Wo die Zukunft beginnt

Patricia Kopatchinskaja ist Artist in Residence der Saison 2021/22

Patricia Kopatchinskaja
(Foto: Marco Borggreve)

Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja besitzt die Gabe, ihr Publikum selbst mit den schwierigsten und sperrigsten Werken zu begeistern – dank ihrer Spielfreude und ihrer technischen Brillanz. Bei den Berliner Philharmonikern sorgte die aus Moldawien stammende Musikerin mit den herausfordernden Violinkonzerten von Peter Eötvös, György Ligeti und Arnold Schönberg für Aufsehen. Als Artist in Residence zeigt sie in dieser Saison nun weitere Facetten ihrer Künstlerpersönlichkeit. In unserem Interview spricht sie über ihre Lust am Neuen und ihre Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern.
 

2014 gaben Sie mit Peter Eötvös’ Violinkonzert DoReMi Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern. In einem Interview für die Digital Concert Hall haben Sie damals gesagt, Sie träumten davon, gute zeitgenössische Musik mit den besten Musikern aufzuführen. Was fasziniert Sie an der Neuen Musik?

Nehmen wir an, ich wäre Physikerin oder RNA-Forscherin. Würden Sie mich auch fragen, was mich an der neuesten For-schung interessiert? Es ist doch evident, dass nur in den neuesten Werken die aktuelle Entwicklung stattfindet und die Zukunft beginnt, dieser entscheidende Schritt ins Unbekannte. Das ist für mich das Allerfaszinierendste. Daneben wird die Beschäftigung mit dem längst Bekannten fast banal.

Sie spielen nicht nur Geige, Sie dirigieren auch und setzen in Ihren Konzerten auf unterschiedlichste Weise Ihre Stimme ein. Als was sehen Sie sich: als Geigerin oder als Künstlerin im umfassenden Sinne des Wortes?

Zuerst und vor allem ist man ein menschliches Wesen. Zweitens ist man Mitglied einer Familie und Bürger dieser Welt. Beides darf einem nicht gleichgültig sein. Und erst danach ist man irgendetwas Berufliches. Das ist fast zufällig; man könnte auch putzen oder Melonen verkaufen. Ich bin jetzt halt Musikerin, aber ich möchte mich nicht langweilen und nicht einengen lassen. Ich suche dauernd Freiheiten und Neues und lasse mich dabei von allem Möglichen anregen: seien es Kollegen, Geschichte, Forschung, zeitgenössisches Schaffen oder andere Kunstrichtungen.

Seit 2014 musizieren Sie regelmäßig mit den Berliner Philharmonikern. Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit?

Dieses Orchester hat eine Qualität, die ihresgleichen sucht, sowohl im Gesamten als auch bei jedem einzelnen Mitglied. Es ist ein hohes Privileg, mit ihnen spielen zu dürfen. Wir haben inzwischen etliche Male zusammengearbeitet, in einem Late Night-Konzert, in dem ich unter anderem Schönbergs Pierrot lunaire aufgeführt habe, sogar kammermusikalisch. Generell fühle ich mich hier gut aufgehoben. Ich werde sogar bei meinen experimentellen Seiten unterstützt, das ist gar nicht selbstverständlich.

Kirill Petrenko haben Sie als 16-Jährige während Ihres Studiums in Wien kennengelernt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Kirill belebte viele Unterrichtsstunden mit seinen tiefgründigen, gezielten Fragen. Das war schon damals ganz einzigartig und auffallend. Daneben hatten wir eine lustige Zeit und gingen manchmal ins Kino. Er ist ein wunderbarer und sehr bescheidener Mensch.

Sie treten auch gemeinsam mit dem Mahler Chamber Orchestra auf. Der Titel dieses Konzerts heißt Les Adieux. Was verbirgt sich dahinter?

Die unerbittlich fortschreitende Umwelt-problematik bedrückt mich, dem kann ich nicht ausweichen. Dann überkommt es mich manchmal und ich muss das musikalisch ausdrücken, damit mir meine Tätigkeit nicht als irrelevanter Ästhetizismus im Elfenbeinturm vorkommt. Die Klimaerwärmung drängte mich 2017 zum Projekt Dies irae. Im Projekt Les Adieux möchte ich jetzt auf das galoppierende Artensterben aufmerksam machen – als Reaktion einer Musikerin auf das Zeitgeschehen.

Wenn man Sie auf dem Konzertpodium sieht, dann geht von Ihnen eine ungeheure Energie aus. Wo kommt die her?

Wenn ich das wüsste! Ich lebe sonst auf Sparflamme und bin eine gemütliche Hausfrau. Aber vielleicht empfinden das meine Hausgenossen ganz anders!?

Patricia KopatchinskajaPatricia Kopatchinskaja
(Foto: Marco Borggreve)

Aboserie »Artist in Residence«

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Zum Abonnement

Konzerte mit Patricia Kopatchinkaja

Donnerstag,

16. Sep 2021,
20.00 Uhr

Philharmonie

Aboserien: W, G

Do, 16. Sep 2021, 20.00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Kirill Petrenko Dirigent

Patricia Kopatchinskaja Violine

Werke von Karl Amadeus Hartmann und Igor Strawinsky

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Freitag,

17. Sep 2021,
20.00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: K

Fr, 17. Sep 2021, 20.00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Kirill Petrenko Dirigent

Patricia Kopatchinskaja Violine

Werke von Karl Amadeus Hartmann und Igor Strawinsky

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Samstag,

18. Sep 2021,
19.00 Uhr

Philharmonie

Aboserie: H

Sa, 18. Sep 2021, 19.00 Uhr
Philharmonie

Berliner Philharmoniker

Kirill Petrenko Dirigent

Patricia Kopatchinskaja Violine

Werke von Karl Amadeus Hartmann und Igor Strawinsky

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Sonntag,

12. Dez 2021,
20.00 Uhr

Kammermusiksaal

Karajan-Akademie | Aboserien: W, KA

So, 12. Dez 2021, 20.00 Uhr
Kammermusiksaal

Patricia Kopatchinskaja Violine und Leitung

Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker

Stanley Dodds Dirigent (Illés)

Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber, Márton Illés und Joseph Haydn

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Samstag,

22. Jan 2022,
22.00 Uhr

Kammermusiksaal

Philharmonie »Late Night«

Sa, 22. Jan 2022, 22.00 Uhr
Kammermusiksaal

Late Night

Patricia Kopatchinskaja Violine

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

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Sonntag,

23. Jan 2022,
18.00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserie: W

So, 23. Jan 2022, 18.00 Uhr
Kammermusiksaal

Patricia Kopatchinskaja Violine

JACK Quartet

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

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Freitag,

13. Mai 2022,
20.00 Uhr

Kammermusiksaal

Kammermusik | Aboserien: W, O

Fr, 13. Mai 2022, 20.00 Uhr
Kammermusiksaal

Mahler Chamber Orchestra

Patricia Kopatchinskaja Konzept, Violine und Leitung

Lani Tran-Duc Visuelle Gestaltung

Werke von Ludwig van Beethoven

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