsschüler, der 1865 in St. Louis geborene Maurice Arnold, schon in Berlin, Köln und Breslau Komposition studiert, bevor er zu ihm kam. Arnolds American Plantation Dances beeinflussten den Lehrer, wie dessen berühmter Klavier-Humoreske zu entnehmen ist. Der von Dvořák geförderte schwarze Geiger und Komponist Will Marion Cook hatte zuvor die Berliner Hochschule für Musik besucht. Die musikalischen Eindrücke, die Dvořák von diesen Studenten empfing, verwendete er in seiner neuen Symphonie. Schon im April 1893 meldete er einem tschechischen Freund deren Fertigstellung. Diese Symphonie in e-Moll unterscheide sich grundlegend von früheren Werken: »Wer eine ›Spürnase‹ hat, muss den Einfluss Amerikas erkennen.«

Ohne Spirituals, Plantagenlieder oder Indianermusik direkt zu zitieren, griff der Komponist doch einige charakteristische Elemente auf. So finden sich schon in der langsamen Einleitung Pentatonik und plagale Kadenzen. Im Hauptthema des ersten Satzes, gespielt von den Hörnern, gibt es jene Art von Synkopen, die man als scotch snap bezeichnet. Weitere amerikanische Eigenheiten sind beim zweiten Thema die erniedrigte Septime sowie die begleitenden Bordunquinten. Ganz auf Pentatonik beruht das melancholische Englischhornthema im langsamen Satz, der besonders populär wurde. Als ein Merkmal der amerikanischen Folklore hatte Dvořák auch das Umkreisen eines Zentraltons erkannt, wie er es im Hauptthema des Finales realisierte. Anders als in seinen früheren Symphonien verarbeitete er in dem neuen Werk die Themen meist nicht symphonisch, sondern wiederholte sie unverändert, was zur Eingängigkeit beitrug.

Dvořáks Symphonie wurde als Ergebnis seiner Studien zur sogenannten Neger- und Indianermusik angekündigt, weshalb die von den New Yorker Philharmonikern gespielte Uraufführung von großen Erwartungen begleitet war. An jenem 16. Dezember 1893 saß der Komponist mit seiner Frau, den beiden Söhnen und Maurice Arnold in einer Ehrenloge der Carnegie Hall. Anwesend waren auch Harry Burleigh und Will Marion Cook. Schon nach dem zweiten Satz jubelte das Publikum und Dvořák musste sich in seiner Loge verbeugen. Noch größer war der Triumph am Schluss. Die New York Herald Tribunepries das neue Werk als »eine Symphonie, die zeigt, dass es amerikanische Kunstmusik gibt«.

Die Symphonie Aus der Neuen Welt, bis heute Dvořáks meistgespieltes Werk, löste allerdings keine Welle amerikanischer Orchestermusik aus, wie Jeannette Thurber und der Komponist es sich erhofft hatten. William Grant Stills Afro-American Symphony blieb eine Ausnahme; sie entstand 1930, als das New Yorker Nationalkonservatorium aus Geldmangel geschlossen werden musste. Edward McDowell und Charles Ives, die führenden Komponisten des Landes, hatten sich gegen die Forderung gewandt, »Negermelodien« zum Ausgangspunkt einer eigenständigen amerikanischen Musik zu machen. So wurde Dvořáks Idee auf eine andere Weise verwirklicht, als der Komponist es sich gedacht hatte. Die Melodien und Rhythmen der Afroamerikaner wanderten nicht direkt in die Konzertmusik der USA ein, sondern über den Umweg des Jazz. Duke Ellington, der John Adams so beindruckte, hatte ein paar Lehrstunden bei Will Marion Cook genommen und war damit ein Enkelschüler Antonín Dvořáks. Rubin Goldmark, ein weiterer Dvořák-Schüler, unterrichtete George Gershwin und Aaron Copland.

