Education

Familienkonzert – Ein tierischer Nachmittag

Familienkonzert

Das wird ein tierischer Nachmittag voller Musik – saulustig, affengeil und bärenstark. Gleich zwei beliebte Kinderbuchfiguren stehen hier im Zentrum des Familienkonzerts: Paddington Bär und Ferdinand der Stier. Während Paddington Bär seine Liebe zum Dirigieren entdeckt, will Ferdinand auf gar keinen Fall von seiner Leidenschaft für Blumen lassen. Durch die tierischen Abenteuer führen der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz und der Philharmoniker Stanley Dodds – gemeinsam mit einigen seiner Orchesterkollegen.

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Stanley Dodds Leitung

Hans-Jürgen Schatz Erzähler

Alan Ridout

Ferdinand der Stier

Herbert Chappell

Paddington Bärs erstes Konzert

Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren

Zu allen Familienkonzerten bieten wir für die ganz kleinen Besucher ab 0 Jahren eine qualifizierte musikpädagogische Kleinkinderbetreuung an, die Sie vor und auch noch im Verlauf der Familienkonzerte wahrnehmen können. Fragen Sie einfach das Philharmonie-Personal nach dem Weg.

Termine und Karten

So, 14. Feb 2016, 14:30 Uhr

Kammermusiksaal

So, 14. Feb 2016, 17:00 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Das wird ein tierischer Nachmittag voller Musik – saulustig, affengeil und bärenstark. Den kleinen Bären, der aus dem »dunkelsten Peru« kommt und von der Familie Brown auf dem Londoner Bahnhof Paddington aufgelesen wurde, kennt fast jeder. Und weil Paddington Bär ein aufgewecktes, cleveres Kerlchen ist, möchte er auch einmal in ein Konzert gehen. Doch sein erstes Konzert gestaltet sich ganz anders als erwartet. Überraschend anders. Wie kann es sein, dass bei dieser Veranstaltung ein unfertiges Stück, eine unvollendete Symphonie gespielt wird? Und dafür haben alle auch noch bezahlt! Doch Paddington Bär lernt nicht nur, was es mit dieser »Unvollendeten« auf sich hat, er weiß auch am Schluss des Konzerts ganz sicher, was er später einmal werden möchte: Dirigent, ist doch klar!

Solche Berufswünsche hat Ferdinand der Stier nicht. Er kennt nur eine Leidenschaft: sich an dem Duft der Blumen zu erfreuen. Einen sanfteren, friedliebenderen Stier als Ferdinand gibt es nicht. Blöderweise sticht ihn eine Biene in den Po und als er wild vor Schmerz herumspringt, sehen ihn Stierkämpfer und denken, er sei der gefährlichste Bulle weit und breit. Sie schleppen ihn in die Stierkampfarena, wo er jubelnd empfangen wird. Ob er sich dort gegen den Torero behaupten kann? Unter Leitung des philharmonischen Geigers Stanley Dodds stellen Mitglieder der Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Hans-Jürgen Schatz als Erzähler die von Herbert Chappell und Alan Ridout in Musik gesetzten Tiergeschichten in diesem Familienkonzert vor.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Tierische Abenteuer

Ferdinand der Stier und Paddington Bär in der Philharmonie

Wer ich bin?

