Beethoven und Bruckner mit Christian Thielemann und Rudolf Buchbinder

Wenn Christian Thielemann Bruckner dirigiert, ist das immer ein Fest für die Freunde des Komponisten. Den nur wenigen anderen ist es gegeben, die dunkle Glut, die weiten Spannungsbögen dieser Musik so eindrucksvoll zum Klingen zu bringen. In diesem Konzert interpretiert Thielemann die Siebte Symphonie, die einst Bruckners Durchbruch als Komponist markierte. In Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 begegnen wir außerdem Rudolf Buchbinder als Solist.

Berliner Philharmoniker

Christian Thielemann Dirigent

Rudolf Buchbinder Klavier

Ludwig van Beethoven

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15

Rudolf Buchbinder Klavier

Anton Bruckner

Symphonie Nr. 7 E-Dur

Termine und Karten

Do, 15. Dez. 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie D

Fr, 16. Dez. 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie C

Programm

In jungen Jahren machte Ludwig van Beethoven vor allem als Pianist auf sich aufmerksam, der besonders in der Kunst der Improvisation bewandert war. Schon 1787 hatte sich Mozart vom Stegreifspiel des damals 17-Jährigen beeindruckt gezeigt. Elf Jahre später schrieb die Wiener Allgemeine musikalische Zeitung über Beethoven, er zeige sich »am allervorteilhaftesten in der freien Phantasie. Und hier ist es wirklich ganz außerordentlich, mit welcher Leichtigkeit und zugleich Festigkeit der Ideenfolge Beethoven auf der Stelle jedes ihm gegebene Thema ausführt«. Dass die pianistische Technik des Komponisten indes keineswegs über alle Zweifel erhaben war, belegen andere Quellen: Der Pianist Johann Baptist Cramer bezeichnete Beethovens Klavierspiel als »nur wenig ausgebildet, nicht selten ungestüm«, Komponistenkollege Luigi Cherubini fand es schlichtweg »rauh«. Was an seinem Vortrag dennoch faszinierte, war Beethovens ausgeprägter Klangsinn. Wie sein Schüler Carl Czerny feststellte, brachte Beethoven »auf dem Clavier Schwierigkeiten und Effecte hervor, von denen wir uns nie haben etwas träumen lassen«. Diese ließ Beethoven auch in die rhapsodisch freien, mitunter durchaus improvisatorisch anmutenden Passagen seines 1795 in Wien aus der Taufe gehobenen Ersten Klavierkonzerts einfließen. Bei Rudolf Buchbinder liegt der Solopart des Werks in den Händen eines der renommiertesten Interpreten von Klaviermusik der Wiener Klassik.

Anton Bruckner erfreute sich schon früh des Rufs, einer der brillantesten Orgelspieler seiner Zeit zu sein. Doch von einer dauerhaften Karriere als reisender Virtuose wollte der Komponist nichts wissen: »Ich habe wenig Zeit und Lust, mich sonderlich in dieser Beziehung zu plagen«, schrieb Bruckner 1864: »Organisten sind stets schlecht bezahlt.« Vier Jahre später trat der Komponist daher mit seiner Ersten Symphonie an die Öffentlichkeit. Dennoch sollten noch 20 Jahre vergehen, bis Bruckner der endgültige Durchbruch als Symphoniker gelang. Nach der Leipziger Uraufführung seiner Siebten konnte sich Bruckner im Dezember 1884 darüber freuen, dass »zum Schluß eine ¼ Stunde applaudiert« wurde. Aufführungen des Werks in München und Wien gerieten in den beiden folgenden Jahren dann zu wahren Triumphen für den Komponisten. Dank ihres breiten melodischen Atems und ihrer farbenreichen Instrumentation ist Bruckners Siebte bis heute die beliebteste und meistgespielte Symphonie des Komponisten. Mit Christian Thielemann werden diese Konzerte der Berliner Philharmoniker von einem Dirigenten geleitet, der die Musik Beethovens und Bruckners zu seinem Kernrepertoire zählt.

Über die Musik

Gesteigerte Wiederkehr in Konzert und Symphonik

Frühe und späte Erfolge in Wien

Beethovens Wiener Anfänge und sein Erstes Klavierkonzert

Als Abschiedsgeschenk kurz vor seiner Übersiedlung nach Wien erhielt der 21-jährige Ludwig van Beethoven ein Büchlein, in dem sich seine Freunde und Gönner aus Bonner Tagen mit Glückwünschen und Sinnsprüchen verewigten. Die Eintragung von Ferdinand Graf Waldstein wurde später von der Musikgeschichtsschreibung gern als prophetische Vorahnung der Dreifaltigkeit der Wiener Klassiker gedeutet: »Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydens Händen.« Dabei stand wohl im Oktober 1792 die Hoffnung im Vordergrund, der musikalisch bereits hochentwickelte Beethoven möge sich über seinen neuen Lehrer Haydn jenen in Wien so erfolgreichen Stil des kaum ein Jahr zuvor verstorbenen Mozarts aneignen.

