Juanjo Mena debütiert bei den Berliner Philharmonikern

Ein spanisch-lateinamerikanisches Programm hat Juanjo Mena, Chefdirigent des BBC Philharmonic, zu seinem Debüt bei den Berliner Philharmonikern mitgebracht. Während Claude Debussy in Ibéria ein sommerlich-verträumtes Bild Spaniens vermittelt, vibriert Manuel de Fallas Ballettmusik Der Dreispitz vor mediterraner Energie. Und dann ist da noch der Argentinier Alberto Ginastera, dessen Harfenkonzert auf bestechende Weise südliche Folklore mit neuen Tönen mischt.

Berliner Philharmoniker

Juanjo Mena Dirigent

Marie-Pierre Langlamet Harfe

Raquel Lojendio Sopran

Claude Debussy

Ibéria aus Images pour orchestre

Alberto Ginastera

Konzert für Harfe und Orchester op. 25

Marie-Pierre Langlamet Harfe

Manuel de Falla

El sombrero de tres picos (Der Dreispitz), Ballettmusik

Raquel Lojendio Sopran

Termine und Karten

Do, 26. Mai 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie L

Fr, 27. Mai 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie B

Programm

Dieses Konzertprogramm steht ganz im Zeichen spanischer und lateinamerikanischer Folklore – ohne folkloristisch zu sein. Vielmehr zeigen die drei aufgeführten Werke, wie die traditionelle Musik eines Landes als Inspirationsquelle dienen und sich auf glücklichste Weise in den Personalstil des jeweiligen Komponisten integrieren lässt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übte die Musik Spaniens auf die Komponisten Frankreichs eine große Faszination aus, auch auf Claude Debussy. Im zweiten Teil seines Orchestertriptychons Iberia beschreibt er ein imaginäres Spanien, weckt Assoziationen an laue südliche Sommernächte und ausgelassene Volksfeste.

Der spanische Komponist Manuel de Falla wiederum schulte sein kompositorisches Können an der musikalischen Avantgarde Frankreichs, die maßgeblich zur Bildung seiner eigenen Klangsprache beitrug. Dies beweist sein Ballett El sombrero de tres picos (Der Dreispitz), in dem der Komponist typische spanische Tanzformen wie Fandango und Seguidilla verwendet, sich gleichzeitig jedoch in seinen orchestralen Klangfarben stilistisch an französischen Vorbildern orientiert. Das brillante und mitreißende Stück verhalf de Falla zum internationalen Durchbruch.

Auch die Musik des Argentiniers Alberto Ginastera zeichnet sich durch die gelungene Synthese aus Rhythmen und Melodien Lateinamerikas und avantgardistischen Kompositionstechniken aus. Während eines Studienaufenthalts in den USA erhielt der Komponist von Edna Philips, der Harfenistin des Philadelphia Orchestra, den Auftrag ein Harfenkonzert zu schreiben. Es wird in diesen Konzerten von Marie-Pierre Langlamet, Harfenistin der Berliner Philharmoniker, interpretiert. Am Pult des Orchesters steht der Spanier Juanjo Mena, ein Schüler Sergiu Celibidaches und derzeit Chef des BBC Philharmonic in Manchester, der sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gibt. Ebenfalls zum ersten Mal in den philharmonischen Konzerten zu erleben ist die Sopranistin Raquel Lojendio, die den Sopranpart in El sombrero de tres picos singt.

Über die Musik

Quasi Guitara

Musik von Claude Debussy, Alberto Ginastera und Manuel de Falla

Klangbad in einem »Ozean von Licht«: Claude Debussys Ibéria

Ein Stierkampf in San Sebastián führte Claude Debussy zum einzigen Mal in seinem Leben auf spanischen Boden. Darüber hinaus hatte der französische Komponist keine persönlichen Eindrücke seines Lieblingslandes, und auch dessen musikalische Folklore dürfte er kaum systematisch studiert haben. Dennoch hat ihn die Idee musikalischer Reisebilder zeitlebens beschäftigt, und auffallend oft zeigen seine in Noten festgehaltenen Impressionen spanische Szenen – freilich ohne »impressionistisch«, geschweige denn »authentisch« sein zu wollen.