Gestatten?Mein Name ist Paddington Bär. Ich wurde 1958 im finstersten Peru geboren, einem Land mit hohen Bergen, tiefen Tälern und sehr vielen Tieren. Peru liegt im Westen von Südamerika, also auf der anderen Seite der Welt. Jetzt bin ich nämlich in London. Und als ich hier ankam, hat man sogar eine U-Bahnstation nach mir benannt! Na gut, ich will nicht flunkern, schließlich bin ich ein Bär mit guten Manieren. Also, um ehrlich zu sein, hatte ich eine lange und anstrengende Reise hinter mir, als ich mit meinem Koffer auf dem Bahnhof London-Paddington ankam und nicht weiter wusste. All die hektischen Menschen um mich beachteten mich gar nicht. Dabei trug ich ein Schild um den Hals, auf dem stand: »Kümmern Sie sich bitte um diesen Bären! Danke!« Zum Glück entdeckte mich das Ehepaar Brown und nahm mich freundlicherweise mit zu sich nach Hause, wo ich die Kinder Judy und Jonathan kennenlernte. Heute bin ich Teil dieser wunderbaren Familie und gehe oft für sie einkaufen. Ich muss besonders an die Rosinenbrötchen und die Marmelade denken, die hab ich schon wieder aufgegessen – ich kann von Marmelade einfach nicht genug bekommen, wisst ihr? So, nun den Hut geschnappt und los geht’s. Kommt doch einfach mit!

Die Geschichte von Ferdinand, dem Stier

Mein Lieblingsmarkt in London ist der Portobello Market. Hier gibt es alles, was das Bären- und das Menschenherz begehrt! Und außerdem trifft man einen Haufen netter Leute, die viel zu erzählen haben. Ah, seht mal, da ist Pedro, der spanische Obsthändler! »Hola, Paaddingtoon!« Er spricht meinen Namen immer so komisch aus – hihi … Als ich vor ein paar Tagen hier war, erzählte er mir eine lustige Geschichte aus Spanien. Nun müsst ihr wissen, dass Pedro eigentlich nicht Obsthändler, sondern Dichter werden wollte. Und deshalb erzählt er seine Geschichten immer in Reimen. Wartet, ich glaube, ich erinnere mich:

Ferdinand, der sanfte Stier,
der war ein ganz besond’res Tier.
Seine Brüder übten viel,
der Stierkampf war ihr höchstes Ziel!
Doch Ferdinand, der kämpfte nie,
er liebte nur die Harmonie
und all der Blumen Zauberduft
in Spaniens milder Sommerluft.

Eines Tagʼs kamen fünf Männer
alle wahre Stierkampfkenner,
um den stärksten Stier zu holen.
Ferdinand, auf leisen Sohlen,
schlich davon um Ruhʼ zu haben,
derweil die Brüder alles gaben,
um den Herrʼn zu imponieren,
sich perfekt zu präsentieren.

Als Ferdinand sich hinsetztʼ – au! –
stach eine Biene ihn genau
in seinen Po und er sprang auf,
wildschnaubend und im Dauerlauf
rastʼ er über die Wiese hin.
»Der da!«, schallt’s, »Wir nehmen ihn!«

Der Schreck war groß, als Ferdinand
allein in der Arena stand.
Hier solltʼ er nun den Helden geben,
Toreros auf die Hörner heben.
Doch Ferdinand, der wollte nicht,
machte ein sanftes Stiergesicht.
Nun saßen viele Damen da
mit Rosen, Nelken, Gerbera.
Bald flog ein Strauß vor seine Hufe
und trotz aller Kampfesrufe,
schnüffelte er friedlich bloß,
und blieb sonst völlig regungslos.

Die Picadores staunten sehr
und der Torero umso mehr,
die Menge lachte schallend laut:
»Ein Stier, der sich zum Kampf nicht traut!«
Dem Torero platztʼ der Kragen,
wie sollte es das nur ertragen.
Mit rotem Kopf rief er: »Los, raus!«
und schickte Ferdinand nach Haus.
Der lebt nun glücklich und voll Freudʼ
bei seinen Blumen wohl bis heut.

Lustig, oder? So ein sanfter Stier, der in der Arena steht und einfach keine Lust hat, wild zu sein? Also eigentlich wirklich toll, denn ein Stierkampf ist ja eigentlich etwas ganz Entsetzliches, wie mir mein Freund Herr Gruber, der Antiquitätenhändler aus der Portobello Road, erklärt hat. Die armen Tiere werden dabei fürchterlich verletzt und all das nur, weil den Leuten langweilig ist. Wenn sie etwas Besseres zu tun hätten, dann müssten sie keine Tiere quälen. Und es gibt doch wirklich viele Beschäftigungen, die besser wären, meint ihr nicht? Oh, Moment, was höre ich denn da …?

