Kammermusik

Pianistisches Gipfeltreffen

Die drei Pianisten Leszek Mo?d?er, Michael Wollny und Iiro Rantala sind ein umwerfendes Trio. Davon konnte sich jeder überzeugen, der das erste Konzert der Reihe »Jazz at Berlin Philharmonic« im Dezember 2012 miterlebt hat. Nun treffen sie wieder zusammen, um teils solistisch, teils im Duo oder Trio Musik zu machen.

Leszek Możdżer Klavier

Iiro Rantala Klavier

Michael Wollny Klavier

Piano Night

Kuratiert von Siggi Loch

Termine und Karten

Programm

Die drei Pianisten Leszek Możdżer, Michael Wollny und Iiro Rantala sind ein umwerfendes Trio. Davon konnte sich jeder überzeugen, der das erste Konzert der Reihe Jazz at Berlin Philharmonic im Dezember 2012 miterlebt hat. Einen »fulminanten Start« hätten sie hingelegt, hieß es anschließend im Tagesspiegel. Nun treffen sie sich wieder auf dem Konzertpodium der Philharmonie, um teils solistisch, teils im Duo oder Trio Musik zu machen. Eine gelungene Mischung, denn jeder der drei Künstler bringt seine eigenen stilistischen Besonderheiten mit.

Der Pole Leszek Możdżer gilt als Romantiker unter den europäischen Jazzpianisten und ist für seine überragende Anschlagskultur bekannt. »Die Philosophie meines Spiels liegt nicht darin, die Tasten des Flügels zu drücken, sondern die Hämmer in die Luft zu werfen«, lautet sein Credo. Der Deutsche Michael Wollny hingegen wird von der Presse gerne als »vollkommener Klaviermeister« gefeiert, dem es immer wieder mühelos gelingt, sich neu zu erfinden – schließlich, so Wollny, sei die eigentliche Musik vor allem dort zu finden, wo sie die Konvention nicht vermuten würde.

Mit dem Finnen Iiro Rantala ist ein weiterer virtuoser Pianist zu Gast, ein Musiker, der in der Szene als »Naturereignis an den Tasten« gefeiert wird und der sich in seinem Spiel gerne auf das Barockgenie Johann Sebastian Bach bezieht. Denn für ihn ist Bach der erste Jazzer der Musikgeschichte.

Über die Musik

Zurück auf Anfang

Pianistengipfel bei Jazz at Berlin Philharmonic

Wenn der Jazz von heute nie seine Wurzeln und seine Tradition vergessen oder verleugnen sollte, dann gilt dies nicht nur für Jazztheoretiker und -musiker, sondern auch für Produzenten und Veranstalter. So blickt die Reihe Jazz at Berlin Philharmonic an diesem Abend auf seine Anfänge zurück, um die Entwicklung nachzuverfolgen, sich des Erreichten zu vergewissern und den Blick für die Zukunft zu öffnen.

Drei Pianisten gaben am 11. Dezember 2012 den Startschuss zur Reihe. Mit Michael Wollny, Iiro Rantala und Leszek Możdżer traten drei herausragende Vertreter der neuen Jazz-Generation an. Eine Generation, die ihr Instrument zumeist klassisch erlernt hat und schon deshalb um die eigene Musiktradition weiß; die auf diesem Weg den Jazz und seine Freiheit kennen und lieben gelernt haben; und die schon wegen ihres Alters quasi zwangsläufig auch mit Rock- und Popmusik aufgewachsen sind. Musiker also, die nicht mehr »Jazz spielen«, sondern die schlicht »Musik machen«, eine Musik, in der all ihre Erfahrungen und damit alle Genres und Stile zusammenlaufen. Im Fall dieser drei Pianisten obendrein Musiker, für die es dank ihrer Virtuosität auch kaum spieltechnische Grenzen gibt. Ihr Auftritt wurde so zum »fulminanten Start« mit »Seltenheitswert für Berlin«, bei dem sich »Jazz und Klassik auf Augenhöhe begegnen«, wie der Tagesspiegel schrieb, und das ZDF verkündete: »Von Bach bis Corea, von Możdżer über Wollny bis Rantala. Das war großartig, um nicht zu sagen: Weltklasse.« Der Erfolg dieses Abends – der auch als CD unter dem Titel Jazz at Berlin Philharmonic I dokumentiert ist – ermutigte Kurator Siggi Loch und die Stiftung Berliner Philharmoniker, die Idee weiter zu verfolgen und eine Konzertreihe zu installieren.