Mit seinen iberischen Visionen aus der Distanz steht Debussy indes nicht alleine da. Die französische Kultur des 19. Jahrhunderts ist von einer seltsamen Spanien-Besessenheit geprägt, die in den 1820er-Jahren mit Dichtungen Alfred de Mussets beginnt und 1843 in Théophile Gautiers Reisebuch Voyage en Espagne – Tras los montes einen ersten Höhepunkt erreicht. Darin erscheint Spanien als »Ozean von Licht« – und die Spanierinnen arbeiten stolz in einer Tabakmanufaktur, wo sie auch beim Rauchen bella figura machen. Georges Bizets Carmen sollte dieses Sehnsuchtsbild 1875 für ein ganzes Opern-Jahrhundert festhalten. Auch die französische Instrumentalmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist gespickt mit spanischen Stücken, die von Édouard Lalos Symphonie espagnole bis zu Maurice Ravels Boléro reichen.

Der Orchesterzyklus Ibéria ist Claude Debussys umfangreichste Auseinandersetzung mit dem populären Thema, eingebettet in eine ungewöhnliche Umgebung: Die Trilogie ist Mittelstück eines seinerseits dreiteiligen Werks mit dem Obertitel Images pour orchestre; sie wird dort von den englisch inspirierten Gigues und den französischen Rondes de printemps eingerahmt. Diese private musikalische Landkarte Debussys, entstanden zwischen 1905 und 1912, überzeugt heute in ihrer Gesamtheit nicht alle Interpreten, weswegen eine Einzelaufführung von Ibéria nicht ungewöhnlich ist. Die verschachtelte Konzeption der Images wird übrigens noch komplizierter, wenn man die unmittelbar zuvor entstandenen sechs synonymen Klavierstücke und die erst postum veröffentlichten Images oubliées von 1894 (ebenfalls für Klavier) berücksichtigt. Die Images pour orchestre wuchsen über diese Werkgruppe förmlich hinaus, da ihre Musik nach einem größeren Instrumentarium verlangte – gemeinsam ist allen diesen »Bildern« der Glockenklang, den Debussy in Cloches à travers les feuilles (so der Titel der Image Nr. 4) sowie in der dritten Image oubliée auf das Klavier übertrug und im Finale von Ibéria in die Schlagzeugstimmen des Orchestersatzes schrieb.

Musste Debussy in seinen Klavierstücken das spanische Idiom noch mit musikalischen Illusionen und Imitationen umkreisen, so ist in Ibéria bereits vom ersten Takt an klar, woher die Klangmittel kommen und wohin die Reise geht: Der G-Dur-Akkordschlag wird von Kastagnetten untermalt, die einen Bolero-Rhythmus vorgeben. Auch die eindringlichen Tonumspielungen muten andalusisch-maurisch an, während die im Satztitel genannten »Straßen und Wege« als Stimmen eines verzweigten Tonsatzes erscheinen, durch dessen Gewirr das »élégant et bien rythmé« vorgetragene Klarinettenthema tanzt. Dem Vorwärtsdrang des ersten setzt das zweite Stück Les parfums de la nuit ein irreal-schwebendes Fis-Dur entgegen, in dem sich Debussy – wie sein Biograf, der Komponist Jean Barraqué beobachtete – »dem Reiz labiler Zeitmaße« überlässt. Die vielfach geteilten Streicher schütteln jegliche einengende Metrik ab, wodurch sich der finale Marsch rhythmisch umso bezwingender anschließt. Diesen »Morgen eines Festtages« läuten Glocken ein, die Debussy weit über jede illustrative Spanien-Mode hinaus seinem Orchester strukturell einverleibt, wie er überhaupt eine Instrumentationskunst von höchster Homogenität vorführt: Die Stimmen werden in so raffinierter Weise gekoppelt, dass sie wie die Saiten eines Super-Klaviers erscheinen. Debussy gelang damit eine französische Spanien-Musik, die sein Freund und Bewunderer Manuel de Falla sogar zum Vorbild für spanische Musiker erklärte.