Zwei (oder genauer drei) Herren unterhalten sich

Herbert Chappell: … unter uns, lieber Freund, ich habe damals als Student an der Oxford University ziemlich viel Unterricht geschwänzt und stattdessen lieber Musik für Theaterstücke geschrieben, die von Amateurschauspielern aufgeführt wurden. Immerhin hatte ich schon einige Übung darin, denn komponiert habe ich bereits während meiner Chorjungenzeit an der Kathedrale von Bristol.

Alan Ridout: Herbert, du alter Angeber! Glaubst wohl, du warst der Einzige, der schon als Kind komponieren konnte, hm? Ich hatte mit zwölf Jahren schon ganze 100 Stücke zu Papier gebracht – da staunst du, was?

Herbert Chappell: Mensch, Alan, ich habe deine Musik ja immer geschätzt, aber ich wusste gar nicht, dass du ein richtiges Wunderkind warst!

Alan Ridout: Ja, ja, lang ist’s her … Apropos Kinder. Weißt du Herbert, ich denke, dass wir Komponisten uns heutzutage besonders um die Kinder kümmern sollten. Für mich persönlich gibt es nichts Schöneres, als für Kinder zu komponieren!

Herbert Chappell: Da kann ich dir nur zustimmen! Ich habe auch schon viel für Kinder geschrieben und denke durchaus, dass da noch einige Werke folgen werden. Wenn ich nur die richtigen Geschichten dazu fände …

Alan Ridout: Also ich habe gerade mit dem spanischen Obsthändler gesprochen und er erzählte mir eine herrliche Geschichte von einem zahmen Stier – die werde ich vertonen, das wird ein Spaß! Mir schwebt der Klang einer einzelnen Geige vor. Eine zarte, verträumte Melodie für den sanftmütigen Stier, eine feurig-stolze Musik mit spanischen Anklängen für die Toreros und wenn die Stierbrüder kämpfen, dann wird es richtig wild. Dazu will ich allerlei verrückte Spieltechnikenverwenden. Du wirst dich wundern!

Paddington: Oh, die Geschichte habe ich auch gehört, die wollen Sie wirklich für ein Musikstück benutzen? Ist ja bärenstark!

Alan Ridout: Ja, genau, ähm … Aber wer sind Sie denn?

Paddington: Paddington ist mein Name und ich habe zufällig ihr Gespräch über Musik für Kinder mit angehört und fand das sehr spannend! Gibt es auch Musik für Bären?

Herbert Chappell: Also ich bin der Ansicht, dass Musik für alle da ist, also auch für Bären! Meine Musik zumindest ist für alle gedacht, egal ob groß, ob klein, ob Kenner oder Neuling. Darum schreibe ich auch so viel Filmmusik. Eine Konzerthalle sollte meiner Meinung nach wie ein Marktplatz sein – voller interessanter Eindrücke für die Sinne und offen für jedermann.

Paddington: Eine Kon … was?

Herbert Chappell: Eine Konzerthalle! Haben Sie etwa noch nie eine Konzerthalle gesehen, Paddington? Ein Gebäude, in dem Konzerte gegeben werden?

Alan Ridout: Also ich mag ja besonders die Royal Albert Hall, weil sie wie eine Arena aufgebaut ist und man von allen Plätzen aus gut hören und sehen kann.

Paddington: So wie beim Stierkampf, meinen Sie? Gibt es auch einen Torero in der Konzertarena?

Herbert Chappell: Oh, Sie sind aber ein humorvoller Bär! Na ja, ein klein wenig Ähnlichkeit haben manche Dirigenten schon mit Toreros. Doch vor ihnen steht kein Stier, sondern dort sitzt ein Orchester.

