Kammermusik

Philharmonischer Salon: Delights of Harmony

In diesem Philharmonischen Salon mit dem Titel Delights of Harmony – Musik in London um 1800 spürt Götz Teutsch der privaten und halböffentlichen Musikpflege des britischen Bürgertums nach, das zur neuen »middle class« aufgestiegen war und das pulsierende Londoner Musikleben in vollen Zügen genoss. Stefan Kaminski liest Texte u. a. von Peter Salomon, Joseph Haydn, Johanna Schopenhauer und Laurence Sterne. Für den musikalischen Rahmen sorgen Mitglieder der Berliner Philharmoniker.

Stefan Kaminski Sprecher

Varian Fry Quartett

Philipp Bohnen Violine, Marlene Ito Violine, Martin von der Nahmer Viola, Rachel Helleur Violoncello

Jelka Weber Flöte

Cordelia Höfer Hammerklavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Delights of Harmony – Musik in London um 1800

Musik von Joseph Haydn, Joseph Woelfl, Muzio Clementi, John Field, Johann Baptist Cramer, Johann Peter Salomon u. a.

Texte von Laurence Sterne, Karl Philipp Moritz, Johanna Schopenhauer, Joseph Haydn, Johann Peter Salomon u. a.

Termine und Karten

Programm

Das pulsierende Londoner Konzertleben um 1800 übertraf selbst das von Metropolen wie Paris oder Wien. Denn in den zahlreichen Theatern und »Pleasure Gardens« wurden regelmäßig und an mehreren Tagen in der Woche Opern und andere musikalische Unterhaltungen zum Besten gegeben: Musikliebhaber konnten zwischen konkurrierenden Konzertreihen, italienischer Oper, Oratorien oder mit von Musik begleiteten Theaterstücken, Maskenspielen und Pantomimen wählen – kein Wunder, dass schon Johann Mattheson in seiner ersten musiktheoretischen Abhandlung von 1713 schrieb: »Wer bey diesen Zeiten etwas in der Music zu prästiren vermeinet, der begibt sich nach Engelland […]«.

In diesem künstlerisch fruchtbaren Klima, in dem auch Laienmusikvereine regelmäßig Orchesterkonzerte gaben, in Theatern musikalische Vorstellungen darboten und bei Opernaufführungen mitwirkten, wurde natürlich auch der bürgerliche Salon gepflegt (der sich vom adeligen Salon dadurch unterschied, dass dem Musikvortrag wortlos und mit voller Aufmerksamkeit zugehört wurde). Er diente als Ort, an dem die humanistischen Ideale gepflegt wurden und das Klavier avancierte zum charakteristischen Möbelstück dieses Raums. In diesem philharmonischen Salon mit dem Titel Delights of Harmony – Musik in englischen Salons um 1800 spürt Götz Teutsch der privaten und halböffentlichen Musikpflege des britischen Bürgertums nach, das zur neuen »middle class« aufgestiegen war. Stefan Kaminski liest Texte u. a. von Laurence Sterne, dessen Tristram Shandy nicht nur in den Londoner Salons gefeiert wurde. Für den musikalischen Rahmen sorgen Mitglieder der Berliner Philharmoniker.

Über die Musik

»Delights of Harmony«

Musik in London um 1800

London war um 1800 die mit Abstand größte Metropole in Europa. Die Einwohnerzahl hatte die Millionengrenze bereits überschritten, während Paris, Neapel und Konstantinopel nur etwa halb so viele Einwohner zählten und Wien mit 250.000 oder Berlin mit 170.000 geradezu überschaubar anmuteten. War daher für Fremde die schiere Größe Londons bereits Grund zum Staunen, gaben auch die Lebensgewohnheiten der Londoner Gesellschaft immer wieder Anlass dazu: die guten Straßen und der rege Verkehr, die Mode und die Umgangsformen, die Wohnungen und das Essen, die zahllosen Societies und der freiere Umgang mit der Zensur, die Weltgewandtheit und die Spleens. Kaum ein Aspekt des täglichen Lebens, der in Reiseberichten nicht mit Verwunderung bedacht wurde – in allen Facetten, schwankend zwischen staunender Bewunderung und harscher Kritik.