Alle drei Pianisten waren zu diesem Zeitpunkt bereits, zumindest in Deutschland beziehungsweise in ihren Heimatländern, etablierte Größen. Wollny hatte mit dem Trio [em]vom BMW Welt Jazz Award über den Neuen Deutschen Jazzpreis bis zum ECHO Jazz schon die wichtigsten heimischen Preise gewonnen. Rantala war seit 1990 mit seinem Trio Töykeät erfolgreich auf allen Festivals unterwegs gewesen und hatte für sein erstes Solo-Album soeben den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und den ECHO Jazz bekommen. Możdżer schließlich genoss in Polen schon Star-Status, arbeitete dort mit Musikern jedes Genres und kam mit seinen fast immer mit Platin gekrönten Alben stets bis in die höchsten Popcharts-Ränge. Trotzdem war dieses erste Konzert, das unter dem Titel Jazz at Berlin Philharmonic firmierte, für alle eine Startrampe, von der aus sie sich international etablierten. Eine Entwicklung, die sich schon daran zeigt, dass die drei nun nicht mehr im Kammermusiksaal, sondern im Großen Saal der Berliner Philharmonie antreten. Und nicht nur für die Konzertbesucher, die schon damals dabei waren, wird es enorm spannend sein, zu hören, was sich seitdem entwickelt hat.

Von Bach bis Lennon: Iiro Rantala

Speziell Iiro Rantala hat seit 2012 ganz neue Farben in sein Spiel integriert. Er selbst sieht den Ausgangspunkt seiner erst 2010 begonnenen Solokarriere erstaunlich nüchtern: »Das Trio Töykeät bestand 18 Jahre, aber während unsere schwedischen Freunde von E.S.T. in immer größeren Hallen spielten, sind wir nie richtig bekannt geworden. Das New Trio gab es nur zwei Jahre, und es hat großen Spaß gemacht, aber es war schwer, Gigs zu bekommen. Das Publikum hat Felix Zengers Beatbox nie verstanden. Jazz-Pianisten machen Soloalben entweder dann, wenn sie keine Ideen mehr haben oder wenn sie die Gesellschaft anderer Musiker nicht mehr ertragen können. Ich hatte beide Motive, keine Band und keinen Plattenvertrag mehr, und traf dann Siggi Loch. Er hat mir angeboten, ein Soloalbum zu machen, das Timing war magisch. Lost Heroes war ein guter Einstieg. Bei den ersten Konzerten war ich aufgeregt, so alleine auf der Bühne. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, aber inzwischen genieße ich es.«

Nach den wilden und witzigen Jazz-Dekonstruktionen mit seinen Trios hatte Rantala mit der Beschäftigung mit großen Vorgängern und Vorbildern eine neue Inspiration für sein eklektizistisches Spiel gefunden, die ihm eine eigene Handschrift verlieh. Ganz besonders die Auseinandersetzung mit Esbjörn Svensson und seiner bahnbrechenden Musik half ihm: »Ich war mit Esbjörn zwar nicht befreundet, aber doch so gut bekannt, dass sein schockierend absurder Unfalltod mein eigenes Leben verändert hat. Vielleicht musste ich tatsächlich erst 40 werden, um die Rolle des Virtuosen zu überwinden und mich auf das Schöne, Langsame, Melancholische und Ruhige zu wagen. Wenn ich jetzt die Kompositionen Svenssons spiele, ist das immer auch ein Protest gegen den Tod.«