Alan Ridout: Herbert, nimm es mir bitte nicht übel, aber ich habe Hunger und muss dringend schauen, wo ich ein paar Schokoriegel herbekomme. Außerdem möchte ich mich gleich an die Stier-Komposition machen. Auf bald! Tschüss, Paddington, alles Gute!

Herbert Chappell: Also ich muss sagen, Paddington –sie inspirieren mich. Wir sollten uns einmal in Ruhe treffen, damit sie mir mehr aus ihrem Leben erzählen können. Ich wittere da einen schönen Stoff für ein Kindermusikstück …

Paddington: Über mich? Na, meinetwegen, warum eigentlich nicht. Aber ich muss jetzt auch gehen, ich bin noch mit Herrn Gruber verabredet, dem Antiquitätenhändler. Auf Wiedersehen!

Paddingtons erstes Konzert

Ihr werdet es nicht glauben, aber als ich Herrn Gruber erzählte, dass es im finstersten Peru nicht allzu viel Musik gibt, hat er mich in ein richtiges Konzert eingeladen! Lucy hat mir dann das Programm gezeigt und ich muss euch sagen, dass ich entsetzt war: Die spielen eine unvollendete Symphonie von einem Herrn Schubert. Ist denn das zu fassen? Warum bezahlt man den ganzen Preis für ein Konzert, in dem nur eine halbe Symphonie gespielt wird? Wirklich sehr seltsam, der Sache muss ich auf den Grund gehen. Und dann spielen sie auch noch so ein merkwürdiges Stück mit dem Namen »Überraschungs-Symphonie« von einem Herrn Haydn. Na, dann lassen wir uns mal überraschen, jetzt geht es los!

Eine musikalische Reise

Paddington ist weit gereist und hat dabei viele Abenteuer erlebt. Das könnt ihr auch in der Musik hören! Nach einem kurzen Vorspiel erklingt erstmals Paddingtons Lied und das geht richtig in die Beine. Wenn ihr gut aufpasst, könnt ihr es auf seiner musikalischen Reise ziemlich oft und in immer anderen Gestalten entdecken.

Gestartet ist Paddington im finstersten Peru und die Musik mit der der Komponist das darstellt, hört sich ziemlich fremd und auch ein bisschen unheimlich an. Wie ein Vogel ruft die Flöte durch den dunklen Urwald, erst stößt sie jeden Ton einzeln an und am Ende unheimlich schnell hintereinander. Diese Technik nennt man »Flatterzunge«, da der Flötist hier seine Zunge beim Pusten flattern lässt. Zum Glück folgt dann eine fröhliche Musik in der Art, wie man sie bei einem Fest in Peru hören könnte. Neben dem Klirren der Tamburinschellen, erinnern hier auch die Streichinstrumente ein bisschen an Schlaginstrumente, denn sie spielen sogenannte Bartók-Pizzicati. Bei Paddingtons Abstecher auf die Westindischen Inseln könnt ihr zu rhythmischer Karnevalsmusik tanzen und feiern. Die Trompete spielt eine lustige Melodie, begleitet von Bongos und Maracas. Als nächstes könnte ihr hören, wie Paddingtons Schiff in einen Sturm gerät und dann zum Glück doch noch unversehrt in Afrika ankommt. Erkennt ihr, welches Instrument da die Schlange mit einer orientalischen Melodie beschwört? Genau, es ist die Oboe! Und danach landet Paddingtons Schiff ins Spanien, das merkt ihr an der Flamenco-Musik mit den Kastagnetten. Der Flamenco ist ein typisch spanischer Tanz, bei dem man laut mit den Füßen aufstampft.

London klingt natürlich ganz anders. Auf dem Bahnhof Paddington Station geht es auch musikalisch geschäftig zu – hört ihr das Schnaufen der Lokomotiven und die Trillerpfeife des Schaffners? Wenn ihr im Laden von Herrn Gruber gut die Ohren spitzt, werdet ihr das Ticken der vielen alten Uhren vernehmen. Und wie gefällt euch Paddingtons Lied als feuriger Ungarischer Tanz? Na gut, zugegeben, am schönsten klingt es ganz am Ende, wenn Paddington es selber singt.