Das Musikleben war davon nicht ausgenommen, im Gegenteil: Londons Musikkultur, von den etablierten Theatern und den zahlreichen Konzertveranstaltungen in Sälen oder Open Air, über den außerordentlich regen Musikmarkt bis hin zu den alltäglichen Musizierpraktiken in den Londoner Wohnhäusern – vieles gab Anlass zu ausführlicher Berichterstattung. Und nicht immer wurde dabei an groben Pinselstrichen gespart, der unverkennbare Erfolg des Musikmarkts – und damit auch die hohe Attraktivität Londons für ausländische Musikerinnen und Musiker – wurde nicht immer neidlos kommentiert. In einem zeitgenössischen, in Leipzig erschienenen MusicalischenConversations-Lexicon […] für Künstler, Kunstfreunde und Gebildete, etwa heißt es etwa im Artikel »Englische Musik«, unverhohlen mit nationalen Klischees spielend: »In dem Grade, wie Italien industriell, ist England musikalisch. Die Engländer musiciren wie sie malen, und malen wie die Italiener Eisenbahnen anlegen oder Steinkohlen graben. Sie wären unstreitig die geschicktesten Musiker der Erde, könnte Musik durch Dampf getrieben und mit dem Finished versehen werden, durch welches sich die Englischen Fabrikate so sehr vor allen andern auszeichnen. In Fugenarbeiten würden sie etwas leisten. An Sinn für Musik fehlt es ihnen nicht, nur an Geschmack. In England treibt alle Welt Musik, denn Musiktreiben gehört zum guten Tone und vertreibt die Langeweile. Der englische Mechanismus [der Musikinstrumente] ist berühmt, vorzügliche Instrumente werden in London geliefert. Die Engländer besitzen zwei Nationallieder, deren Vortrefflichkeit viele ausländische Kompositionen aufwiegt; von diesen soll eins französischen Ursprungs sein.«

Tatsächlich war die Londoner Musikkultur vielfältig und stark geprägt von einem überaus erfolgreichen, bereits global vernetzten Markt: Englische Musikinstrumentenbauer nutzten nicht nur die Rohstoffe aus allen Teilen des Commonwealth sondern auch dessen globale Vertriebswege für den Verkauf ihrer Instrumente. Musikverleger reagierten rasch auf alle musikalischen Moden, druckten zeitnah, billig und ebenso erfolgsfördernd wie -verwöhnt in hohen Auflagen. Zugleich aber entwickelten sie früh – früher als auf dem Kontinent – ein Gespür dafür, welche Musik in den musikalischen Kanon aufgenommen werden sollte: 1807 – 1809 bereits druckten zwei Londoner Verleger, die sich selbst als Importers of Classical Music bezeichneten, eine Serie in monatlichen Lieferungen, die »Compleat [sic!] Collection of Hadyn, Mozart, and Beethoven’s Symphonies in Scores«. Auf dem Kontinent war bis dato weder die Trias dieser Namen noch deren Status der Klassizität etabliert.

Auch das Konzertwesen war ausgesprochen vielfältig und buhlte mit verschiedenen Konzertunternehmern um ein zahlungskräftiges Publikum. Die Bach-Abel-Concerts etwa, seit 1765 etabliert, zogen 1775 in die Räume am Hanover Square, Räume großformatiger Eleganz, zugleich mit den Hinterglasmalereien von Thomas Gainsborough nach Art eines Salons ausgestattet. Doch jedes Konzertunternehmen hatte zunächst und vor allem den ökonomischen Erfolg im Auge, und Konkurrenz belebte auch hier das Geschäft: Der aus Bonn stammende Musiker Johann Peter Salomon, seit 1781 in London ansässig, löste bald die Bach-Abel-Concerts ab und konkurrierte zugleich mit Johann Baptist Cramer, der aus der Mannheimer Hofkapelle stammte und als Musikverleger, Instrumentenbauer und -händler, Komponist, Pianist und Dirigent in London lange Zeit tonangebend war: Dazu war im März 1794 im Journal des Luxus und der Moden in einem anonym veröffentlichten Brief zu lesen: »Salomons Concert in Hannover Square ist jetzt das vorzüglichste in London, obgleich Cramer, der sein großter Antipode ist, mit einem Projekt schwanger geht, ihn auszustechen. Dieser wird nemlich ein Concert in dem schönen neuen Saale unternehmen den man ganz kürzlich dem Italienischen Opernhause angebauet hat, und da wird denn freylich wohl nichts gespart werden um es so brillant, als möglich zu machen; wozu der neue Saal nicht wenig beytragen wird; denn ich glaube keine Nation ist so für alles Neue und Ausserordentliche als die Engländer. In Salomons Conzerte hört man wirklich sehr gute Musik […]. Salomon führt natürlich das Orchester an; man sagt unser Landsmann Cramer übertreffe ihn in diesem Geschäfte, welches ihm bey der Italienischen Oper obliegt; ich kann aber hievon nicht gehörig urtheilen weil ich die Italienische Oper nicht oft genug besucht habe. Aber im Quartett übertrift Salomon den Cramer bey weitem; dieß spielt S. mit großer Delikatesse; Sein Vortrag ist sprechend, Seine Töne haben alle Nuancen die erfordert werden um den höchsten Ausdruck zu geben, kurz, sie würden entzückt seyn, wenn Sie hier ein Quartett von unserm alten Lieblinge Haydn in so hoher Vollkommenheit hörten. Aber was würden Sie erst zu seinen neuen Symphonien sagen die er für dieß Conzert komponirt hat, und hier selbst am Fortepiano dirigirt!«