Mit Empfehlungsschreiben des Bonner Hofs und des Grafen Waldstein war der Zugang zu den Wiener Adelshäusern für Beethoven ein Leichtes und binnen eines Jahres entwickelte er sich zu einem der begehrtesten Pianisten. In der Folgezeit komponierte er vorwiegend Sonaten und Klavierstücke, die er im privaten adligen Kreis aufführte und mit Zueignungen an die aristokratischen Gönner oder (vor allem weiblichen) Klavierschüler versah: Babette von Keglevics, der später verheirateten Fürstin Odescalchi, widmete er nicht nur die 1797 entstandene Klaviersonate Nr. 4 Es-Dur op. 7, die in Wien unter dem Beinamen Die Verliebte kursierte, sondern auch das bereits zwei Jahre zuvor entworfene, 1798 dann vollständig ausgearbeitete Erste Klavierkonzert op. 15. Eine Aufführung der Frühfassung, bei der Beethoven als Solist große Teile selbst improvisierte, ist bereits für den 29. März 1795 belegt; die eigentliche Uraufführung der Endfassung fand am 2. April 1800 im Hofburgtheater statt.

Im nachweislich etwas früher geschaffenen B-Dur-Klavierkonzert op. 19 tritt das mozartsche Modell mit seiner lyrischen Melodik noch deutlich zutage, nun aber findet Beethoven mit einem virtuoseren Klavierpart und einem in den Rahmensätzen kraftvollen, ungestümen Vorwärtsdrängen zu sich selbst. Vor allem der Kopfsatz ist eine Kennmarke beethovenscher Kompositionskunst und weist schon auf seine Symphonik voraus: Mit nur wenigen Motivbausteinen, wiederholten Tönen, Dreiklangsfanfaren und Läufen entsteht eine mitreißende energische Musik, die den Zusatz »mit Feuer« bzw. »mit Schwung« der Tempobezeichnung Allegro con brio rechtfertigt.

In der Orchesterexposition werden drei unterschiedliche charakteristische Themen vorgestellt, die Pianist danach wieder aufgreift und im Dialog mit dem Orchester entwickelt. Zu dem aufstrebenden ersten Fanfarenthema kontrastieren ein absteigender sanglicher Gedanke und ein abschließendes melodisch in sich kreisendes Jagdthema. Das Konzert beginnt mit einer Art Beschwörungsformel über einen einzigen Ton c, der schlicht drei Mal in höherer Oktavlage wiederholt wird. Eigentlich ist dieser motivische Einfall aus Tonrepetitionen und aufsteigenden Linien wenig originell. Auch seine Fortsetzung und die Wiederholung der Fanfare einen Ton höher muten äußerst simpel an. Dass dieses Signal zum eindrucksvollen Hauptthema wird, liegt an seiner dramatischen Instrumentierung: Bei der ersten Vorstellung spielen es zunächst nur die Streicher im Pianissimo, dann aber das volle Orchester mit Pauken und Trompeten im Fortissimo. Die nach oben gerichteten heroischen melodischen Gesten in C-Dur beantwortet eine kleinere Besetzung aus Streichern und Holzbläsern in entrücktem Es-Dur, nun mit graziösen Umspielungen und abwärts geführten Melodielinien, bevor sich –wieder mit Blechbläsern und Pauken – das dritte Thema in C-Dur etabliert, das durch seine Hornquinten und die gestoßenen Töne an eine von fern klingende heitere Jagdmusik erinnert.

Der Dreischritt der Charaktere »heroisch« – »lyrisch« – »scherzando« bestimmt nicht nur die Themen des ersten Satzes, sondern prägt auch als übergeordnete Idee alle drei Sätze des Konzerts: Er liegt dem innigen langsamen As-Dur-Mittelsatz ebenso zugrunde wie dem draufgängerisch zupackenden Rondofinale mit seinem ungarisch anmutenden tänzerischen Mittelteil.

Anton Bruckner, der »zweite Beethoven«?