Baute das kurz vor dem Berliner Auftritt 2012 erschienene Album My History Of Jazz – bei dem nicht zuletzt der von Rantala als »erster Jazzer« verehrte Johann Sebastian Bach eine große Rolle spielte – schlüssig auf Lost Heroes auf, so ergaben sich daraus auch folgerichtig Rantalas nächsten Schritte. In Anyone With A Heart im ungewöhnlich besetzen Trio mit dem revolutionären Geiger Adam Bałdych und der grandiosen Cellistin Asja Valčić vergewisserte er sich seiner neu Erworbenen Konzentration auf die Essenz der Musik. Im Duo mit dem Saxofonisten Jukka Perko (It Takes Two To Tango) überprüfte er das mit dem Rückgriff auf seine finnischen Wurzeln, in diesem Fall denen des Tangos, der ja außer in Argentinien und Frankreich in Finnland seine Hochburg hat und dort neben dem einheimischen Humppa eine aktuelle, populäre Volks- und Popmusik ist. Das gab ihm die Kraft und die Skills für seine nächste Solo-Hommage, die so fokussiert und vom eigenen Stilwillen durchdrungen war wie bislang noch keine: My Working Class Hero beschäftigte sich zum 75. Geburtstag John Lennons auf unerhörte Art mit dem Mastermind der Beatles und katapultierte Rantala endgültig ins internationale Rampenlicht. »Lennon-Gedenkalben gibt es viele, doch selten war eine Hommage subtiler angelegt«, schrieb etwa die Frankfurter Allgemeine. Das ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente berichtete begeistert. Zu Recht, verwandelte Rantala doch die alten Ohrwurmmelodien meisterlich in perlende Improvisationsketten, ohne den emotionalen Kern, der jeden Song befeuert, zu zerstören. So wie bei »Just Like Starting Over«, das er in der Philharmonie spielen wird, und das mit seinem lyrischen Tonfall und seiner klassisch zurückgenommenen Form von einem Franz Schubert geschrieben sein könnte.

Das Schlüsselwort für den künstlerischen (wie auch kommerziellen) Erfolg dieser Hommage lautet wohl Aufrichtigkeit. So wie sich Lennon in seinem Spätwerk, auf das sich Rantala konzentrierte, nichts mehr beweisen musste und völlig ohne Kalkül komponierte, was er für richtig und wichtig hielt, so ehrlich geht auch Rantala mit seiner Vorlage und sich selbst um. »Um sich an solchen Hommagen zu versuchen, muss man die Musik lieben. Denn das Publikum spürt, wenn man sie nur aus kommerziellem Kalkül spielt. Nähert sich ein Jazzmusiker dem einfachen Pop von John Lennon mit Dünkel oder Arroganz, wird er vom Jazz-Publikum verachtet und vom Pop-Publikum gehasst werden. Dieses Risiko sollte man im Hinterkopf behalten. Man muss die Essenz dieser Songs behalten und etwas von sich selbst hinzufügen. Alles hängt da am Glauben: Man muss als Künstler glauben, dass Leute das hören wollen. Ich hatte unterwegs auch Zweifel, ob ich damit nicht alle ins Koma schicke. Dann habe ich die Stücke live getestet, und zu meinem Erstaunen mochten die Leute sie. Außerdem hat man die Kraft der Themen zu respektieren: Meine Freiheit liegt dann im Solo.« Eine Freiheit, die Rantala mit seinem selbst komponierten »Freedom« in Berlin auch ganz auskosten wird.

Im Jazz-Olymp angekommen: Michael Wollny

Seine künstlerische Freiheit hat auch Michael Wollny gefunden. Doch er hat hart dafür gearbeitet. Gut zehn Jahre hat es gedauert, bis über die Jazzszene hinaus auch die breite Öffentlichkeit mitbekommen hat, dass es in Deutschland einen einmaligen Pianisten gibt; ein geniales Talent, ein Neoromantiker am anderen Ende der Brad-Mehldau-Skala, einer, der für jedes musikalische Theorem eine eigene, stets überraschende Lösung findet. Dann, 2014, berichteten das Heute Journal und die Tagesthemen über Michael Wollny und sein Trio-Album „Weltentraum“, das bei Amazon zeitweilig auf Platz zwei der Charts rangierte – noch vor allen Pop-Größen. Selbst in England wurde es Album des Jahres, gleich drei Jazz ECHOS gab es, ein Rekord. Dabei war das Album mit seinen Bearbeitungen von Avantgardisten wie Paul Hindemith, Wolfgang Rihm, Edgard Varèse oder Alban Berg nicht wirklich zum Hit prädestiniert.

Eher das nicht minder erfolgreiche Nachtfahrten im vergangenen Jahr. Der Titel ist inspiriert vom Buch Nachtmeerfahrten – typisch für Michael Wollny, dem Freund der Nacht und großen Liebhaber von Fantasy und Horrorfilmen, von David Lynch und japanischem Gothic, der in der seine Kompositionen und Improvisationen speisenden »inneren Klangbibliothek« hier nach den Kontrasten und Emotionen der Dämmerung und Dunkelheit forscht. Prägende Fantasien, Orte und Klänge verarbeitete er gewohnt berührend und überraschend: etwa die Melodie aus Twin Peaks, das Hotel in dem Thriller Psycho oder das Tal der Schlösser in Edgar Allen Poes Erzählung Metzengerstein.

