Kammermusik

Klassik trifft Jazz

Das aus philharmonischen Streichern bestehende Athenäum Quartett überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Programmen: Dieses Mal lautet das Motto »Klassik trifft Jazz«. Zu den gespielten Werken gehören Jazz-Klassiker von Duke Ellington sowie Stücke von Friedrich Gulda, Milan Svoboda und Jacques Loussier, drei Grenzgängern zwischen Klassik und Jazz.

Athenäum Quartett:

Laurentius Dinca Solo-Violine

Stephan Schulze Violine

Walter Küssner Viola

Christoph Igelbrink Violoncello

Christoph von der Nahmer Violine

Torsten Puls Bassgitarre

Stanisław Pajak Kontrabass

Igor Cognolato Klavier

Jan Schlichte Schlagzeug

Rainer Seegers Pauke

Klassik trifft Jazz

Duke Ellington

Fantasy, 4 Songs arrangiert für Streichquartett von Paul Chihara

Friedrich Gulda

Wings für Solo-Violine, Perkussion, Pauken, Bassgitarre und Streichquartett

Milan Svoboda

Concerto grosso für Violine, Klavier und Streichquintett

Jacques Loussier

Konzert Nr. 1 für Solo-Violine, Perkussion und Streichquintett

Termine und Karten

Programm

Das aus philharmonischen Streichern bestehende Athenäum Quartett überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Programmen: Egal, ob nordischer Tango oder Wiener Walzer, das Ensemble weiß, mit unbekannten Werken oder unkonventionellen Bearbeitungen die Neugier und die Begeisterung seines Publikums zu wecken. Dieses Mal lautet das Motto »Klassik trifft Jazz«. Der Abend beginnt mit einem Klassiker des Jazz: Duke Ellington. Vier seiner Jazz-Standards, darunter Sophisticated Lady und Mood Indigo, hat der amerikanische Komponist Paul Chihara auf witzige, swingende und mitreißende Weise in seiner suitenartigen Liederfolge Fantasy für Streichquartett eingerichtet.

Die weiteren Programmpunkte stammen von Komponisten, die gerne als Grenzgänger zwischen Jazz und klassischer Musik bezeichnet werden. Friedrich Gulda schrieb mit Wings ein Violinkonzert, in dem es nicht nur die typischen Jazz-Harmonien, sondern auch Raum für Improvisation gibt. Der tschechische Bandleader und Pianist Milan Svoboda verbindet in seinem Werk die barocke Form des Concerto grosso mit Jazzelementen. Und der Franzose Jacques Loussier, »Erfinder« des berühmten Play Bach, zeigt ebenfalls in seinem Konzert für Solo-Violine, Perkussion und Streichquintett, wie befruchtend die Beschäftigung mit den verschiedenen musikalischen Welten sein kann.

Für die Aufführung der drei letztgenannten Kompositionen erhält das Athenäum Quartett Unterstützung von philharmonischen Kollegen, dem Bassisten Stanisław Pajak, dem Geiger Christoph von der Nahmer sowie den Schlagzeugern Simon Rössler und Rainer Seegers, außerdem von dem Bassgitarristen Torsten Puls und dem Pianisten Igor Cognalato. Solo-Violine spielt der Primarius des Quartetts: Laurentius Dinca.

Über die Musik

Freiheit und selbstgesetzte Begrenzung

Klassik trifft Jazz

»Wer von uns hätte beim Anhören von Jazzmusik nicht schon eine dem Schwindel nahekommende Erregung empfunden, wenn es einem Tänzer oder einem Instrumentalsolisten, der sich hartnäckig auf unregelmäßige Akzente versteifte, nicht gelang, das Ohr vom regelmäßigen Pulsschlag des Metrums im Schlagzeug abzuwenden? Wie reagieren wir auf einen derartigen Eindruck? Was fesselt uns stärker in diesem Konflikt? Die Besessenheit durch das Regelmäßige. Diese gleichmäßigen Schläge dienten hier nur dazu, dass die rhythmische Fantasie des Solisten sich entfalten konnte; sie rufen die Überraschung hervor und schaffen das Unvorhergesehene.« So gibt Igor Strawinsky in der Musikalischen Poetik, seinen Harvard-Vorlesungen der Jahre 1939/1940, Auskunft über sein ganz spezifisch rhythmisches Jazz-Erlebnis, das geprägt ist vom produktiven Spannungsverhältnis zwischen Regelmaß und – scheinbarer – Ungebundenheit.