»Ich habe Ihre Sinfonie mit grosser Aufmerksamkeit durchgelesen. Das Werk hat mich anfänglich befremdet, dann gefesselt, und schließlich hab ich einen gewaltigen Respekt vor dem Mann bekommen, der etwas so Eigenartiges und Bedeutendes schaffen konnte. […] Bis der Tag des [Münchner] Concertes herankommt, wird die halbe Stadt wissen, wer und was Herr Bruckner ist, während bisher – zu unserer Schande sei es gesagt, – kein Mensch dies wußte, den ergebenst Unterzeichneten nicht ausgenommen.«

In einem Brief vom 30. November 1884 bedankt sich der Dirigent Hermann Levi für die ihm von Anton Bruckner übersandte Partitur der Siebten Symphonie und bekennt unumwunden, dass nicht nur die Musik ihm neu vorkomme, sondern auch der bereits 60-jährige Komponist, den er aber gern dem Münchner Konzertpublikum mit seinem bedeutenden Werk bekannt machen wolle. Als Dirigent der Uraufführung von Wagners Parsifal in Bayreuth 1882 und als Münchner Hofkapellmeister war Levi für Bruckner eine wichtige Adresse – neben dem zu dieser Zeit knapp 30 Jahre alten Gewandhaus-Kapellmeister Arthur Nikisch, der sich »im höchsten Grade entzückt und begeistert« von Bruckners Musik zeigte und den dieser für die Uraufführung der Symphonie am 30. Dezember 1884 im Leipziger Neuen Theater gewinnen konnte. Zum Durchbruch der Siebten Symphonie und zur größeren Anerkennung Bruckners als Symphoniker verhalf aber tatsächlich erst deren Münchner Erstaufführung am 30. März 1885 unter Levi.

In Wien jedoch wagte sich Bruckner mit der mittlerweile im Druck erschienenen und König Ludwig II. von Bayern gewidmeten Symphonie vorerst nicht an die Öffentlichkeit; zu wenig Erfolg war ihm bisher hier am Entstehungsort seiner großen symphonischen Werke beschieden gewesen. Außer der positiv aufgenommenen Aufführung der Vierten (1881) wurden seine Werke nicht gespielt oder fielen durch wie etwa die Dritte Symphonie im Jahr 1877. Dass Bruckner gar versuchte, eine geplante Aufführung der Wiener Philharmoniker unter Hans Richter zu verhindern, macht deutlich, wie groß seine Sorge um eine erneut schlechte Besprechung und Aufnahme seines Werks war – »aus Gründen, die einzig der traurigen localen Situation entspringen in Bezug der maßgebenden Kritik, die meinen noch jungen Erfolgen in Deutschland nur hemmend in den Weg treten könnte«.

In diesem Brief vom 13. Oktober 1885 nennt Bruckner den maßgebenden Musikkritiker der Neuen Freien Presse, Eduard Hanslick, nicht beim Namen; in einem früheren (vom 7. September desselben Jahres) an Hermann Levi wird er deutlicher: »Herr Richter sagte mir gestern, er will das Te Deum aufführen; die siebente bekommt er nicht! Hanslick!!! – Ich sagte Herrn Richter, wenn er einmal eine Sinfonie aufführen will, so soll er eine von denen nehmen, die Hanslick ohnehin schon ruiniert hat; die kann er noch mehr zu Grunde richten.«

Tatsächlich hatte der Wiener »Musikpapst« Hanslick nach anfänglich positiven Kritiken der Orgelkonzerte und Messkompositionen den spätberufenen Symphoniker Bruckner immer wieder abschätzig besprochen. Suspekt erschien ihm schon dessen abgöttische Wagner-Verehrung – »in tiefster Ehrfurcht« hatte Bruckner seine Dritte dem »Meister« in Bayreuth gewidmet –, und sehr wahrscheinlich war es Hanslicks strategisches Kalkül, den von ihm bevorzugten Symphoniker Johannes Brahms als Erben Beethovens in Wien gegen Bruckner auszuspielen. Jedenfalls war aus Sicht des Letzteren »Dr. Hanslick mir ein böser Gegner geworden«; und seine Angst vor einer vernichtenden Kritik hatte geradezu, wie der Hamburger Brucknerforscher Constantin Floros darlegt, »den Charakter eines Verfolgungswahnes« angenommen. Bruckners Sträuben wurde durch Richters Beharrlichkeit gebrochen, und so erlebte am 21. März 1886 die Siebte – allen Befürchtungen zum Trotz – auch in Wien ihre überaus erfolgreiche Erstaufführung, von welcher der Komponist vier Tage darauf zunächst glücklich berichtet: »nach dem ersten Satze 5 bis 6 stürmische Hervorrufe und so gings fort, nach dem Finale endloser, stürmischer Enthusiasmus, Hervorrufe, Lorbeerkranz vom Wagner-Verein und Festtafel«, um dann vorauszuahnen, dass die versammelte Wiener Presse »auf Hanslicks Wunsch die Vernichtung des Erfolges bestens besorgen« würde. Und tatsächlich schien Hanslicks Besprechung angesichts des offensichtlichen Erfolgs mit schwarzer Galle statt mit Tinte geschrieben: »Bruckner ist Armeebefehl geworden und der ›zweite Beethoven‹ ein Glaubensartikel der Wagner-Gemeinde. Ich bekenne unumwunden, daß ich über Bruckners Symphonie kaum gerecht urteilen könnte, so unnatürlich, aufgeblasen, krankhaft und verderblich erscheint sie mir.«