Sich zu wiederholen, hat Wollny seit jeher konsequent vermieden, und so beschritt er auch hier neue Wege. Nachdem er mit dem Trio [em] vor allem mit Rock- und Pop-Einflüssen experimentierte, in den eigenen Projekten zuvor die Klassik zitierte und zuletzt auch den Blues und den »Wumms« der amerikanischen Musik lernte, ging es nun zusammen mit dem langjährigen Weggefährten Eric Schaefer und dem neuen Bassisten Christian Weber um Reduktion. »Neon Nocturnes« breiten sich als schwebende, unmittelbar wirkende Klangstilleben aus. Soeben hat Wollny für dieses Album erneut den ECHO Jazz bekommen – sein inzwischen achter. Und als erster Künstler überhaupt durfte Michael Wollny damit eine der Karsten-Jahnke-Jazznights alleine bestreiten – abwechselnd im Duo, im Trio und solo, also – von der instrumentalen Besetzung abgesehen – in einer ganz ähnlichen Konstellation wie nun in diesem Konzert.

Aus den Nachtfahrten wird Wollny hier »Der Wanderer« spielen, zu dem es auch ein eindrucksvolles Video gibt, ein schwarz-weißes Vexierspiel aus Licht und Schatten. Korrespondierend erhebt sich in der Musik eine getragene, sehr klassische Melodie, die sich chromatisch bricht und in rasende Nebenläufe verzweigt, bis sie den Melodiepfad wiederfindet. Fast ein Gleichnis für Wollnys stürmische künstlerische Entwicklung. Hält man sich die vor Augen, dürfte es besonders spannend werden, wenn der »Hexentanz« erklingt: Ein alter Hit Wollnys, fast eine Art »signature song« den er auch schon im ersten Konzert der Reihe Jazz at Berlin Philharmonic gespielt hat. Und ein ganz besonderes Erlebnis verspricht auch »White Moon« zu werden, das Wollny im Duo mit Iiro Rantala spielt: Geschrieben hat das Stück Chris Beier, Wollnys früher Entdecker und wichtigster Lehrer. Es stammt aus Beiers großartigem Album Aeolian Green, das seinen Rang als Meister der Harmonien und Schöpfer kraftvoller Melodien zeigte – wovon die Öffentlichkeit aber kaum Notiz nahm, weil Beier wegen einer Erkrankung keine Konzerte mehr geben kann. Wollny wird daraus bestimmt eine bewegende Hommage und Erinnerungsfahrt in seine Jugend machen.

Polens neue Jazz-Ikone: Leszek Możdżer

Bleibt Leszek Możdżer. Auch der Pole war 2012 mit einem eindrucksvollen Erfolg angetreten, war doch im Jahr zuvor Komeda erschienen, Możdżers respektvoller, aber eigenständiger Blick auf die Musik des legendären, im Polen als Nationalheld verehrten Pianisten und Filmkomponisten Krzysztof Komeda, der durch seine Soundtracks für Roman Polanski weltweit bekannt wurde, dessen Karriere aber durch einen Autounfall ein viel zu frühes Ende fand. Doch auch bei Możdżer folgte der Befreiungsschlag, der Durchbruch in der internationalen Wahrnehmung, das Fanal, mit dem er seine künstlerische Position klarstellte, erst nach dem ersten Konzert von Jazz t Berlin Philharmonic. Bei ihm war es das 2013 erschienene Album Polska.

Eindrucksvoll stellte er hier seine einmalige Fähigkeit unter Beweis, das Leichte mit dem Schweren zu kombinieren. Und dies mit diesem unverwechselbaren eigenen Ton, einem individuellen Ausdruck, der unüberhörbar von polnischen Hörtraditionen geprägt ist: Chopin, der Nationalheld der polnischen Musik, ist stets eingewoben. Aber auch moderne polnische Komponisten bis in den Pop hinein inspirieren ihn, ein Witold Lutosławski etwa, der komplexe symphonische Werke ebenso schrieb wie publikumswirksame »Hits«. Trotz atemberaubender Improvisationen oder stark kontrapunktischer und gegenläufiger Kompositionen bleibt Możdżers Musik stets verständlich und eingängig. Er hat ein Händchen für das Zusammenspiel von Rhythmik und Harmonik mit Melodien – kein Zufall, dass er in Polen so viel für Theater und Film gearbeitet hat.