Tatsächlich war Salomon dafür verantwortlich, dass Joseph Haydn nach London kam; nicht unwesentlich auch sein Verdienst, dass Haydn dort Erfolg hatte. Kontakte zu knüpfen, Reisen vorzubereiten und Publikum wie Verlage auf die auswärtigen Kollegen aufmerksam zu machen, um dadurch zum Erfolg beizutragen, gehörte zu den wichtigsten Tätigkeiten erfolgreicher Musiker in London. Dazu musste man sich gut in der Musikszene Londons auskennen und die Eigenheiten des Netzwerkens verstehen.

Für letzteres besonders geeignet waren die in London so zahlreichen Salons, Societies, Clubs und andere Vereinigungen sowie geselligen Zusammenkünfte, die selten ohne Musik auskamen. Zumindest wurde gesungen, wie das Journal des Luxus und der Moden seiner deutschen Leserschaft versicherte: »Die Engländer sind sehr für Vocalmusik; daher finden sie in sehr vielen Gesellschaften die sogenannten Catches und Gleesvon Herren und Damen, oft schlecht genug, oft aber auch recht gut, gesungen.« Häufig fanden sich in den Societies Interessensgruppen zusammen, Interesse für Musik nicht ausgenommen: die Academy of Ancient Music, die Madrigal Society, der Noblemen and Gentlemen’s Catch Club oder die Anacreontic Society – Clubs und Societies gab es für ziemlich jeden Musikgeschmack. Und nicht nur letztgenannte Society pflegte neben der Musik auch – ganz anakreontisch – die leiblichen Genüsse und fungierte dabei als wichtige Kontaktbörse für Musiker. Die zweiwöchentlichen Zusammenkünfte der Anacreontic Society begannen dabei regelmäßig mit einem Konzert, bei dem neue Musik auf die Pulte kam, die später ggf. in Konzerten reüssieren sollte, gefolgt von einem ausgedehnten Abendessen und dem anschließenden Singen der Catches und Glees.

Im Übrigen waren auch die Londoner Salons, kaum anders als in Wien, Paris oder Neapel, Treffpunkt für die Gesellschaft und zugleich eine Bühne für musikalische Aktivitäten. Und kaum anders als andernorts war es vor allem der Musikgeschmack und das eigene Können der Salonièren, die über die Qualität der musikalischen Darbietung und die Auswahl der beteiligten Personen entschied. In London etwa traf Joseph Haydn die komponierende Dichterin Anne Hunter in ihrem Salon. Dass er – wie viele seiner Zeitgenossen – von ihren Texten überaus angetan war und sie prompt vertonte, war offenbar nicht die einzige Inspiration, die er ihrem Salon verdankte. Vielmehr gehen auf den dortigen intellektuellen Austausch auch die Ideen zum Oratorium Die Schöpfung zurück.