»Wenn ich erst mal groß bin, dann werde ich Dirigent.«

Lieber Stanley Dodds,
ich war ja gestern in Ihrem Konzert – Sie erinnern sich bestimmt, denn am Ende durfte ich ja selbst mein Lied dirigieren. Ich war auf der Suche nach Herrn Schubert, aber ich habe ihn immer noch nicht gefunden. Kennen Sie ihn zufällig? Dann könnten Sie ihn mal fragen, warum er seine Symphonie einfach unvollendet lässt, das finde ich nämlich wirklich unerhört.

Eigentlich schreibe ich aber aus einem anderen Grund. Als ich gestern nach dem Konzert ins Bett gegangenen bin, da habe ich beschlossen: »Wenn ich erst mal groß bin, dann werde ich Dirigent.« Jetzt habe ich allerdings gesehen, dass Sie eigentlich auch gar nicht so groß sind. Wie groß muss man denn sein, um Dirigent zu werden? Könnten Kinder auch Dirigenten werden? Und was muss man alles können? Ist es sehr schwierig? Sooo viele Fragen …

Also ich hoffe sehr, dass Sie ein paar gute Tipps für mich haben, wie ich Dirigent werden kann. Jetzt freue ich mich auf Ihre Antwort!

Bärige Grüße
Ihr Paddington

***

Lieber Paddington,
Dein tolles Lied konnte ich nach dem Konzert gar nicht mehr aus meinem Kopf bekommen! Aber zu Deinen Fragen: Ich würde sagen, Du hast schon fast die perfekte Größe für einen Dirigenten. Weißt Du, was ich festgestellt habe? Sehr viele Dirigenten sind gar nicht so groß – ich meine, nicht so groß gewachsen. (Auch wenn sich viele für ganz großartig halten!) Ich glaube, um ein guter Dirigent zu sein, muss man vor allem ein großes Herz haben.

Im Prinzip kann jeder, der Musik liebt, Dirigent werden. Man sollte ein gutes Gefühl für Takt haben, aber praktischerweise haben wir alle zwei wunderbare Taktgeber in unserem Körper: das Herz und den Atem! Natürlich muss ein Dirigent auch alle Stimmen des Orchesters kennen und außerdem wissen, wie die Instrumente funktionieren. Am besten sollte er selbst eines beherrschen. Wenn er Noten vor sich hat, muss er sich überlegen, was die Komponisten sich vorgestellt haben könnten, als sie all diese Töne aufgeschrieben haben: Wie soll das Stück klingen? Was war ihnen dabei wichtig? Warum haben sie das so und nicht anders geschrieben? Auch zum Beispiel die Frage, warum Herr Schubert die Symphonie unvollendet gelassen hat, stellt sich ein Dirigent natürlich. Herr Schubert kann es uns leider nicht mehr sagen, er ist schon vor fast 200 Jahren gestorben. Ich glaube aber, er hatte einfach keine Zeit, die »Unvollendete« fertig zu komponieren.

Noch etwas ist wichtig zu beachten: Ein Dirigent arbeitet mit Menschen, den Musikern im Orchester. Sie sind alle sehr begabt, kennen sich super mit Musik aus und natürlich mit ihren Instrumenten. Sehr oft wissen sie auch sehr viel über die Stücke, die auf dem Programm stehen. Und ich verrate Dir etwas: Viele von ihnen wünschen sich, auch mal dirigieren zu dürfen, so wie Du! Deswegen ist es ganz wichtig, ein großes Herz zu haben und offen zu sein. Ein Dirigent darf nicht so tun, als wäre er der Einzige, der alles weiß und alles kann. Gute Dirigenten hören auch auf das, was die Musiker ihnen sagen. So können sie es schaffen, dass alle an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel haben, nämlich ein tolles Konzerterlebnis. Und glaube mir, das Publikum merkt es, wenn das Orchester zusammen atmet, einen gemeinsamen Herzschlag hat und so auch einen vor langer Zeit gestorbenen Komponisten durch seine Musik quasi wieder zum Leben erweckt!