Albrecht Dümling

Biografie

Gustavo Dudamel, 1981 in Barquisimeto (Venezuela) geboren, studierte Violine bei José Luis Jiménez und Francisco Díaz am Jacinto Lara Conservatory und später bei Rubén Cova und José Francisco del Castillo an der Academia Latinoamericana de Violín. 1996 begann er sein Dirigierstudium bei Rodolfo Saglimbeni. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Musikdirektor des Amadeus Chamber Orchestra ernannt. 1999 übernahm er die Leitung des Simón Bolívar Youth Orchestra, bei dessen Gründer José Antonio Abreu er seine Dirigierstudien fortsetzte und das er – nun als Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela – bis heute als Music Director leitet. 2004 erlangte Gustavo Dudamel internationale Aufmerksamkeit durch seinen Erfolg beim Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerb der Bamberger Symphoniker. Von 2007 bis 2012 war er Chefdirigent der Göteborger Sinfoniker, denen er als Ehrendirigent verbunden bleibt. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Gustavo Dudamel Music Director des Los Angeles Philharmonic. Unter seiner Leitung konnte das Orchester seinen Wirkungskreis weiter ausbauen, besonders mit dem Youth Orchestra Los Angeles (YOLA), das von dem erfolgreichen venezolanischen Musikprojekt »El Sistema« und dem Simón Bolívar Youth Orchestra beeinflusst wurde. Gustavo Dudamel gastiert regelmäßig bei international führenden Orchesters wie den Wiener Philharmonikern, der Staatskapelle Berlin und dem Tonhalle-Orchester Zürich. Zu den zahlreichen Auszeichnungen des Venezolaners zählen der »Music Award for Young Artists« der Royal Philharmonic Society (2007) sowie die Aufnahme in den »Ordre des Arts et des Lettres« der Republik Frankreich (2009) und in die Königlich Schwedische Musikakademie (2011). Musical America, das führende Online-Magazin für klassische Musik in den USA, kürte ihn zum »Musiker des Jahres« 2013; 2014erhielt er den»Leonard Bernstein Lifetime Achievement Award for the Elevation of Music in Society«. Gustavo Dudamel dirigierte die Berliner Philharmoniker erstmals im Juni 2008 in der Waldbühne. Zuletzt war er im Juni 2015 am Pult des Orchesters zu erleben; auf dem Programm standen Werke von Mozart und Mahler.

Timothy McAllister, der im Alter von 16 Jahren beim Houston Civic Symphony als Solist debütierte, zählt heute zu den führenden Saxofonvirtuosen weltweit. Er tritt regelmäßig mit renommierten amerikanischen und europäischen Orchestern auf und spielte 2009 mit dem Los Angeles Philharmonic unter der Leitung von Gustavo Dudamel die Uraufführung von John Adams’ Orchesterwerk City Noir. Auch bei zahlreichen Gastauftritten mit Gustavo Dudamel in San Francisco, Chicago, Philadelphia, New York, Hongkong, Shanghai, Seoul und Tokio übernahm Timothy McAllister den Altsaxofonpart in Adams’ Werk. 2013 brachte Timothy McAllister zudem das für ihn geschriebene und ihm gewidmete Saxofonkonzert von John Adams zur Uraufführung: im Sydney Opera House mit dem Sydney Symphony Orchestra unter der Leitung des Komponisten – ein Ereignis, das internationale Aufmerksamkeit erregte. Zudem übernahm der Musiker die Uraufführung von mehr als 150 weiteren Werken, die Komponisten wie William Bolcom, Martin Bresnick, John Harbison, Jennifer Higdon, Libby Larsen, Gunther Schuller und viele andere für ihn geschrieben haben. Timothy McAllister ist Sopransaxofonist des PRISM Quartet, mit dem er auch einige jazzorientierte Werke beispielsweise von Greg Osby, Tim Ries, Matt Levy und Tim Berne zur Aufführung brachte. Der Saxofonist unterrichtete u. a. am Institute for New Music an der Bienen School of Music at Northwestern University, am Herberger-Musikinstitut der Arizona State University, an der University of Arizona School of Music und an der New Yorker Crane School of Music. Zurzeit ist er Professor an der School of Music, Theatre and Dance der University of Michigan. Außerdem gibt er in den Sommermonaten Kurse am Interlochen Center for the Arts in Michigan. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker ist Timothy McAllister nun erstmals zu erleben.

(c) Nohely Oliveros

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