Derart anregend waren freilich nicht alle Salons oder Abendgesellschaften: Johanna Schopenhauer berichtet eindrucksvoll von fein ziselierter Langeweile, wobei das einfache Musizieren – meist exekutiert durch die Töchter des Hauses am Tafelklavier – als mehr schlecht als recht unterhaltender Faktor eingesetzt wurde: Jane Austen wusste dies in einer kleinen Szene ihres Romans Sinn und Sinnlichkeit pointiert darzustellen: »Ihre Kunst war annehmbar, aber keineswegs überragend. Nach ein, zwei Liedern und bevor sie den Bitten ihrer Zuhörer um eine Zugabe nachkommen konnte, löste ihre Schwester Mary sie etwas voreilig am Klavier ab. Mary, die einzige von den Schwestern, die nicht gut aussah, hatte sich als Gegengewicht hierfür ein gewisses Können und Wissen sauer erarbeitet und war nun stets eifrig darauf bedacht, ihre Errungenschaften zur Schau zu stellen«. Was es auf diese Weise zu hören gab, waren sicherlich keine »Delights of Harmony«, so dass der englische Karikaturist James Gillray, der zahlreiche solcher musikalischer Szenen aufs Korn nahm, genug Anlass für seine spitze Feder fand.

Welches Repertoire aber muss man sich für diese Vielfalt der Londoner Musikkultur vorstellen? Die Spannweite ist hier nicht breit genug zu denken: Da ist zunächst der Stellenwert zu beachten, den Händels Musik im Londoner Musikleben noch immer genoss. So weiß zum Beispiel der schon zitierte anonyme Briefautor zu berichten: »Händels Musik ist hier aber so allgemein beliebt daß es sogar ein eignes Conzert giebt, wo sonst nichts als Händels und einige andre alte Musik gemacht wird. Dieß heißt Concert of ancient music; der König der ein großer Patron von Händel ist, besucht es, die übrige Gesellschaft besteht aus dem vornehmsten Adel und einigen angesehenen Privatpersonen.« Vergegenwärtigt man sich außerdem, dass in London die »Classical Music« bereits entlang der Trias Haydn, Mozart und Beethoven etabliert wurde und Haydn, wie vielfach überliefert, bei seinem Londoner Besuch größte Wertschätzung erfuhr, vergegenwärtigt man sich ferner den Musikmarkt, der ungeahnt hohe Auflagen von tagesaktuellen Kompositionen und Bearbeitungen, von Tänzen und Airs, Glees und beliebten Opernarien, Rondos und Variationen bereit hielt, und vergegenwärtigt man sich schließlich, welch reiches Spektrum an Kompositionen in die Stadt kam, das die reisenden Musikerinnen und Musiker mit im Gepäck hatten – auf dem Kontinent bereits erfolgreich oder für London eigens komponiert –, ahnt man die Fülle und Vielfalt der in London um 1800 hörbaren Musik.

Dass diese Fülle dann auch zur Überfülle werden konnte und das Publikum mit Effekten bei Laune gehalten werden musste, erwies sich als Kehrseite dieser goldenen (und vielfach vergoldeten) Medaille. Doch damit war London letztlich keine Ausnahme: Dass man sich in Konzerten ruhig zu verhalten habe, war um 1800 auch auf dem Kontinent noch keineswegs Standard. In Jena etwa wurde das das Konzertpublikum »mittels Unterschrift« dazu verpflichtet, »in anständiger Kleidung zu erscheinen, sich still und sittsam zu verhalten, sich währenden Concerts alles Geträncks und Tabakrauchens und Spielens zu enthalten [und] niemanden von anderen Persohnen männlichen oder weiblichen Geschlechts mitzubringen«. Und dass die Aufmerksamkeit vieler Zuhörender zu wünschen übrig ließ, liest man ebenfalls als Lamento in ganz Europa. Doch in London war bereits Ende des 17. Jahrhunderts die Pressezensur liberalisiert worden, so dass das, was als kritikwürdig wahrgenommen wurde, auch kritisiert werden durfte – unabhängig vom Stand der kritisierten Personen. So blühte in London um 1800 auch der Karikaturenmarkt, und dass auf den Karikaturen, die musikalische Salons, Societies und Clubs thematisieren, Schlafende keine Seltenheit sind, ist damit das visuelle Pendant zu Haydns Pauken.

Melanie Unseld

Biografie


Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« in Salzburg war sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. Seit 2002 ist die Pianistin am »Mozarteum« Professorin für Klavier und Kammermusik. Cordelia Höfer ist seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker zu erleben, insbesondere in den Philharmonischen Salons.