»Quasi Guitara« lautet eine Vortragsbezeichnung Debussys im dritten Satz von Ibéria: Geigen und Bratschen werden zur Ausführung von Pizzicato-Arpeggien auf den Schoß gelegt und beschwören so das spanische Instrument par excellence. Wie so viele französische Komponisten hatte Debussy, seinem pianistischen Hintergrund zum Trotz, eine Vorliebe für den Klang von Saiten, die weder gestrichen noch angeschlagen, sondern gezupft werden. So lag es nicht fern, dass de Falla nach Debussys Tod 1918 dem Andenken an sein Idol eine Homenaje für Gitarre widmete. Auch hier war es letztlich der Franzose, der den Spanier auf die Musik seiner Heimat gebracht hatte, handelt es sich doch um de Fallas einziges Gitarrenwerk. Für den Klang gezupfter oder angerissener Saiten zählte de Falla ansonsten auf die Harfe und auf das Cembalo, das er in den 1920er-Jahren mit einem sperrigen Solo-Konzert bedachte.

Nur entfernt lyrisch: Alberto Ginasteras Harfenkonzert op. 25

Musikalische Charaktere des spanischen Kulturkreises mögen auch den Argentinier Alberto Ginastera dazu bewogen haben, ein Konzert für Harfe und Orchester zu schreiben – allerdings lässt sich seine Musik kaum einordnen. Das Schaffen des 1916 in Buenos Aires geborenen Komponisten ist verwirrend vielseitig: Zunächst muss man ihn als den Amerikaner sehen, den auch sein Lehrer Aaron Copland in ihm erkannte. Einen »argentinischen« Tonfall lehnte Ginastera ab, obwohl er an der traditionellen Musik seiner Heimat interessiert war und diese auch in seinen frühen Werken aufgriff – Bartók und de Falla dienten ihm dabei als Vorbilder. In den späteren Jahre setzte sich Ginastera mit der europäischen Avantgarde auseinander, , doch gefiel seine Musik auch Interpreten wie Plácido Domingo. Am ehesten ist er mit nonkonformistischen Generationsgenossen wie Dutilleux und Lutosławski vergleichbar, was auch seine politische Haltung einschließt: Unter dem Perón-Regime verlor Ginastera seine Ämter, verbrachte etliche Jahre im Ausland und ließ sich angesichts der argentinischen Militärdiktatur 1971 endgültig in Genf nieder, wo er 1983 starb.

Nonkonformistisch ist nicht zuletzt das Harfenkonzert Ginasteras, das fast zehn Jahre auf seine Premiere warten musste. 1956 beauftragte ihn Edna Phillips, die langjährige Harfenistin des Philadelphia Orchestra, mit einem Solo-Konzert für ihr Instrument. Obwohl sich Ginastera bald ans Werk begab, konnte er zum verabredeten Zeitpunkt keine aufführbare Partitur vorlegen. Nachdem sich Komponist und Auftraggeberin deswegen zwar nicht entzweit, aber aus den Augen verloren hatten, sicherte sich der herausragende Harfenist Nicanor Zabaleta die Uraufführung, die 1965 in Philadelphia unter Eugene Ormandys Leitung stattfand. In der Partitur liest sich die Widmung an Edna Phillips wie eine Pflichtübung, ganz anders als der dort ebenfalls abgedruckte überschwängliche Dank Ginasteras an Zabaleta.