Schon früh hatte die Liebe, ja Begeisterung einiger europäischer Komponisten für die amerikanischen Vorformen dessen, woraus dann später der Jazz wurde, seltsame und attraktive Blüten getrieben. Die Musik der afroamerikanischen Minstrel-Truppen, die vor dem Ersten Weltkrieg sehr erfolgreich Europa bereisten (und damit auch dem Rassismus in den USA entflohen) war stilistisch zwischen der Adaption »weißer« Unterhaltungsmusik, sogar Kirchenmusik, dem Blues und dem Ragtime angesiedelt. Claude Debussy setzte diese seine Liebe in einige Klavierstücke (so Minstrels, Golliwog’s Cakewalk) um. Strawinsky verfremdete Elemente von Scott Joplins Ragtimes in seinen eigenen Ragtimes auf so kunstvolle und gleichzeitig sinnlich anschauliche Weise, dass diese Verfahren bis zum heutigen Tag für alle Arten von Grenzüberschreitungen zwischen »Neuer Musik« und Jazz vorbildlich wurden.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als der »Amerikanismus« ökonomisch und kulturell Europa eroberte, wurde Jazz zum Markenzeichen dieses neuen Lebensgefühls. Darius Milhaud von der französischen Komponistengruppe Les Six hörte in New York und London erstmals originalen Blues, und dieses Erlebnis setzte er um in seinem Ballet La Création du Monde, dessen Sujet ein »schwarzer« Schöpfungsmythos ist. Hier erklingt erstmals eine kulturelle Crossover-Mischform, die sich seitdem, auch im heutigen Programm, großer Beliebtheit erfreut: eine Fuge, deren Thema eine typische melodische Blues-Formel ist. Hanns Eisler, Arnold Schönbergs kritisch-aufmüpfiger Schüler, benutzte Jazz-Elemente etwa in seiner Ballade vom Nigger Jim, um auf rassistische Repressionen aufmerksam zu machen; gleichzeitig warnte er in seinem Essay Zur Situation der modernen Musik (1929) vor den nur oberflächlich-modischen Jazz-Anleihen einiger Zeitgenossen: »Wir hören denselben Jazz wie im Nachtlokal, nur etwas stilisierter und schlechter.«

Theodor W. Adorno setzte sich in seiner großen Abhandlung Über Jazz (1936) außerordentlich kritisch mit dem kommerziellen Jazz auseinander, den er als voll von Schematismen und Klischees beschreibt.So korrekt diese Bestandsaufnahme auch partiell ist, so wenig würdigt sie jedoch das Potenzial, das bereits ein Umgang mit solchen Klischees freisetzten kann. Noch einmal sei auf Strawinskys Musikalische Poetik verwiesen: »Die Funktion des Schöpfers besteht darin, dass er die Elemente, die ihm die Einbildungskraft zuträgt, aussiebe, denn die menschliche Aktivität muss sich selbst ihre Grenzen auferlegen. Je mehr die Kunst kontrolliert, begrenzt und gearbeitet ist, umso freier ist sie. [...] Wer mich eines Widerstandes beraubt, beraubt mich einer Kraft.«

