Chorprojekt

»the public domain« von David Lang

(Foto: Martin Walz)

Es ist ein aufregendes musikalisches Experiment: Berlinerinnen und Berliner aus allen sozialen und kulturellen Bereichen der Hauptstadt sprechen, singen, flüstern und rufen gemeinsam in der Philharmonie und bringen damit die europäische Erstaufführung von David Langs Chorwerk the public domain – ein Stück für 1000 Stimmen auf die Bühne!

Dem Internet abgelauscht

Der Amerikaner, der 2014 für die Stiftung Berliner Philharmoniker bereits das Chorwerk Crowd out komponiert hat, beschaffte sich das Libretto für sein neues Stück auf eine ungewöhnliche Weise: »Ich wollte unbedingt, dass sich der Text darauf konzentriert, was allen Menschen auf der Welt gemeinsam sein könnte«, so Lang, »deshalb öffnete ich eine Internetsuchmaschine und gab den Satzanfang ›Etwas, das wir alle gemeinsam haben, ist unser ...‹ ein und die automatische Vervollständigungsfunktion lieferte tausende verschiedene Möglichkeiten, diesen Satz zu beenden. Die Antworten wurden die Grundlage für mein ›Libretto‹ zu the public domain. Das Gemeinsame aller Menschen kann mächtige positive Kräfte entfachen in einer Zeit, in der der Fokus immer stärker auf dem liegt, was uns voneinander unterscheidet, uns trennt und uns im schlimmsten Fall dazu bringen kann, einander zu hassen.« Die individuellen Statements reichen von Lieblingssandwiches über die Liebe zur Musik bis hin zum freien Willen – euphorisch, humorvoll, nachdenklich, anrührend und sehr menschlich!

Künstlerische und logistische Herausforderung

The public domain schafft einen besonderen Moment der Begegnung: Menschen mit und ohne Gesangserfahrung, die in zehn Projektchören an verschiedenen Standorten in Berlin probten, nehmen an diesem Projekt teil. Viele Mitwirkende mussten sich zunächst auf das ungewöhnliche zeitgenössische Werk einstellen, das aus einem Wechsel aus »geordnet chaotischen« und klassisch-harmonischen Passagen besteht. Bei den Vorbereitungsproben wurde viel geschmunzelt und gelacht, mittlerweile tragen alle Sängerinnen und Sänger zu einem eindrucksvollen Gesamtklang bei. Ein neues, riesiges »Wir« ist entstanden, das es vorher in dieser Form nicht gegeben hat. Bei der Aufführung werden auch die Zuhörer miteinbezogen: Unter der musikalischen Leitung von Simon Halsey und in der Inszenierung von Jasmina Hadžiahmetović, die mit ihrer Regie die gesellschaftspolitische Dimension des Stücks unterstreicht, werden Künstler und Publikum im Foyer und im Großen Saal der Philharmonie zu einer einzigen Menschenmasse verschmelzen.


Simon Halsey Tobias Walenciak und Jasmina Hadžiahmetović Bei der Probe