Farbig und facettenreich

Magnus Lindberg ist einer der klangsinnlichsten Komponisten unserer Zeit. »Es geht nicht darum ein Manifest zu verlesen, Musik hat mit Emotionen zu tun! Sie ist ein Erlebnis« – so der Komponist, dessen neues Violinkonzert nun von Daniel Harding und Frank Peter Zimmermann präsentiert wird. Ebenso eindringlich ist Pierre Boulez’ farb- und facettenreiches Mémoriale, hier zu hören mit Emmanuel Pahud als Solist. Den Schluss des Abends markiert Robert Schumanns Zweite Symphonie.

Berliner Philharmoniker

Daniel Harding Dirigent

Frank Peter Zimmermann Violine

Emmanuel Pahud Flöte

Hector Berlioz

Ouverture du Corsaire op. 21

Magnus Lindberg

Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker gemeinsam mit dem London Philharmonic Orchestra, dem New York Philharmonic, dem Schwedischen Rundfunk-Symphonieorchester und Radio France Deutsche Erstaufführung

Frank Peter Zimmermann Violine

Pierre Boulez

Mémoriale (... explosante-fixe ... Originel) für Flöte und acht Instrumente

Emmanuel Pahud Flöte

Robert Schumann

Symphonie Nr. 2 C-Dur op. 61

Termine und Karten

Do, 21. Jan. 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie I

Fr, 22. Jan. 2016 20 Uhr

Philharmonie | Einführung: 19:00 Uhr

Aboserie K

Programm

Im Beichtstuhl des Petersdoms will Hector Berlioz Lord Byrons The Corsair gelesen haben – eine Verserzählung, in der das Schicksal des desillusionierten Conrad geschildert wird, der als misanthropischer Piratenanführer der ganzen Welt den Krieg erklärt und nur seiner Frau in Liebe ergeben ist. Berlioz’ Charakter-Ouvertüre op. 21 verdankt dem zwischen Abenteuer und Weltschmerz changierenden Poem allerdings nur den Titel (Le Corsaire) – wenngleich die Musik, in der nach einer wild herausfahrenden Fanfare ein triumphales Thema während des Satzverlaufs immer mehr gesteigert wird, durchaus mit der Figur eines Piratenhauptmanns in Einklang zu bringen wäre.

Daniel Harding, der seine Karriere als Assistent von Sir Simon Rattle beim City of Birmingham Symphony Orchestra begann, bevor er Claudio Abbado bei den Berliner Philharmonikern assistierte, hat Berlioz’ schwungvolle Ouvertüre an den Anfang dieser philharmonischen Konzerte gestellt – ein idealer »Opener«, dem mit Magnus Lindbergs neuem Violinkonzert eine spannende Premiere folgt. Denn Lindberg zählt zu den virtuosesten Orchesterkomponisten der Gegenwart: »Es geht nicht darum, ein Manifest zu verlesen. Musik hat mit Emotionen zu tun! Sie ist ein Erlebnis.« Solist ist der Geiger Frank Peter Zimmermann, der viele Werke der Gegenwart im Repertoire hat: »Ich möchte als Geiger die neuen Gedanken zum Klingen bringen, die ein Komponist aus unserer Zeit heraus geboren hat.«

Nach der Pause wird Daniel Harding den Boulez-Klassiker Mémoriale (... explosante-fixe ... Originel) für (Midi)Flöte, Ensemble und Live-Elektronik dirigieren, in dem der prismatisch in verschiedenste Instrumentalfarben aufgebrochene Klangraum am Ende in die Stille mündet. Abgerundet wird das Programm mit Robert Schumanns Zweiter Symphonie, deren musikalischer Verlauf konsequent auf das triumphale Finale zusteuert. Die erfolgreiche Premiere erfolgte am 5. November 1847: »Der Componist«, so der Publizist Alfred Dörffel in der Neuen Zeitschrift für Musik, »hat in diesem Werke einen neuen Höhepunkt seines Schaffens erreicht.«