Auf der einen Seite galt und gilt Jazz als eine Domäne eines Freiheitsbegriffs, der eng mit dem Phänomen der Improvisation verknüpft ist; auf der anderen Seite benötigt man, um »ungebunden« improvisieren zu können, ein riesiges Reservoir an musikalischem Wissen, an harmonischen, rhythmischen, formalen, satztechnischen Kenntnissen. Um souverän mit Klischees und Schematismen umgehen zu können, muss man sie beherrschen. Der immer komplexer werdende Jazz erfuhr eine fortschreitende Professionalisierung, auch, was die virtuose Beherrschung der Instrumente und der Singstimmen betraf. Und nicht nur die Musiker vom »E«-Sektor beschäftigten sich mit dem Jazz, sondern auch die Jazzer rezipierten ihrerseits Claude Debussy, Maurice Ravel, Igor Strawinsky, Béla Bartók, Charles Ives und sogar Arnold Schönberg. Das gilt für George Gershwin, Duke Ellington, Charlie Parker, Miles Davis und viele andere. Jazz wurde in den USA zum Konservatoriums- , sogar zum Universitätsfach, das auch theoretisch-wissenschaftlich studiert werden konnte. In den späten 1950er-Jahren etablierte Gunther Schuller, der als ein Jazz-Theoretiker und -Historiker zugleich Instrumentalist und universitärer Kompositionsprofessor war, in den USA den Begriff des Third Stream, der wichtige Voraussetzungen für all die experimentellen Grenzüberschreitungen lieferte, denen wir auch im heutigen Programm begegnen werden. Vorbilder waren Kompositionen wie Strawinskys EbonyConcerto (1945) oder Leonard Bernsteins Prelude, Fugue & Riffs (1949), beide für die Band Woody Hermans.

In den jetzigen Zeiten post-postmoderner medialer Totalpräsenz steht uns selbstverständlich, auch im Jazz, alles »zur Verfügung«, mit zwei bis vier Klicks: Swing, Bebop, Hardbop, Third Stream, Cool Jazz, Modaler Jazz, Jazzrock, Freejazz (»Was müssen wir denn heute wieder dürfen?«), Ethnojazz und das eine oder andere – um es prenzelbergschwäbisch auszudrücken – Crossoverle, und immer mal wieder zurück zum Blues, ad fontes, zu den (Gras)Wurzeln. Um aber nicht in völliger Vergleichgültigung des »Anything Goes« zu versinken, sei noch einmal an Strawinskys Dialektik von Freiheit und selbstgesetzter Begrenzung erinnert. Von dieser Basis aus werden nun auch die heute erklingenden Stücke vorgestellt.

Fantasy – Four Songs von Duke Ellington, arrangiert von Paul Chihara

Das »philharmonische« Athenäum Quartett eröffnet das Konzert mit vier berühmten Jazz-Standards von Duke Ellington, zusammengestellt und virtuos für Streichquartett arrangiert von dem den amerikanischen Komponisten japanischer Abstammung Paul Chihara, der seinen Zyklus Fantasy nannte: m Beginning to See the Light; Sophisticated Lady; Take the »A« Train; Mood Indigo. Chihara charakterisiert sich selbst so: »Ich arbeite sozusagen in beiden Lagern. Ich habe längere Zeit für Hollywood komponiert, bin aber auch ein Mitglied der ›respektablen Avantgarde‹. Und ich lehre an einer Universität, was selbstverständlich ›akademisch‹ bedeutet.« In einem Booklet für die CD Love schrieb er: »Die Fantasies über Duke Ellington habe ich 1981 kurz nach der erfolgreichen Premiere des Broadway-Musicals Sophisticated Ladies [...] geschrieben – eines Projekts, an dem ich als Arrangeur, Orchestrator und musikalischer Berater beteiligt war. [...] m Beginning to See the Light ist sicherlich ein Liebeslied der Verführung, während Take the »A« Train das persönliche und künstlerische Band zwischen Billy Strayhorn [Pianist und Arrangeur im Ellington-Orchester] und Duke Ellington besiegelte.«

Es gelingt Chihara mit erstaunlicher Leichtigkeit, die Gattungs-Spezifik »Streichquartett« auch in Jazz-Adaptionen zu erfüllen: vier gleichberechtigte Partner, jeder hat Anteil an den typischen Ohrwurm-verdächtigen Ellington-Themen und -Motiven ebenso wie an begleitenden Figuren und musikalischem »Füllwerk« im Hintergrund. Spürbar ist aber auch immer, dass die Interpretationen dieser Klassiker, die Ellington selbst etwa mit Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong eingespielt hat, bei Chihara präsent sind: improvisatorischer Scat-Gesang und entsprechende Trompeten-Figurationen werden auf die Streicher übertragen, und die charakteristischen »walking-bass-Skalen« der Jazz-Arrangements erklingen nicht nur in den Pizzicati des Cellos.