Für dieses Werk, dem der Komponist noch einige Solo-Konzerte für andere Instrumente folgen ließ, konnte er jede praktische Unterstützung gebrauchen. Denn in ihm suchte er nach einem neuen Harfenklang – einem anderen als jenem in den traditionelleren Harfenkonzerten, die Darius Milhaud und Heitor Villa-Lobos in den frühen 1950er-Jahren geschrieben hatten. Ginastera lässt die Harfe weniger in geistreicher Eleganz oder mit aufrauschender Verve erklingen, sondern er setzt sie geräuschbetont, hart und perkussiv ein – ganz im Sinne des relativ klein besetzten, aber um etliche Schlaginstrumente erweiterten Orchesters. Zwischen den abrupten Wechseln von tonaler und atonaler Schreibweise, von in sich hinein horchenden Melodien zu hämmernden Rhythmen, wirkt ein Element vertraut: Es sind die Quart- und Terzintervalle der leeren Gitarrensaiten, die der Solist in seiner Kadenz zu Beginn des Finalsatzes intoniert, allerdings um einen Halbton nach unten versetzt. Dem Moderato-Satz mit seinen kanonischen Strukturen hat Bartók mit seiner Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta Pate gestanden, aber Ginastera findet auch hier zu seinem ganz eigenen Ton, wenn er dem düsteren Ensemble die Harfe »lirico e lontano« gleichsam als Instrument des Orpheus gegenüberstellt.

Seguidillas für die Ballets russes: Manuel de Fallas El sombrero de tres picos

Bleiben oder Gehen? Anders als Ginastera, der in seinem Land in Ungnade fiel, wurde Manuel de Falla in Spanien vom Franco-Regime umworben. Doch auch de Falla ging ins Exil – und zwar 1939 ausgerechnet in Ginasteras Heimat Argentinien, wo er 1946 wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag starb. Neben den allgemeinen Vorbehalten, die er gegenüber der Diktatur in seiner Heimat entwickelt hatte, dürfte de Falla auch geahnt haben, dass ihn eine offizielle Funktion zu dem Spanier machen würde, der er gar nicht sein wollte. Denn so präsent das spanische Kolorit in seinem schmalen Werkverzeichnis auch sein mag, so sehr kann de Falla zugleich als »französischer« Komponist betrachtet werden, der 1907 seine Heimat, enttäuscht über deren musikalische Provinzialität, in Richtung Paris verlassen hatte. Dort gaben ihm Größen wie Debussy, Dukas und Ravel die wesentlichen Anstöße, dort lernte er die Ballets russes, deren jungen Erfolgskomponisten Igor Strawinsky und den sagenumwobenen Impresario Sergej Diaghilew kennen, der immer für eine Novität zu haben war.

Das Theater hatte de Falla bereits auf verschiedenen Pfaden erkundet: Von Kindheit an ein begeisterter Puppenspieler, komponierte er zunächst einige traditionelle spanische Zarzuela-Singspiele, die sich leider nicht vollständig erhalten haben. Seine anschließend entstandene Kurzoper La vida breve (Das kurze Leben) zeigt den Komponisten auf der Höhe des Verismo einer Cavalleria rusticana; das spätere Ballett mit Gesang El amor brujo (Der Liebeszauber) ist dagegen ein magisches Ritual im modernen Klanggewand. El sombrero de tres picos (Der Dreispitz) zeugt wiederum von de Fallas Auseinandersetzung mit alter Musik, insbesondere mit Domenico Scarlatti – das Stück klingt weniger avanciert als das Vorgängerwerk, aber nicht weniger effektvoll. Seine Entstehung fällt mitten in die Zeit des Ersten Weltkriegs, als die Ballets russes in Spanien gastierten. Für den aus einer Novelle von Pedro Antonio de Alarcón stammenden Stoff schwebte de Falla zunächst eine Oper vor, was wegen einer testamentarischen Verfügung des 1891 gestorbenen Autors aber nicht realisierbar war. Dass Hugo Wolf diesen Text in einer Bearbeitung von Rosa Mayreder zur Grundlage seiner Oper Der Corregidor machen konnte, steht auf einem anderen Blatt – das 1904 auch von Gustav Mahler in Wien dirigierte, gänzlich anders geartete Werk kannte de Falla nicht.

