Philharmonie »Late Night«

Reverenz an moderne Klassiker

Der hoch geschätzte Komponist Matthias Pintscher erweist als Dirigent drei bedeutenden Kollegen seine Reverenz. György Kurtág, dessen 90. Geburtstag wir feiern, ist mit dem expressiven Liedzyklus Messages of the Late Miss R V Troussova vertreten, der gleichaltrige Friedrich Cerha fügt sich mit Bruchstück, geträumt bestens in die Late-Night-Stimmung. Zudem begehen wir den 10. Todestag György Ligetis mit seinem faszinierend schillernden Kammerkonzert.

Scharoun Ensemble Berlin

Matthias Pintscher Dirigent

Claudia Barainsky Sopran

Anlässlich des 90. Geburtstags von Friedrich Cerha und György Kurtág sowie des 10. Todestags von György Ligeti

Friedrich Cerha

Bruchstück, geträumt für Ensemble

György Kurtág

Messages of the Late Miss R.V. Troussova für Sopran und Kammerensemble

Claudia Barainsky Sopran

György Ligeti

Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten

Termine und Karten

Sa, 16. Jan. 2016 22 Uhr

Philharmonie

Live in der Digital Concert Hall zur Übertragung

Programm

Zu den beglückendsten und fruchtbarsten Momenten in der über 30-jährigen Geschichte des Scharoun Ensemble Berlin gehören die Begegnungen und die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, beispielsweise mit dem ungarischen Komponisten György Kurtág, der von 1993-1994 Composer in Residence der Berliner Philharmoniker war. Ihm ist dieses Konzert zum 90. Geburtstag gewidmet. Der 1926 in Rumänien geborene Sproß einer ungarisch-jüdischen Familie orientierte sich in jungen Jahren an der Musik Béla Bartóks. Während eines Studienaufenthalts in Paris empfing er wichtige Inspirationen von seinen Lehrern Darius Milhaud und Olivier Messiaen, außerdem von der Musik Karlheinz Stockhausens und Pierre Boulez’. Doch entscheidend war die Begegnung mit der Psychotherapeutin Marianne Stein, durch die Kurtág zu seinem eigenen Kompositionsstil fand.

Mit der Uraufführung seiner Messages of the Late Miss R V Troussova für Sopran und Kammerensemble, einer Folge von Liedern, in denen Kurtág auf hochemotionale, expressive Weise die einzelnen leidvollen Stationen einer unerwiderten Liebe behandelt, gelang ihm Anfang der 1980er-Jahre der internationale Durchbruch. Heute zählt er zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Ungarns, neben György Ligeti, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine lebenslange Freundschaft verband.

Deswegen steht bei diesem Geburtstagskonzert auch ein Werk Ligetis auf dem Programm: das Kammerkonzert für 13 Instrumente. In diesem Stück, in dem einzelnen Musiker immer wieder mit schnellen, solistischen Aktionen herausstechen, schafft Ligeti durch komplexe, polymetrische Strukturen ein faszinierendes, schillerndes Klanggewebe. Die Uraufführung des Kammerkonzerts dirigierte übrigens der österreichische Komponist Friedrich Cerha. Auch er ist in diesem Konzert vertreten – mit dem Werk Bruchstücke, geträumt für Ensemble.