Obwohl die Siebte und mit ihr Bruckner als bedeutender Symphoniker zwischenzeitlich in den internationalen Musikzentren große Bekanntheit erlangt hatte, dauerte es in Wien noch eine Weile, bis derlei Verspottungen und Polemiken ein Ende hatten und sich seine bislang unverstandene großartige Musik durchsetzen konnte. Deren überwältigende Wirkung hat ihr Schöpfer dabei dramaturgisch genau geplant, wobei er – wie in allen seinen Symphonien – dem Konzept einer satzübergreifenden Anlage wiederkehrender Themen folgt. Drei von ihnen sind in den Ecksätzen gestaltet, wobei ein gemeinsamer Hauptgedanke, der in Kopfsatz und Finale in zunehmend größeren Steigerungswellen machtvoll wiederkehrt, die Symphonie zusammenschweißt. Das weit ausgreifende erhabene zentrale Thema des ersten Satzes ist eine Art musikalischer Sonnenaufgang in den Stimmen von Horn und Celli über die Dreiklangstöne von E-Dur. Diesen wiederkehrenden Aufgang taucht Bruckner durch je unterschiedliche Instrumentierungen und Tonarten in immer anderes Licht. Zu Beginn des Finales dann finden sich diese aufsteigenden Linien zunächst nur den Partien der Streicher, die das E-Dur-Thema mit scharfer Punktierung im Piano und nur an der Spitze des Bogens spielen. Von Mal zu Mal erklingt dieser Aufgang aber immer voller und erlangt schließlich in strahlendem, grandiosem Fortissimo des vollen Orchesters eine geradezu blendende Wirkung. Bereits die Vortragsanweisungen in der Partitur machen die Idee einer gesteigerten Wiederkehr des Themas und einer immer prächtigeren Klangentfaltung sinnfällig: »schwer« –»markig« – »breit und wuchtig« – »immer breiter«.

Neben diese in Musik modellierten Gebirgsformationen setzt Bruckner innerhalb der Ecksätze Kontrapunkte aus »ruhig« dahinfließenden Themen – im Kopfsatz das singende zweite, das Oboen und Klarinetten mit einer Umspielung die h-Moll-Leiter hinauf tragen, oder im Finale mit einem kleinschrittig in sich kreisenden Choral. Ihn führen wechselnde Instrumentengruppen, zuerst Streicher (gemeinsam mit Waldhorntuben, den sogenannten Wagner-Tuben), dann Holzbläser in entrückte Tonarten.

»Das Adagio habe ich wirklich auf den Tod des Großen, Einzigen geschrieben. Teils in Vorahnung, teils als Trauermusik nach der eingetretenen Katastrophe«, bekennt Bruckner im Rückblick 1894 gegenüber dem – ihm gewogenen – Kritiker Theodor Helm. Vor Beendigung des (auf den Tag genau) zwei Jahre dauernden Komponierens seiner am 23. September 1881 begonnenen Symphonie war mitten in der Arbeit am Adagio Richard Wagner gestorben. Die Verwendung der vier Wagner-Tuben, die von diesem erstmals im Ring des Nibelungen eingesetzt wurden, ist eine offenkundige Reverenz an den Verstorbenen. Von Kontrabasstuba und tiefen Streichern begleitet heben sie zu einem in cis-Moll gesetzten Klagegesang an: »Sehr feierlich und sehr langsam« schreitet der Kondukt voran, und eine neue nach Dur gewendete Streichermelodie mit drei Aufwärtsschritten schließt sich an, drei Mal in leicht veränderter Wiederholung. Dieses nach Ernst Kurth »eigentliche Erlösungs- und Auferstehungsmotiv« wird kurz vor Ende des Satzes nur vom tiefen Blech intoniert und bis zum dreifachen Forte gesteigert, um jäh in sich zusammenzubrechen. Dass dies beim insgesamt 13. Erklingen des Motivs passiert, könnte Bruckner in Korrespondenz zu Wagners Todestag, dem 13. Februar 1883, gestaltet haben. Die Trompetenfanfare eines schnellen und energischen Scherzos führt aus der Katastrophe heraus und liefert wegen der Ähnlichkeit zum Motto von Bruckners Dritter, der sogenannten Wagner-Symphonie, einen weiteren deutlich hörbaren Bezug zum verehrten Vorbild. Ungeachtet dieser starken ideellen Bindung des Werks an den Bayreuther Meister und der Schwierigketen seiner Durchsetzung in Wien wurde Bruckners Siebte allerdings noch vor der Dritten bald zu seiner am häufigsten aufgeführten Symphonie.