Ich wünsche Dir viel Erfolg und umarme Dich ganz lieb,
Dein Stan

Instrumentenlexikon

Viersaitig und vielseitig: Die Violine

Die Violine, auch Geige genannt, gehört zu den Streichinstrumenten, obwohl man ihre vier Saiten nicht nur mit einem Bogen streichen, sondern auch mit den Fingern zupfen kann (Pizzicato). Früher wurden die Saiten aus Schafdarm gefertigt, heute bestehen sie aber meistens aus Kunststoff oder Stahl. Auf der Höhe der F-Löcher (ihr erkennt sie leicht an ihrer f -Form) laufen die Saiten über den sogenannten Steg und werden dadurch etwas angehoben. Der Geiger kann mit dem Bogen die Saiten in dem Raum zwischen dem Ende des Griffbretts und dem Steg an verschiedenen Stellen streichen: Etwa zwei Zentimeter vor dem Steg klingt der Ton am schönsten, man kann aber auch ganz dicht am Steg streichen, wodurch der Ton sehr schneidend und metallisch wird. Diese Technik nennt man sul ponticello. Einen ganz besonders zarten, gläsernen Klang hingegen erzeugt man mit dem Flageolett.

Eine gute Violine wird von einem Geigenbauer mit viel Liebe und Zeit zusammengesetzt. Die drei berühmtesten Geigenbauerfamilien heißen Amati, Guarneri und Stradivari. Sie alle stammen aus Norditalien, genauer gesagt: aus dem schönen Städtchen Cremona. Bis heute werden ihre Instrumente, die weit über 400 Jahre alt sein können, von den begnadetsten Musikerinnen und Musikern unserer Zeit gespielt. Aber auch ein guter Bogen ist sehr wichtig. Er besteht aus einer Holzstange, in die Pferdehaare eingeklemmt werden. Wenn der Geiger besonders wild geigt, zum Beispiel bei einem Tremolo, können davon schon mal einige reißen. Das macht aber nichts, denn man kann den Bogen auch wieder neu bespannen. Den untersten Teil des Bogens, an dem er festgehalten wird, nennt man übrigens Frosch –allerdings ist er weder grün noch quakt er.

Schlagwerk aus aller Welt: Bongos, Kastagnetten und Maracas

Bongos sind zwei kleine, miteinander verbundene Trommeln mit je einem Fell, die man mit den Händen spielt. Sie werden besonders in Afrika und auf der Insel Kuba benutzt. Die größere, tiefer klingende Trommel nennt man Macho, das ist Spanisch und bedeutet Männchen. Die kleinere, höher klingende heißt Hembra, das Weibchen.

Kastagnetten habt ihr bestimmt schon mal gesehen. Sie bestehen aus zwei kleinen Holzschalen, die zwischen den Fingern einer Hand gegeneinanderschlagen werden und ein »klackerndes« Geräusch machen. Besonders fingerfertige Musiker können die Schalen unheimlich schnell klackern lassen und dazu lässt es sich prima tanzen. Beim spanischen Flamenco-Tanz kann man immer Kastagnetten hören.

Maracas habt ihr vielleicht schon als Babys gespielt, denn das sind einfache Rasseln, die aus einer mit Körnern gefüllten Kugel und einem Griff bestehen. Man braucht sie bloß zu schütteln und schon rasseln sie. Normalerweise hat man in jeder Hand eine Maraca. Besonders beliebt sind Rasseln in Südamerika, wo sie in Tanzmusikgruppen den Rhythmus vorgeben.