Einer pantomimischen Darbietung in Spanien stand der letzte Wille Alarcóns immerhin nicht entgegen, und so brachte der Schriftsteller, Verleger und Theaterdirektor Martínez Sierra, der mit de Falla schon den Amor brujo produziert hatte, das Werk 1917 in Madrid als Farsa mímica unter dem Titel El corregidor y la molinera (Der Corregidor und die Müllerin) heraus. Das heute zu hörende Ballett mit Gesang El sombrero de tres picosist eine erweiterte Fassung dieser Pantomime, deren Uraufführung 1919 in London von Léonide Massine choreografiert und von Ernest Ansermet dirigiert wurde – die Ausstattung stammte von keinem Geringeren als von Pablo Picasso. In dieser traumhaften Besetzung konnte man sich an einem Werk beweisen, das nicht nur in jedem Takt spanisch-prall und sinnenfroh, sondern auch sehr suggestiv komponiert ist.

Das einleitende Klatschen und »Olé!«-Rufen im Sinne von »Alle mal herhören!« wendet sich hemdsärmelig ans Publikum, dem nun eine ebenso komische wie schlichte Geschichte vorgetanzt wird: In der andalusischen Stadt Guadix stellt der Corregidor – dessen dreieckiger Hut ihn als ranghohen Regierungsvertreter ausweist – einer schönen Müllersfrau nach. Diese, ihrem Mann treu ergeben, lockt den mit einem klassizistischen und etwas umständlichen Fagott-Solo herantappenden Würdenträger in die Falle einer vermeintlichen Liebesnacht, bei der das Paar in flagranti erwischt wird. Als peinliche Folge wird der überführte Schwerenöter mithilfe eines gespannten Leinentuchs wie eine Strohpuppe in die Luft geworfen. Für diesen Jahrmarkt-artigen Bilderbogen schuf de Falla eine Serie leidenschaftlicher andalusischer Tänze, etwa den Fandango der Müllerin, die Farruca ihres Mannes oder die Seguidillas der Nachbarn. Von besonderem Witz zeugen instrumentale und vokale Effekte wie der Gesang der Amsel, das Rufen des Kuckucks, das Pfeifen des daher schlendernden Dandys und das subtil eingeführte Zitat aus Beethovens Fünfter Symphonie, mit deren Eingangsmotiv das fingierte Schicksal in absurder Weise an die Pforte pocht.

Der Musiker und Publizist Kurt Pahlen, selbst Argentinien-Emigrant und mit de Falla persönlich bekannt, schilderte in einer Studie die Jagd auf den Corregidor, der »zuerst halbblind gemacht, in Raserei versetzt und dann erst – unter Auskostung eines triumphierenden, grausamen Zeremoniells – ›erledigt‹« wird. Das Modell dieser sportlichen Betätigung ist nur allzu deutlich: Es handelt sich um den spanischen Stierkampf.

Olaf Wilhelmer

Biografie

Juanjo Mena ist einer der international bekanntesten spanischen Dirigenten und seit September 2011 Chefdirigent des BBC Philharmonic in Manchester. 1965 im spanischen Baskenland geboren, studierte Mena zunächst in seiner Heimatstadt Vitoria-Gasteiz, dann am Real Conservatorio Superior de Música in Madrid sowie bei Sergiu Celibidache in München. Von 1999 bis 2008 war er Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Orquesta Sinfónica de Bilbao; es folgten Positionen als Erster Gastdirigent am Teatro Carlo Felice in Genua (2007 – 2010) und Erster Gastdirigent des Bergen Filharmoniske Orkester (2007 – 2013). Darüber hinaus stand Juanjo Mena am Pult zahlreicher weiterer Orchester in Europa, etwa beim Orchestre National de France, Oslo Philharmonic, Orchestra della Scala (Mailand) und bei der Dresdner Philharmonie; in den USA hat er seit seinem Debüt beim Baltimore Symphony Orchestra 2004 auch mit den Orchestern von Boston, Chicago, Cleveland, New York, Los Angeles und Pittsburgh zusammengearbeitet. Das Opernrepertoire Juanjo Menas umfasst so unterschiedliche Werke wie den Fliegenden Holländer, Salome, Elektra, Herzog Blaubarts Burg,Eugen Onegin, Le nozze di Figaro und Billy Budd. Mit dem El sombrero de tres picos von de Falla feierte er 2013 einen großen Erfolg bei den BBC Proms. Bei den Berliner Philharmonikern ist Juanjo Mena nun erstmals zu erleben.

