Berliner Philharmoniker

Ausstellung: Szymon Goldberg

23.01.2014

Die Berliner Philharmoniker erinnern mit einer Ausstellung an ihren ehemaligen Konzertmeister Szymon Goldberg (1909 – 1993), die anhand von Dokumenten, Fotos, Aussagen von Zeitzeugen und einer Hörstation über sein bewegtes Leben informieren soll. Szymon Goldberg ist einer der herausragendsten Musiker einer goldenen Zeit des Musiklebens in Berlin zwischen Ende des Ersten Weltkrieges und der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten.

1909 in Włocławek in der Nähe von Warschau geboren, kommt er 1918 nach Berlin und wird bald Schüler des berühmten Geigenpädagogen Carl Flesch. 1924 debütiert er als Solist bei den Berliner Philharmonikern, sechs Jahre später ernennt ihn Wilhelm Furtwängler zum Konzertmeister, nachdem er diese Funktion bei der Dresdner Philharmonie vier Jahre lang ausgeübt hatte. Auch kammermusikalisch zeichnet er sich aus, er spielt im Philharmonischen Streichquartett und im Streichtrio mit Paul Hindemith (Bratsche) und Emanuel Feuermann (Violoncello).

1934 werden Goldberg und die drei weiteren jüdischen Musiker des Orchesters zur Emigration gezwungen, die den Geiger auf weite Reisen als Virtuose durch Europa, Amerika und Asien führt. Zwei Jahre vor Ende des Zweiten Weltkrieges trifft auch ihn der Rassenwahn. Er wird bei einer Konzertreise in Java von den japanischen Besatzern inhaftiert und in verschiedenen Konzentrationslagern bis 1945 interniert. In den 1950er-Jahren versucht er, nach Berlin zurückzukommen und an sein früheres Leben anzuknüpfen, was aber unter den alten Bedingungen nicht mehr möglich ist. So verlegt er seinen Wohnsitz nach Amerika und beginnt dort eine rege Konzert- und Lehrtätigkeit. Er musiziert mit musikalischen Größen wie dem Pianisten Rudolf Serkin, dem Cellisten Pablo Casals und dem Bratscher William Primrose, unterrichtet in Aspen (Colorado), und ab 1978 an der Juilliard School of Music in New York und dem Curtis Institute in Philadelphia. Auch in London und Amsterdam lebt er viele Jahre, konzertiert mit dem Pianisten Radu Lupu und leitet das Niederländische Kammerorchester. 1988 heiratet Goldberg in zweiter Ehe die Pianistin Miyoko Yamane und verlegt bald darauf seinen Wohnsitz nach Japan, wo er seine Tätigkeiten als Solist, Dirigent und Dozent weiterführt. Am 19. Juli 1993 stirbt er im Alter von 84 Jahren In Toyama. Er bleibt Hörern und Schülern durch seine „feine Stimme“ in Erinnerung.

Eine große Unterstützung und Bereitstellung von Materialien kam von Seiten des Dresdners Volker Karp, 36 Jahre lang Geiger bei der Dresdner Philharmonie, der ein leidenschaftlicher Sammler von Dokumenten zu Szymon Goldberg ist. Die Ausstellung im Foyer der Philharmonie läuft vom 2. Februar bis zum 16. März 2014, der Eintritt ist frei und sie ist zu den Kassenzeiten sowie zu Konzerten zu besichtigen.


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Szymon Goldberg
Evelyn Hofer

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