Ein Fest für die Königin


Die Karl-Schuke-Orgel der Philharmonie

Seit 2008 rückt einmal im Monat in der Berliner Philharmonie ein Instrument in den Mittelpunkt, das in keinem Konzertsaal fehlen darf, doch dort ganz selten zum Einsatz kommt: die Orgel. 1965 von der renommierten Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke konzipiert, entspricht sie dem neobarocken Klangideal, das in den 1930er-Jahren mit der Orgelbewegung in Mode kam. Angeregt durch den Organisten Jean Guillou wurde das Instrument in den vergangenen zwei Jahren renoviert und klanglich erweitert: die Windanlage erhielt ein zweites Gebläse, die Schweller wurden verbessert und es kamen drei »romantische« Register hinzu sowie die »Tuba en chamade« mit horizontal aus dem Prospekt herausragenden Schallbechern in der Tradition eines spanischen Trompetenregisters. Doch die wichtigste Veränderung erfuhr der Spieltisch, der nun dem heutigen Stand der digitalen Technik entspricht und umfassende elektronische Spielhilfen bietet. Beim »Fest für die Königin« am 24. Januar 2013 bringt der Schweizer Organist Guy Bovet das frisch renovierte Instrument zum Klingen.


Historische Orgeln des Musikinstrumenten-Museums

Dass Orgeln nicht immer gigantisch und monumental sein müssen, beweisen die historischen Instrumente des an die Philharmonie angrenzenden Musikinstrumenten-Museums. Das einmanualige Orgelpositiv, um 1600 in Süddeutschland vermutlich in Nürnberg erbaut, das um 1680 entstandene Regal und das Orgelpositiv in Form eines Schreibsekretärs aus dem Jahr 1770 eigneten sich für das Musizieren im häuslichen Bereich und vermitteln dem Hörer mit ihren obertonreichen Dispositionen einen Eindruck von der Klangwelt barocker Orgelinstrumente. Beispiele kleinerer Kirchenorgeln des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind das aus England stammende dreimanualige Instrument aus den Werkstätten von William und John Gray sowie die zweimanualige Orgel der dänischen Werkstatt von Marcussen & Sohn. Sämtliche Instrumente, die der Berliner Domorganist Andreas Sieling vorführt, sind nicht nur akustische, sondern auch optische Schmuckstücke.


»The Mighty Wurlitzer« und die Rodgers-Digitalorgel

Eine ganz eigene Tradition der Orgelbaukunst und des Orgelspiels besitzen die Theater- und Kinoorgeln, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur musikalischen Untermalung von Stummfilmen entwickelt wurden. Als »Ein-Mann-Orchester« sollten sie ein möglichst symphonisches Klanggeschehen entfalten können. Aus diesem Grund verfügen diese Orgeln neben den üblichen Pfeifenregistern über eine Reihe von Schlagwerken wie Xylofone, Glockenspiele, Pauken und Trommeln sowie spezielle Effektregister. Führend in der Herstellung dieser Instrumente war die amerikanische Rudolph Wurlitzer Company. Die viermanualige »Mighty Wurlitzer«, die der britische Theaterorgel-Spezialist Simon Gledhill präsentiert, stammte einst aus dem Besitz des Industriellen Werner von Siemens und gehört zu den Glanzstücken des Berliner Musikinstrumenten-Museums. Die billiger herzustellenden Hammond-Orgeln verdrängten später die Kirchen- und Theaterorgeln. Heute bilden digitale Orgeln eine wichtige Alternative zu den rein akustischen Instrumenten. Auch sie fehlen dank der Vorführung der Rodgers-Digitalorgel Modell 588 durch Michel König beim »Fest für die Königin« nicht.

Zum »Fest für die Königin«

 


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