Glossar

Auf Streichinstrumenten, also Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen, kann man viel mehr als nur ganz »normale« Töne hervorbringen. Vier besondere Effekte, die ihr auch heute im Konzert hören könnt, wollen wir euch nun kurz erklären:

Beim Pizzicato wird die Saite nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit der Hand gezupft. Genau genommen wird sie sogar gezwickt, denn das ist die Übersetzung des italienischen Worts pizzicato. Der Ton ist dann ganz kurz. Bei einem Bartók-Pizzicato wird die Saite so stark nach oben gezogen, dass sie mit einem lauten Geräusch auf das Griffbrett zurückschnellt. Und da der Komponist Béla Bartók als Erster ein Zeichen für dieses besondere Pizzicato eingeführt hat, nämlich einen Kreis mit einem Strich darin, hat man es nach ihm benannt.

Wenn ein Streicher auf seinem Instrument einen Flageolett-Ton erzeugen möchte, darf er nicht wie sonst die Saite mit seinen Finger ganz auf das Griffbrett drücken, sondern legt ihn nur leicht auf. Wenn er diese Saite nun vorsichtig mit dem Bogen streicht, erklingt ein ganz hoher, zarter, fast fahler Ton. Der Flageolett-Ton wurde wegen seines hohen Klangs nach einer kleinen mittelalterlichen Blockflöte, dem Flageolett, benannt – das ist französisch und bedeutet Flötchen. In den Noten kennzeichnet man einen solchen Ton mit einem kleinen »o«.

Sul ponticello ist italienisch und heißt »am Steg«. Es handelt sich hierbei um eine Spielanweisung für Streicher, die ihren Bogen ganz dicht am Steg entlangführen sollen. Der Steg ist das kleine helle Holzteil, das auf dem Instrumentenkorpus befestigt ist und über das die Saiten verlaufen. Er überträgt die Schwingung der Saiten auf den Korpus und daraus entsteht der Ton. Wenn der Bogen nun sul ponticello gestrichen wird, erklingt ein rauer, kratziger Ton, begleitet von sehr hohen Nebentönen – ein ganz besonderer Effekt, wenn Musik zum Beispiel etwas gruselig sein soll!

Auch das Tremolo eignet sich hervorragend für furchterregende Stellen in der Musik. Das Wort kommt vom italienischen tremare und das bedeutet zittern oder beben. Und genau das passiert bei dieser Spieltechnik mit der Saite und dem Ton. Der Spieler bewegt dafür seinen Bogen ganz schnell auf der Saite hin und her, so, als würde seine Hand zittern. Ein Tremolo kann ganz leise und geheimnisvoll sein, aber auch laut und richtig unheimlich. Bei Blasinstrumenten funktioniert ein Tremolo übrigens etwas anders: Hier werden zwei verschiedene Töne ganz schnell immer abwechselnd gespielt und so entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei den Streichern.

Susanne Ziese

Biografie

Dass Stanley Dodds Musiker wurde, verdankt er seiner Mutter. Die suchte nämlich nach einer sinnvollen Beschäftigung für ihr lebhaftes Kind, und da sie eine gute Geigenlehrerin kannte, schickte sie den damals 4-Jährigen zum Unterricht. Bereut hat das der Sohn australisch-chinesischer Eltern nie – trotz des vielen Übens. Dennoch sagt er: »Das Schönste an meinem Beruf sind die Konzerte«. Doch bis man die richtig spielen oder dirigieren kann, muss man viel lernen: So studierte Stanley Dodds von 1988 an bei Gunars Larsens am Luzerner Konservatorium, wo er das Lehr- und Konzertreifediplom ablegte. Seine Ausbildung vollendete er bei Rainer Sonne an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, bevor er 1994 Mitglied des Orchesters wurde. Wie viele seiner Kollegen wollte er allerdings auch dirigieren, weshalb er zahlreiche Kurse bei Jorma Panula belegte. Das ist einer der bedeutendsten Dirigentenerzieher, die es je gab. So kam es, dass Stanley Dodds heute das Sinfonie Orchester Berlin leitet und zudem regelmäßig mit dem Berliner Sibelius Orchesters und von dem Sinfonie Orchester Schöneberg konzertiert, deren Chefdirigent er von 2002 bis 2014 war. Seit 2012 arbeitet er auch mit dem Landesjugendorchester Mecklenburg-Vorpommern und ist künstlerischer Leiter des Neubrandenburger Jugendorchestertreffens. Außerdem gastiert er bei vielen anderen Orchestern (u. a. Orchestre Philharmonique Luxembourg, Melbourne Symphony Orchestra, Canberra Symphony Orchestra, Jenaer Philharmonie) und assistiert Sir Simon Rattle immer wieder mal bei der Vorbereitung von Aufführungen der Berliner Philharmoniker.