Marie-Pierre Langlamet, in Grenoble geboren, studierte bei Elizabeth Fontan-Binoche am Konservatorium in Nizza. Außerdem nahm sie an Meisterkursen von Jacqueline Borot und Lily Laskine teil. Mit 15 Jahren erregte sie bereits internationale Aufmerksamkeit, als sie den höchsten Preis beim Internationalen Harfen-Wettbewerb Maria Korchinska und ein Jahr später den ersten Preis beim Wettbewerb der Cité des Arts in Paris gewann. Mit 17 Jahren trat sie ihre erste Stelle als Solo-Harfenistin im Opernorchester von Nizza an. Mit einem Stipendium setzte sie ihre Studien am Curtis Institute of Music in Philadelphia fort, bevor sie 1988 stellvertretende Solo-Harfenistin im Orchester der Metropolitan Opera New York wurde. 1992 gewann Marie-Pierre Langlamet mit dem ersten Preis des Internationalen Harfenwettbewerb in Israel einen der bedeutendsten Wettbewerbe für ihr Instrument. Seit 1993 gehört die Musikerin den Berliner Philharmonikern und konzertiert überdies weltweit als Solistin mit renommierten Kammermusikensembles und Orchestern (Israel Philharmonic Orchestra, Orchestre de la Suisse Romande u. a.); hinzu kommen zahlreiche Solo-Abende. Im Januar dieses Jahres war sie in Konzerten der Philharmoniker unter der Leitung von Christian Thielemann als Solistin mit Debussys Danse sacrée et Danse profane zu erleben. Marie-Pierre Langlamet unterrichtet seit 1995 an der Orchester-Akademie, außerdem lehrt sie an der Universität der Künste Berlin. 2009 verlieh ihr das französische Kulturministerium die Auszeichnung »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres«.

Raquel Lojendiostammt aus Santa Cruz de Tenerife und wurde am Conservatorio Superior de Música del Liceo in Barcelona von Carmen Bustamente ausgebildet. Darüber hinaus besuchte sie Meisterkurse bei María Orán und Krisztina Laki. Die Sopranistin ist im Opernfach und in der spanischen Singspielgattung Zarzuela sowie auf der Konzertbühne gleichermaßen erfolgreich. Sie hat Rollen in Werken von Händel, Haydn und Mozart bis hin zu Verdi, Bizet und Montsalvatge verkörpert; dabei ist sie mit den wichtigsten spanischen Orchestern sowie dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI in Turin, dem Bergen Filharmoniske Orkester und der Dresdner Philharmonie aufgetreten. Die Sopranistin arbeitete mit Dirigenten wie Sir Neville Marriner, Rafael Frühbeck de Burgos, Juanjo Mena und Jesús López Cobos zusammen. Geistliche Werke von Bach bis Bruckner oder Haydns Schöpfung gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Les Noces von Strawinsky, die Carmina Burana von Carl Orff oder das Maria-Triptychon von Frank Martin, außerdem Werke des spanischen Komponisten Joaquín Rodrigo. Unter der Leitung von Juanjo Mena trat sie bereits 2013 bei den BBC Proms im Dreispitz von de Falla auf. In Konzerten der Berliner Philharmoniker gastiert Raquel Lojendio zum ersten Mal.

(c) Sussie Ahlburg