Berliner Philharmoniker
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Ein Winternachmittag in Alma Mahlers rotem Musiksalon

01.12.2003

erstellt von Alexander McWilliam

Winterzeit – Salonzeit. An einem Winternachmittag im Dezember setzen die Berliner Philharmoniker die von ihrem Cellisten Götz Teutsch vor drei Jahren initiierte Reihe der Philharmonischen Salons fort. Bislang trafen sich die „aficionados al salón“ in der Französischen Straße in Berlin bei Fanny Hensel, bei dem Kon-zertveranstalter und Mäzen Mitrofan Petrowitsch Beljajew in St. Petersburg oder begleiteten Marcel Proust in den Salon von Ma-deleine Lemaire im Faubourg St. Honoré. Sie stritten über den guten Geschmack im Salon der Madame Pompadour am Hof zu Versailles und überstanden unversehrt die Hommage an den lite-rarischen und musikalischen Salonkitsch, von Heinrich Heine „musikalisches Rattengift“ geschimpft (in: „Lutetia“, 1854). Beim letzten Philharmonischen Salon fand sich tout Berlin der Zeit zwischen 1780 und 1840 in Rahel Levin Varnhagens Salon ein, um neben anderen zeitgenössischen Werken dem Klavierquartett des Prinzen Louis Ferdinand zu lauschen.

 

Im Philharmonischen Salon soll das geistige Umfeld der jeweils aufgeführten Kammermusik wiedererstehen. Es geht nicht um die musikalische Rekonstruktion von Kammermusikabenden, wie sie vor Zeiten in Berlin, St. Petersburg oder Paris stattgefunden haben – bloßer Historizismus wäre dies. Die Salons jener Zeit dienen als Ausgangspunkt dafür, in den jetzigen Philharmoni-schen Salons die damaligen Geisteshaltungen, Befindlichkeiten und Kunsttendenzen, z. B. in der Poesie, zu evozieren.

 

Nun lädt Götz Teutsch seine Salonbesucher ein, sich mit ihm in das Wien der 20er-Jahre, in den roten Musiksalon Alma Mahlers zu begeben. Alma Mahler-Werfel, schillernde femme fatale, Witwe Gustav Mahlers (er starb 1911), wurde nach Walter Gropius (ihn heiratete sie 1915) und Oskar Kokoschka (die Liaison mit ihm währte 3 Jahre, er malte sie als „Windsbraut“) inzwischen von Franz Werfel verehrt und begehrt. Sie nannte den Dichter ihr „Mannkind“ und hat sein Gedicht „Der Erkennende“, erschienen im September 1915 in der Wiener Monatszeitschrift "Die weißen Blätter“, als Lied vertont. Dessen Interpretin wird im Philharmonischen roten Musiksalon die Sopranistin Christine Schäfer sein.

 

Aus Alma Mahlers Tagebuch: „Eines Tages unternahm ich es, den ‚Pierrot lunaire’ in meinem Salon aufzuführen. Vor allem wollte ich dieses urfremde Werk den Wiener Freunden und Mu-sikern nahebringen. Das Werk wurde bei mir zweimal nachein-ander aufgeführt. Zuerst vom Kapellmeister Stein, der ein Schü-ler und Prophet Schönbergs war. Dann von Darius Milhaud – ori-gineller war es zweifellos in Schönbergs rhythmisierter Fassung des betonten Sprechens.“ Christine Schäfers Interpretation des Pierrot lunaire wird im Philharmonischen Salon pantomimisch von Aleksandar Acev begleitet.


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