Eigentlich war es klar, dass Hans-Jürgen Schatz einmal als Schauspieler Karriere machen würde: Schon als Kind nahm er das von seinem Vater gebastelte Kasperle-Theater mit in die Schule, um seine Mitschüler zu unterhalten. Ab seinem 13. Lebensjahr zeigte der gebürtige Berliner dann außergewöhnlich großes Interesse am Theatergeschehen seiner Heimatstadt, mit 15 Jahren jobbte er als freier Mitarbeiter beim RIAS (einem Radiosender, den es heute nicht mehr gibt). Nach dem Abitur begann Hans-Jürgen Schatz Publizistik und Germanistik zu studieren, bis sein Leben eine völlig andere Wendung nahm: Die Schauspielerin Gabriele Schramm hatte sein Talent erkannt und schickte ihn, ohne dass er eine Stunde Schauspielunterricht genommen hätte, zu seinem ersten Casting. Er gewann es mit Bravour und übernahm die männliche Hauptrolle in dem Spielfilm Flamme empor von 1978. Seitdem wirkte er in zahlreichen Theaterinszenierungen mit sowie in Kino- und Fernsehfilmen (Heimat, Der Fahnder und Salto Postale). Als Rezitator trat er in den Konzerten der Berliner Philharmoniker auf und arbeitete außerdem mit vielen anderen berühmten Musikerinnen und Musikern. Die Geschichte von Paddington Bärs erstem Konzert kannte Hans-Jürgen Schatz übrigens schon vor diesem Familienkonzert: Er hat sie bereits mit den Hamburger Symphonikern auf CD eingespielt und dafür den Deutschen Schallplattenpreis »ECHO Klassik« erhalten …

Das erste Konzert des »Berliner Philharmonischen Orchesters« fand am 17. Oktober 1882 in der Alten Philharmonie statt. Die Berliner Philharmoniker, die heute zu den besten Orchestern der Welt gezählt werden, gibt es also schon seit fast 134 Jahren! Die Musikerinnen und Musiker kommen aus 25 Nationen, sie sind allesamt herausragende Instrumentalisten. Chefdirigenten waren u. a. Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan und Claudio Abbado; heute ist Sir Simon Rattle der Künstlerische Leiter des Orchesters. Die Musikerinnen und Musiker haben viel zu tun: Sie spielen nicht nur in vielen Orchesterkonzerten in der Berliner Philharmonie, sondern gehen auch regelmäßig auf Reisen, um in den berühmtesten Konzertsälen der Welt zu gastieren. Außerdem treten die meisten Mitglieder der Berliner Philharmoniker regelmäßig in kleinen Besetzungen auf, im Berliner Kammermusiksaal sowie an anderen Orten der Welt. Damit ihnen nicht langweilig wird, unterrichten viele als Professoren an Musikhochschulen oder als Dozenten an der eigenen Orchester-Akademie; wer etwas Besonderes kann, sollte es schließlich nicht für sich behalten! Bei den Konzerten des philharmonischen Education-Programms dürfen die Streicher, Bläser und Schlagzeuger des Orchesters natürlich auch nicht fehlen, und nicht nur dort, schließlich müssen die Programme der verschiedenen Projekte auch einstudiert und betreut werden.