Der »klassische« Pianist Friedrich Gulda, der sich als durch seine kompositorischen und interpretatorischen Ausflüge in den Jazz und in provokative Performances gern als Wienerisches enfant terrible stilisierte, suchte und fand dort jene Möglichkeiten von partieller Freiheit und improvisatorischer Ungebundenheit, die ihm in den »E«-Genres nicht gestattet waren, die er sich aber auch dort bisweilen nahm. Seine Komposition Wings für Solo-Violine, Perkussion, Pauken, Bassgitarre und Streichquartett (1973) gibt ­– typisch für die frühen 1970er-Jahre – viel Raum für »ungebundene« Improvisation mit nur verbal-gestischen Aufforderungen wie »Take a deep breath and and get into another mood«. »Use your fantasy«, »Cook in as similar groove, but play something of your own.« Die Wings sind bis heute eine große Herausforderung für alle Solisten.

Gulda setzt besonders rumänisch inspirierte Skalen ein, die auch von Klezmer-Musik und Flamenco beeinflusst sind, also von Modi aus der gesungenen Volksmusik, speziell aber der volksmusikalischen Geigen-Tradition. Ähnliches findet sich auch bei Enescu, Bartók und beim frühen Ligeti. Gleichzeitig ist zudem die konzertante virtuose Violin-Tradition des 19. und 20. Jahrhunderts präsent, von Tschaikowsky und Sarasate bis zu Ravels Tzigane. Tonfelder und Spielpraktiken der »Neuen Musik« verschmelzen auf elegante Weise mit Jazz-Harmonik und dirty intonation. Gibt es eine rumänische Bolero-Habanera? Bei Gulda: ja. Die Wings sind ein amüsantes virtuoses Pasticcio, das mit Lust an den Grenzen des »guten Geschmacks« entlang schrammt.

Das Concerto grosso von Milan Svoboda

Das Doppelkonzert für Violine, Klavier und Streichquintett von Milan Svoboda verbindet dessen in Tschechien erworbene musikalische »Muttersprache« mit einer Jazz-Affinität, die durch sein Studium am Berklee-College in den USA eine prägende Vertiefung erfuhr. Als Komponist, Arrangeur, Pianist und Dirigent gründete und leitete Svoboda – auch internationale – Big Bands; er ist Professor für Komposition und Jazz-Harmonie in Prag. Schon die Gattungsbezeichnung Concerto grosso verrät eine Nähe zu neoklassizistischer Polystilistik, die mit ihren tonal-modalen Elementen Übergänge zum modalen Jazz ermöglicht, zugleich mit ihren »osteuropäischen« Taktwechseln auf Strawinsky und Bartók zurückverweist.

Virtuos konzertierende Elemente dominieren im ersten Teil der Komposition; eingeschoben als Intermezzi sind ruhige Andante-cantabile-Partien der Streicher ohne die Soli und Solo-Kadenzen der Violine. Das Zentrum des Werks ist ein getragenes, oft improvisatorisches »Accompagnato-Rezitativ« der Soli über einem Ostinato des Streichquintetts. Erst im Schluss-Satz hat auch der Pianist »seine« Solo-Kadenz. Die Verknüpfung von Neoklassizismus und Jazz-Elementen mündet – durchaus folgerichtig – in einer Fuge.

Jacques Loussiers Konzert Nr. 1 für Solo-Violine, Percussion und Streichquintett

Der Franzose Jacques Loussier, ist bei uns primär bekannt geworden als Pianist und durch seine Jazz-Adaptionen zahlreicher Werke von Johann Sebastian Bach. Doch über seine Reihen Play Bach hinaus komponierte er u. a. Kammermusik und zahlreiche Filmmusiken, arbeitete mit Elton John, Sting und der Gruppe Pink Floyd zusammen; all diese Erfahrungen haben ihre Spuren hinterlassen im 1987/1988 entstandenen Konzert Nr. 1 für Solo-Violine, Perkussion und Streichquintett.

