BE PHIL Orchestra

100 Laien spielten unter Leitung von Simon Rattle

Das BE PHIL Orchestra und Sir Simon Rattle
(Foto: Monika Rittershaus)

»Das ist ein Gänsehautmoment! In diesen heiligen Hallen spielen zu dürfen ist ein einmaliges Erlebnis, das ich nie vergessen werde«, schwärmt Elisa Horrer. Die Südtirolerin spielt seit 14 Jahren Fagott und gehört zu den rund 100 Laienmusikerinnen und -musikern, die sich für das BE PHIL Orchestra qualifiziert haben. Am 21. Mai 2018 führte sie und ihre musikalischen Kollegen im Rahmen des Tags der offenen Tür unter der Leitung von Sir Simon Rattle die Erste Symphonie von Johannes Brahms auf.

Laienmusiker aus der ganzen Welt

Anfang des Jahres startete das Education-Programm der Berliner Philharmoniker einen internationalen Aufruf für dieses ungewöhnliche Projekt. 1900 Laienmusiker aus aller Welt fühlten sich angesprochen und bewarben sich für das BE PHIL Orchestra. 12 Juroren, alles Mitglieder der Berliner Philharmoniker, wählten aus 1.000 Bewerbungen 101 Teilnehmer aus. Das Orchester setzte sich aus musikbegeisterten Laien aus 30 Ländern zusammen, darunter Australien, Japan, Korea, Trinidad und Tobago, USA, Brasilien, Indien und Israel. Mit rund 16.000 Kilometern hatte Philipp Eversheim aus Australien die wohl weiteste Anreise. Als Siebenjähriger ist der gebürtige Kölner mit seiner Familie nach Übersee ausgewandert. Der Student der Biomedizin spielt seit 12 Jahren Querflöte und brachte Orchestererfahrung aus seinem Studentenorchester mit. Die Musiker des BE PHIL Orchestras waren zwischen 10 und 75 Jahre alt. Den größten Anteil machten Schüler und Studenten aus, gefolgt von Teilnehmern aus Dienstleistungssparten sowie medizinischen und juristischen Berufen. Musikstudenten waren mit 8% im BE PHIL Orchestra vertreten.

Ein einmaliges Erlebnis

»Es ist wunderbar, euch nach all den arbeitsreichen Monaten hier versammelt zu sehen«, begrüßte Stanley Dodds die Teilnehmer. Der philharmonische Geiger und Dirigent gehörte zu den Juroren und leitete mit Michael Hasel die Proben. Schon nach der ersten Probe kam Begeisterung auf: »Zu sehen und zu hören, wie die anderen spielen, ist eine beglückende Erfahrung«, freute sich die 16-jährige Lia Rafaela de Marcos e Melo aus Portugal, Mitglied der Bratschengruppe. »Für mich ist ein Traum wahr geworden.« Egal, ob Streicher, Holz- oder Blechbläser – Brahms’ Erste Symphonie stellte an jeden der Musiker Herausforderungen: Für den Hornisten Cody Lidge aus South Carolina galt es, die Einsätze so weich wie möglich zu gestalten; der amerikanische Posaunist Timothy Grabow fand es schwierig, eine gemeinsame Intonation zu finden. Die Streicher waren sich einig, dass der letzte Satz sie am meisten fordert. Und auch die Kölner Klarinettistin Clarissa Schmitt wusste bereits nach der ersten Probe, worauf sie ihr Augenmerk legen muss: ein gutes Piano zu spielen und mehr auf die Dynamik zu achten. Und sie bekannte: »Es ist gar nicht so einfach, wie es in den Noten aussieht.« Der tosende Schlussapplaus am Ende der Aufführung bewies: Das BE PHIL Orchestra hat seine Sache hervorragend gemacht und dabei die Herzen des Publikums erobert.


Probe im Meistersaal Potsdamer Platz mit Stanley Dodds
(Foto: Martin Walz)

Erste Probe mit Simon Rattle in der Philharmonie
(Foto: Monika Rittershaus)