Jelka Weber erhielt mit acht Jahren ersten Flötenunterricht und gewann schon als Gymnasiastin mehrere Musikwettbewerbe. 1990 begann sie ihr Flötenstudium bei Hermann Klemeyer an der Musikhochschule München, später war sie Stipendiatin der Yamaha Music Foundation of Europe und Substitutin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Von 1994 an setzte die Musikerin ihre Ausbildung bei Andreas Blau an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker fort. 1996 wurde sie als Mitglied des Orsolino Quintetts beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München ausgezeichnet und noch im selben Jahr von der Magdeburgischen Philharmonie als Solo-Flötistin engagiert. Anfang April 1997 wechselte Jelka Weber zu den Berliner Philharmonikern. Neben ihrer Arbeit im Orchester verfolgt sie auch eine intensive solistische und kammermusikalische Tätigkeit. So gastiert Jelka Weber regelmäßig beim Scharoun Ensemble Berlin sowie beim Davos Festival; von 1999 bis 2006 gehörte sie zudem dem Ensemble Berlin und dem Ensemble der »Landsberger Sommermusiken« an. Seit 2008 unterrichtet Jelka Weber als Dozentin an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Das Varian Fry Quartett wurde in der Spielzeit 2012/2013 von Philipp Bohnen und Marlene Ito (Violine), Martin von der Nahmer (Viola) sowie Rachel Helleur (Violoncello) gegründet. Der Grundstein für diese junge Formation wurde allerdings bereits in der Spielzeit 2007/2008 gelegt: Damals fanden drei der vier Musiker noch als Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker zum Quartettspiel zusammen. Die Freude am gemeinsamen Musizieren in der Königsdisziplin der Kammermusik sowie die damaligen Unterrichtsstunden bei Jan Diesselhorst, dem leider so früh verstorbenen Cellisten der Berliner Philharmoniker und des Philharmonia Quartetts, hinterließen einen bleibenden Eindruck und den leidenschaftlichen Wunsch, selbst in einem festen Streichquartett zu musizieren. Im April 2013 war es soweit: Das Varian Fry Quartett gab sein erstes öffentliches Konzert bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, wo es zuletzt Ende März 2016 zu erleben war; in der Berliner Philharmonie spielte es u. a. im Juni 2015 beim Tag der offenen Tür. Das Ensemble ist nach dem amerikanischen Journalisten und Freiheitskämpfer Varian Fry benannt, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich vielen Menschen die Flucht vor den Nationalsozialisten ermöglichte.

Stefan Kaminski wuchs in Berlin auf. Sein beruflicher Werdegang als Sprecher und Autor begann 1996 beim Hörfunk, bevor er ein Schauspielstudium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« absolvierte. Seit 2001 spielt Stefan Kaminski am Deutschen Theater, wo er u. a. den Apotheker Cordenbois in der Komödie Das Sparschwein von Eugène Marin Labiche gab. Von 2003 bis 2007 arbeitete er als festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater mit Regisseuren wie Jürgen Kruse, Dimiter Gotscheff und Leonhard Koppelmann; noch heute ist er dem Haus als Gast verbunden. 2004 entstand dort auch sein Live-Hörspielformat Kaminski ON AIR, in dem Filmklassiker, Theaterstoffe und Opernlibretti Gegenstand freier Bearbeitung werden. Sein »Stimmen-Morphing« führt ihn dabei von einer Figur zur nächsten und lässt bekannte Geschichten neu entstehen. Mit dieser erfolgreichen Mischung aus Theater, Hörspiel und Entertainment war Stefan Kaminski auch auf diversen Tourneen zu erleben. Darüber hinaus wirkt er in zahlreichen Rundfunk-, Fernseh- und Hörbuchproduktionen mit. In Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Stefan Kaminski Ende März/Anfang April 2010 sein Debüt: An vier Abenden präsentierte er im Kammermusiksaal Wagners Ring des Nibelungen als Live-Hörspiel. Zuletzt war er Anfang Juni 2016 im Rahmen des Philharmonischen Salons »Goethe in Berlin« zu erleben.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, ist zudem eines der Gründungsmitglieder der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen Mitte Oktober 2016 der Wiener Journalistin und Salonière Berta Zuckerkandl gewidmet waren.

(Foto: Monika Rittershaus)