Prague, eine doppelte Passacaglia in fis-Moll und d-Moll, zeigt eine auf neobarocken Harmonie-Patterns aufgebaute starke, entschlossene Haltung mit immer wieder abgerissenen, heftig akzentuierten Figurationen; Jazz-Nähe wird durch die Latin-Rhythmik mit ihren off-beats und asymmetrischen Akzenten signalisiert. Der zweite Teil bringt eine attraktive »Cadenza« für Violine und Schlagzeug. L’homme nu ist der kurze, kontemplative, harmonisch schlichte langsame Satz und hat mit Jazz nichts zu tun. Buenos Aires Tango – das könnte auf eine Nähe zum Tango Nuevo des ja ebenfalls Jazz-affinen Astor Piazzolla schließen lassen: Das geschieht wirklich, aber auf der Basis von variierten Figurationen und Harmonie-Patterns des Kopfsatzes; Loussier erzeugt so übergeordnete strukturelle Verwandtschaften. Tokyo schließlich beginnt mit einer pentatonischen Klangfläche und wird zum virtuosen, dem Jazz am nächsten stehenden Stück des Zyklus – mit walking bass, verfremdeten Adaptionen des »klassischen« Blues-Schemas und einem Hauch »Sturm« aus Vivaldis Vier Jahreszeiten.

Hartmut Fladt

Biografie

Das Athenäum-Quartett besteht aus langjährigen Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Laurentius Dinca kam 1984 als Erster Geiger zum Orchester, Stephan Schulze bereits ein Jahr zuvor in die Gruppe der Zweiten Geigen. Der Bratscher Walter Küssner und der Cellist Christoph Igelbrink gehören den Philharmonikern seit 1989 an. Nach dem Debüt 1990 im Kammermusiksaal der Philharmonie startete das Quartett eine intensive Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Tourneen führten es nach Japan, Italien, Österreich und Portugal. Das Ensemble, das sich neben dem klassisch-romantischen Repertoire verstärkt der modernen Musik widmet, tritt seit 1995 auch während der Salzburger Osterfestspiele in der Reihe »Kontraste« auf. Im Rahmen der philharmonischen Kammerkonzerte brachte es zuletzt Ende Anfang November 2010 Tangos von diversen finnischen Komponisten sowie von Astor Piazzolla und Eduardo Alonso-Crespo zur Aufführung. Mit vier weiteren philharmonischen Kollegen bilden die Mitglieder des Athenäum-Quartetts das Philharmonische Streichoktett.

Laurentius Dinca, Primarius des Athenäum-Quartetts, wurde 1953 in Bukarest geboren. Er begann seine Ausbildung 1972 an der Musikhochschule Bukarest bei Ion Geanta; 1975 wurde er Erster Geiger im Rundfunkorchester Bukarest. In der Jahren 1978 bis 1981 setzte er sein Studium bei Peter Munteanu an der Musikhochschule Lübeck fort. 1980 wurde der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe Konzertmeister im Rundfunkorchester des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main. Dort war er auch Primarius des Sonare Quartetts. Als begeisterter Kammermusiker ist Laurentius Dinca außerdem Gründungsmitglied der Philharmonischen Geigen Berlin.

Stephan Schulze begann mit sechs Jahren Geige zu spielen; von 1975 bis 1978 studierte er bei Otto Büchner an der Hochschule für Musik und Theater in München. Danach bildete er sich an der Berliner Hochschule der Künste, der heutigen Universität der Künste, bei Thomas Brandis weiter. Seine erste Orchesterstelle führte ihn 1981 als Ersten Geiger zum Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg; seit September 1983 gehört der bei den Berliner Philharmonikern der Gruppe der Zweiten Violinen an. Neben seiner Orchestertätigkeit ist Stephan Schulze als engagierter Kammermusiker nicht nur zweiter Geiger des Athenäum-Quartetts, sondern auch Mitglied der Philharmonischen Virtuosen und der Philharmonischen Geigen.

