Artist in Residence 2020/21

Tabea Zimmermann

Für Tabea Zimmermann läuft es gerade glänzend. 2020 erhält sie mit dem Ernst von Siemens Musikpreis die wichtigste Auszeichnung im internationalen Musikleben. Und 2020/21 prägt sie als Artist in Residence das Programm der Berliner Philharmoniker. »Diese Ernennung ist die größte Ehre, die ich mir vorstellen kann«, erklärt die Bratschistin. »Dass dieser Wunsch aus dem Orchester selbst kam, ist für mich eine Riesenfreude. Da sage ich doch gerne: Ja!« Seit über dreißig Jahren ist die gebürtige Badenerin auf den Bühnen der Welt zu Hause; schon 1992 konnte sie mit Bartóks Violakonzert bei den Berliner Philharmonikern debütieren und erhielt stets höchste Anerkennung: als Interpretin von kompromisslosem Anspruch, als passionierte Professorin an der Musikhochschule »Hanns Eisler«, als engagierte Fürsprecherin der zeitgenössischen Musik.

Im Fokus: Paul Hindemith

Sechs Konzerte wird sie während ihrer Residency gestalten. »Paul Hindemith bildet dabei den roten Faden«, erläutert sie die Programmidee. »Ich möchte gern eine Lanze für ihn brechen.« Mit den Berliner Philharmonikern unter François-Xavier Roths Leitung wird sie Hindemiths Konzert Der Schwanendreher aufführen; in Kammerkonzerten setzt sie einige seiner Frühwerke – »das ist noch nicht der motorische Hindemith, den manche fürchten« – in ein Wechselspiel mit zeitgleich entstandenen Kompositionen von Claude Debussy oder der Britin Rebecca Clarke und legt dabei verblüffende Parallelen frei. Einen Herzenswunsch erfüllt sie sich schon bei ihrem ersten Auftritt mit Bariton Christian Gerhaher: »Immer, wenn wir uns begegneten, fragten wir uns: ›Wäre das nicht schön, wenn wir einmal gemeinsam musizieren könnten?‹ Aber es gab einfach kein Stück dafür.« Wolfgang Rihm hat das geändert: mit seinem neuen Stabat Mater für Viola und Bariton, das im Rahmen des Musikfests uraufgeführt wird. Schonen wird sich Tabea Zimmermann gewiss nicht. Einen Kammermusikmarathon hat sie geplant, bei dem auch Hindemiths Liedzyklus Die junge Magd erklingt.

Solistin, Kammermusikerin und künstlerische Leiterin

Und bei der Karajan-Akademie wird sie in Doppelfunktion als Bratschistin und musikalische Leiterin auftreten, wobei sie sich bewusst nicht als Dirigentin versteht: »Die Probenphase ist das Entscheidende. Am Anfang bin ich sehr aktiv, dann ziehe ich mich sukzessive raus, bis das Ensemble so gut wie alleine spielt.« Denn es geht ihr darum, das kammermusikalische Ideal zu verwirklichen, auch in der größeren Besetzung. Eine Künstlerin, für die nicht das Ego, sondern die Kunst allein zählt: Das ist ein Glücksfall – für Berlin und die Musikwelt.