Klaus Oehl

Biografie

Christian Thielemann ist seit 2012 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden; außerdem übernahm er 2013 die künstlerische Leitung der Salzburger Osterfestspiele. Zuvor stand er von 2004 bis 2011 als Generalmusikdirektor an der Spitze der Münchner Philharmoniker. Der gebürtige Berliner hat in seiner Heimatstadt an der Hochschule der Künste studiert und anschließend zunächst Erfahrungen an kleineren Bühnen gesammelt, bevor er Erster Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein und danach Generalmusikdirektor in Nürnberg wurde. Von 1997 bis 2004 war er in gleicher Verantwortung der Deutschen Oper Berlin verbunden, wo er 1978 seine Laufbahn als Korrepetitor begonnen hatte. Tragende Säulen in Thielemanns breitem Repertoire bilden Werke der Klassik und Romantik, aber auch das Œuvre Hans Werner Henzes. Enge Zusammenarbeiten verbinden ihn mit den Wiener und den Berliner Philharmonikern (bei ihnen debütierte er 1996) sowie mit den Bayreuther Festspielen, wo er seit seiner ersten Verpflichtung im Sommer 2000 (Die Meistersinger von Nürnberg) alljährlich zu Gast war; seit 2010 ist er dort auch musikalischer Berater und im Juni 2015 wurde er zum Musikdirektor der Festspiele ernannt. Im Rahmen einer vielfältigen Konzerttätigkeit dirigiert Christian Thielemann zudem die großen Orchester in Amsterdam, London, New York, Chicago und Philadelphia; ebenso gastierte er in Israel, Japan und China. Der Künstler ist Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London und Ehrendoktor der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar. Im Mai 2015 wurde ihm der Richard-Wagner-Preis der Richard-Wagner-Gesellschaft der Stadt Leipzig verliehen Mit den Berliner Philharmonikern hat Christian Thielemann zuletzt vor wenigen Tagen erst die f-Moll-Messe von Anton Bruckner sowie Sofia Gubaidulinas Zweites Violinkonzert aufgeführt.

Rudolf Buchbinder, der in diesem Monat seinen 70. Geburtstag feiert, konzertiert seit über 50 Jahren in den internationalen Musikmetropolen mit renommierten Orchestern und Dirigenten; außerdem ist er regelmäßig zu Gast bei den Salzburger Festspielen und anderen bedeutenden Festivals. Sein umfangreiches Repertoire hat einen Schwerpunkt auf der klassisch-romantischen Literatur, schließt aber auch zahlreiche Kompositionen des 20. Jahrhunderts ein. Der Pianist legt besonderen Wert auf akribische Quellenforschung und besitzt eine Vielzahl von Werkausgaben und Erstdrucken. Dies gilt insbesondere für die 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, die er in über 40 Städten (darunter Wien, Berlin, München, Zürich, Mailand, St. Petersburg, Buenos Aires und Peking) als Zyklus aufgeführt hat. Mehr als 100 Platten- und CD-Einspielungen dokumentieren die Vielseitigkeit von Buchbinders künstlerischem Schaffen. Besonderes Aufsehen erregte seine Einspielung des Gesamtwerks für Klavier von Joseph Haydn, die mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet wurde. Der Mitschnitt seines Zyklus der Beethoven-Sonaten in der Semperoper Dresden wurde ebenfalls mit mehreren Preisen gewürdigt. Seit 2007 betreut Rudolf Buchbinder als künstlerischer Leiter das Grafenegg Festivals; auf Einladung von Mariss Jansons ist er in der aktuellen Saison Artist in Residence beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Als Solist bei den Berliner Philharmonikern trat er erstmals Anfang Juli 1975 mit dem Klavierkonzert von Edvard Grieg unter der Leitung von Lothar Zagrosek auf. Zuletzt war er bei ihnen Mitte Januar 2014 an drei Abenden mit Beethovens Fünftem Klavierkonzert zu erleben (Dirigent: Zubin Mehta).

(c) Marco Borggreve