Walter Küssner erhielt seine Ausbildung als Bratscher bei Jürgen Kussmaul in Düsseldorf, Kim Kashkashian in New York und Michael Tree in St. Louis. In der Saison 1986/1987 war er Stipendiat der philharmonischen Orchester-Akademie. Der Preisträger mehrerer Wettbewerbe wurde 1987 Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in München. Zwei Jahre später wechselte er zu den Berliner Philharmonikern, bei denen er auch in zahlreichen Kammermusikformationen mitwirkt (Berliner Barock Solisten, Concerto Melante, Philharmonisches Streichoktett, Athenäum Quartett u. a.). Als Gastprofessor für Viola unterrichtet Walter Küssner an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin, 2005 wurde er auf eine Ehrenprofessur an der Musikhochschule in Schanghai berufen. Der Musiker, der auch als Dozent an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker tätig war, lehrt zudem im Rahmen von Meisterkursen in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika.

Christoph Igelbrink erhielt mit sieben Jahren den ersten Klavierunterricht und begann mit elf Violoncello zu spielen. Von 1976 an studierte er bei Wolfgang Mehlhorn an der Hamburger Musikhochschule und gewann zwei Jahre darauf den Enrico-Mainardi-Wettbewerb in Luzern. Weitere Studien bei Arto Noras in Helsinki, in Frankreich und der Schweiz, sowie Meisterkurse bei Antonio Janigro und Paul Tortellier folgten ab 1981; außerdem war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und erhielt das Masefield-Stipendium der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. 1986 wurde Christoph Igelbrink als Vorspieler beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg engagiert; seit 1989 gehört er den Berliner Philharmonikern an. Der Cellist des Athenäum-Quartetts ist ebenfalls Mitglied der 12 Cellisten, des Philharmonischen Oktetts des Brahms und des Ensembles Berlin.

Igor Cognolato wurde 1965 in Treviso (Italien) geboren und begann als Sechsjähriger mit dem Klavierspiel und legte als bereits mit 19 Jahren sein Klavierdiplom am venezianischen Conservatorio di Musica Benedetto Marcello mit »magna cum laude« ab; zudem studierte er in Italien Chorleitung bei Michele Marvulli und beim Komponisten Ugo Amendola (der ihm seine 6. Klaviersonate widmete). Seine pianistische Ausbildung vervollkommnete Igor Cognolato bei Roberto Szidon an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, sowie bei Aldo Ciccolini (Paris) und Dario de Rosa (Triest). Der Musiker trat in den USA sowie in ganz Europa auf, wo er u. a. als Solist bei Orchestern wie der NDR Radiophilharmonie, dem Orchester des Gran Teatro La Fenice di Venezia und dem Orchestra di Padova e del Veneto gastierte. Elf Jahre lang hatte Igor Cognolato eine Professur an der Musikhochschule »Giuseppe Tartini« in Triest, bevor er 2005 ans Conservatorio di musica Benedetto Marcello in Venedig berufen wurde; zudem gab er Meisterkurse in Graz, Wien, London, Vilnius und Castellò (Spanien). In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Igor Cognolato nun erstmals zu erleben.

Stanisław Pajak wurde in Bielsko-Biała (Polen) geboren und spielte als Kind zunächst Geige, bevor er als Jugendlicher zum Kontrabass wechselte. Ab 2002 absolvierte er ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Bonawentura Nancka; 2004 wurde er beim 3. Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Ein Jahr darauf wurde er Schüler von Esko Laine an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler«, wo er 2009 seine Ausbildung mit dem Konzertexamen abschloss. Stanisław Pajak war Stipendiat des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und der Oscar und Vera Ritter-Stiftung sowie Akademist des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und der Berliner Philharmoniker. Er spielte bei der Dresdner Philharmonie sowie als stellvertretender Solo-Bassist bei den Bamberger Symphonikern bevor er Ende August 2011 seine Stelle bei den Berliner Philharmonikern antrat.