» Możdżers filigran schattierte Virtuosität ist faszinierendes Entertainment ohne Konkurrenz im gegenwärtigen Klavier-Handwerk«, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Polska. Von Polens Jazzmagazin Jazzforum wurde Możdżer dafür in vier Kategorien seines jährlichen »Readers Poll« zum Sieger gekürt: als Musiker des Jahres, als bester Pianist, als bester Komponist und für das Album des Jahres. Bei Jazz at Berlin Philharmonic wird Możdżer dies mit drei Solostücken daraus rechtfertigen: mit dem bildhaften, fast filmmusikalischen »She said She was a Painter«, mit dem schwebenden »Norgon« und mit dem Titelstück »Polska«. Eine leicht chromatische, »slawische« Bassfigur durchzieht da das komplette Stück und bildet die Basis für erstaunliche Klangräume, sich immer mehr verzweigende Linien und das hymnische, improvisatorisch variierte Thema. Alles ist da drin: Klassik, Jazz und Pop. Alles durchdrungen, sich befruchtend.

Freilich, das Album klänge, wie es klingt, wäre es nicht im Trio mit dem israelischen Perkussionisten und Sänger Zohar Fresco und vor allem mit dem schwedischen Bassisten und Cellisten Lars Danielsson entstanden. Mit Danielsson hat Możdżer schon 2003 einen Seelenverwandten gefunden: Bereits auf den beiden Danielsson-Alben Pasodoble und Tarantella manifestierten sich die beiden als Traumpaar des intuitiven Zusammenspiels. Und Danielsson ist nicht nur einer der besten Jazz-Bassisten und -Cellisten der Welt, er pflegt auch ähnliche, auf Melodien und lyrische Linien bedachte kompositorische Vorlieben wie Możdżer. Dies wird heute Abend deutlich werden, wenn Możdżer zusammen mit Rantala Danielssons Stück »Africa« spielt.

Quersumme einer Erfolgsgeschichte

Der neuerliche Dreiklang bei Jazz At Berlin Philharmonic wird aber nicht nur eine jeweils ganz persönliche Bestandsaufnahme der Protagonisten. Der Abend wird auch eine Art Retrospektive mit Ausblick auf die gesamte Konzertreihe. Alle drei Pianisten waren ja nach dem Start teilweise mehrfach wieder in ganz unterschiedlichen Konstellationen zu Gast. Rantala stellte im vergangenen Jahr mit einer schwedischen Allstar-Begleitung unter dem an sein erstes Soloalbum angelehnten Titel Lost Heroes bereits seine Hommagen an Esbjörn Svensson und John Lennon vor. Możdżer präsentierte im Mai 2014 einen Querschnitt durch sein Werk und das seines Trios. Neben Fresco und Danielsson war dabei auch das junge Atom String Quartet beteiligt, das erste polnische Ensemble im raren Genre des Jazz-Streichquartetts. Und Michael Wollny erfüllte genau ein Jahr später das vom Norweger Geir Lysne geschriebene Programm Monteverdi meets Morricone an der Seite der Cembalistin Tamar Halperin, des Trompeters Markus Stockhausen und der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker mit pianistischem Leben.

Doch auch an andere Abende wird der Pianistengipfel erinnern. So beginnt Rantala mit der Ouvertüre zu Leonard Bernsteins Oper Candide – was den regelmäßigen Jazz at Berlin Philharmonic-Besucher unweigerlich an den vergangenen November und die von Nils Landgren und Vince Mendoza konzipierte Hommage an Leonard Bernstein erinnern muss. Und wenn beim großen Finale alle drei gemeinsam über George Gershwins Summertime improvisieren, dann wird der Geist beschworen, der die Reihe von Anfang an geprägt hat und auch in Zukunft prägen wird: Sich bei außergewöhnlichen Künstlerbegegnungen der Jazztradition zu erinnern und sie individuell nutzbar zu machen für die Gegenwart und für einmalige, einzigartige Konzertmomente.

Oliver Hochkeppel

(c) Anna Wloch