Christoph von der Nahmer begann im Alter von fünf Jahren mit dem Geigenspiel. Der Preisträger des Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« debütierte 1991 mit 16 Jahren in seiner Heimatstadt als Solist in Max Bruchs Violinkonzert. Christoph von der Nahmer studierte bei Thomas Brandis, dem langjährigen Ersten Konzertmeister der Berliner Philharmoniker und war Stipendiat am Interlochen Center for the Arts in Michigan. Im Sommer 1996 wurde er mit dem Mozart-Preis der Stadt Baden-Baden geehrt. Es folgten solistische Auftritte mit dem Landesjugendorchester NRW, der Baden-Badener Philharmonie und den Berliner Symphonikern. 1997 wurde Christoph von der Nahmer noch während seines Studiums bei den Berliner Philharmonikern in die Gruppe der Zweiten Violinen aufgenommen; erst im folgenden Jahr absolvierte er das Konzertexamen an der Berliner Universität der Künste. Über seine Arbeit im Orchester und solistische Auftritte hinaus engagiert sich der Geiger kammermusikalisch im Ensemble Berlin sowie in der Philharmonischen Camerata.

Für Torsten Puls waren erste musikalische Einflüsse die Skiffle- und Bluegrass-Musik, die in seinem Elternhaus mit großer Begeisterung ausgeübt wurde. Er lernte Klavier, klassische Gitarre und wurde von Jeanfrançois Prins an der Universität der Künste Berlin im Fach Jazz/Plektrumgitarre unterrichtet. Zudem erhielt er in Varanasi (Indien) Sitarunterricht und war an E-Bass, Gitarren und andere Saiteninstrumente in diversen Weltmusik-Ensembles mit kurdischen und türkischen Musikern zu erleben. Im Studio und auf der Bühne arbeitete Torsten Puls mit so unterschiedlichen Künstlern wie Roger Cicero, den Comedians Pigor & Eichhorn, Jane Comerford und Ekki Busch zusammen und trat mehrere Jahre als Gitarrist in der RBB-Talksendung »Sommernacht« auf. Er ist Mitglied des Berliner Kammeroper-Ensembles Canteatro, gehört zu den Musikern am Berliner Ensemble und leitet seit 2011 als Arrangeur, Gitarrist und Pianist die Band von Wiglaf Droste. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt Torsten Puls nun sein Debüt.

Jan Schlichte, 1972 in Frankfurt am Main geboren, begann seinen musikalischen Lebensweg am Klavier und studierte schließlich von 1991 an in seiner Heimatstadt Schlagzeug. Später wechselte er an der Musikhochschule in Trossingen, wo er von Franz Lang sowie von Rainer Seegers, dem Pauker der Berliner Philharmoniker, unterrichtet wurde, der neben Franz Schindlbeck auch sein Lehrer an der philharmonischen Orchester-Akademie war. Umfassende Orchestererfahrung sammelte Jan Schlichte u. a. in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Rundfunkorchester des Südwestfunks. Seit September 1998 gehört er den Berliner Philharmonikern an. Sein besonderes Engagement für die zeitgenössische Kammermusik für Klavier und Schlagzeug führte nach Konzerten auf verschiedenen Festivals zur Gründung des philharmonischen Ensembles KlangArt Berlin, das sich zum Ziel gesetzt hat, Neue und Neueste Musik zur Aufführung zu bringen. Außerdem musiziert Jan Schlichte im Kammerensemble für Neue Musik Berlin und mit dem Scharoun Ensemble.

Rainer Seegers, in Dessau geboren, wurde nach dem Umzug der Familie nach Hannover an der dortigen Musikhochschule Jungstudent bei Albert Schober in den Fächern Schlagzeug und Pauke; vom 14. Lebensjahr an spielte er aushilfsweise im Staatsopernorchester der niedersächsischen Landeshauptstadt. Später absolvierte er ein Schulmusikstudium mit Hauptfach Schlagzeug, bevor ihn nach Abschluss seiner Ausbildung sein erstes festes Engagement als Solo-Pauker an das Staatstheater Braunschweig führte. Zwischen 1979 und 1983 gehörte er in gleicher Position dem Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester an; daneben war er von 1977 bis 1982 Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters. 1984 kam Rainer Seegers zu den Berliner Philharmonikern, zunächst als ständige Aushilfe, dann zwei Jahre später in fester Anstellung. Sein musikalisches Wirken wird ergänzt durch Lehraufträge und Meisterkurse: Außerdem unterrichtet er an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie als Gastprofessor an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin.

(c) A. Coppone